Rheinischer Städteatlas Bergheim. Teil 1: Siedlung

Heinz Andermahr (Bergheim)

Grundriss Bergheim nach der Urkarte von 1820/21 im Verhältnis 1 : 2.500, Entwurf: Esther Weiß, Zeichnung: Regine Binot, 2001. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

1. 1 Geographische Lage

Berg­heim liegt in der Nie­der­rhei­ni­schen Bucht, im un­te­ren Mit­te­l­erft- und Erft­mün­dungs­tal, mit An­teil an der Vil­le­hö­he im Os­ten und der Jü­li­cher Bör­de im Wes­ten. Der mit­tel­al­ter­li­che Stadt­kern liegt bei­der­seits der Erft in den Fluss­au­en an ei­nem Fluss­über­gang auf ei­ner ebe­nen Flä­che 64–66 m über NN. In der Nä­he la­gern im Ter­ti­är ent­stan­de­ne Braun­koh­le­la­ger­stät­ten, die vor­nehm­lich in der Vil­le so­wie der west­lich an­schlie­ßen­den Jü­li­cher Bör­de wirt­schaft­lich nutz­bar sind

1. 1 Verkehrsanbindung

Straßen

Bei Thorr kreuz­ten sich in der An­ti­ke die Rö­mer­stra­ßen Köln-Ba­vai und Zül­pich-Neuss (Ha­gen, Rö­mer­stra­ßen, S. 204; BJb 31, 1861, S. 126). Die Stre­cke Köln-Ba­vai be­hielt im Mit­tel­al­ter ih­re Be­deu­tung und wur­de zur Fern­han­dels­stra­ße Köln-Maas­tricht-Flan­dern, wel­che bei Jü­lich auch nach Aa­chen ab­zweig­te (Bruns/Wec­zer­ka, S. 497–499 u. Kar­te 24). Die­se Rou­te wur­de im 13. Jahr­hun­dert von den Gra­fen von Jü­lich bzw. Her­ren von Berg­heim auf dem Stre­cken­ab­schnitt von Qua­drath bis Els­dorf in ei­nem nach Nor­den ge­rich­te­ten Win­kel ver­legt und über Berg­heim ge­führt (An­der­mahr, Gra­fen, S. 72). Die al­te Rou­te über Thorr wird 1494 als ge­meyne lants­trais­se ... dat nu eyn vois­spat er­wähnt (HSTAD JB I 1148 fol. 65r)

1395 wird die Stra­ße Köln-Berg­heim-Jü­lich auf dem Ab­schnitt zwi­schen Ichen­dorf und Berg­heim als ghe­mei­ne lants­trais­sen er­wähnt (ebd. Jü­lich 480) = 1861 Köln-Lüt­ti­cher Staats­stra­ße (Sta­tis­tik Kr. Berg­heim 1863, S. 60)
1640 wird die Stra­ße Zül­pich-Berg­heim-Neuss als Zöl­cher Straß er­wähnt = 1822 Zül­pi­cher Stra­ße (Hinz, Berg­heim, S. 74) = 1861 Neuß-Le­che­ni­cher Be­zirks­stra­ße (Sta­tis­tik Kr. Berg­heim 1863, S. 60)
1861 wer­den ne­ben den obi­gen bei­den Stra­ßen in Berg­heim noch die Kom­mu­nal­we­ge Berg­heim-Garz­wei­ler über Bed­burg so­wie Ichen­dorf-Li­blar er­wähnt (ebd.)
1981 Ab­schluss der Ver­le­gung der B 55 ent­lang der Au­ßen­mau­ern der Stadt­be­fes­ti­gung (StaB 3564; vgl. Ta­fel 2, TK 25)
1983 Ab­schluss der Neu­ver­le­gung der B 477 zwi­schen Nie­der­au­ßem und Berg­heim (StaB 5654). In Berg­heim kreuzt sich die B 477 mit der B 55 (vgl. Ta­fel 2, TK 25)
1983–88 An­schluss an die Au­to­bahn A 61

