Grafschaft Virneburg

Peter Neu (Bitburg)

Ruinenanlage der Virneburg, 2003. (Sir Gawain / CC BY-SA 2.0)

Die 1052 erst­mals er­wähn­te Vir­ne­burg in der öst­li­chen Ei­fel war Stamm­sitz des gleich­na­mi­gen Ge­schlechts, das seit Mit­te des 11. Jahr­hun­derts be­zeugt ist. Sein Herr­schafts­ge­biet be­schränk­te sich zu­nächst auf ei­nen eng be­grenz­ten Raum am obe­ren Nitz­bach (Ne­ben­fluss der Net­te). Das Ge­schlecht er­wei­ter­te den Be­sitz durch Le­hen. Zu den äl­tes­ten Be­sit­zun­gen ge­hör­ten die Vog­tei­en Mert­loch und Nachts­heim und die Ge­rich­te in der Pel­lenz, wel­che die Gra­fen von Vir­ne­burg von den Pfalz­gra­fen, die­se wie­der­um von Kur­trier zu Le­hen tru­gen.

In Mon­re­al an der Eltz, das zur kur­trie­ri­schen Grund­herr­schaft Mert­loch ge­hör­te, bau­te Her­mann III. von Vir­ne­burg (Re­gie­rungs­zeit 1204-1238) seit 1220 ei­ne zwei­te Burg, ob­wohl sei­ne Rech­te dort strit­tig wa­ren. Mon­re­al wur­de zu ei­nem zwei­ten Sitz der Gra­fen­fa­mi­lie. Die meis­ten Gü­ter der Vir­ne­bur­ger wa­ren Le­hen des Kur­fürs­ten von Trier. Als Le­hen des Erz­bi­schofs gal­ten der Turm von Vir­ne­burg, Schloss und Tal Mon­re­al, Vog­tei und Ge­richt Nachts­heim, das Haus Boos, der Hof Spur­zen­heim bei Mon­re­al, Gü­ter zu Keh­rig, zwei Häu­ser in Ko­blenz, das Kirch­spiel Lan­gen­feld und die Pel­lenz­ge­rich­te.

Die Trie­rer Lehns­ho­heit wur­de wie­der­holt im 15. und 16. Jahr­hun­dert an­er­kannt. In ei­nem Ver­gleich zwi­schen Graf Diet­rich V. von Man­der­scheid (Re­gie­rungs­zeit 1551-1560) und dem Erz­bi­schof von Trier vom 25.9.1551 wur­de fest­ge­schrie­ben, dass die „landt­fürst­li­che Ober­keit in der Grave­schafft Vir­nen­burg dem Ertz­stifft Trier zusten­dig" sei. Ge­mein­sa­me Rech­te von Graf und Erz­bi­schof gab es im Vir­ne­bur­ger Hoch­ge­richt Ret­terath und in der Pel­lenz.

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Grafschaft Virneburg (Teile der gelben Umrandung), Ausschnitt aus der Karte 'Territorien im Rheinland 1789', Bonn 2010. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

Die acht Pel­lenz­ge­rich­te (im Raum Men­dig – Müns­ter­mai­feld – Al­flen), die bis An­fang des 15. Jahr­hun­derts al­le Le­hen der Vir­ne­bur­ger wa­ren, ent­wi­ckel­ten sich da­nach un­ter­schied­lich: Das Hoch­ge­richt auf dem Men­di­ger Berg war nach Ver­trä­gen zwi­schen Vir­ne­burg und Kur­trier von 1469, 1500 und 1516 ein Kon­do­mi­ni­um, die Rech­te in den Ge­rich­ten auf dem Bu­ben­hei­mer Berg, zu Lon­nig und zu Müns­ter­mai­feld be­sa­ßen die Gra­fen von Vir­ne­burg bis 1419 al­lein, da­nach wa­ren sie an Kur­trier ver­pfän­det. Das Hoch­ge­richt Mas­burg ver­blieb bis ins 16. Jahr­hun­dert im Al­lein­be­sitz des Gra­fen von Vir­ne­burg, die Ge­rich­te in Al­flen, im Brohl­tal und in Beltheim hat­ten die Vir­ne­bur­ger als Le­hen an die Her­ren von Win­ne­burg-Beil­stein be­zie­hungs­wei­se von Pir­mont aus­ge­ge­ben.

