Das Werksgasthaus der Gutehoffnungshütte in Oberhausen

Daniel Sobanski (Herne)

Postkarte des Werksgasthauses. (Sammlung Erich Stöck, Oberhausen)

1. Einleitung

Das Werks­gast­haus der Gu­te­hoff­nungs­hüt­te ist ei­nes der we­ni­gen gut er­hal­te­nen Ge­bäu­de sei­ner Art im Ruhr­ge­biet. Es ist dar­über hin­aus ein Bau­werk mit ei­ner in­ter­es­san­ten Ge­schich­te, ge­wis­ser­ma­ßen ein Spie­gel für die so­zi­al­ge­schicht­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Schwer­in­dus­trie im Ruhr­ge­biet. Am Bei­spiel des Werks­gast­hau­ses lässt sich auf­zeich­nen, wie sich Hier­ar­chi­en, Kon­flik­te und po­li­ti­sche Ein­flüs­se in ei­nem Gro­ß­un­ter­neh­men wan­del­ten.

2. Die GHH im Überblick

Die Gu­te­hoff­nungs­hüt­te war das ers­te schwer­in­dus­tri­el­le Un­ter­neh­men des Ruhr­ge­biets. Sie geht zu­rück auf die drei ers­ten Hoch­ofen­wer­ke St. An­t­o­ny-Hüt­te, ge­grün­det 1785, Gu­te Hoff­nung 1780 und Neu-Es­sen 1792. Un­ter Lei­tung der Ruhr­or­ter Kauf­leu­te Fran­z und Ger­har­d Ha­ni­el, des Ko­blen­zer Hüt­ten­meis­ters Gott­lob Ja­co­bi (1770-1823) und des Es­se­ner Bür­ger­meis­ters Hein­rich Huys­sen (1779-1870) wur­den die drei Wer­ke 1808/1810 in ei­nem Un­ter­neh­men ver­eint. Die Ei­sen­hüt­te Gu­te Hoff­nung in Ober­hau­sen-Sterk­ra­de ent­wi­ckel­te sich zum Zen­trum für Ma­schi­nen­bau und Stahl­bau.

3. Baugeschichte des Werkgasthauses

Zur Ver­kös­ti­gung der lei­ten­den An­ge­stell­ten so­wie zur Be­wir­tung von Kun­den und Ge­schäfts­part­nern be­nö­tig­te die GHH ein re­prä­sen­ta­ti­ves Ge­bäu­de in ih­rer Kon­zern­zen­tra­le. In der Nä­he des Was­ser­turms gab es für die­sen Zweck ein Ver­eins­haus. Um 1913 fiel die Ent­schei­dung zur Er­rich­tung ei­nes Nach­fol­ge­baus, da das bis­he­ri­ge Ca­si­no den An­sprü­chen des auf­stre­ben­den Kon­zerns an Platz und Re­prä­sen­ta­ti­on nicht mehr ge­nüg­te. Mit dem Ent­wurf zu ei­nem Neu­bau wur­de der Stutt­gar­ter Ar­chi­tekt Carl Wei­g­le (1849-1931 oder 1932) be­auf­tragt[6].  Wei­g­le kon­zi­pier­te das Ka­si­no­ge­bäu­de im neo­ba­ro­cken Stil[7]. Für den Bau wur­den ei­ni­ge Stra­ßen ver­legt, da­mit „es dem Be­schau­er von al­len Sei­ten ein in der Mas­sen­ver­tei­lung glück­lich ge­lös­tes Bild zeigt.“ Ein 60 Zen­ti­me­ter ho­her Stahl­be­ton­so­ckel schütz­te die Mau­ern vor Berg­schä­den[8] . Das Trag­werk wur­de – zum Auf­trag­ge­ber pas­send – aus 1.200 Ton­nen Stahl er­rich­tet, die Zwi­schen­de­cken wur­den schall­dämp­fend kon­stru­iert, um die Frem­den­zim­mer in den Ober­ge­schos­sen vor Lärm aus dem dar­un­ter lie­gen­den Ver­an­stal­tungs­aal zu schüt­zen[9].

Den Bau der Stahl­trag­wer­ke über­nahm die Duis­bur­ger AG für Ei­sen-In­dus­trie und Brü­cken­bau vor­mals Jo­hann Cas­par Harkort.[10] Dass hier ei­ne Fremd­fir­ma be­auf­tragt wur­de, ist durch­aus er­wäh­nens­wert. Im­mer­hin ver­füg­te die GHH selbst über ei­ne ei­ge­ne Ab­tei­lung für Brü­cken­bau und Stahl­hoch­bau in Ober­hau­sen-Sterk­ra­de. Das Stahl­ge­rüst ei­nes an­de­ren re­prä­sen­ta­ti­ven Ge­bäu­des, des Haupt­la­ger­hau­ses von 1925, wur­de von die­sem Be­trieb ge­lie­fert, was die GHH auch für die Ei­gen­wer­bung in Sze­ne setz­te.[11] Ei­ne mög­li­che Er­klä­rung dürf­te ei­ne ho­he Aus­las­tung der ei­ge­nen Be­trie­be ge­we­sen sein, so dass die­ser Auf­trag fremd­ver­ge­ben wer­den muss­te. Das Roh­ma­te­ri­al für J.C. Harkorts Stahl­trä­ger hat­te in­des das Ober­hau­se­ner Stahl­werk der GHH her­ge­stellt.[12] 

Die Fer­tig­stel­lung er­folg­te im Lau­fe des Jah­res 1913.[13] Ein eher an­ek­do­ti­scher Be­richt ist in der Nie­der­rhei­ni­schen Ar­bei­ter-Zei­tung über­lie­fert, wo Vor­wür­fe über die Ar­beits­be­din­gun­gen auf der Bau­stel­le er­ho­ben wer­den, ins­be­son­de­re über den Zu­stand der Toi­let­ten.[14] Die ers­te öf­fent­li­che Ver­an­stal­tung zur Ein­wei­hung der Büh­ne im gro­ßen Saal war ei­ne Auf­füh­rung des sei­ner­zeit be­kann­ten Thea­ter­stücks „Schnei­der Wib­bel“ von Hans Mül­ler Schlös­ser (1884-1956) am 18.7.1914.[15] 

4. Beamten-Casino

Wie schon die Be­zeich­nung Be­am­ten­ge­sell­schafts­haus zeigt, war das Ge­bäu­de den hö­he­ren Rän­gen in der be­trieb­li­chen Hier­ar­chie vor­be­hal­ten. Die ein­zi­ge Aus­nah­me bil­de­ten aus­wär­ti­ge Mit­glie­der der Ge­sell­schaft „Ver­ein“.[16] Da­bei han­del­te sich um ei­ne der bür­ger­li­chen Ge­sell­schaf­ten, in der sich die Ho­no­ra­tio­ren der Stadt or­ga­ni­sier­ten.[17] 

Werksgasthaus mit Rondell, Juli 1929. (LVR-Industriemuseum)

 

Die­ser Zweck spie­gelt sich auch in der recht kom­for­ta­blen Aus­stat­tung des Werks­gast­hau­ses wi­der. Ne­ben dem gro­ßen Saal, der von vorn­her­ein für Ver­an­stal­tun­gen vor­ge­se­hen war, hat­te das Werks­gast­haus ei­nen Spei­se­saal und meh­re­re se­pa­ra­te Ess­zim­mer so­wie ei­nen Büf­fet­raum. Wei­te­re An­nehm­lich­kei­ten bo­ten ein Win­ter­gar­ten, Ke­gel­bah­nen, Bil­lard-, Bier- und Le­se­zim­mer. Dem Auf­sichts­rat war ein ei­ge­ner Raum samt Vor­zim­mer vor­be­hal­ten. Für Gäs­te, die mit dem Au­to an­reis­ten, gab es zu­dem ei­nen Auf­ent­halts­raum für de­ren Chauf­feu­re. Gäs­te­zim­mer be­fan­den sich in den obe­ren Stock­wer­ken.[18] 

Den all­täg­li­chen Be­trieb des Werks­gast­hau­ses führ­te ein „Oe­co­no­m“ auf ei­ge­ne Rech­nung mit ei­ge­nem Per­so­nal und ei­ge­ner Aus­stat­tung. Die­ser war kein An­ge­stell­ter der GHH, son­dern ein selbst­stän­di­ger Gast­wirt. Ein Mit­ar­bei­ter der GHH fun­gier­te als Ver­bin­dung zum Un­ter­neh­men und teil­te ent­spre­chen­de Wün­sche, Be­stel­lun­gen, Zim­mer­re­ser­vie­rung usw. mit.

