Johannes Fastenrath

Schriftsteller und Mäzen (1839-1908)

Yorick Fastenrath (Bonn)

Dr. Johannes Fastenrath (1839-1908), Porträt. (Scan aus: Vones-Liebenstein, Ursula: Johannes Fastenrath (1839-1908), in: Rheinische Lebensbilder (Bd. 12), Köln 1991, S.157-178)

Jo­han­nes Fas­ten­rath war ein deut­scher Schrift­stel­ler und Mä­zen, der als der be­deu­tends­te Ver­mitt­ler zwi­schen deut­scher und spa­ni­scher Kul­tur sei­ner Zeit galt. Als Grün­der der Köl­ner Blu­men­spie­le und en­ga­gier­ter Kul­tur­för­de­rer mach­te er sich um die li­te­ra­ri­sche Sze­nen Kölns und ganz Deutsch­lands ver­dient.

Jo­han­nes Fas­ten­rath wur­de als ein­zi­ges Kind des Gro­ß­kauf­manns Jo­han­nes Fas­ten­rath sen. (1797-1867) und sei­ner Frau Ro­sa­lie, ge­bo­re­ne Hürxs­thal (1804-1875) am 3.5.1839 in Rem­scheid ge­bo­ren. Die El­tern wa­ren evan­ge­lisch. Die Fa­mi­lie sie­del­te 1847 nach Köln um, so­dass die rhei­ni­sche Me­tro­po­le Jo­han­nes Fas­ten­raths ei­gent­li­che Hei­mat wur­de. Hier be­such­te er die evan­ge­li­sche Ele­men­tar­schu­le auf dem Ge­re­ons­driesch und ab 1849 das Fried­rich-Wil­helm-Gym­na­si­um. Nach dem Ab­itur be­gann Fas­ten­rath 1856 in Bonn ein Ju­ra-Stu­di­um, das er in Hei­del­berg, Mün­chen, Pa­ris und Ber­lin fort­set­ze, wo er im Jahr 1860 mit dem The­ma „De rei­vin­di­ca­tio­ne uti­li“ zum Dr. jur. utr. pro­mo­viert wur­de. Er trat dar­auf­hin ei­ne Stel­le als Aus­kulta­tor am Köl­ner Land­ge­richt an, leg­te sei­nen Dienst aber nach ein­ein­halb Jah­ren auf Grund von Dif­fe­ren­zen mit sei­nem Vor­ge­setz­ten, dem Se­nats­prä­si­den­ten am Köl­ner Ap­pel­la­ti­ons­ge­richts­hof, Hein­rich Gis­bert Heim­so­eth (1811-1887) und we­gen sei­ner per­sön­li­chen Nei­gun­gen zur Li­te­ra­tur und Küns­te nie­der. Jo­han­nes Fas­ten­rath war nicht auf die Aus­übung ei­nes or­dent­li­chen Be­ru­fes an­ge­wie­sen, da er von Haus aus ver­mö­gend war – das Ju­ra-Stu­di­um hat­te er auf Wunsch sei­nes Va­ters hin ab­sol­viert.

Der 18-jährige Student Johannes Fastenrath, 1857. (Scan aus: Lejeune, Fritz: Die deutsch-spanischen Freundschaftsbestrebungen von Johannes Fastenrath (Romanisches Museum. Schriften und Texte zur romanischen Sprach- und Literaturwissenschaft Bd.11), Greifswald 1917)

 

