Deutsche Dienststellen für das Saargebiet (1919–1935)

Joachim Lilla (Krefeld)

Karte des Saarlandes, die Karte zeigt die seit dem 23.4.1949 bis heute gültigen Grenzen des Saarlandes. Die weißen und nicht-schraffierten Flächen des Saarlandes stellen das Saargebiet unter Kontrolle des Völkerbundes (1919-1935) dar.

1. Einleitung

Ge­mäß Ar­ti­kel 45 bis 49 des Ver­sailler Ver­trags von 1919 soll­te das Saar­ge­biet, des­sen Koh­le­pro­duk­ti­on zu­gleich Frank­reich zu­fiel, für 15 Jah­re dem Völ­ker­bund un­ter­stellt wer­den. Nach Ab­lauf die­ser Frist soll­te ei­ne Volks­ab­stim­mung über die wei­te­re staat­li­che Zu­ge­hö­rig­keit des Saar­ge­bie­tes ent­schei­den. Dem Saar­ge­biet wur­den aus der Rhein­pro­vinz die Krei­se Saar­louis, Ott­wei­ler, Saar­brü­cken-Land und Saar­brü­cken-Stadt, fer­ner Tei­le der Krei­se Mer­zi­g und St. Wen­del, aus der baye­ri­schen Pfalz das Be­zirks­amt St. Ing­bert und Tei­le der Be­zirks­äm­ter Hom­burg und Zwei­brü­cken zu­ge­schla­gen. Für die Er­le­di­gung von Saar­an­ge­le­gen­hei­ten und die Ver­bin­dung zum Saar­ge­biet, für die Über­ga­be des Saar­ge­biets, für den amt­li­chen Ver­kehr mit der vom Völ­ker­bund er­nann­ten In­ter­na­tio­na­len Re­gie­rungs­kom­mis­si­on im Saar­ge­biet so­wie schlie­ß­lich des­sen Rück­glie­de­rung an das Deut­sche Reich wur­den beim Reich und den be­tei­lig­ten Län­dern Preu­ßen und Bay­ern of­fi­zi­el­le, teils auch un­ter an­de­rem Na­men ar­bei­ten­de Dienst­stel­len er­rich­tet, die hier vor­ge­stellt wer­den sol­len. Bei der Tä­tig­keit der di­ver­sen Saarstel­len im Reich „er­staunt die durch­ge­hen­de Ein­heit­lich­keit der Ziel­set­zung wie in den Me­tho­den, Ei­fer­süch­te­lei­en un­ter­ein­an­der gab es so gut wie nie“[1].

Verwaltungskarte des Saargebietes unter dem Mandat des Völkerbundes (1919-1935).

 

2. Auswärtiges Amt

Als aus dem Ver­sailler Ver­trag re­sul­tie­ren­de An­ge­le­gen­heit und da das Saar­ge­biet hier­nach bis auf wei­te­res nicht mehr zum deut­schen Staats­ge­biet ge­hör­te, res­sor­tier­ten die Saar­an­ge­le­gen­hei­ten zum Aus­wär­ti­gen Amt, bei dem in der Ab­tei­lung II (West­eu­ro­pa, spä­ter West- und Süd­ost­eu­ro­pa) ein be­son­de­res Saar­re­fe­rat ge­bil­det wur­de, das auch für die üb­ri­gen be­setz­ten Ge­bie­te ein­schlie­ß­lich Eu­pen-Malme­dy zu­stän­dig war. Lei­ter des Saar­re­fe­rats war von März 1920 bis Au­gust 1935 Dr. Her­mann Voigt (1889–1968). Zu­vor wur­den die­se Fra­gen noch in der al­ten Ab­tei­lung IA (Po­li­tik) von Fried­rich Wer­ner Graf von der Schu­len­burg (1875–1944) be­ar­bei­tet. Die Fe­der­füh­rung des Aus­wär­ti­gen Am­tes in Saar­an­ge­le­gen­hei­ten war nicht un­um­strit­ten. Zwei­mal ver­such­te das Reichs­mi­nis­te­ri­um des In­nern in den fol­gen­den Jah­ren, die Zu­stän­dig­kei­ten für die Saar­an­ge­le­gen­hei­ten in sei­ne Re­gie zu über­neh­men, blieb da­mit aber er­folg­los. Das Reichs­mi­nis­te­ri­um des In­nern war aber in ei­ni­gen Fra­gen, vor al­lem Be­am­ten­an­ge­le­gen­hei­ten, auch mit Saar­fra­gen be­fasst. Das Aus­wär­ti­ge Amt blieb bis zur Rück­glie­de­rung des Saar­ge­biets 1935 die für Saar­fra­gen zu­stän­di­ge obers­te Reichs­be­hör­de.

