Robert Pferdmenges

Bankier (1880-1962)

Gabriele Teichmann (Köln)

Robert Pferdmenges, Porträtfoto. (Hausarchiv Bankhaus Sal. Oppenheim, Köln)

In sei­nen ers­ten Le­bens­jahr­zehn­ten war Ro­bert Pferd­men­ges ein rhei­ni­scher Spit­zen­ban­kier, der un­ter an­de­rem in der Füh­rung des Schaaff­hau­sen­schen Bank­ver­eins und des Köl­ner Pri­vat­bank­hau­ses Sal. Op­pen­heim jr. & Cie tä­tig war. Nach 1945 star­te­te er ei­ne po­li­ti­sche Kar­rie­re, wäh­rend der er sich als Mit­grün­der und Mit­ge­stal­ter der CDU und als wirt­schafts­po­li­ti­scher Be­ra­ter Bun­des­kanz­ler Ade­nau­ers pro­fi­lier­te.

Ro­bert Pferd­men­ges wur­de am 27.3.1880 in Mön­chen­glad­bach als Sohn des Tex­til­in­dus­tri­el­len Wil­helm Al­bert Pferd­men­ges (1844-1898) und des­sen Frau He­le­ne, ge­bo­re­ne Croon (1851-1930) ge­bo­ren. Nach der Schul­zeit an der Ober­re­al­schu­le und an­schlie­ßen­der Bank­leh­re in sei­ner Hei­mat­stadt wech­sel­te Pferd­men­ges 1902 nach Ber­lin zur Dis­con­to-Ge­sell­schaft, der da­mals zweit­grö­ß­ten Bank Deutsch­lands. Die­se ent­sand­te ihn 1905 an ih­re Lon­do­ner Fi­lia­le. 1909 hei­ra­te­te er Do­ra Bres­ges (1887-1970); aus der Ehe gin­gen ein Sohn und ei­ne Toch­ter her­vor.

Im Fe­bru­ar 1914 er­hielt Pferd­men­ges den Auf­trag, in Ant­wer­pen ei­ne wei­te­re Fi­lia­le der Dis­con­to-Ge­sell­schaft auf­zu­bau­en. Nach kur­zer Zeit als Sol­dat über­nahm er 1916 ei­nen Pos­ten beim Schaaff­hau­sen­schen Bank­ver­ein, ei­ner be­deu­ten­den rhei­ni­schen Re­gio­nal­bank und Toch­ter der Dis­con­to-Ge­sell­schaft mit Sitz in Köln; 1919 wur­de er Vor­stand. Un­ter sei­ner Mit­wir­kung schlos­sen sich 1929 in der bis­her grö­ß­ten Ban­ken­fu­si­on der deut­schen Ge­schich­te die Dis­con­to-Ge­sell­schaft und die Deut­sche Bank zu­sam­men. Ne­ben sei­ner be­ruf­li­chen Tä­tig­keit en­ga­gier­te er sich in die­ser Zeit als För­de­rer der Köl­ner Uni­ver­si­tät und als Pres­by­ter der evan­ge­li­schen Ge­mein­de in Köln-Bay­en­thal.

Da er sich eher als Mann des Mit­tel­stands als der Groß­ban­ken ver­stand, wech­sel­te er 1931 als Teil­ha­ber in das re­nom­mier­te Köl­ner Pri­vat­bank­haus Sal. Op­pen­heim jr. & Cie. Da­mit tausch­te er die Rol­le des an­ge­stell­ten Ma­na­gers mit der des selb­stän­di­gen Un­ter­neh­mers. Be­reits 1932 wand­te er schwe­ren Scha­den von der Bank ab, als er mit der Reichs­bank ei­ne stil­le Ab­wick­lung des zah­lungs­un­fä­hi­gen Bank­hau­ses A. Le­vy ver­ein­bar­te, mit dem Sal. Op­pen­heim in ei­ner In­ter­es­sen­ge­mein­schaft ver­bun­den war. Vor al­lem be­währ­te er sich, als das Bank­haus wäh­rend der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft we­gen der jü­di­schen Wur­zeln der in­zwi­schen christ­li­chen Fa­mi­lie Op­pen­heim zur Ziel­schei­be des An­ti­se­mi­tis­mus wur­de. Als sich 1938 der po­li­ti­sche Druck ver­stärk­te, stell­te sich Pferd­men­ges vor die Fa­mi­lie und die Bank, der er nun sei­nen Na­men gab: „Pferd­men­ges & Co.". Die Bank galt da­mit als „ari­siert". Die Fa­mi­lie Op­pen­heim blieb in­des Haupt­ei­gen­tü­mer, hielt sich ge­schäft­lich je­doch im Hin­ter­grund. Im Zu­ge der Ver­haf­tungs­wel­le nach dem ge­schei­te­ren Hit­ler­at­ten­tat am 20.7.1944 wur­de Pferd­men­ges von der Ge­sta­po fest­ge­nom­men, nach In­ter­ven­ti­on sei­ner Fa­mi­lie je­doch ent­las­sen und auf sei­nem Gut in der Mark Bran­den­burg un­ter Haus­ar­rest ge­stellt.

