Philipp Christoph von Sötern

Erzbischof und Kurfürst von Trier (1623-1652)

Wolfgang Schmid (Winningen)

Philipp Christoph von Sötern, Erzbischof von Trier und Fürstbischof von Speyer, Porträt, Kupferstich von Wolf Kilian (1581-1662), vor 1662. (Stadtbibliothek/ Stadtarchiv Trier)

Die Amts­zeit des Trie­rer Erz­bi­schofs und Kur­fürs­ten Phil­ipp Chris­toph von Sö­tern war be­stimmt durch den Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg, in dem er an der Sei­te Frank­reichs in Op­po­si­ti­on zu Kai­ser Fer­di­nand II. (Re­gie­rungs­zeit 1619-1637) ge­riet. Des Wei­te­ren brach­te er mit sei­ner ne­po­tis­ti­schen Äm­ter­po­li­tik Dom­ka­pi­tel wie Un­ter­ta­nen ge­gen sich auf.

Phil­ipp Chris­toph wur­de am 11.12.1567 als Sohn des lu­the­ri­schen kur­pfäl­zi­schen Rats und spä­te­ren Ober­amt­manns von Kreuz­nach, Ge­org Wil­helm von Sö­tern (ge­stor­ben 1593), und sei­ner ka­tho­li­schen Gat­tin Bar­ba­ra von Pütt­lin­gen (ge­stor­ben 1607) in Zwei­brü­cken ge­bo­ren. Durch die Pro­tek­ti­on sei­nes gleich­na­mi­gen On­kels und Tauf­pa­ten Phil­ipp Chris­toph von Sö­tern des Äl­te­ren (ge­stor­ben 1595), wel­cher Dom­kus­tos von Worms, Ar­ch­idia­kon an St. Mau­ri­ti­us in Tho­ley so­wie Propst und letz­ter De­kan (Amts­zeit 1572-1595) des Stifts Sins­heim war, er­hielt er sei­ne Aus­bil­dung am Je­sui­ten­kol­leg Trier und ab 1585 an der Uni­ver­si­tät Pont-à-Mous­son, wo er zum Dok­tor bei­der Rech­te pro­mo­viert wur­de. An­schlie­ßend be­gab er sich auf ei­ne Ka­va­liers­rei­se durch Frank­reich und Ita­li­en, wo er sich in Bo­lo­gna, Pa­dua und Sie­na im­ma­tri­ku­lier­te.

1584 wur­de er Dom­herr zu Trier, 1600 Ar­ch­idia­kon an St. Pe­ter, 1604 Dom­propst, gleich­zei­tig 1594 Dom­herr in Mainz und 1605 Dom­scho­las­ter. In Spey­er er­hielt er 1594 ein Dom­ka­no­ni­kat und wur­de hier eben­falls Dom­scho­las­ter, 1605 Dom­kus­tos in Worms, wei­ter­hin Propst des Stif­tes St. Pe­ter und Paul in Bruch­sal und Stifts­herr von St. Al­ban und St. Vik­tor in Mainz. 1602 ver­lieh ihm der Trie­rer Erz­bi­schof Lo­thar von Met­ter­nich die Props­tei von St. Ge­org in Lim­burg, die ihm je­doch der von Papst Cle­mens VIII. (Pon­ti­fi­kat 1592-1605) zum Propst pro­vi­dier­te Trie­rer Dom­herr Jo­hann Wil­helm Haus­mann von Name­dy (1579-1651) er­folg­reich strei­tig mach­te. 1609 wur­de Sö­tern Ko­ad­ju­tor des Speye­rer Bi­schofs Eber­hard von Di­en­heim (Epis­ko­pat 1581-1610) mit dem Recht der Nach­fol­ge. Sein Ge­gen­kan­di­dat war Adolf von Met­ter­nich. 1610 trat Phil­ipp Chris­toph Eber­hards Nach­fol­ge an und wur­de zu­dem Propst von Wei­ßen­burg. Zum Erz­bi­schof von Trier wur­de er schlie­ß­lich am 25.9.1623 ge­wählt. Die Be­stä­ti­gung der Wahl durch Papst Ur­ban VIII. (Pon­ti­fi­kat 1623-1644) er­folg­te am 25.11.1623.