3. Reichskommissar für die Übergabe des Saargebiets

Die Über­ga­be des Saar­ge­bie­tes wur­de prak­tisch ein­ge­lei­tet durch die Be­auf­tra­gung des Land­rats und Po­li­zei­di­rek­tors in Saar­brü­cken, Karl von Hal­fern (1873–1937), am 2.10.1919 mit der ver­tre­tungs­wei­sen Ver­wal­tung der dem Re­gie­rungs­prä­si­den­ten in Trier zu­ste­hen­den Ver­wal­tungs­ge­schäf­te im zu­künf­ti­gen Saar­staat und der Bei­le­gung des Ti­tels „Ver­wal­tungs­prä­si­den­t“. Mit des­sen Aus­wei­sung am 8.12.1919 en­de­te fak­tisch be­reits die deut­sche Re­gie­rungs­ho­heit im Saar­ge­biet.

Plakat mit dem Ergebniss der Volksabstimmung für das Saargebiet. (Landesarchiv Saarbrücken)

 

Am 21.10.1919 wur­de in der Reichs­re­gie­rung wäh­rend der Aus­spra­che über die Er­nen­nung von Reichs- und Staats­kom­mis­sa­ren für die ab­zu­tre­ten­den öst­li­chen Ge­bie­te auch „dar­auf hin­ge­wie­sen, daß im Wes­ten zur Zeit kein Kom­mis­sar für Eu­pen und Malme­dy und für das Saar­ge­biet be­steh­t“. Der Reichs­mi­nis­ter des In­nern über­nahm es, „mit der Preu­ßi­schen Staats­re­gie­rung dar­über in Ver­bin­dung zu tre­ten, wie die­se Lü­cke zweck­mä­ßig aus­zu­fül­len is­t“. Die­ser teil­te am 20. De­zem­ber der Reichs­kanz­lei mit, dass der Preu­ßi­sche Mi­nis­ter des In­nern die Er­nen­nung von Reichs- und Staats­kom­mis­sa­ren für die ge­nann­ten Ge­bie­te „nicht für er­for­der­lich hal­te“. Die Auf­ga­ben soll­ten von den zu Über­ga­be­kom­mis­sa­ren er­nann­ten Ober­prä­si­den­ten in Ko­blenz für das Saar­ge­biet und den Re­gie­rungs­prä­si­den­ten in Aa­chen für Eu­pen-Malme­dy wahr­ge­nom­men wer­den.[2] Der Reichs­kom­mis­sar für die Über­ga­be des Saar­ge­biets war dem Aus­wär­ti­gen Amt un­ter­stellt, er war zu­nächst zu­stän­dig für al­le An­ge­le­gen­hei­ten, die sich aus der Ab­tre­tung er­ga­ben, wie Be­am­ten­fra­gen und Ak­ten­über­ga­be, dann bis 1923 auch für die po­li­ti­sche Ver­hand­lungs­füh­rung mit der Saar­re­gie­rung, spä­ter fir­mier­te er vor al­lem als zen­tra­le Über­mitt­lungs­stel­le für den amt­li­chen Ge­schäfts­ver­kehr des Rei­ches mit dem Saar­ge­biet so­wie In­for­ma­ti­ons­stel­le über das Saar­ge­biet. Der Ge­schäfts­ver­kehr mit Dienst­stel­len im Saar­land über den Reichs­kom­mis­sar war für deut­sche Be­hör­den zwin­gend vor­ge­schrie­ben und muss­te die­sen mehr­fach in Er­in­ne­rung ge­bracht wer­den. Ein Ver­such des Reichs­kom­mis­sars, im Som­mer 1920 in Saar­brü­cken ein Bü­ro ein­zu­rich­ten, schei­ter­te am Wi­der­stand des Prä­si­den­ten der Re­gie­rungs­kom­mis­si­on. Die Tä­tig­keit des Reichs­kom­mis­sars en­de­te mit der Rück­glie­de­rung des Saar­ge­biets am 1. März 1935; Amts­in­ha­ber war der je­wei­li­ge Ober­prä­si­dent der Rhein­pro­vinz.

