Stadt Düsseldorf

Clemens von Looz-Corswarem (Düsseldorf)

Düsseldorf, 2008. (Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH)

Die heu­ti­ge Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf liegt an bei­den Ufern des Rheins im nie­der­rhei­ni­schen Ter­ras­sen­land, um­fasst mit den 1908/1909, 1929 und 1975 ein­ge­mein­de­ten Stadt­tei­len 21.700 Hekt­ar und hat (2008) cir­ca 585.000 Ein­woh­ner. 

Vor­mit­tel­al­ter­li­che Be­sied­lung lässt sich im al­ten Stadt­kern nicht nach­wei­sen. Im Nor­den sind auf­grund von stein-, bron­ze- und ei­sen­zeit­li­chen Fun­den meh­re­re Sied­lungs­plät­ze wahr­schein­lich. Auch am Ran­de der Ber­g­aus­läu­fer fin­den sich bron­ze- und ei­sen­zeit­li­che Sied­lungs­spu­ren. Ei­ne Kon­ti­nui­tät zu den mit­tel­al­ter­li­chen Sied­lungs­plät­zen ist nicht ge­ge­ben.

Äl­ter als Düs­sel­dorf und frü­her in den Quel­len ge­nannt sind die ehe­mals selb­stän­di­gen Städ­te Kai­sers­werth und Ger­res­heim so­wie zahl­rei­che Ort­schaf­ten in­ner­halb des heu­ti­gen Stadt­ge­bie­tes (zum Bei­spiel Bilk 799, Kal­kum 892, Him­mel­geist 904, Hub­bel­rath 950, Lu­den­berg 1050, Hamm 1262). 

Der äl­tes­te Stadt­teil ist Kai­sers­werth. Das wohl schon En­de des 7. Jahr­hun­derts auf ei­ner Rhein­in­sel von Mis­si­ons­bi­schof Suit­bert ge­grün­de­te Klos­ter wur­de im 11. Jahr­hun­dert in ein Stift um­ge­wan­delt. Ne­ben dem Stift und der auf ei­nen Kö­nigs­hof zu­rück­ge­hen­den Pfalz mit Reichs­zoll (1174) ent­wi­ckel­te sich ei­ne Sied­lung. Pfalz und Sied­lung wa­ren seit 1424 an den Erz­bi­schof von Köln ver­pfän­det, der die Pfalz zu ei­ner mäch­ti­gen Burg­an­la­ge aus­bau­te, die 1689 und 1702 zer­stört wur­de. 1591 wur­de hier der Dich­ter und Be­kämp­fer des He­xen­wahns, Fried­rich Spee, ge­bo­ren. 1768/1772 ging Kai­sers­werth an Jü­lich-Berg über, wur­de 1808 Mai­rie und 1816 Bür­ger­meis­te­rei. 1836 grün­de­te der evan­ge­li­sche Pfar­rer Theo­dor Flied­ner hier sei­ne welt­weit tä­ti­ge Dia­ko­nis­sen­an­stalt. 1929 wur­de der Ort, der im Kern bis heu­te sei­nen früh­neu­zeit­li­chen Cha­rak­ter ­be­wahrt hat, nach Düs­sel­dorf ein­ge­mein­det.

Die Kaiserpfalz in Kaiserswerth, um 1630, Original im Stadtmuseum Düsseldorf. (Stadtarchiv Düsseldorf)

 

Das 873/874 erst­mals be­zeug­te Ger­res­heim geht wohl auf den Ade­li­gen Ger­rich zu­rück, der hier ein Ka­no­nis­sen­stift stif­te­te. Schon im 12. Jahr­hun­dert bil­de­te sich bei dem Stift (St. Mar­ga­re­tha) ei­ne Sied­lung, die 1368 vom Gra­fen von Berg Stadt­rech­te er­hielt. Bis zur Ein­ge­mein­dung nach Düs­sel­dorf 1909 war der Ort klein­städ­tisch und agra­risch struk­tu­riert, wenn man von der 1864 von Ferd. Heye ge­grün­de­ten Glas­fa­brik (ge­schlos­sen 2005) ab­sieht. 

