Sophie von la Roche

Schriftstellerin (1730-1807)

Achim Krümmel (Mayen)

Sophie von La Roche, nach einem Scherenschnitt in “Melusinens Sommerabende”, 1806. (Stadtarchiv Koblenz)

So­phie von La Ro­che eta­blier­te in Ko­blenz den ers­ten Li­te­ra­tur­sa­lon am Mit­tel­rhein mit brei­ter Aus­strah­lung auf ganz Deutsch­land; sie pfleg­te Kon­tak­te zu füh­ren­den Schrift­stel­lern der Zeit, war selbst als Schrift­stel­le­rin er­folg­reich und präg­te das Gen­re  des Frau­en- und Brief­ro­mans.

So­phie kam am 6.12.1730 in Kauf­beu­ren als äl­tes­tes von 13 Kin­dern des Dr. med. Ge­org Fried­rich Gu­ter­mann Ed­ler von Gu­ters­ho­fen (1705-1784) und des­sen Ehe­frau Re­gi­na Bar­ba­ra, ge­bo­re­ne von Unold (1711-1748) zur Welt. Der Va­ter war Stadt­phy­si­kus in Kauf­beu­ren und Leib­arzt des Fürst­abts von Kem­pen, ab 1743 De­kan  der Me­di­zi­ni­schen Fa­kul­tät  in Augs­burg. Die Fa­mi­lie war lu­the­risch. Das Kind wuchs in Lin­dau, Bi­berach und Augs­burg auf und ent­wi­ckel­te be­reits in frü­her Ju­gend gro­ßen Bil­dungs­ei­fer, der sei­tens des pie­tis­tisch ge­präg­ten Va­ters durch eher un­sys­te­ma­ti­schen Un­ter­richt ge­för­dert wur­de. So­phie soll be­reits im Al­ter von drei Jah­ren des Le­sens mäch­tig ge­we­sen sein, mit fünf soll sie so­gar die Bi­bel be­reits kom­plett ge­le­sen ha­ben. In ih­rer wei­te­ren Ent­wick­lung wur­de die­ses gro­ße Be­dürf­nis nach Li­te­ra­tur im­mer stär­ker.

1745 lern­te So­phie den Ita­lie­ner Gio­van­ni Lo­do­vi­co Bi­an­co­ni (1717-1781), Leib­arzt des Fürst­bi­schofs von Augs­burg, ken­nen, der sich schlie­ß­lich auch mit ihr ver­lob­te. Bi­an­co­ni un­ter­wies So­phie in Ma­the­ma­tik, Ita­lie­nisch, Kunst­ge­schich­te, Al­ter­tums­kun­de und Mu­sik. Die ge­plan­te Hoch­zeit platz­te je­doch, da der Ka­tho­lik Bi­an­co­ni nicht be­reit war, auf die Be­din­gung von So­phies Va­ter ein­zu­ge­hen, we­nigs­tens ei­nes der zu er­war­ten­den Kin­der sei­ner pro­tes­tan­ti­schen Frau in lu­the­ri­scher Kon­fes­si­on zu er­zie­hen.

 

