Rheinischer Städteatlas Münstereifel. Teil 1: Siedlung

Stadtansicht von Nordosten von 1852 (44x30,8cm) von Ch. Hohe. (Slg. Theo Schafgans, Bonn)

1. 1 Geographische Lage

In­ner­halb des wald­rei­chen Nord­ab­fal­les der Ei­fel (9 km südl. der Vor­land­gren­ze) im tief­ein­ge­schnit­te­nen Erft­tal, um­ge­ben von den Hö­hen der 400-Me­ter-Flä­che, dem Rad­berg (432 m) rechts und dem Hähn­chen (427,6 m) links der die Stadt von Süd­wes­ten nach Nord­os­ten durch­flie­ßen­den Erft, 280-300 m über NN.
Pfor­ten- und Rie­gel­funk­ti­on (nördl. und südl. wei­tet sich das Erft­tal) für Zu­gang zur Nie­der­rhei­ni­schen Bucht (nördl.) bzw. zum Ein­tritt ins Ei­fel­ge­bir­ge (südl.) An ei­nem Ab­zweig der rö­mi­schen (vgl. auch I 2) Stra­ße nach Wes­se­ling (bzw. Köln) nach Mar­ma­gen (bzw. Trier). 1222 liegt Bül­le­s­heim (nord­östl. von Eus­kir­chen) iux­ta stra­tam, que de Mo­nas­te­rio (= Müns­ter­ei­fel) du­cit Co­lo­niam (wo­mit die ge­nann­te rö­mi­sche Stra­ße ge­meint ist). Nach Os­ten im Zu­ge der al­ten Ahr­stra­ße Ver­bin­dung zum Ahr­tal. Erft­ab­wärts Zu­gang nach Blan­ken­heim, seit 1841 Teil der neu aus­ge­bau­ten Be­zirks­stra­ße Köln-Eus­kir­chen-Müns­ter­ei­fel-Prüm (heu­ti­ge B 51). Ins­ge­samt: Ver­kehrs­la­ge wohl nicht so schlecht, wie bis­her an­ge­nom­men (vgl. auch V 5), kein Durch­gangs­ver­kehr, aber An­schluss an mit­tel­al­ter­li­che Fern­stra­ßen (W. Gu­gat, Ver­fas­sung und Ver­wal­tung in Amt und Stadt Müns­ter­ei­fel von ih­ren An­fän­gen bis zum En­de des 18. Jahr­hun­derts, Bonn 1969, S. 40). 1890 durch Stich­bahn Müns­ter­ei­fel-Eus­kir­chen An­schluss an die Ei­sen­bahn­stre­cken nach Dü­ren, Köln und Bonn

1. 2 Siedlungsentwicklung

Ge­rin­ge rö­mi­sche Sied­lungs­spu­ren nörd­lich der Stadt und in der Lan­gen­he­cke bei der evan­ge­li­schen Kir­che (BJb 129, 1924, S. 263 und 157, 1957, S. 441 f) so­wie ver­ein­zel­te Münz­fun­de (Tra­jan, Ha­dri­an). 500 m öst­lich des Jo­han­nis­to­res (Lan­des­mu­se­um Bonn, Orts­kar­tei) Ka­ro­lin­gi­sche ((Ba­dor­fer Ke­ra­mik und Mün­ze Lud­wig d. Fr.) Be­fes­ti­gungs­an­la­ge „Al­te Burg im Quecken“ von un­re­gel­mä­ßi­ger Form auf Berg­sporn (315-363 m über NN) 1 km nord­öst­lich Müns­ter­ei­fels, 300 m lang und 80 m breit. Zwei Tei­le mit ge­mein­sa­mer Wal­l­um­weh­rung und äu­ße­rer Mau­er­ver­blen­dung. Im Wes­ten mot­ten­ar­ti­ge An­la­ge, hö­he­rer Ost­teil durch Mau­er ab­ge­teilt mit Rund­turm im In­nern. Tor­bau in der Nord­ost-Flan­ke der Ge­samt­um­weh­rung mit min­des­tens zwei (äl­te­re durch Brand zer­stört) Bau­pha­sen (F. Mün­ten, Lan­des­mu­se­um Bonn; Plan bei R. v. Us­lar, Stu­di­en zu früh­ge­schichtl. Be­fes­ti­gun­gen zw. Nord­see und Al­pen, Köln 1964, S. 155).