Zwi­schen 1594 und 1610 war der hoch­in­tel­li­gen­te, aber cho­le­ri­sche Geist­li­che viel­fach mit di­plo­ma­ti­schen Mis­sio­nen be­traut: So war er 1608 an der Grün­dung der ka­tho­li­schen Li­ga be­tei­ligt und wur­de 1611 kai­ser­li­cher Rat un­ter Ru­dolf II. (Re­gie­rungs­zeit 1576-1612) und Rich­ter am Reichs­kam­mer­ge­richt. Sei­ne geist­li­che Amts­füh­rung war ge­prägt von ge­gen­re­for­ma­to­ri­schen Re­for­men, die er durch ei­ne stren­ge Ge­setz­ge­bung um­zu­set­zen wuss­te, und von sei­ner För­de­rung der Je­sui­ten und Ka­pu­zi­ner.

Zu­nächst war Phil­ipp Chris­toph von Sö­tern lan­des­po­li­tisch im Hoch­stift Spey­er tä­tig. Er dräng­te kur­pfäl­zi­sche An­sprü­che zu­rück, konn­te die Vog­tei­en Oden­heim und Waib­stadt für Spey­er zu­rück er­wer­ben, die ka­tho­li­schen Rech­te in Weil ver­tei­di­gen, in Uden­heim ein Hos­pi­tal für Al­te und Kran­ke er­öff­nen, die Ver­schul­dung ver­rin­gern so­wie die bi­schöf­li­che Pfalz in Spey­er neu er­rich­ten und sei­ne Re­si­denz in Uden­heim zur 1623 fer­tig ge­stell­ten Fes­tung Phil­ipps­burg aus­bau­en. In Kur­trier ge­lang es ihm, die Herr­schaf­ten Lim­burg und Blies­kas­tel zu­rück zu er­wer­ben. Er ver­lang­te von sei­nen Un­ter­ta­nen zur Ver­stär­kung der Lan­des­ver­tei­di­gung und zum Aus­bau der Trie­rer Re­si­denz 100.000 Gul­den. Par­al­lel da­zu er­folg­te der nicht min­der kos­ten­in­ten­si­ve Aus­bau der 1629 voll­ende­ten präch­ti­gen Re­si­denz Phil­ipps­burg in Eh­ren­breit­stein.

Auf­grund von Geld­for­de­run­gen an die Ab­tei St. Ma­xi­min, zu de­ren Guns­ten der Kai­ser in­ter­ve­nier­te, gab es Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit dem Reichs­ober­haupt. 1623 wur­de Phil­ipp Chris­toph Kom­men­da­tar­abt von St. Ma­xi­min in Trier. Da Papst Ur­ban VIII. ihn je­doch ge­gen den Wil­len der Mön­che, de­ren Wahl auf Agri­ti­us von Re­ckin­gen (1579-1654/1655) ge­fal­len war, pro­vi­dier­te, ver­wei­ger­ten die­se ihm 1625 die An­er­ken­nung. Die Mön­che hät­ten da­für ih­ren im­mer noch er­ho­be­nen An­spruch auf Reichs­un­mit­tel­bar­keit auf­ge­ben und dem Kur­fürs­ten zwei Drit­tel ih­rer Ein­künf­te über­wei­sen müs­sen. Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen wur­den vor dem Reichs­kam­mer­ge­richt wei­ter­ge­führt.