Zu den Stra­ßen au­ßer­halb des Mau­er­rings vgl. auch II 5

Eisenbahn

1861 be­steht ei­ne Pfer­de­om­ni­bus­ver­bin­dung zwi­schen der Ei­sen­bahn­sta­ti­on Hor­rem und Berg­heim (Sta­tis­tik Kr. Berg­heim 1863, S. 60)
1896/97 Er­rich­tung der Berg­hei­mer Kreis­bah­nen (Schmal­spur). Rou­ten: Berg­heim-Rheidt-Dor­ma­gen (1900/04 bis Rom­mers­kir­chen ver­län­gert), Berg­heim-Bed­burg und Hor­rem- Berg­heim-Els­dorf. An­schluss an die Staats­bahn in Hor­rem (ebd. 1899, S. 53–64)
1897 Er­rich­tung ei­nes Bahn­hofs für Berg­heim auf Ken­te­ner Ge­biet (H. Bra­schoß, Die "Kö­nigl. Land­rä­te" d. Kr. Berg­heim 1816–1919. In: JBGV 5, 1996, S. 166)
1904 Fer­tig­stel­lung des Aus­baus als Nor­mal­spur­bahn und In­be­trieb­nah­me als preu­ßi­sche Ne­ben­bah­nen. Be­trei­ber: West­deut­sche Ei­sen­bahn­ge­sell­schaft (Sta­tis­tik Kr. Berg­heim 1909, S. 42–45)
1913 Ver­kauf der Kreis­bah­nen an den preu­ßi­schen Staat (An­der­mahr, Berg­heim, S. 182)

Post

Seit 1680 Kai­ser­li­che Post­hal­te­rei in Berg­heim (Thurn und Ta­xis) (H. Müh­len­weg, Über 300 Jah­re Post in Berg­heim, 1986, S. 29–35)
Seit 1692 ne­ben Post- auch Per­so­nen­be­för­de­rung. Rou­ten: Köln-Berg­heim-Jü­lich so­wie Düs­sel­dorf-Berg­heim-Dü­ren (ebd.)
1794 und 1809 Post­hal­ter­sta­ti­on be­zeugt (ebd., S. 86–92; An­der­mahr, Sta­tis­tik, S. 51)
1816 Kö­nig­lich-Preu­ßi­sche-Post­an­stalt (H. Müh­len­weg, Über 300 Jah­re Post in Berg­heim, 1986, S. 92–94)
1867 Er­rich­tung ei­ner Te­le­gra­fen­sta­ti­on (ebd., S. 146–149)
1868 Post-Ex­pe­di­ti­on I. Klas­se (ebd., S. 118–122), 1898 Bau des Post­am­tes (ebd., S. 111)
1897 An­schluss an das Te­le­fon­netz (ebd., S. 149–154)
1924 Er­öff­nung ei­ner Om­ni­bus­ver­bin­dung Köln-Berg­heim-Jü­lich (Berg­hei­mer Zei­tung v. 22. No­vem­ber 1924)