Be­reits in sei­ner Kind­heit war Jo­han­nes Fas­ten­rath mit dem ibe­ri­schen Sprach- und Kul­tur­raum, dem er sein spä­te­res Wir­ken ver­schrei­ben soll­te, in Kon­takt ge­kom­men. Sein Gro­ßva­ter müt­ter­li­cher­seits Karl Hürxs­thal (1776-1860) un­ter­hielt Han­dels­kon­tak­te nach Spa­ni­en und war der kas­ti­li­schen Spra­che mäch­tig. Be­reits wäh­rend sei­nes Stu­di­ums in Bonn be­leg­te Fas­ten­rath Vor­le­sun­gen bei dem Ro­ma­nis­ten Fried­rich Diez (1794-1876), der ihm das Werk des spa­ni­schen Schrift­stel­lers Cal­derón de la Bar­ca (1600-1681) na­he brach­te. Die spa­ni­sche Spra­che er­lern­te Fas­ten­rath im Selbst­stu­di­um und soll­te in ihr zu gro­ßer Meis­ter­schaft ge­lan­gen. Zu­nächst zog es ihn aber nach Ita­li­en, das er im Jahr 1862 be­reis­te. Dort be­such­te er un­ter an­de­rem Flo­renz, Ve­ne­dig, Nea­pel und Pa­ler­mo, fand da­bei aber nicht das, wo­nach er ge­sucht hat­te. So kehr­te Fas­ten­rath nach Köln zu­rück und be­trieb mit neu­em Ehr­geiz das Stu­di­um der spa­ni­schen Spra­che, be­vor er im Jahr 1864 zu sei­ner ers­ten Spa­ni­en­rei­se auf­brach. Er ver­weil­te vier Mo­na­te auf der ibe­ri­schen Halb­in­sel und be­such­te un­ter an­de­rem Va­len­cia, Córdo­ba, Se­vil­la, Gra­na­da, Mála­ga, To­le­do, Za­mo­ra und Ma­drid. Spa­ni­en galt den meis­ten Zeit­ge­nos­sen Fas­ten­raths als ein Land, das im Nie­der­gang be­grif­fen war, so­wohl wirt­schaft­lich, als auch po­li­tisch, mi­li­tä­risch und kul­tu­rell. Fas­ten­rath ent­wi­ckel­te je­doch ei­ne gro­ße Be­geis­te­rung für Spa­ni­en und die spa­ni­sche Kul­tur und ar­bei­te­te nach sei­ner Rück­kehr an meh­re­ren Bänd­chen mit spa­ni­schen Ge­dich­ten und Ro­man­zen, die zu­meist spa­ni­schen Ori­gi­na­len nach­emp­fun­den oder di­rek­te Über­set­zun­gen wa­ren. Noch be­deut­sa­mer soll­te für Fas­ten­rath sei­ne zwei­te Spa­ni­en­rei­se wer­den, die er im Jahr 1869 an­trat. Zu­vor war im Jah­re 1868 ei­ne Re­vo­lu­ti­on in Spa­ni­en aus­ge­bro­chen und Kö­ni­gin Isa­bel­la II. (1830-1904, Re­gent­schaft 1832-1868) ge­stürzt wor­den. Die füh­ren­den Köp­fe der Re­vo­lu­ti­on von 1868 wa­ren in ih­rer geis­ti­gen Hal­tung vom deut­schen Phi­lo­so­phen Karl Krau­se (1781-1932) ge­prägt und un­ge­mein auf­ge­schlos­sen ge­gen­über Ein­flüs­sen aus Deutsch­land. Fas­ten­rath selbst fei­er­te die Re­vo­lu­ti­on in sei­ner Ro­man­zen­samm­lung „Im­mor­tel­len aus To­le­do“. Be­son­ders der für die Re­vo­lu­ti­on ent­schei­den­de Sieg des Mar­schalls Fran­cis­co Ser­ra­no (1810-1885), Her­zog von La Tor­re, bei Al­colea wur­de in Fas­ten­raths Ge­dich­ten ver­herr­licht. Als Jo­han­nes Fas­ten­rath im März 1869 in Spa­ni­en an­kam, wur­de er dort vom deutsch­stäm­mi­gen Di­rek­tor der Na­tio­nal­bi­blio­thek und Dra­ma­ti­ker Juan Eu­ge­nio Hart­zen­busch (1806-1880) herz­lich emp­fan­gen und in die spa­ni­schen Dich­ter­krei­se ein­ge­führt. Be­son­ders der Jour­na­list und Dich­ter Juan Va­le­ra (1824-1905), der selbst Un­ter­staats­se­kre­tär in der neu­en Re­gie­rung von Ser­ra­no im Mi­nis­te­ri­um Lo­renz­a­no war, schien von Fas­ten­rath an­ge­tan. Auf Va­leras Be­trei­ben hin ver­lieh Ser­ra­no dem deut­schen Schrift­stel­ler den Or­den Karls III. (1716-1788, Kö­nig von Spa­ni­en 1759-1788) Im wei­te­ren Ver­lauf sei­ner Rei­se be­such­te der Köl­ner Schrift­stel­ler un­ter an­de­rem die Städ­te Sa­la­man­ca, Córdo­ba, Za­ra­go­za und Se­vil­la und knüpf­te an je­dem Ort en­ge Kon­tak­te zu den lo­ka­len Li­te­ra­turzir­keln. Die Stadt Se­vil­la ver­lieh ihm so­gar das Eh­ren­bür­ger­recht. Des Wei­te­ren wur­de Fas­ten­rath in die Aka­de­mi­en von Se­vil­la und Za­ra­go­za, in die Re­al Aca­de­mia de la His­to­ria und in die Aca­de­mia Es­paño­la in Ma­drid auf­ge­nom­men. Ne­ben die­sen Eh­run­gen, Kon­tak­ten und Mit­glied­schaf­ten wa­ren die zwei Bän­de des Wer­kes „Das Buch mei­ner spa­ni­schen Freun­de“ Er­trag die­ser Spa­ni­en­rei­se. Sei­ne spa­ni­schen Ro­man­zen- und Ge­dicht­samm­lun­gen wur­den in Spa­ni­en, an­ders als in Deutsch­land, be­geis­tert ge­kauft und ge­le­sen. Bei Aus­bruch des Krie­ges von 1870/1871, des­sen Aus­lö­ser un­ter an­de­rem die mög­li­che Nach­fol­ge des deut­schen Leo­pold von Ho­hen­zol­lern-Sig­ma­rin­gen (1835-1905) auf den spa­ni­schen Thron war, schrieb Fas­ten­rath sei­ne „Kriegs- und Sie­ges­lie­der“, die er den „Deut­schen Hel­den von 1870“ wid­me­te. Für die­se zwei Wer­ke er­hielt er als Dank von Fürst Karl An­ton von Ho­hen­zol­lern-Sig­ma­rin­gen (1811-1885) die gro­ße gol­de­ne Ver­dienst­me­dail­le.

