Helena

Römische Kaiserin (um 250 – um 328 nach Christus)

Andrea Binsfeld (Luxemburg)

Heilige Helena, Bronzefigur im Bonner Münster, wohl von Jeremias Geißelbrunn (um 1594/1596-um 1659/1664), um 1630, Foto: Martina Kranz. (LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland)

He­le­na, die Mut­ter Kai­ser Kon­stan­tins des Gro­ßen, gilt als ei­ne der be­deu­tends­ten Frau­en­gestal­ten der Spät­an­ti­ke. Ihr Ruhm be­ruht vor al­lem auf ih­ren Kir­chen­grün­dun­gen und der ihr zu­ge­schrie­be­nen Auf­fin­dung von Re­li­qui­en. In Trier wer­den in ers­ter Li­nie der Bau der ers­ten christ­li­chen Kir­che (heu­te Dom und Lieb­frau­en) und der Hei­li­ge Rock mit ih­rem Na­men in Ver­bin­dung ge­bracht.

We­der der Ge­burts­ort noch das ge­naue Ge­burts­jahr He­le­nas sind be­kannt. Sie stamm­te wahr­schein­lich aus Dre­panon in Bithy­ni­en in der heu­ti­gen Tür­kei – auch wenn mit­tel­al­ter­li­che Quel­len in ihr ger­ne ei­ne Trie­re­rin oder ei­ne Bri­tin se­hen wür­den. Als 80-Jäh­ri­ge starb sie ge­gen En­de der 20er Jah­re des 4. Jahr­hun­derts, was be­deu­tet, dass sie um 250 nach Chris­tus ge­bo­ren wur­de.

Gut be­zeugt ist, dass He­le­na aus be­schei­de­nen Ver­hält­nis­sen stamm­te. Sie war ei­ne „sta­bu­la­ria", ei­ne Gast­wir­tin, üb­te al­so ein Ge­wer­be von eher zwei­fel­haf­tem Ruf aus. Im Os­ten des Rö­mi­schen Rei­ches wird sie wohl auch Con­stan­ti­us Chlo­rus, ei­nen Of­fi­zier il­ly­ri­scher Her­kunft, ken­nen ge­lernt ha­ben. Aus die­ser Ver­bin­dung stammt der spä­te­re Kai­ser Kon­stan­tin, der zwi­schen 272 und 285 nach Chris­tus in Nais­sus, dem heu­ti­gen Nisch, in Ser­bi­en ge­bo­ren wur­de. Auch sein Ge­burts­da­tum ist nicht si­cher über­lie­fert. He­le­na war ver­mut­lich nicht in recht­mä­ßi­ger Ehe mit Con­stan­ti­us ver­bun­den, son­dern leb­te mit ihm im Kon­ku­bi­nat, ei­ner ehe­ähn­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft.

Ei­nen Ein­schnitt im Le­ben He­le­nas be­deu­te­te es, als Con­stan­ti­us Chlo­rus im Jahr 293 in das Kai­ser­kol­le­gi­um der Te­trar­chen be­ru­fen wur­de und die Herr­schaft über den nord­west­li­chen Teil des Rö­mi­schen Rei­ches mit der Haupt­stadt Trier über­nahm. Um die Ein­heit die­ses Kai­ser­kol­le­gi­ums zu fes­ti­gen, trenn­te sich Con­stan­ti­us von He­le­na und ging ei­ne Ehe mit Theo­do­ra, der Stief­toch­ter sei­nes Amts­kol­le­gen Ma­xi­mi­an (Mit­kai­ser 286-305) ein. Über das Schick­sal He­le­nas in den fol­gen­den Jah­ren sind kei­ne Nach­rich­ten über­lie­fert. Ver­mut­lich blieb sie im Os­ten des Rei­ches und küm­mer­te sich um die Er­zie­hung ih­res Soh­nes Kon­stan­tin.