1. 2 Bodenfunde in der Gemarkung

In Berg­heim-Büs­dorf ist ein jung­pa­läo­li­thi­scher Fund­platz nach­zu­wei­sen (BJb 185, 1985, S. 427; J. Au­ler, Ein neu­er Fund­platz aus d. frü­hen jün­ge­ren Alt­stein­zeit b. Berg­heim-Büs­dorf. In: Pul­hei­mer Bei­trä­ge 13, 1989, S. 7–14; BJb 188, 1988, S. 289–294). Im Um­kreis von Berg­heim sind zahl­rei­che Fun­de aus dem Neo­li­thi­kum be­kannt (Hinz, Berg­heim, S. 201 f.; BJb 171, 1971, S. 482 f.; 174, 1974, S. 584; 179, 1979, S. 680; M. Rech, Ein band­ke­ra­mi­sches Erd­werk b. Berg­heim-Glesch. In: Rhein. Aus­gra­bun­gen 19, 1979, S. 363–384). Aus der vor­rö­mi­schen Ei­sen­zeit sind Sied­lungs­spu­ren so­wie Grab­hü­gel der Nie­der­rhei­ni­schen Grab­hü­gel­kul­tur lo­ka­li­siert (Hinz, Berg­heim, S. 45 f.; H.-E. Joa­chim, Spät­hall­statt­zeitl. Sied­lungs­res­te b. Berg­heim. In: Rhein. Aus­gra­bun­gen 17, 1976, S. 141–149). Das Iti­ne­ra­ri­um pro­vin­ciar­um An­to­ni­ni Au­gus­ti En­de des 3. Jahr­hun­derts n. Chr. er­wähnt an der Stra­ße Köln-Ba­vai ei­nen Ort Ti­be­ria­cum (O. Cuntz <Hg.>, Iti­ne­ra­ria An­to­ni­ni et Bur­di­ga­len­se, 1929, S. 57). Die­ses Ti­be­ria­cum, ein rö­mi­scher vi­cus, könn­te auf­grund der Ent­fer­nungs­an­ga­be und des Orts­na­mens Zie­ve­rich in Thorr ge­le­gen ha­ben (An­der­mahr, Berg­heim, S. 16–21). Grö­ße­re rö­mi­sche Trüm­mer­flä­chen in Thorr, Stra­ßen­grä­ber, ein Ma­tro­nen­hei­lig­tum, ein Mer­ku­r­al­tar so­wie der Stra­ßen­kreu­zungs­punkt un­ter­strei­chen die­se An­nah­me. Ein zum vi­cus ge­hö­ren­des um­fang­rei­ches Grä­ber­feld des 1. und 2. Jahr­hun­derts n. Chr. ist 1995 am Orts­aus­gang von Thorr in Rich­tung Grou­ven aus­ge­gra­ben wor­den (Ar­chäo­lo­gie im Rhein­land 1995, S. 72–74; P. Wag­ner, Rom in Berg­heim, 1997)

Am Schnitt­punkt der Rö­mer­stra­ße Köln-Ba­vai mit dem Erft­ka­nal wur­de 1975 ei­ne Stra­ßen­sta­ti­on des 2. Jahr­hun­derts aus­ge­gra­ben (BJb 177, 1977, S. 569–577). Bei Berg­heim-Wie­den­feld ist ein rö­mi­sches La­ger frei­ge­legt wor­den, das im 2. Jahr­hun­dert n. Chr. vor­über­ge­hend als Sam­mel­sta­ti­on für das rö­mi­sche Mi­li­tär der Rhein­gar­ni­so­nen dien­te (W. Pie­pers, Ein röm. La­ger b. Berg­heim-Wie­den­feld. In: Rhein. Aus­gra­bun­gen 10, 1971, S. 18–78). Zwi­schen Qua­drath und Gro­ß­kö­nigs­dorf lag die "Hei­den­burg", ein be­fes­tig­ter rö­mi­scher Stra­ßen­pos­ten, der auf­grund von Münz­fun­den ver­mut­lich beim Fran­ken­ein­fall von 259/60 un­ter­ge­gan­gen ist (BJb 133, 1928, S. 238 f.). Im Um­kreis von Berg­heim sind zahl­rei­che vil­lae rusti­cae lo­ka­li­siert (Hinz, Berg­heim, S. 53–60)

1. 3 Erste Erwähnung, folgende Namenbelege und abweichende Formen

Ers­te Er­wäh­nung und fol­gen­de Na­men­be­le­ge bis 1250, da­nach nur ab­wei­chen­de Na­men­for­men