Der Dienst­ver­trag des Oe­co­no­men ver­deut­licht, wie sich die Hier­ar­chie in­ner­halb der obe­ren Eta­ge des Un­ter­neh­mens im Be­trieb des Werks­gast­hau­ses nie­der­schlug. Die Auf­ga­be des Ge­schäfts­füh­rers war zum ei­nen die Zu­be­rei­tung ei­nes Mit­tag- und Abend­es­sens für die Be­am­ten, das so­ge­nann­te Abon­nen­ten-Es­sen, das, wie in mo­der­nen Kan­ti­nen, vor­be­rei­te­te Ta­ges­ge­rich­te um­fass­te. Das Abon­nen­ten-Es­sen soll­te zum Selbst­kos­ten­preis ge­reicht wer­den, ein­schlie­ß­lich ei­nes Kos­ten­zu­schus­ses der GHH. Zum an­de­ren muss­te ein à-la-car­te-Me­nü für Gäs­te an­ge­bo­ten wer­den, be­ste­hend aus Sup­pe, Bra­ten, But­ter und Brot. Für Ta­gungs­gäs­te soll­te „ein­fa­che­res Es­sen“ an­ge­bo­ten wer­den. Den An­kauf und Aus­schank von Wein und Spi­ri­tuo­sen be­hielt sich die GHH selbst vor. Der Oe­co­nom stell­te nicht nur sein ei­ge­nes Per­so­nal an, son­dern muss­te auch Ge­schirr und an­de­res Ma­te­ri­al an­schaf­fen. Die GHH hielt da­ge­gen das gu­te Ge­schirr für Vor­stän­de und be­son­de­re Gäs­te selbst vor. Es wur­de dem Be­trei­ber nur für die Vor­be­rei­tung von be­son­de­ren Ver­an­stal­tun­gen aus­ge­hän­digt.[19] 

Da über­rascht es nicht, dass die all­täg­li­che Ver­pfle­gung der Be­am­ten nicht die höchs­te Prio­ri­tät zu ge­nie­ßen schien. Über die Qua­li­tät des Es­sens kam es häu­fig zu Kla­gen, die die Ver­wal­tung der GHH sich da­mit er­klär­te, dass die Kö­che lie­ber á-la-car­te-Ge­rich­te zu­be­rei­te­ten. Da die Be­trei­ber des Werks­gast­hau­ses am Abon­nen­ten-Es­sen nichts ver­dien­ten, ist dies be­triebs­wirt­schaft­lich nicht ganz un­ver­ständ­lich. Die GHH zog aus den Be­schwer­den die Kon­se­quenz, ih­re Zu­schüs­se für das Abon­nen­ten-Es­sen von der Zahl der ser­vier­ten Ge­de­cke ab­hän­gig zu ma­chen.[20] Aber auch für die Ver­wal­tung der GHH hat­te die Be­wir­tung von Gäs­ten of­fen­bar grö­ße­res Ge­wicht. Dar­auf weist zu­min­dest der Plan hin, das Abon­nen­ten-Es­sen in das al­te Ver­eins­haus zu ver­le­gen, um im Werks­gast­haus aus­rei­chend Raum für an­de­re Gäs­te zu ha­ben.[21] 

Speisesaal des Werkgasthauses, März 1936. (LVR-Industriemuseum)

 

Im All­tag führ­te die Auf­tei­lung des An­ge­bots zwi­schen ein­fa­chen Be­am­ten und der Chef­eta­ge durch­aus zu Kon­flik­ten. Aus der Be­am­ten­schaft wur­den Be­schwer­den über den Lei­ter des Werks­gast­hau­ses laut. Des­sen Er­klä­rung zu Fol­ge lag der Grund für die Kla­gen dar­in, dass er den Be­am­ten be­stimm­te Wei­ne ver­wei­gert hat­te. Man­che Trop­fen wa­ren näm­lich den Mit­glie­dern des Vor­stands vor­be­hal­ten und durf­ten nicht an die Be­am­ten aus­ge­schenkt wer­den.[22] Die Aus­wahl der Wei­ne für den Aus­schank im Ca­si­no war üb­ri­gens Chef­sa­che. Ei­ne Lis­te der Teil­neh­mer ei­ner Wein­pro­be im Werks­gast­haus zeigt mit Na­men wie Reusch, Kel­ler­mann und Di­ckert­mann so et­was wie ein Who‘s who der GHH-Spit­ze.[23] 

Ob sie nun be­rech­tigt wa­ren oder nicht – die häu­fi­gen Be­schwer­den führ­ten letz­lich da­zu, dass die GHH das al­te Be­triebs­mo­dell auf­gab und die Lei­tung des Werks­gast­hau­ses ei­nem neu­en, fest an­ge­stell­ten Ge­schäfts­füh­rer über­trug.[24] Al­ler­dings war das Werk­gast­haus von vorn­her­ein nicht bloß als ge­ho­be­nes Be­triebs­re­stau­rant ge­dacht, son­dern auch als Ver­an­stal­tungs- und Ta­gungs­ort. Zu den hoch­ran­gigs­ten Gäs­ten, die ins Werks­gast­hau­ses ge­la­den wur­den, zähl­ten die in der Ruhr­la­de or­ga­ni­sier­ten füh­ren­den In­dus­tri­el­len des Ruhr­ge­biets.[25] 

Die ge­bo­te­nen Frei­zeit­ver­an­stal­tun­gen wer­fen ein Licht auf den Le­bens­stil ge­ho­be­ner Krei­se. Zu de­ren klas­si­schen Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten zähl­ten Kon­zer­te und Vor­trä­ge für die klas­si­sche Bil­dung. Für mu­si­ka­li­sche Un­ter­hal­tung sorg­te schon der un­ter­neh­mens­ei­ge­ne Sän­ger­bund, zum Teil zu­sam­men mit ex­ter­nen Künst­lern. Aber auch die Be­am­ten wur­den zu wis­sen­schaft­li­chen Vor­trä­gen ge­la­den, wie die Be­kannt­ma­chung ei­nes Re­fe­rats über „Bild­funk und elek­tri­sches Fern­se­hen“ zeigt.[26] Nicht zu ver­ges­sen sind die Kar­ne­vals­fei­ern, für die der gro­ße Saal auf­wen­dig her­ge­rich­tet wur­de.