4. Reichszentrale für Heimatdienst

Die zum 1.3.1918 beim Aus­wär­ti­gen Amt er­rich­te­te Zen­tra­le für Hei­mat­dienst (ab 1919 Reichs­zen­tra­le für Hei­mat­dienst) dien­te als In­for­ma­ti­ons­bü­ro der Reichs­re­gie­rung zum Zwe­cke der Auf­klä­rung der Be­völ­ke­rung über po­li­ti­sche, so­zia­le und kul­tu­rel­le Fra­gen. 1919 und 1920 wirk­te die Reichs­zen­tra­le auch im Saar­ge­biet, ver­brei­te­te ei­ner­seits die deut­sche Pro­pa­gan­da an der Saar, fun­gier­te an­de­rer­seits aber auch als Nach­rich­ten­sam­mel­stel­le, die ih­re In­for­ma­tio­nen über Vor­gän­ge im Saar­ge­biet in­ter­es­sier­ten Stel­len im Reich zur Ver­fü­gung stell­te. Nach Pro­tes­ten der fran­zö­si­schen Re­gie­rung und der In­ter­na­tio­na­len Re­gie­rungs­kom­mis­si­on des Saar­ge­biets muss­te die Reichs­zen­tra­le 1920 ih­re Tä­tig­keit im ge­sam­ten links­rhei­ni­schen Ge­biet ein­stel­len.

Briefkopf des Saar-Vereins aus dem Jahr 1934. (Landesarchiv Saarbrücken, SV 19)

 

5. Preußische Saardienststellen

Die amt­li­che Ver­tre­tung Preu­ßens ge­gen­über dem Saar­ge­biet nahm, wie ge­schil­dert, der Reichs­kom­mis­sar für die Über­ga­be des Saar­ge­biets wahr. Dar­über hin­aus gab es so­wohl im preu­ßi­schen Mi­nis­te­ri­um des In­nern als auch bei der Re­gie­rung in Trier ein Saar­re­fe­rat. Fer­ner ar­bei­te­te ein preu­ßi­scher „Saar­ver­trau­ens­man­n“ in ver­deck­ter Mis­si­on von Hei­del­berg (1920–1923), Kas­sel (1923–1926) un­d Köln (1926–1934) aus. Die­ser hat­te un­ter an­de­rem die Auf­ga­be, so­wohl Pro­ble­me des Saar­ge­bie­tes zu er­kun­den und an die preu­ßi­schen Mi­nis­te­ri­en wei­ter­zu­lei­ten, als auch Auf­trä­ge im Saar­ge­biet di­rekt aus­zu­füh­ren. Die Saar­ver­trau­ens­leu­te wa­ren no­mi­nell an­de­ren Be­hör­den zu­ge­teilt, ar­bei­te­ten an­ge­sichts gro­ßzü­gi­ger po­li­ti­scher und fi­nan­zi­el­ler Un­ter­stüt­zung sehr ef­fi­zi­ent und vor al­lem sehr un­auf­fäl­lig, so dass de­ren Tä­tig­keit erst im No­vem­ber 1934 dem Völ­ker­bund be­kannt wur­de.

Als wei­te­re preu­ßi­sche Be­hör­de für das Saar­ge­biet blieb die Berg­werks­di­rek­ti­on Saar­brü­cken be­ste­hen, zwar ab Au­gust 1920 mit Sitz in Bad Kreuz­nach, we­nig spä­ter in Bonn, zu­nächst als de­ren Ab­wick­lungs­stel­le, dann als Über­lei­tungs­stel­le. Wie an­de­re Dienst­stel­len war auch die­se ur­sprüng­lich als vor­über­ge­hend ge­dacht, hat­te dann aber ei­ne recht lan­ge Le­bens­dau­er, auch im Hin­blick auf ei­ne spä­te­re Rück­glie­de­rung des Saar­ge­biets. Erst im De­zem­ber 1939 stell­te die­se Über­lei­tungs­stel­le ih­re Tä­tig­keit ein, selbst dann noch ver­blie­be­ne Auf­ga­ben gin­gen auf das Ober­berg­amt in Bonn über.