Der Na­me Düs­sel­dorf lei­tet sich von dem Bach Düs­sel ab, der, bei Ne­vi­ges im ber­gi­schen Land ent­sprin­gend, im Alt­stadt­be­reich in den Rhein mün­det. Der Na­me Düs­sel (1065 Thus­se­la) wird mit „to­sen" in Ver­bin­dung ge­bracht. Die ers­te Nen­nung von Düs­sel­dorf wird auf 1135-1159 da­tiert; 1162 als Thus­sel­dorp be­zeich­net, wird der Ort ver­mut­lich 1206 aus der Pfar­rei Bilk aus­ge­löst und zur selb­stän­di­gen Pfar­re. 1263 ver­lieh der Gra­fen von Berg Fähr­rech­te an Ein­woh­ner. 

Am 14.8.1288, nur sechs Wo­chen nach der Schlacht von Worrin­gen (5.6.1288) ver­lieh Graf Adolf IV. von Berg (Re­gie­rungs­zeit 1236-1259) Düs­sel­dorf Stadt­rech­te. Gleich­zei­tig grün­de­te er ein Ka­no­ni­ker­stift an der St. Lam­ber­tus­kir­che, das am 8.9.1288 vom Papst be­stä­tigt wur­de. Der wohl zu­nächst nur mit Wall und Gra­ben be­fes­tig­te Ort um­fass­te le­dig­lich 3,8 Hekt­ar; er lag auf ei­ner hoch­was­ser­frei­en Land­zun­ge, die im Nor­den durch ei­nen al­ten Rhein­arm, im Wes­ten durch den Rhein und im Nor­den durch die Düs­sel ge­schützt war. 

Historische Stätten in Düsseldorf, 2010. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

Im ers­ten Jahr­hun­dert nach der Grün­dung ent­wi­ckel­te sich die Stadt nur we­nig. Erst un­ter Graf Wil­helm von Berg (1360-1408), der 1380 Her­zog wur­de, er­leb­te sie ei­nen Auf­schwung. Durch An­la­ge ei­ner Neu­stadt er­wei­ter­te er die Stadt auf 22,5 Hekt­ar. Er bau­te das Schloss aus, rich­te­te ei­nen Rhein­zoll ein und ließ ei­ne stei­ner­ne Be­fes­ti­gung für die ge­sam­te Stadt an­le­gen. Au­ßer­dem grün­de­te er das bes­ser aus­ge­stat­te­te Stift un­ter dem Na­men Ma­ri­en­stift neu, ließ ei­ne spät­go­ti­sche Hal­len­kir­che er­rich­ten und ein Spi­tal (Gast­haus) an­le­gen. Der Er­werb der Re­li­qui­en des Hei­li­gen Apol­li­na­ris be­grün­de­te ei­ne re­gio­na­le Wall­fahrt. An­sät­ze ei­ner Re­si­denz­bil­dung wur­den un­ter sei­nen Nach­fol­gern nicht fort­ge­führt.

Die Südfront der Feste Düsseldorf mit dem alten Berger Tor, um 1585, Kupferstich aus: Dietrich Graminaeus, Beschreibung derer Fürstlichen Güligschen Hochzeit, 1587, Original im Stadtmuseum Düsseldorf. (Stadtarchiv Düsseldorf)

 

