Adolf von der Mark

Erzbischof von Köln und Graf von Kleve (um 1332-1394)

Manuel Hagemann (Bonn)

Adolf von der Mark war ein nach­ge­bo­re­ner Sohn aus dem mär­ki­schen Gra­fen­haus, der zu­nächst ei­ne geist­li­che Lauf­bahn ein­schlug, nach­ein­an­der auf die Bi­schofs­stüh­le von Müns­ter un­d Köln ge­lang­te und schlie­ß­lich ers­ter Graf von Kle­ve aus dem Haus Mark wur­de.

Adolf wur­de um 1332 als zwei­ter Sohn Graf Adolfs II. von der Mark (Re­gie­rungs­zeit 1328-1346) und der Mar­ga­re­the von Kle­ve (ge­stor­ben cir­ca 1350) ge­bo­ren. Sein äl­te­rer Bru­der En­gel­bert (Re­gie­rungs­zeit 1346-1391) folg­te nach dem Tod des Va­ters 1346 in der Graf­schaft Mark. In dem Be­stre­ben, ih­ren im Jahr dar­auf ver­stor­be­nen Gro­ßva­ter Graf Diet­rich VII./IX. von Kle­ve zu be­er­ben, konn­ten sich die mär­ki­schen Brü­der ge­gen ih­ren Gro­ßon­kel Jo­hann von Kle­ve nicht durch­set­zen.

1348 er­lang­te Adolf ein Ka­no­ni­kat am Köl­ner Dom­stift und wur­de von 1350 bis 1353 ge­mein­sam mit sei­nen jün­ge­ren Brü­dern am Hof sei­nes On­kels En­gel­bert, des Bi­schofs von Lüt­tich und spä­te­ren Erz­bi­schofs von Köln auf die geist­li­che Lauf­bahn vor­be­rei­tet. Zum Stu­di­um des Kir­chen­rechts gin­gen die mär­ki­schen Brü­der 1353 an die Uni­ver­si­tät Mont­pel­lier, von wo aus sie en­ge Kon­tak­te zur päpst­li­chen Ku­rie in Avi­gnon knüpf­ten. Mit Hil­fe die­ser Be­zie­hung er­lang­te Adolf wei­te­re Ka­no­ni­ka­te in Lüt­tich und Müns­ter, die Props­tei in Schil­de­sche (heu­te Stadt Bie­le­feld) so­wie das Scho­las­ter­amt am Speye­rer Dom. 1357 wur­de der erst 25-jäh­ri­ge zum Bi­schof von Müns­ter ge­wählt und vom Papst in die­sem Amt be­stä­tigt.

Für die Wahl des Müns­te­ra­ner Dom­ka­pi­tels war wohl aus­schlag­ge­bend ge­we­sen, dass Graf En­gel­bert von der Mark wie der Adel im Stift Müns­ter Edu­ard von Gel­dern (1336-1371) im Krieg ge­gen sei­nen Bru­der Her­zog Rai­nald von Gel­dern (1333-1371) un­ter­stütz­te – ei­ne Po­si­ti­on, die man auch von ei­nem Bi­schof aus dem Haus Mark er­war­te­te. 1359 wech­sel­ten Bi­schof Adolf und Graf En­gel­bert aber die Fron­ten und knüpf­ten en­gen Kon­takt zum al­ten, kin­der­lo­sen Gra­fen Jo­hann von Kle­ve, der von An­fang an auf der Sei­te Her­zog Rai­nalds ge­stan­den und ge­kämpft hat­te. Dass Adolf durch die­sen Kurs­wech­sel in schwe­ren Streit mit dem müns­te­ri­schen Adel ge­riet, nahm er bil­li­gend in Kauf. Er be­ab­sich­tig­te oh­ne­hin, das Bis­tum Müns­ter zu ver­las­sen, um nach dem Tod Graf Jo­hanns des­sen Nach­fol­ge in Kle­ve an­zu­tre­ten. 1362 ei­nig­ten sich Adolf und sein Bru­der Graf En­gel­bert über ei­ne Auf­tei­lung der Graf­schaft Kle­ve, 1363 si­cher­te die Kle­ver Grä­fin Mecht­hild (1325-1381) Adolf ih­re Un­ter­stüt­zung zu.

