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2. 1 Burg
Die Burg Bergheim ist wohl Anfang des 13. Jahrhunderts von den Grafen von Jülich infolge ihrer Vogtei über die Grundherrschaft der Abtei Kornelimünster in Bergheimerdorf erbaut worden. 1239 belagerte und eroberte der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden die Burg (castrum comitis Iuliacensis, Berchem dictum, obsidet et hoc in deditionem acceptum incendit et diruit, I 3). 1249 scheint sie wieder aufgebaut gewesen zu sein, denn Walram I. von Bergheim, Bruder Graf Wilhelms IV. von Jülich, verpflichtete sich, sie seiner Gemahlin Mechthild von Müllenark als Ausstattung zu überlassen (NrhUB II 342; REK III 1446). Offenbar besaßen die Bergheimer Herren die Burg von den Grafen von Jülich als Unterlehen (NrhUB III 163; REK IV 1004). 1286 trug Walram II. von Bergheim die Burg dem Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg zu Lehen auf (I 4). Nach dem Tod Walrams II. gelangte sie 1312 wieder in Jülicher Besitz, war jedoch mit dem Kölner Erzstift strittig. Durch Schiedsspruch wurde sie 1317 den Grafen von Jülich zugesprochen (I 4)
Die Burg, die an der Stadtmauer in Richtung Bergheimerdorf lag, ist heute vollständig unter der Bebauung verschwunden. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts war "eine ansehnliche Ruine mit Türmen, Gräben etc. vorhanden" (Kunstdenkmäler, S. 37). Die archäologische Untersuchung der Hauptburg 1997 hat ergeben, dass diese aus einer Steinaufschüttung von 2,50 m Höhe und 15 m x 30 m Umfang bestanden hat. Der Burghügel trug vermutlich einen mehrgeschossigen Wohnturm in Fachwerkbauweise. Die gesamte Anlage war durch Wassergräben und einen Palisadenzaun gesichert. Ein für den Bau der Burg verwendeter Eichenpfahl muss nach dem dendrochronologischen Befund um 1255 +/- 5 gefällt worden sein (U. Ocklenburg, Erste Spuren d. Burganlage Bergheims. In: JBGV 7, 1998, S. 38–48). Bislang ist weder zu klären, ob diese Anlage der Nachfolgebau der 1239 zerstörten Burg war, noch wann die Burg aufgegeben worden ist. Der Quellenlage nach müsste die Aufgabe kurz nach 1412, dem Jahr ihrer letzten schriftlichen Überlieferung (sloss, NrhUB IV 72), erfolgt sein. Die spärlichen archäologischen Befunde könnten eine vom Landesherrn veranlasste Abtragung der Burg nahelegen
2. 2 Siedlungsentwicklung und Befestigung
Bergheimerdorf
Zeitlich älter als die Stadt Bergheim ist die Siedlung Bergheimerdorf, deren Existenz in fränkischer Zeit durch Keramikfunde gesichert ist. Der Fundstelle nach könnte diese älteste Siedlung auf dem Kirchberg in Nähe der Remigiuskirche zu suchen sein, wahrscheinlich in der Umgebung des späteren Abtshofes (Hinz, Bergheim, S. 204; BJb 163, 1963, S. 555). Die wohl ursprünglich königliche Grundherrschaft wurde (1028) durch die Pfalzgrafen der Abtei Kornelimünster geschenkt (I 3). Der Haupthof der Grundherrschaft (1265 curtis, 1280 villa, I 4; III 1) dürfte in dem zwischen der Pfarrkirche und der Kirchstraße gelegenen Abtshof zu suchen sein (Andermahr, Bergheim, S. 35). Dieser besaß 1669 70 Mg Ackerland, 23 Mg Benden und 10 Mg Busch (Wald) (HSTAD JB III R Amt Bergheim 211 II fol. 21r/v). Auf dem Kirchberg, angrenzend an den Abtshof, wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Pfarrkirche errichtet, die allerdings wohl einen Vorgängerbau hatte (IV 1). Das Remigiuspatrozinium wie auch der Umfang des Bergheimer Pfarrbezirks deuten darauf hin (IV 2; IV 4)