Ein Bür­ger­meis­ter er­scheint erst­mals 1306, ein Rat 1358; in die­sem Jahr ist Düs­sel­dorf auch in den ber­gi­schen Land­stän­den ver­tre­ten. Als ers­te To­re wer­den 1396 das Ber­ger und 1408 das Flin­ger Tor ge­nannt, ei­ne Schüt­zen­bru­der­schaft ist für 1435 be­legt. Um 1443 lie­ßen sich die Kreuz­her­ren in der Stadt nie­der. Auf Han­del und be­schei­de­nes Hand­werk im Düs­sel­dorf des 15. Jahr­hun­derts weist die Wein­schrö­der­ord­nung (1417) und die ers­te Zunf­tord­nung (Schuh­ma­cher 1453) hin, ei­ne Bad­stu­be exis­tier­te 1462. Ei­ne neue Epo­che be­gann für die klei­ne Stadt Düs­sel­dorf mit dem 16. Jahr­hun­dert. Durch die Ver­ei­ni­gung der Ter­ri­to­ri­en Jü­lich, Berg, Kle­ve, Mark und Ra­vens­berg 1521 ent­stand ei­ne ­Län­der­mas­se, die un­ter den Her­zö­gen aus dem Hau­se Kle­ve weit­ge­hend von Düs­sel­dorf aus re­giert wur­de. Da­mit wur­de Düs­sel­dorf ei­ne auf­stre­ben­de Re­si­denz­stadt. Rech­net man für 1435 noch mit cir­ca 2.000 Ein­woh­nern, so dürf­ten es 1542 schon 4.200 bis 4.300 ge­we­sen sein. Be­son­ders un­ter den Her­zö­gen Jo­hann III. (Her­zog 1511-1539) un­d Wil­helm dem Rei­chen er­leb­te die zur Fes­tung aus­ge­bau­te Stadt ei­nen wirt­schaft­li­chen un­d kul­tu­rel­len Auf­schwung. In den Re­li­gi­on­s­aus­ein­an­der­set­zun­gen des 16. Jahr­hun­derts ver­such­ten die ka­tho­li­schen Fürs­ten, ei­nen „mitt­le­ren Weg", ei­ne am Hu­ma­nis­mus ori­en­tier­te Kir­chen­po­li­tik. In Düs­sel­dorf bil­de­ten sich in die­ser Zeit re­for­mier­te und lu­the­ri­sche Ge­mein­den.

Düsseldorf um 1600, Lithographie aus dem 19. Jahrhunderts nach einem Kupferstich von Frans Hogenberg, Original im Stadtmuseum Düsseldorf. (Stadtarchiv Düsseldorf)

 

Nach dem Tod des kin­der­lo­sen Jo­hann Wil­helm I. 1609 und dem Jü­lich-Kle­vi­schen Erb­streit (1609-1614) gin­gen die Her­zog­tü­mer Jü­lich und Berg an das Haus Pfalz-Neu­burg über, das un­ter Wolf­gang Wil­helm s­ei­ne Re­si­denz nach Düs­sel­dorf ver­leg­te. Ihm ge­lang es, die Stadt weit­ge­hend aus dem Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg her­aus­zu­hal­ten; auch sie­del­te er zahl­rei­che ka­tho­li­sche Or­den (un­ter an­de­rem die Je­sui­ten) an. Be­deu­tends­ter Ver­tre­ter die­ser Dy­nas­tie war sein En­kel Kur­fürs­t Jo­hann Wil­helm II. (Jan Wel­lem), der Schloss und Stadt aus­bau­te, ei­ne Ge­mäl­de­ga­le­rie an­leg­te und Düs­sel­dor­f ­durch sei­ne lu­xu­riö­se Hof­hal­tung Glanz ver­lieh. Sein noch heu­te auf dem Markt­platz er­hal­te­nes Rei­ter­stand­bild trug zu sei­ner gro­ßen Po­pu­la­ri­tät bei. Nach sei­nem Tod wur­de Düs­sel­dorf von Mann­heim und Mün­chen aus re­giert und er­leb­te in der zwei­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts un­ter Karl Theo­dor ei­ne ge­wis­se Blü­te. In die­ser Zeit ent­stan­den die Karl­stadt, Schloss Jä­ger­hof und das Ro­ko­ko­schloss Ben­rath. Jo­han­n ­Wolf­gang von Goe­the (1749-1832) be­such­te 1774 und 1792 sei­nen Freund, den Phi­lo­so­phen Fried­rich Hein­rich Ja­co­bi, in Pem­pel­fort. 