Reusch-Abend, 1935. (LVR-Industriemuseum)

 

Of­fen­bar spiel­te das Werks­gast­haus auch ei­ne Rol­le für die Stadt­ge­sell­schaft Alt-Ober­hau­sens. In Er­man­ge­lung ei­nes gro­ßen Fest­saals – die meis­ten Fei­ern der städ­ti­schen Ho­no­ra­tio­ren fan­den in Gast­stät­ten mit nur be­schränk­ten Räum­lich­kei­ten statt[27] – mie­te­ten auch Ver­ei­ne und Ver­bän­de die Sä­le an. Über­lie­fert sind zum Bei­spiel ei­ne Ta­gung des Ver­bands deut­scher In­ge­nieu­re und ein Tref­fen der Ver­ei­ni­gung der Po­li­zei-Of­fi­zie­re Preu­ßens.[28] Man­chen Ver­ei­nen kam of­fen­bar zu­gu­te, dass ih­re Mit­glie­der Be­am­te der GHH wa­ren.[29] Zu den pro­mi­nen­tes­ten Gäs­ten zähl­te die Ober­hau­se­ner Un­ter­neh­mer­gat­tin Mar­tha Gril­lo, die ih­re Sil­ber­hoch­zeit im Werks­gast­haus­saal be­ge­hen woll­te.[30] Ei­ni­ge Da­men der hö­he­ren Ge­sell­schaft nut­zen das Gast­haus zu­dem für ei­nen Kurs in rhyth­mi­scher Gym­nas­tik.[31] 

5. Propagandabühne

Die Macht­über­nah­me der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten hat­te Aus­wir­kun­gen auf das Werks­gast­haus. Ob­wohl der Ge­ne­ral­di­rek­tor der GHH, Paul Reusch (1868-1956), ei­ne am­bi­va­len­te Hal­tung zu den neu­en Macht­ha­bern ein­nahm[32], setz­ten sich im Un­ter­neh­men die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ri­tua­le der „na­tio­na­len Ar­beit“ durch. Um die al­ten Kon­flik­te zwi­schen Ar­beit­neh­mern und Un­ter­neh­mens­lei­tung zu über­de­cken, ze­le­brier­te man in Ober­hau­sen wie an­dern­orts auch ei­ne kon­stru­ier­te Werks­ge­mein­schaft.[33] Das Werks­gast­haus wur­de zum Schau­platz sol­cher Ri­tua­le. Das wich­tigs­te Ri­tu­al war die jähr­li­che Eh­rung der Ju­bi­la­re, wo­mit das Un­ter­neh­men lang­jäh­ri­ge Treue be­lohn­te. Im Jahr 1934 wur­de erst­mal ein zen­tra­ler Fest­akt für die Ju­bi­la­re al­ler Ab­tei­lun­gen in der Haupt­ver­wal­tung ab­ge­hal­ten und ei­ne Fei­er im gro­ßen Saal des Werks­gast­hau­ses aus­ge­rich­tet.[34] Zu­vor war nur ein er­le­se­ner Kreis der we­ni­gen Ar­bei­ter und An­ge­stell­ten, die ein 50-jäh­ri­ges Be­triebs­ju­bi­lä­um fei­ern konn­ten, in den Ge­nuss ei­ner Fei­er im ex­klu­si­ven Werks­gast­haus ge­kom­men.[35] Di­rek­tor Her­mann Kel­ler­mann (1875-1965) ord­ne­te das neue Ri­tu­al der gro­ßen Ju­bi­lar­eh­rung in­des in die Tra­di­ti­on des ei­ge­nen Un­ter­neh­mens ein, in­dem er her­vor­hob, dass es bis 1913 zen­tra­le Ju­bi­lar­fei­ern ge­ge­ben ha­be und die GHH die­sen Brauch wie­der auf­neh­me.[36] So drück­te er mehr oder we­ni­ger deut­lich aus, dass die Hal­tung zur Ar­beit ei­ne Ge­mein­sam­keit zum na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schem Re­gime dar­stel­le.

Ein an­de­res, be­deu­ten­de­res Ri­tu­al war der „Tag der Na­tio­na­len Ar­beit“ am 1. Mai. Die­ser wur­de in den ein­zel­nen Ab­tei­lun­gen mit Auf­mär­schen und Re­den be­gan­gen. Das Werks­gast­haus öff­ne­te am Abend sei­ne Tü­ren für die Be­leg­schaft des Hoch­ofen­be­triebs. An­de­re Ab­tei­lun­gen fei­er­ten in ver­schie­de­nen Gast­häu­sern.[37] 

Im Au­ßen­be­reich des Ge­bäu­des er­rich­te­te die GHH ein Denk­mal für die im Ers­ten Welt­krieg ge­fal­le­nen Un­ter­neh­mens­an­ge­hö­ri­gen. Das Mahn­mal wur­de am 6.5.1934 ein­ge­weiht. Ne­ben Di­rek­tor Kel­ler­mann hielt der Ob­mann der „Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Be­triebs­zel­len Or­ga­ni­sa­ti­on“ (NS­BO) Jür­gens ei­ne Re­de. Schlie­ß­lich san­gen die rund 1.500 ver­sam­mel­ten Per­so­nen die Na­tio­nal­hym­ne und das „Horst-Wes­sel-Lie­d“.[38] Auf den ers­ten Blick er­scheint dies wie ei­ne gut in­sze­nier­te Pro­pa­gan­da­fei­er, die die Loya­li­tät der GHH zu Va­ter­land und Par­tei öf­fent­lich sicht­bar ma­chen soll­te. Schaut man sich die Zu­sam­men­hän­ge ge­nau­er an, zeigt sich ein dif­fe­ren­zier­te­res Bild.

Die GHH plan­te schon wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges, Mit­te 1916, den Bau von Denk­mä­lern für die Ge­fal­le­nen. Zu­nächst wa­ren zwei Mo­nu­men­te ge­plant, eins auf Ei­sen­hüt­te Ober­hau­sen II und eins in der Sied­lung Ja­co­bi-Schäch­te.[39] Die kon­kre­ten Pla­nun­gen für das Mahn­mal am Werks­gast­haus be­gan­nen 1930. Für die Ge­stal­tung wur­de ein reichs­wei­ter Künst­ler­wett­be­werb aus­ge­schrie­ben. Die Wahl fiel auf den Mün­che­ner Bild­hau­er Pro­fes­sor Fritz Behn (1878-1970).[40] Aus der Pla­nung der Ein­wei­hungs­fei­er am 6. Mai 1934 wird der Ver­such der Ver­ant­wort­li­chen deut­lich, sich der spe­zi­fisch na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Fest- und Auf­marsch­kul­tur zu­min­dest zum Teil zu ent­zie­hen. In ei­ner in­ter­nen Kor­re­spon­denz ord­ne­te Di­rek­tor Kel­ler­mann zu­nächst an, nur An­ge­hö­ri­ge des Un­ter­neh­mens zur Fei­er ein­zu­la­den und Be­hör­den und Par­tei­or­ga­ni­sa­tio­nen nicht da­zu zu bit­ten. Er for­mu­lier­te Be­den­ken, dass, so­bald Po­li­ti­ker und Ver­tre­ter der Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Be­triebs­zel­len Or­ga­ni­sa­tio­nen ein­ge­la­den wür­den, auch die SA, die Hit­ler-Ju­gend, der Stahl­helm usw. Ver­tre­ter ent­sen­den wür­den und so der Cha­rak­ter der Ge­denk­fei­er ver­lo­ren gin­ge.[41] Hin­ter die­ser Zu­rück­hal­tung ge­gen die Be­tei­li­gung der NS-Or­ga­ni­sa­tio­nen stand Paul Reusch, der Kel­ler­mann die Pla­nung der Ein­wei­hungs­fei­er bis ins kleins­te De­tail dik­tier­te. Dass schlie­ß­lich doch zu­min­dest die NS­BO ei­ne tra­gen­de Rol­le bei der Ver­an­stal­tung spiel­te, er­weckt den Ein­druck ei­ner Kom­pro­miss­lö­sung, die ei­nen dro­hen­den Eklat mit lo­ka­len Par­tei­funk­tio­nä­ren ge­ra­de noch ver­hin­der­te.[42]  Da­mit un­ter­strich die Ein­wei­hungs­fei­er des Eh­ren­mals am Werks­gast­haus die am­bi­va­len­te Hal­tung der GHH ge­gen­über den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten: Ei­ner­seits teil­te man die na­tio­na­le Ge­sin­nung und die Glo­ri­fi­zie­rung der To­ten des Ers­ten Welt­kriegs, an­de­rer­seits hielt man ei­ne ge­wis­se Dis­tanz zu den Ri­tua­len der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten.