Stadt Bergheim
Der Siedlungsursprung der Stadt Bergheim liegt nicht im Bereich von Bergheimerdorf, sondern abseits davon nahe der sumpfigen Erftniederung. Ausgangspunkt für die Stadt wurde die von den Grafen von Jülich Anfang des 13. Jahrhunderts erbaute Burg (II 1), aus deren zugehöriger Siedlung sich die Stadt entwickelte. Das Urkataster von 1820/21 (Tafel 1, Grundriss) lässt noch den älteren, von Wasserläufen eingefassten Ortskern erkennen, der wohl identisch mit dem 1286 erwähnten suburbium (I 4) ist. Es wurde im Osten flankiert von der Kleinen Erft (1525 kleine Arfft, Erftland 7, 1924, S. 54) und im Westen von einem Erftarm, der mit dem 1361 erwähnten Flutgraben gemeint sein dürfte (buyne der stat van Bergheim up deyme vloytgraben, StaK Klara 2/81), 1632 als floetgraven (PfaB 640) und 1669 als mullen Erfft bezeichnet (HSTAD JB III R Amt Bergheim 211 II fol. 8r; Andermahr, Deskription, S. 91). Dieser Wasserlauf führte nicht nur der Bergheimer Mühle das Wasser zu, sondern speiste auch die rings um die Stadtmauer gelegenen Gräben und Weiher. Dieser Flutgraben ist erst 1926 kanalisiert worden (StaB 0326, S. 305)
Wohl im Zusammenhang mit der Stadtgründung erfolgte (1300) eine Erweiterung der ursprünglichen Burgsiedlung durch einen regelmäßigen, fast quadratischen westlichen Stadtteil. Der Flutgraben war damit nicht mehr Grenzfluss zur Sicherung nach Westen, sondern durchzog die Stadt als Mittelachse und schied das ältere östliche von dem jüngeren westlichen Siedlungsareal. Die Stadtteile wurden durch eine zweibogige steinerne Brücke verbunden. Nach der Erweiterung wurde die Gesamtanlage mit einem einheitlichen rechteckigen Mauerring umgeben. Das älteste Bergheimer Schöffensiegel von 1325, welches eine Ringmauer mit zwei Stadttoren zeigt, könnte darauf hinweisen, dass der Ausbau des Ortes mit Ringmauer und Toren zu dieser Zeit zumindest in der Ausführung begriffen war (III 5 Siegel). Bei den Steinen, die Gottfried, Herr von Bergheim, 1329 aus der Gegend von Sinzig nach Bergheim befördern ließ, handelt es sich wohl um die Basaltsteine, die noch im Aachener Tor zu sehen sind. Die Nachricht zeigt, dass zu dieser Zeit die Baumaßnahmen noch im Gange waren (V. F. v. Gudenus, Codex diplomaticus sive anecdotorum res Moguntinas, Francicas, Trevirenses, Colonienses II, Frankfurt 1747, S. 1364). Die frühesten schriftlichen Belege für die Tore stammen aus dem Ende des 15. Jahrhunderts bzw. 16. Jahrhundert
