Rheinischer Städteatlas Bergheim. Teil 3: Herrschaft und Gemeinde

Heinz Andermahr (Bergheim)

Plan de la Commune de Bergheim, 1806, im Verhältnis 1 : 5000, Ausschnitt. (Service historique de l'armée de terre, Vincennes)

3. 1 Grundherrschaft

Berg­heim war ur­sprüng­lich Reichs­gut (Cors­ten, Fis­kus) und An­fang des 11. Jahr­hun­derts im Be­sitz der Pfalz­gra­fen  (I 3). Das pre­di­um Berg­heim ge­lang­te (1028) durch Schen­kung Hezelins, des Bru­ders des Pfalz­gra­fen Er­en­fried, an die Ab­tei Kor­ne­li­müns­ter. Ob da­bei der ge­sam­te Fis­kus Berg­heim an Kor­ne­li­müns­ter über­ging oder ob be­reits Tei­le da­von Fun­da­ti­ons­gut ge­we­sen sind, ist un­ge­wiss (N. Kühn, Die Reichs­ab­tei Kor­ne­li­müns­ter im Mit­tel­al­ter, 1982, S. 58). Der Berg­hei­mer Fis­kus war in Fron­hofs­ver­bän­den or­ga­ni­siert, die ei­nem Ober­hof in Berg­hei­mer­dorf, dem sog. Abtshof, un­ter­stan­den. Über den Ober­hof ge­bot ein vil­li­cus, der spä­te­re Schult­heiß des Ab­tes (III 1 Amts­trä­ger und Be­diens­te­te). Wei­te­re Fron­hö­fe, die dem Ober­hof in Berg­hei­mer­dorf un­ter­stan­den, könn­ten in Nie­der- und Ober­au­ßem, Gles­sen, Ken­ten, Boh­len­dorf und Hol­trop ge­le­gen ha­ben (N. Kühn, Die Reichs­ab­tei Kor­ne­li­müns­ter im Mit­tel­al­ter, 1982, S. 60 f.; Cors­ten, Fis­kus, S. 224 f.). Der Fis­kus um­fass­te ur­sprüng­lich die Dör­fer Berg­hei­mer­dorf, Nie­der- und Ober­au­ßem, Gles­sen, Wie­den­feld, Hol­trop, Boh­len­dorf, Ken­ten, Tei­le von Ichen­dorf, As­per­schlag und Qua­drath so­wie die Ein­zel­hö­fe Gins­ter­hof, Giers­berg, Neu­hof, Lapp­rath, Fuch­sen­hof, Cur­men, Schlen­der­han, Pan­hau­sen. Die Zu­ge­hö­rig­keit von Fol­bre­tis­ho­ven und Au­en­heim ist un­ge­wiss (An­der­mahr, Berg­heim, S. 33–35). Kor­ne­li­müns­ter blieb bis zur Sä­ku­la­ri­sa­ti­on im Be­sitz der Grund­herr­schaft in Berg­hei­mer­dorf

1239 be­sa­ßen die Gra­fen von Jü­lich ei­ne Burg bei Berg­heim in der Erft­nie­de­rung (II 1). 1243 trug Wal­ram I. von Berg­heim aus dem Jü­li­cher Gra­fen­haus dem Bi­schof von Lüt­tich sei­ne Al­lo­di­al­gü­ter zu Thorr und Gie­sen­dorf nebst drei Müh­len bei Berg­heim zu Le­hen auf (bo­na mea apud Tur­re, Gis­in­dorf et tria mo­len­di­na apud B, I 3). In ei­ner Ur­kun­de von 1240/46 ist in die­sem Zu­sam­men­hang von der ter­ra de Tur­re et Ken­te und den ge­nann­ten drei Müh­len die Re­de (I 3). 1286 über­trug Wal­ram II. von Berg­heim die Burg Berg­heim mit der Müh­le und dem Burg­fle­cken (sub­ur­bi­um) dem Köl­ner Erz­bi­schof Sieg­fried von Wes­ter­burg als Le­hen auf (I 4). 1312 war Graf Ger­hard von Jü­lich im Be­sitz von Herr­schaft und Stadt Berg­heim (UB Köln IV 12). 1317 wur­de die Stadt Berg­heim durch ei­nen Schied zwi­schen dem Gra­fen von Jü­lich und dem Köl­ner Erz­bi­schof ers­te­rem zu­ge­spro­chen (NrhUB III 163). 1323–35 be­fan­den sich Stadt und Herr­schaft Berg­heim im Be­sitz von Gott­fried von Jü­lich, Herr von Berg­heim, (An­der­mahr, Gra­fen, S. 42–49). Nach sei­nem Tod fiel Berg­heim end­gül­tig an die Jü­li­cher Haupt­li­nie zu­rück

1412 schenk­te Her­zog Rei­nald von Jü­lich-Gel­dern sei­nem Ver­wand­ten Adolf von Berg im Fal­le sei­nes kin­der­lo­sen To­des Stadt, Schloss und Amt Berg­heim (NrhUB IV 72). Im sel­ben Jahr ur­kun­de­te Rei­nald, dass sei­ne Ge­mah­lin Ma­ria zur Ver­meh­rung ih­res be­reits frü­her fest­ge­setz­ten Wit­tums auch Stadt, Burg und Amt Berg­heim er­hal­ten sol­le (HSTAD Jü­lich 617). 1420 tra­fen Adolf von Berg und Jo­hann von Heins­berg hin­sicht­lich des Er­bes Her­zog Rei­nalds von Jü­lich-Gel­dern fol­gen­de Ver­ein­ba­rung: Bis auf Rand­erath, Born, Sit­tard und Süs­te­ren soll­ten die Ge­bie­te Rei­nalds von bei­den ge­mein­sam be­ses­sen wer­den, und zwar zu 3/4 vom Her­zog von Berg und zu 1/4 vom Herrn von Heins­berg (R. Jent­jens, Rei­nald IV., d. zwei­te u. letz­te Re­gent i. d. ver­ei­nig­ten Her­zog­tü­mern Gel­dern u. Jü­lich, 1913, S. 137). 1446 und 1447 be­saß der Her­zog von Jü­lich-Berg drei Tei­le von Stadt, Land und Herr­schaft Berg­heim (HSTAD JB 569 u. 633). 1468/77 fiel das Heins­ber­ger Vier­tel an Jü­lich zu­rück, Berg­heim wur­de wie­der ein­her­rig (S. Cors­ten, Jo­hann d. Streit­ba­re u. d. „Jü­li­cher Quar­t“. In: Hei­mat­ka­len­der d. Krei­ses Heins­berg 1994, S. 13–22)