Juan Eugenio Hartzenbusch (1806-1880), spanischer Dichter und Direktor der spanischen Nationalbibliothek.

 

In den fol­gen­den Jah­ren ent­wi­ckel­te Jo­han­nes Fas­ten­rath ei­ne brei­te pu­bli­zis­ti­sche Tä­tig­keit in spa­ni­schen Zei­tun­gen, ver­öf­fent­lich­te ins­ge­samt gut ein Dut­zend Bü­cher mit Über­set­zun­gen spa­ni­scher Li­te­ra­tur und Poe­sie, reis­te viel in Spa­ni­en und in ganz Eu­ro­pa und brach­te zum 200. To­des­tag Cal­de­rons im Jahr 1881 ei­ne ei­ge­ne Bio­gra­phie über den gro­ßen spa­ni­schen Dich­ter her­aus. Wäh­rend die­ser Zeit ent­stand Fas­ten­raths ver­mut­lich wich­tigs­tes Werk mit dem Ti­tel „La Wal­hal­la y las glo­ri­as de Ale­ma­ni­a“, das in sechs Bän­den zwi­schen 1874 und 1881 in Ma­drid er­schien. Die­se „Wal­halla“ war ei­ne „Kol­lek­ti­on von Es­says, Bil­dern und Skiz­zen oh­ne ei­ne stren­ge Grup­pie­rung des Stof­fes“[1], das den Spa­ni­ern die gro­ßen Per­sön­lich­kei­ten der deut­schen Ge­schich­te und Kul­tur vor­stel­len und nä­her brin­gen soll­te. Die 1887 in Pa­ris er­schie­nen „Fi­gu­res de l'Al­le­ma­gne con­tem­porai­ne“ ver­folg­ten ei­ne ähn­li­che In­ten­ti­on und soll­ten ei­ne Ver­söh­nung des fran­zö­si­schen und des deut­schen Vol­kes her­bei­füh­ren. Sei­nen Zeit­ge­nos­sen in Spa­ni­en und Deutsch­land galt Jo­han­nes Fas­ten­rath als der wich­tigs­te Ver­mitt­ler zwi­schen Deutsch­land und Spa­ni­en auf geis­ti­gem Ge­biet.