Das Oberbergamt in der Bonner Konviktstraße, 1903. (Stadtarchiv Bonn, Postkartensammlung)

 

6. Der bayerische Staatskommissar für die Saarpfalz

Mit der Über­ga­be der baye­ri­schen Ge­bie­te, die dem Saar­ge­biet zu­ge­schla­gen wur­den, wur­de am 2.8.1919 der bis­her bei der Re­gie­rung von Ober­bay­ern tä­ti­ge Ober­re­gie­rungs­rat Hein­rich Jo­las (1866–1949) als baye­ri­scher Staats­kom­mis­sar für die Saar­pfalz be­stellt und dem Reichs­kom­mis­sar zu­ge­teilt. Der Staats­kom­mis­sar res­sor­tier­te zum baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­um des Äu­ßern und war bis 1921 dem Staats­kom­mis­sar für die Pfalz nach­ge­ord­net, nahm sei­nen Sitz aber in Kai­sers­lau­tern. Jo­las ent­fal­te­te re­ge, auch pro­gram­ma­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten ge­gen­über dem Saar­ge­biet, die spä­ter in die deut­sche Saar­po­li­tik ein­flos­sen. Auch ein­zel­ne baye­ri­sche Mi­nis­te­ri­en rich­te­ten für ih­ren Zu­stän­dig­keits­be­reich Saar­re­fe­ra­te ein. Eben­falls ar­bei­te­ten Ver­trau­ens­leu­te der baye­ri­schen Re­gie­rung für das Saar­land. Mit dem Rück­gang der Auf­ga­ben als Kom­mis­sar für die Saar­pfalz wur­de Jo­las im Ja­nu­ar 1925 das Amt des baye­ri­schen Staats­kom­mis­sars für die Pfalz über­tra­gen, das eben­falls zum Staats­mi­nis­te­ri­um des Äu­ßern in Mün­chen res­sor­tier­te und nun­mehr auch für Saar­an­ge­le­gen­hei­ten zu­stän­dig wur­de. Jo­las wur­de am 1.4.1933 in den Ru­he­stand ver­setzt. In der Fol­ge­zeit ver­such­te Jo­las noch ei­ni­gen Ein­fluss auf die baye­ri­sche Saar­po­li­tik zu neh­men, nicht zu­letzt auf sei­ne An­re­gung wur­de im März 1934 Karl Barth (1896–1962) zum Be­auf­trag­ten des baye­ri­schen Ge­ne­ral­be­voll­mäch­tig­ten für die Pfalz und die baye­ri­sche Saar­pfalz, des baye­ri­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Lud­wig Sie­bert (1874–1942), er­nannt.

Mitgliedsabzeichen des Bundes Saar-Verein. (Galerie d'Histoire, Andre Hüsken)

 

7. weitere Saar(dienst)stellen

An wei­te­ren Saarstel­len sind noch zu nen­nen mit Sitz im Saar­ge­biet: je ein De­le­gier­ter des Reichs­koh­len­kom­mis­sars und des Reichs­wirt­schafts­mi­nis­ters so­wie ein vom Reichs­ar­beits­mi­nis­ter 1921 er­nann­ter Deut­scher Ver­sor­gungs­kom­mis­sar für das Ver­sor­gungs­we­sen im Saar­ge­biet.

Ne­ben die­sen amt­li­chen Stel­len sei­en noch als Ver­tre­ter der saar­län­di­schen In­ter­es­sen der In­dus­tri­el­le Her­mann Röch­ling (1872–1955) aus Völk­lin­gen und der im Sep­tem­ber 1919 in Ber­lin ge­grün­de­te Saar-Ver­ein er­wähnt, die sich teils mit be­acht­li­chem Er­folg da­für ein­setz­ten, die Saar­fra­ge und das spä­te­re Ziel ei­ner Rück­glie­de­rung des Saar­ge­biets an das Reich im öf­fent­li­chen Be­wusst­sein auf­recht zu er­hal­ten.

Theodora und Hermann Röchling, Porträtfoto. (Weltkulturerbe Völklinger Hütte)

 