3. 1 Gerichtsherrschaft

Mög­li­cher­wei­se er­hielt Graf Wil­helm IV. von Jü­lich 1225 nach Er­rei­chen der Mün­dig­keit die Vog­tei über Berg­heim von Pfalz­graf Lud­wig zu Le­hen (Th. R. Kraus, Jü­lich, Aa­chen u. d. Reich, 1987, S. 79 f.). 1234 ver­lieh Ot­to II., Pfalz­graf bei Rhein, Graf Wil­helm IV. von Jü­lich ei­ne An­zahl pfalz­gräf­li­cher Le­hen, die die­ser be­reits von Ot­tos Va­ter Lud­wig (1214–31) er­hal­ten hat­te, dar­un­ter auch die ad­vo­ca­tia in Berg­heim (NrhUB II 193). Bei die­sem pfalz­gräf­li­chen Le­hen dürf­te es sich um die Vog­tei über die Grund­herr­schaft der Ab­tei Kor­ne­li­müns­ter in Berg­heim ge­han­delt ha­ben. Die Vog­tei­ge­walt wur­de vor­über­ge­hend von den Her­ren von Berg­heim aus dem Jü­li­cher Gra­fen­haus aus­ge­übt, blieb aber nach dem An­fall der Herr­schaft Berg­heim an Jü­lich (1335) end­gül­tig bei der Jü­li­cher Haupt­li­nie

Mit der Stadt­wer­dung von Berg­heim (1300) hat sich wohl ein ei­ge­nes städ­ti­sches Ge­richt aus dem Ge­richts­be­zirk Berg­hei­mer­dorf her­aus­ge­löst. Im 16. Jahr­hun­dert (1554/55) wird das Ge­richt byn­nen der Stadt, dar­in ge­ho­ren als mit­bur­ger et­li­che un­dert­ha­nen zu Berch­ei­mer­dorf, Zie­vercken in al und Thor zum deil von dem Ge­richt Berch­ei­mer­dorf mit Nie­der- und Ober­au­ßem, Gles­sen, Ichen­dorf zum theil, Wie­den­feld und Berch­ei­mer­dorf zum theil und me­he an­de­re um­blig­gen­de ho­ve un­ter­schie­den (H. Esch­bach, Die Er­kun­di­gung über d. Ge­richts­ver­fas­sung im Her­zog­tum Jü­lich v. 1554 u. 1555. In: DJb 17, 1902, S. 127)

Vogtgeding

Un­ge­bo­te­nes vog­tei­li­ches Hoch­ge­richt des Her­zogs von Jü­lich. Drei Ge­din­ge im Jahr: am 2. Mon­tag nach dem 6. Ja­nu­ar, am 3. Mon­tag nach Os­tern, am 2. Mon­tag nach Jo­han­nes Bap­tist (24. Ju­ni). Die Jü­li­cher Lan­des­herrn wa­ren Ge­walt­herrn, die ha­ben zu rich­ten mit dem schwertt, un­der der er­den und bou­en der er­den, gal­gen unnd rad­tt, klo­cken­klanck, wildtfanck, nach­fol­gen, der vo­gell pfanck, ge­bott, ver­bott und al­les was su­ist der ho­her Ob­rig­keitt zu­stehtt (III 1 Wei­stü­mer, 1544). Die Ge­richts­stät­te, die 1492 erst­mals er­wähnt wird (II 5 Ge­bäu­de), lag 1624 vor der Pfarr­kir­che auf dem dreesch am dinck­hauß (Erft­land 9, 1928, S. 85)

Hofgeding

Ne­ben den drei Vogt- oder Her­ren­ge­din­gen wur­de in Berg­hei­mer­dorf das grund­herr­li­che Hof­ge­ding (hoff ge­ding) ab­ge­hal­ten. Un­ter dem Vor­sitz des Schult­hei­ßen ur­teil­ten die Schöf­fen über die Lehns-, Pacht-, Zins- und Kur­mud­gü­ter der Ab­tei Kor­ne­li­müns­ter. Im 16. Jahr­hun­dert hat­ten sie nach Mann­recht zu be­fin­den. Das Hof­ge­ding fand am sel­ben Tag statt wie die Vogt­ge­din­ge, je­doch je­weils vor die­sen

Ap­pel­la­ti­ons­in­stanz war 1550 der Ober­hof in Aa­chen (W. Schwa­be, Der Aa­che­ner Ober­hof. In: ZAGV 48/49, 1926/27, S. 73). Be­reits 1312 gin­gen die Berg­hei­me­rer Schöf­fen die Aa­che­ner Schöf­fen und den dor­ti­gen Rich­ter um ei­ne Rechts­ent­schei­dung an und fäll­ten auf­grund des Aa­che­ner Ur­teils 1313 ih­ren Spruch (H. Was­ser­sch­le­ben, Deut­sche Rechts­quel­len d. Mit­tel­al­ters, 1892, Nr. 2; RRA II 113, 128)

Schöffengericht Bergheimerdorf

1265 Ja­nu­ar 21 iudex, sechs na­ment­lich ge­nann­te sca­bi­ni in Berg­heim (HSTAD Kamp 149)
1265 sechs _sca­bi­ni _in Berg­heim (I 4), desgl. 1313 (Was­ser­sch­le­ben, Nr. 2)
1297 in pre­sen­tia sca­bi­n­o­rum et alio­rum plu­ri­um fi­de­li­gno­rum par­ro­chian­o­rum in Berg­heim (L. Korth, Ur­kun­den des 13. und 13. Jahr­hun­derts. In: West­deut­sche Zeit­schrift für Ge­schich­te u. Kunst, Er­gän­zungs­heft III, 1886, S. 268 f.)
1538 schef­fen zu Ber­che­mer­dorff, her­lich­eit und ge­richt­zwang zu Ober­aus­sem und Ber­che­mer­dorff (HSTAD Kor­ne­li­müns­ter 181)
1544 Schef­fen des Ge­richts Ber­che­mer­dorf (III 1 Wei­stü­mer)

