Erzbistum Köln

Joachim Oepen (Köln)

Quel­len von 313/314 be­le­gen mit der Er­wäh­nung des hei­li­gen Ma­ter­nus, des ers­ten be­kann­ten Köl­ner Bi­schofs, zu­gleich auch das Be­ste­hen ei­nes Bis­tums im Sin­ne ei­ner or­ga­ni­sier­ten Chris­ten­ge­mein­de mit ei­nem Bi­schof an der Spit­ze. Da­mit ist Köln von den Bis­tü­mern Deutsch­lands nach Trier das am frü­hes­ten nach­weis­ba­re; die Bi­schofs­lis­te um­fasst von Ma­ter­nus bis Joa­chim Kar­di­nal Meis­ner (seit 1989) 94 Na­men. 

Wie die Or­ga­ni­sa­ti­on der Köl­ner Kir­che in der Spät­an­ti­ke aus­sah, ist auf Grund spär­li­cher Quel­len nicht zu re­kon­stru­ie­ren. Nen­nens­wer­te christ­li­che Kult­stät­ten dürf­ten au­ßer in Köln nur in den spä­te­ren Städ­ten Bonn, Xan­ten so­wie even­tu­ell in Zül­pich und Neuss, je­den­falls kaum in­ ­länd­li­chen Ge­bie­ten be­stan­den ha­ben. Be­reits nach drei Na­men (Ma­ter­nus, 313-314; Eu­phra­tes, 342/343-346; hei­li­ger Se­ve­rin, um 397) weist die ­K­öl­ner ­Bi­schofs­lis­te ei­ne et­wa an­dert­halb Jahr­hun­der­te um­fas­sen­de Lü­cke auf. Ob für die­sen Zeit­raum nur die Na­men der Bi­schö­fe nicht be­kannt sind oder da­hin­ter ein tat­säch­li­cher Ab­bruch der Bi­schofs­lis­te steht, ver­bun­den mit ei­nem weit­ge­hen­den Un­ter­gang der kirch­li­chen Struk­tu­ren, ist in der For­schung um­strit­ten.

Je­den­falls kam es seit dem aus­ge­hen­den 6. Jahr­hun­dert er­neut zu ei­ner Ver­dich­tung des kirch­li­chen Le­bens und da­mit zum Aus­bau der Bis­tums­struk­tu­ren: In die­ser Zeit dürf­ten die An­fän­ge des bis zum En­de des 20. Jahr­hun­derts sich wei­ter ent­wi­ckeln­den Net­zes von Pfarr­ge­mein­den lie­gen. Im Aus­grei­fen des Bis­tums Köln in west­fä­li­sche Ge­bie­te süd­lich der Lip­pe so­wie am Nie­der­rhein sind ers­te deut­li­che­re Kon­tu­ren ei­nes Bis­tums­spren­gels zu er­ken­nen. Die­ser reich­te im Sü­den bis zum Wes­ter­wald, Vinxt­bach und Vul­kan­ei­fel so­wie im Wes­ten von der nörd­li­chen Maas über die Wurm bis Malme­dy.

In der Ka­ro­lin­ger­zeit ent­wi­ckel­te sich die Kir­che zur Reichs­kir­che, in wel­cher die Bi­schö­fe in en­ger Be­zie­hung zum Kö­nig stan­den – so auch im Bis­tum Köln. Bi­schof Hil­de­bold führ­te seit 794/795 als ers­ter den Ti­tel ei­nes Erz­bi­schofs. In der glei­chen Zeit kon­sti­tu­ier­te Karl der Gro­ße (Re­gie­rungs­zeit 768-814) die Köl­ner Kir­chen­pro­vinz mit den Suf­frag­an­bis­tü­mern Lüt­tich, Ut­recht, Müns­ter, Os­na­brück, Min­den und (bis 864) Bre­men. Die räum­li­chen Struk­tu­ren von Erz­bis­tum und Kir­chen­pro­vinz blie­ben im We­sent­li­chen bis zur Auf­he­bung des Erz­bis­tums Köln 1801 be­ste­hen, le­dig­lich bei Grün­dung des Bis­tums Ro­er­mond 1559 muss­te Köln klei­ne­re Ge­bie­te im Nord­wes­ten des Spren­gels ab­tre­ten.

