Kraus, Thomas R. (Bearb.), Regesten der Reichsstadt Aachen. (einschließlich des Aachener Reiches und der Reichsabtei Burtscheid), Band 6: Datierte Stücke: 1396–1400, undatierte Stücke: 1351–1400 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 47), Düsseldorf 2008

603 S., ISBN 978-3-7700-7631-4, 79 Euro

Monika Gussone (Aachen)

Mit dem vor­lie­gen­den Band hat Tho­mas M. Kraus in ge­wohnt sorg­fäl­ti­ger Wei­se das von Wil­helm Mum­men­hoff be­gon­ne­ne Pro­jekt be­en­det, die Quel­len zur Ge­schich­te der Reichs­stadt Aa­chen, des Aa­che­ner Rei­ches und der Reichs­ab­tei Burt­scheid von 1251 bis zum Jahr 1400 in Form von Re­ges­ten zu­gäng­lich zu ma­chen. Den 1937 und 1961 er­schie­ne­nen ers­ten bei­den, von Mum­men­hoff be­ar­bei­te­ten Bän­den folg­ten seit 1999 die von Kraus be­ar­bei­te­ten Bän­de 4 bis 6. Die Aa­che­ner Re­ges­ten schlie­ßen zeit­lich an die Edi­ti­on der Aa­che­ner Ur­kun­den von 1101 bis 1250 (be­arb. von Erich Meu­then, Bonn 1972) an, al­le äl­te­ren Aa­chen be­tref­fen­den Ur­kun­den und Quel­len­stü­cke sind über die Re­ges­ta Im­pe­rii und die Ur­kun­den­bän­de der Mo­nu­men­ta Ger­ma­niae His­to­ri­ca zu­gäng­lich.

Wie in den vor­aus­ge­hen­den fünf Bän­den wur­den Ur­kun­den, da­tier­te Schrei­ben und Ein­trä­ge in Amts­bü­chern, zu­sätz­lich noch Re­gis­ter­ein­trä­ge be­rück­sich­tigt, je­doch kei­ne Rech­nun­gen. Auf den Sei­ten 1 bis 207 (Nr. 1–473) fin­den sich die da­tier­ten Stü­cke aus den Jah­ren 1396–1400, auf den Sei­ten 209 bis 504 (Nr. 474–992) fol­gen die un­da­tier­ten, die sich auf­grund des In­halts und der er­wähn­ten Per­so­nen in den Zeit­raum zwi­schen 1351 bis 1400 ein­ord­nen las­sen. Die Re­ges­ten ent­hal­ten, wie ge­habt, er­freu­li­cher­wei­se zahl­rei­che Zi­ta­te aus den Ori­gi­na­len, die vor al­lem Münz- und Wäh­rungs­an­ga­ben, Orts- und Per­so­nen­na­men be­tref­fen. Ein Nach­weis der Quel­len­fund­or­te (der über­wie­gen­de Teil der un­da­tier­ten Stü­cke stammt aus dem Stadt­ar­chiv Aa­chen, der Haupt­teil der da­tier­ten aus dem His­to­ri­schen Ar­chiv der Stadt Köln), ei­ne Auf­lis­tung der ­ver­wen­de­ten Sig­len und Ab­kür­zun­gen so­wie ein Quel­len- und Li­te­ra­tur­ver­zeich­nis ge­hen dem Re­ges­ten­teil vor­aus, ein um­fas­sen­des Orts- und Per­so­nen- so­wie ein aus­führ­li­ches Sach­re­gis­ter er­schlie­ßen ihn.