Schöffengericht Stadt Bergheimer, Stadtgericht

1325 füh­ren die Schöf­fen des Stadt­ge­richts ein ei­ge­nes Sie­gel (III 5 Sie­gel)
1367 sie­ben Schöf­fen von Berg­heim na­ment­lich ge­nannt (HSTAD Ar­chiv v.d. Bon­gart Paf­fen­dorf 39) 
1669 Und hatt die vog­tey We­ße­ling ih­re ap­pel­la­ti­on nach­er Berg­heim sons­ten kei­ne ge­rich­ter mehr, vom statt­ge­richt ge­het die ap­pel­la­ti­on auff Gü­lich, die cri­mi­na­lia aber wel­che im gant­zen ambt vor­fal­len, wer­den gleich­fals vor dem ge­richt Berg­heim vor­ge­n­oh­men (ebd. JB III R Amt Berg­heim 211 II fol. 1c; An­der­mahr, De­skrip­ti­on, S. 86)

Oberaußemer Mannkammer

Die Ab­tei Kor­ne­li­müns­ter er­rich­te­te spä­tes­tens im 15. Jahr­hun­dert in Ober­au­ßem für den dor­ti­gen Fron­hof ein ei­ge­nes Hof­ge­ding, das am Sonn­tag nach St. Mar­tin statt­fand. Am glei­chen Tag und Ort trat auch die sog. Mann­kam­mer zu­sam­men. Sämt­li­che Mann­gü­ter von Berg­hei­mer­dorf und Ober­au­ßem wa­ren in die­se Mann­kam­mer ge­richts­pflich­tig (Erft­land 7, 1930, S. 49–53). Die An­ge­hö­ri­gen der Mann­kam­mer tru­gen vom Grund­herrn ein Gut zu Le­hen, das sie zur Hee­res­fol­ge oder zu Ab­ga­ben ver­pflich­te­te. Die Man­nen des Lehns­hofes ent­schie­den in lehns­recht­li­chen Fra­gen und wur­den zur ers­ten Be­ru­fungs­in­stanz des Ho­fes­ge­rich­tes Berg­hei­mer. Von dort ging der In­stan­zen­weg nach Kor­ne­li­müns­ter

Holzgeding

1196 be­stand ein Holz­ge­ding in der Vil­le, dem sie­ben Per­so­nen an­ge­hör­ten: vier der fa­mi­lia der Ab­tei Brau­wei­ler und drei der fa­mi­lia der Ab­tei Kor­ne­li­müns­ter (Lac Arch VI, S. 53). 1259 wur­de der Vil­le­wald zwi­schen Kor­ne­li­müns­ter und Brau­wei­ler ge­teilt, und Wal­ram I. von Berg­heim ver­zich­te­te auf sei­ne Rech­te an dem Brau­wei­ler zu­ge­fal­le­nen Teil der Wal­dun­gen (E. Wi­spling­hoff, Die Be­ne­dik­ti­ner­ab­tei Brau­wei­ler, 1992, S. 182). Noch 1569 wur­de ein Holz­ge­ding an­ge­mahnt, um die Brüch­ten fest­zu­set­zen, von de­nen je 1/3 dem Her­zog und dem Abt von Kor­ne­li­müns­ter ge­bühr­te und 1/3 für Kos­ten vor­ge­se­hen war

Friedens-/Amtsgericht

1798 Ein­rich­tung ei­nes Frie­dens­ge­richts in Berg­heim für den Kan­ton Berg­heim (M. Er­kens, Die fran­zö­si­sche Frie­dens­ge­richts­bar­keit 1789–1814 un­ter be­son­de­rer Be­rück­sich­ti­gung d. vier rhein. De­par­te­ments, 1994, S. 194)
1821 Nach Auf­he­bung der bis­he­ri­gen Ge­rich­te wird Berg­heim er­neut Sitz ei­nes Frie­dens­ge­richts, das zum Ge­richts­be­zirk des 1820 ein­ge­rich­te­ten Land­ge­richts Köln ge­hört (Bär, Be­hör­den­ver­fas­sung, S. 406; F. A. Lott­ner <Hg.>, Samm­lung d. Pro­vin­zi­al- u. Par­ti­ku­lar­ge­set­ze d. f. d. Kgl. Preuß. Rhein­pro­vin­zen seit d. Jah­re 1813 ... er­gan­ge­nen Ge­set­ze II, 1834, S. 136–152)
1879 wird in Berg­heim an­stel­le des Frie­dens­ge­richts ein Amts­ge­richt ein­ge­rich­tet, das zum Land­ge­richts­be­zirk Köln ge­hört (Bär, Be­hör­den­ver­fas­sung, S. 437; Preuß. Ge­setz­samm­lung 1879, Nr. 30, S. 559). Über­ga­be des von der Ge­mein­de neu er­rich­te­ten Amts­ge­richts­ge­bäu­des an die Jus­tiz­ver­wal­tung (StaB 0323)

3. 1 Weistümer

1538 Weis­tum des Ge­richts Berg­hei­mer­dorf, un­ter Er­wäh­nung der (nicht über­lie­fer­ten) Wei­stü­mer des Ge­richts von 1442 und 1462 (HSTAD Kor­ne­li­müns­ter 181)
1544 Weis­tum des Ge­richts und der Herr­lich­keit Berg­hei­mer­dorf (Lac Arch VII, S. 15–19)
1545 Weis­tum der Schöf­fen des Ge­richts Berg­hei­mer­dorf (HSTAD Brau­wei­ler 158)
1554/55 Er­kun­di­gung über die Ho­fes­ge­rich­te und Lat­bän­ke im Fürs­ten­tum Jü­lich (be­zieht sich auf Berg­hei­mer­dorf; Lac Arch III, S. 312 f.)
1569 Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Her­zog von Jü­lich und dem Abt von Kor­ne­li­müns­ter über die Ge­richts­bar­keit in Berg­hei­mer­dorf (HSTAD Kor­ne­li­müns­ter 200; un­voll­stän­di­ge Ko­pi­ale Über­lie­fe­rung aus dem 18. Jahr­hun­dert, PfaB 265, fol. 128r–129r)
1590 Um­gangh der statt Berg­heim und an­ge­hö­ri­ger burg­schafft 1590 (Erft­land 1, 1924, S. 8; H. An­der­mahr (Hrsg.), Ei­ne Be­schrei­bung d. Um­fan­ges d. Berg­hei­mer Stadt­ge­biets aus d. Jahr 1590. In: JBGV 1, 1992, S. 30 f.)
1714 Ober­au­ße­mer Vrohn (Erft­land 7, 1930, S. 51–53); J. Dür­baum, Hei­mat­kun­de d. Ge­mein­de Ober­au­ßem, 1912, S. 16 f.)