Mit der von Erz­bi­schof Gunthar vor­ge­nom­me­nen Gü­ter­um­schrei­bung (866) wer­den ne­ben dem Dom erst­mals wei­te­re Stif­te in Köln, Bonn und Xan­ten deut­lich greif­bar. Durch die Aus­son­de­rung des Bi­schofs­gu­tes aus der Ver­mö­gens­mas­se der Köl­ner Kir­che kam es zur Ver­selbst­stän­di­gung die­ser Stif­te, was län­ger­fris­tig zur Ein­schrän­kung der geist­li­chen Lei­tungs­ge­walt der Bi­schö­fe führ­te. 

Im Hoch­mit­tel­al­ter in­ten­si­vier­ten sich die Reichs­be­zü­ge der Köl­ner Kir­che noch­mals. Den Ty­pus des im Dienst von Kö­nig und Reich ste­hen­den „Reichs­bi­schofs" ver­kör­per­te ins­be­son­de­re der hei­li­ge Bru­no, Bru­der Kai­ser Ot­to des Gro­ßen (Re­gie­rungs­zeit 936-973), der als Erz­bi­schof und Her­zog von Loth­rin­gen geist­li­che und welt­li­che Macht in sei­ner Per­son bün­del­te. Gleich­zei­tig ent­wi­ckel­te sich die bi­schöf­li­che Stadt­herr­schaft über Köln. Seit dem frü­hen 12. Jahr­hun­dert agier­ten die Erz­bi­schö­fe durch Bur­gen­bau und Ver­ga­be von Le­hen so­wie im 13. Jahr­hun­dert durch Stadt­er­he­bun­gen ins­be­son­de­re als Lan­des­her­ren. Die­se Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik führ­te lang­fris­tig so­wie mit der Über­tra­gung der rhei­ni­schen und der west­fä­li­schen Her­zogs­ge­walt an die Erz­bi­schö­fe (1151 be­zie­hungs­wei­se 1180) zur Ent­ste­hung des Erz­stif­t Köln als welt­li­chem Herr­schaft­s­ter­ri­to­ri­um­ ­der Köl­ner Erz­bi­schö­fe. Es um­fass­te nur Tei­le des Erz­bis­tums, griff an we­ni­gen Stel­len aber über den Bis­tums­spren­gel hin­aus. Über die Ka­the­dral­stadt Köln selbst aber ver­lo­ren die Erz­bi­schö­fe mit der Schlacht von Worrin­gen (1288) fak­tisch die Stadt­herr­schaft.

Als Be­ra­tungs- und Wahl­gre­mi­um des Erz­bi­schofs ent­wi­ckel­te sich im 11. Jahr­hun­dert das Prio­ren­kol­leg. Es be­stand aus Geist­li­chen der wich­tigs­ten Stif­te und Klös­ter im Erz­bis­tum, wur­de je­doch spä­tes­tens im 13. Jahr­hun­dert vom Dom­ka­pi­tel ver­drängt. Auf das 11. Jahr­hun­dert ge­hen auch die An­fän­ge der Glie­de­rung des Erz­bis­tums in Ar­ch­idia­ko­na­te und (Land)de­ka­na­te zu­rück. Bei­de oft mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren­de Or­ga­ni­sa­ti­ons­for­men wa­ren Mit­tel­in­stan­zen zwi­schen Bis­tums­spit­ze und Pfar­rei­en. Jün­ge­ren Da­tums ist die Ent­wick­lung ei­ner Diö­ze­san­ver­wal­tung, de­ren Not­wen­dig­keit sich nicht zu­letzt aus der Dop­pel­funk­ti­on der Erz­bi­schö­fe als Bi­schö­fe und Lan­des­her­ren er­gab, wo­bei letz­te­re im­mer mehr Vor­rang ge­wann. Im 13. und 14. Jahr­hun­dert ent­stan­den da­her drei bis heu­te exis­ten­te geist­li­che Äm­ter, die in Ver­tre­tung des Erz­bi­schof die je­wei­li­gen Auf­ga­ben­be­rei­che über­nah­men: Der Of­fi­zi­al wur­de zu­stän­dig für die geist­li­che Ge­richts­bar­keit, der Weih­bi­schof für die Wei­he­auf­ga­ben und der Ge­ne­ral­vi­kar für die all­ge­mei­nen kirch­li­chen Ver­wal­tungs­auf­ga­ben. Schon bald be­gann, aus­ge­hend von die­sen drei Äm­tern die Ent­wick­lung durch­struk­tu­rier­ter Be­hör­den: Be­reits im 13. Jahr­hun­dert taucht der Be­griff der „erz­bi­schöf­li­chen Ku­rie" auf, wäh­rend von ei­nem „Ge­ne­ral­vi­ka­ri­at" erst ab dem 17. Jahr­hun­dert die Re­de sein kann.