Ins­ge­samt lässt sich fest­stel­len, dass der An­teil an Schrift­stü­cken über Pri­vat­an­ge­le­gen­hei­ten und mit Be­zug zum All­tags­le­ben am En­de des 14. Jahr­hun­derts stark ge­wach­sen ist. Un­ter den da­tier­ten Stü­cken neh­men bei­spiels­wei­se Quit­tun­gen für Leib­ren­ten ei­nen be­son­ders gro­ßen An­teil ein. Im­mer wie­der be­geg­nen Be­schwer­den über die Be­schlag­nah­mung von Wa­ren, über un­ge­recht­fer­tig­te Zol­ler­he­bung und Raub. Ei­ni­ge Schrei­ben be­fas­sen sich mit der Zu­las­sung neu­er Münz­prä­gun­gen (Nr. 551 und 659) und mit Münz­ver­schlech­te­run­gen (Nr. 741 und 743); vie­le Num­mern zei­gen die zu­neh­men­de Be­kannt­heit Aa­chens als Wall­fahrts­ort: Pil­ger­rei­sen, auch aus ent­fern­ten Ge­gen­den, wur­den tes­ta­men­ta­risch oder als Süh­ne­auf­la­ge ver­fügt, oder es wur­de Ge­leit­schutz; wäh­rend des Be­suchs der al­le sie­ben Jah­re statt­fin­den­den Hei­lig­tums­fahrt er­be­ten. Kai­ser Karl IV. for­der­te die Ka­no­ni­ker des Ma­ri­en­stifts auf, die Er­in­ne­rung an Karl den Gro­ßen zu pfle­gen und den Karls­kult zu för­dern (Nr. 502); auch er­such­te er sie, dem fran­zö­si­schen Kö­nig Karl V., der ei­ne (bis­lang nicht iden­ti­fi­zier­te) Kir­che zu Eh­ren Karls des Gro­ßen er­rich­tet ha­be, Re­li­qui­en­teil­chen aus des­sen Schrein zu über­ge­ben (Nr. 594 und 595). Karl V. und Karl VI. zeig­ten ih­re Ver­bun­den­heit mit der Stadt durch die Ver­lei­hung be­zie­hungs­wei­se Be­stä­ti­gung von Zoll- und Ab­ga­be­frei­heit für al­le Aa­che­ner in ganz Frank­reich (Nr. 378).

Un­ter den Fäl­len, die sich mit Ehr­ver­let­zun­gen be­fas­sen, fällt die von Ar­nold von Wach­ten­donk von der Stadt für die un­zu­tref­fen­de An­re­de „Bas­tard" ge­for­der­te Ent­schul­di­gung auf (Nr. 762 und 763), und Jut­ta Py­tha­nen von Wal­horn wur­de we­gen Be­lei­di­gung und Hand­greif­lich­kei­ten für zwei Jah­re aus Aa­chen ver­bannt, um ei­ne Pil­ger­fahrt nach St. Ewald im el­säs­si­schen Thann zu un­ter­neh­men (Nr. 374). Aa­chens Be­deu­tung als Krö­nungs­stadt der rö­misch-deut­schen Kö­ni­ge wird in zahl­rei­chen Brie­fen er­kenn­bar, die we­gen der Ab­set­zung Kö­nig Wen­zels, der Wahl Kö­nig Ru­prechts und der Fra­ge sei­ner An­er­ken­nung von und nach Aa­chen ge­schickt wur­den.

Vie­les mehr könn­te hier als Be­leg da­für an­ge­führt wer­den, dass die Re­ges­ten ein über­aus nütz­li­ches Hilfs­mit­tel nicht nur für die Aa­che­ner Stadt­ge­schich­te, son­dern auch für die rhei­ni­sche Lan­des­ge­schich­te und die Reichs­ge­schich­te sind und ih­re Fort­füh­rung über den bis­lang be­ar­bei­te­ten Zeit­raum hin­aus wün­schens­wert wä­re.

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Gussone, Monika, Kraus, Thomas R. (Bearb.), Regesten der Reichsstadt Aachen. (einschließlich des Aachener Reiches und der Reichsabtei Burtscheid), Band 6: Datierte Stücke: 1396–1400, undatierte Stücke: 1351–1400 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 47), Düsseldorf 2008, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Literaturschau/kraus-thomas-r.-bearb.-regesten-der-reichsstadt-aachen.-einschliesslich-des-aachener-reiches-und-der-reichsabtei-burtscheid-band-6-datierte-stuecke-1396%25E2%2580%25931400-undatierte-stuecke-1351%25E2%2580%25931400-publikationen-der-gesellschaft-fuer-rheinische-geschichtskunde-47-duesseldorf-2008/DE-2086/lido/57d16729628c25.79895447 (abgerufen am 07.12.2019)