Juan Valera y Alcalá Galiano (1824-1905), spanischer Schriftsteller, Politiker und Diplomat.

 

Zu Be­ginn der 1880er Jah­re lern­te Jo­han­nes Fas­ten­rath in Wien die ka­tho­li­sche Lui­se Gold­mann (1858-1914) ken­nen. Die Toch­ter des Ar­chi­vars des Erz­bi­schofs von Agram war selbst schrift­stel­le­risch tä­tig. Das Paar hei­ra­te­te 1883 und führ­te in den fol­gen­den Jahr­zehn­ten ei­ne har­mo­ni­sche Ehe, ge­prägt von ge­gen­sei­ti­ger künst­le­ri­scher An­re­gung und Un­ter­stüt­zung.

Jo­han­nes Fas­ten­rath reis­te fort­an be­vor­zugt mit sei­ner Frau durch Eu­ro­pa, ob nach Spa­ni­en, Grie­chen­land, in den Na­hen Os­ten zur Ein­wei­hung der Er­lö­ser­kir­che durch Kai­ser Wil­helm II. (Re­gent­schaft 1888-1918) in Je­ru­sa­lem am 31.10.1898 oder in die skan­di­na­vi­schen Län­der. 1890 wur­de Lui­se Fas­ten­rath gar die Eh­re zu Teil die Blu­men­kö­ni­gin der Blu­men­spie­le in Bar­ce­lo­na zu sein.

Be­son­de­re Be­deu­tung für die Stadt Köln er­lang­te Jo­han­nes Fas­ten­rath als In­itia­tor, Mit­grün­der und ers­ter Vor­sit­zen­der der 1893 ge­grün­de­ten Köl­ner „Li­te­ra­ri­schen Ge­sell­schaf­t“, de­ren Vor­sit­zen­der er bis zu sei­nem Tod blieb. Fas­ten­rath in­ves­tier­te viel Zeit in die Pla­nung und Durch­füh­rung von Le­sun­gen und Vor­trags­aben­den, zu de­nen be­deu­ten­de deut­sche Schrift­stel­ler als Red­ner ein­ge­la­den wur­den und nach Köln ka­men. Das Hau­se Fas­ten­rath ent­wi­ckel­te sich – vor al­lem nach dem Um­zug in ei­ne 1901 neu er­bau­te Vil­la am Neu­markt – zu ei­nem Mit­tel­punkt des kul­tu­rel­len und li­te­ra­ri­schen Le­bens in der Dom­stadt. Eng ver­bun­den mit der „Li­te­ra­ri­schen Ge­sell­schaf­t“ und dem Na­men Fas­ten­rath ist die Er­fin­dung und Ein­füh­rung ei­ge­ner Blu­men­spie­le in Köln.

Die Bibliothek des Johannes Fastenrath in seinem Privathaus. (Scan aus Buch: Gabel, Gernot, Johannes Fastenrath (1839-1908), in: Kölner Sammler und ihre Bücherkollektionen in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, Köln 2003, S. 78-87, S. 81)

 