Die auf zwei Seiten fast vollständig erhaltene Stadtmauer besitzt im Westen eine Länge von 200 m, im Norden von 300 m und umfasst ein Areal von 60 ha. Hauptachse ist die alte Handelsstraße Köln-Aachen-Maastricht, welche im Osten vom Kölner Tor und im Westen vom Aachener Tor gesichert wurde. Außer dem Aachener Tor sind Reste von sechs Türmen erhalten, die mit einer Ausnahme alle auf den Mauerabschnitten des westlichen Stadtteils liegen. Die 15 Türme, die die Abbildung der Stadt im Codex Welser von 1723 zeigt, hat die Stadtmauer sicher nie besessen (Kunstdenkmäler, S. 30; vgl. Tafel 1, Grundriss u. DGK; II 3; II 4)
Von 1402 an überließen die Landesherren der Stadt mehrfach die Einnahmen aus Grut und Akzise zum Zwecke des Stadtaufbaus bzw. der -befestigung (III 2 Akzise; III 3). Zwischen den Stadtmauern und Wällen umschlossen acht bis zu 3 Mg große Weiher die Stadtumwehrung (HSTAD JB III R Amt Bergheim 50 fol. 239v–240r). In nordöstlicher Richtung war der Stadt eine Bastion vorgelagert, vermutlich mit Batterieturm, der 1565/66 als Rondeill erwähnt wird (ebd. fol. 240v) und wohl auf ein 1439 errichtetes (oder ausgebessertes?) bolwerck zurückgeht (ebd. JB I 1057). Das Urkataster von 1820/21 lässt die Lage im Gelände noch erkennen (Tafel 1)
1541 ließ Herzog Wilhelm von Jülich in Anbetracht des geldrischen Krieges u. a. die Stadt Bergheim besonders befestigen (v. Below, Landtagsakten I 57). An den Festungsarbeiten war 1541/42 Johann Gardesuner beteiligt, die Leitung hatte Meister Heinrich von Bruenswich (F. Lau, Die Architektenfamilie Pasqualini. In: DJb 31, 1925, S. 102). 1542 wurde Bergheim von Truppen der Maria von Ungarn eingenommen und zerstört: Bergheim wart gebrant all (O. Dresemann, Die jülichsche Fehde 1542–1543. In: AHVN 61, 1895, S. 63; Das Buch Weinsberg I, 1886, S. 172). 1580/81 war die Stadt noch nicht wieder aufgebaut, die Stadtmauer baufällig, weshalb der Kellner des Amtes Bergheim Reparaturarbeiten durchführen ließ (HSTAD JB III Amt Bergheim 53 fol. 85r). 1582 baten die Bergheimer den Landesherrn, die Renten der Bergheimer Kapelle für die reparierung irrer verwoester und verbranter stat und zerrissenen mauren verwenden zu dürfen (Redlich II 1, S. 23). 1592 wird Bergheim wieder als Statt situs munitissimus erwähnt (AHVN 28/29, 1876, S. 305)
1614 wurde Bergheim von Truppen des spanischen Feldherrn Spinola erobert (A. Müller, Der Jülich-Clevische Erbfolgestreit im Jahre 1614, 1900, S. 89), 1642 Einnahme durch französisch-hessisch-weimaranische Truppen. Haben selbe Völker das gantze Köllnische und Jülicher Landt ausgeplündert, viel Schlösser als Hölcherath, Bedbur, Reifferscheidt, Caster, B, Kirchen, Klöster und adeliche Häusser (G. Engelbert, Der Hessenkrieg am Niederrhein <I>. In: AHVN 161, 1959, S. 100f.; G. Eckertz, Fontes Adhuc Inediti Rerum Rhenanarum II, 1870, S. 20). Bergheim wurde als Bollwerk gegen die kaiserlichen Truppen stark befestigt. Im Herbst 1642 wurde die Stadt von einem kaiserlichen Heer zurückerobert (Engelbert, Hessenkrieg <II>. In: AHVN 162, 1960, S. 56, 58; ders., Schadensliste zum Hessenkrieg am Niederrhein. In: AHVN 163, 1961, S. 136 f.)
