Rheinischer Städteatlas, hg. vom Landschaftsverband Rheinland (LVR), Rheinische Landeskunde [heute LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte], Gesamtredaktion Margret Wensky, Kartographie Esther Weiss, XVII. Lieferung, Köln/Weimar/Wien, Böhlau Verlag 2008

Margret Wensky (Bonn)

Nr. 89, Ra­tin­gen, be­arb. von El­fi Pracht-Jörns, 32 S. Text, 6 Ta­feln, ISBN 978-3-412-05904-0, 24,50 Eu­ro

Nr. 90, Eschwei­ler, be­arb. von Wolf­gang Löhr, 25 S. Text, 10 Ta­feln, ISBN 978-3-412-20221-7, 24,50 Eu­ro

Nr. 91, Os­ter­feld, be­arb. von Hel­mut Rönz, 17 S. Text, 10 Ta­feln, ISBN 978-3-412-20222-4, 21,50 Eu­ro

Nr. 92 Wal­s­um, be­arb. von Mi­cha­el A. Kan­ther, 20 S. Text, 8 Ta­feln, ISBN 978-3-412-20223-1, 24,50 Eu­ro

Die XVII. Lie­fe­rung des Rhei­ni­schen Städ­teat­las­ses ent­hält Städ­te oder ge­frei­te Or­te un­ter­schied­li­chen Typs: Zu den im Mit­tel­al­ter ent­stan­de­nen Städ­ten ge­hört das im 9. Jahr­hun­dert erst­mals er­wähn­te Ra­tin­gen, des­sen Stadt­er­he­bung 1276 durch den Gra­fen von Berg er­folg­te. Noch im 13. Jahr­hun­dert wur­de die Stadt be­fes­tigt. Die ers­te Stadt­er­wei­te­rung durch die An­la­ge von drei Vor­dör­fern wird be­reits im 14. Jahr­hun­dert er­folgt sein. Ih­re Blü­te­zeit er­leb­te die Stadt im 14. und 15. Jahr­hun­dert. In die­se Zeit fällt auch die Aus­bil­dung ei­nes dif­fe­ren­zier­ten und zeit­wei­se in­ter­na­tio­nal kon­kur­renz­fä­hi­gen Schmie­de­hand­werks (Waf­fen- und Sche­ren­pro­duk­ti­on). Die Krie­ge des 16. und 17. Jahr­hun­derts führ­ten zum Nie­der­gang der Stadt, die bis zum En­de des 19. Jahr­hun­derts ein Acker­bür­ger­städt­chen im Schat­ten Düs­sel­dorfs blieb. Auch die von Jo­hann Gott­fried Brü­gel­mann 1783/1784 in Crom­ford bei Ra­tin­gen ge­grün­de­te me­cha­ni­sche Baum­woll­spin­ne­rei, die „ers­te Fa­bri­k“ auf dem Kon­ti­nent, brach­te kaum neue Im­pul­se für die Stadt. Der wirt­schaft­li­che Auf­schwung kam erst mit dem Bau der Ei­sen­bah­nen ab 1846. In der Fol­ge­zeit sie­del­ten sich zahl­rei­che Un­ter­neh­men, vor­nehm­lich der Me­tall­bran­che an. 1856 wur­de Ra­tin­gen die Rhei­ni­sche Städ­te­ord­nung ver­lie­hen. Ein wich­ti­ger Ent­wick­lungs­schub nach 1945 ist mit dem Bau der Groß­sied­lung Ra­tin­gen-West ver­bun­den.

Eschwei­lers An­fän­ge ge­hen in die Ka­ro­lin­ger­zeit zu­rück. Ein­hard be­rich­tet zu 828 in der Trans­la­ti­on der Ge­bei­ne der Mär­ty­rer Mar­cel­li­nus und Pe­trus nach Se­li­gen­stadt von ei­nem Mann aus dem Kö­nigs­gut Eschwei­ler. 888 ge­hör­te Eschwei­ler zu den 43 vil­lae, de­ren Neun­ten Kai­ser Lo­thar dem Aa­che­ner Ma­ri­en­stift schenk­te. Der Kö­nigs­hof lag auf dem Nord­ufer der In­de und kam wohl Mit­te 12. Jahr­hun­dert in den Be­sitz der Köl­ner Dom­props­tei. Die­se über­gab 1244 Wil­helm von Eschwei­ler das of­fi­ci­um vil­li­ca­tio­nis in Eschwei­ler, das be­reits sei­ne Vor­fah­ren be­ses­sen hat­ten, erb­lich. Die Vog­tei über den Hof in Eschwei­ler üb­ten im 13. Jahr­hun­dert die Her­ren von Rand­erath aus, 1354 wer­den die Gra­fen von Jü­lich dort als Vög­te be­zeich­net.

