Dietrich IV. von Kleve

Graf von Kleve (1203/1208-1260)

Manuel Hagemann (Bonn)

Siegel Dietrichs IV./VI. von Kleve, 1255. Bild: Ritter auf galoppierendem Pferd mit gezogenem Schwert in der Rechten und Kampfschild am linken Arm. Auf dem Schild als Wappenbild von Kleve ein Schildchen. Ursprüngliche Umschrift: + S(igillum) TEODERIC(i) D. (Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland)

Die lan­ge Re­gie­rungs­zeit Diet­richs IV./VI. von Kle­ve wur­de durch den an­dau­ern­den Kon­flikt mit den Köl­ner Erz­bi­schö­fen und die Grün­dung der äl­tes­ten k­le­vi­schen Städ­te ge­prägt.

Diet­rich von Kle­ve wur­de wohl zwi­schen 1187 und 1196 als Sohn Graf Diet­richs III./V. von Kle­ve (cir­ca 1160/1170 ge­bo­ren, Re­gie­rungs­zeit 1172-1200/1202) und der Mar­ga­re­tha von Hol­land (ge­stor­ben nach 1203) ge­bo­ren; ob er Ge­schwis­ter hat­te, ist nicht be­kannt. In den Quel­len be­geg­net er erst­mals 1202 als pu­er de Cli­ve; zu die­sem Zeit­punkt war sein Va­ter be­reits ver­stor­ben. Als Vor­mund Diet­richs trat sein On­kel, Graf Diet­rich von Hol­land (Re­gie­rungs­zeit 1190-1203), auf. Spä­tes­tens 1208 war Diet­rich mün­dig und hat­te die selb­stän­di­ge Re­gie­rung in der Graf­schaft Kle­ve an­ge­tre­ten.

Der Na­me der ers­ten Frau Graf Diet­richs, die um 1224 starb, ist nicht be­kannt. Sie hat­te den um 1214/1215 ge­bo­re­nen Sohn Diet­rich pri­mo­ge­ni­tus (ge­stor­ben 1245) und die Toch­ter Mar­ga­re­tha (ge­stor­ben 1251), die spä­te­re Frau Graf Ot­tos II. von Gel­dern (ge­bo­ren um 1215, Re­gie­rungs­zeit 1229-1271), zur Welt ge­bracht. In zwei­ter Ehe hei­ra­te­te der Kle­ver Graf um 1226 Hed­wig von Mei­ßen (ge­stor­ben 1249/1250), mit der er die Kin­der Diet­rich (V./VII.) , den spä­te­ren Nach­fol­ger als Graf von Kle­ve, Diet­rich Luf (I.) (um 1228-1277) so­wie die Töch­ter Jut­ta (ge­stor­ben 1275/1276), die den Her­zog von Lim­burg hei­ra­te­te, und Agnes (ge­stor­ben wahr­schein­lich 1285) hat­te.

 

Über die Früh­zeit der Re­gie­rung Graf Diet­richs ist we­nig be­kannt. Ge­gen­über dem 1216 auf den Köl­ner Erz­stuhl ge­lang­ten En­gel­bert von Berg schlug er bald ei­nen Kon­fron­ta­ti­ons­kurs ein. Be­reits 1216 und wohl er­neut 1218 un­ter­stütz­te der Kle­ver Graf den Jung­her­zog von Lim­burg in sei­nen Feh­den ge­gen En­gel­bert. Bis 1220 ge­lang es dem Köl­ner Erz­bi­schof je­doch, Graf Diet­rich zur An­er­ken­nung sei­ner her­zog­li­chen Vor­macht­stel­lung zu zwin­gen. Nach der Er­mor­dung En­gel­berts von Berg 1225 wur­de der Kle­ver der Mit­tä­ter­schaft an­ge­klagt, schlie­ß­lich je­doch durch Kö­nig Hein­rich (VII.) (Re­gie­rungzeit 1220-1235, ge­stor­ben 1242) von die­sem Vor­wurf frei­ge­spro­chen. Über­haupt pfleg­te Diet­rich en­ge Be­zie­hun­gen zu den Stau­fern. 1229 be­geg­net er erst­mals im Be­sitz des Zolls von Nim­we­gen, den er mög­li­cher­wei­se durch Kai­ser Fried­rich II. (Re­gie­rungs­zeit 1196-1246/1250) er­hal­ten hat­te.