Nach Kriegs­en­de en­ga­gier­te sich Pferd­men­ges an der Spit­ze des Bank­hau­ses, das seit 1947 wie­der den al­ten Na­men trug, für den Wie­der­auf­bau der rhei­nisch-west­fä­li­schen In­dus­trie. Bei sei­nen Pro­tes­ten ge­gen die De­mon­ta­ge­po­li­tik scheu­te er auch den Kon­flikt mit den Al­li­ier­ten nicht. Be­son­ders eng ist sein Wir­ken mit dem Thys­sen-Kon­zern ver­bun­den. Auf sei­nen Rat hin grün­de­te die Fa­mi­lie 1959 die Thys­sen-Stif­tung als ers­te ge­mein­nüt­zi­ge Ein­zel­stif­tung pri­va­ten Rechts in Deutsch­land. Seit 1945 en­ga­gier­te sich Pferd­men­ges da­ne­ben er­neut in der Po­li­tik - wäh­rend der Ban­ken­kri­se von 1931 hat­te er be­reits Reichs­kanz­ler Hein­rich Brü­ning (Amts­zeit 1930-1932) als Be­ra­ter ge­dient. Er wur­de Mit­grün­der der rhei­ni­schen CDU (1945), die er zu­sam­men mit Kon­rad Ade­nau­er als über­kon­fes­sio­nel­le, markt­wirt­schaft­lich ori­en­tier­te, mit der christ­li­chen Ar­beit­neh­mer­schaft ko­ope­rie­ren­de Volks­par­tei kon­zi­pier­te. 1947 ent­sand­te ihn die CDU in den Frank­fur­ter Wirt­schafts­rat, das wich­tigs­te deut­sche Gre­mi­um der Bi­zo­ne.

1950 zog Pferd­men­ges als Nach­rü­cker in den ers­ten deut­schen Bun­des­tag ein, dem er bis zu sei­nem Tod an­ge­hör­te. Sei­ne Tä­tig­keit als Ban­kier gab er zu­guns­ten der Po­li­tik weit­ge­hend auf. Hö­he­punk­te sei­ner po­li­ti­schen Ar­beit wa­ren die Mit­wir­kung an der Ver­flech­tung der deut­schen und fran­zö­si­schen Stahl­in­dus­trie in der Mon­tan­uni­on, die zum Vor­läu­fer der heu­ti­gen Eu­ro­päi­schen Uni­on wur­de, und an der Ein­füh­rung der Mit­be­stim­mung in der deut­schen Mon­tan­in­dus­trie. Er war en­ger wirt­schafts­po­li­ti­scher Be­ra­ter von Bun­des­kanz­ler Ade­nau­er und nahm in die­ser Rol­le häu­fig an den Sit­zun­gen des Ka­bi­netts teil. Ob­wohl er nie ein po­li­ti­sches Amt in­ne­hat­te, war er da­mit in den 1950er Jah­ren ei­ne der po­li­tisch ein­fluss­reichs­ten Per­sön­lich­kei­ten der jun­gen Bun­des­re­pu­blik. Dies trug ihm den Ruf ei­ner „grau­en Emi­nenz" ein, mehr­fach war er Ziel­schei­be von Hetz­kam­pa­gnen. Auf­grund sei­nes Sach­ver­stands, sei­nes Ver­hand­lungs­ge­schicks und sei­ner per­sön­li­chen Be­schei­den­heit ge­noss er je­doch auch jen­seits der Par­tei­gren­zen An­er­ken­nung.

Am 28.9.1962 ver­starb Pferd­men­ges im Al­ter von 82 Jah­ren in Köln, bei­ge­setzt wur­de er in sei­ner Hei­mat­stadt Mön­chen­glad­bach.

Literatur

Her­bers, Win­fried, Ro­bert Pferd­men­ges und Jo­han­nes Al­bers: zwei Wel­ten - ei­ne Par­tei. Fa­cet­ten im Ma­kro­kos­mos der Köl­ner CDU der vier­zi­ger und fünf­zi­ger Jah­re des 20. Jahr­hun­derts, in: Ge­schich­te in Köln 52 (2005), S. 207-234.

Sil­ber-Bonz, Chris­toph, Pferd­men­ges und Ade­nau­er. Der po­li­ti­sche Ein­fluss des Köl­ner Ban­kiers, Bonn 1997.

Stür­mer, Mi­cha­el/Teich­mann, Ga­brie­le/Treue, Wil­helm, Wä­gen und Wa­gen. Sal. Op­pen­heim jr. & Cie. Ge­schich­te ei­ner Bank und ei­ner Fa­mi­lie, Mün­chen 1994.

Teich­mann, Ga­brie­le, Ro­bert Pferd­men­ges, in: Pohl, Hans (Hg.), Deut­sche Ban­kiers des 20. Jahr­hun­derts, Stutt­gart 2008, S. 311-327.

Treue, Wil­helm, Das Schick­sal des Bank­hau­ses Sal. Op­pen­heim jr. & Cie. im Drit­ten Reich, Wie­se­ba­den 1983.

 
Zitationshinweis

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Teichmann, Gabriele, Robert Pferdmenges, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/robert-pferdmenges/DE-2086/lido/57c95919a5f734.45962801 (18.09.2018)