Die Pfarr­kir­che, um 1308 er­wähnt, be­stand wohl be­reits im 11. Jahr­hun­dert. Sie und der Hof der Dom­props­tei bil­de­ten die Sied­lungs­ker­ne, wäh­rend die (erst im 14. Jahr­hun­dert nach­weis­ba­re) Burg auf dem Süd­ufer der In­de kei­ne sied­lungs­bil­den­de Funk­ti­on hat­te. Im 15. Jahr­hun­dert wur­de mit der Um­maue­rung des Orts­kerns be­gon­nen, die bis zum 16. Jahr­hun­dert zu ei­nem kom­pak­ten Schutz­sys­tem aus­ge­baut wur­de. 1584 wird Eschwei­ler erst­mals als Fes­tung und Fle­cken be­zeich­net, da­ne­ben hei­ßt es bis zum 18. Jahr­hun­dert auch Frei­heit, Städt­lein und 1618 ein­mal Stadt. 1858 er­hielt Eschwei­ler die Rhei­ni­sche Städ­te­ord­nung ver­lie­hen.

Seit Be­ginn des 19. Jahr­hun­derts ent­wi­ckel­te sich Eschwei­ler zu ei­nem be­deu­ten­den Stand­ort der Koh­le-, Ei­sen- und Stahl­in­dus­trie. 1834 ent­stand der Eschwei­ler Berg­werks­ver­ein (EBV), die ers­te Ak­ti­en­ge­sell­schaft in Preu­ßen. 1841 er­folg­te die An­bin­dung an die Ei­sen­bahn­stre­cke Köln-Aa­chen. Ab 1910 wur­de ne­ben dem Un­ter­ta­ge­bau der Stein­koh­le auch Braun­koh­le ge­för­dert. Sie ver­dräng­te schlie­ß­lich die Stein­koh­le, de­ren Ab­bau im Eschwei­ler Stadt­ge­biet 1944 ein­ge­stellt wur­de, wäh­rend der Braun­koh­len­ab­bau bis 1987 ging. 1975 wa­ren Ei­sen und Me­tall, Berg­bau, Was­ser, En­er­gie und Ein­zel­han­del die be­stim­men­den Wirt­schafts­sek­to­ren der Stadt.

Os­ter­feld, 1047 erst­mals er­wähnt, war ei­ne Hö­fe­sied­lung nörd­lich der Em­scher. Die­se grup­pier­te sich um die Kir­che, die Mit­tel­punkt ei­nes grö­ße­ren Kirch­spiels im kur­k­öl­ni­schen Nie­der­vest Reck­ling­hau­sen war. Da­zu ge­hör­ten ne­ben dem Dorf Os­ter­feld die Bau­er­schaft Von­der­ort so­wie Lehm­kuh­le und Bot­trop. 1803 kam Os­ter­feld an das Her­zog­tum Aren­berg, wur­de 1815 Teil der Bür­ger­meis­te­rei (ab 1841 Amt) Bot­trop im Kreis Reck­ling­hau­sen in der preu­ßi­schen Pro­vinz West­fa­len. 1891 er­folg­te die Lö­sung aus dem Amt Bot­trop und die Er­rich­tung des Am­tes Os­ter­feld. Dem Berg­bau­ort wur­de 1921 die west­fä­li­sche Städ­te­ord­nung ver­lie­hen. 1929 er­folg­te mit der Ein­ge­mein­dung in die Stadt Ober­hau­sen der Über­gang an die Rhein­pro­vinz.