In den Jah­ren 1625/1627 kam es zur of­fe­nen Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Sö­tern und den Trie­rer Land­stän­den, die den Reichs­hof­rat ge­gen den Kur­fürs­ten an­rie­fen. Zu­sätz­lich be­gann 1627 ein lang­wie­ri­ger Kon­flikt mit dem Dom­ka­pi­tel auf­grund ei­ner Erb­schaft der Fa­mi­lie Met­ter­nich und ein wei­te­rer mit den Land­stän­den we­gen der Steu­er­er­he­bun­gen. Die Ver­tre­ter der ein­fluss­rei­chen Adels­fa­mi­li­en im Dom­ka­pi­tel (Met­ter­nich, von der Ley­en, Kratz von Scharf­fen­stein) schlos­sen sich mit den Land­stän­den ge­gen den Erz­bi­schof zu­sam­men. Als die­ser sei­nen Nef­fen Jo­hann Rein­hard von Sö­tern (1595-1650) zum Statt­hal­ter in Trier er­nann­te und 1629 Trup­pen der ka­tho­li­schen Li­ga ge­gen Trier her­an­führ­te, be­sann sich die Stadt auf ih­re Lu­xem­bur­gi­sche Schirm­vog­tei: 1630 wur­de ein spa­ni­sches Trup­pen­kon­tin­gent nach Trier ver­legt. Der Ko­ali­ti­on von Dom­ka­pi­tel, Land­stän­den und Stadt ge­lang es, den Kur­fürs­ten in­ner­halb sei­nes Ter­ri­to­ri­ums prak­tisch hand­lungs­un­fä­hig zu ma­chen und sei­ne ab­so­lu­tis­ti­schen Be­stre­bun­gen zu durch­kreu­zen. Da der Kur­fürst in die­sen Aus­ein­an­der­set­zun­gen kei­nen Rück­halt am Kai­ser­hof fand, ver­bün­de­te er sich im Ver­trag von 1632 mit Frank­reich, das den Schutz des Kur­staa­tes über­nahm und da­für ein vor­läu­fi­ges Be­sat­zungs­recht in Eh­ren­breit­stein und Phil­ipps­burg er­hielt. Der in­ner­staat­li­che Kon­flikt in Kur­trier er­hielt da­mit ei­ne eu­ro­päi­sche Di­men­si­on. Es folg­te 1632 ein Neu­tra­li­täts­ver­trag mit Schwe­den.

Der Kur­fürst gab im Kon­flikt mit der aus Land­stän­den und Dom­ka­pi­tel be­ste­hen­den Op­po­si­ti­on nicht klein bei: Er ver­an­lass­te 1629/1631 ei­ne Vi­si­ta­ti­on des Dom­ka­pi­tels, an der die Brü­der Met­ter­nich al­ler­dings nicht teil­nah­men und dar­auf­hin sus­pen­diert und schlie­ß­lich ex­kom­mu­ni­ziert wur­den. Und er ver­bün­de­te sich mit dem fran­zö­si­schen Kö­nig Lud­wig XIII. (Re­gie­rungs­zeit 1610-1643), der Trup­pen nach Trier sand­te. Das Dom­ka­pi­tel floh dar­auf­hin nach Lu­xem­burg. Der Erz­bi­schof for­der­te die Dom­her­ren un­ter Straf­an­dro­hung auf, nach Trier zu­rück­zu­keh­ren und ih­rer Re­si­denz­pflicht zu ge­nü­gen. Die Op­po­si­ti­ons­grup­pe im Ka­pi­tel folg­te dem nicht und wur­de mit dem Ver­lust al­ler geist­li­chen und welt­li­chen Äm­ter so­wie der Ein­zie­hung ih­res Ver­mö­gens be­straft.

Phil­ipp Chris­toph von Sö­tern er­ließ ei­ne neue Ka­pi­tels­ord­nung für den Dom und be­rief Par­tei­gän­ger, die zum Teil so­gar aus dem Bür­ger­tum stamm­ten. Der po­li­ti­sche Hand­lungs­spiel­raum des Kur­fürs­ten und die Si­tua­ti­on der Be­völ­ke­rung un­ter­schie­den sich un­ter der fran­zö­si­schen Be­sat­zung nicht we­sent­lich von der wäh­rend der spa­ni­schen Trup­pen­sta­tio­nie­rung. Der fran­zö­si­sche Kar­di­nal Ri­che­lieu (1585-1642), Be­ra­ter und Mi­nis­ter Lud­wigs XIII., soll­te an­stel­le von Jo­hann Wil­helm Haus­mann von Name­dy Dom­propst wer­den, um die In­ter­es­sen des be­reits be­tag­ten Erz­bi­schofs auch in der Reichs­po­li­tik zu wah­ren. Da dies den Ein­fluss Frank­reichs im Reich er­heb­lich ge­stärkt hät­te, ver­schärf­te das Vor­ha­ben des Kur­fürs­ten die Span­nun­gen mit den Habs­bur­gern.

