Drei Könige

Stadtpatrone von Köln

Alois Döring (Bonn)

Gedenkblatt zum 700jährigen Jubiläum der Dreikönigswallfahrt, 1864, Beilage zu: Wallfahrt im Rheinland. Herausgegeben vom Amt für rheinische Landeskunde in Verbindung mit dem Volkskunderat Rhein-Maas und dem Niederrheinischen Freilichtmuseum, Köln, 1981.

Erz­bi­schof Rai­nald von Das­sel brach­te im Jah­re 1164 die Ge­bei­ne der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge nach Köln; de­ren Re­li­qui­en­schrein im Köl­ner Dom wur­de zu ei­nem der gro­ßen eu­ro­päi­schen Pil­ger­zie­le.

Legende und Kultausbreitung

Die Ge­schich­te der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge Kas­par, Mel­chi­or und Bal­tha­sar be­ginnt mit dem Mat­thä­us-Evan­ge­li­um (Mt 2, 1-12): Da­nach ka­men drei Wei­sen aus dem Mor­gen­land, um das neu­ge­bo­re­ne Kind zu Beth­le­hem an­zu­be­ten. Als Kö­ni­ge wer­den die drei – die Ma­gi­er, As­tro­lo­gen oder Stern­deu­ter ge­we­sen sein mö­gen – erst­mals im 3. Jahr­hun­dert be­zeich­net. Die Drei­zahl er­schlie­ßt der Kir­chen­leh­rer Ori­gi­nes (185-254) aus den dar­ge­brach­ten Ga­ben Gold, Weih­rauch und Myr­rhe. Die ge­läu­fi­gen Na­men Kas­par, Mel­chi­or und Bal­tha­sar bil­den sich im 8. und 9. Jahr­hun­dert end­gül­tig her­aus.

Den Über­lie­fe­run­gen nach ist Kas­par der äl­tes­te, Bal­tha­sar der mitt­le­re und Mel­chi­or der jüngs­te Kö­nig. Die Drei Kö­ni­ge ver­sinn­bild­li­chen die drei da­mals be­kann­ten Erd­tei­le Eu­ro­pa, Asi­en und Afri­ka. Fer­ner re­prä­sen­tie­ren sie die drei Le­bens­al­ter Jüng­ling, Mann und Greis.

Die Wei­sen brin­gen Gold, Weih­rauch und Myr­rhe. Mit der Ga­be von Gold wird Je­sus durch das Kost­bars­te auf Er­den ge­ehrt und als Got­tes Sohn an­er­kannt. Myr­rhe ver­weist durch ih­re Bit­ter­keit und ih­re hei­len­de Wir­kung auf Lei­den und Tod Chris­ti, aber auch auf Auf­er­ste­hung und neu­es Le­ben. Der Weih­rauch, der als Got­tes­duft gilt, weist auf die Gött­lich­keit des Be­schenk­ten hin.

 

Die Re­li­qui­en der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge soll He­le­na, Mut­ter des rö­mi­schen Kai­sers Kon­stan­tin I., ge­fun­den und nach Kon­stan­ti­no­pel ge­bracht ha­ben. Die Re­li­qui­en ge­lang­ten of­fen­sicht­lich erst im 12. Jahr­hun­dert nach Mai­land. Nach der Er­obe­rung der Stadt durch Kai­ser Fried­rich I. (Re­gie­rungs­zeit 1152-1190) über­führ­te der Reichs­kanz­ler und Köl­ner Erz­bi­schof Rai­nald von Das­sel die Re­li­qui­en nach Köln, wo sie am 23.7.1164 an­ka­men.