Das Ge­schlecht er­leb­te sei­nen Hö­he­punkt im 14. und 15. Jahr­hun­dert, als es in Köln und Mainz je ei­nen Erz­bi­schof und in Ut­recht ei­nen Bi­schof stell­te. Un­ter den Gra­fen Ru­precht IV. (ge­stor­ben 1444) und Ru­precht VI. (ge­stor­ben 1459) er­warb die Fa­mi­lie auch Be­sit­zun­gen in der West­ei­fel (Neu­er­burg, Kro­nen­burg, Schöne­cken, Schön­berg) und in Bra­bant (Durbuy). Ru­precht IV. war zeit­wei­se Gou­ver­neur des Her­zogs von Bur­gund in Lu­xem­burg. Als das Ge­schlecht der Vir­ne­bur­ger 1545 er­losch, zog der Kur­fürst von Trier Tei­le des Vir­ne­bur­ger Ter­ri­to­ri­ums als heim­ge­fal­le­ne Le­hen ein: die gro­ße und klei­ne Pel­lenz, Ort und Burg Mon­re­al, die Hö­fe Keh­rig und Spur­zen­heim. Au­ßer­dem be­an­spruch­te er Rech­te in Schutz, Reu­del­s­terz, Mert­loch und in ver­schie­de­nen Wäl­dern. Nur ein klei­ner Teil der ur­sprüng­li­chen Graf­schaft Vir­ne­burg kam an Graf Diet­rich IV. von Man­der­scheid (Re­gie­rungs­zeit 1501–1551), des­sen Mut­ter Mecht­hild von Vir­ne­burg ge­we­sen war. Diet­rich ver­such­te mit kai­ser­li­cher Un­ter­stüt­zung ver­geb­lich, in den Be­sitz des ge­sam­ten Er­bes zu ge­lan­gen; 1554 wur­de Graf Diet­rich V. von Man­der­scheid-Schlei­den (Re­gie­rungs­zeit 1551–1560) mit der ver­blie­be­nen Graf­schaft von Kur­trier be­lehnt. 1575 zog der Kur­fürst von Trier das Kirch­spiel Lan­gen­feld ein, nach dem To­de des letz­ten Man­der­schei­ders der Schlei­de­ner Li­nie, Diet­rich VI. (Re­gie­rungs­zeit 1560–1593), auch Boos und Nachts­heim. Nach 1593 kam es zu Erb­strei­tig­kei­ten zwi­schen den Man­der­schei­der Er­ben, die in ei­nem Ver­trag von 1615 bei­ge­legt wur­den. Die Graf­schaft Vir­ne­burg fiel an die Gra­fen von Lö­wen­stein-Wert­heim, die sie bis zur Auf­lö­sung des Al­ten Rei­ches be­haup­te­ten. Das klei­ne Ter­ri­to­ri­um war we­der in Äm­ter noch Ver­wal­tungs­be­zir­ke un­ter­glie­dert. Die Graf­schaft ge­hör­te zu­m Ober­rhei­ni­schen Kreis.

Die Graf­schaft war seit 1545 nur von ge­rin­ger Aus­deh­nung und um­fass­te 16 meist klei­ne Dör­fer. Um 1780 be­trug die Ge­samt­ein­woh­ner­zahl an­geb­lich nur 334, die Aus­deh­nung rund 7.550 Hekt­ar. Das Ge­biet war um­klam­mert durch die kur­trie­ri­schen Äm­ter May­en, Mon­re­al, Ul­men und Daun. Im Nor­den grenz­te es an das kur­k­öl­ni­sche Amt Nür­burg. In der zwei­ten Hälf­te des 16. Jahr­hun­derts kam es we­gen strit­ti­ger Gren­zen und we­gen Wald- und Wei­de­rech­ten im­mer wie­der zu Pfän­dun­gen und Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Vir­ne­burg und dem kur­trie­ri­schen Amt May­en.

In der zwei­ten Hälf­te des 16. Jahr­hun­derts fand die Re­for­ma­ti­on un­ter den Gra­fen von Man­der­scheid Ein­gang im Vir­ne­bur­ger Land. Nach 1615 setz­te sich un­ter den Gra­fen von Wert­heim-Lö­wen­stein die ka­tho­li­sche Leh­re wie­der durch. Um 1800 wur­de Vir­ne­burg Haupt­ort ei­nes Kan­tons im Rhein-Mo­sel­de­par­te­ment. Nach 1815 kam es zu­m Kreis May­en im Re­gie­rungs­be­zirk Ko­blenz.

Quellen

Eder-Stein, Irm­traut/Lenz, Rü­di­ger/Rö­del, Vol­ker, Lö­wen­stein-Wert­heim-Freu­den­berg­sches Ar­chiv Graf­schaft Vir­ne­burg. In­ven­tar des Be­stands F US 6 im Staats­ar­chiv Wert­heim, Ur­kun­den­re­ges­ten 1222 – 1791, Stutt­gart 2000.
Hei­ne, Mar­ti­na/Lenz, Rü­di­ger, Lö­wen­stein-Wert­heim-Freu­den­berg­sches Ar­chiv Graf­schaft Vir­ne­burg. In­ven­tar des Be­stands F 103 im Staats­ar­chiv Wert­heim, Ak­ten und Rech­nun­gen 1192 – 1819 (1832), Stutt­gart 2000.

Literatur

Fa­bri­ci­us, Wil­helm, Er­läu­te­run­gen zum ge­schicht­li­chen At­las der Rhein­pro­vinz, Band 2: Die Kar­te von 1789, Bonn 1898, Nach­druck Bonn 1965, S. 377-379.
Iwan­ski, Wil­helm, Ge­schich­te der Gra­fen von Vir­ne­burg von ih­ren An­fän­gen bis auf Ro­bert IV. (1383), Ko­blenz 1912.
Klap­pe­rich, Karl, Die Ge­schich­te des Gra­fen­ge­schlech­tes der Vir­ne­bur­ger, Bonn 1920.
Lenz, Rü­di­ger, Der Er­werb der Graf­schaft Vir­ne­burg durch die Gra­fen von Lö­wen­stein-Wert­heim, in: Wert­hei­mer Jahr­buch 1988/89, S. 231-252.
Mar­ko­witz, Klaus, Zur Ge­schich­te des Hau­ses und der Burg Vir­ne­burg, in: Rhei­ni­sche Hei­mat­pfle­ge NF 42 (2005), S. 263-273.
Neu, Pe­ter, Ge­schich­te und Struk­tur der Ei­fel­ter­ri­to­ri­en des Hau­ses Man­der­scheid, vor­nehm­lich im 15. und 16. Jahr­hun­dert, Bonn 1972.
Schug, Pe­ter, Ge­schich­te der De­ka­na­te May­en und Burg­b­rohl, Trier 1961.

Stammwappen der Grafen Virneburgs, gezeichnet von LeoDavid. (CC0 1.0)

 
Zitationshinweis

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Neu, Peter, Grafschaft Virneburg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/grafschaft-virneburg/DE-2086/lido/57d11b05f0ffd4.32347289 (12.11.2018)

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