962 in Ber­ge (Or), Ber­che (Ko­pi­ale Über­lie­fe­rung aus dem 15. Jahr­hun­dert, ver­fälscht, RhUB 250; NrhUB I 105 nach Trans­sumpt v. 1523; REK I 449 nach Or). Iden­ti­fi­zie­rung mit Berg­heim frag­lich
1028 Berch­eim (Fälsch nach Mit­te des 13. Jahr­hun­derts, RhUB 88 = REK I 733; zur Da­tie­rung vgl. E. Wi­spling­hoff, Die Ur­kun­den­fäl­schun­gen aus d. Ben edik­ti­ner­klos­ter Brau­wei­ler b. Köln. In: JKGV 31/32, 1957, S. 32–73)
1051 Berch­eim (Fäl­schung um 1263, RhUB 90 = DH III 272 = REK I 822)
1051 Ber­chem (Fäl­schung zwei­te Hälf­te des 13. Jahr­hun­derts, RhUB 93 nach an­gebl. Or = NrhUB I 185; DH III 400 nach an­gebl. Or 12. Jahr­hun­dert)
(1089) Berg­heim (To­ten­buch des 18. Jahr­hun­derts, E. Pauls, Bei­trä­ge z. Adels­ge­schich­te d. ehe­ma­li­gen kai­serl. frei­en Reichs­ab­tei Kor­ne­li­müns­ter u. d. da­zu ge­hö­ren­den Länd­chens. In: Vier­tel­jah­res­schrift f. He­ral­dik, Sphra­gis­tik u. Ge­nea­lo­gie 1877, S. 69; zur Da­tie­rung vgl. REK I 1193)
(1145/46) Ber­chem (Ko­pi­ale Über­lie­fe­rung aus dem 18. Jahr­hun­dert, AHVN 81, 1906, S. 118 f.)
(vor 1149) Ber­chem (Über­lie­fe­rung aus dem 16. Jahr­hun­dert, Chro­ni­con Brun­wyl­ren­se. In: AHVN 17, 1866, S. 143)
(1158/76) Ber­chem (Ko­pi­ale Über­lie­fe­rung aus dem 18. Jahr­hun­dert, AHVN 81, 1906, S. 120 f.)
[1180] Berch­eim (REK II 1040; M. S. P. Ernst, His­toire du Lim­bourg VI, 1847, Nr. 64; zur Da­tie­rung vgl. REK II 1154)
1234 Ber­chem (NrhUB II 193; zur Da­tie­rung vgl. A. Koch/J. Wil­le, Re­ges­ten d. Pfalz­gra­fen am Rhein I, 1894, Nr. 368)
1239 Ber­chem (An­na­les Sanc­ti Pan­ta­leo­nis Co­lo­ni­en­sis, MGH SS XXII, 1872, S. 532; Chro­ni­ca Re­gia Co­lo­ni­en­sis, MGH SS rer. Germ. VIII, 1880, S. 275)
1240/46 Berg­hem (S. Borm­ans/E. School­mee­sters, Car­tu­lai­re de l'ég­li­se Saint Lam­bert de Liè­ge I, 1893, Nr. 433)
1243 Ber­chem (ebd. Nr. 372)
1249 Berg­heim (NrhUB II 342; REK III 1446)
1354 Ber­che­ym ... up der Arf­fe (A. Fah­ne, Co­dex di­plo­ma­ti­cus Sal­mo-Reif­fer­schei­da­nus, 1858, Nr. 198)
1553 Ber­chem up der Erfft (Ko­pi­ale Über­lie­fe­rung aus dem 18. Jahr­hun­dert, J. Kloft, In­ven­tar d. Ur­kun­den­ar­chivs d. Fürs­ten v. Hatz­feld-Wil­den­burg zu Schönstein/Sieg III, 1980, Nr. 1277)

Berg­hei­mer­dorf

1460 Ber­che­mer­dorp (HSTAD Kor­ne­li­müns­ter 114), seit­her für das Dorf im Ge­gen­satz zur Stadt Berg­hei­mer­dorf oder Ber­che­mer­dorf 

Ad­jek­ti­visch

1194 Ber­ge­men­sis (Ko­pi­ale Über­lie­fe­rung aus dem 15. Jahr­hun­dert, UB Stein­feld 30; NrhUB I 544)
1303 berg­hei­men­sis (AHVN 32, 1907, S. 141; zur Da­tie­rung vgl. A. Til­le, Über­sicht über d. In­halt d. klei­ne­ren Ar­chi­ve d. Rhein­pro­vinz I, 1899, S. 83)
(1308) Ber­che­men­sis (Li­ber Va­lo­ris)
1356/93 Berg­he­men­sis, Berch­ge­men­sis (als Auf­schrift auf Berg­hei­mer Mün­zen: H. Schrön, Die Ge­prä­ge d. Berg­hei­mer Mün­ze-Jü­lich­sche Mün­zen aus Berg­heim. In: JBGV 5, 1996, S. 54–72)

