Johannes Gropper

Katholischer Theologe der Reformationszeit (1503-1559)

Stephan Laux (Düsseldorf)

Johannes Gropper, Ölgemälde, kölnisch, um 1559. (Kölner Gymnasial- und Stiftungsfond)

Der ka­tho­li­sche Theo­lo­ge Jo­han­nes Grop­per war ma­ß­geb­lich in die Aus­ein­an­der­set­zun­gen um den evan­ge­lisch ge­wor­de­nen Köl­ner Erz­bi­schof Her­man­n von Wied ver­wi­ckelt. Als theo­lo­gi­scher, pu­bli­zis­ti­scher und kir­chen­po­li­ti­scher Vor­rei­ter der ka­tho­li­schen Ge­gen­sei­te trug er ma­ß­geb­lich zur Bei­be­hal­tung de­s­ ­ka­tho­li­schen Glau­bens im Erz­stif­t Köln bei. 

Grop­per wur­de am 24.2.1503 in Soest ge­bo­ren. Sein Va­ter hat­te trotz sei­ner be­schei­de­nen Her­kunft in die Soes­ter Ober­schicht ein­ge­hei­ra­tet. Er konn­te da­her sei­nen Söh­nen die Mög­lich­keit er­öff­nen, sich in der Köl­ner Bis­tums­ver­wal­tung zu eta­blie­ren. Jo­han­nes stu­dier­te als äl­tes­ter Sohn ab Ju­ni 1516 an der Köl­ner Ar­tis­ten­fa­kul­tät (ei­ne Art Vor­stu­di­um) und schloss dort 1525 mit dem Dok­tor der Rechts­wis­sen­schaft ab, was im 16. Jahr­hun­dert auch auf­grund der da­mit ver­bun­de­nen Kos­ten ei­ne au­ßer­or­dent­lich ho­he Qua­li­fi­ka­ti­on be­deu­te­te. In den fol­gen­den Jah­ren er­warb er di­ver­se kirch­li­che Äm­ter, vor al­lem von 1526 bis 1537 das des Sie­gel­be­wah­rers, dem die Auf­sicht über das Ge­richts­we­sen und die Aus­ar­bei­tung kirch­li­cher Ver­fü­gun­gen zu­fiel. Die Ver­ei­ni­gung meh­re­rer lu­kra­ti­ver Pos­ten in sei­ner Hand, die nicht im­mer mit nen­nens­wer­ten Auf­ga­ben ver­bun­den wa­ren, wur­de ver­mut­lich auch von in­for­mier­ten Zeit­ge­nos­sen als pro­ble­ma­tisch emp­fun­den. Die Pries­ter­wei­he muss Grop­per zwar zu ei­nem nicht ge­nau zu be­stim­men­den Zeit­punkt er­hal­ten ha­ben. Doch die Äm­ter­häu­fung wi­der­sprach sei­nen ei­ge­nen Grund­sät­zen, die er je spä­ter des­to ve­he­men­ter ver­trat.

An der Sei­te Her­manns von Wied er­lang­te Grop­per rasch die Po­si­ti­on des per­sön­li­chen Be­glei­ters und Be­ra­ters. Seit sei­nem Stu­di­um dem Hu­ma­nis­mus zu­nei­gend, trat Grop­per füh­rend bei der von Her­mann seit Mit­te der 1530er Jah­ren be­trie­be­nen ka­tho­li­schen Re­form des Erz­bis­tums her­vor. 1538 ver­fass­te er ein für den pries­ter­li­chen Dienst vor­ge­se­he­nes „Hand­buch" (grie­chisch „En­chi­ridi­on"), in dem er sich un­ter an­de­rem mit den Kern­aus­sa­gen Mar­tin Lu­thers (1483-1546) be­fass­te. Grop­per be­grün­de­te da­mit sei­nen Ruf, ein Kon­tro­vers­theo­lo­ge zu sein, wor­un­ter nicht ei­ne kon­fes­sio­nel­le Po­le­mik zu ver­ste­hen ist, son­dern im Ge­gen­teil ei­ne ver­tief­te Aus­ein­an­der­set­zung mit in­ner­christ­li­chen Ge­gen­sät­zen. Zwi­schen 1539 und 1541 war Grop­per an so ge­nann­ten „Ver­gleichs­ge­sprä­chen" mit eben­falls ge­mä­ßig­ten Theo­lo­gen von pro­tes­tan­ti­scher Sei­te be­tei­ligt. Da­bei bil­de­te sich ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis zum Straß­bur­ger Re­for­ma­tor Mar­tin Bu­cer her­aus, was zeit­wei­lig die ver­geb­li­che Hoff­nung Kai­ser Karls V. (Re­gie­rungs­zeit 1519-1556) nähr­te, die Pro­tes­tan­ten wür­den aus frei­en Stü­cken zum ka­tho­li­schen Glau­ben zu­rück­fin­den.