Der Drei­kö­ni­gen­schrein zur Auf­be­wah­rung der Re­li­qui­en, ei­nes der be­deu­tends­ten Gold­schmie­de­wer­ke des Mit­tel­al­ters, ent­stand zwi­schen 1180 und 1230. Mit des­sen Ge­stal­tung ist der Na­me des Gold­schmieds Ni­ko­laus von Ver­dun (auch Meis­ter von Ver­dun ge­nannt) ver­bun­den. Die Vor­der­sei­te zeigt die mit dem Kin­de thro­nen­de Ma­ria, links die sich nä­hern­den Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge. Ent­nom­me­ne Res­te der Ge­we­be, in de­nen die Ge­bei­ne ein­ge­hüllt wa­ren, er­wei­sen sich als an­ti­ke Sei­den­stof­fe aus dem Ori­ent, was ein bis in bib­li­sche Zeit zu­rück­rei­chen­des Al­ter der Re­li­qui­en be­le­gen mag.

Dreikönigenschrein im Kölner Dom. Angefertigt wischen 1190 und 1200 von Nikolaus von Verdun (um 1130-1205) für die von Rainald von Dassel 1164 von Mailand nach Köln überführten Gebeine der Heiligen Drei Könige, Foto: Beckstet.

 

Die Trans­la­ti­on der Ge­bei­ne der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge nach Köln lös­te den Drei­kö­nigs­kult aus. Von der Dom­stadt aus ver­brei­te­te sich die Ver­eh­rung der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge über das Abend­land. Nach­hal­ti­ge För­de­rung er­fuhr die Ver­brei­tung des Drei­kö­nigs­kults durch die „Le­gen­de von den Hei­li­gen Drei Kö­ni­gen“ („His­to­ria Tri­um Re­gum“), die der Kar­me­li­ter­mönch Jo­han­nes von Hil­des­heim (um 1310/1320-1375) zum 200. Ju­bi­lä­um der Re­li­qui­en­trans­la­ti­on ver­fass­te.

Das gro­ße Echo im eu­ro­päi­schen Raum er­hob die Ru­he­stät­te der Drei­kö­nigs­ge­bei­ne zum viel be­such­ten Wall­fahrts­ort. Da­ne­ben spiel­ten je­doch auch po­li­ti­sche Ab­sich­ten ei­ne nicht un­er­heb­li­che Rol­le.

Die Heiligen Drei Könige und die Politik

Die be­son­de­re Her­aus­stel­lung der nach Köln über­führ­ten Drei­kö­nigs­re­li­qui­en durch Fried­rich I. Bar­ba­ros­sa und sei­nen Kanz­ler Rai­nald von Das­sel war po­li­tisch mo­ti­viert. Nach dem Sieg Fried­richs I. über die Stadt Mai­land be­müh­te sich der by­zan­ti­ni­sche Kai­ser Ma­nu­el I. (Re­gie­rungs­zeit 1143-1180), der sich als zwei­ter Chris­tus und Sohn Got­tes sah, um ei­ne po­li­ti­sche Iso­lie­rung des abend­län­di­schen Kai­ser­tums. Ge­gen­über die­sem An­spruch konn­te sich Fried­rich I. als le­gi­ti­mer Nach­fol­ger je­ner ers­ten Herr­scher, die Chris­tus als ers­te ge­hul­digt ha­ben, be­ru­fen. Mit Hil­fe ei­ner de­mons­tra­ti­ven Ges­te soll­te der An­spruch ei­ner neu­en sa­kra­len Grund­la­ge des Kai­ser­tums un­ter­mau­ert wer­den. „Die Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge re­prä­sen­tier­ten durch ih­re Nä­he zum gött­li­chen Kind von Beth­le­hem ge­wis­ser­ma­ßen das von Gott ein­ge­setz­te Kö­nig­tum und - Karl der Gro­ße ist vom Ge­sche­hen der Re­li­qui­en­über­tra­gung nicht ganz zu tren­nen - das im Abend­land er­neu­er­te Kai­ser­tum.“ (Odi­lo En­gels).