8. Saarbevollmächtigter der Reichsregierung

Im Som­mer 1933 wur­de in der Reichs­kanz­lei die Fra­ge er­ör­tert, ei­nen be­son­de­ren Reichs­kom­mis­sar für das Saar­land zu be­stel­len, um über die Fe­der­füh­rung des Aus­wär­ti­gen Am­tes hin­aus ei­ne zen­tra­le Stel­le für die Be­ar­bei­tung der Saar­fra­gen zu schaf­fen, nicht zu­letzt im Hin­blick auf die für An­fang 1935 zu er­war­ten­de Volks­ab­stim­mung. Es be­stand rasch Ein­mü­tig­keit dar­über, von der Schaf­fung ei­ner be­son­de­ren Be­hör­de ab­zu­se­hen, viel­mehr die­se Auf­ga­be dem im Saar­land an­säs­si­gen Vi­ze­kanz­ler Franz von Pa­pen (1879–1969) zu über­tra­gen. So be­schloss die Reichs­re­gie­rung am 14.11.1933, den Stell­ver­tre­ter des Reichs­kanz­lers, Franz von Pa­pen, „zum Be­voll­mäch­tig­ten des Reichs­kanz­lers in al­len das Saar­ge­biet be­tref­fen­den An­ge­le­gen­hei­ten … (Saar­be­voll­mäch­tig­ter)“ zu be­stel­len. In die­sen An­ge­le­gen­hei­ten steht „dem Saar­be­voll­mäch­tig­ten die aus­schlie­ß­li­che Ent­schei­dungs­be­fug­nis zu“. Ihm wur­den „die Sach­be­ar­bei­ter der Reichs­mi­nis­te­ri­en und ih­rer nach­ge­ord­ne­ten Be­hör­den in­so­weit un­ter­stellt, als sie mit der Be­ar­bei­tung von Saar­fra­gen be­fa­ßt sin­d“. Der preu­ßi­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent und der Reichs­statt­hal­ter in Bay­ern wur­den er­sucht, „die bei­den Lan­des­re­gie­run­gen zu ver­an­las­sen, die in ih­ren Mi­nis­te­ri­en und nach­ge­ord­ne­ten Be­hör­den mit Saar­fra­gen be­fa­ß­ten Mit­ar­bei­ter … zur Ver­fü­gung zu stel­len.“[3] Au­ßer­dem wur­de dem Saar­be­voll­mäch­tig­ten der am 3.12.1933 kon­sti­tu­ier­te Saar­pro­pa­gan­d­aus­schuss un­ter Lei­tung des Saar­re­fe­ren­ten im Aus­wär­ti­gen Amt, Her­mann Voigt, un­ter­stellt. Un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen wä­re ei­gent­lich ei­ne ein­heit­li­che Saar­po­li­tik un­ter der Lei­tung des Saar­be­voll­mäch­tig­ten mög­lich ge­we­sen. Von Pa­pen nut­ze die Chan­cen je­doch nicht aus, zu­dem schätz­te er sei­ne ei­ge­nen Mög­lich­kei­ten und auch die La­ge im Saar­ge­biet falsch ein. Hin­zu kam ei­ne fort­wäh­ren­de Aus­ein­an­der­set­zung um Zu­stän­dig­kei­ten, ins­be­son­de­re mit dem sich auch in Saar­fra­gen im­mer mehr in den Vor­der­grund drän­gen­den Reichs­mi­nis­te­ri­ums für Volks­auf­klä­rung und Pro­pa­gan­da. Erst im Ju­ni ge­lang es durch ei­ne Ver­ein­ba­rung, an der auch das Reichs­mi­nis­te­ri­um des In­nern und das Aus­wär­ti­ge Amt be­tei­ligt wa­ren, die An­sprü­che des Pro­pa­gan­da­mi­nis­te­ri­ums zu­rück­zu­set­zen.

Franz von Papen, Porträtfoto, 1933. (Bundesarchiv, Bild 183-1988-0113-500)

 