Einzug Napoleons in Düsseldorf am 2.11.1811, Kolorierte Lithographie von Johann Petersen, Original im Stadtmuseum Düsseldorf, Foto: Johann Petersen. (Stadtarchiv Düsseldorf)

 

Erst un­ter Na­po­le­on Bo­na­par­te (1769-1821) wur­de das von 1795-1801 von den Fran­zo­sen be­setz­te Düs­sel­dorf wie­der Haupt­stadt ei­nes Ter­ri­to­ri­ums. Im März 1806 über­nahm Joa­chim Mu­rat (1767-1815) als Gro­ßher­zog von Berg die Herr­schaft, gab sie aber 1808 an Na­po­le­on selbst ab, der der Stadt im No­vem­ber 1811 ei­nen Be­such ab­stat­te­te. Die Stadt, seit 1806 mit ei­nem Mai­re an der Spit­ze, bil­de­te mit den um­lie­gen­den Ort­schaf­ten, ei­nen ei­ge­nen Kan­ton im Ar­ron­dis­se­ment Düs­sel­dorf, das zum Rhein-De­par­te­ment ge­hör­te. In die­ser Zeit wur­den zahl­rei­che Re­for­men durch­ge­führt, die spä­ter ge­gen die preu­ßi­sche Re­gie­rung ver­tei­digt wer­den muss­ten. 

Blick vom Ananasberg auf die heutige Königsallee, um 1820. Original im Stadtmuseum Düsseldorf. (Stadtarchiv Düsseldorf)

 

Im Ok­to­ber 1813 von rus­si­schen Trup­pen be­setzt (10.11.1813 wur­de Jus­tus Gru­ner [1777-1820] Ge­ne­ral­gou­ver­neur), wur­de Düs­sel­dorf durch den Wie­ner Kon­gress 1815 Preu­ßen zu­ge­schla­gen und zu ei­ner Pro­vinz­stadt her­ab­ge­stuft, die im­mer­hin Sitz ei­nes Re­gie­rungs­prä­si­den­ten, des rhei­ni­schen Pro­vin­zi­al­land­ta­ges (1824) und ei­ner Kunst­aka­de­mie (1819) wur­de. 1820 ver­lor die Stadt ih­re Selb­stän­dig­keit und wur­de dem Land­kreis Düs­sel­dorf zu­ge­ord­net, bei dem sie bis 1872 blieb.

Gerresheim mit den Schornsteinen der ersten Fabriken, um 1850, Stahlstich von Anton Rottmann nach einer Zeichnung von Ludwig Rohbock (1824-1893), Original im Stadtmuseum Düsseldorf. (Stadtarchiv Düsseldorf)

 

Auf den 1801 ge­schleif­ten Fes­tungs­an­la­gen leg­te un­ter an­de­rem der Gar­ten­di­rek­tor Ma­xi­mi­li­an Fried­rich Wey­he den Hof­gar­ten mit der spä­ter Kö­nigs­al­lee ge­nann­ten Stra­ße an. Es folg­te ein klas­si­zis­ti­scher Aus­bau der Stadt. Für die ers­te Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts be­saß Düs­sel­dorf zu Recht den Bei­na­men „Kunst- und Gar­ten­stadt". Die Ma­ler Pe­ter von Cor­ne­li­us und Wil­helm von Scha­dow, der Kom­po­nist Fried­rich Au­gust Burg­mül­ler (1806-1874) mit den nie­der­rhei­ni­schen Mu­sik­fes­ten, Karl Le­be­recht Im­mer­mann, Chris­ti­an Diet­rich Grab­be (1801-1836) und Fe­lix Men­dels­sohn Bar­thol­dy (1809-1847), spä­ter auch Ro­bert Schu­mann präg­ten die kul­tu­rel­le At­mo­sphä­re der Stadt. Der 1797 in der Bol­ker­stra­ße ge­bo­re­ne Dich­ter Hein­rich Hei­ne er­in­nert in sei­nen Schrif­ten viel­fach an Düs­sel­dorf.