Bau­lich wur­den in den 1930er Jah­ren, al­so nach rund 20 Jah­ren Be­trieb, die ers­ten In­stand­set­zun­gen not­wen­dig. Zum Teil wa­ren sie wohl auf nor­ma­len Ver­schleiß, zum Teil aber auch auf ge­wach­se­ne An­sprü­che zu­rück­zu­füh­ren. So er­hiel­ten die Frem­den­zim­mer in den obe­ren Eta­gen um 1930 ein­ge­bau­te Ba­de­räu­me.[43] Zur Hei­zung wur­de ei­ne Lei­tung für Ab­wär­me aus dem Walz­werk Ober­hau­sen ge­legt.[44] Au­ßer­dem er­hielt das Werks­gast­haus ei­ne Kli­ma­an­la­ge, die al­ler­dings zu­nächst nicht be­nutzt wer­den konn­te, weil der Luft­zug Ge­ne­ral­di­rek­tor Paul Reusch miss­fiel.[45] Die an­de­ren Maß­nah­men be­tra­fen vor al­lem die Er­neue­rung von An­stri­chen, Holz­ver­tä­fe­lun­gen und Ähn­li­chem.[46] 

6. Kriegsschäden

Die ers­ten Aus­wir­kun­gen des Zwei­ten Welt­krie­ges zeig­ten sich be­reits 1940, als die Zäu­ne um das Ge­län­de de­mon­tiert wer­den muss­ten, um das Me­tall für die Rüs­tungs­in­dus­trie zu re­cy­celn.[47] Im wei­te­ren Ver­lauf des Krie­ges wur­de dem Werks­gast­haus sei­ne La­ge zum Ver­häng­nis. Un­mit­tel­bar ne­ben dem Ka­si­no­ge­bäu­de er­streck­ten sich die Werks­an­la­gen der GHH, die ein wich­ti­ges Ziel al­li­ier­ter Bom­ber bil­de­ten. Das konn­te das Werks­gast­haus nicht un­be­scha­det über­ste­hen. Im wei­te­ren Schick­sal des Werks­gast­hau­ses spie­geln sich die ty­pi­schen Wir­ren der letz­ten Kriegs­ta­ge und der Nach­kriegs­zeit. Ge­mes­sen an der Men­ge über­lie­fer­ter Do­ku­men­te schei­nen die Ver­lus­te an Le­bens­mit­teln, Wein, Schnaps, Zi­gar­ren, Ge­schirr und Mö­beln schwe­rer ge­wo­gen zu ha­ben als die Schä­den durch Bom­ben. Ein mehr­sei­ti­ges Do­ku­ment lis­tet sämt­li­che Ver­lus­te auf. So wur­de ein Be­stand an Wein und Spi­ri­tuo­sen zum Bei­spiel von deut­schen Sol­da­ten re­qui­riert, an­de­re „Plün­de­run­gen“ wur­den den ehe­ma­li­gen Zwangs­ar­bei­tern zu­ge­schrie­ben.[48] Gleich nach Kriegs­en­de wur­den die schlimms­ten Schä­den am Ge­bäu­de be­sei­tigt, um es vor Wit­te­rungs­ein­flüs­sen zu schüt­zen.[49] 

1946 wur­den im Werks­gast­haus zu­nächst eng­li­sche Sol­da­ten ein­quar­tiert.[50] Ein Ver­such, das Ge­bäu­de zur vor­über­ge­hen­den Un­ter­brin­gung von su­den­ten­deut­schen Ar­bei­tern zu nut­zen, blieb in­des er­folg­los.[51] Nach dem Ab­zug der Sol­da­ten nahm die GHH auf Bit­te der Mi­li­tär­re­gie­rung die „Ju­gend-Ver­ei­ni­gung Ober­hau­sen“ im Werks­gast­haus auf.[52] Das zeigt, dass im zer­stör­ten Ober­hau­sen Man­gel an Räum­lich­kei­ten herrsch­te, wes­halb die GHH ih­re Sä­le auch an an­de­re Grup­pen ver­mie­te­te. Im gro­ßen Saal des Werks­gast­hau­ses fan­den 1947 un­ter an­de­rem ei­ne Turn­meis­ter­schaft, ein neu­apos­to­li­scher Got­tes­dienst, ein Box­kampf und ei­ne Ver­samm­lung der KPD statt.[53] 

7. Unter neuer Leitung

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg ord­ne­ten die Al­li­ier­ten die Schwer­in­dus­trie des Ruhr­ge­biets neu. In den deut­schen Gro­ß­kon­zer­nen sa­hen sie die ge­sell­schaft­li­che Ba­sis und be­reit­wil­li­ge Un­ter­stüt­zer der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Macht­über­nah­me. Um die Kon­zen­tra­ti­on öko­no­mi­scher Macht in we­ni­gen Hän­den zu bre­chen, wur­den die al­ten Kon­zer­ne in ein­zel­ne Ge­sell­schaf­ten auf­ge­spal­ten. Durch die so­ge­nann­te Ent­flech­tung ka­men die Hoch­öfen und Stahl­wer­ke der GHH zur neu­ge­grün­de­ten Hüt­ten­werk Ober­hau­sen AG (HO­AG). Da­mit wech­sel­te auch das Werks­gast­haus an der Es­se­ner Stra­ße den Be­sit­zer.

In ei­ner zen­tra­len ge­sell­schaft­li­chen Fra­ge er­schei­nen HO­AG und GHH wie Ge­gen­po­le. Bei der HO­AG wur­de mit Ar­beits­di­rek­tor Karl Stroh­men­ger ein Ge­werk­schaf­ter zur füh­ren­den Per­sön­lich­keit. Stroh­men­ger trieb bei der HO­AG die Mon­tan­mit­be­stim­mung vor­an. Sein „Ge­gen­spie­ler“ bei der GHH in Sterk­ra­de wur­de Her­mann Reusch (1896-1971), Sohn und Nach­fol­ger von Paul Reusch. Her­mann Reusch kämpf­te ver­geb­lich erst ge­gen die Ent­flech­tung des GHH-Kon­zerns dann ge­gen die Mon­tan­mit­be­stim­mung.[54] 

Die Nut­zung des Werks­gast­hau­ses durch den Be­triebs­rat zeigt ex­em­pla­risch, wel­chen Stand die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung bei der HO­AG im Ge­gen­satz zu GHH hat­te. Dass im Saal des Werks­gast­hau­ses Be­triebs­ver­samm­lun­gen ab­ge­hal­ten wur­den, er­scheint im Ver­gleich zur frü­he­ren Be­deu­tung des Ge­bäu­des schon auf­fal­lend. Im Fe­bru­ar 1951 aber wur­de das frü­he­re Be­am­ten-Ka­si­no Ort ei­ner sym­bol­träch­ti­ge­ren Ver­an­stal­tung. Nach dem To­de des Ge­werk­schaf­ters und Ar­chi­tek­ten der Mit­be­stim­mung Hans Böck­ler (1875-1951) wur­de im gro­ßen Saal an Stel­le der Be­leg­schafts­ver­samm­lung ei­ne Trau­er­fei­er für den „Ar­bei­ter­füh­rer“ ab­ge­hal­ten. Im Vor­jahr hat­te Hans Böck­ler noch ei­ne Press­kon­fe­renz im Ober­hau­se­ner Werks­gast­haus ge­ge­ben.[55] 

Dekoration des großen Saales für die Karnevalsfeier, 1935. (LVR-Industriemuseum)

 

Deut­lich wird der Be­deu­tungs­wan­del des Ge­bäu­des auch dar­an, dass 1953 die Bü­ros der Be­triebs­kran­ken­kas­se im Werks­gast­haus un­ter­ge­bracht wur­den. So fand ei­ne Ein­rich­tung der be­trieb­li­chen So­zi­al­für­sor­ge Ein­gang in das frü­her ex­klu­si­ve Ka­si­no­ge­bäu­de.[56] 

