Reichsabtei und Fürstentum Stavelot-Malmedy

Alfred Minke (Eupen)

Die ehemalige Klosterkirche und Kathedrale St.-Pierre, Paul und Quirin in Malmedy, erbaut 1777. (Jean-Pol Grandmont / CC BY 2.0)

Die Grün­dung der Dop­pel­ab­tei Stave­lot – Malme­dy geht auf die Jah­re 647-650 zu­rück, als Kö­nig Si­ge­bert III. von Au­st­ra­si­en ei­ner wohl nach der Re­gel des Hei­li­gen Ko­lum­ban le­ben­den Mönchs­ge­mein­schaft ein Ge­biet von 12 Mei­len Durch­mes­ser im Kö­nigs­wald „Ar­du­in­na" über­trug.

Im Zu­ge ei­ner Neu­be­gren­zung wur­de der Ab­tei­be­zirk je­doch be­reits 670 um die Hälf­te ver­klei­nert. Zum ers­ten Abt hat­te Si­ge­bert III. Re­mak­lus (Ri­mag­li­us) be­stimmt, der zu­vor der Ab­tei So­lignac vor­ge­stan­den hat­te. Die­ser ver­starb 671 in Stave­lot und wur­de schon bald als Hei­li­ger ver­ehrt. Aus der Ge­schich­te der Ab­tei ra­gen, ne­ben Re­mak­lus, drei Äb­te be­son­ders her­vor: Pop­po (1020-1048), der sie zu ei­nem Zen­trum clu­n­ia­zen­si­scher Re­form mach­te und als Rat­ge­ber Kai­ser Hein­richs III. fun­gier­te; so­dann Wi­bald (1130-1158), ei­ner der ge­lehr­tes­ten Män­ner sei­ner Zeit, der im Diens­te meh­re­rer deut­scher Herr­scher ei­ne weit ge­spann­te po­li­ti­sche Tä­tig­keit ent­fal­te­te und von Kai­ser Lo­thar III. (Re­gie­rungs­zeit 1125-1137) die so ge­nann­te „Gol­de­ne Bul­le" er­wirk­te, die die Zu­ge­hö­rig­keit zum Reich „auf ewi­ge Zei­ten" fest­schrieb; schlie­ß­lich Wil­helm von Man­der­scheid (1499-1546), der Stave­lot-Malme­dy aus dem geist­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ru­in in ei­ne neue Zu­kunft führ­te und nicht zu Un­recht als der zwei­te Grün­der der Ab­tei be­zeich­net wird.

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Reichsabtei und Fürstentum Stavelot-Malmedy, Ausschnitt aus der Karte 'Territorien im Rheinland 1789', Bonn 2010. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

Durch die Jahr­hun­der­te blieb das in­ne­re Le­ben der Mönchs­ge­mein­schaft, die in der zwei­ten Hälf­te des 10. Jahr­hun­derts die Re­gel des Hei­li­gen Be­ne­dikt an­ge­nom­men hat­te, vom Streit um die Vor­rang­stel­lung zwi­schen ih­ren zwei Stand­or­ten, ge­prägt, wo­bei de­ren Zu­ge­hö­rig­keit zu ver­schie­de­nen Diö­ze­sen ei­ne nicht un­we­sent­li­che Rol­le spiel­te. Malme­dy, am Zu­sam­men­fluss von War­che und War­chen­ne ge­grün­det, ge­hör­te zu­m Erz­bis­tum Köln, das rund 8 Ki­lo­me­ter wei­ter west­lich an den Ufern der Amel ge­le­ge­ne Stave­lot hin­ge­gen zum Bis­tum Lüt­tich. Den­noch blie­ben die bei­den Kon­ven­te stets un­ter ei­nem ge­mein­sa­men Abt ver­eint. Trotz et­li­cher Ver­käu­fe und man­cher Über­grif­fe mäch­ti­ger Nach­barn war das Ab­tei­ge­biet En­de des 18. Jahr­hun­derts im­mer­hin noch 727 Qua­drat­ki­lo­me­ter groß. Die rund 23.000 Un­ter­ta­nen des Fürst­abts leb­ten, über ei­ne Viel­zahl klei­ner Dör­fer und Wei­ler ver­streut, haupt­säch­lich von der Land­wirt­schaft.Wach­sen­de Be­deu­tung für die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung der Fürst­ab­tei ge­wan­nen al­ler­dings im Lau­fe des 18. Jahr­hun­derts die Ger­be­rei­en von Stave­lot und Malme­dy, die Malme­dy­er We­be­rei und die 1761 von den Mön­chen in Malme­dy be­gon­ne­ne Pa­pier­her­stel­lung. Die Städt­chen Malme­dy mit 3.500 und Stave­lot mit 1.800 Ein­woh­nern wa­ren mit Ab­stand die wich­tigs­ten Ort­schaf­ten des fürst­ab­tei­li­chen Ter­ri­to­ri­ums. Die­ses wur­de 1795 von der Fran­zö­si­schen Re­pu­blik an­nek­tiert, die Mönchs­ge­mein­schaft 1796 auf­ge­ho­ben.

Die Kon­vents­ge­bäu­de von Stave­lot und Malme­dy sind noch er­hal­ten. Die un­ter Pop­po in Stave­lot er­rich­te­te gro­ße Kir­che wur­de in fran­zö­si­scher Zeit grö­ß­ten­teils ab­ge­bro­chen. Die im 18. Jahr­hun­dert neu er­rich­te­te Ab­tei­kir­che in Malme­dy war von 1921 bis 1925 Ka­the­dra­le des kurz­le­bi­gen Bis­tums Eu­pen – Malme­dy.

Quellen

Hal­kin, Jo­seph, Ro­land, C.-G., Re­cueil des char­tes de l’Ab­baye de Stave­lot-Malme­dy, 2 Tei­le, Brüs­sel 1909-1930.

Literatur

Ber­liè­re, Ur­s­mer, Mo­nas­ti­con bel­ge II, Pro­vin­ce de Liè­ge, Ma­reds­ous 1928, S. IX-XVI, S. 58-105.
Fa­bri­ci­us, Wil­helm, Er­läu­te­run­gen zum ge­schicht­li­chen At­las der Rhein­pro­vinz, Band 2, Die Kar­te von 1789, Bonn 1898, Nach­druck 1965, S. 338-339.

Konventsgebäude in Malmedy. (Jean-Pol Grandmont / CC BY 2.0)

 
Zitationshinweis

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Minke, Alfred, Reichsabtei und Fürstentum Stavelot-Malmedy, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/reichsabtei-und-fuerstentum-stavelot-malmedy/DE-2086/lido/57a2f186da4be6.33005033 (14.11.2018)