Die erste Düsseldorfer Rheinbrücke, um 1898. (Stadtarchiv Düsseldorf)

 

Die güns­ti­ge La­ge am Rhein, die Nä­he zum Ruhr­ge­biet, die Mög­lich­keit, sich un­ge­hin­dert in das Um­land aus­zu­deh­nen und der An­schluss an ver­schie­de­ne Ei­sen­bahn­li­ni­en (ab 1838) be­güns­tig­ten Düs­sel­dorf in der Zeit der In­dus­tria­li­sie­rung. Hat­te noch 1848/1849 die Ar­mut der Hand­werks­ge­sel­len und Ar­bei­ter, die bis­her vor­nehm­lich in klei­nen Tex­til­be­trie­ben ihr Aus­kom­men fan­den, zu Un­ru­hen ge­führt, so wuchs mit der An­sied­lung zum Teil aus Bel­gi­en oder der Ei­fel stam­men­der In­dus­tri­el­ler, die ab 1852 Pud­del­stahl­wer­ke, Kes­sel­fa­bri­ken so­wie Blech- und Na­gel­wer­ke grün­de­ten, der Be­darf an Ar­bei­tern. Vor al­lem in den Au­ßen­be­zir­ken, De­ren­dorf, Golz­heim, Bilk, Lie­ren­feld und Rath sie­del­ten sich zum Bei­spiel die Fa­bri­ken von Pied­boef, Po­ens­gen, „Ha­ni­el & Lueg" (1874), Ja­gen­berg (1878), Hen­kel (1887), Rhein­me­tall (1889) und Man­nes­mann (1897) an. Zu der Ei­sen- und Stahl ver­ar­bei­ten­den In­dus­trie (un­ter an­de­rem Röh­ren­in­dus­trie) ge­sell­te sich die che­mi­sche In­dus­trie, gleich­zei­tig sie­del­ten sich zu­neh­mend Ver­ei­ne, Ver­bän­de, Kon­zern­zen­tra­len und In­ter­es­sen­ver­tre­tun­gen in Düs­sel­dorf an, so dass die Stadt, be­son­ders nach der Jahr­hun­dert­wen­de, zum „Schreib­tisch des Ruhr­ge­bie­tes" wur­de. So konn­te sich Düs­sel­dorf in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts schnell zu ei­ner be­deu­ten­den In­dus­trie- und Han­dels­stadt ent­wi­ckeln, ein Merk­mal, dass die Stadt bis in die ers­ten Jahr­zehn­te nach dem Zwei­ten Welt­krieg be­hal­ten soll­te.

Große Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen (Gesolei) Düsseldorf, 1926. Blick auf den Kunstpalast und die Rheinterrasse, Postkarte. (Stadtarchiv Düsseldorf)

 