3. 1 Amtsträger und Bedienstete

1196 uil­li­cus (Lac Arch VI, S. 417), 1265 scul­t­he­tus (ZAGV 3, 1881, S. 234 f.)
1196 fo­res­ta­ri­us (Lac Arch VI, S. 417) 1246 da­pi­fer, no­ta­ri­us (NrhUB II 299; REK III 1245)
1249 mi­nis­te­ria­les und mi­li­tes (Wal­rams I. von B, HSTAD Kamp 105)
1260 ca­pel­la­nus (UB Al­ten­berg I 229)   
1263 druts­se­re, scri­ue­re (UB Köln II 450)
Vor 1265 pin­cer­na (HSTAD Neuss Gna­den­tal RuH 1 fol. 36r)
1265 da­pi­fer Wal­rams von Jü­lich et iudex in Berg­heim (ZAGV 3, 1881, S. 234 f.)
1293 ca­me­ra­ri­us (HSTAD Brau­wei­ler 33)   
1295 cast­ren­sis (L. Korth, Das Gräf­lich v. Mir­bach­sche Ar­chiv zu Harff. In: AHVN 55, 1892, S. 23 f.). Burg­man­nen auch 1342 (ca­s­tel­la­nus nos­ter – der Graf von Jü­lich – quod di­ci­tur burg­man, HSTAD Brau­wei­ler 45), 1394 und 1412 er­wähnt (P. N. v. Doorn­inck, Ac­ten be­tref­fen­de Gel­re en Zu­t­phen II, 1901, S. 196, III, 1901, S. 196; HSTAD Jü­lich 617, 624, 626–630)
1311 Jo­han­nes mar­zal­tus dic­tus de Ze­ve­rich, wohl der Mar­schall des Herrn von Berg­heim (StaK Kla­ra 3/6)
1318 ad­vo­ca­tus (HSTAD Kamp 353), 1369 auch Vogt (voy­de) ge­nannt (UB Ge­re­on 448)
1356 ampt­man (UB Dü­ren I 107), aus dem da­pi­fer her­vor­ge­gan­gen (An­der­mahr, S. 105)
1397 Tol­ner (W. Crece­li­us, Die Her­ren v. Har­den­berg. In: ZBGV 8, 1872, S. 227 f.), in Berg­heim iden­tisch mit dem Kell­ner. 1430 als rent­meis­ter und kel­ner be­zeich­net (HSTAD JB I 1290 fol. 4r), 1438 als zol­ner ind kel­ner (ebd. JB 305)
(1433) ampt­lu­de ind bo­den (ebd. JB I 1147 fol. 12r–13v)
1441 durward (Tor­wäch­ter) (ebd. JB I 71 fol. 60r)
1447 un­der­ampt­lu­de, toll­ner, vayg­de, schul­tis­sen, bo­iden ind an­der knech­te, un­se ampt­lu­de, ye­re knecht ind ge­syn­de (ebd. JB 633)   
1500/01 visch­meis­ter, land­bo­ed, toll­ner und kell­ner, schreyffer (des Am­tes Berg­heim), forste­ren (ebd. JB III R Amt Berg­heim 47 fol. 9v, 15r), auch in den fol­gen­den Rech­nun­gen er­wähnt
1504/05 schre­ver vam­me tol­huys, schar­prich­ter (ebd. Berg­heim 1 fol. 41r, 46r)
1532/33 eben den 1500/01 ge­nann­ten Be­diens­te­ten der Wild­förs­ter auf der Vil­le (wilt­furs­ter up der fel­le) und der wey­er knecht er­wähnt; ei­ne Zu­wen­dung er­hält fer­ner der Pfört­ner (port­zener) an der Aa­che­ner Pfor­te in Berg­heim (ebd. Berg­heim 47 fol. 71v; II 3), auch in den fol­gen­den Rech­nun­gen er­wähnt
1545/46 zwei Pfört­ner (ebd. Berg­heim 48 fol. 6r)
1555/56 axcies­meis­ter (v. Be­low, Land­tags­ak­ten II, S. 198). Nicht ein­deu­tig zu klä­ren ist, ob er lan­des­herr­li­cher Amts­trä­ger oder im Auf­trag der Bür­ger han­delt

