Marcus Ulpius Traianus

Römischer Kaiser (53-117)

Lars Wirtler (Köln)

Büste des Trajan mit Bürgerkrone, Schwertband und Ägis mit Medusenhaupt und Schlangen. (Glyptothek München)

Mar­cus Ul­pi­us Traia­n­us, kurz Tra­jan, war ei­ne der her­aus­ra­gen­den Herr­scher­per­sön­lich­kei­ten der rö­mi­schen Ge­schich­te. Wäh­rend sei­nes Prin­zi­pats er­reich­te das Im­pe­ri­um Ro­ma­num sei­ne grö­ß­te ter­ri­to­ria­le Aus­deh­nung. In sei­ner Re­gie­rungs­zeit wur­de das rö­mi­sche Xan­ten, die Co­lo­nia Ul­pia Traia­na (CUT), zur Stadt er­ho­ben und trägt da­her sei­nen Na­men.

Büste des Trajan mit Bürgerkrone, Schwertband und Ägis mit Medusenhaupt und Schlangen. (Glyptothek München)

 

Tra­jan wur­de im Jah­re 53 in Ita­li­ca, ei­ner wohl im 8. Jahr­hun­dert auf­ge­ge­be­nen rö­mi­schen Sied­lung un­weit der heu­ti­gen spa­ni­schen Stadt Se­vil­la ge­bo­ren. Auch wenn er in man­chen Pu­bli­ka­tio­nen als „Spa­nier“ be­zeich­net wird, war sei­ne Fa­mi­lie doch zwei­fel­los ita­li­schen Ur­sprungs. Auf­ge­wach­sen dürf­te er wohl in Rom sein, da sein gleich­na­mi­ger Va­ter dort den ob­li­ga­to­ri­schen cur­sus ho­no­rum, die hö­he­re po­li­ti­sche Äm­ter­lauf­bahn ab­sol­vier­te und im Jah­re 70 un­ter Kai­ser Ves­pa­si­an (Re­gie­rungs­zeit 69-79) das Kon­su­lat er­reich­te. Spä­ter am­tier­te Tra­jans Va­ter als Statt­hal­ter in Sy­ri­en. So­mit war auch für den Sohn ei­ne po­li­tisch-mi­li­tä­ri­sche Lauf­bahn vor­ge­zeich­net. Die­se schlug er un­ter Ves­pa­si­ans zwei­tem Nach­fol­ger Do­mi­ti­an (Re­gie­rungs­zeit 81-96) ein und er­lang­te im Jah­re 91 das Amt des Kon­suls. Dies er­folg­te un­ter schwie­ri­gen po­li­ti­schen Um­stän­den, da sich die zu­nächst durch­aus po­si­tiv be­gon­ne­ne Herr­schaft des Do­mi­ti­an zu­neh­mend zu ei­ner Des­po­tie ent­wi­ckel­te. Die spä­te­re his­to­ri­sche Re­zep­ti­on so­wohl in der An­ti­ke als auch in der Neu­zeit hat Tra­jan, nicht zu Un­recht, als po­si­ti­ves Ge­gen­bild zu die­sem Kai­ser ge­wür­digt, aber man kommt nicht um­hin, Tra­jan als ei­ne der Stüt­zen des Re­gimes Do­mi­ti­ans an­zu­se­hen.

Münze mit dem Porträt Trajans, Foto: Marie-Lan Nguyen. (Musée des Beaux-Arts de Lyon)

 

Wäh­rend der nur zwei­jäh­ri­gen Re­gie­rungs­zeit des Kai­sers Ner­va (96-98) wur­de Tra­jan von die­sem Kai­ser ad­op­tiert und zum Nach­fol­ger be­stimmt. Der Grund hier­für dürf­te, ne­ben der Kin­der­lo­sig­keit des Kai­sers, die mi­li­tä­ri­sche Macht­stel­lung Tra­jans ge­we­sen sein, der sich zu die­sem Zeit­punkt be­reits als Feld­herr aus­ge­zeich­net hat­te und so­mit ei­ne Art Rü­cken­de­ckung für den mi­li­tär­fer­nen Kai­ser Ner­va dar­stel­len konn­te. Da­mit wur­de die Ära des so­ge­nann­ten Ad­op­tiv­kai­ser­tums ein­ge­lei­tet, die bis zum To­de Marc Au­rels im Jah­re 180 währ­te und da­durch cha­rak­te­ri­siert ist, dass nicht ein leib­li­cher Er­be, son­dern ein durch sei­ne Fä­hig­keit aus­er­wähl­ter Mann die Nach­fol­ge an­trat. Die­ser Zeit­raum ist ins­ge­samt ei­ner der glück­lichs­ten und fried­lichs­ten der rö­mi­schen Ge­schich­te ge­we­sen.

Tra­jan, der noch wäh­rend der Herr­schaft Ner­vas als Statt­hal­ter der Pro­vinz Ger­ma­nia su­pe­ri­or am­tier­te, er­hielt 98 wäh­rend ei­nes Auf­ent­halts in Köln, der Über­lie­fe­rung nach durch sei­nen spä­te­ren Nach­fol­ger Ha­dri­an (Re­gie­rungs­zeit 117-138), die Nach­richt vom To­de Ner­vas, dem er um­stands­los im Amt nach­fol­gen konn­te.