Ort wechseln

Urmesstischblatt Münstereifel, 1:25000. Ausschnitt des Blattes 5406 Münstereifel der Topographischen Aufnahmen 1:25000 des Preußischen Bureaus, Uraufnahme 1846. (Geobasis NRW)

 

1. 3 Ersterwähnungen und alle folgenden Namenbelege

844 in lo­co, qui no­vum mo­nas­te­ri­um vo­ca­tur (REK I 159, AHVN 20, 1869, S. 173)
(844no­vi sci­li­cet mo­nas­te­rii (I 5)
870 Niu-mo­nas­te­ri­um (MGH Ca­pi­tu­la­ria II 193)
893 iux­ta mo­nas­te­ri­um, de no­vo mo­nas­te­rio (MrhUB I, S. 176 und 188)
898 ad no­vum mo­nas­te­ri­um (D Zw 26)
(948/50) no­vo mo­nas­te­rio (MrhUB I 190)
(1079/83) in no­vo mo­nas­te­rio, quod est in Eif­lia (REK I 1150)
1112 mo­nas­te­ri­um in Eif­lia (NrhUB IV 614)
seit dem 13. Jahr­hun­dert ne­ben­ein­an­der no­vum mo­nas­te­ri­um, no­vum mo­nas­te­ri­um in Eif­lia, mo­nas­te­ri­um in Eif­lia, mo­nas­te­ri­um

au­ßer­dem
1237 in Mo­nas­te­rio Ey­f­lie (REK III 882)
(1262) Mons­te­re (eb­da. 2217)
1321 Mun­st­re in Ey­flen (NrhUB III 187)
1339 Mo­ens­te­re in der Eyffe­len (LAV NRW R JB RuH 17)
1344 de Mo­nas­te­rio­ey­f­lie (eb­da. Kk Kart 1)
1348 Munste­ren-ey­flen (NrhUB III 464)
1357 Mo­yns­ter in Ey­fe­len (LAV NRW R ME Stift 65)
1385 Moins­ter Mey­flen (eb­da. Jü­lich 399)
seit dem 15. Jahr­hun­dert vor­wie­gend Munste­reyffell, Mo­ens­ter bzw. Muns­ter in Eyffel da­ne­ben 1542 Muins­ter­ei­fel

1. 3 Adjektivisch

1112 _mo­nas­te­ri­en­sis (_NrhUB IV 615)

Grundriss der Stadt Münstereifel nach der Urkarte von 1823, 1:2.500. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

1. 4 Bezeichnung der Siedlung

1112 vil­la (NrhUB IV 615)
1197 re­gi­um fo­rum und vil­la (Mrh UB II 171)
1203 vil­la (eb­da. 215)
1222 op­pi­dum (MrhUB I, S. 195 - un­si­che­rer Be­leg, vgl. II 2)
1299 op­pi­dum (CD­RhM II 376 - 1. si­che­rer Be­leg)
1317 ca­s­trum und op­pi­dum (STAK 18 nr 61, REK IV 998)
1317 burg und stat (eb­da. 1004,5)
1469 Ei­ne der vier heuft­ste­de (des Fürs­ten­tums Jü­lich, III 9)
1660 mit­haubt­statt (M. Scheins, Ur­kund­li­che Bei­trä­ge zur Ge­schich­te der Stadt Müns­ter­ei­fel und ih­rer Um­ge­bung, I. Bd., Müns­ter­ei­fel 1894 (45 Urk., Hos­pi­tals­buch von 1590 mit äl­te­ren Urk., in Aus­zü­gen: Hos­pi­tals­rech­nun­gen von 1455-1793, Hos­pi­tals­pro­to­kol­le von 1782-1799, Rats­pro­to­kol­le von 1660-1687, S. 122) 
1955 Kneipp-Heil­bad
1967 Bad Müns­ter­ei­fel