Be­saß die Stadt um 1815 cir­ca 20.000 Ein­woh­ner, so wa­ren es 1850 schon 40.000, 1875 80.000, 1882 100.000 und 1900 213.000. Be­reits 1854 war ein neu­er Be­bau­ungs­plan be­schlos­sen wor­den, der 1885, nach der Ent­schei­dung, die Ei­sen­bah­nen um die da­ma­li­ge Stadt her­um­zu­le­gen und ei­nen zen­tra­len Bahn­hof zu er­rich­ten, er­neu­ert wur­de. Über­re­gio­na­le Aus­stel­lun­gen (1880, 1902), der Aus­bau des Ha­fens (1896), der Bau ei­ner Rhein­brü­cke (1898) und sys­te­ma­ti­sche Neu­an­sied­lung von In­dus­trie (In­dus­trie­ter­rain Reis­holz), ver­bun­den mit zahl­rei­chen In­fra­struk­tur­maß­nah­men führ­ten zu ei­ner star­ken Er­wei­te­rung der be­bau­ten Flä­che. 1908 und 1909 wur­den die teil­wei­se schon in­dus­tria­li­sier­ten Ge­mein­den Wers­ten, Ger­res­heim, El­ler, Heerdt, Him­mel­geist, Lu­den­berg, Rath, Stock­um und Venn­hau­sen ein­ge­mein­det. Der Ers­te Welt­krieg brach­te der Stadt, die auch Gar­ni­sons­stadt und Rüs­tungs­stand­ort war, star­ke Ein­bu­ßen, zu­mal sie seit 1918 teil­wei­se von bel­gi­schen und bri­ti­schen und dann 1921-1925 von fran­zö­si­schen Trup­pen be­setzt war. Nach de­ren Ab­zug ge­lang es durch den Aus­bau des Flug­ha­fens 1925, ei­ner neu­en gro­ßen Aus­stel­lung 1926 („Gro­ße Aus­stel­lung Düs­sel­dorf 1926 für Ge­sund­heits­pfle­ge, so­zia­le Für­sor­ge und Lei­bes­übun­gen", kurz „Ge­sol­ei"), de­ren Dau­er­bau­ten heu­te das mu­se­um kunst pa­last und das Fo­rum Kul­tur und Wirt­schaft be­her­ber­gen, und der Ein­ge­mein­dung von Ben­rath mit Ga­rath, Has­sels, It­ter, Kai­sers­werth, Lo­hau­sen, Reis­holz und Ur­den­bach (1929), an die Vor­kriegs­ent­wick­lung an­zu­knüp­fen. Mit der Ein­ge­mein­dung von Heerth mit Ober- und Nie­der­kas­sel dehn­te sich die Stadt auf das lin­ke Rhein­ufer aus, die Ein­woh­ner­zahl hat­te sich auf 472.000 Ein­woh­ner er­höht. Nach dem Brü­cken­bau und der Er­rich­tung ei­ner elek­tri­schen Klein­bahn nach Kre­feld durch die Rhei­ni­sche Bahn­ge­sell­schaf­t war ab cir­ca 1900 das ge­gen­über der Alt­stadt Düs­sel­dorf lie­gen­de Vor­land (Ober­kas­sel) sys­te­ma­tisch be­baut und als Wohn­ge­biet er­schlos­sen wor­den. 

Die Synagoge in der Kasernenstraße, um 1930, Foto: Julius Söhn. (Stadtarchiv Düsseldorf)

Die Berliner Allee um 1950, Foto: Oskar Söhn. (Stadarchiv Düsseldorf)

 

Die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten, die auch in Düs­sel­dorf ab 1933 al­le Geg­ner, Miss­lie­bi­ge und An­ders­den­ken­den ver­haf­te­ten und aus dem öf­fent­li­chen Le­ben her­aus­dräng­ten, woll­ten in Düs­sel­dorf mit der Aus­stel­lung „Schaf­fen­des Volk" 1937 die Wirt­schafts­kraft des „Drit­ten Rei­ches" de­mons­trie­ren. 1938 be­gann mit dem No­vem­ber­po­grom und der Zer­stö­rung der Syn­ago­gen im Stadt­ge­biet die sys­te­ma­ti­sche Ver­fol­gung und Er­mor­dung auch der Düs­sel­dor­fer Ju­den.

  Düs­sel­dorf war In­dus­trie­stadt und Rüs­tungs­stand­ort, in dem wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs zu­neh­mend Zwangs­ar­bei­ter ein­ge­setzt wur­den. Al­lei­ne über 400 La­ger und Wohn­plät­ze für Kriegs­ge­fan­ge­ne, Zwangs­ar­bei­ter und KZ-Häft­lin­ge konn­ten nach­ge­wie­sen wer­den. Durch 243 Luft­an­grif­fe ab 1940 und Be­schuss wur­de über die Hälf­te der Stadt zer­stört, wo­bei es über 6.000 To­te un­ter der Zi­vil­be­völ­ke­rung gab. Noch in den letz­ten Kriegs­ta­gen wur­den un­ter ma­ß­geb­li­chem Zu­tun des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gau­lei­ters von Düs­sel­dorf, Flo­ri­an, Bür­ger, die die Stadt kampf­los ­über­ge­ben woll­ten, hin­ge­rich­tet. 