3. 2 Markt

(1500) will sich der Her­zog von Jü­lich uff de dry mart da­ge, de up de hil­li­ge da­e­ge ge­hal­den wer­den, ind ouch mit der kir­chen be­dencken; au­ßer­dem stellt er in Aus­sicht, eynen mart dach in der we­chen [zu] frey­en (III 3)
1543/44 Ter­mi­ne der drei ein­tä­gi­gen Jahr­märk­te be­zeugt: Bar­tho­lo­mä­us (24. Au­gust), Hu­ber­tus (3. No­vem­ber) und Halb­fas­ten. In dem Jahr fin­det je­doch nur der Markt am Mon­tag vor Halb­fas­ten statt. Da die Stadt ver­brant und die Bür­ger ver­zo­gen sind, so­dass es zur­zeit kein Re­gi­ment gibt, er­hebt der Kell­ner des Am­tes Berg­heim na­mens des Her­zogs von Jü­lich 23 Mark Ak­zi­se und Stand­geld (HSTAD JB III R Amt Berg­heim 47 fol. 230v, 268r, 231r)
1554 Berg­hei­mer mart (G. Bers, Die Rech­nung d. Zolls in d. Stadt Jü­lich, 1983, S. 71)
1606 Sup­plik der Stadt an den Lan­des­herrn we­gen ei­nes vier­ten Jahr­markt­pri­vi­legs (III 3)
1660 Nach dem La­ger­buch sind die Stand­gel­der an den Markt­ta­gen ver­pach­tet (HSTAD JB III R Amt Berg­heim 209 fol. 4v; s. auch fol­gen­der Be­leg)
1669 Jahr­markt auf Sonn­tag vor Jo­han­nes Bap­tist (24. Ju­ni), der au­ßer­halb der Stadt auff der Beth­le­he­mer sey­den ab­ge­hal­ten wird; die Ak­zi­se und Stand­gel­der der drei Markt­ta­ge der Stadt und der zu­ge­hö­ri­gen Dör­fer Thorr, Zie­ve­rich und Berg­hei­mer­dorf sind für 35 ½ Gold­gul­den ver­pach­tet (ebd. Berg­heim 211 I fol. 10r; An­der­mahr, De­skrip­ti­on, S. 92; III 2 Ak­zi­se)
1801 drei ein­tä­gi­ge Jahr­märk­te (8. März, 24. Au­gust, 3. No­vem­ber) für Ei­sen- und Kurz­wa­ren so­wie Horn­vieh (HSTAD Dep. Mo­ers II F 6), Ter­mi­ne auch 1804 (ebd. Ro­er Dep. 2597)
1807/08 vier ein­tä­gi­ge Jahr­märk­te (3. Mon­tag im Fas­ten, Sonn­tag vor Jo­han­nes Bap­tist, Bar­tho­lo­mä­us, Hu­ber­tus) für Kram­waren, Spe­ze­rei- und Ko­lo­ni­al­wa­ren (ebd.; An­nuai­re du Dep. de la Ro­er 1810, S. 139)
1809 drei Kram­märk­te: 24. Au­gust, Hu­ber­tus­tag (3. No­vem­ber), 3. Sonn­tag in der Fas­ten­zeit (An­der­mahr, Sta­tis­tik, S. 51)
(1845) drei Kram­märk­te (RhVjbl 35, 1971, S. 294)
1852 Vieh­markt am 24. Au­gust (LHAK 403/11630)
1861 drei ein­tä­gi­ge Jahr­märk­te (Sta­tis­tik Kr. Berg­heim 1863, S. 60)
1876 Vieh­märk­te je­weils am 1. Don­ners­tag im März, Ju­ni, Sep­tem­ber und No­vem­ber, vor­läu­fig auf drei Jah­re ge­neh­migt. Vor­ver­le­gung des Ter­mins um ei­nen Tag bei Kol­li­si­on mit christ­li­chen oder jü­di­schen Fei­er­ta­gen. 1877 Vor­ver­le­gung auf je­weils 1. Diens­tag. 1879 end­gül­ti­ge Kon­zes­sio­nie­rung (LHAK 403/11631)
1884 Jahr­markt­ter­mi­ne: Vieh­märk­te am 4. März, 4. Ju­ni, 2. Sep­tem­ber, 4 No­vem­ber; Kram­märk­te am 17. März, 25. Au­gust, 3. No­vem­ber (Rhein. Pro­vin­zi­al-Hand­buch I, 1884, S. 284)
1906 Da fol­gen­de Märk­te seit Jah­ren nicht mehr ab­ge­hal­ten wer­den, be­schlie­ßt der Ge­mein­de­rat ih­re Auf­he­bung: Vieh­märk­te am je­weils 1. Diens­tag im März, Ju­ni, Sep­tem­ber und No­vem­ber; Kram­märk­te: Diens­tag nach Ocu­li (3. Fas­ten­sonn­tag), Bar­tho­lo­mä­us-Markt (24. Au­gust) (StaB 0324)
1925 Ein­füh­rung ei­nes Vieh­mark­tes am 1. Diens­tag im No­vem­ber, ab 1927 zu­sam­men mit dem Hu­ber­tus­markt ab­ge­hal­ten (ebd. 0326 S. 206, 455)
1932 Ein­füh­rung von zwei Wo­chen­märk­ten diens­tags und sams­tags (ebd. 0327 S. 206, 312)
1936 Ein­füh­rung ei­nes Vieh­mark­tes am 1. Don­ners­tag ei­nes je­den Mo­nats (ebd. S. 356)
2000 Wo­chen­märk­te in Berg­heim diens­tags und sams­tags, in Qua­drath-Ichen­dorf frei­tags, in Ober­au­ßem mitt­wochs (I. An­gen­endt/H. An­der­mahr, Markt­recht u. Märk­te in Berg­heim v. Mit­tel­al­ter b. in d. Ge­gen­wart. In: JBGV 8, 1999, S. 3–17)

3. 2 Zoll, Wegegeld

1375 schlie­ßen das Erz­stift Köln, die Städ­te Köln und Aa­chen so­wie die Her­zog von Jü­lich und Lim­burg ei­nen Land­frie­den, zu des­sen Kos­ten­be­strei­tung neue Zöl­le ein­ge­führt wer­den sol­len, u. a. an der Zoll­stel­le Berg­heim (UB Köln V 87)
1394 tol en­de ut tyn­se tot Berg­heim (P. N. v. Doorn­inck, Ac­ten be­tref­fen­de Gel­re en Zu­t­phen II, 1901, S. 196)
1397 Tol­le tot Berg­heim (W. Crece­li­us, Die Her­ren v. Har­den­berg. In: ZBGV 8, 1872, S. 227)
1398/99 Die Haupt­zoll­stel­le des Am­tes Berg­heim liegt in der Stadt Berg­heim, da­von ab­hän­gi­ge Ne­ben­stel­len lie­gen in Stom­meln, Gey­en und Dor­ma­gen. In den Ne­ben­stel­len fun­gie­ren Un­ter­zöll­ner, die dem Berg­hei­mer Zöll­ner un­ter­ste­hen. In die­sem Jahr be­deu­tends­ter Zoll im Her­zog­tum Jü­lich (W. Her­born/K. Matt­hei­er, Die äl­tes­te Rech­nung d. Her­zog­tums Jü­lich, 1981, S. 8, 39)
1503 Die Zoll­stel­le liegt in­ner­halb der Stadt (in das al­den tol­len­ersch huyss ... in der stuyffen aen der strais­sen); ein tol­ners­huys be­reits 1499/1500 er­wähnt (II 5 Ge­bäu­de)
1527 be­wil­ligt Her­zog Jo­hann von Jü­lich-Berg der Stadt zum Aus­bau ih­rer Be­fes­ti­gung die Ak­zi­se in den Dör­fern Thorr und Zie­ve­rich, Tei­len von Berg­hei­mer­dorf so­wie das Berg­hei­mer Stadt- und We­ge­geld (we­ge geltz) (III 3)
1539 Bei der Hul­di­ung Berg­heim un­ter den jü­lich­schen Städ­ten ge­nannt; pau­scha­le Be­stä­ti­gung der Pri­vi­le­gi­en von Rit­ter­schaft und Städ­ten (HSTAD JB II 2378 fol. 2)
1589 wer­den der Stadt Berg­heim auf zehn Jah­re Ak­zi­se, Stadt- und We­ge­geld be­wil­ligt (III 3)

