Dietrich V. von Kleve

Graf von Kleve (1260-1275)

Manuel Hagemann (Bonn)

Siegel Dietrichs V./VII., 1270. Das Bild zeigt einen Ritter auf galoppierendem Pferd mit gezogenem Schwert in der Rechten und Schild am linken Arm. Auf dem Schild ist die Lilienhaspel von Kleve erkennbar. Das Pferd ist mit einer Decke geschmückt. Umschrift: + SIGILLV[M] · THEODERICI · COMITIS · CLE[VE]NSIS. (Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland)

Die Amts­zeit die­ses Kle­ver Gra­fen wur­de stark durch den Ein­fluss de­s Köl­ner Erz­bi­schofs und von zu­neh­men­den Be­mü­hun­gen um den in­ne­ren ­Lan­des­aus­bau sei­ner Graf­schaft ge­prägt. Au­ßer­dem setz­te er die von sei­nem Va­ter be­gon­ne­ne Städ­te­grün­dungs­po­li­tik fort.

Diet­rich von Kle­ve wur­de um 1226 als äl­tes­ter Sohn aus der zwei­ten Ehe Graf Diet­richs IV./VI . von Kle­ve mit Hed­wig von Mei­ßen (ge­stor­ben 1250) ge­bo­ren. Aus der ers­ten Ehe des Va­ters stamm­ten die äl­te­ren Halb­ge­schwis­ter Diet­rich pri­mo­ge­ni­tus (um 1214/1215-1245) und Mar­ga­re­tha (ge­stor­ben 1251), die Ehe­frau des Gra­fen Ot­to II. von Gel­dern (Re­gie­rungs­zeit 1229-1271). Erst­mals ur­kund­lich er­wähnt wird Diet­rich 1242, als er an­läss­lich der Ver­lei­hung des Stadt­pri­vi­legs an Kle­ve durch sei­nen Va­ter als Zeu­ge auf­trat. In An­leh­nung an die Her­kunft sei­ner Mut­ter er­hielt der jun­ge Diet­rich den Bei­na­men „von Mei­ßen“.

Durch den frü­hen Tod sei­nes Halb­bru­ders Diet­rich pri­mo­ge­ni­tus 1245 rück­te Diet­rich an die Stel­le des zu­künf­ti­gen Gra­fen von Kle­ve. 1255 nahm der al­te Kle­ver Graf ei­ne Erb­tei­lung un­ter sei­nen ver­blie­be­nen Söh­nen vor, nach der Diet­rich V./VII. das Kle­ver Kern­ge­biet um Kle­ve und Kal­kar und die süd­li­chen Be­sit­zun­gen er­hielt, sein jün­ge­rer Bru­der Diet­rich Luf hin­ge­gen die rechts­rhei­ni­schen Ge­bie­te um We­sel und ver­schie­de­ne Au­ßen­be­sit­zun­gen. 1257 hei­ra­te­te Diet­rich V./VII. Alei­dis von Heins­berg (ge­stor­ben nach 1303), mit der er min­des­tens sechs Kin­der hat­te, dar­un­ter den Nach­fol­ger Diet­rich VI./VIII. und Diet­rich Luf (II.), Graf von Hülch­rath (um 1260-wohl 1308/1309). Als Mit­gift brach­te Alei­dis die Graf­schaft Hülch­ra­th aus dem Er­be der Gra­fen von Sayn mit in die Ehe. Da die­se Gü­ter Le­hen des Köl­ner Erz­bi­schofs wa­ren, ge­riet Diet­rich stark in­ ­des­sen Ab­hän­gig­keit.

 

Nach dem Tod des Va­ters 1260 folg­te Diet­rich V./VII. als Graf von Kle­ve. In den 1262 aus­bre­chen­den Kämp­fen zwi­schen dem Köl­ner Erz­bi­schof En­gel­bert II. von Val­ken­burg und der Stadt Köln ge­hör­te der Kle­ver Graf der erz­bi­schöf­li­chen Par­tei an; an den fol­gen­den Schieds­ver­hand­lun­gen war er ak­tiv be­tei­ligt. Ei­ne Be­la­ge­run­g Kölns brach der Kle­ver Graf im Sep­tem­ber 1265 ge­gen den Wil­len des Erz­bi­schofs ab. Der Köl­ner Stadt­schrei­ber Gott­fried Ha­gen macht hier­für ei­nen Traum des Gra­fen ver­ant­wort­lich, in dem ihm die Hei­li­ge Ur­su­la als Schutz­her­rin der Stadt er­schie­nen sei. Ob er nach ei­ner ver­lo­re­nen Schlacht bei Zül­pich im Jahr 1267 ge­mein­sam mit dem Köl­ner Erz­bi­schof in die Ge­fan­gen­schaft des Gra­fen von Jü­lich ge­riet, ist nicht si­cher. 1268 be­tei­lig­te sich Diet­rich an den Pla­nun­gen, die Stadt Köln durch ein un­ter der Stadt­mau­er ge­gra­be­nes Loch zu über­rum­peln. Die Ge­fan­gen­nah­me oder gar Tö­tung in der Schlacht an der Ul­re­pfor­te blieb dem Kle­ver Gra­fen er­spart, weil er – wie wie­der­um Gott­fried Ha­gen er­zählt – auf hal­bem We­ge um­kehr­te und sei­ne Va­sal­len al­lei­ne nach Köln zie­hen ließ.