Nur we­nig spä­ter ver­lieb­te sich So­phie 1750 in ih­ren Cou­sin, den spä­ter be­rühmt ge­wor­de­nen Dich­ter und Her­aus­ge­ber Chris­toph Mar­tin Wie­land (1733-1813), und ver­lob­te sich er­neut. Auch wenn die­se Ver­lo­bung 1753 wie­der ge­löst wur­de, so hat­te So­phie Wie­land doch zur Ab­fas­sung sei­nes ers­ten grö­ße­ren Ge­dicht­ban­des („Die Na­tur der Din­ge. Ein Lehr­ge­dich­t“) be­flü­gelt, der 1752 an­onym er­schien, und blieb zeit­le­bens in en­gem Kon­takt mit ihm. Da von Sei­ten ih­res Va­ters auf Dau­er nicht mit ei­ner wei­te­ren wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung zu rech­nen war, such­te So­phie nun nach ei­ner ent­spre­chen­den Par­tie und fand sie in dem zehn Jah­re äl­te­ren, un­ehe­lich ge­bo­re­nen Ge­org Mi­cha­el Frank von Lich­ten­fels ge­nannt La Ro­che (1720-1788), ge­hei­mer Staats­rat am kur­main­zi­schen Hof von Kur­fürst Em­me­rich Jo­sef (1707-1774) und Pri­vat­se­kre­tär sei­nes leib­li­chen Va­ters, des kur­main­zi­schen Gro­ßhof­meis­ters Graf Fried­rich von Sta­di­on (1691-1768). Die Hoch­zeit fand im De­zem­ber 1753 statt. In der Fol­ge­zeit wohn­te So­phie mit ih­rem Ehe­mann zu­nächst in Mainz, dann auf dem Land­sitz des Gra­fen von Sta­di­on im ober­schwä­bi­schen Wart­hau­sen und nach des­sen Tod 1768 auf des­sen Gut Bön­nig­heim. Sie lern­te nun das hö­fi­sche Le­ben ken­nen und wuchs an der Sei­te ih­res Ehe­man­nes in die Rol­le ei­ner ge­bil­de­ten Ge­sell­schaf­te­rin hin­ein. Ne­ben Fran­zö­sisch und Ita­lie­nisch be­herrsch­te sie auch Eng­lisch. In Wart­hau­sen hat­te Ge­org Mi­cha­el den Frei­herrn Franz Eu­stach von Horn­stein (ge­bo­ren 1729) ken­nen ge­lernt. Als die­ser nach Ko­blenz ging und dort 1771 Kon­fe­renz­mi­nis­ter un­ter Kur­fürst Cle­mens Wen­zes­laus wur­de, konn­te er So­phies Ehe­mann an den kur­trie­ri­schen Hof ver­mit­teln. 1771 hol­te ihn der Kur­fürst in sei­ne Re­si­denz­stadt Ko­blenz, wo La Ro­che im Di­kas­te­ri­um und Ka­bi­nett von Cle­mens Wen­zes­laus in Eh­ren­breit­stein (heu­te Stadt Ko­blenz) zu­nächst als Kon­fe­renz­rat an­ge­stellt wur­de. Nach­dem er in je­nen Jah­ren vom Kai­ser no­bi­li­tiert wor­den war und fort­an den Ti­tel „Reich­sed­ler“ im Na­men füh­ren durf­te, folg­te bald auch der be­ruf­li­che Kar­rie­re­sprung. 1775 stieg er zum Ge­hei­men Staats­rat, Hof­rats­di­rek­tor und Re­gie­rungs­kanz­ler, 1779 schlie­ß­lich zum Di­rek­tor des Hof­kriegs­rats auf und er­hielt da­mit nicht un­er­heb­li­chen Ein­fluss auf die Re­gie­rungs­tä­tig­keit des Kur­fürs­ten.

Das Ehe­paar ließ sich im März/April 1771 in Eh­ren­breit­stein un­mit­tel­bar ne­ben der kur­fürst­li­chen Re­si­denz (der da­mals noch ge­nutz­ten Phil­ipps­burg) nie­der. Dort rich­te­te So­phie bald schon auf­grund ih­rer li­te­ra­ri­schen Nei­gun­gen ei­nen fes­ten Zir­kel für Gleich­ge­sinn­te ein, der zu den be­deu­tends­ten Li­te­ra­tur­sa­lons am Rhein und weit dar­über hin­aus wer­den soll­te. Der gro­ße Zu­spruch, den der Sa­lon fand, re­sul­tier­te zum Gro­ß­teil aus der Be­kannt­heit So­phies auf­grund des gro­ßen Er­fol­ges ih­res ge­ra­de er­schie­ne­nen Erst­lings­werks („Ge­schich­te des Fräu­leins von Stern­heim“) und zum Teil aus der ex­po­nier­ten Stel­lung ih­res Ehe­man­nes am kur­fürst­li­chen Hof. Un­mit­tel­ba­re Kon­tak­te zwi­schen So­phie und dem Trie­rer Kur­fürs­ten Cle­mens Wen­zes­laus sind nicht be­kannt, wohl aber zu des­sen Schwes­ter, Ma­ria Ku­ni­gun­de von Sach­sen, die fast stän­dig an der Sei­te ih­res Bru­ders am Hof zu Ko­blenz leb­te. Über So­phies Ehe­mann und den Re­gie­rungs­rat von Ker­pen ließ So­phie dem Kur­fürs­ten die neu­es­ten Wer­ke ei­ni­ger der bei ihr wei­len­den Li­te­ra­ten zu­kom­men.