Büste des Trajan. (Rheinisches Bildarchiv Köln)

 

Tra­jans bis 117 wäh­ren­de Herr­schaft ist ne­ben ei­ner be­son­de­ren För­de­rung Ita­li­ens durch weit rei­chen­de mi­li­tä­ri­sche Ak­ti­vi­tä­ten ge­kenn­zeich­net, zu de­nen die Un­ter­wer­fung und an­schlie­ßen­de Ro­ma­ni­sie­rung Da­ki­ens, des heu­ti­gen Ru­mä­ni­en, so­wie im so­ge­nann­ten Par­ther­krieg die Er­obe­rung wei­ter Ter­ri­to­ri­en im Os­ten über Eu­phrat und Ti­gris hin­aus ge­hö­ren. Die­se Er­obe­run­gen und die da­mit ver­bun­de­nen Feld­zü­ge über­spann­ten je­doch auf die Dau­er die Mög­lich­kei­ten des Reichs, so dass Tra­jans Nach­fol­ger Ha­dri­an mit Aus­nah­me von Da­ki­en al­le Er­wer­bun­gen sei­nes Vor­gän­gers wie­der auf­gab. Noch wäh­rend des Par­ther­kriegs im Au­gust 117 ver­starb Tra­jan in Se­li­nus in Ki­li­ki­en.

Trajanssäule auf dem Trajansforum in Rom.

 

In­nen­po­li­tisch  war Tra­jans Prin­zi­pat durch Mä­ßi­gung und staats­po­li­ti­schen Prag­ma­tis­mus ge­kenn­zeich­net. An­ders als vie­le Vor­gän­ger be­müh­te er sich um ein gu­tes Ver­hält­nis zum Se­nat, was ihm mit dem Eh­ren­ti­tel op­ti­mus prin­ceps ge­dankt wur­de. Ein in­ter­es­san­tes und in sei­ner Form ein­ma­li­ges Do­ku­ment ist der Brief­wech­sel des Schrift­stel­lers Pli­ni­us des Jün­ge­ren (um 61/62-um 113/115), der wohl in den Jah­ren 110-112 als Statt­hal­ter der Pro­vinz Pon­tus et Bithy­nia fun­gier­te, mit Tra­jan. Die Ant­wor­ten des Kai­sers an sei­nen selbst in vie­len De­tail­fra­gen Rat su­chen­den Statt­hal­ter zeich­nen sich durch Sach­lich­keit und ein ho­hes Maß von Recht­lich­keit aus.

Schlachtenszene des Ersten Dakischen Krieges, Relief der Trajanssäule.

 

Auch im Rhein­land hat das Wir­ken Tra­jans Spu­ren hin­ter­las­sen: Ne­ben sei­ner schon er­wähn­ten Tä­tig­keit als Statt­hal­ter der Ger­ma­nia su­pe­ri­or wur­de un­ter sei­ner Herr­schaft der Li­mes wei­ter aus­ge­baut und das heu­ti­ge Xan­ten um 100 als Co­lo­nia Ul­pia Traia­na in den Rang ei­ner Stadt er­ho­ben. Die­se Ko­lo­nie war dann nach der Pro­vinz­haupt­stadt, der Co­lo­nia Clau­dia Ara Agrip­pi­nen­si­um, dem heu­ti­gen Köln, das zweit­grö­ß­te ur­ba­ne Zen­trum der Pro­vinz Ger­ma­nia in­fe­ri­or be­zie­hungs­wei­se Nie­der­ger­ma­ni­ens.

Quellen

Kas­ten, Hel­mut (Hg.), C. Pli­ni Cae­ci­lii Se­cun­di Epis­tu­lar­um Li­bri De­cem/ Gai­us Pli­ni­us Se­cun­dus Brie­fe, lat.-dt. Mün­chen 1976.

Literatur

Christ, Karl, Ge­schich­te der rö­mi­schen Kai­ser­zeit. Von Au­gus­tus bis Kon­stan­tin. Mün­chen 1992.

Eck, Wer­ner, Tra­jan 98-117, in: Clauss, Man­fred (Hg.), Die rö­mi­schen Kai­ser. Mün­chen 2010, S. 110-124.

Mül­ler, Mar­tin/Schal­les, Hans Joa­chim Schal­les/Zie­ling, Nor­bert (Hg.), Co­lo­nia Ul­pia Traia­na. Xan­ten und sein Um­land in rö­mi­scher Zeit, Mainz 2008.

Nün­ne­rich-As­mus, An­net­te (Hg.), Trai­an. Ein Kai­ser der Su­per­la­ti­ve am Be­ginn ei­ner Um­bruch­zeit? Mainz 2002.

Wol­ters, Rein­hard, Die Rö­mer in Ger­ma­ni­en, Mün­chen 2004. 

Das Römische Reich zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung unter Trajan.

 
Zitationshinweis

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Wirtler, Lars, Marcus Ulpius Traianus, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/marcus-ulpius-traianus/DE-2086/lido/57c9401d5c9ec0.94168988 (21.07.2018)