Die Tra­di­ti­on der Blu­men­spie­le, auch „jochs flo­ral­s“ oder „jeux flo­rau­x“ ge­nannt, stammt aus dem 13. Jahr­hun­dert und hat sei­ne Wur­zeln am Hof der Gra­fen von Tou­lou­se. Die­se be­son­de­re Form des dich­te­ri­schen Wett­streits ver­brei­te­te sich auf der ibe­ri­schen Halb­in­sel und wur­de im 19. Jahr­hun­dert vor al­lem dort wie­der be­lebt. Die ers­ten neu­zeit­li­chen Blu­men­spie­le fan­den 1859 in Bar­ce­lo­na statt. Jo­han­nes Fas­ten­rath im­por­tier­te sei­ne bei den Blu­men­spie­len 1890 dort ge­mach­ten Er­fah­run­gen nach Köln. Wäh­rend der Fei­er zum fünf­jäh­ri­gen Be­ste­hen der „Li­te­ra­ri­schen Ge­sell­schaf­t“ stif­te­te Jo­han­nes Fas­ten­rath 10.000 Mark zur Durch­füh­rung der Köl­ner Blu­men­spie­le, von de­ren Zin­sen der Dich­ter­wett­streit be­zahlt wer­den soll­te. Der Zweck soll­te die För­de­rung der li­te­ra­ri­schen und poe­ti­schen Tä­tig­keit im Rhein­land und West­fa­len sein. Zwi­schen 1899 und 1914 fan­den die Blu­men­spie­le im Köl­ner Gür­ze­nich statt und wur­den teils be­geis­tert, teils ab­leh­nend auf­ge­nom­men, doch wa­ren sie vie­len Zeit­ge­nos­sen ein Be­griff. Von Köln aus ver­brei­te­te sich die­se Tra­di­ti­on zum Bei­spiel nach Bue­nos Ai­res, Bal­ti­more, Brünn oder Preß­burg. Wich­tigs­tes Zeug­nis der Köl­ner Blu­men­spie­le wur­den die vom Ehe­paar Fas­ten­rath fi­nan­zier­ten Jahr­bü­cher der Blu­men­spie­le. Der Ers­te Welt­krieg brach­te den Köl­ner Blu­men­spie­len und ih­rer fi­nan­zi­el­len Grund­la­ge - das Ehe­paar Fas­ten­rath hat­te den Köl­ner Blu­men­spie­len nach dem Tod der Wit­we Loui­se Fas­ten­rath im Jahr 1912 100.000 Mark ver­macht - das En­de, da die Stadt Köln die ge­stif­te­ten Gel­der in Kriegs­an­lei­hen in­ves­tiert hat­te. Die In­fla­ti­on der Nach­kriegs­jah­re ver­nich­te­te das rest­li­che Ka­pi­tal.

Jo­han­nes Fas­ten­rath selbst starb be­reits am 16.3.1908 über­ra­schend nach drei­tä­gi­ger Krank­heit an ei­ner Lun­gen­ent­zün­dung. Nach­ru­fe er­schie­nen in al­len gro­ßen deut­schen und spa­ni­schen Zei­tun­gen. Sei­ne Frau er­reich­ten Hun­der­te Kon­do­lenz­schrei­ben von li­te­ra­ri­schen Per­sön­lich­kei­ten des In- und Aus­lan­des, und auch die Köl­ner ver­ab­schie­de­ten ih­ren Dich­ter mit ei­nem Meer aus Blu­men, Krän­zen und Trau­er­be­kun­dun­gen. An sei­ner Be­er­di­gung auf dem Me­la­ten­fried­hof in Köln nah­men der Köl­ner Ober­bür­ger­meis­ter Max Wall­raf (1859-1941, Ober­bür­ger­meis­ter 1907-1917) und Kon­sul Fran­cis­co de Asis Ca­bal­le­ro als Ver­tre­ter des spa­ni­schen Kö­nigs Al­fons XIII.(1886-1941, Re­gent­schaft 1902-1931) teil.

Dr. Johannes Fastenrath (1839-1908), im höheren Alter. (Scan aus Buch: Gabel, Gernot, Johannes Fastenrath (1839-1908), in: Kölner Sammler und ihre Bücherkollektionen in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, Köln 2003, S. 78-87, S. 78)

 

Jo­han­nes Fas­ten­rath be­dach­te sei­ne Nach­welt in sei­nem Tes­ta­ment mit gro­ßzü­gi­gen Ge­schen­ken, war doch die Ehe mit sei­ner ge­lieb­ten Frau Loui­se nicht mit Kin­dern ge­seg­net wor­den. So spen­de­te er 300.000 Mark für hilfs­be­dürf­ti­ge deut­sche Schrift­stel­ler, die Grund­la­ge der Fas­ten­rath-Stif­tung. Wei­te­re 50.000 Mark spen­de­te er für spa­ni­sche Schrift­stel­ler. Die Köl­ner Stadt­bi­blio­thek wur­de mit sei­ner um­fang­rei­chen Bi­blio­thek be­dacht, an­geb­lich 10.000 Bän­de, die vor al­lem im Be­reich der ro­ma­ni­schen Li­te­ra­tur ein gro­ßer Zu­ge­winn wa­ren. Die Bän­de wur­den nicht se­pa­rat auf­ge­stellt, so­dass die Jo­han­nes-Fas­ten­rath-Bi­blio­thek in der Köl­ner Stadt­bi­blio­thek nicht mehr voll­stän­dig zu re­kon­stru­ie­ren ist. Ei­ni­ge sei­ner Bü­cher er­kennt man aber noch an Fas­ten­raths auf­ge­druck­ten Ex­li­bris. Des Wei­te­ren wur­den die Blu­men­spie­le in Bar­ce­lo­na mit 10.000 Mark be­dacht.