Sophie und Georg Michael von La Roche mit ihrer Tochter Maximiliane, Gemälde von Anton Wilhelm Tischbein (1730-1804), um 1773. (Freies Deutsches Hochstift/Frankfurter Goethemuseum, Frankfurt/Main)

 

Zum Li­te­ra­turzir­kel ge­hör­ten vor al­lem die Schrift­stel­ler, Dich­ter und Phi­lo­so­phen Fried­rich Hein­rich Ja­co­bi, So­phies Cou­sin Wie­land, Jo­hann Cas­par La­va­ter (1741-1801), Jo­hann Bern­hard Ba­se­dow (1724-1790), Franz Mi­cha­el Leuch­sen­ring (1746-1827), Jo­hann Hein­rich Merck (1741-1791), Jo­hann Hein­rich Jung-Stil­ling (1740-1817), Carl Theo­dor von Dal­berg (1744-1817), nicht zu­letzt Jo­hann Wolf­gang von Goe­the (1749-1832). Goe­the selbst hat­te 1774 auf ei­ner Rhein- und Lahn­rei­se La­va­ter, Ba­se­dow, Leuch­sen­ring und Merck mit So­phie be­kannt ge­macht und in den Li­te­ra­tur­sa­lon ein­ge­führt. Auch die El­tern des spä­ter be­kannt ge­wor­de­nen preu­ßi­schen Re­for­mers Hein­rich Fried­rich Karl Frei­herrn vom und zum Stein (1757-1831), Karl Phil­ipp Frei­herr vom und zum Stein (1708-1788) und sei­ne in en­ge­rem Kon­takt zu La­va­ter ste­hen­de Ehe­frau Hen­ri­et­te Ka­ro­li­ne Lang­werth von Sim­mern (1721-1783), wa­ren Gäs­te von So­phies Zir­kel. Aus den li­te­ra­ri­schen Zu­sam­men­künf­ten und Kon­tak­ten mit So­phie er­wuch­sen auch Schwär­me­rei­en be­kann­ter Dich­ter und Schrift­stel­ler für So­phies Toch­ter Ma­xi­mi­lia­ne Eu­phro­syne („Ma­xe“, 1756-1793): Jo­hann Ge­org Ja­co­bi (1740-1814) ver­lieb­te sich eben­so in sie wie Goe­the. Ma­xi­mi­lia­ne muss­te je­doch aus wirt­schaft­li­chen Er­wä­gun­gen her­aus und auf An­ra­ten ih­rer Mut­ter den we­sent­lich äl­te­ren Pe­ter An­ton Bren­ta­no (1735-1797) hei­ra­ten. Die­ser Ehe ent­stamm­ten Cle­mens Bren­ta­no, der am 9.9.1778 in So­phies Haus in Eh­ren­breit­stein ge­bo­ren wur­de, und Bet­ti­na Bren­ta­no (spä­te­re von Ar­nim, 1785-1859).

Aus dem hö­fi­schen Um­feld gab es Kon­tak­te So­phies un­ter an­de­rem zu Franz Ge­org Graf von Met­ter­nich (1746-1818), Ge­sand­ter Ös­ter­reichs an den kur­rhei­ni­schen Hö­fen und Va­ter des Fürs­ten Cle­mens von Met­ter­nich, zu Chris­toph Phil­ipp Frei­herrn von Ho­hen­feld (1743-1822), Kon­fe­renz­mi­nis­ter am Ho­fe von Cle­mens Wen­zes­laus, zur Hof­rä­tin d’Ha­me, Ehe­frau des kur­trie­ri­schen Staats­rats Phil­ipp Ja­kob Ignaz d’Ha­me, und zum kur­trie­ri­schen Hof- und Re­gie­rungs­rat Franz An­selm von Ker­pen. Dar­über hin­aus gab es auch Kon­tak­te zum Kle­rus, wie et­wa zu dem Main­zer De­chan­ten Da­mi­an Fried­rich Dum­eiz (1728-1802). Ne­ben den un­mit­tel­bar per­sön­li­chen Kon­tak­ten pfleg­te So­phie auch ei­nen in­ten­si­ven Ge­dan­ken­aus­tausch durch um­fang­rei­che Kor­re­spon­den­zen.