Chorschranken im Kölner Dom, Dreikönigenlegende, Bischofsweihe durch den Apostel Thomas und Begräbnis der Heiligen Drei Könige, um 1330-1340, Foto: Reinhard Matz; Axel Schenk. (Dombauarchiv Köln)

 

Ei­ne be­son­de­re Wert­schät­zung er­fuh­ren die Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge durch Ot­to IV. (Re­gie­rungs­zeit 1198/1208-1218). Er be­rief im Zu­ge der po­li­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit sei­nem Ge­gen­spie­ler Phil­ipp von Schwa­ben (Re­gie­rungs­zeit als rö­misch-deut­scher Kö­nig 1198-1208) an ih­rem Fest­tag, am 6.1.1200, den Hof­tag nach Köln und stif­te­te den Hei­li­gen Drei Kö­ni­gen als Ge­schenk drei gol­de­ne Kro­nen für ih­re Häup­ter so­wie Gold und Edel­stei­ne für die Ge­stal­tung der Stirn­sei­te des in Ar­beit be­find­li­chen Schreins. Dort fin­det sich Ot­to IV. sel­ber dar­ge­stellt, als vier­ter Herr­scher schlie­ßt er sich den Kö­ni­gen aus dem Mor­gen­land an. „Gleich den Hei­li­gen sah er sich durch Got­tes Sohn be­glau­bigt und be­stä­tigt, wie die­se zur gott­ge­woll­ten Herr­schaft be­ru­fen, vom Hei­land mit jeg­li­cher Kraft und Macht ge­seg­net. Die­se Hei­li­gung des Kö­nig­tums in engs­ter Ver­bin­dung mit der Herr­schaft der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge hat kein Herr­scher nach Ot­to IV. mehr be­kun­det.“ (Hu­go Steh­käm­per).

Kein Herr­scher über­bot sei­ne Wert­schät­zung für die Re­li­qui­en der Drei Kö­ni­ge. Von 1164, dem Jahr der Über­tra­gung der Ge­bei­ne nach Köln, bis zum Jahr 1531, als in Aa­chen letzt­ma­lig ein deut­scher Kö­nig ge­krönt wur­de, hat­te das Reich 28 Herr­scher, da­von be­such­ten 13 im An­schluss an ih­re Aa­che­ner Krö­nung Köln. Ma­xi­mi­li­an l. (Re­gie­rungs­zeit 1493-1519, Krö­nung zum Mit­kö­nig 1486) und Fer­di­nand l. (Re­gie­rungs­zeit 1531-1564) weil­ten je­weils vor und nach ih­rer Aa­che­ner Krö­nung in Köln. Fer­di­nand war vor der Krö­nung 1531 im Köl­ner Dom zum rö­misch-deut­schen Kö­nig ge­wählt wor­den. Ru­precht wur­de 1401 in Köln statt in Aa­chen ge­krönt, nach­dem die Stadt Aa­chen sich ge­wei­gert hat­te, ihn her­ein­zu­las­sen. Reichs-Hei­li­ge wa­ren die Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge je­doch nie.

Heiligenbildchen der Heiligen Drei Könige. Andachtsbild, 18. Jahrhundert. Spitzenbild in Pergament mit Miniatur in Deckfarbenmalerei. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte / Rheinisches Volkskundearchiv, Sammlung Engels)

 