Siedlungsentwicklung seit Ende des 19. Jahrhunderts
Erst 1880 erfolgte nach dem Abriss des Kölner Tores erstmals eine systematische Bebauung über die mittelalterliche Stadtmauer hinaus (zur Siedlungsentwicklung vgl. insges. Tafel 2). Östlich der kleinen Erft, wo sich bis dahin überwiegend Gartenland befand (StaB Alter Fotobestand 4), wurden zunächst die Hauptstraße in Richtung Kenten und die Bethlehemer Straße beidseitig bebaut. Hier wurden zahlreiche öffentliche Gebäude errichtet, wie 1893 das Kreisständehaus (II 5 Gebäude), 1897 der Bahnhof (I 1 Eisenbahn), 1898 die Post (I 1), 1911 das Rathaus (II 5 Gebäude) und 1920 das Finanzamt (Neubau 1925: StaB 0325, S. 178 f., 196 f., 245 f.)
Während des Zweiten Weltkriegs wurden diese öffentlichen Gebäude wie auch Wohnhäuser durch Fliegerbomben beschädigt bzw. zerstört. Im Amtsbezirk Bergheim wurden insgesamt 4,2 % der Wohnhäuser total zerstört, 11,8 % schwer und 37,6 % leicht beschädigt (StaB 0345)
Nach dem Zweiten Weltkrieg führte der starke Anstieg der Bevölkerung zu einer Siedlungsverdichtung in den Ortkernen wie auch zu einer Ausweitung der Siedlungen. Der größte Siedlungszuwachs war Ende der 1960er, Anfang der 1970er-Jahre zu verzeichnen. 1968–74 wurde der Wohnpark Ahe, Anfang der 1970er-Jahre der Wohnpark Zieverich mit Wohnraum für jeweils über 3.000 Menschen errichtet. Zu beiden Wohnparks gehören Freizeitanlagen und Kinderspielplätze. Das seit Ende der 1960er-Jahre erschlossene Wohngebiet im Umfeld des Berliner Ringes füllte die bis dahin vorhandenen Freiflächen zwischen Zieverich und Kenten und bot Siedlungsraum für mehrere tausend Einwohner. Hier entstanden im Zentrum auch die ersten Hochhäuser. Ein weiterer wichtiger Schritt in der Siedlungsentwicklung war ab 1966 die Erschließung des Baugebietes Helle I–V in Quadrath-Ichendorf, wo sich seither etwa 5.000 Menschen angesiedelt haben
Durch die Bevölkerungszunahme bedingt mussten die Industrieunternehmen aus dem Ortskern ausgelagert werden. 1968 wurde in Zieverich in unmittelbarer Ortsnähe, aber als gesondertes Areal, das erste Gewerbegebiet eröffnet (Kölner Stadtanzeiger v. 12. September 1968). Bis 1990 folgten Gewerbegebiete in Paffendorf, Thorr, Kenten, Quadrath-Ichendorf, Niederaußem, Auenheim, Rheidt und Glessen (StaB 6301)
Das Siedlungswachstum der 1960er und 1970er-Jahre ließ die Orte Bergheim, Kenten und Zieverich wie auch Quadrath und Ichendorf zusammenwachsen. Durch die künftige Erschließung des Baugebiets Im Euel werden auch Auenheim, Niederaußem und Oberaußem eine Siedlungseinheit bilden. Hingegen haben die Orte der ehemaligen Gemeinde Hüchelhoven ihren dörflichen Charakter weitgehend bewahrt (zur Siedlungsentwicklung seit Anfang des 19. Jahrhunderts vgl. insgesamt die Tafeln 2 u. 3, zur Entwicklung der Ortskerne Bergheim und Bergheimerdorf auch Tafel 1, Grundriss u. DGK)
2. 2 Friedhöfe
1533 Friedhof erwähnt (K. Rembert, Die Wiedertäufer im Herzogtum Jülich, 1899, S. 420). Grabsteine ab 1622 (A. Ohm/A. Verbeek, Kr. Bergheim II, 1971, S. 56). Der Friedhof war bis Ende des 19. Jahrhunderts in Gebrauch, dann Belegung des neuen Friedhofs in der Niederung westlich der Kirche (Tafel 2, Neuaufnahme)
Jüdische Friedhöfe
1804 Erwähnung des Judenfriedhofs auf dem Rondell, (heute Knüchelsdamm; vgl. das Urkataster von 1820/21, Tafel 1, Grundriss), Nutzung bis 1861/62. 1862 Anlage eines neuen Friedhofs an der Bethlehemer Straße. 1940 Verkauf des Friedhofs an die Stadt Bergheim. 1953 Rückgabe des Friedhofs an die Kölner Synagogengemeinde. In den letzten Jahren ist der Friedhof wiederhergerichtet worden (Friedt, S. 131–133)
Weitere jüdische Friedhöfe auf dem heutigen Gebiet der Stadt Bergheim: Niederaußem (Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt, im Zuge des Braunkohlenabbaus aufgelassen), Fliesteden (besteht wohl schon seit dem 17. Jahrhundert), Paffendorf (ca. 1860 angelegt, besteht noch), Glessen (Belegung vielleicht schon ab Ende des 18. Jahrhunderts, heute nicht mehr erkennbar) und Glesch (1969 nach Elsdorf verlegt) (Pracht, Jüdisches Kulturerbe I, S. 172 f.)