So schuf So­phie von La Ro­che am Sitz des Trie­rer Kur­fürs­ten in Ko­blenz ein weit über die Stadt hin­aus strah­len­des li­te­ra­risch-kul­tu­rel­les Zen­trum. So­phies Ehe­mann, der dem Wir­ken sei­ner Ehe­frau eher in­dif­fe­rent ge­gen­über stand, för­der­te die Le­se­kul­tur in der Stadt Ko­blenz, in­dem er sich für die Ein­rich­tung ei­ner Buch­hand­lung und den Bau ei­ner öf­fent­li­chen Bi­blio­thek ein­setz­te.

Doch 1780, nach­dem ihr Ehe­mann bei Kur­fürst Cle­mens Wen­zes­laus we­gen sei­ner Kri­tik am Or­dens­we­sen („Brie­fe über das Mönchs­we­sen“, an­onym seit 1772 er­schie­nen) und ge­gen­über päpst­li­cher Ein­fluss­nah­me auf staat­li­che Po­li­tik in Un­gna­de ge­fal­len war, auch ge­gen ihn in­tri­giert wor­den war und er sei­nen Dienst quit­tie­ren muss­te, ver­ließ das Ehe­paar La Ro­che Ko­blenz und zog nach Spey­er. 1786 sie­del­te es nach Of­fen­bach um, wo Ge­org Mi­cha­el 1788 starb.

So­phies schrift­stel­le­ri­sche Tä­tig­keit ist be­son­ders eng ver­bun­den mit ih­rem Erst­lings­ro­man „Ge­schich­te des Fräu­leins von Stern­heim. Von ei­ner Freun­din der­sel­ben aus Ori­gi­nal-Pa­pie­ren und an­de­ren zu­ver­läs­si­gen Quel­len ge­zo­gen“ – die Ge­schich­te ei­nes jun­gen Mäd­chens, das sich vor dem Hin­ter­grund hö­fi­scher In­tri­gen und ei­ner ent­täusch­ten Lie­be der Pfle­ge von Wai­sen­kin­dern wid­met und nach ver­schie­de­nen Aben­teu­ern ih­ren Edel­mann und da­mit ihr per­sön­li­ches Glück fin­det. Der an­onym er­schie­ne­ne Ro­man – der ers­te deut­sche Frau­en­ro­man, von So­phie 1766 be­gon­nen, her­aus­ge­ge­ben von ih­rem ehe­ma­li­gen Ver­lob­ten Wie­land – wur­de so­fort nach dem Er­schei­nen im Ju­ni/Sep­tem­ber 1771 er­folg­reich auf­ge­nom­men. Nach Ent­tar­nung der Au­to­rin war So­phie von La Ro­che mit ei­nem Schlag in al­ler Mun­de. Goe­the, Merck und Jo­hann Gott­fried Her­der (1744-1803) be­spra­chen das Buch sehr po­si­tiv in den „Frank­fur­ter Ge­lehr­ten An­zei­gen“. Auf­se­hen er­reg­te das Werk vor al­lem, weil die „mo­ra­lisch-di­dak­ti­sche Ziel­set­zung, das tra­di­tio­nell auf­klä­re­ri­sche Pro­gramm al­so, mit ei­ner in Deutsch­land bis­her noch un­be­kann­ten in­ten­si­ven Schil­de­rung er­leb­ter in­ne­rer Ge­füh­le und Emp­fin­dun­gen“ (Häntzschel) ver­bun­den wur­de. Der Ro­man wur­de mehr­fach auf­ge­legt, auch ins Fran­zö­si­sche über­setzt, und in Deutsch­land zum Vor­bild des Frau­en- und Brief­ro­mans.