Über die of­fi­zi­el­len Ver­an­stal­tun­gen hin­aus wur­de das Werks­gast­haus zum Ort vie­ler Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten der Be­leg­schaft. An ers­ter Stel­le ste­hen hier die Wunsch­kon­zer­te des Werks­or­ches­ters und die Auf­trit­te des Sän­ger­bun­des.[57] Au­ßer­dem sah der gro­ße Saal Vor­stel­lun­gen der Büh­nen­grup­pe der HO­AG, Tanz­aben­de und Kar­ne­vals­fei­ern für die Be­leg­schaft so­wie Be­triebs­fei­ern an­läss­lich von Ju­bi­lä­en ein­zel­ner Ab­tei­lun­gen oder Frei­zeit­grup­pen.[58] Die be­deu­tends­ten Ver­an­stal­tun­gen im gro­ßen Saal des Werks­gast­hau­ses blie­ben je­doch die all­jähr­li­chen Ju­bi­lar­fei­ern.[59] 

Das Werks­gast­haus öff­ne­te sich nicht nur der Be­leg­schaft, son­dern auch der ge­sam­ten Stadt­ge­sell­schaft. Noch im­mer fehl­te ein aus­rei­chend gro­ßer öf­fent­li­cher Ver­an­stal­tungs­saal – die heu­ti­ge Lui­se-Al­bertz-Hal­le wur­de erst 1962 ge­baut. So dien­te der Saal des Gast­hau­ses auch als Büh­ne für Thea­ter­vor­stel­lun­gen und an­de­re öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen. Zum Bei­spiel gas­tier­ten die Ruhr­fest­spie­le mit ei­ner Auf­füh­rung von „Na­than der Wei­se“ oder der „Ne­ger­bas­sis­t“ Ken­neth Spen­cer (1913-1964) mit ei­nem Wohl­tä­tig­keits­kon­zert zu Guns­ten des Ro­ten Kreu­zes.[60] 

Bauarbeiten an der Fassade, 1953, Foto: Ruth Gläser. (Stadtarchiv Oberhausen)

 

Auch bau­lich wur­den das Werks­gast­haus und die Um­ge­bung die­sen Zwe­cken an­ge­passt. Um Gro­ß­ver­an­stal­tun­gen und Kon­zer­te bes­ser aus­rich­ten zu kön­nen, wur­de der Saal um­ge­stal­tet. Die De­cke wur­de da­zu zwei Me­ter ab­ge­senkt und mit Akus­tik-Plat­ten ver­klei­det. Die Wän­de er­hiel­ten ei­nen schall­schlu­cken­den Putz und wur­den bis zu ei­ner ge­wis­sen Hö­he mit „afri­ka­ni­schem Birn­baum-Hol­z“ ver­klei­det.[61] Im Au­ßen­be­reich er­hielt das Gast­haus ei­nen Park mit Ro­sen­gar­ten, Ter­ra­ri­um für Rep­ti­li­en und Teich.[62] Der Park dien­te re­gel­mä­ßig als Spiel­ort für Kon­zer­te des Werks­or­ches­ters für die Be­leg­schaft.[63] Als al­ler­dings ab 1957 der neue Hoch­ofen A ge­baut wur­de, muss­te das Werks­gast­haus ei­nen gro­ßen Teil der Park­flä­che an die Ei­sen­hüt­te Ober­hau­sen II ab­tre­ten.[64] 

Werksgasthaus während des Baus des Hochofens A, 1958. (Historischer Verein Oberhausen-Ost)

 

Ne­ben den vie­len Ver­an­stal­tun­gen für die Be­leg­schaft be­hielt das Werks­gast­haus je­doch sei­ne Be­deu­tung für die Un­ter­neh­mens­füh­rung. Am deut­lichs­ten wird dies an den jähr­li­chen Haupt­ver­samm­lun­gen, an de­nen vie­le pro­mi­nen­te Ver­tre­ter der Schwer­in­dus­trie teil­nah­men.[67] Au­ßer­dem blieb das Werks­gast­haus der Ort für die Be­wir­tung wich­ti­ger Gäs­te des Un­ter­neh­mens. Im An­schluss an ei­ne Be­sich­ti­gung der Werks­an­la­gen bot es das pas­sen­de Am­bi­en­te für Ge­sprä­che und ge­schäft­li­che Ver­hand­lun­gen. Hier spie­gelt sich wie­der­um die all­ge­mei­ne his­to­ri­sche Ent­wick­lung wi­der. So ka­men zum Bei­spiel Ver­tre­ter nun­mehr un­ab­hän­gi­ger ehe­ma­li­ger eu­ro­päi­scher Ko­lo­ni­en nach Eu­ro­pa, um ge­schäft­li­che Kon­tak­te zu knüp­fen und die In­dus­tria­li­sie­rung ih­rer Län­der zu för­dern. So be­rich­tet die Werks­zeit­schrift „Echo der Ar­beit“ et­wa über den Be­such von Kö­ni­gen der As­han­ti aus Gha­na.[68] 

Zum En­de der 1960er Jah­re er­leb­te das Werks­gast­haus ei­nen zu­neh­men­den Be­deu­tungs­ver­lust. Der Pro­zess be­gann mit der Ver­le­gung der Haupt­ver­samm­lun­gen von der Es­se­ner Stra­ße in die neue Ober­hau­se­ner Stadt­hal­le ab dem Jahr 1963.[69] An­schlie­ßend wan­der­ten auch die Gro­ß­ver­an­stal­tun­gen von der und für die Be­leg­schaft in der Stadt­hal­le ab. Am En­de des Jahr­zehnts wur­den so­wohl die Ju­bi­lar­eh­run­gen als auch die Be­leg­schafts­ver­samm­lun­gen in den städ­ti­schen Sä­len ab­ge­hal­ten.[70] Auch klei­ne­re Zu­sam­men­künf­te, wie die der Schwer­be­hin­der­ten, fan­den nicht mehr not­wen­di­ger­wei­se im gro­ßen Saal an der Es­se­ner Stra­ße statt.[71] Selbst die Kar­ne­va­lis­ten von Grün-Weiß HO­AG tra­fen sich in der Stadt­hal­le.[72] 

8. Thyssen Niederrhein

En­de der 1960er Jah­re wur­den die ers­ten An­zei­chen der Kri­se der Ei­sen- und Stahl­in­dus­trie des Ruhr­ge­biets deut­lich. Im Zu­ge die­ser Kri­se voll­zog sich ein um­fang­rei­cher Kon­zen­tra­ti­ons­pro­zess, in des­sen Ver­lauf auch die Hüt­ten­wer­ke Ober­hau­sen AG in ei­nen Gro­ß­kon­zern ein­ge­glie­dert wur­den. Der Pro­zess be­gann mit der Über­nah­me der Ak­ti­en­mehr­heit durch die Au­gust-Thys­sen-Hüt­te 1968[73]. Im fol­gen­den Jahr sah das Werks­gast­haus noch ein­mal ei­ne Haupt­ver­samm­lung der Ak­tio­nä­re. Mög­lich­wei­se ge­nüg­te der Saal des Werks­gast­hau­ses wie­der, weil mit dem En­ga­ge­ment Thys­sens die Zahl der in­di­vi­du­el­len An­teils­eig­ner zu­rück­ge­gan­gen war. Bei die­ser Haupt­ver­samm­lung im Werks­gast­haus fiel der Be­schluss zur voll­stän­di­gen Über­nah­me der HO­AG in den Thys­sen-Kon­zern[74]. 1971 wur­de die HO­AG mit ei­ner an­de­ren Thys­sen-Toch­ter der Nie­der­rhei­ni­schen Hüt­te zur Thys­sen Nie­der­rhein AG ver­schmol­zen[75].