1635 ge­lang es spa­ni­schen Trup­pen, die fran­zö­si­schen Be­sat­zung zu über­wäl­ti­gen. Obrist im spa­ni­schen Dienst war der Dom­herr Karl von Met­ter­nich (ge­stor­ben 1635), der den Erz­bi­schof ge­fan­gen setz­te, der dar­auf­hin we­gen Lan­des­ver­rats zehn Jah­re lang un­ter Auf­sicht des päpst­li­chen Nun­ti­us in Lu­xem­burg, Na­mur, Genf, Linz und Wien in­haf­tiert blieb. In die­ser Zeit über­nahm das Dom­ka­pi­tel mit kai­ser­li­cher Zu­stim­mung die Lan­des­re­gie­rung.

Die spa­ni­sche Be­sat­zung en­de­te erst 1645. In die­sem Jahr kehr­te auch der Erz­bi­schof zu­rück, schloss aber ent­ge­gen al­len Ab­spra­chen 1646 ei­nen neu­en Schutz­ver­trag mit Frank­reich, der zu wei­te­ren Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit dem Reich, mit St. Ma­xi­min und mit dem Dom­ka­pi­tel führ­te. Das Dom­ka­pi­tel floh dar­auf­hin nach Köln und stell­te 1649 ein ei­ge­nes Heer auf, das un­ter der Füh­rung des Dom­kan­tors und spä­te­ren Erz­bi­schofs Karl Kas­par von der Ley­en nach Ko­blenz zog, wo ihm der Orts­kom­man­dant die Stadt öff­ne­te. Den Dom­schatz und den Hei­li­gen Rock brach­te das Dom­ka­pi­tel eben­falls nach Köln. 1639 kam es er­neut zum of­fe­nen Kon­flikt der Dom­ka­pi­tu­la­re und Stän­de mit ih­rem Erz­bi­schof, da Phil­ipp Chris­toph den Dom­propst Phil­ipp Lud­wig von Reif­fen­berg (1615-1686) als Ko­ad­ju­tor ein­setz­te. Die ge­plan­te Ab­set­zung Sö­terns schei­ter­te am Main­zer Ein­spruch, aber Phil­ipp Chris­toph muss­te 1650 den spä­te­ren Erz­bi­schof Karl Kas­par von der Ley­en als Ko­ad­ju­tor an­er­ken­nen.

Phil­ipp Chris­toph von Sö­tern starb am 7.2.1652 in Ko­blenz. Bis zu­letzt hat­te er sich auf­grund un­güns­ti­ger re­li­gi­ons­recht­li­cher Be­stim­mun­gen für sei­ne Stif­te da­ge­gen ge­sträubt, den West­fä­li­schen Frie­den zu un­ter­zeich­nen. Da sei­ne Fa­mi­lie und das Speye­rer Dom­ka­pi­tel sich wei­ger­ten, die Kos­ten für sein Be­gräb­nis in der Mar­tins­ka­pel­le des Do­mes zu über­neh­men, fand er sei­ne letz­te Ru­he­stät­te vor dem Lu­zi­en­al­tar im Dom zu Trier.

Literatur

Ab­mei­er, Kar­lies, Der Trie­rer Kur­fürs­t ­Phil­ipp Chris­toph von Sö­tern und der West­fä­li­sche Frie­den, Müns­ter 1986.

Baur, Jo­sef, Phil­ipp von Sö­tern, geist­li­cher Kur­fürs­t von Trier und sei­ne Po­li­tik wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges, 2 Bän­de, Spey­er 1897/1914.

Sei­brich, Wolf­gang, Ar­ti­kel „Phil­ipp Chris­toph Reichs­rit­ter von Sö­tern", in: Gatz, Er­win (Hg.), Die Bi­schö­fe des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches. 1648-1803. Ein bio­gra­phi­sches Le­xi­kon, Ber­lin 1990, S. 468-471.

We­ber, Her­mann, Frank­reich, Kur­trier, der Rhein und das Reich 1623-1635, Bonn 1969.

 
Zitationshinweis

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Schmid, Wolfgang, Philipp Christoph von Sötern, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/philipp-christoph-von-soetern/DE-2086/lido/57c95a08645a22.54139224 (23.04.2018)