Der Auf­stieg He­le­nas von der Gast­wir­tin zur Kai­se­rin ist letzt­lich eng ver­bun­den mit dem Auf­stieg ih­res Soh­nes. Als Con­stan­ti­us Chlo­rus 306 in York starb, wur­de Kon­stan­tin von den Trup­pen sei­nes Va­ters zum Kai­ser aus­ge­ru­fen. Über den Ver­bleib He­le­nas ist auch in die­ser Zeit nichts Ge­nau­es be­kannt. Zu ver­mu­ten ist aber, dass sie sich im Herr­schafts­be­reich ih­res Soh­nes und hier wahr­schein­lich in Trier auf­hielt. Für die en­ge Be­zie­hung zwi­schen Mut­ter und Sohn spre­chen Eh­run­gen, die Kon­stan­tin sei­ner Mut­ter er­wies: Er ließ Mün­zen mit ih­rem Bild prä­gen, er­rich­te­te ihr Sta­tu­en und ver­lieh ihr und sei­ner Ge­mah­lin Faus­ta 324 den Eh­ren­ti­tel Au­gus­ta (Kai­se­rin).

Erst die He­le­na-Vi­ta des Al­man­nus von Haut­vil­lers aus dem 9. Jahr­hun­dert stellt ei­nen di­rek­ten Be­zug zu Trier her. Dem­nach stamm­te die Mut­ter Kon­stan­tins aus Trier und ließ dort ihr Haus in den Bi­schofs­sitz um­wan­deln, den sie dem Hei­li­gen Pe­trus weih­te. Dass He­le­na ei­ne ge­bür­ti­ge Trie­re­rin sei, ist in den Be­reich der Le­gen­de zu ver­wei­sen. Die Fra­ge ist, ob in der Nach­richt, dass ein kai­ser­li­cher Pa­last oder Tei­le da­von in ei­ne Kir­che um­ge­wan­delt wur­den, ein his­to­ri­scher Kern steckt. Als Be­leg da­für wur­den auch die pracht­vol­len De­cken­ma­le­rei­en her­an­ge­zo­gen, die im Be­reich des heu­ti­gen Do­mes ge­fun­den wur­den und die zu ei­ner grö­ße­ren Wohn­an­la­ge ge­hör­ten. Die­se An­la­ge wur­de zer­stört, als wäh­rend der 30er Jah­re des 4. Jahr­hun­derts ein gro­ßer Kir­chen­kom­plex ge­baut wur­de, der sich im Be­reich des heu­ti­gen Do­mes und der Lieb­frau­en­kir­che be­fand, aber auch das Ge­biet der heu­ti­gen Do­min­for­ma­ti­on und des Dom­frei­hofs mit ein­be­zog. Die In­ter­pre­ta­ti­on die­ser De­cken­ma­le­rei­en ist je­doch hef­tig um­strit­ten. Nach jet­zi­gem For­schungs­stand han­delt es sich bei den ab­ge­bil­de­ten Frau­en­gestal­ten wohl nicht um An­ge­hö­ri­ge des kon­stan­ti­ni­schen Hau­ses, son­dern eher um al­le­go­ri­sche Dar­stel­lun­gen. Mög­li­cher­wei­se stellt aber ei­nes der Frau­en­por­träts, das ei­ne zeit­ge­nös­si­sche Fri­sur zeigt, doch He­le­na oder Faus­ta, oder zu­min­dest ei­ne Frau des 4. Jahr­hun­derts dar.

Der his­to­ri­sche Kern in der mit­tel­al­ter­li­chen Über­lie­fe­rung könn­te al­so dar­in be­ste­hen, dass man ei­nen Pa­last nie­der­rei­ßen muss­te, um die Kir­chen­an­la­ge zu er­bau­en. Für ei­nen Zu­sam­men­hang mit He­le­na oder Faus­ta feh­len je­doch nach wie vor si­che­re An­halts­punk­te.

Der Ruhm He­le­nas als christ­li­che Kai­se­rin be­ruht auf ih­rer Rei­se in die öst­li­chen Pro­vin­zen des Rö­mi­schen Rei­ches, die sie nach dem Sieg ih­res Soh­nes Kon­stan­tin über sei­nen Mit­re­gen­ten Li­ci­ni­us im Jahr 324 als fast 80-Jäh­ri­ge un­ter­nahm und in de­ren Ver­lauf sie auch Pa­läs­ti­na be­such­te. Bis zu die­sem Zeit­punkt ist über He­le­na und spe­zi­ell über ih­re Re­li­gio­si­tät nur we­nig be­kannt. Wahr­schein­lich hat sie sich erst un­ter dem Ein­fluss ih­res Soh­nes zum Chris­ten­tum be­kehrt. Eu­se­bi­us, der Bi­schof von Cä­sarea in Pa­la­es­ti­na (un­ge­fähr 260/4-337/40), be­rich­tet, dass sie auf die­ser Rei­se zwei Kir­chen – in Beth­le­hem und auf dem Öl­berg – ge­stif­tet und be­reits be­ste­hen­de Kir­chen präch­tig aus­ge­schmückt ha­be. Be­reits im Ver­lauf des 4. Jahr­hun­derts nach Chris­tus ent­ste­hen wei­te­re Le­gen­den, die die Auf­fin­dung des Kreu­zes Chris­ti und der Kreu­zes­nä­gel He­le­na zu­schrei­ben.