1. 4 Bezeichnung der Siedlung

1028 pre­di­um (I 3)
1051 pre­di­um (I 3)
1239 ca­s­trum (I 3)
1265 Ja­nu­ar 21 cur­tis in Berg­heim (HSTAD Kamp 149)
1265 cur­tis (ZAGV 3, 1881, Nr. 15)
1280 vil­la (F. Fop­pens, Au­ber­ti Mi­ra­ei ope­ra di­plo­ma­ti­ca II, Brüs­sel 1723, Nr. 114)
1286 ca­s­trum ... cum mo­len­di­no ibi­dem et sub­ur­bio (UB Köln III 267; REK III 3099)
1312 op­pi­dum (StaK Ku­ni­bert 1/148)
1317 de burg ind die stat van Berg­heim, hier­schaf van Berg­heim (NrhUB III 163; REK IV 1004)
1354 Statt (I 3)
1361 stat (StaK Kla­ra 2/81)
1412 stat, sloss ind ampt (NrhUB IV 72)
1412 dorp ind Kirspel Berg­heim (für Berg­hei­mer­dorf, A. Fah­ne, Co­dex di­plo­ma­ti­cus Sal­mo-Reif­fer­schei­da­nus, 1858, Nr. 302)
1816 Fle­cken
1898 Stadt (III 3)
1941 Stadt (III 3)

1. 5 Bezeichnung der Siedlungsbewohner

1265 Ja­nu­ar 21 fa­mi­lia cur­tis nost­re in Berg­heim (I 4)
1265 fa­mi­lia cur­tis in Berg­heim (= Berg­hei­mer­dorf) (I 4)
1290 ho­mi­nes (UB Köln III 346)
1320 ci­ves (ebd. IV 78)
1390 bur­ger (HSTAD Jü­lich 444)
1433 bur­ger (III 3)
1447 lu­de, un­der­sais­sen (HSTAD JB 633)
1503 bur­ger ind in­ge­ses­sen, un­der­da­nen zo Berg­heim (ebd. Le­hen Spec. 17)
1553 na­ebe­ren, ge­mein na­eber­schaft (Red­lich I, S. 350)
1554/55 mit­bur­ger, un­dert­ha­nen (für Berg­hei­mer­dorf) (H. Esch­bach, Die Er­kun­di­gung über d. Ge­richts­ver­fas­sung im Her­zog­tum Jü­lich v. 1554 u. 1555. In: DJb 17, 1902, S. 127)
1569 ein­wöh­ner (für Berg­hei­mer­dorf) (PfaB 265 fol. 128r)

1. 6 Wüst gewordene Nachbarsiedlungen

Boh­len­dorf

1196 erst­mals er­wähnt (Trans­sumpt 1540, de Bu­lin­dorp, Lac Arch VI, S. 417), im 14. Jahr­hun­dert bis auf die Burg wüst (H. Hinz, Wüs­tun­gen, S. 352)

Cur­men

1196 erst­mals er­wähnt (Trans­sumpt 1540, de Cu­e­me­ne, Lac Arch VI, S. 417), im 18. Jahr­hun­dert wüst ge­wor­den (Hinz, Wüs­tun­gen, S. 343 f.; H. Schlä­ger <Hg.>, Frau­wei­ler, Gars­dorf, Wie­den­feld. Dör­fer im Ab­bau­ge­biet d. Braun­koh­le, 1961, S. 60 f.)

Fol­bre­tis­ho­ven/Vol­brechts­ho­ven 

1187 als vil­la Fol­bre­tis­ho­ven er­wähnt (REK II 1301), im 13. Jahr­hun­dert wüst ge­fal­len (Hinz, Wüs­tun­gen, S. 344)

Gins­ter­hof 

1474 er­wähnt (AHVN 30, 1876, S. 62), im 19. Jahr­hun­dert wüst ge­fal­len (Hinz, Wüs­tun­gen, S. 345)