Os­ter­feld war bis Mit­te des 19. Jahr­hun­derts ein agra­risch ge­präg­tes Stra­ßen­dorf mit dün­ner Be­sied­lung. Ei­ne Aus­nah­me bil­de­te ab 1760 die St. An­t­o­ny-Hüt­te in Klos­ter­hardt, die al­ler­dings nicht sied­lungs­bil­dend wur­de, son­dern ein Bei­spiel länd­li­chen Ei­sen­ge­wer­bes der Früh­in­dus­tria­li­sie­rung blieb. Erst in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts be­gann der ra­san­te Auf­stieg Os­ter­felds als In­dus­trie­stand­ort. Er ba­sier­te auf drei Säu­len: der Stein­koh­le, der Ei­sen­bahn so­wie der Stein­koh­len­ver­ed­lung und der Zu­lie­fe­rer­in­dus­trie. 1873 war der Teuf­be­ginn des Schachts Ober­hau­sen 3b auf Os­ter­fel­der Ge­biet. Er war der ers­te Schacht der ab 1888 selb­stän­dig ge­führ­ten Ze­che Os­ter­feld. 1905 folg­te die Ein­rich­tung der Ze­che Von­dern, 1912 die der Ze­che Ja­co­bi. Der ab 1891 ent­stan­de­ne, süd­west­lich des Orts­kerns ge­le­ge­ne Sam­mel- und Ran­gier­bahn­hof wuchs bis 1902 zum grö­ß­ten Ran­gier­bahn­hof Eu­ro­pas an. Er war zen­tra­ler Um­schlag­platz für die In­dus­trie­gü­ter der Re­gi­on und Mo­tor für die Ur­ba­ni­sie­rung Os­ter­felds. Spä­tes­tens seit der Koh­le­kri­se in den 1950er Jah­ren war Os­ter­feld stark vom Struk­tur­wan­del be­trof­fen. Der Stadt­teil ist heu­te vor al­lem von Wohn­be­bau­ung, mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men, Ein­zel­han­del und Dienst­leis­tung ge­prägt. Der Berg­bau spielt kei­ne Rol­le mehr.

Wal­s­um, ge­le­gen an der Mün­dung des 1906-1910 ge­bau­ten Em­scher­ka­nals (heu­te Klei­ne Em­scher) in den Rhein, ist seit der frän­ki­schen Zeit kon­ti­nu­ier­lich be­sie­delt. Das Kirch­dorf (heu­te Alt-Wal­s­um) ent­wi­ckel­te sich in ka­ro­lin­gisch-ot­to­ni­scher Zeit. Die Pfarr­kir­che wur­de von Mecht­hild von Hol­ten 1281 dem Jo­han­ni­ter­or­den ge­stif­tet, der in Wal­s­um ei­ne bis 1803 be­ste­hen­de Kom­tu­rei ein­rich­te­te. 1289 ge­lang­te die Ge­richts­ho­heit über das Kirch­spiel Wal­s­um an die Gra­fen von Kle­ve. Das Kirch­spiel war nicht völ­lig iden­tisch mit dem Ge­richts­be­zirk und um­fass­te au­ßer dem Kirch­dorf die Bau­er­schaf­ten Al­den­ra­de, We­ho­fen und Over­bruch; im 20. Jahr­hun­dert wur­de ein wei­te­rer Orts­teil Vier­lin­den ge­bil­det.

Re­la­tiv spät im Ver­gleich mit an­de­ren Städ­ten der Em­scher­zo­ne wan­del­te sich Wal­s­um von ei­ner land­wirt­schaft­lich ge­präg­ten Ge­mein­de zur In­dus­trie­ge­mein­de. Als ers­ter In­dus­trie­be­trieb ent­stand 1897-1899 ei­ne Zell­stoff­fa­brik am Rhein­ufer. Süd­lich da­von bau­te die Gu­te­hoff­nungs­hüt­te (Ober­hau­sen/Sterk­ra­de) 1902-1905 ei­nen Rhein­ha­fen mit Ei­sen­bahn­ver­bin­dung zu ih­ren Be­trie­ben in Sterk­ra­de. 1919/1920 schuf die GHH süd­lich des Ha­fens mit ei­ner Werft für Bin­nen­schif­fe wei­te­re Ar­beits­plät­ze. Von grö­ß­ter Be­deu­tung für die Ent­wick­lung Wal­s­ums war der Stein­koh­len­berg­bau. Der Thys­sen-Kon­zern mit sei­nem be­triebs­wirt­schaft­li­chen Zen­trum im be­nach­bar­ten Ham­born be­gann 1904 mit der Ab­teu­fe ei­ner Schacht­an­la­ge öst­lich von Alt-Wal­s­um, aus der nach der Auf­nah­me der För­de­rung 1930 das Ver­bund­berg­werk Wal­s­um – seit 1936 mit ei­ge­nem Ha­fen – her­vor­ging. Ein wei­te­res Thys­sen-Berg­werk im Orts­teil We­ho­fen för­der­te 1913-1933.