Zu die­ser Zeit wa­ren die Ta­ge des Saar­be­voll­mäch­tig­ten von Pa­pen je­doch fast schon ge­zählt. Nach dem so ge­nann­ten „Röhm­putsch“ (30.6.1934) wur­de auch die Stel­lung von Pa­pens als Vi­ze­kanz­ler un­halt­bar, so dass die­ser we­nig spä­ter als Ge­sand­ter in be­son­de­rer Mis­si­on nach Wien ging. Am 7.8.1934 gin­gen die Saar­an­ge­le­gen­hei­ten auf den vom Füh­rer und Reichs­kanz­ler mit der Wahr­neh­mung der Ge­schäf­te des Saar­be­voll­mäch­tig­ten be­auf­trag­ten Gau­lei­ter Jo­sef Bürck­el über[4], „dem in­so­weit das Bü­ro [der Vi­ze­kanz­lei] nebst not­wen­di­gen Per­so­nal zur Ver­fü­gung steh­t“[5]. Mit Bürck­el, seit 1926 Gau­lei­ter des Gaus Rhein­pfalz der NS­DAP und seit 1933 zu­gleich kom­mis­sa­ri­scher Gau­lei­ter des Gaus Saar­land und Be­auf­trag­ter der NS­DAP im Saar­ge­biet, kam ein po­pu­lä­rer und durch­set­zungs­fä­hi­ger Par­tei­mann in die Funk­ti­on des Saar­be­voll­mäch­tig­ten. Es ge­lang ihm, die di­ver­gie­ren­den Saar­in­ter­es­sen un­ter ei­nen Hut zu brin­gen und bei der am 13.1.1935 an­ge­setz­ten frei­en Volks­ab­stim­mung un­ter der Auf­sicht des Völ­ker­bun­des ei­ne über 90-pro­zen­ti­ge Zu­stim­mung zur Wie­der­ein­glie­de­rung des Saar­lan­des in das Reich zu er­mög­li­chen. In der Fol­ge­zeit wur­de Bü­ckel zu­nächst Reichs­kom­mis­sar für die Rück­glie­de­rung des Saar­lan­des, 1936 Reichs­kom­mis­sar für das Saar­land, das aus dem Ge­fü­ge der Rhein­pro­vinz aus­schied und im Lau­fe der Jah­re mit der baye­ri­schen Pfalz zur Saar­pfalz be­zie­hungs­wei­se West­mark ein ei­gen­stän­di­ges Ver­wal­tungs­ge­biet wur­de.

Quellen

Bun­des­ar­chiv: Find­buch zum Be­stand BArch 905 Reichs­kom­mis­sar für die Über­ga­be des Saar­ge­biets (1919–1935), (1957). [on­line] 
Ak­ten der Reichs­kanz­lei. Wei­ma­rer Re­pu­blik. Das Ka­bi­nett Bau­er, be­arb. v.An­ton Gole­cki, Bop­pard 1980. (AdR Bau­er)
Ak­ten der Reichs­kanz­lei. Die Re­gie­rung Hit­ler, Band 1 u. 2, Bop­pard 1983/Mün­chen 1999. (AdR Hit­ler I, II)
Bio­gra­phi­sches Hand­buch des deut­schen Aus­wär­ti­gen Diens­tes 1871–1945. Hg. v. Aus­wär­ti­gen Amt durch den His­to­ri­schen Dienst, Band 4 u. 5, Pa­der­born [u. a.] 2012/2014.

Literatur

Herr­mann, Hans-Wal­ter, Der Ober­prä­si­dent der Rhein­pro­vinz als Reichs­kom­mis­sar für die Über­ga­be des Saar­ge­bie­tes, in: Aus der Ar­beit der Ar­chi­ve. Bei­trä­ge zum Ar­chiv­we­sen, zur Quel­len­kun­de und zur Ge­schich­te. Fest­schrift für Hans Booms, hg. von Fried­rich P. Kah­len­berg, Bop­pard 1989, S. 746–770.
Ja­co­by, Fritz, Die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Herr­schafts­über­nah­me an der Saar. Die in­nen­po­li­ti­schen Pro­ble­me der Rück­glie­de­rung des Saar­ge­bie­tes bis 1935, Saar­brü­cken 1973.
Ro­meyk, Horst, Ver­wal­tungs- und Be­hör­den­ge­schich­te der Rhein­pro­vinz 1914–1945  Düs­sel­dorf 1985. 

Online

Lil­la, Joa­chim, Jo­las, Hein­rich, in: Lil­la, Joa­chim, Staats­mi­nis­ter, lei­ten­de Ver­wal­tungs­be­am­te und (NS-)Funk­ti­ons­trä­ger in Bay­ern 1918 bis 1945. [on­line]   
Tho­mann, Björn, Jo­sef Bürck­el (1895-1944), NS-Gau­lei­ter. [on­line]

Josef Bürckel, Porträtfoto, November 1938. (Bayerische Staatsbibliothek München)

 
Anmerkungen
  • 1: Jacoby, S. 37.
  • 2: AdR Bauer, S. 318-319.
  • 3: AdR Hitler 1, S. 942-943.
  • 4: AdR Hitler II, S. 1.
  • 5: BArch R 43 II/984, Bl. 111ff.
Zitationshinweis

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Lilla, Joachim, Deutsche Dienststellen für das Saargebiet (1919–1935), in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/deutsche-dienststellen-fuer-das-saargebiet-1919%25E2%2580%25931935/DE-2086/lido/5b7aab8ab8c529.84146686 (16.11.2018)