Delegation aus Ghana, 1959. (Sammlung Ursula Vermeltfoort, Eindhoven Niederlande)

 

Mit der Über­nah­me setz­te sich der Be­deu­tungs­ver­lust des Werks­gast­hau­ses fort. Nach der Ein­glie­de­rung in den Thys­sen-Kon­zern wur­den die zen­tra­len Ent­schei­dun­gen nicht mehr an der Es­se­ner Stra­ße ge­trof­fen, so dass das Werks­gast­haus nicht mehr die ers­te Adres­se für Ak­tio­närs­ver­samm­lun­gen oder Ge­schäfts­ver­hand­lun­gen war. In Kon­se­quenz dar­aus wur­de das Werks­gast­haus im Jahr 1970 um­ge­baut[76]. Nach Ent­wurf durch den Es­se­ner Ar­chi­tek­ten Ar­thur Zil­ges er­folg­te ei­ne um­fang­rei­che Um­ge­stal­tung der his­to­ri­schen Räu­me. Nach drei­mo­na­ti­gem Um­bau wur­de aus dem gro­ßen Saal ei­ne Selbst­be­die­nungs­kan­ti­ne. In den Saal wur­de ei­ne Zwi­schen­de­cke ein­ge­zo­gen, an den Sei­ten wur­den Es­sens­aus­ga­be, Ge­trän­ke­au­to­ma­ten und ein Trans­port­band für ge­brauch­tes Ge­schirr un­ter­ge­bracht. Die Werks­zeit­schrift be­rich­te­te: „Durch ei­ne bes­se­re räum­li­che Auf­tei­lung des gro­ßen Saals sind 260 Sitz­plät­ze ge­schaf­fen wor­den“. Tat­säch­lich wur­den die Ti­sche wohl ein­fach nur en­ger auf­ge­stellt[77].

Mit bis zu 1.200 Mahl­zei­ten pro Tag war das Werks­gast­haus nun vor al­lem Gro­ß­kan­ti­ne[78]. Für an­de­re Ver­an­stal­tun­gen war das Ge­bäu­de nicht mehr ge­eig­net, was sich bei­spiel­haft am Werks­or­ches­ter zeigt. Hat­te es in den 1960er Jah­ren noch re­gel­mä­ßig gro­ße Kon­zer­te der werks­ei­ge­nen Mu­si­ker im gro­ßen Saal ge­ge­ben, konn­ten sie jetzt le­dig­lich ei­ni­ge Ne­ben­räu­me für Pro­ben nut­zen. Gro­ße Auf­trit­te blie­ben dem Or­ches­ter ver­sagt, da es die Saal­mie­te für die Stadt­hal­le nicht auf­brin­gen konn­te[79].

9. Strukturwandel

Auch nach der Über­nah­me durch Thys­sen setz­te sich der Nie­der­gang der Ober­hau­se­ner Hüt­ten­wer­ke fort. An­fang der 1990er Jah­re war ein Gro­ß­teil der Werks­an­la­gen still­ge­legt. Da­mit stand die Stadt Ober­hau­sen vor der Her­aus­for­de­rung, ei­ne neue Nut­zung für das frei ge­wor­de­ne Ge­län­de des Hüt­ten­werks zu fin­den und gleich­zei­tig den gra­vie­ren­den Fol­gen der De­indus­tria­li­sie­rung für den Ar­beits­markt zu be­geg­nen.

Auf dem ehe­ma­li­gen Werks­ge­län­de ent­stand zwi­schen 1994 und 1996 die Neue Mit­te Ober­hau­sen mit dem über­re­gio­nal be­kann­ten Frei­zeit- und Ein­kaufs­zen­trum Cen­trO. Die Stadt ver­folg­te al­ler­dings den An­spruch ei­nes nach­hal­ti­gen Stadt­ent­wick­lungs­kon­zepts, das mehr als ei­ne Shop­ping-Mall um­fas­sen soll­te. Als Stand­ort für klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men im Dienst­leis­tungs- und Tech­no­lo­gie­sek­tor nahm das Werks­gast­haus ei­ne zen­tra­le Rol­le in die­sem Kon­zept ein[80].

Umbau des großen Saales zur Kantine, 1970, Foto: Ruth Gläser. (Stadtarchiv Oberhausen)

 

Im Rah­men der In­ter­na­tio­na­len Bau­aus­stel­lung Em­scher Park (IBA) plan­te die Stadt Ober­hau­sen die Grün­dung des Tech­no­lo­gie­zen­trums Um­welt­schutz (TZU). Für die­se Um­nut­zung wur­de nach Ent­wurf der fran­zö­si­schen Ar­chi­tek­ten Reich und Ro­bert in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Ober­hau­se­ner Bü­ro Dratz & Dratz nicht nur das his­to­ri­sche Werks­gast­haus sa­niert, son­dern auch meh­re­re Neu­bau­ten er­rich­tet[81]. Das TZU um­fasst heu­te drei Ge­bäu­de mit rund 15.000 Qua­drat­me­tern Bü­ro- und Ver­an­stal­tungs­flä­che, da­von 3.000 Qua­drat­me­ter im his­to­ri­schen Werks­gast­haus. Zur­zeit sind dort über 50 Un­ter­neh­men an­ge­sie­delt[82].

Die 100-jäh­ri­ge Ge­schich­te die­ses In­dus­trie­denk­mals spie­gelt die wech­sel­vol­len his­to­ri­schen und ge­sell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen wi­der. Ur­sprüng­lich ge­baut für die obe­ren Eta­gen und be­deu­ten­den Gäs­te ei­nes der grö­ß­ten Kon­zer­ne der Schwer­in­dus­trie, ma­ni­fes­tie­ren sich in der Nut­zung des Werks­gast­hau­ses die po­li­ti­schen und so­zia­len Um­brü­che – über den Pro­pa­gan­da­be­trieb der NS-Zeit und den hoff­nungs­vol­len Auf­schwung in der Zeit von Wirt­schafts­wun­der und Mon­tan­mit­be­stim­mung bis zum Nie­der­gang der Stahl­in­dus­trie in Ober­hau­sen. Schlie­ß­lich aber wur­de das al­te Ka­si­no zu ei­nem po­si­ti­ven Bei­spiel für Struk­tur­wan­del und für ver­ant­wor­tungs­vol­len Um­gang mit ei­nem be­son­de­ren Denk­mal. Heu­te liegt die­ses in­dus­tri­el­le Schmuck­stück an ei­ner der meist be­fah­ren Kreu­zun­gen Ober­hau­sens und ne­ben ei­ner der meist be­such­ten Shop­ping-Malls des Lan­des. Es bil­det den Auf­takt der „Al­lee der In­dus­trie­kul­tur“. So steht zu hof­fen, dass der äs­the­ti­sche und his­to­ri­sche Wert die­ses Bau­werks in das all­ge­mei­ne Be­wusst­sein vor­dringt.

Quellen

Rhei­nisch-West­fä­li­sches Wirt­schafts­ar­chiv zu Köln (RW­WA)
Werks­gast­haus 1912, 130-3001012/12a
Werks­gast­haus 1913-1916, 130-3001012/13
Öko­nom Fa­bri­ci­us. Werks­gast­haus, 1913 – 1933, 130-3001012/76
Krie­ger-Eh­ren­mal am Werks­gast­haus, 1918 – 1934, 130-400109/13
Werks­gast­haus. All­ge­mei­ne An­ge­le­gen­hei­ten. Band II, 1929 – 1930, 130-400109/53
Werks­gast­haus-Um­bau, 1937 – 1941, 130-400109/125 

Literatur

Kur­siv = Kurz­zi­tier­wei­se
 

_ Bähr_, Jo­han­nes, GHH und M.A.N. in der Wei­ma­rer Re­pu­blik, im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus und in der Nach­kriegs­zeit (1920-1960), in: Bähr/Ban­ken/Flem­ming, S. 231-371.