2. 2 Städtische Versorgungseinrichtungen
Ab 1903 Anschluss an das Zentralwasserwerk des Kreises Bergheim (StaB 0324)
1903 Errichtung einer Acetylengasanlage auf dem Jobberath zur Abgabe von Gas; Anschluss der öffentlichen Straßenbeleuchtung und des größten Teils der öffentlichen Gebäude und von Privathäusern. 1905 Übernahme durch die Stadt Bergheim (V. H. W. Schüller, Als im Kr. Bergheim d. Lichter angingen, 2000, S. 51–68)
1907–09 Projekt einer Kanalisation. 1913 Beginn der Kanalisation in Bergheim in der Hauptstraße (StaB 0324)
1910 Anschluss an den vom Kreis Bergheim mit dem "Rheinischen Elekrizitätswerk" geschlossenen Stromlieferungsvertrag (StaB 0324; Köhler, S. 270 f.)
1924/25 Einführung einer Müllabfuhr in Bergheim (StaB 0326 S. 131, 209)
2. 3 Zwei Stadttore
1492 Aech portze (HSTAD JB I 1148 fol. 41r). 1503 wird der Bergheimer Amtmann Rabot von Plettenberg mit der Aicher portzen, der Fischerei in der Erft und Zubehör sowie einem Garten belehnt. Die Pforte ist Eigentum des Herzogs. Plettenberg erhält die Pforte als Wohnung, und zwar die Seite nach Bergheimerdorf. Er braucht die Pforte jedoch nicht baulich zu unterhalten. Neben der Pforte soll er auf der Mauer ein ruwechuys bauen. Die Untertanen und sonst jedermann dürfen die Pforte gebrauchen, und der Pförtner darf sie auf- und zuschließen. Das Gefängnis, das sich darin befindet, bleibt zur Verfügung des Landesherrn (ebd. Jülich Lehen Spec. 17). 1580/81 Gülcher oder Aicher pfortzen (ebd. JB III R Amt Bergheim 53 fol. 93r) = 1660 Zievericher Pforten (ebd. 209 fol. 2v u. ö.) = 1669 Aacher oder Gülischer pforten (ebd. 211 I fol. 9r). Zur Lage des erhaltenen Tores vgl. das Urkataster von 1820/21 und die DGK (Tafel 1)
1532/33 Colner portzen (HSTAD JB III R Amt Bergheim 47 fol. 51r) = Kölner Tor, führt in Richtung Quadrath-Ichendorf. 1842 schwere Beschädigung durch Blitzschlag, 1879 durch einen Fuhrwagen (HSTAD Reg. Köln 1070), 1880 Abriss (StaB 323). Das Kölner Tor besaß zur Erft hin ein Vortor mit Zwinger, das möglicherweise bereits im 16. Jahrhundert aufgegeben wurde (L. Jansen, Das Kölner Tor in Bergheim. In: JBGV 6, 1997, S. 8–43)
2. 4 Türme
Nach dem Urkataster von 1820/21 hat die Stadtmauer sechs Türme, deren Reste erhalten sind (Tafel 1, Grundriss u. DGK; II 2 Befestigung; zu den 15 Türmen im Codex Welser vgl. II 2)