Hol­trop

Fron­hof aus der zwei­ten Hälf­te des 9. Jahr­hun­derts  ar­chäo­lo­gisch nach­ge­wie­sen, 1196 erst­mals er­wähnt (Trans­sumpt 1540, de Holt­torp, Lac Arch VI, S. 417). Zwei­tei­li­ge Burg­an­la­ge, seit dem 14. Jahr­hun­dert Jü­li­cher Le­hen, muss­te 1958 dem Ta­ge­bau wei­chen (W. Pie­pers, Burg Hol­trop, 1960)

Lapp­rath

1374 als Lap­pen­ro­ede erst­mals er­wähnt (HSTAD Kor­ne­li­müns­ter 54), im 18. Jahr­hun­dert wüst ge­wor­den (Hinz, Wüs­tun­gen, S. 347)

Pan(n)hau­sen

1155 erst­mals er­wähnt (cur­tis de Pan­hu­sen, NrhUB I 384), 1262 als Müh­le der Ab­tei Kor­ne­li­müns­ter (HSTAD Kamp 141), im 17. Jahr­hun­dert wüst ge­wor­den (Hinz, Wüs­tun­gen, S. 353; H. Schlä­ger <Hg.>, Frau­wei­ler, Gars­dorf, Wie­den­feld. Dör­fer im Ab­bau­ge­biet d. Braun­koh­le, 1961, S. 59 f.)

 
Wach­ten­doncks­hof

1487 er­wähnt (Wach­ten­doncks­hof, Erft­land 7, 1930, S. 51), im 18. Jahr­hun­dert wüst ge­wor­den (Hinz, Wüs­tun­gen, S. 349; H. Schlä­ger <Hg.>, Frau­wei­ler, Gars­dorf, Wie­den­feld. Dör­fer im Ab­bau­ge­biet d. Braun­koh­le, 1961, S. 62)

Wie­den­feld

1117 er­wähnt (Wy­den­velt) (Ko­pi­ale Über­lie­fe­rung aus dem 15. Jahr­hun­dert, AHVN 44, 1885, S. 25), muss­te 1968 dem Ta­ge­bau wei­chen (H. Schlä­ger <Hg.>, Frau­wei­ler, Gars­dorf, Wie­den­feld. Dör­fer im Ab­bau­ge­biet d. Braun­koh­le, 1961, S. 90–100)

 
For­tu­na

1861 be­stand in der Berg­ar­bei­ter­sied­lung ein Haus­halt mit fünf Per­so­nen. In­fol­ge des Auf­blü­hens der Braun­koh­len­in­dus­trie wuchs der zur Ge­mein­de Ober­au­ßem ge­hö­ren­de Ort rasch (1928: 1.481 Ein­woh­ner). 1923 wur­de For­tu­na selb­stän­di­ge Pfar­re. 1985 Ab­schluss der Um­sied­lun­gen aus For­tu­na, das dem Braun­koh­len­ab­bau wei­chen muss­te (F. W. Noll, Hei­mat­kun­de d. Kr. Berg­heim, 21928, S. 213 f.; D. Witt, Die Kraft­wer­ke For­tu­na, 1910, S. 12; F. Dick­mann, Um­sied­lungs­at­las d. Rhein. Braun­koh­len­re­viers, 1996, S. 157)

Im­men­ho­ven

1137/77 Im­men­ho­ven (H. Mos­ler, Ge­schich­te d. Be­sit­zes d. Ab­tei Kamp im heu­ti­gen Kreis Berg­heim <Erft>. Un­ver­öf­fent­lich­te Ur­kun­den u. Ak­ten v. 1137–1802, 1974, S. 49). Zwi­schen Au­en­heim und Hü­chel­ho­ven ge­le­gen, nach 1280 wüst ge­wor­den (Hinz, Wüs­tun­gen, S. 351)

Haus Laach

1229/38 als Lae­che er­wähnt (UB Al­ten­berg I 141). 1336 gab es au­ßer der Burg noch drei bäu­er­li­che Zins­gü­ter (E. Dar­aps­ky, Die ländl. Grund­be­sitz­ver­hält­nis­se d. Köln. Stif­tes S. Ge­re­on bis zum Jah­re 1500, 1943, S. 155). 1918 als Wohn­haus auf­ge­ge­ben und nach 1945 weit­ge­hend ab­ge­tra­gen (A. Ohm/A. Ver­beek, Kr. Berg­heim II, 1971, S. 21)