_ Ban­ken_, Ralf, Die Gu­te­hoff­nungs­hüt­te: Vom Ei­sen­werk zum Kon­zern (1758-1920), in: Bähr/Ban­ken/Flem­ming, S. 15-131. 

_ Bähr_, Jo­han­nes/Ban­ken, Ralf/Flem­ming, Tho­mas, Die MAN. Ei­ne deut­sche In­dus­trie­ge­schich­te, 3., ak­tua­li­sier­te Auf­la­ge, Mün­chen 2010.

_ Bruch_, Clau­dia, La­ger­ge­bäu­de Gu­te­hoff­nungs­hüt­te Ober­hau­sen, Mün­chen 2002.

_ Dell­wig_, Ma­gnus/Rich­ter, Ernst-Joa­chim, Wirt­schaft im Wan­del. Ober­hau­sen 1960–2010, in: Dell­wig, Ma­gnus/Lan­ger, Pe­ter (Hg.), Ober­hau­sen. Ei­ne Stadt­ge­schich­te im Ruhr­ge­biet, Band 4, Müns­ter 2012, S. 53-139, 667-668.

_ Ka­wohl_, Hel­mut, „Schnei­der Wib­bel“ zur Er­öff­nung. Vor 100 Jah­ren wur­de das ehe­ma­li­ge Werks­gast­haus der Gu­te­hoff­nungs­hüt­te ge­baut, in: Jahr­buch Ober­hau­sen 2013, Ober­hau­sen 2012, S. 33-37.

_ Lan­ger_, Pe­ter, Macht und Ver­ant­wor­tung. Der Ruhr­ba­ron Paul Reusch, Es­sen 2012.

_ Lan­ger_, Pe­ter, Die Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Herr­schaft. Ober­hau­sen zwi­schen 1933 und 1939, in: Dell­wig, Ma­gnus/Lan­ger, Pe­ter (Hg.), Ober­hau­sen. Ei­ne Stadt­ge­schich­te im Ruhr­ge­biet, Band 3, Müns­ter 2012, S. 145-310, 448-458.

_ Reif_, Heinz, Die ver­spä­te­te Stadt. In­dus­tria­li­sie­rung, städ­ti­scher Raum und Po­li­tik in Ober­hau­sen 1846–1929, 2 Bän­de, Köln [u.a.] 1992.

Foyer im Umbau, 1992. (Dratz & Dratz Architekten, Oberhausen)