3. 2 Münze

Nach der Ein­glie­de­rung der Herr­schaft Berg­heim in das Ter­ri­to­ri­um Jü­lich (1335) wur­de in Berg­heim ei­ne der vier Jü­lich­schen Münz­stät­ten er­rich­tet. Der Be­ginn der Münz­tä­tig­keit wird (1360) an­zu­set­zen sein (A. Noss, Die Mün­zen v. Jü­lich, Mörs u. Al­pen, 1927, S. 38; H. Schrön, Die Ge­prä­ge d. Berg­hei­mer Mün­ze – Jü­lich­sche Mün­zen aus Berg­heim. In: JBGV 5, 1996, S. 54-72). Berg­heim wur­de ver­mut­lich Münz­stät­te we­gen der La­ge an der Fern­han­dels­stra­ße und der Funk­ti­on als Zoll­stät­te, wo Geld ge­wech­selt wer­den muss­te. Ge­prägt wur­den Dop­pel­schil­lin­ge, Ster­lin­ge, Tur­no­sen, Her­zogs­gro­schen, Kro­nen­gro­schen, Stern­gro­schen, Lö­wen­gro­schen, Schil­lin­ge, Pfen­ni­ge, Gul­den, Wei­ßp­fen­ni­ge, Hal­be Wei­ßp­fen­ni­ge und Hel­ler. 1423 wur­de Berg­heim als Münz­stät­te auf­ge­ge­ben. Die noch im 19. Jahr­hun­dert be­kann­te Flur­be­zeich­nung Die al­te Mün­ze wird den Ort der Prä­ge­stel­le an der Stadt­mau­er im Be­reich der Burg an­ge­ben (Kunst­denk­mä­ler, S. 37; vgl. Ta­fel 1, Grund­riss)

3. 2 Bede, Schatz

1398/99 mey­sche­tin­c­gen in­dem amp­te van Berg­heim herftschet­tin­gen ut­den amp­te van Berg­heim (W. Her­born/K. Matt­hei­er, Die äl­tes­te Rech­nung d. Her­zog­tums Jü­lich, 1981, S. 34-36)
1412 be­den ind schet­zon­gen unss dorps ind Kirspels zu Berg­heim (A. Fah­ne, Co­dex di­plo­ma­ti­cus Sal­mo-Reif­fer­schei­da­nus, 1858, Nr. 302)
1433 Die jähr­li­che Mai­schat­zung in der Stadt Berg­heim und den zu­ge­hö­ri­gen Dör­fern Thorr und Zie­ve­rich be­trägt 180 Mark, die Herbst­schat­zung 433 Mark 4 Schil­ling (III 3; III 2 Ak­zi­se)
1447 be­de und schet­zin­ge ... stat Berg­heim, Se­ver­ken, Dor­re 314,5 oeverl. g. (G. v. Be­low, Ak­ten­stü­cke über d. Steu­er im Her­zog­tum Jü­lich v. Jah­re 1447. In: ZBGV 24, 1888, S. 40)
1669 Der Mai­schatz in Hö­he von 180 Mark wird von den Au­ßen­bür­gern in Thorr, Zie­ve­rich und Tei­len Berg­hei­mer­dorfs be­strit­ten, nicht mehr von den Ein­woh­nern in­ner­halb der Stadt­mau­ern. Der Herbst­schatz ent­fällt zu­guns­ten ei­ner gleich­ho­hen Ab­ga­be aus der städ­ti­schen Ak­zi­se (HSTAD JB III R Amt Berg­heim 1ff, bes. Nr. 2, S. 75v; An­der­mahr, De­skrip­ti­on, S. 87)

3. 2 Akzise

1398/99 er­hält der Her­zog von Jü­lich in der Stadt Berg­heim 118 Mark aus der Hälf­te der Ak­zi­se, die an­de­re Hälf­te er­hält die Stadt (W. Her­born/K. Matt­hei­er, Die äl­tes­te Rech­nung d. Her­zog­tums Jü­lich, 1981, S. 37)
1402 über­lässt Her­zog Rei­nald von Jü­lich-Gel­dern der Stadt Berg­heim auf vier Jah­re Grut und Ak­zi­se (gruyss ind as­sy­se) (III 3)
1433 er­laubt Her­zog Adolf der Stadt Berg­heim, die Ak­zi­se auf Wein so­wie sons­ti­ge Wa­ren (veil sa­chen) zum Zwe­cke der Aus­bes­se­rung der Be­fes­ti­gung der Stadt zu er­hö­hen. Ak­zi­se und Schatz des Her­zog sol­len je­doch un­an­ge­tas­tet blei­ben (III 3; II 2 Sied­lungs­ent­wick­lung und Be­fes­ti­gung)
1437 be­stä­tigt Her­zog Ger­hard von Jü­lich-Berg vor­ge­nann­tes Pri­vi­leg (III 3)
1492 bit­ten Bür­ger­meis­ter, Schöf­fen und Rat der Stadt Berg­heim den Her­zog von Jü­lich-Berg, ih­nen die Ak­zi­se in den Dör­fern des Am­tes Berg­heim zu ge­wäh­ren (III 3)
1527 er­hält Berg­heim die Ak­zi­se in den Dör­fern Thorr, Zie­ve­rich und ei­nes Tei­les von Berg­hei­mer­dorf (III 3)
1571 axcies van win, beir und broit, dat vei­len kouf ver­bruicht wart bin­nen Berg­heim (v. Be­low, Land­tags­ak­ten II, S. 197 f.)
1589 Ak­zi­se, Stadt- und We­ge­geld wer­den der Stadt Berg­heim vom Her­zog von Jü­lich auf zehn Jah­re zum Zwe­cke der Be­fes­ti­gung der Stadt be­wil­ligt (III 3; II 2 Sied­lungs­ent­wick­lung und Be­fes­ti­gung)
1660 Die Ak­zi­se- und Stand­gel­der der drei Markt­ta­ge der Stadt und der zu­ge­hö­ri­gen Dör­fer Thorr, Zie­ve­rich und Berg­hei­mer­dorf sind ver­pach­tet, nach der De­skrip­ti­on von 1669 für 35 ½ Gold­gul­den (III 2 Markt)