Die­se re­la­ti­ve Nä­he Grop­pers zur kon­fes­sio­nel­len Ge­gen­sei­te schlug 1543 in schar­fe re­li­giö­se und per­sön­li­che Ab­leh­nung um, als Erz­bi­schof Her­mann V. von Wied mit Hil­fe Bu­cers und Phil­ipp Me­lan­chthons (1497-1560) die Re­for­ma­ti­on im Erz­stift Köln ein­zu­füh­ren be­gann. Ob­wohl die­se Un­ter­neh­mung der Ver­such ei­nes kon­fes­sio­nel­len Mit­tel­wegs war, zeig­te sich Grop­per un­nach­gie­big und be­kämpf­te die evan­ge­li­sche Frak­ti­on. Be­mer­kens­wert ist aus heu­ti­ger Sicht ins­be­son­de­re die sich an­schlie­ßen­de pu­bli­zis­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung, in der Grop­per auf ka­tho­li­scher Sei­te die Fe­der führ­te. Durch sei­nen Köl­ner Dru­cker Jas­par von Gen­nep ließ er zahl­rei­che Schrif­ten ge­gen Her­mann von Wied und sei­ne An­hän­ger pu­bli­zie­ren.

Nach der Ab­set­zung Her­manns von Wied be­müh­te sich Grop­per um die Re­ka­tho­li­sie­rung des Erz­stifts, wo der Re­for­ma­ti­ons­ver­such merk­li­che evan­ge­li­sche Im­pul­se frei­ge­setzt hat­te. 1551 be­glei­te­te Grop­per den neu­en Erz­bi­schof Adolf von Schau­en­burg auf der zwei­ten Ta­gungs­pe­ri­ode (1551/ 1552) des Kon­zils von Tri­ent (1545-1563). En­de 1555 er­hob Papst Paul IV. (Pon­ti­fi­kat 1555-1559) Grop­per zum Kar­di­nal, weil er sich von ihm ei­ne Vor­an­trei­bung der Kir­chen­re­form ver­sprach. Grop­per aber nahm die Er­nen­nung nicht an, of­fi­zi­ell mit dem Ar­gu­ment, er sei zu ge­rin­gen Stan­des und wol­le sich für sein hei­mi­sches Bis­tum ein­set­zen. Kurz vor sei­nem Tod äu­ßer­te er ge­gen­über dem Papst schar­fe Kri­tik an den Aus­wüch­sen der deut­schen Reichs­kir­che und ver­lang­te Re­for­men, oh­ne da­bei je­doch Kom­pro­mis­se mit den Pro­tes­tan­ten zu­las­sen zu wol­len. Kurz dar­auf wur­de er von ei­ner ein­fluss­rei­chen Grup­pie­rung am Papst­hof der Hä­re­sie (Irr­glau­ben) be­zich­tigt, konn­te die­sen Vor­wurf ge­gen­über Paul IV. im Ja­nu­ar 1559 aber ent­kräf­ten. 

Noch am Ta­ge der Wahl Geb­hards von Mans­feld (Epis­ko­pat 1558-1562) zum neu­en Erz­bi­schof von Köln durch das Köl­ner Dom­ka­pi­tel war Grop­per nach Rom ge­reist, um den Papst da­von zu über­zeu­gen, die Be­stä­ti­gung der Bi­schofs­wahl zu ver­wei­gern. Grop­per heg­te mo­ra­li­sche Vor­be­hal­te ge­gen­über Mans­feld, die sich als nicht un­be­rech­tigt er­wei­sen soll­ten, doch konn­te er des­sen Re­gie­rungs­an­tritt nicht ver­hin­dern. Auf der Rei­se war Grop­per schwer er­krankt. Er starb am 13.3.1559 in Rom. In sei­ner Bei­set­zung spie­gel­te sich das das au­ßer­or­dent­lich ho­he An­se­hen Grop­pers zu sei­ner Zeit: Die per­sön­li­che To­ten­re­de hielt der am­tie­ren­de Papst, was sehr un­ge­wöhn­lich war. Be­stat­tet wur­de Grop­pers Leich­nam zu Fü­ßen Papsts Ha­dri­ans VI. (Pon­ti­fi­kat 1522-1523) in der Kir­che San­ta Ma­ria dell’ Ani­ma, der deut­schen Na­tio­nal­kir­che in Rom. Die Kar­di­nals­müt­ze schmück­te sein Epi­taph. 

Literatur

Bautz, Fried­rich Wil­helm, Ar­ti­kel „Grop­per, Jo­hann", in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon 2 (1990), Sp. 355-357. 

Brau­nisch, Rein­hard (Hg.), Jo­han­nes Grop­per, Brief­wech­sel, Band 1: 1529-1547; Band 2: 1547-1559, Müns­ter i. W. 1977/ 2006.

Der Köl­ner Seel­sor­ger und Theo­lo­ge Kar­di­nal Jo­han­nes Grop­per. Ei­ne Aus­stel­lung der Diö­ze­san- und Dom­bi­blio­thek Köln zum 500. Ge­burts­tag Grop­pers (25. Fe­bru­ar bis 30. April 2003) [Ka­ta­log-Band], Köln 2003

Lip­gens, Wal­ter, Jo­han­nes Grop­per. De­si­gnier­ter Kar­di­nal (1503-1559), in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der 2 (1966), S. 75-91.

Schlü­ter, Theo­dor C., Flug- und Streit­schrif­ten zur Köl­ner Re­for­ma­ti­on. Die Pu­bli­zis­tik um den Re­for­ma­ti­ons­ver­such des Köl­ner Erz­bi­schofs und Kur­fürs­ten Her­mann von Wied (1515-1547), Wies­ba­den 2005.

Online

Lip­gens, Wal­ter, Ar­ti­kel "Grop­per, Jo­han­nes", in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 7 (1966), S. 133-136. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Laux, Stephan, Johannes Gropper, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johannes-gropper/DE-2086/lido/57c6d7d55f53a2.25537246 (15.07.2018)