Nach die­sem Er­folg blieb So­phie wei­ter­hin li­te­ra­risch tä­tig, ver­fass­te wäh­rend der Zeit in Ko­blenz ih­ren zwei­ten Ro­man („Ro­sa­li­ens Brie­fe an ih­re Freun­din Ma­ri­an­ne von St.“) und gab 1783-1784 die mo­nat­lich er­schei­nen­de Zeit­schrift „Po­mo­na für Teutsch­lands Töch­ter“ her­aus. Im An­schluss dar­an un­ter­nahm sie Rei­sen durch Eu­ro­pa, wur­de als Rei­se­be­glei­te­rin en­ga­giert und ver­fass­te gut ho­no­rier­te Rei­se­be­schrei­bun­gen (Schweiz und Frank­reich). Ob­wohl sie hin­sicht­lich der Rol­len­ver­tei­lung zwi­schen Mann und Frau den „Nor­men ih­rer Zeit“ (We­ckel) weit­ge­hend ver­pflich­tet blieb, ver­moch­te sie es den­noch, durch ih­re schrift­stel­le­ri­sche Tä­tig­keit nicht un­er­heb­lich für den Un­ter­halt der Fa­mi­lie zu sor­gen, zu­mal ihr Ehe­mann nach dem Um­zug nach Spey­er Pri­va­tier blieb. Nach sei­nem Tod ver­öf­fent­lich­te So­phie in den 1790er Jah­ren zwar noch viel (un­ter an­de­rem die bei­den Ro­ma­ne „Ro­sa­lie und Cle­berg auf dem Lan­de“, 1791, und „Er­schei­nun­gen am See Oneid­a“, 1798), ge­riet aber durch den Fort­fall ih­rer wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung aus den Ein­nah­men des Rhein­zolls bei Bop­pard, der ih­rem Ehe­mann und ihr als sei­ner Er­bin von Kur­fürst Cle­mens Wen­zes­laus 1772/1779 zu­ge­spro­chen wor­den war, nach der Be­set­zung der links­rhei­ni­schen Ge­bie­te durch fran­zö­si­sche Trup­pen 1794 in ma­te­ri­el­le Not. Der Tod zwei­er ih­rer ins­ge­samt fünf Kin­der (Franz Wil­helm 1791 und Ma­xi­mi­lia­ne 1793) traf sie per­sön­lich hart. Ei­ne ge­wis­se Ver­bit­te­rung über die all­ge­mei­nen Zu­stän­de kam hin­zu, und sie äu­ßer­te sich zu­neh­mend na­tio­na­lis­tisch und fran­zo­sen­feind­lich. Zu­dem be­gann ihr An­se­hen als Ge­sell­schafts­da­me in den li­te­ra­ri­schen Krei­sen all­mäh­lich zu sin­ken und man leg­te nicht mehr den ge­stei­ger­ten Wert auf per­sön­li­che Be­su­che von oder bei ihr, wie dies noch Jah­re zu­vor der Fall ge­we­sen war.

1799 brach­te So­phie ei­nes ih­rer Al­ters­wer­ke „Mein Schrei­be­ti­sch“ in zwei Bän­den her­aus – an­hand der Bü­cher ih­rer Bi­blio­thek, den Un­ter­la­gen ih­rer li­te­ra­ri­schen Tä­tig­keit und ih­rer schrift­li­chen Kor­re­spon­denz ei­ne Re­plik auf ihr Le­ben. 1803/1804 folg­te der letz­te und er­folg­lo­se Ro­man un­ter dem Ti­tel „Lie­be-Hüt­ten“, den selbst So­phies al­ter Ver­eh­rer Wie­land für nicht kri­tik­wür­dig hielt. Ge­wis­ser­ma­ßen als Fort­set­zung von „Mein Schrei­be­ti­sch“ ver­fass­te So­phie die „Herbst­ta­ge“ (1805) so­wie „Me­lu­si­nens Som­mer-Aben­de“ (1806).

Am 18.2.1807 starb So­phie von La Ro­che in Of­fen­bach, wo sie be­gra­ben ist.

In Bön­nig­heim, Kauf­beu­ren und Wart­hau­sen, sind Schu­len nach ihr be­nannt, in Ko­blenz und Spey­er tra­gen Stra­ßen ih­ren Na­men. Die Stadt Of­fen­bach ver­gibt al­le zwei Jah­re ei­nen So­phie-La-Ro­che-Preis.

