Reichsgrafschaft Sponheim

Johannes Mötsch (Meiningen)

Burg Sponheim, gezeichnet von Johann Caspar Nepomuk Scheuren (1810–1887), Mitte des 19. Jahrhunderts.

Na­men ge­bend sind die Or­te Spon­heim (mit dem 1124 von der Fa­mi­lie ge­grün­de­ten Be­ne­dik­ti­ner­klos­ter) und Burg­spon­heim (mit der Stamm­burg des Gra­fen­hau­ses) in ei­nem Ne­ben­tal der Na­he ober­halb Bad Kreuz­nach. Das Ter­ri­to­ri­um ist das Er­geb­nis ei­ner im De­tail nicht mehr zu re­kon­stru­ie­ren­den Er­werbs­po­li­tik der Gra­fen von Spon­heim im 12. Jahr­hun­dert. Durch Erb­tei­lun­gen in den 1230er und 1240er Jah­ren ent­stan­den – von Mainz aus ge­se­hen – die Vor­de­re (Re­si­denz Kreuz­nach, zeit­wei­se ei­ne zwei­te Re­si­denz in Kas­tel­laun) und die Hin­te­re Graf­schaft (Re­si­denz zu­nächst die Star­ken­burg bei En­kirch, dann die Gre­ven­burg bei Trar­bach). Bei­de ha­ben ih­re Schwer­punk­te zwi­schen Mo­sel und Na­he, zu ih­nen ge­hö­ren da­her so­wohl Or­te und Re­gio­nen mit in­ten­si­vem Wein­bau in den Tä­lern und Ne­ben­tä­lern die­ser Flüs­se als auch dünn be­sie­del­te Tei­le auf dem Huns­rück.

Nach dem Er­lö­schen der Li­nie Kreuz­nach (1417) fiel ein Fünf­tel der Städ­te und Äm­ter Kirch­berg, Kop­pen­stein, Kreuz­nach und Naum­burg an Kur­pfalz, die üb­ri­gen vier Fünf­tel so­wie die Äm­ter Dill, Kas­tel­laun und Win­ter­burg an die Li­nie Star­ken­burg; letz­te­re wur­den fort­an zur Hin­te­ren Graf­schaft (be­reits zu­vor: Äm­ter Al­len­bach, Bir­ken­feld, Herrstein, Trar­bach so­wie das „Krö­ver Reich", letz­te­res Kon­do­mi­ni­um mit Kur­trier) ge­rech­net. Nach dem Tod des letz­ten Gra­fen kam des­sen Ter­ri­to­ri­um ge­mäß Tes­ta­ment un­ge­teilt an die nächs­ten Ver­wand­ten, den Mark­gra­fen von Ba­den und den Gra­fen von Vel­denz bzw. des­sen Nach­kom­men, die Pfalz­gra­fen aus der Li­nie Sim­mern. Die An­tei­le wa­ren mehr­fach Ge­gen­stand von Erb­tei­lun­gen in­ner­halb die­ser Häu­ser. 1707 wur­de die Vor­de­re Graf­schaft zwi­schen Kur­pfalz (Ober­amt Kreuz­nach) und Ba­den-Ba­den (Äm­ter Kirch­berg, Kop­pen­stein und Naum­burg) auf­ge­teilt. 1778 er­folg­te dies auch für die Hin­te­re Graf­schaft: die Äm­ter Al­len­bach, Kas­tel­laun und Trar­bach fie­len an Pfalz-Zwei­brü­cken, die Äm­ter Bir­ken­feld, Herrstein und Win­ter­burg so­wie die Vog­tei Win­nin­gen an Ba­den. Letz­te In­ha­ber der Graf­schaft, die 1794 von fran­zö­si­schen Trup­pen be­setzt und 1798/1801 Teil Frank­reichs wur­de, wa­ren Pfalz­graf Ma­xi­mi­li­an Jo­sef von Zwei­brü­cken (1799 Kur­fürst von Pfalz-Bay­ern, 1806 Kö­nig von Bay­ern) und Mark­graf Karl Fried­rich von Ba­den (1806 Gro­ßher­zog).