Nach dem Tod des Köl­ner Erz­bi­schofs Wil­helms von Gen­nep 1362 ge­lang es Adolf von der Mark 1363 mit päpst­li­cher Un­ter­stüt­zung zum Erz­bi­schof von Köln er­nannt zu wer­den. Die­ses Amt üb­te er je­doch nicht lan­ge aus. Be­reits im fol­gen­den Jahr er­wirk­te Adolf die Ver­set­zung sei­nes On­kels Bi­schof En­gel­bert von Lüt­tich nach Köln und trat selbst in den Lai­en­stand zu­rück. Die Pries­ter-, ge­schwei­ge denn die Bi­schofs­wei­he hat­te er nie er­hal­ten. Für sei­nen Ver­zicht ließ er sich von dem neu­en Köl­ner Erz­bi­schof mit den kur­k­öl­ni­schen Pfand­schaf­ten Rhein­berg, Kem­pen und Oedt ent­schä­di­gen, von wo aus Adolf sich auf sei­ne Nach­fol­ge in Kle­ve vor­be­rei­ten konn­te.

Graf Jo­hann von Kle­ve starb am 19.11.1368 als letz­ter männ­li­cher Ver­tre­ter des al­ten Kle­ver Gra­fen­hau­ses. Ge­gen sei­ne Kon­kur­ren­ten Diet­rich von Horn (ge­stor­ben nach 1371) und Ot­to von Ar­kel (ge­stor­ben um 1396), die eben­falls von Kle­ver Graf­en­töch­tern ab­stamm­ten, konn­te sich Adolf von der Mark mit Hil­fe sei­nes Bru­ders Graf En­gel­bert schnell durch­set­zen. 1369 hei­ra­te­te er Mar­ga­re­the (ge­stor­ben 1429), ei­ne Schwes­ter des Gra­fen (ab 1380 Her­zogs) Wil­helm von Berg (1348-1408), die 1373 den ers­ten Sohn, den spä­te­ren Adolf II., zur Welt brach­te. Wei­te­re 15 Kin­der ­folg­ten, von de­nen sie­ben jung star­ben.

Gleich zu Be­ginn sei­ner Re­gie­rung muss­te Graf Adolf ein­schnei­den­de Ge­biets­ab­tre­tun­gen des Kle­ver Ter­ri­to­ri­ums und den Ver­lust wich­ti­ger Ein­nah­me­quel­len hin­neh­men. En­gel­bert von der Mark er­hielt für sei­ne Un­ter­stüt­zung wei­te Ge­bie­te rechts des Rheins und die Hälf­te des Rhein­zolls von Bü­de­rich; mit dem Land Dins­la­ken wur­de ein wei­te­rer mär­ki­scher Bru­der, Diet­rich (um 1337-1406), ab­ge­fun­den. Em­me­rich und Huis­sen mit dem Zoll fie­len an das Her­zog­tum Gel­dern. Die köl­ni­schen Pfand­schaf­ten wur­den bis 1373 wie­der ein­ge­löst. Al­lein das klei­ne Land Kra­nen­burg konn­te 1370 wie­der mit dem kle­vi­schen Kern­land ver­ei­nigt wer­den.

Al­ler­dings ga­ben die er­neut aus­bre­chen­den Strei­tig­kei­ten um das Her­zog­tum Gel­dern dem Gra­fen von Kle­ve die Ge­le­gen­heit, ei­nen Teil sei­ner Ver­lus­te wett­zu­ma­chen. Im Kampf um das Er­be ih­rer 1371 ver­stor­be­nen Brü­der Edu­ard und Rai­nald un­ter­stütz­ten Adolf und En­gel­bert von der Mark an­fäng­lich die Kle­ver Alt­grä­fin Mecht­hild von Gel­dern ge­gen ih­ren Nef­fen Wil­helm von Jü­lich (1363-1402). Sei­ne Hil­fe ließ sich Adolf un­ter an­de­rem mit der er­neu­ten Ver­pfän­dung von Em­me­rich be­zah­len. Lang­fris­tig er­wie­sen sich die mär­ki­schen Brü­der aber als laue Par­tei­gän­ger Mecht­hilds und schlos­sen sich noch vor de­ren end­gül­ti­ger Nie­der­la­ge (1379) Wil­helm von Jü­lich an.