1. 5 Bezeichnung der Siedlungsbewohner

(844) NN ex fa­mi­lia (vgl. III 1 Grund­herr­schaft) bea­ti Pe­tri no­vi sci­li­cet mo­nas­te­rii (AHVN 20, 1869, S. 179)
1110 NN de fa­mi­lia (vgl. III 1) s. Sal­va­to­ris (MrhUB 1417)
1112 in­co­le und vici­ni so­wie mi­nis­te­ria­les eccle­sie Prumi­en­sis (HSTAD ME Stift 6)
1113 lai­ci ve­ro de fa­mi­lia eccle­sie s. Sal­va­to­ris quam de fa­mi­lia eccle­sie sanc­to­rum Chry­san­ti et Darie (MrhUB II 7)
1171 di­vi­tes et pau­pe­res (MrhUB II 7)
1171 mul­ti de fa­mi­lia s. Sal­va­to­ris und ci­ves ei­us­dem lo­ci (eb­da. 9)
1172 bur­gen­ses, ma­gna multi­tu­di­ne bur­gen­si­um und ma­gna multi­tu­di­ne ple­bis (eb­da. 14)
1197 ci­ves, man­ci­pia, in­co­le (eb­da 171)
1203 (sca­bi­ni und) po­pu­lus (eb­da. 215)
1321 bur­ge­re (NrhUB III 187)

Luftbild von Münstereifel und Umgebung von 1972 (1:10000). Zusammengesetzt aus Luftbildkarten 1:5000.

 

1. 6 Wüst gewordene Nachbarsiedlungen (innerhalb der Gemarkung)

1112 mo­len­di­num, quod est in pa­go mo­nas­te­ri­en­si su­per ri­pam Ar­ne­phe ... in vcio, qui di­ci­tur Wer­the (NrhUB IV 615) = Wüs­tung Werth un­ter­halb (= nörd­lich) der Stadt (La­ge­an­ga­be durch Wer­t­her Tor und Wer­t­her Str., vgl. II 3 und 5) an der Erft
1471 Oir­che­mer Str. (II 5) und Ou­che­mer Tor (II 3) in Müns­ter­ei­fel, da­nach Wüs­tung Orch­heim ober­halb (= süd­lich) der Stadt (La­ge­an­ga­be durch Stra­ße und Tor) zu ver­mu­ten

1. 7 Ortsteile, Gebietsveränderungen, Eingemeindungen

1500 ge­hö­ren zu der Statt und Bur­ger­schaft Berg­rath, Hohn, Ro­dert, Ei­cher­scheid und Kol­ven­bach (III 4), bis 1794, da­nach nur noch Ro­dert und Ei­cher­scheid. Am 1.7.1969 Zu­sam­men­schluss der Ge­mein­den Stadt Bad Müns­ter­ei­fel, Ar­loff, Ef­fels­berg, Hou­ver­ath, Ivers­heim, Mahl­berg, Mut­scheid, Rup­perath, Schö­nau, Eschwei­ler, Kal­kar, Hohn und Nö­then zur Stadt Bad Müns­ter­ei­fel

Stadtansicht von Südwesten von 1852 (44x30,8cm) von Ch. Hohe. (Slg. Theo Schafgans, Bonn)

 

1. 8 Gemarkungsgröße 1895–1971

1895 = 1786,1 Hekt­ar; 1928 = 1786,3 Hekt­ar; 1946 = 1786 Hekt­ar; 1971 = 15091 Hekt­ar

Stadtansicht von Norden um 1730 (40x28cm) von R. Roidkin. (Landeskonservator)

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Flink, Klaus, Rheinischer Städteatlas Münstereifel. Teil 1: Siedlung, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-muenstereifel.-teil-1-siedlung/DE-2086/lido/5dea10dacaf1d7.28052846 (abgerufen am 24.01.2021)

Auch über Rheinischer Städteatlas Münstereifel, bearb. v. Klaus Flink