1565/66 gefangenen thor (HSTAD JB III R Amt Bergheim 50 fol. 239r) = 1669 gefangen thurn welcher unter der Aacher pforten zur linken seithen stehet, da man zur statt hinauß will (ebd. 211 I fol. 100v; II 6)
1669 Hertzogen thurn in der Nähe der Flur Godtberath, gehört zum Lehen Aachener Pforte (HSTAD JB III R Amt Bergheim 211 II fol. 7r; Andermahr, Deskription, S. 90; II 3)
Topographische Karte Bergheim 1893 im Verhältnis 1 : 25 000, Zusammensetzung der Blätter 5005 Bergheim und 5006 Frechen der preußischen Kartenaufnahme 1891-1912. (Landesvermessungsamt NRW/ Nr. 2000 039)
2. 5 Straßen
intra muros
1532/33 steyn wech in Bergheim (HSTAD JB III R Amt Bergheim 47 fol. 69v) = die Hauptstraße zwischen den beiden Stadttoren = 1811 und heute Hauptstraße (StaB Geb. Reg. 1811; Tafel 1, DGK). Auf dem Urkataster ohne Bezeichnung (Tafel 1, Grundriss)
1696 gaß der statt mauren (HSTAD Jülich Gerichte I 13 fol. 198r)
1802 und 1823 Mühlengasse (G. v. Roden, Quellen z. Geschichte d. Kr. Bergheim. In: An Erft u. Gilbach 6, 1952, S. 28; HSTAD Reg. Köln 1098), zwischen Markt und Mühle gelegen, nach dem Bau des Klosters im 19. Jahrhundert in Klostergasse – heute Klosterstraße – umbenannt (Tafel 1, DKG)
1833 Katharinenstraße (HSTAD Reg. Köln 534)
extra muros (vgl. auch I 1 Straßen)
1374 Berchemer Wege von Oberaußem nach Bergheim (HSTAD Kornelimünster 54)
1374 Herstrassen bei Niederaußem (ebd.)
1395 ghemeiner lantstraissen die wile (HSTAD Jülich 480), Bezeichnung der Fernhandelsstraße zwischen Ichendorf und Bergheim, heißt 1544 gemein landstraiss bei Bergheim (DJb 8, 1894, S. 249) = 1613 gemeine straß (PfaB 639) = 1669 vor der Colnischer pforten langs den Kentner wegh oder die landtstraßen eine gemeinen strasen (HSTAD JB III R Amt Bergheim 211 II fol. 8v; Andermahr, Deskription, S. 91) = 1671 Gülicher Landstraß (PfaB 400)
1485 Helwege (StaK HUA 2/13936), führt nach Brockendorf
1544 hoegen raedts wegh (III 1 Weistümer)
1544 Cruxweg, geht von Geleßen nach Brauweiler (ebd.)
1544 Sintern Holtzweg (ebd.)
1544 Laichweg (ebd.)
1544 hinder Quaittraitt uf den alten weg, führt nach Thorr (ebd.)
1544 Aspenweg (ebd.)
1544 Panheuser weg (ebd.)
1544 Mullenweg (ebd.)
1590 Alden Wegh (ebd.)
1590 Brockendorferstraß (ebd.)
1590 Hoenerpfaed (ebd.)
1590 straß des dorffs (Bergheimerdorf) (ebd.)
1590 gronen wegh (ebd.)