 
Anmerkungen
  • 1: as ehemalige Werksgasthaus der Gutehoffnungshütte (GHH) ist Bestandteil eines Ensembles historischer Gebäude in der Neuen Mitte Oberhausen, die früher zu einem der größten Hüttenwerke des Ruhrgebiets gehörten. Als Teil des Technologiezentrum Umweltschutz hat das Werksgasthaus eine nachindustrielle Folgenutzung erfahren.
  • 2: u diesem Ensemble erhaltener Gebäude zählen außerdem die Hauptverwaltungsgebäude I und II (1875), das Hauptlagerhaus von Peter-Behrens (1868-1940) samt Hauptverwaltung III (1925), der Wasserturm (1897), die Turbinenhalle und das Werkstor der Eisenhütte Oberhausen II (1909 und 1930), der Gasometer (1929), das Pförtnerhaus von Zeche Oberhausen (1911/1912) sowie die Beamtensiedlung Grafenbusch (1910-1923).
  • 3: ie Eisen- und Stahlerzeugung wurde ab 1835 an einen neuen Standort an der Emscher angesiedelt. Auf das erste Puddel- und Walzwerk – die alte Walz – folgten die Eisenhütten Oberhausen I und II (1855 und 1907), das Stahl- und Walzwerk Neu-Oberhausen (1901) sowie viele weitere Werksanlagen. Im Jahr 1873 fielen zwei richtungsweisende Entscheidungen: Die alte Hüttengewerkschaft Jacobi, Haniel und Huyssen wurde in den Gutehoffnungshütte Actienverein umgewandelt, die Zentrale des Unternehmens von Sterkrade (heute Stadt Oberhausen) zum Hüttenwerk an der Emscher in Alt-Oberhausen umgesiedelt. Die Gemeinde Oberhausen war erst elf Jahre zuvor überhaupt gebildet worden. So entstanden in der aufstrebenden Gemeinde die zentralen Verwaltungsgebäude eines expandierenden Konzerns.
  • 4: ach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einschneidenden Veränderungen. Durch die Entflechtungspolitik der Alliierten wurden aus dem alten Konzern drei getrennte Unternehmen: Bergbau-AG Neue Hoffnung (Zechen), Hüttenwerk Oberhausen AG (Hochöfen und Stahlwerke in Oberhausen) und Gutehoffnungshütte (Maschinen- und Stahlbau in Sterkrade).
  • 5: Dellwig/Richter, S. 124.
  • 6: Oberbaurat Weigle und Söhne: Neubau Werksgasthaus der Gutehoffnungshütte A.V. Oberhausen/Rhld., Stuttgart September 1914, S. 1, Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln RWWA 130-400109/52.
  • 7: Kawohl, S. 33-34.
  • 8: Oberbaurat Weigle und Söhne: Neubau Werksgasthaus der Gutehoffnungshütte A.V. Oberhausen/Rhld., Stuttgart September 1914, S. 1, RWWA 130-400109/52.
  • 9: Oberbaurat Weigle und Söhne: Verwendung von eisernen I Trägern zum Neubau des Werksgasthauses der Gutehoffnungshütte in Oberhausen/Rhld., 27.10.1914, RWWA 130-400109/52.
  • 10: Vertrag über die Ausführung der Eisenkonstruktion zum Neubau eines Beamtengesellschaftshauses der Gutehoffnungshütte A.V., 8./.9.4.1913, RWWA 130-3001012/12a.
  • 11: Bruch, S. 15-16.
  • 12: Aktiengesellschaft für Eisen- Industrie und Brückenbau vormals Johann Caspar Harkort, Duisburg, Kostenvoranschlag, 31.3.1913, RWWA 130-3001012/12a.
  • 13: Kawohl, S. 33.
  • 14: Niederrheinische Arbeiter-Zeitung, 7.11.1913, RWWA 130-3001012/13.
  • 15: Kawohl, S. 33
  • 16: Vertrag zwischen der Gutehoffnungshütte und dem Oeconomen Victor Fabritius, 12.10.1921, RWWA 130-3001012/76.
  • 17: Reif, S. 332.
  • 18: Schönheitsreparaturen des Werksgasthauses, 5.5.1937, RWWA 130-400109/125.
  • 19: Vertrag zwischen der Gutehoffnungshütte und dem Oeconomen Victor Fabritius, 12.10.1921, RWWA 130-3001012/76; GHH an Bonner Bürgerverein A.-G., Empfehlungsschreiben für den Oeconomen Victor Fabricius, 28.3.1933, RWWA 130-3001012/76.
  • 20: An Fabritius, 24.5.1924, RWWA 130-3001012/76.
  • 21: Bericht über den geplanten Umbau des alten Vereinshaus-Saales, o.D., wohl 1922, RWWA 130-3001012/76.
  • 22: Fabritius an Schüring, 25.3.1923, RWWA 130-3001012/76.
  • 23: Aktenvermerk, Abt. G, 6.9.1930, RWWA 130-400109/53.
  • 24: Auszug aus dem Jahresbericht der Abt. G, o.D., wohl 1930, RWWA 130-400109/53.
  • 25: Langer, Macht, S. 514.
  • 26: Bekanntmachung „Vortrag mit Lichtbildern. An den Städten alter Kultur (Neapel, Vesuv und Pompeji), 9.5.1924; Handzettel „Konzert. Dienstag den 17. Juni 1924“; Bekanntmachung „Experimentalvortrag Bildfunk und elektrisches Fernsehen“, 11.10.1926, RWWA 130-301012/17.
  • 27: Reif, S. 272-273.
  • 28: Schüring an Polizeimajor Königs, 3.12.1930; Schüring an VDI Mülheim, 17.10.1930, RWWA 130-400109/53.
  • 29: Kalthoff Abt. G an Betriebsdirekt O. Schmidt Eisenhütte Oberhausen, 27.9.1924, RWWA 130-400109/52.
  • 30: Martha Grillo an Schüring, 12.3.1930, RWWA 130-400109/53.
  • 31: Greta Merker an Kalthoff, 18.1.1926, RWWA 130-400109/52.
  • 32: Langer, Macht, S. 740-743.
  • 33: Langer, Nationalsozialistische Herrschaft, S. 252-253.
  • 34: Werkszeitung der Gutehoffnungshütte 11 (1935), Nr. 1, S. 2-17.
  • 35: Werkszeitung der Gutehoffnungshütte 1 (1925), Nr. 17, S. 7.
  • 36: Werkszeitung der Gutehoffnungshütte 11 (1935), Nr. 1, S. 2.
  • 37: Werkszeitung der Gutehoffnungshütte 13 (1937), Nr. 11, S. 3-9.
  • 38: Werkspolizei an Schüring, 3.5.1934; Bericht über die Enthüllung des Ehrenmals der Gutehoffnungshütte für die Gefallenen des Weltkrieges am 6.5.1934, RWWA 130-400109/13.
  • 39: Reusch an Prof. Hugo Leven, Königliche Zeichenakademie Hanau, 14.6.1918; Woltman an Hardung, 14.6.1918, RWWA 130-400109/13.
  • 40: Wettbewerbsprogramm zur Herstellung eines Ehrenmals für die Gefallenen der Gutehoffnungshütte, 17.1.1930; Aktenvermerk, 18.1.1934, über Vergütung für Prof. Fritz Behn, München, RWWA 130-400109/13. Das Ehrenmal war eine sieben Meter hohe Skulptur aus Ziegeln in Form eines Adlers. Es überstand den Zweiten Weltkrieg, wurde aber in den 1970er Jahren abgebrochen, da die Leitung der HOAG es für baufällig hielt. Kawohl, S. 36-37.
  • 41: Aktenvermerk von Hermann Kellermann, 20.4.1934, RWWA 130-400109/13.
  • 42: Langer, Macht, S. 634-635.
  • 43: Auszug aus dem Jahresbericht der Abt. G, o.D., wohl 1930, RWWA 130-400109/53.
  • 44: Schüring an Hochbauabteilung, 23.9.1938, RWWA 130-400109/125.
  • 45: Schüring an Plochmann (MAN), 15.2.1939, RWWA 130-400109/125.
  • 46: Kostenvoranschlag Instandsetzungsarbeiten Werksgasthaus, 18.5.1937, RWWA 130-400109/125.
  • 47: An Schüring Abt. G, 7.5.1940; Schüring an Hilbert (Wohnungsverwaltung der GHH), 30.4.1940; Der Neue Tag (Ruhrwacht): „Beseitigung aller eisernen Einfriedungen“, 27.4.1940, RWWA 130-400109/125.
  • 48: Aufstellung über die im Werksgasthaus durch Plünderungen entwendeten Lebensmittel, Weine, Spirituosen, Möbel, Wäsche, Teppiche, Silber, Kücheneinrichtungen, Porzellan, Glas usw., o.D.; Notiz über verlorene Fässer 17.8.1948, RWWA 130-400109/313.
  • 49: GHH an Oberbürgermeister, 4.6.1945, RWWA 130-400109/313.
  • 50: Hilbert und Heinrichs (GHH) an Oberstadtdirektor der Stadt Oberhausen, 19.3.1946, RWWA 130-400109/313.
  • 51: Hilbert und Frank (GHH) an Colonel Cowgill (Besatzungsbehörde), 30.8.1946, RWWA 130-400109/313.
  • 52: Aktenvermerk Werksgasthaus/Jugendvereinigung, 27.6.1947, RWWA 130-400109/313.
  • 53: „Ringfrei“ 1921 Oberhausen an GHH, 25.2.1947; Neuapostolische Kirchengemeinschaft Oberhausen an GHH, 18.2.1947; Stadtverband für Leibesübungen Fachschaft Turnen an Jung (GHH), 14.2.1947; KPD Kreisleitung Oberhausen an GHH, 6.2.1947, RWWA 130-400109/313.
  • 54: Bähr, S. 341-348.
  • 55: Der Steuermann ging von uns, in: Echo der Arbeit 2 (1951), H. 5, S. 2-7.
  • 56: Echo der Arbeit 4 (1953), H. 17, S. 212-213.
  • 57: Echo der Arbeit 2 (1951), H. 4, S. 10; H. 11, S. 10.
  • 58: Echo der Arbeit 2 (1951), H. 3, S.5, 11; H. 11, S. 10; Echo der Arbeit 3 (1952), H. 9, S. 101; Hüttenwerker stellten sich vor, in: Echo der Arbeit 10 (1959), H. 17, S. 200.
  • 59: Echo der Arbeit 2 (1951), H. 1, S. 4.
  • 60: Echo der Arbeit 5 (1954), H. 12, S. 142; Echo der Arbeit 7 (1956), H. 8, S. 87.
  • 61: Ein Saal gibt seine Visitenkarte ab, in: Echo der Arbeit 4 (1953), H. 1, S. 11.
  • 62: Schenz, Zwischen Hochofen und Schlackenberg. Werkgasthaus bekam einen Spiegel, in: Echo der Arbeit 3 (1952), H. 12, S. 135.
  • 63: Echo der Arbeit 6 (1955), H. 14, S. 157-159.
  • 64: Echo der Arbeit 8 (1957), H. 17, S. 203; Echo der Arbeit 9 (1958), H. 13, S. 147.
  • 65: ie größte Veränderung dürfte jedoch die Nutzung des großen Saales für das tägliche Mittagessen der Belegschaftsmitglieder sein. Das Angebot des Werksgasthauses richtete sich ab den 1950er Jahren ausdrücklich an alle Angestellten „vom Bürolehrling bis zum Vorstandsmitglied“. Das Essen kostete nun nur noch 1 DM.
  • 66: Aushang im Werksgasthaus, 29.9.1921, RWWA 130-3001012-75-2.
  • 67: Echo der Arbeit 2 (1951), H. 15, S. 6-10.
  • 68: Schwarze Könige staunten, in: Echo der Arbeit 11 (1960), H. 11, S. 128.
  • 69: Echo der Arbeit 14 (1963), H. 2, S. 26-30.
  • 70: Echo der Arbeit 19 (1969) Dezember, S. 31-33; Echo der Arbeit (1969), Februar, S. 3-5.
  • 71: Echo der Arbeit 1/1976, S. 23.
  • 72: Echo der Arbeit 17 (1966/67), Weihnachtsausgabe 1966, S. 31.
  • 73: Dellwig/Richter, S. 73.
  • 74: Echo der Arbeit (1969/70), Juni 1969, S. 25.
  • 75: Dellwig, Wirtschaft im Wandel, S. 73.
  • 76: Echo der Arbeit (1970), April, S. 30.
  • 77: Jeden Tag mehr Gäste, in: Echo der Arbeit (1970), September, S. 6-8, Zitat S. 7.
  • 78: Echo der Arbeit 5/1973, S. 10-11.
  • 79: Werksorchester – zu eigener und anderer Freude da, in: Echo der Arbeit 9-10/1972, S. 24-29.
  • 80: Dellwig/Richter, S. 104-109.
  • 81: Kawohl, S. 37.
  • 82: TZU Management GmbH: Geschichte des TZU https://www.tzu.de/geschichte 2018-11-12.
Zitationshinweis

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Sobanski, Daniel, Das Werksgasthaus der Gutehoffnungshütte in Oberhausen, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/das-werksgasthaus-der-gutehoffnungshuette-in-oberhausen/DE-2086/lido/5f61bef827fcf7.96090359 (abgerufen am 29.10.2020)