Auch die Trie­rer Re­li­qui­en­tra­di­ti­on knüpft an He­le­na an. Die pro­mi­nen­tes­te Trie­rer Re­li­quie, die ihr zu­ge­schrie­ben wird, ist der Hei­li­ge Rock. Auch die­se Über­lie­fe­rung setzt erst im Mit­tel­al­ter ein, und zwar wie­der mit Alt­man von Haut­vil­lers. Dem­nach ha­be He­le­na ih­rer „Va­ter­stadt" Trier Re­li­qui­en zu­ge­sandt, dar­un­ter das Abend­mahls­mes­ser. In der wei­te­ren mit­tel­al­ter­li­chen Über­lie­fe­rung wird die­se Tra­di­ti­on noch um die Re­li­qui­en des Apos­tels Mat­thi­as, den Kreu­zes­na­gel und wei­te­re Her­ren­re­li­qui­en er­wei­tert. Die­se soll He­le­na dem Agri­ci­us über­ge­ben ha­ben, da­mit er sie nach Trier brin­ge. Die Exis­tenz des Hei­li­gen Ro­ckes kann man in Trier je­doch le­dig­lich bis in das 8./9. Jahr­hun­dert zu­rück­ver­fol­gen; es gibt kei­ne An­halts­punk­te für ei­ne Da­tie­rung in das 4. Jahr­hun­dert. His­to­ri­sche Graf­fi­ti der Form „vi­vas in deo", die auf Chor­schran­ken aus der Mit­te des 4. Jahr­hun­derts bzw. der zwei­ten Hälf­te des 4. Jahr­hun­derts an­ge­bracht wa­ren, könn­ten je­doch auf die Ver­eh­rung ei­ner Kreu­zes­re­li­quie hin­wei­sen. Mög­li­cher­wei­se hat He­le­na in Form ei­ner Kreu­zes­re­li­quie doch ei­ne Spur ih­res Wir­kens in Trier hin­ter­las­sen.

Kurz nach die­ser Rei­se, al­so ge­gen En­de der 320er Jah­re, ist He­le­na nach Aus­sa­gen des Eu­se­bi­us in Ge­gen­wart ih­res Soh­nes ge­stor­ben. Ihr To­desort wird nicht über­lie­fert, wohl aber, dass sie nach Rom über­führt und dort bei­ge­setzt wur­de. Ihr Mau­so­le­um liegt an der Via La­bi­ca­na und war ver­bun­den mit der Ba­si­li­ka S. Mar­cel­li­no e Pie­tro. So­wohl Mau­so­le­um als auch Ba­si­li­ka sind von Kon­stan­tin, wohl für sei­ne ei­ge­ne Be­stat­tung, er­rich­tet wor­den.

Literatur

An­ton, Hans Hu­bert / Heinz Hei­nen / Win­fried We­ber (Hg.), Im Um­bruch der Kul­tu­ren – Spät­an­ti­ke und Früh­mit­tel­al­ter. Ge­schich­te des Bis­tums Trier, Band 1, Trier 2003.

Bautz, Fried­rich Wil­helm, Ar­ti­kel "He­le­na, Hei­li­ge, Mut­ter Kon­stan­tins des Gro­ßen", in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon 2 (1990), Sp. 701.

Klein, Ri­chard, He­le­na II (Kai­se­rin), in: Re­alle­xi­kon für An­ti­ke und Chris­ten­tum 14 (1988) Sp. 355-375.

Pohlsan­der, Hans A., He­le­na: Em­press and Saint, Chi­ca­go 1995.

Online

Drij­vers, Jan Wil­lem, He­le­na Au­gus­ta (248/249-328/329 A.D.)(Eng­lisch­spra­chi­ge Web­site „De Im­pe­ra­to­ri­bus Ro­ma­nis". An On­line En­cy­clo­pe­dia of Ro­man Em­perors).

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Binsfeld, Andrea, Helena, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/helena/DE-2086/lido/57c82a069744e4.90497359 (13.11.2018)