Zum Rött­gen

1417 als Gü­ter zo­me Raet­gyn er­wähnt (HSTAD Jü­lich 657), Sied­lung west­lich Escher­müh­le mit Scher­ben­fun­den des 10.–15. Jahr­hun­derts (Hinz, Wüs­tun­gen, S. 344 f.; L. Jan­sen, Die Wüs­tung Ro­de/Rött­gen b. Escher­müh­le, Stadt Berg­heim. In: JBGV 9, 2000, S. 3–26), 1669 wüst (HSTAD JB III R Amt Berg­heim 211 I fol. 70r)

Klos­ter Beth­le­hem

1648–63 Bau des Fran­zis­ka­ner­klos­ters, 1966 we­gen des vor­an­schrei­ten­den Ta­ge­baus ab­ge­bro­chen (IV 5 Klos­ter Beth­le­hem)

Hon­rath 

1196 als Ha­en­ro­ede er­wähnt (Lac Arch VI, S. 416), zwi­schen Ichen­dorf und Kö­nigs­dorf ge­le­gen, be­stand im 16. Jahr­hun­dert aus sechs bis sie­ben Sie­chen­häu­sern und ei­ner Ka­pel­le (See­gen Ca­pell); 1712–20 Auf­ga­be der Sied­lung (K. A. Füs­se­nich, Das Sie­chen­haus zu Hon­rath. In: AHVN 80, 1906, S. 134–138)

Bergheim und Umgebung 1807/08 im Verhältnis 1 : 25.000; Zusammensetzung der Blätter 70 Bergheim und 80 Kerpen der Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und v. Müffling 1803-1828, 2001. (Landesvermessungsamt NRW/ Nr. 2000 039)

 