Über ver­schie­de­ne Kon­flik­te, in die Graf Diet­rich ver­wi­ckelt war, ist nur we­nig be­kannt. So er­folg­te 1266 ein Frie­dens­schluss mit dem Gra­fen von Gel­dern, ge­gen den Diet­rich Krieg ge­führt hat­te. 1270 lag er im Streit mit sei­nem Bru­der Diet­rich Luf. In Hol­land und Ut­recht soll er an lang­wie­ri­gen Feh­den be­tei­ligt ge­we­sen sein. 1273 ver­lieh Diet­rich V./VII. Dins­la­ken das Stadt­recht und knüpf­te da­mit an die von sei­nem Va­ter be­gon­ne­ne Städ­te­grün­dungs­po­li­tik an. Schon zu­vor muss er der Stadt Kal­kar ein neu­es Stadt­recht­spri­vi­leg ver­lie­hen ha­ben; Kal­kar lag in der Nä­he der be­vor­zug­ten kle­vi­schen Lan­des­burg Mon­ter­berg und soll­te of­fen­sicht­lich ge­zielt zu ei­nem zen­tra­len Ort der Graf­schaft aus­ge­baut wer­den. Die bruch­recht­li­chen Be­stim­mun­gen die­ses Pri­vi­legs deu­ten auf die Bin­nen­ko­lo­ni­sa­ti­on am un­te­ren Nie­der­rhein hin, die um 1270 in grö­ße­rem Um­fang ein­setz­te. Diet­rich V./VII. hat auch Bü­de­rich (heu­te Stadt We­sel) und Or­soy (heu­te Stadt Rhein­berg) zu Städ­ten er­ho­ben, viel­leicht auch das heu­te nie­der­län­di­sche Huis­sen.

Ei­ne Ge­samt­be­wer­tung der Re­gie­rungs­zeit Graf Diet­richs V./VII. von Kle­ve muss zwie­späl­tig aus­fal­len. Po­li­tisch blieb Diet­rich eher schwach, da er un­ter star­kem Ein­fluss des Köl­ner Erz­bi­schofs stand und die kle­vi­schen Rech­te und Be­sit­zun­gen un­ter ihm und sei­nem Bru­der Diet­rich Luf auf­ge­split­tert wa­ren. Ab­ge­se­hen von der durch Hei­rat an Kle­ve ge­fal­le­nen Graf­schaft Hülch­rath ge­lan­gen kei­ne grö­ße­ren Er­wer­bun­gen, al­ler­dings tra­ten auch kei­ne Ver­lus­te ein. Der in­ne­re Lan­des­aus­bau durch Städ­te­grün­dun­gen und Bruch­ko­lo­ni­sa­ti­on schuf hin­ge­gen die Ba­sis, auf der den Nach­fol­gern die Fes­ti­gung des Kle­ver Ter­ri­to­ri­ums ge­lin­gen soll­te.

Graf Diet­rich starb wohl im Sep­tem­ber 1275 und wur­de im Stift Wis­sel be­gra­ben.

Quellen

Flink, Klaus (Hg.), Kle­vi­sche Städ­te­pri­vi­le­gi­en (1241-1609), Kle­ve 1989.

Flink, Klaus (Be­arb. und Hg.), Das Stadt­recht von Kal­kar, Kle­ve 1993.

Il­gen, Theo­dor, Quel­len zur in­ne­ren Ge­schich­te der rhei­ni­schen Ter­ri­to­ri­en, 2 Bän­de in 3 Tei­len, Bonn 1921-1925.

Schleid­gen, Wolf-Rü­di­ger, Kle­ve-Mark Ur­kun­den 1223-1368. Re­ges­ten des Be­stan­des Kle­ve-Mark im nord­rhein-west­fä­li­schen Haupt­staats­ar­chiv in Düs­sel­dorf, Sieg­burg 1983.

Schleid­gen, Wolf-Rü­di­ger, Das Ko­pi­ar der Gra­fen von Kle­ve, Kle­ve 1986.

Literatur

Di­ede­rich, To­ni, Rhei­ni­sche Städ­te­sie­gel, Neuss 1984, S. 203-206, 308-310.

Jans­sen, Wil­helm, Die Ent­wick­lung des Ter­ri­to­ri­ums Kle­ve (Ge­schicht­li­cher At­las der Rhein­lan­de V/11-12), Bonn 2007.

Kast­ner, Die­ter, Die Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik der Gra­fen von Kle­ve, Düs­sel­dorf 1972.

Werd, Gui­do de (Red.), Land im Mit­tel­punkt der Mäch­te. Die Her­zog­tü­mer Jü­lich–Kle­ve–Berg, Kle­ve 1984

Online

We­ber, Die­ter, Ar­ti­kel „Kle­ve, Gra­fen von“, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 12 (1980) S. 58-59. [On­line]

Rückseite des Siegels Dietrichs V./VII. von Kleve, 1270. (Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland)

 
Zitationshinweis

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Hagemann, Manuel, Dietrich V. von Kleve, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/dietrich-v.-von-kleve-/DE-2086/lido/57c694c3425e82.49320137 (15.11.2018)