Die Fas­ten­rath-Stif­tung un­ter­stütz­te in den Jah­ren zwi­schen 1908 und 1923 vie­le not­lei­den­de Schrift­stel­ler, un­ter ih­nen so Be­deu­ten­de wie Gus­tav Mey­rink (1868-1932), Frank We­de­kind (1864-1918), Ar­no Holz (1863-1929) oder El­se Las­ker-Schü­ler (1869-1945), be­vor die In­fla­ti­on auch die­ses Ver­mächt­nis Fas­ten­raths ver­nich­te­te. In Spa­ni­en wird je­doch noch heu­te der „Pre­mio Fas­ten­ra­th“ von der Re­al Aca­de­mia Es­paño­la an spa­ni­sche Dich­ter ver­lie­hen. In Bar­ce­lo­na wur­de auch ei­ne Stra­ße nach ihm be­nannt. Die­sen Plan ver­folg­ten ur­sprüng­lich auch die Köl­ner Stadt­vä­ter, doch ver­lie­fen die Plä­ne in den 1920er Jah­ren im Sand. Heu­te sind das li­te­ra­ri­sche Werk Jo­han­nes Fas­ten­raths und „sei­ne Blu­men­spie­le“ in Köln und Deutsch­land fast gänz­lich un­be­kannt und die Er­in­ne­rung an ihn in gro­ßen Tei­len er­lo­schen, ob­wohl er zu Leb­zei­ten al­les da­für ge­tan hat­te, ein Ver­mächt­nis zu hin­ter­las­sen.

Werke (Auswahl)

De rei­vin­di­ca­tio­ne uti­li, Dis­ser­ta­ti­on, Ber­lin 1862.

Re­zept ge­gen Schwie­ger­müt­ter. Lust­spiel in 1 Akt nach dem Spa­ni­schen des Don Ma­nu­el Juan Dia­na, Köln 1865, 2. Auf­la­ge Ber­lin 1872.

Ein spa­ni­scher Ro­man­zen­strauß, Leip­zig 1866.

Im­mor­tel­len aus To­le­do. Ro­man­zen und So­net­te, Leip­zig 1869.

Hes­pe­ri­sche Blü­ten. Lie­der, Sprü­che und Ro­man­zen, Leip­zig 1869.

Den deut­schen Hel­den von 1870. Kriegs- und Sie­ges­lie­der, 1.-5. Auf­la­ge Köln/Leip­zig 1870, 6. verm. Auf­la­ge Köln 1871.

Das Buch mei­ner spa­ni­schen Freun­de. So­net­te, Ro­man­zen und Mähr­chen, 2 Bän­de, Leip­zig 1870.

Cal­de­ron de la Bar­ca. Fest­ga­be zur Fei­er sei­nes zwei­hun­dert­jäh­ri­gen To­des­ta­ges (25. Mai 1881), Leip­zig 1881.

Von Hoch­zeit zu Hoch­zeit. Lie­der aus son­ni­gen Ta­gen, Wien 1883.

Pe­pi­ta Ji­mé­nez. An­da­lu­si­scher Ro­man nach dem Spa­ni­schen des D. Juan Va­le­ra, Leip­zig 1882.

Gra­na­di­ni­sche Ele­gi­en, Leip­zig 1885.

Fi­gu­res de l'Al­le­ma­gne con­tem­porai­ne, 2 Auf­la­gen, Pa­ris 1887.

Die Zwölf Al­fon­sos von Cas­ti­li­en. His­to­ri­scher Ro­man­zen­cy­klus, Köln 1887.

Chris­toph Co­lum­bus. Stu­di­en zur spa­ni­schen vier­ten Cen­ten­ar­fei­er der Ent­de­ckung Ame­ri­kas, 2 Bän­de, Dres­den/Leip­zig 1895.