Die Vor­de­re Graf­schaft ist 1556 in die kur­pfäl­zi­sche Kir­chen­vi­si­ta­ti­on ein­be­zo­gen wor­den. Da­durch wur­de die Hin­wen­dung zur Re­for­ma­ti­on, die un­ter den Ein­woh­nern schon län­ger An­hän­ger hat­te, ab­ge­schlos­sen. In den fol­gen­den Jahr­zehn­ten folg­te das Ter­ri­to­ri­um den Kon­fes­si­ons­wech­seln der Kur­fürs­ten (seit 1583 re­for­miert). 1652 wur­de durch Ver­trag den ba­di­schen Be­am­ten und Die­nern die freie (ka­tho­li­sche) Re­li­gi­ons­aus­übung ge­stat­tet. Nach 1685 wa­ren bei­de Lan­des­her­ren ka­tho­lisch. Die Ka­tho­li­ken pro­fi­tier­ten da­her von den 1705 für die Kur­pfalz ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen. In der Hin­te­ren Graf­schaft ist 1557 durch den Pfalz­gra­fen Fried­rich die Re­for­ma­ti­on durch­ge­führt wor­den. Der ka­tho­li­sche Mark­graf von Ba­den wi­der­setz­te sich dem nicht. Die Be­völ­ke­rung blieb lu­the­risch, ob­wohl stets ein Ge­meins­herr ka­tho­lisch war (von 1755 bis 1771 so­gar bei­de).

Das Be­wusst­sein der frü­he­ren Zu­ge­hö­rig­keit zur Graf­schaft Spon­heim ist in der Re­gi­on bis heu­te le­ben­dig, wach ge­hal­ten auch durch das Schach­wap­pen des Gra­fen­hau­ses (Li­nie Kreuz­nach blau-gold, Star­ken­burg rot-sil­ber), das bis heu­te in den Wap­pen der Land­krei­se ver­tre­ten ist, die An­teil an den Graf­schaf­ten Spon­heim hat­ten.

Literatur

Leh­mann, Jo­hann Ge­org, Die Graf­schaft und die Gra­fen von Span­heim der bei­den Li­ni­en Kreuz­nach und Star­ken­burg bis zu ih­rem Er­lö­schen im 15. Jahr­hun­dert, Kreuz­nach 1869 (Neu­druck Wal­luf 1973).
Mötsch, Jo­han­nes, Die Graf­schaf­ten Spon­heim, in: Ge­schicht­li­cher At­las der Rhein­lan­de, hg. von Franz Ir­sig­ler / Gün­ther Löff­ler, Bei­heft V/4, Köln 1992.
Mötsch, Jo­han­nes, Ge­nea­lo­gie der Gra­fen von Spon­heim, in: Jahr­buch für West­deut­sche Lan­des­ge­schich­te 13 (1987), S. 63-179.
Nau­mann-Hum­beck, An­ne­lie­se, Stu­di­en zur Ge­schich­te der Gra­fen von Spon­heim vom 11. bis 13. Jahr­hun­dert, Bad Kreuz­nach 1983.
Re­ges­ten des Ar­chivs der Gra­fen von Spon­heim, be­arb. von Jo­han­nes Mötsch, 5 Bän­de, Ko­blenz 1987-1991.
Weydmann, Ernst, Ge­schich­te der ehe­ma­li­gen gräf­lich-spon­hei­mi­schen Ge­bie­te. Ein Bei­trag zur deut­schen Ter­ri­to­ri­al­ge­schich­te, Kon­stanz 1899).

Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Mötsch, Johannes, Reichsgrafschaft Sponheim, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/reichsgrafschaft-sponheim/DE-2086/lido/57d11a12b2ae87.08324265 (12.11.2018)