Der Medienhafen, 2008. (© Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH)

 

Am 17.4.1945 be­setz­ten ame­ri­ka­ni­sche Trup­pen die Stadt, die am 10./12.6.1945 un­ter bri­ti­sche Mi­li­tär­ver­wal­tung kam. Am 21.6.1946 ent­schied die bri­ti­sche Re­gie­rung, ein Land Nord­rhein-West­fa­len mit der Haupt­stadt Düs­sel­dorf zu schaf­fen. War die Stadt­ver­wal­tung über die Eh­re, Haupt­stadt ei­nes neu­en Lan­des zu­ ­sein, we­gen der schwie­ri­gen Woh­nungs- und Ver­sor­gungs­la­ge zu­nächst we­nig er­freut, so hat sie dann seit den 1960er Jah­ren die neue Rol­le ak­zep­tiert.

Das Wirt­schafts­le­ben be­gann mit der Wie­der­er­öff­nung der Rhei­nisch-west­fä­li­schen Bör­se und der Grün­dung der Nord­west­deut­schen Aus­stel­lungs­ge­sell­schaft 1946. Die Pres­se­aus­stel­lung (1947), die Aus­stel­lung „Al­le sol­len bes­ser le­ben" so­wie die Wie­der­auf­nah­me des zi­vi­len Flug­ver­kehrs 1949 zei­gen den be­gin­nen­den Auf­schwung an. In den 1950er und 1960er Jah­ren folg­ten Hoch­haus­pro­jek­te (Man­nes­mann-Hoch­haus 1958, Thys­sen-Dreischei­ben-Haus 1960), Brü­cken­bau­ten (Theo­dor-Heuss-Brü­cke 1957, Rhein­knie­brü­cke 1969) so­wie der Aus­bau neu­er Sied­lun­gen (Ga­rath ab 1959). Wie­der­auf­bau und Kon­so­li­die­rung nach dem Zwei­ten Welt­krieg wa­ren En­de der 1950er Jah­re ab­ge­schlos­sen. Hat­te Düs­sel­dorf zu­nächst an sei­ne Tra­di­ti­on als In­dus­trie­stadt an­ge­knüpft, wan­del­te es sich zu­neh­mend von der In­dus­trie- zur Me­di­en- und Dienst­leis­tungs­stadt. Im Jah­re 1963, noch vor den Ein­ge­mein­dun­gen von 1975, die die eher länd­lich struk­tu­rier­ten Ge­mein­den An­ger­mund, Witt­la­er, Hub­bel­rath und Has­sel­beck ein­glie­der­ten, hat­te die Stadt mit 705.400 Ein­woh­nern ih­ren Höchst­stand er­reicht. Die 1975 zu­nächst eben­falls ein­ge­mein­de­ten Ge­mein­den Mon­heim und Meer­busch konn­ten ih­re Selb­stän­dig­keit be­haup­ten. 1975 wur­de die Stadt auch in zehn Stadt­be­zir­ke mit ei­ge­nen Be­zirks­ver­tre­tun­gen ein­ge­teilt. 

Mit dem Bau des Fern­seh­turms 1982 und dem Um­zug des Land­tags in das neue Ge­bäu­de am Ber­ger Ha­fen 1988 be­gann die Er­schlie­ßung des so ge­nann­ten Me­di­en­ha­fens, der heu­te sei­nen Cha­rak­ter durch ex­pe­ri­men­tel­le Ar­chi­tek­tur (Frank O. Gehry, Wil­liam Al­sop) und die Um­wand­lung al­ter Ha­fen­ge­bäu­de völ­lig ge­än­dert hat. An der Pe­ri­phe­rie und auf al­ten In­dus­trie­bra­chen, so am See­stern, in Ober­bilk und in De­ren­dorf ent­stan­den seit 1974 neue Bü­ro­kom­ple­xe so­wie Nie­der­las­sun­gen der Gra­phik-, De­si­gner- und Mo­de­bran­che. 1966 hat­te das Land die Me­di­zi­ni­sche Aka­de­mie zur Uni­ver­si­tät er­ho­ben, die 1988 den Na­men „Hein­rich-Hei­ne-Uni­ver­si­tät" er­hielt und wo ge­gen­wär­tig (2008) cir­ca 15.000 Stu­den­ten ein­ge­schrie­ben sind.