Za­ra­go­za­ner Dialect-Schnur­ren. Theil­wei­se in köl­ni­scher Mund­art wie­der­ge­ge­ben, Köln 1901.

Yo­rick. Dra­ma nach dem Spa­ni­schen des D. Ma­nu­el Ta­ma­yo, 1902.

Aus spa­ni­schen Lan­den. Dich­tun­gen aus Me­xi­co und Uru­gu­ay. Nach­ge­las­se­ne Über­set­zun­gen aus dem Spa­ni­schen (hg. v. Loui­se Fas­ten­rath), Ber­lin 1911.

La Wal­hal­la y las glo­ri­as de Ale­ma­nia, 6 Bän­de Ma­drid 1872-76 / 15 Bän­de, hg. v. Loui­se Fas­ten­rath, Ma­drid 1912.

Jahr­bü­cher der Köl­ner Blu­men­spie­le, 16 Bän­de, Köln 1899-1914 [nur die ers­ten 10 Bän­de un­ter Mit­wir­kung von Jo­han­nes Fas­ten­rath].

Literatur (Auswahl)

Cer­vel­ló-Mar­g­alef, Juan An­to­nio, Ro­man­ti­sche Sehn­sucht nach Spa­ni­en: Der Köl­ner Jo­han­nes Fas­ten­rath (1839-1908), in: Schmidt, Sieg­fried (Hg.), Rhei­nisch-Köl­nisch-Ka­tho­lisch. Bei­trä­ge zur Kir­chen- und Lan­des­ge­schich­te so­wie zur Ge­schich­te des Buch- und Bi­blio­theks­we­sens der Rhein­lan­de. Fest­schrift für Heinz Fin­ger zum 60. Ge­burts­tag, Köln 2008, S. 613-638.

Ga­bel, Ger­not, Jo­han­nes Fas­ten­rath (1839-1908), in: Köl­ner Samm­ler und ih­re Bü­cher­kol­lek­tio­nen in der Uni­ver­si­täts- und Stadt­bi­blio­thek Köln, Köln 2003, S. 78-87.

Kie­nitz, Wer­ner, Der Nach­laß Fas­ten­rath im Köl­ner Stadt­ar­chiv, in: Aus köl­ni­scher und rhei­ni­scher Ge­schich­te. Fest­ga­be Ar­nold Gütt­sches zum 65. Ge­burts­tag ge­wid­met, Köln 1969, S. 295-334.

Le­jeu­ne, Fritz, Die deutsch-spa­ni­schen Freund­schafts­be­stre­bun­gen von Jo­han­nes Fas­ten­rath, Greifs­wald 1917.

Schmö­kel, Hil­de­gard, Jo­han­nes Fas­ten­rath, ein Freund Spa­ni­ens aus Köln. 1839-1908, in: Jahr­buch des Köl­ni­schen Ge­schichts­ver­eins 42 (1968), S. 189-198.

Schwa­bach-Al­brecht, Su­san­ne, Die Deut­sche Schil­ler­stif­tung 1909-1945, in: Ar­chiv für Ge­schich­te des Buch­we­sens 55 (2001), S. 1-149.

Vo­nes-Lie­ben­stein, Ur­su­la, Jo­han­nes Fas­ten­rath (1839-1908), in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der, Band 12, Köln 1991, S. 157-178.

We­ge­ner, Ger­trud, Fas­ten­rath, Jo­han­nes Dr., in: Soé­ni­us, Ul­rich S./Wil­helm, Jür­gen (Hg.), Köl­ner Per­so­nen Le­xi­kon, Köln 2008, S. 150-151.

Online

Bein­hau­er, Wer­ner, Fas­ten­rath, Jo­han­nes, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 5 (1961), S. 28f. [On­line­fas­sung]

Exlibris des Johannes Fastenrath, noch heute in der Johannes-Fastenrath-Bibliothek der Kölner Stadtbibliothek zu finden.

 
Anmerkungen
  • 1: Gabel, S. 81.
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Fastenrath, Yorick, Johannes Fastenrath, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johannes-fastenrath/DE-2086/lido/5ad4a7d2bd0da9.13055368 (15.08.2018)