Es ist kein Zu­fall, dass der Köl­ner Erz­bi­schof Rai­nald von Das­sel die Re­li­qui­en nach Köln brach­te. Sei­ne Bi­schofs­stadt soll­te mit ei­nem be­deu­ten­den Re­li­qui­en­schatz ver­se­hen wer­den, um zu ei­nem Zen­trum des Rei­ches auf­zu­stei­gen. Der Erz­bi­schof mag dar­an ge­dacht ha­ben, ei­nen Schwer­punkt geist­lich ge­präg­ter Reichs­re­prä­sen­ta­ti­on zu schaf­fen. Schlie­ß­lich er­hob ei­ne drit­te Ge­walt ne­ben Kai­ser und Erz­bi­schof An­spruch auf ei­ne po­li­ti­sche Nut­zung der Drei­kö­nigs­re­li­qui­en. Für die auf­stre­ben­de Stadt Köln schuf die Re­li­qui­en­trans­la­ti­on und in ih­rem Ge­fol­ge die An­zie­hungs­kraft für mas­sen­haf­ten Pil­ger­zu­lauf die Grund­la­ge für ih­ren po­li­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Auf­stieg. Die Stadt er­kor die Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge ne­ben der hei­li­gen Ur­su­la mit ih­ren Ge­fähr­tin­nen und dem hei­li­gen Ge­re­on zu ih­ren Stadt­pa­tro­nen. Als sich die Stadt im 13. Jahr­hun­dert ein Wap­pen gab, wur­den die gol­de­nen Kro­nen der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge im rot-weiß ge­teil­ten Wap­pen­schild ein­ge­fügt. Im aus­ge­hen­den 15. Jahr­hun­dert ka­men die elf Her­me­lin­schwän­ze (Trop­fen oder Flam­men) als Zei­chen für die Stadt­pa­tro­nin, die hei­li­ge Ur­su­la mit ih­ren 11.000 Ge­fähr­tin­nen, in das un­te­re wei­ße Feld hin­zu. Die­ses Wap­pen ist bis heu­te ein Ho­heits­zei­chen der Stadt Köln. Für die Rats­ka­pel­le mal­te Ste­fan Loch­ner um 1442-1444 den heu­te im Dom be­find­li­chen Al­tar der Köl­ner Stadt­pa­tro­ne, des­sen Mit­tel­ta­fel die An­be­tung der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge zeigt.

Dreikönigsverehrung

Köln galt als ei­ner der gro­ßen spät­mit­tel­al­ter­li­chen Pil­ger­or­te; die be­kann­tes­ten Zie­le wa­ren die Re­li­qui­en der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge so­wie der hei­li­gen Ur­su­la und ih­rer Ge­fähr­tin­nen. Hoch­ge­stell­te welt­li­che und geist­li­che Per­sön­lich­kei­ten be­schenk­ten die kö­nig­li­chen Hei­li­gen mit rei­chen Stif­tun­gen, Pil­ger­rei­sen­de aus al­len Stän­den und Schich­ten zo­gen zum kost­ba­ren Drei­kö­ni­gen­schrein und ver­brei­te­ten den Ruf der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge.

Be­mer­kens­wert sind die Fern­pil­ger, die vom 13. bis zum 18. Jahr­hun­dert aus Böh­men, Slo­we­ni­en und Un­garn auf ih­rem Weg zur Aa­che­ner Hei­lig­tums­fahrt in Köln Sta­ti­on mach­ten. Die ‚hun­ga­ri­schen’ Wall­fah­rer wur­den im Hos­piz Ip­per­wald ver­sorgt, oft auch vom Köl­ner Ma­gis­trat so­wie von Klös­tern oder von wohl­ha­ben­den Bür­gern be­wir­tet. Wäh­rend des Auf­ent­hal­tes in Köln ging das All­tags­le­ben der Un­garn nor­mal wei­ter: Kin­der wur­den ge­tauft, Hoch­zei­ten ge­fei­ert, Ver­stor­be­ne be­er­digt. Die Un­garn-Wall­fahr­ten nach Köln und Aa­chen en­de­ten im spä­ten 18. Jahr­hun­dert. Erz­bi­schof und Kur­fürst Ma­xi­mi­li­an Fried­rich ver­füg­te am 6.3.1776, den nach Aa­chen pil­gern­den Un­garn den Ein­tritt in die Stadt Köln und in die erz­bi­schöf­li­chen Ge­bie­te zu un­ter­sa­gen.

Bogen mit vier Dreikönigszetteln, Köln, 18. Jahrhundert.