Werke

Ge­schich­te des Fräu­leins von Stern­heim. Von ei­ner Freun­din der­sel­ben aus Ori­gi­nal-Pa­pie­ren und an­dern zu­ver­läs­si­gen Quel­len ge­zo­gen. Hg. von Chris­toph Mar­tin Wie­land. 2 Thei­le, Leip­zig 1771 (Re­print, mit ei­nem Nach­wort hg. von Gün­ter Häntzschel, Mün­chen 1976; dtv-Aus­ga­be, Mün­chen 2007).

Der Ei­gen­sinn der Lie­be und Freund­schaft. Ei­ne eng­li­sche Er­zäh­lung. Nebst ei­ner klei­nen deut­schen Lie­bens­ge­schich­te. Aus dem Fran­zö­si­schen über­setzt, Zü­rich 1772 (Re­print, Kar­ben 1992).

Les Ca­pri­ces de l’amour et de l’ami­tie, an­ec­do­te angloi­se, sui­vie par une pe­ti­te an­ec­do­te al­le­man­de, Zü­rich 1772.

Ro­sa­li­ens Brie­fe an ih­re Freun­din Ma­ri­an­ne von St**. Von der Ver­fas­se­rin des Fräu­leins von Stern­heim,  3 Bän­de, Al­ten­burg 1779; 2. Auf­la­ge Frank­furt, Leip­zig 1781 (Neu­aus­ga­be hg. von Mi­cha­el Holzin­ger, North Charles­ton 2013).

Mo­ra­li­sche Er­zäh­lun­gen im Ge­schmack Mar­mon­tel’s, 2 Bän­de, Des­sau 1782.

Mein Glü­ke. Ei­ner kla­gen­denn Freun­din ge­wid­met, in: Ma­ga­zin für Frau­en­zim­mer, 1. Jg. (1782), 2. Stück, S. 92-101.

Jo­seph der Zwei­te na­he bei Spey­er im Jahr 1781, Spey­er 1783 (auch un­ter dem Ti­tel: Emp­fin­dun­gen der Ver­fas­se­rin der Ge­schich­te des Fräu­leins von Stern­heim und der Brie­fe Ro­sa­li­ens, als Jo­seph der Zwei­te in Schwet­zin­gen war, Wien 1782).

Die glück­li­che Rei­se. Ei­ne mo­ra­li­sche Er­zäh­lung, Ba­sel 1783.

Die zwei Schwes­tern. Ei­ne mo­ra­li­sche Er­zäh­lung, Ba­sel 1784.

Po­mo­na für Teutsch­lands Töch­ter, Spey­er 1783/1784 (Re­print hg. von Jür­gen Vor­ders­te­mann, 4 Bän­de, Mün­chen, Lon­don, New York u.a. 1987).

Mo­ra­li­sche Er­zäh­lun­gen der Frau Ver­fas­se­rin der Po­mo­na, Spey­er 1784/1787.

Wel­do­ne. Ei­ne mo­ra­li­sche Er­zäh­lung, Spey­er 1785.

Brie­fe an Li­na, Spey­er 1785; 3. ver­bes­ser­te Auf­la­ge Leip­zig 1795 [s. un­ten] (Re­print, Kar­ben 1993).

Neue­re mo­ra­li­sche Er­zäh­lun­gen, Al­ten­burg 1786.

Mo­ra­li­sche Er­zäh­lun­gen. Nach­le­se zur ers­ten und zwei­ten Samm­lung, Mann­heim, Of­fen­bach 1787.

Jour­nal ei­ner Rei­se durch Frank­reich, Al­ten­burg 1787 (Re­print, Kar­ben 1994).

Ta­ge­buch ei­ner Rei­se durch die Schweiz, von der Ver­fas­se­rin von Ro­sa­li­ens Brie­fen, Al­ten­burg 1787 (Re­print, Kar­ben 1994).

Ta­ge­buch ei­ner Rei­se durch Hol­land und Eng­land, von der Ver­fas­se­rin von Ro­sa­li­ens Brie­fen, Of­fen­bach 1788; 2. Auf­la­ge Of­fen­bach 1791 (Re­print, Kar­ben 1996).

Ge­schich­te von Miss Lo­ny und Der schö­ne Bund, Go­tha 1789 (Re­print, Kar­ben 1993).

Freun­de und Freun­din­nen von zwei sehr ver­schie­de­nen Jahr­hun­der­ten und die Baad-Be­kannt­schaft, Of­fen­bach 1789.