1973 be­gann die Stadt mit dem Bau ei­ner U-Bahn, de­ren ers­tes Teil­stück 1981 in Be­trieb ge­nom­men wur­de, und de­ren Bau wei­ter an­hält. Ei­nen Wan­del im Stadt­bild be­wirk­te auch die Tief­le­gung der Rhein­ufer­stra­ße 1990-1993 in ei­nen cir­ca zwei Ki­lo­me­ter lan­gen Tun­nel und der Bau des „Stadt­to­res", in dem un­ter an­de­rem der Mi­nis­ter­prä­si­dent sei­nen Sitz hat. Mar­kan­tes Zei­chen der Rhein­front ist auch seit 1997 das Hoch­haus der Vik­to­ria-Ver­si­che­rung. 

Mit dem Aus­bau des Mes­se­ge­län­des (neue Mes­se im Nor­den der Stadt 1971) und des Flug­ha­fens wuchs auch die Zahl ja­pa­ni­scher Fir­men (seit cir­ca 1970), zu de­nen in jüngs­ter Zeit auch chi­ne­si­sche Fir­men­ver­tre­tun­gen ge­tre­ten sind. 

Heu­te ver­steht sich die Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf als in­ter­na­tio­na­le Dreh­schei­be des Han­dels, Stand­ort neu­er Me­di­en, als Mo­de-, De­si­gner- und Mes­se­stadt mit ho­hem kul­tu­rel­len An­spruch.

Stadtgeschichtliche Zeitschrift

Bei­trä­ge zur Ge­schich­te des Nie­der­rheins, Jahr­buch des Düs­sel­dor­fer Ge­schichts­ver­eins, 25 Bän­de, 1886-1912.
Düs­sel­dor­fer Jahr­buch, Bei­trä­ge zur Ge­schich­te des Nie­der­rheins, Band 1ff., (1914ff.).

Literatur

Lau, Fried­rich, Ge­schich­te der Stadt Düs­sel­dorf, Band 1: Ge­schich­te der Stadt Düs­sel­dorf von den An­fän­gen bis 1815, Düs­sel­dorf 1921, Nach­druck 1980.
Looz-Cors­wa­rem, Cle­mens von/We­ho­fen, Klau­dia, Düs­sel­dorf im Kar­ten­bild. Die Ent­wick­lung der Stadt vom 16.-19. Jahr­hun­dert in Kar­ten und Plä­nen, Düs­sel­dorf 1998.
Most, Ot­to, Ge­schich­te der Stadt Düs­sel­dorf, Band 2: Von 1815 bis zur Ein­füh­rung der Rhei­ni­schen Städ­te­ord­nung (1856), Düs­sel­dorf 1921, Nach­druck 1980.
Wei­den­haupt, Hu­go (Hg.), Düs­sel­dorf. Ge­schich­te von den Ur­sprün­gen bis ins 20. Jahr­hun­dert, 4 Bän­de, Düs­sel­dorf 1988-1989.

Online

Zur Stadt­ge­schich­te Düs­sel­dorf­s (Um­fang­rei­ches In­for­ma­ti­ons­an­ge­bot auf der Web­site des Stadt­ar­chivs Düs­sel­dorf). [On­line]

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Zitationshinweis

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Looz-Corswarem, Clemens von, Stadt Düsseldorf, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/stadt-duesseldorf/DE-2086/lido/57cd5d070b7153.05336683 (09.11.2018)

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