 

Schrift­li­che Quel­len wie Chro­ni­ken oder Rei­se­be­rich­te über­lie­fern die Po­pu­la­ri­tät des Drei­kö­nigs­kults, ins­be­son­de­re aber be­zeu­gen Pil­ger­zei­chen und Drei­kö­nigs­zet­tel die Ver­eh­rung der Hei­li­gen über Jahr­hun­der­te hin­weg. Pil­ger­zei­chen wa­ren Me­tall­güs­se mit der An­be­tungs­sze­ne. Pil­ger kauf­ten sie vor Ort, be­fes­tig­ten sie an der Klei­dung und nah­men sie als An­denken mit nach Hau­se. Über 100 Fund­stü­cke aus dem 12. bis 15. Jahr­hun­dert do­ku­men­tie­ren die Drei­kö­nigs­ver­eh­rung in Nord- und Mit­tel­eu­ro­pa.

Seit dem 17. Jahr­hun­dert sind Drei­kö­nigs­zet­tel über­lie­fert, die mit dem Si­gnet der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge (C+M+B) be­druckt sind und Se­gens­sprü­che auf­wei­sen. Die Pil­ger nutz­ten sie als Un­heil ab­weh­ren­des Amu­lett oder als Glück brin­gen­den Ta­lis­man. Die Tex­te der Se­gens­zet­tel be­zeu­gen das viel­fäl­ti­ge Pa­tro­nat der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge: Sie wur­den an­ge­ru­fen, um vor Fein­den, Waf­fen und Ku­geln zu schüt­zen, das Haus vor Brand, Un­wet­ter und Die­ben zu be­wah­ren. Für die weit ge­reis­ten Hei­li­gen lag das Rei­se-Pa­tro­nat na­he, das an­be­ten­de Nie­der­fal­len vor Chris­tus mach­te sie zu­stän­dig für Fall­sucht. Er­hal­ten sind Dru­cke auf Per­ga­ment, Pa­pier und Sei­de, meist wohl als Ein­la­ge in Ge­bet- und An­dachts­bü­cher. Drei­kö­nigs­zet­tel sind in be­acht­li­chen Men­gen in Köln pro­du­ziert wor­den.

Ge­gen­stän­de, die die Re­li­qui­en der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge an­ge­rührt ha­ben, gal­ten als viel be­gehr­tes Gut. Den frü­hes­ten Be­richt dar­über lie­fert Jo­han­nes von Hil­des­heim: „In Je­ru­sa­lem kauf­ten die In­der von Pil­gern, die dies­seits des Mee­res wa­ren, Mün­zen und gol­de­ne Fin­ger­rin­ge, mit de­nen sie die Re­li­qui­en der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge an­ge­rührt ha­ben. Sie küs­sen und ver­eh­ren die hei­li­gen An­denken und ver­si­chern, dass vie­le Kran­ke da­mit ge­heilt wer­den, wenn sie in­nig dar­an glau­ben.“.

Dreikönigssingen

Zu Be­ginn des Neu­en Jah­res sen­den die ka­tho­li­schen Pfarr­ge­mein­den fei­er­lich Stern­sin­ger aus. Zur Er­in­ne­rung an die Wei­sen aus dem Mor­gen­land zie­hen die Kin­der von Haus zu Haus, als Hei­li­ge Drei Kö­ni­ge ver­klei­det, wün­schen Glück zum Neu­en Jahr und brin­gen an den Haus­tü­ren die Se­gens­zei­chen C+M+B mit der Jah­res­zahl an. Für ihr Sin­gen er­hal­ten sie Ga­ben. Die­se Spen­den wer­den heu­te Pro­jek­ten in der Drit­ten Welt zu­ge­führt, wäh­rend sie frü­her den Kin­dern selbst zu­ka­men.