3. 3 Stadtrechtsverleihung, Privilegierungen

Ei­ne Stadt­er­he­bungs­ur­kun­de ist für Berg­heim nicht über­lie­fert. 1286 wird Berg­heim als ca­s­trum ... cum mo­len­di­no ibi­dem et sub­ur­bio be­zeich­net, 1312 als op­pi­dum, 1317 als stat (I 4). Berg­heim hat die Stadt­rech­te wohl dem Edel­herrn Wal­ram II. von Berg­heim zu ver­dan­ken, so­dass die Stadt­er­he­bung in die Zeit zwi­schen 1286 und 1312, am ehes­ten (1300) er­folgt sein wird (vgl. An­der­mahr, Stadt­rech­te)

1402 über­lässt Her­zog Rei­nald von Jü­lich-Gel­dern der Stadt Berg­heim auf vier Jah­re Grut und Ak­zi­se (gruyss ind as­sy­se) (An­der­mahr, Ver­fas­sung, S. 138 f., un­voll­stän­di­ger Druck: P. N. v. Doorn­inck, Ac­ten be­tref­fen­de Gel­re en Zu­t­phen III, 1901, S. 110 f.; III 2 Ak­zi­se)
1433 er­laubt Her­zog Adolf von Jü­lich-Berg der Stadt Berg­heim, die Ak­zi­se auf Wein und sons­ti­ge Wa­ren (veil sa­chen) zum Zwe­cke der Aus­bes­se­rung der Be­fes­ti­gung zu er­hö­hen. Wei­te­re Er­hö­hun­gen be­dür­fen der Zu­stim­mung der her­zog­li­chen Rä­te. Der An­teil des Her­zogs an der Ak­zi­se so­wie Schatz sol­len un­an­ge­tas­tet blei­ben (An­der­mahr, Ver­fas­sung, S. 139–141; un­voll­stän­di­ger Druck: G. von Be­low, Ur­kun­den u. Ak­ten z. Ge­schich­te d. Steu­ern in Jü­lich u. Berg. In: ZBGV 29, 1893, S. 9 Nr. 6; III 2 Ak­zi­se; III 2 Schatz; II 2 Sied­lungs­ent­wick­lung und Be­fes­ti­gung)
1437 be­stä­tigt Her­zog Ger­hard von Jü­lich-Berg das vor­ge­nann­te Pri­vi­leg (An­der­mahr, Ver­fas­sung, S. 141 f.; III 2 Ak­zi­se)
1492 April 8 bit­tet die Stadt Berg­heim den Her­zog von Jü­lich-Berg um die Ge­wäh­rung der Ak­zi­se in den Dör­fern des Am­tes Berg­heim, weil sie in den letz­ten Jah­ren durch die Krie­ge im Stift Lüt­tich, in Flan­dern und an­ders­wo zu­rück­ge­gan­gen sei und die groes­se uys­gul­de, un­last ind noit­bouw nicht län­ger tra­gen kön­ne (An­der­mahr, Ver­fas­sung, S. 142 f.; un­voll­stän­di­ger Druck: G. v. Be­low, Zur Ge­schich­te d. Städ­te in Jü­lich u. Berg. In: ZBGV 23, 1887, S. 200 Nr. 5; ei­ne wei­te­re Sup­plik vom 25. April: HSTAD JB I 1012 fol. 6r; ei­ne mit der vom 8. April gleich­lau­ten­de Sup­plik wohl eben­falls von 1492 ebd. fol. 4r; vgl. III 2 Ak­zi­se)
(1500) stellt der Her­zog von Jü­lich der Stadt Berg­heim die Ge­wäh­rung ei­nes Wo­chen­mark­tes so­wie 100 Gul­den für den Er­halt der Be­fes­ti­gung in Aus­sicht (HSTAD JB I 1012 fol. 15r; II 2 Sied­lungs­ent­wick­lung und Be­fes­ti­gung; III 2 Markt)
1527 er­hält die Stadt Berg­heim von Her­zog Jo­hann von Jü­lich-Berg und Her­zo­gin Ma­ria zum Aus­bau ih­rer Be­fes­ti­gung die Ak­zi­se in den Dör­fern Thorr, Zie­ve­rich und in ei­nem Teil von Berg­hei­mer­dorf so­wie das Berg­hei­mer Stand- und We­ge­geld (HSTAD Hs A I 3 fol. 156r–157v; III 2 Ak­zi­se; III 2 Zoll/We­ge­geld; II 2 Sied­lungs­ent­wick­lung und Be­fes­ti­gung) 1555/56 axcies­meis­ter ge­nannt (III 1 Amts­trä­ger und Be­diens­te­te)
1589 wer­den der Stadt Berg­heim vom Her­zog von Jü­lich auf zehn Jah­re Ak­zi­se, Stadt- und We­ge­geld zum Zweck der Be­fes­ti­gung be­wil­ligt (HSTAD JB III R Amt Berg­heim 56 fol. 15r; III 2 Ak­zi­se; III 2 Zoll, We­ge­geld; II 2 Sied­lungs­ent­wick­lung und Be­fes­ti­gung)
1606 Sup­plik der Stadt an den Lan­des­herrn we­gen ei­nes vier­ten Jahr­mark­tes (HSTAD JB II 143; III 2 Markt)
1798 Ver­lust des Stadt­rechts
1898 Berg­heim er­hält die Ge­neh­mi­gung, im Sie­gel so­wie auf den Orts­schil­dern die Be­zeich­nung Stadt zu füh­ren (Arch d. Erft­krei­ses, Berg­hei­mer Zei­tung Nr. 5 v. 15. Ja­nu­ar 1898)
1941 Die Ge­mein­de Berg­heim er­hält vom Re­gie­rungs­prä­si­den­ten Köln die Ge­neh­mi­gung, die Be­zeich­nung Stadt zu füh­ren (Sta Ker­pen A Wap­pen)

3. 4 Außenbürger

1669 au­ßer bur­ger­schafft als Be­zeich­nung für die Bür­ger, wel­che zwar zur Stadt rech­nen, aber in Zie­ve­rich, Thorr und Berg­hei­mer­dorf woh­nen (HSTAD JB III R Amt Berg­heim 211 I fol. 4v, 14r, 15r, 16v; An­der­mahr, De­skrip­ti­on, S. 88)

3. 4 Stadtgericht

Stadt­ge­richt: Berg­heim (Stadt), Zie­ve­rich, ein Teil von Thorr und ei­ni­ge Häu­ser von Berg­hei­mer­dorf (bis zur Wie­sen­stra­ße) (III 1 Ge­richts­herr­schaft)