1905 wur­de Wal­s­um mit über 5.000 Ein­woh­nern von der Land­bür­ger­meis­te­rei Dins­la­ken ab­ge­trennt und ei­ge­ne Bür­ger­meis­te­rei. Mit der Ar­bei­ter- und An­ge­stell­ten­sied­lung der Schacht­an­la­ge in We­ho­fen (1913/1914) und der Sied­lung Vier­lin­den­hof für Be­schäf­tig­te des Walz­werks Dins­la­ken des Thys­sen-Kon­zerns (1920-1925) wan­del­te sich der Ort. In den 1950er Jah­ren setz­te mit dem Aus­bau des Berg­werks Wal­s­um und dem Aus­grei­fen des Woh­nungs­baus der Au­gust Thys­sen-Hüt­te AG auf Wal­su­mer Ge­biet ein Bau­boom ein, der Wal­s­um ei­nen mehr städ­ti­schen Cha­rak­ter ver­lieh. Die Be­völ­ke­rungs­zahl wuchs zwi­schen 1950 und 1966 um 82 Pro­zent. In den Orts­tei­len Al­den­ra­de und Vier­lin­den ent­stan­den Groß­wohn­an­la­gen in mo­der­ner, auf­ge­lo­cker­ter Bau­wei­se. Nun erst ent­wi­ckel­te sich bei­der­seits der Bun­de­stras­se 8 im Orts­teil Al­den­ra­de ein ad­mi­nis­tra­ti­ves und kom­mer­zi­el­les Zen­trum. Mit über 40.000 Ein­woh­nern wur­de Wal­s­um 1958 Stadt. Am 1.1.1975 er­folg­te die Ein­ge­mein­dung nach Duis­burg. Die Still­le­gung des Berg­werks 2008 be­schert dem Stadt­be­zirk er­heb­li­che wirt­schaft­li­che und so­zia­le Pro­ble­me.

Ne­ben dem Pflicht­pro­gramm der Kar­ten­tei­le, das aus dem je­wei­li­gen Ur­ka­tas­ter des frü­hen 19. Jahr­hun­derts, der ak­tu­el­len Deut­schen Grund­kar­te (DGK) so­wie wei­te­ren Aus­zü­gen aus den amt­li­chen Kar­ten­wer­ken des 19. und 20. Jahr­hun­derts ein­schlie­ß­lich Luft­bild­kar­ten be­steht, bie­tet je­de At­las­map­pe je nach ört­li­cher Ge­ge­ben­heit zu­sätz­li­che Kar­ten, Plä­ne und Ab­bil­dun­gen, in die­ser Lie­fe­rung bei­spiels­wei­se: für Ra­tin­gen den Aus­schnitt aus ei­nem Stadt­plan von 1927, für Eschwei­ler in­struk­ti­ve Stadt­plä­ne von 1912, 1948, 1957/1958, für Os­ter­feld ei­nen Stadt­plan von 1921 (Jahr der Stadt­er­he­bung) so­wie Ge­bäu­de­nut­zungs­kar­tie­run­gen für 1921 („In­dus­trie­kar­te“) und 2005, für Wal­s­um ei­nen Aus­schnitt aus dem Kle­vi­schen Ka­tas­ter um 1736, ei­ne Kar­te der Bür­ger­meis­te­rei von 1906 so­wie ei­nen Stadt­plan von 1952/1960. (Selbst­an­zei­ge).

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Wensky, Margret, Rheinischer Städteatlas, hg. vom Landschaftsverband Rheinland (LVR), Rheinische Landeskunde [heute LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte], Gesamtredaktion Margret Wensky, Kartographie Esther Weiss, XVII. Lieferung, Köln/Weimar/Wien, Böhlau Verlag 2008, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Literaturschau/rheinischer-staedteatlas-hg.-vom-landschaftsverband-rheinland-lvr-rheinische-landeskunde-heute-lvr-institut-fuer-landeskunde-und-regionalgeschichte-gesamtredaktion-margret-wensky-kartographie-esther-weiss-xvii.-lieferung-koelnweimarwien-boehlau-verlag-2008/DE-2086/lido/5d1b639368efb5.90604839 (abgerufen am 21.09.2019)