1607/08 Pletzgasse (in Bergheimerdorf, HSTAD JB II 4803 fol. 49r), auch 1809 Pletschgasse (StaB Geb. Reg.), 1904 Wiesenstraße (StaB 0324)
1607/08 Holtorper wege (HSTAD JB II 4803 fol. 57r)
1627 gemein straß in Bergheimerdorf (ebd. Jülich Gerichte I 13 fol. 30r), 1671 auch gemeine straß gegen den Abtshoff als Bezeichnung für die Kirchstraße in Bergheimerdorf (PfaB 304). Der Abtshof, der ursprüngliche Fronhof Kornelimünsters, lag zwischen der Pfarrkirche und der jetzigen Kirchstraße (III 1 Grundherrschaft)
1632 hollenweg (PfaB 640)
1648 Bethlehem wegh (HSTAD Jülich Gerichte I 13 fol. 71r)
1682 Closter weg (PfaB 460)
1809 Auf der Leck, Am Kirchhoff (StaB Geb. Reg. 1809)
1904 beschließt der Gemeinderat von Bergheim die Einführung offizieller Straßennamen: Hauptstraße, Beisselstraße, Kirchstraße, Bedburgerstraße, Neußerstraße, Kaiser-Wilhelm-Straße, Heerstraße, Bethlehemer Straße, Gartenstraße, Mittelstraße, Feldstraße, Wiesenstraße, Klosterstraße (StaB 0324)
1982 Abschluss der Umwandlung der Hauptstraße in eine Fußgängerzone (StaB 4621)
2. 5 Plätze
1607/08 Marckt (HSTAD JB II 4803 fol. 49v)
1982 Fertigstellung des Hubert-Rheinfeld-Platzes im Zentrum der Fußgängerzone als Verbindung zu Stadthalle und Rathaus (StaB 4621; Tafel 1, DGK)
2. 5 Brücken, Weiher
1565/66 drei Brücken erwähnt, zwei in Bergheim, eine in Zieverich (HSTAD JB III R Amt Bergheim 50 fol. 216v). Die Brücken vor dem Kölner Tor, innerhalb der Stadt sowie in Zieverich bestehen aus Stein (v. Below, Landtagsakten II Nr. 216 = 1589; HSTAD JB III R Amt Bergheim 53 fol. 208r; ebd. Jülich Gerichte I 13 fol. 8v = 1618)
1565/66 acht Weiher erwähnt, die die Stadtmauern umgeben: breydt weyer vur der Colner portzen, weyer na Thoir wardt, weyer hinder dem gefangenen thor, weyer neist Scheiven beindt, weyer ain der Aichen portzen, buißerste weyer, scheiss weyer, weyer ain dem rondeill (ebd. JB III R Amt Bergheim 50 fol. 239v–240r)
2. 5 Gebäude
1492 dynckhuyss zu Bergheimerdorf (ebd. JB I 1148 fol. 41r)
1499/1500 tolners huys (ebd. B 1 fol. 5v). 1503 wohnt im Haus der _alden tolnersch _der Kellner zu Außem (Oesheym) (ebd. Kornelimünster 292)
1503 stuyffen aen der straissen als Zollstation innerhalb von Bergheim (ebd. Kornelimünster 292)
1788 wird ein Gemeindehaus im Kölner Tor eingerichtet (ebd. Reg. Köln 534)
1817 unterhält der Bürgermeister ein Geschäftsbüro im Kölner Tor (H. Braschoss, Der Altkreis Bergheim im 19. Jahrhundert In: Beiträge z. Geschichte u. Heimatkunde d. Kr. Bergheim, 1990, S. 6 f.)
1893 Fertigstellung des Kreisständehauses (Kreishauses) in der Hauptstraße (H. Braschoß, Vom Landratsbüro zur Kreisverwaltung. In: JBGV 1, 1992, S. 27)
1911 Bau eines Rathauses, nachdem Bürgermeister und Verwaltung nach dem Wegfall des Kölner Tores in verschiedenen Gebäuden untergebracht waren (H. Andermahr, Der Bau d. Bergheimer Rathauses im Jahr 1911. In: JBGV 5, 1996, S. 180 f.)