Die­se im Mit­tel­al­ter Grund ge­leg­ten Struk­tu­ren än­der­ten sich im Zeit­al­ter der Re­for­ma­ti­on nicht we­sent­lich. Zwei Ver­su­che (1543-1547; 1583-1584), das Erz­bis­tum zu re­for­mie­ren und zu sä­ku­la­ri­sie­ren, schei­ter­ten. Dass ei­ne Rei­he von Erz­bi­schö­fen des 16. Jahr­hun­derts we­der Pries­ter- noch Bi­schofs­wei­he emp­fan­gen hat­te, ver­deut­licht gleich­wohl den Tief­stand in der Ent­wick­lung des Erz­bis­tums. Bis­tum und Kur­staat wur­den von 1583 bis 1761 zur baye­ri­schen Se­kun­do­ge­ni­tur. Da­durch so­wie auf Grund der Re­for­men in nach­tri­den­ti­ni­scher Zeit blie­ben wei­te Teil des Erz­bis­tums ka­tho­lisch oder konn­ten so­gar re­ka­tho­li­siert wer­den. Län­ger­fris­tig präg­te der Pro­tes­tan­tis­mus le­dig­lich Tei­le der mär­ki­schen und ber­gi­schen Lan­de.

Das En­de des al­ten Erz­bis­tums Köln kam mit dem Kon­kor­dat zwi­schen Papst Pi­us VII. (Pon­ti­fi­kat 1800-1823) und Frank­reich be­zie­hungs­wei­se Na­po­le­on (1801) so­wie dem Frie­den von Lun­é­vil­le (1801), mit dem die schon 1794 be­setz­ten links­rhei­ni­schen Ge­bie­te auch staats­recht­lich Frank­reich an­ge­glie­dert wur­den. Noch im glei­chen Jahr trat dar­auf­hin das neu er­rich­te­te Bis­tum Aa­chen im Links­rhei­ni­schen an die Stel­le des Erz­bis­tums Köln. Im ­Rechts­rhei­ni­schen blieb hin­ge­gen das rest­li­che Erz­bis­tum in Er­war­tung ei­ner Neu­or­ga­ni­sa­ti­on der Bis­tums­struk­tu­ren in den fran­zö­si­schen Sa­tel­li­ten­staa­ten be­ste­hen – nach dem Tod des letz­ten Köl­ner Erz­bi­schofs und Kur­fürs­ten Ma­xi­mi­li­an Franz 1801 al­ler­dings oh­ne bi­schöf­li­ches O­ber­haupt, fak­tisch oh­ne Dom­ka­pi­tel und Bis­tums­sitz. Die Ge­schäf­te führ­te Jo­hann Her­mann Jo­seph von Cas­pars zu Weiß (1744-1822) als Ka­pi­tu­lar­vi­kar. Sei­nen Sitz hat­te das Ge­ne­ral­vi­ka­ri­at zu­nächst in Arns­berg, seit 1804 dann im ver­kehrs­güns­ti­ger ge­le­ge­nen Deutz. Bei die­sem Pro­vi­so­ri­um blieb es bis 1821.

Nach­dem die Rhein­lan­de 1815 auf dem Wie­ner Kon­gress an Preu­ßen ge­fal­len wa­ren, er­folg­te 1821 mit der päpst­li­chen Bul­le „De sa­lu­te ani­ma­rum" die Wie­der­er­rich­tung des Erz­bis­tums Köln. Es um­fass­te die Re­gie­rungs­be­zir­ke Köln, Aa­chen und teil­wei­se Düs­sel­dorf; weg­ge­fal­len wa­ren vor­ al­lem der Nie­der­rhein so­wie die west­fä­li­schen Ge­bie­te. Zur Köl­ner Kir­chen­pro­vinz ge­hör­ten die Bis­tü­mer Pa­der­born, Müns­ter und Trier. Mit Fer­di­nand Au­gust Graf Spie­gel er­hielt Köln erst 1825 ei­nen neu­en Bi­schof, in des­sen Amts­zeit es zur Or­ga­ni­sa­ti­on des Bis­tums (Er­rich­tung von De­ka­na­ten) und der kirch­li­chen Ver­wal­tung (Dom­ka­pi­tel, Weih­bi­schof, Ge­ne­ral­vi­ka­ri­at, erst 1848 Of­fi­zialat) kam. Ins­be­son­de­re ab der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts wuchs im Ge­fol­ge von In­dus­tria­li­sie­rung, Ur­ba­ni­sie­rung und Be­völ­ke­rungs­wachs­tum die Zahl der Gläu­bi­gen, die sich von et­wa 1800 bis 1901 auf über 2,5 Mil­lio­nen ver­vier­fach­te; ent­spre­chend kam es auch zu ei­nem wei­te­ren Aus­bau des Pfarr­net­zes. Gleich­zei­tig nahm das kirch­li­che Le­ben ei­nen Auf­schwung, was un­ter an­de­rem mit der Aus­bil­dung ei­nes rei­chen ka­tho­li­schen Ver­eins- und Ver­bän­de­we­sens ein­her­ging. Um 1900 war Köln ei­nes der be­deu­tends­ten Bis­tü­mer Deutsch­lands.