Weit mehr nahm den Kle­ver Gra­fen der Kon­flikt mit dem Köl­ner Erz­bi­schof Fried­rich von Saar­wer­den in An­spruch. Der kle­vi­sche Erb­fall von 1368 hat­te die tra­di­tio­nel­le ­Ri­va­li­tät zwi­schen dem Erz­stift und dem Haus Mark er­heb­lich ver­schärft. Der Kon­kur­renz­kampf ent­lud sich ab 1380 in ei­ner Fol­ge von drei Feh­den, wäh­rend de­rer Graf Adolf zeit­wei­se in die Ge­fan­gen­schaft der kur­k­öl­ni­schen Stadt Rees ge­riet. 1392 mün­de­ten die Krie­ge in ei­nen für bei­de Sei­ten er­träg­li­chen Kom­pro­miss: Der Kle­ver Graf muss­te zwar hin­neh­men, dass das Land Linn an Köln fiel, er­hielt je­doch ei­ne Ent­schä­di­gung von 70.000 Gul­den zu­ge­spro­chen, für die ihm un­ter an­de­rem das Amt As­pel mit der Stadt Rees und die Hälf­te von Xan­ten ver­pfän­det wur­den. Die­se Ei­ni­gung führ­te zur Ab­run­dung so­wohl des Kle­ver Ter­ri­to­ri­ums wie auch des Köl­ner Erz­stifts und ver­schaff­te bei­den Sei­ten ei­ne 20-jäh­ri­ge Ru­he­pau­se.

En­de De­zem­ber 1391 war Graf En­gel­bert von der Mark oh­ne Nach­kom­men ver­stor­ben. Graf Adolf I. von Kle­ve und sein jün­ge­rer Bru­der Diet­rich, Herr von Dins­la­ken, hat­ten schon 1380 ei­ne Ver­ein­ba­rung für die­sen Fall ge­trof­fen und ei­nig­ten sich nun dar­auf, dass Diet­rich Duis­burg un­d R­uhr­ort, Adolf da­ge­gen die ge­sam­te Graf­schaft Mark er­hielt. Die Graf­schaft Mark trat Adolf I. im Ja­nu­ar 1393 an sei­nen zweit­ge­bo­re­nen Sohn Diet­rich (1374-1398) ab, wäh­rend die Nach­fol­ge in der Graf­schaft Kle­ve dem äl­tes­ten Sohn Adolf (II.) vor­be­hal­ten blieb, der seit 1392 mit dem Amt As­pel-Rees aus­ge­stat­tet war.

Adolf I. von Kle­ve war es ge­lun­gen, sei­nen Nach­kom­men ei­ne weit­aus brei­te­re Macht­ba­sis zu hin­ter­las­sen, als er sie bei sei­nem Re­gie­rungs­an­tritt 1368 vor­ge­fun­den hat­te. Sei­ne In­nen­po­li­tik war vor­nehm­lich von ei­ner Kon­so­li­die­rung der zer­rüt­te­ten kle­vi­schen Fi­nan­zen ge­prägt. 1373 er­teil­te er Griet­hau­sen ein Stadt­pri­vi­leg. Der Ab­si­che­rung des Ter­ri­to­ri­ums dien­te ei­ne in­ten­si­ve Bur­gen­po­li­tik: 1369 kauf­te Adolf das Haus Ro­sau in der Het­ter und er­rich­te­te spä­ter ei­nen Hof in Kal­kar (1383 erst­mals be­zeugt), vor 1377 die Burg Win­nen­thal bei Xan­ten und ab 1388 ei­ne neue Burg in Kra­nen­burg. 1381 grün­de­te Adolf den Rit­ter­or­den der Ge­cken­ge­sell­schaft, durch den die kle­vi­sche Rit­ter­schaft en­ger an ihn ge­bun­den wer­den soll­te, 1393 ge­hör­te er zu den Grün­dern des Ro­sen­kranz­or­dens.

Adolf I. von Kle­ve starb am 7.9.1394 und wur­de in der Kle­ver Stifts­kir­che be­stat­tet.

Quellen

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Schol­ten, Ro­bert (Hg.), Cle­vi­sche Chro­nik nach der Ori­gi­nal­hand­schrift des Gert van der Schu­ren, Kle­ve 1884.

Literatur

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Jans­sen, Wil­helm, Die nie­der­rhei­ni­schen Ter­ri­to­ri­en im Spät­mit­tel­al­ter. Po­li­ti­sche Ge­schich­te und Ver­fas­sungs­ent­wick­lung 1300-1500, in: Rhei­ni­sche Vier­tel­jahrs­blät­ter 64 (2000), S. 45-167.

Werd, Gui­do de (Red.), Land im Mit­tel­punkt der Mäch­te. Die Her­zog­tü­mer Jü­lich – Kle­ve – Berg, Kle­ve 1984.

Rei­mann, Nor­bert, Die Gra­fen von der Mark und die geist­li­chen Ter­ri­to­ri­en der Köl­ner Kir­chen­pro­vinz (1313-1368), Dort­mund 1973.

Online

Hel­mut Dahm, Ar­ti­kel "Adolf I., Graf von Kle­ve", in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 1 (1953), S. 80-81. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Hagemann, Manuel, Adolf von der Mark, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/adolf-von-der-mark/DE-2086/lido/57a9c002e38df2.48270788 (20.10.2018)