1. 7 Ortsteile, Gebietsveränderungen, Eingemeindungen

1433 Die Dör­fer Thorr und Zie­ve­rich ge­hö­ren zur Stadt Berg­heim (III 3)
1554/55 Zum Stadt­ge­richt Berg­heim ge­hö­ren als mit­bur­ger et­li­che un­dert­ha­nen zu Berg­hei­mer­dorf, Zie­ve­rich und Thorr teil­wei­se (H. Esch­bach, Die Er­kun­di­gung über d. Ge­richts­ver­fas­sung im Her­zog­tum Jü­lich v. 1554 u. 1555. In: DJb 17, 1902, S. 127)
1669 Stadt­be­zirk = Stadt­ge­richts­be­zirk, wo­zu ne­ben der Stadt Berg­heim die Dör­fer Thorr und Zie­ve­rich so­wie Berg­hei­mer­dorf halb biß ahn juncker Wolffs hauß und hoff (= Wie­sen­stra­ße) ge­hö­ren (HSTAD JB III R Amt Berg­heim 211 II fol. 1a, 1c; An­der­mahr, De­skrip­ti­on, S. 85 f.; III 1III 4)
1798 Bil­dung von Mai­rie und Kan­ton Berg­heim (S. Graumann, Fran­zö­si­sche Ver­wal­tung am Nie­der­rhein. Das Ro­er­de­par­te­ment 1798–1814, 1990, S. 18)
1800 Mai­rie Berg­heim mit Berg­heim, Zie­ve­rich, Berg­hei­mer­dorf, Ken­ten, Qua­drath, Ichen­dorf, Wie­den­feld (A. J. Dorsch, Sta­tis­tique du dé­par­te­ment de la Ro­er, 1804, S. 21; StaB Stan­des­amts­re­gis­ter)
1816 Bür­ger­meis­te­rei Berg­heim mit dem Fle­cken Berg­heim, Berg­hei­mer­dorf, Klos­ter Beth­le­hem, Boh­len­dorf, Gins­ter­hof, Ichen­dorf, Ken­ten, Plies­müh­le, Qua­drath, Schlen­der­han, Wie­den­feld, Zie­ve­rich. Berg­heim und Berg­hei­mer­dorf bil­den seit 1845 die Spe­zi­al­ge­mein­de Berg­heim-Berg­hei­mer­dorf in­ner­halb der Bür­ger­meis­te­rei (vgl. Ta­fel 3, Über­sichts­kar­te der Bür­ger­meis­te­rei Berg­heim 1823)
1816 Kreis Berg­heim, Re­gie­rungs­be­zirk Köln
1872 Berg­heim und Berg­hei­mer­dorf er­hal­ten den ge­mein­sa­men Na­men Berg­heim (Amts­bl. Reg. Köln 1872, Nr. 35)
1876 bis 1908 und 1918–37 wer­den die Bür­ger­meis­te­rei Berg­heim und Paf­fen­dorf in Per­so­nal­uni­on ver­wal­tet. Die Bür­ger­meis­te­rei Berg­heim um­fasst fünf Spe­zi­al­ge­mein­den mit ei­ge­nem Haus­halt: Berg­heim, Ken­ten, Qua­drath-Ichen­dorf, Wie­den­feld und Zie­ve­rich, die Bür­ger­meis­te­rei Paf­fen­dorf, die Spe­zi­al­ge­mein­den Paf­fen­dorf, Glesch, Nie­der­au­ßem und Ober­au­ßem (H. Schrön (Hg.), Bür­ger­meis­ter Si­mon: Denk­schrift über d. Ver­ei­ni­gung d. Bür­ger­meis­te­rei­en Berg­heim u. Paf­fen­dorf <1922>. In: JBGV 3, 1994, S. 118–143)
Ab 1928 Bil­dung des Am­tes Berg­heim (StaB 0344)
1933–37 wer­den die Äm­ter Berg­heim und Paf­fen­dorf so­wie die amts­freie Ge­mein­de Hü­chel­ho­ven in Per­so­nal­uni­on ver­wal­tet (StaB 0710)
1937 Die Äm­ter Berg­heim und Paf­fen­dorf so­wie die amts­freie Ge­mein­de Hü­chel­ho­ven wer­den zu ei­nem neu­en Amt Berg­heim mit Amts­sitz in Berg­heim zu­sam­men­ge­schlos­sen (Amts­bl. Reg. Köln 1937, Nr. 111)
1938 Ein­glie­de­rung der Ge­mein­den Ken­ten und Zie­ve­rich in die Ge­mein­de Berg­heim (Amts­bl. Reg. Köln 1938, Nr. 62)
1958 Ein­glie­de­rung der Ge­mein­de Wie­den­feld in die Stadt Berg­heim (GV. NW. 1958, S. 129)
1975 Die Stadt Berg­heim und die Ge­mein­den Glesch, Hü­chel­ho­ven, Nie­der­au­ßem, Ober­au­ßem-For­tu­na, Paf­fen­dorf und Qua­drath-Ichen­dorf wer­den zu ei­ner neu­en Ge­mein­de zu­sam­men­ge­schlos­sen. Die­se er­hält den Na­men Berg­heim und führt die Be­zeich­nung Stadt. Ein­glie­de­rung von Ahe und Thorr (aus der Ge­mein­de Hep­pen­dorf, Amt Els­dorf) so­wie Au­en­heim aus der Stadt Bed­burg in die neue Stadt Berg­heim (GV. NW. 1974, S. 1072; Ge­biets­ver­än­de­rungs­ver­trag von 1974, StaB 0125 f.)

1. 8 Gemarkungsgröße

1885 = 943 ha; 1895 und 1905 = 944,2 ha; 1925 = 948,6 ha; 1946 = 1537 ha; 1975 = 9697 ha

Luftbild Bergheim von 1998 im Verhältnis ca. 1 : 5.000, Ausschnitt aus dem Orthobild Berheim. (Landesvermessungsamt NRW/ S 1344/2001)

 
Zitationshinweis

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Andermahr, Heinz, Rheinischer Städteatlas Bergheim. Teil 1: Siedlung, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-bergheim.-teil-1-siedlung/DE-2086/lido/6620e9bdaddf54.27344881 (abgerufen am 05.03.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 30.07.2025, zuletzt geändert am 07.08.2025

Auch über Rheinischer Städteatlas Bergheim, bearbeitet von Heinz Andermahr (Lieferung XIV, Nr. 74, 2001)