 Un­ter En­gel­berts Nach­fol­ger Hein­rich von Müllen­ark brach der kle­visch-köl­ni­sche Kon­flikt er­neut aus. Zur Ab­si­che­rung der nörd­li­chen Au­ßen­pos­ten des Köl­ner Erz­stifts ge­gen den Gra­fen von Kle­ve ver­lieh Erz­bi­schof Hein­rich 1228 Rees und Xan­ten so­wie 1233 Rhein­berg das Stadt­recht. Durch die Ein­rich­tung der „Klei­nen Vog­tei“ über Xan­ten wur­de die Stadt von der Vog­tei­ge­walt Graf Diet­richs aus­ge­nom­men. Um nicht hin­ter der Ent­wick­lung in den be­nach­bar­ten Ter­ri­to­ri­en zu­rück­zu­blei­ben – auch in Gel­dern wur­den nun zahl­rei­che Or­te mit Stadt­pri­vi­le­gi­en be­dacht – und der Ab­wan­de­rung kle­vi­scher Ei­gen­leu­te ent­ge­gen­zu­wir­ken, muss­te Kle­ve eben­falls Städ­te­po­li­tik be­trei­ben. 1230 er­hielt der Graf vom Erz­bi­schof, mit dem er sich we­gen des­sen her­zog­li­cher Macht­stel­lung ver­stän­di­gen muss­te, die Er­laub­nis, auf der In­sel Kal­kar ei­ne Stadt zu er­rich­ten. Ein gu­tes Jahr­zehnt spä­ter trat die kle­vi­sche Städ­te­po­li­tik in ei­ne neue Pha­se: 1241 ver­lieh Jung­graf Diet­rich pri­mo­ge­ni­tus dem am Rhein ge­le­ge­nen Markt­ort We­sel das Stadt­recht. 1242 pri­vi­le­gier­te Graf Diet­rich die bei der Burg Kle­ve plan­mä­ßig an­ge­leg­te gleich­na­mi­ge Stadt und wohl auch die Neu­grün­dung Kal­kar; 1250/1255 folg­te Grieth. Für die Aus­bil­dung und Fes­ti­gung des Kle­ver Ter­ri­to­ri­ums, das 1251 erst­mals ter­ra ge­nannt wird, war die­se ers­te Städ­te­grün­dungs­pha­se der ent­schei­den­de Schritt.