1911 Fertigstellung des Quadrather Gemeindehauses als Nebenstelle des Bergheimer Rathauses (Das neue Rathaus d. Stadt Bergheim, 1996, S. 3)
1958 Einweihung des Kreishauses in der Bethlehemer Straße (H. Braschoß, Vom Landratsbüro zur Kreisverwaltung. In: JBGV 1, 1992, S. 27)
1960 Einweihung der Stadthalle (StaB 2229; Tafel 1, DGK)
1980 Einweihung des Bürgerhauses in Oberaußem (StaB HA Kulturbüro)
1981 Inbetriebnahme des Ordenshofes in Auenheim als Veranstaltungshaus, 1983 Einweihung (Kölner Stadtanzeiger v. 12. Januar 1983)
1982 Einweihung des Bürgerhauses in Quadrath-Ichendorf (StaB 3164)
1993 Fertigstellung des neuen Kreishauses am Willy-Brandt-Platz (ebd. 6414)
1994/95 Umbau des alten Kreishauses in der Bethlehemer Straße zum neuen Rathaus. 1995/96 Renovierung des alten Rathauses und Nutzung beider Häuser als gemeinsames Rathaus (Das neue Rathaus d. Stadt Bergheim, 1996, S. 6)
2. 6 Rechtsdenkmäler
Gefängnis
1494 gefencknisse zu Bergheim (HSTAD JB I 1148 fol. 11r)
1503 Das Gefängnis befindet sich in der Aachener Pforte und bleibt auch nach deren Verlehnung an Rabot von Plettenberg und Nachkommen in der Verfügung des Herzog von Jülich (II 3 Tore)
1565/66 gefangenen thor (II 4)
1811 wird im Aachener Tor (erneut) ein Gefängnis eingerichtet (HSTAD Reg. Köln 534)
1861 Gefängnis für den Friedensgerichtsbezirk Bergheim (Statistik Kr. Bergheim 1863, S. 75)
Richtstätten
1669 1. Die Richtstätte des Gerichts Bergheim liegt im Dingstuhl Bergheimerdorf fur den busch die Ville genant neben der gemeinen Landtstraße ahm Galgberg, ca. zwei Musketenschüsse hinter dem siechkotten bei Ichendorf. 2. Ein weiterer Galgen, der jedoch nicht mehr im Gebrauch ist, befindet sich hinter Bethlehem auf der Heiden am Weg nach Oberaußem. 3. Bei der Stadt Bergheim vor der Kölner Pforte am Kentener wegh die Sandtkaull genannt, liegt eine Richtstätte, die in Kriegszeiten nahe bey der handt und auch sonst im Gebrauch ist. 4. In Kriegszeiten finden Hinrichtungen in der Stadt Bergheim beym Marckt, unweit käx und pranger statt (HSTAD JB III R Amt Bergheim 211 I fol. 98v–102v; H. Habrich, Pein- u. Halsgericht vor 300 Jahren. In: Jahrbuch d. Kreises Bergheim, 1938, S. 92 f.; H. Andermahr, Richtstätten u. Hinrichtungen im Amt Bergheim im Jahr 1669. In: Neue Beiträge z. Jülicher Geschichte 9, 1998, S. 74–100)
2. 7 Größe des umwehrten Areals
Größte Ausdehnung: Nord–Süd ca. 263 m, West–Ost ca. 350 m
Fläche: ca. 7,3 ha
Topographische Karte Bergheim 1995 im Verhältnis 1 : 25 000, Zusammensetzung der Blätter 5005 Bergheim und 5006 Frechen der Topographischen Karte 1 : 25 000. (Landesvermessungsamt NRW/ Nr. 2000 039)
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Andermahr, Heinz, Rheinischer Städteatlas Bergheim. Teil 2: Topographie, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-bergheim.-teil-2-topographie/DE-2086/lido/6620ea28bcae62.28737644 (abgerufen am 05.03.2026)
Veröffentlicht am 31.07.2025, zuletzt geändert am 20.08.2025