Die äl­tes­ten Zeug­nis­se für das Stern­sin­gen kom­men aus dem 16. Jahr­hun­dert und stam­men vor­wie­gend aus Süd­deutsch­land. Seit 1600 ist das Stern­sin­gen für das Rhein­land be­legt. Zu­nächst wa­ren meist Stu­den­ten als Stern­sin­ger un­ter­wegs, im 17. und 18. Jahr­hun­dert ging der Brauch mehr und mehr auf an­de­re So­zi­al­grup­pen wie Hand­werks­bur­schen, Ta­ge­löh­ner, Sol­da­ten und we­ni­ger gut ge­stell­te Ju­gend­li­che oder Er­wach­se­ne über. Meist zo­gen je­doch Kin­der aus ar­men Fa­mi­li­en mit ih­rem Stern von Haus zu Haus und von Dorf zu Dorf, um Ga­ben für be­dürf­ti­ge Ver­wand­te zum ge­mein­sa­men Ver­zehr zu sam­meln. Das Stern­sin­gen ge­riet in den Ge­ruch der Bet­te­lei. Im Jah­re 1736 klag­te der Rat der Stadt Köln, Stu­den­ten und Va­ga­bun­den lie­fen mit dem Stern her­um und bet­tel­ten. Auf­grund öf­fent­li­cher Be­schwer­den er­gin­gen ent­spre­chen­de Ver­ord­nun­gen der geist­li­chen Ob­rig­keit, im frü­hen 20. Jahr­hun­dert ver­schwand der al­te Stern­sin­ger­brauch weit­hin.

1958 stell­te das Kin­der­mis­si­ons­werk in Deutsch­land das Stern­sin­gen in den Dienst der Mis­si­on und der Drit­ten Welt. Die „Ak­ti­on Drei­kö­nigs­sin­gen“ ist heu­te ein kirch­lich or­ga­ni­sier­ter So­li­dar­brauch, die welt­weit grö­ß­ten Hilfs­ak­ti­on von Kin­dern für Kin­der.

Quellen

Jo­han­nes von Hil­des­heim. Die Le­gen­de von den Hei­li­gen Drei Kö­ni­gen, Mün­chen/Köln 1963.

Literatur

Dö­ring, Alois, Hei­li­ge Hel­fer. Rhei­ni­sche Hei­li­gen­fes­te durch das Jahr, Köln 2009.

Dö­ring, Alois, Rhei­ni­sche Bräu­che durch das Jahr, 2. Auf­la­ge. Köln 2007.

En­gels, Odi­lo, Die Re­li­qui­en der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge in der Reichs­po­li­tik der St­au­fer, in: Die Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge. Dar­stel­lung und Ver­eh­rung. Ka­ta­log zur Aus­stel­lung des Wall­raf-Ri­ch­artz-Mu­se­ums in der Jo­sef-Hau­brich-Kunst­hal­le Köln, Köln 1982, S. 33-36.

Hof­mann, Hans, Die Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge. Zur Hei­li­gen­ver­eh­rung im kirch­li­chen, ge­sell­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Le­ben des Mit­tel­al­ters, Bonn 1975.

Leg­ner, An­ton, Köl­ner Hei­li­ge und Hei­lig­tü­mer. Ein Jahr­tau­send eu­ro­päi­scher Re­li­qui­en­kul­tur, Köln 2003.

Schäf­ke, Wer­ner, Die Wall­fahrt zu den Hei­li­gen Drei Kö­ni­gen, in: Die Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge. Dar­stel­lung und Ver­eh­rung. Ka­ta­log zur Aus­stel­lung des Wall­raf-Ri­ch­artz-Mu­se­ums in der Jo­sef-Hau­brich-Kunst­hal­le Köln, Köln 1982, S. 73-80.

Steh­käm­per, Hu­go, Kö­ni­ge und Hei­li­ge Drei Kö­ni­ge, in: Die Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge. Dar­stel­lung und Ver­eh­rung. Ka­ta­log zur Aus­stel­lung des Wall­raf-Ri­ch­artz-Mu­se­ums in der Jo­sef-Hau­brich-Kunst­hal­le Köln, Köln 1982, S. 37-50.

Umgang der Sternsingergruppe in Simmerath, Foto: Karl-Heinz Chudojar. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte / Rheinisches Volkskundearchiv)

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Döring, Alois, Drei Könige, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/drei-koenige-/DE-2086/lido/57c697b3d2b761.11135223 (22.04.2018)