Brie­fe über Mann­heim, Zü­rich 1791 (Re­print, Kar­ben 1996).

Ro­sa­li­en und Cle­berg auf dem Lan­de, Of­fen­bach 1791.

Le­bens­be­schrei­bung von Fri­de­ri­ka Bal­din­ger, von ihr selbst ver­fasst. Her­aus­ge­ge­ben und mit ei­ner Vor­re­de be­glei­tet von So­phie, Witt­we von La Ro­che, Of­fen­bach 1791.

Mei­ne Rei­se im Won­ne und Brach Mond 1792, Ber­lin 1796 (Re­print, Kar­ben 1994).

Er­in­ne­run­gen aus mei­ner drit­ten Schwei­zer­rei­se. Mei­nem ver­wun­de­ten Her­zen zur Lin­de­rung, viel­leicht auch man­cher trau­ern­den See­le zum Trost ge­schrie­ben, Of­fen­bach 1793 (Re­print, Kar­ben 1994).

Send­schrei­ben über die Wie­land- und Geß­ner-, Schlos­ser- und Ni­co­lo­vi­us’schen Ver­bin­dun­gen, Karls­ru­he 1795.

Brie­fe an Li­na als Mäd­chen [Band 2 u. 3.: ... als Mut­ter]. Ein Buch für jun­ge Frau­en­zim­mer, die ihr Herz und ih­ren Ver­stand bil­den wol­len, 3 Bän­de, Leip­zig 1795/1797.

Lettres à Ni­na, ou con­seils à une jeu­ne fil­le pour for­mer son es­prit et son coér. Par Ma­da­me de la Ro­che. Tra­du­it de l’al­le­mand sur la troi­sié­me édi­ti­on ori­gi­na­le par S. H. Ca­tel, Leip­zig 1799.

Schö­nes Bild der Re­si­gna­ti­on, ei­ne Er­zäh­lung,  2 Bän­de, Leip­zig 1795/96 (Re­print, Kar­ben 1994).

Er­schei­nun­gen am See Onei­da, 3 Bän­de, Leip­zig 1798 (Re­print, Kar­ben 1993).

Mein Schrei­be­tisch. An Herrn G.R.P. in D, 2 Bän­de, Leip­zig 1799 (Re­print, Kar­ben 1996).

Schat­ten­ris­se ab­ge­schie­de­ner Stun­den in Of­fen­bach, Wei­mar und Scho­en­e­beck im Jahr 1799, Leip­zig 1800 (auch un­ter dem Ti­tel: Rei­se von Of­fen­bach nach Wei­mar und Schö­ne­beck im Jahr 1799; Re­print, Kar­ben 1992).

Fan­ny und Ju­lia. Oder die Freun­din­nen, 2 Bän­de, Leip­zig 1801.

Lie­be-Hüt­ten, 2 Bän­de, Leip­zig 1803/1804 (Re­print, Kar­ben 1994).

Herbst­ta­ge, Leip­zig 1805 (Re­print, Kar­ben 1998).

Me­lu­si­nens Som­mer-Abend, hg. v. Chris­toph Mar­tin Wie­land, Hal­le 1806 (Re­print, Kar­ben 1993).

Literatur

Bach, Adolf, Aus dem Krei­se der So­phie La Ro­che, Köln 1924.

Be­cker-Can­tari­no, Bar­ba­ra/Los­ter-Schnei­der, Gu­drun (Hg.), „Ach, wie wünsch­te ich mir Geld ge­nug, um ei­ne Pro­fes­sur zu stif­ten“. So­phie von La Ro­che (1730–1807) im li­te­ra­ri­schen und kul­tur­po­li­ti­schen Feld von Auf­klä­rung und Emp­find­sam­keit, Tü­bin­gen 2010.

Ei­chen­au­er, Jür­gen (Hg.), „Mei­ne Frei­heit, nach mei­nem Cha­rak­ter zu le­ben“. So­phie von La Ro­che (1730–1807). Schrift­stel­le­rin der Emp­find­sam­keit, Wei­mar 2007.

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Zitationshinweis

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Krümmel, Achim, Sophie von la Roche, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/sophie-von-la-roche/DE-2086/lido/57c93d8b51a396.06765130 (08.12.2018)