An­ge­sichts die­ser Ent­wick­lun­gen wur­den Lei­tung und Ver­wal­tung des Erz­bis­tums im­mer schwie­ri­ger. Da­her kam es mit Er­rich­tung des Bis­tums Aa­chen (1930) zu ei­ner Ab­tre­tung des west­li­chen Bis­tums­teils mit et­wa ei­nem Drit­tel der Gläu­bi­gen. Be­reits vor­her (1921) wa­ren die De­ka­na­te Eu­pen, Malme­dy und St. Vith in Fol­ge des Ver­sailler Ver­tra­ges aus dem Bis­tums­ver­band aus­ge­schie­den. Bei der Grün­dung de­s Ruhr­ge­biets­bis­tums Es­sen (1958) gab da­s Erz­bis­tum ei­nen eher ge­rin­gen Teil sei­nes Spren­gels, je­doch 20 Pro­zent der Gläu­bi­gen ab.

Von den Ein­schrän­kun­gen wäh­rend der NS-Zeit und des Zwei­ten Welt­krie­ges nicht nach­hal­tig ge­trof­fen, ver­lief die Ent­wick­lung des Erz­bis­tums in den 1950er Jah­ren zu­nächst un­ge­bro­chen wei­ter. Erst seit den 1960er Jah­ren kam es im Zu­sam­men­hang mit ge­samt­ge­sell­schaft­li­chen Ten­den­zen zu ei­nem Rück­gang des kirch­li­chen Le­bens, was sich un­ter an­de­rem in kon­ti­nu­ier­lich sin­ken­den Zah­len von Gläu­bi­gen, Kir­chen­be­su­chern und Pries­tern nie­der­schlägt. Dies führ­te zu not­wen­di­gen An­pas­sun­gen auch der pas­to­ra­len Struk­tu­ren, die am deut­lichs­ten in der pfarr­li­chen Seel­sor­ge greif­bar sind. Seit den 1980er Jah­ren wur­de ei­ne zu­neh­men­de Zahl von Pfarr­ge­mein­den zu­nächst von der je­wei­li­gen Nach­bar­pfar­rei mit­ver­wal­tet.

Erst seit 2000 kommt es bis­tums­weit auch zu recht­li­chen Fu­sio­nen meh­re­rer Pfarr­ge­mein­den. Sie füh­ren mit­tel­fris­tig da­zu, dass die Zahl der Pfarr­ge­mein­den von 802 (1999) auf cir­ca 250 sin­ken wird. Da­mit war mit dem En­de des 20. Jahr­hun­derts die seit der Spät­an­ti­ke kon­ti­nu­ier­li­che Ver­dich­tung des Pfarr­net­zes im Erz­bis­tum Köln auf ih­rem Hö­he­punkt an­ge­kom­men und kehrt sich mit dem Be­ginn des 3. Jahr­tau­sends um.

Quellen

Re­ges­ten der Erz­bi­schö­fe von Köln 313-1414, 12 Bän­de, Bonn, Köln und Düs­sel­dorf 1901-2001.

Literatur

He­gel, Edu­ard/Neuss, Wil­helm/Trip­pen, Nor­bert (Hg.), Ge­schich­te des Erz­bis­tums Köln, 5 Bän­de, Köln 1964–2008.
Di­ede­rich, To­ni/Hel­bach, Ul­rich/Her­born, Wolf­gang/Jans­sen, Wil­helm/Trip­pen, Nor­bert, Das Erz­bis­tum Köln, 5 Bän­de, Kehl 1994–1998. 

Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Oepen, Joachim, Erzbistum Köln, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/erzbistum-koeln-/DE-2086/lido/57d11a6076c626.53176868 (14.11.2018)

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