Wich­tig wa­ren für Kle­ve die en­gen Ver­bin­dun­gen mit den Her­zö­gen von Bra­bant, die wäh­re89nd des 13. Jahr­hun­derts eben­falls häu­fig mit den Köl­ner Erz­bi­schö­fen in Feh­de la­gen. 1233 wur­de die Hei­rat des Kle­ver Gra­fen­sohns Diet­rich pri­mo­ge­ni­tus mit der Her­zog­s­toch­ter Eli­sa­beth von Bra­bant (ge­stor­ben 1273) ver­ein­bart. Weit­ge­hend fried­lich wa­ren auch die kle­visch-gel­dri­schen Be­zie­hun­gen, wenn­gleich Graf Diet­rich an­er­ken­nen muss­te, dass sich sein Schwie­ger­sohn Ot­to von Gel­dern stets in der stär­ke­ren Po­si­ti­on be­fand. So fiel die Reichs­stadt Nim­we­gen 1247 als Pfand an Gel­dern, ob­wohl auch der Kle­ver Graf sie ger­ne in sei­nen Be­sitz ge­bracht hät­te. Der Kon­flikt Kle­ves mit de­m Köl­ner Erz­stift stei­ger­te si­ch ­un­ter Erz­bi­schof Kon­rad von Hoch­sta­den er­neut. 1238 hat­te Graf Diet­rich die köl­ni­sche Burg As­pel bei Rees zer­stö­ren las­sen und den Kon­flikt da­mit wie­der auf­ge­heizt. Für die Jah­re 1243, 1244 und 1246 sind krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen be­legt. Zur Fes­ti­gung ih­rer je­wei­li­gen ter­ri­to­ria­len Ba­sis be­dien­ten sich bei­de Sei­ten der Städ­te­po­li­tik; par­al­lel zu den Neu­grün­dun­gen be­zie­hungs­wei­se Pri­vi­le­gie­run­gen Diet­richs för­der­te der Erz­bi­schof die jun­gen köl­ni­schen Städ­te am Nie­der­rhein und be­müh­te sich um die Bei­le­gung in­ner­städ­ti­scher Kon­flik­te. Nach­dem sich die Feh­den zwi­schen den Par­tei­en jah­re­lang hin­ge­zo­gen hat­ten, be­droh­te Kon­rad von Hoch­sta­den Diet­rich von Kle­ve 1246 mit Bann und In­ter­dikt, wor­auf­hin die­ser sich im fol­gen­den Jahr of­fen­sicht­lich un­ter­warf. Bis zu sei­nem Le­bens­en­de ver­hielt sich der Kle­ver Graf Kon­rad ge­gen­über fried­lich. Das Durch­set­zungs­ver­mö­gen des Erz­bi­schofs zeigt sich bei­spiels­wei­se an der Grün­dung der Stadt Dors­ten 1251 auf Xan­te­ner Vog­tei­gut, der Diet­rich als zu­stän­di­ger Vogt zu­stim­men muss­te. Gleich­zei­tig ho­no­rier­te Kon­rad von Hoch­sta­den die Ko­ope­ra­ti­on des Kle­ver Gra­fen; so gab er kurz vor Diet­richs Tod die Er­laub­nis, die Burg Mon­ter­berg bei Kal­kar wie­der­zu­er­rich­ten, die für die Zeit bis um 1340 zum wich­tigs­ten Sitz der Kle­ver Gra­fen wur­de.

In sei­nen letz­ten Le­bens­jah­ren ge­stand Diet­rich sei­nen noch le­ben­den Söh­nen Diet­rich (V./VII.) und Diet­rich Luf (I.) gro­ßen Ein­fluss auf die Re­gie­rung der Graf­schaft zu und nahm 1255 ei­ne Erb­tei­lung vor. Graf Diet­rich IV./VI. von Kle­ve starb wahr­schein­lich am 24.5.1260; sein Be­gräb­nis­ort ist nicht be­kannt, wahr­schein­lich han­delt es sich aber um das Klos­ter Bed­burg (heu­te Ge­mein­de Bed­burg-Hau).

Quellen

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Flink, Klaus (Hg.), Kle­vi­sche Städ­te­pri­vi­le­gi­en (1241-1609), Kle­ve 1989.

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Schleid­gen, Wolf-Rü­di­ger, Da­s ­Ko­pi­ar ­der Gra­fen von Kle­ve, Kle­ve 1986.

Literatur

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Kast­ner, Die­ter, Die Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik der Gra­fen von Kle­ve, Düs­sel­dorf 1972.

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Lie­ven, Jens, Adel, Herr­schaft und Me­mo­ria. Stu­di­en zur Er­in­ne­rungs­kul­tur der Gra­fen von Kle­ve und Gel­dern im Hoch­mit­tel­al­ter (1020 bis 1250), Bie­le­feld 2008.

Werd, Gui­do de (Re­dak­ti­on), Land im Mit­tel­punkt der Mäch­te. Die Her­zog­tü­mer Jü­lich –Kle­ve – Berg, Kle­ve 1984.

Online

We­ber, Die­ter, Ar­ti­kel „Kle­ve, Gra­fen von“, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 12 (1980) S. 58-59. [On­line]

Rückseite des Siegels Dietrichs IV./VI. von Kleve, 1255. (Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland)

 
Zitationshinweis

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Hagemann, Manuel, Dietrich IV. von Kleve, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/dietrich-iv.-von-kleve-/DE-2086/lido/57c6947cbc5e82.23919406 (14.11.2018)