3. 5 Siegel

1313 sie­gelt Graf Ger­hard von Jü­lich auf Bit­ten der Schöf­fen von Berg­heim, die kein ei­ge­nes Sie­gel be­sit­zen (StaK Kla­ra 2/12; RRA II 128)
1325 füh­ren die Schöf­fen von Berg­heim ein ei­ge­nes Sie­gel (StaK Cä­ci­lia 1/53)

 
1. Schöf­fen­sie­gel 

Bild: Der Mau­er­gür­tel ei­ner Stadt mit zwei To­ren und zwei Tür­men. In der Mit­te des Mau­er­rin­ges der Schild von Jü­lich
Um­schrift: + SI­GILLVM · SCA­BI­N­ORVM · DE · BERCH­HE­YM (Rhein. Sie­gel III Ta­fel 46 Nr. 1 = 1361). Das Sie­gel fin­det sich bruch­stück­haft be­reits an ei­ner Ur­kun­de von 1325 (StaK Cä­ci­lia 1/53)    

         
2. Schöf­fen­sie­gel 

Bild: Im We­sent­li­chen wie das äl­te­re Sie­gel; seit­lich des Jü­li­cher Wap­pen­schil­des die Buch­sta­ben B
Um­schrift: + SI­GILL · DER · SCHEF­FEN · ZO · BERG­HEM · 1542 (Rhein. Sie­gel III Ta­fel 46 Nr. 2 = 1553)

3. Schöf­fen­sie­gel 

Bild: Zin­nen­ge­krön­tes Tor mit fünf Fens­tern und ei­ner Durch­fahrt, über wel­cher ein Wap­pen­schild mit dem jü­lich­schen Lö­wen schwebt
Um­schrift: Si­gil­lum ber­che­men­se re­no[vatum] 1674 (H. An­der­mahr, Die Berg­hei­mer Sie­gel bis 1900. In: JBGV 3, 1994, S. 30–35)

 
4. Schöf­fen­sie­gel Berg­hei­mer­dorf 

Bild: Über zwei ge­kreuz­ten Stä­ben die Büs­te ei­ner Bi­schofs­fi­gur
Um­schrift: Sie­gel · DER · SChef­fen · Van · ...OIS­SEN · GLES
In der Um­schrift wird Berg­hei­mer­dorf nicht ge­nannt, da­für die Or­te Nie­der-/Ober­au­ßem und Gles­sen
(Rhein. Sie­gel III Ta­fel 46 Nr. 3 = 1461)

3. 5 Wappen

1961 Ver­lei­hung von Wap­pen und Sie­gel an die Stadt Berg­heim (Amts­bl. Reg. Köln 1961, Nr. 15; H. Schrön, Neu­zeitl. Wap­pen u. Sie­gel in Berg­heim. In: JBGV 3, 1994, S. 36–41)
1976 ge­neh­migt der Re­gie­rungs­prä­si­dent Köln die Wei­ter­füh­rung des Wap­pens für die neue Stadt Berg­heim: In Blau ei­ne ge­zinn­te sil­ber­ne Ring­mau­er mit je ei­nem Zin­nen­turm an den Flan­ken und ei­nem Tor oben und un­ten, dar­in ein gol­de­ner Schild mit ei­nem rot ge­zungten und ei­nem rot be­wehr­ten schwar­zen Lö­wen (R. Na­gel, Rhein. Wap­pen­buch, 1986, S. 150)

3. 6 Gemeinde, Bürgermeister und Rat

1390 ge­meyne stat ind bur­ger (I 5)
1402 bur­ger­meis­te­re, schef­fe­ren ind ge­meynen bur­ge­ren (P. N. v. Doorn­inck, Ac­ten be­tref­fen­de Gel­re en Zu­t­phen III, 1901, S. 110)
1412 ampt­ma­ne zu Berg­heim ind vort un­sen man­nen ind burch­ma­nen, burg­meis­ten, schoul(t)es­sen, schef­fen, bur­gen ind un­der­ses­sen ge­meyn­lich, dienst­lu­den (HSTAD Jü­lich 617)
1433 bur­ge­meis­ter, schef­fen ind raet ind de bur­ger ge­meyn­lich (III 3; I 15)
1447 schef­fen ind die gant­ze ge­meyne van Berg­heim (HSTAD Jü­lich 633)
1603 bur­ger­schaft (Erft­land 1, 1927, S. 8)
1605 bur­ger­meis­te­re, schef­fen, ge­schwo­ren üben das Kol­la­ti­ons­recht der Ka­pel­le aus (Erft­land 2, 1927, S. 9)

3. 7 Bruderschaften

1550 und 1560 zwei Bru­der­schaf­ten ge­nannt: Se­bas­tia­nus und Lieb­frau­en (Red­lich II 1, S. 24–26)
1656 Se­bas­tia­nus-Schüt­zen-Bru­der­schaft (HAEK Dec. Berch. Gen. 6), er­hält 1744 ei­ne Sat­zung (Erft­land 5, 1929, S. 33–37)

3. 8 Wehrwesen

Zur Se­bas­tia­nus-Schüt­zen-Bru­der­schaft s. III 7

1669 Ne­ben den Bür­gern der Stadt sind die Au­ßen­bür­ger in Thorr und Zie­ve­rich zum Wach­dienst in der Stadt ver­pflich­tet (HSTAD JB III R Amt Berg­heim 211 II fol. 16r, 20r)
1782 wird in Berg­heim ein Quar­tier der Jü­li­cher Land­dra­go­ner (Po­li­zei) ein­ge­rich­tet (A. Rei­che, Vom be­waff­ne­ten Haus­mann zum Po­li­zis­ten, 1997, S. 106)

3. 9 Stellung im Territorium

1028  wird Berg­hei­mer­dorf als pfalz­gräf­li­cher Be­sitz er­wähnt (zu­vor wohl Reichs­gut) (I 3; III 1 Grund­herr­schaft)
13. Jahr­hun­dert bis 1335 Burg bzw. Stadt Berg­heim als Mit­tel­punkt der Herr­schaft Berg­heim, Se­kun­do­ge­ni­tur des Jü­li­cher Gra­fen­hau­ses (III 1 Grund­herr­schaft)
1335 Amt Berg­heim im Her­zog­tum Jü­lich (v. Doorn­inck/v. Veen, Ac­ten betr. Gel­re en Zu­t­phen 1107–1415, S. 357)
1388 des her­zi­gen ge­lei­de van Gul­ge bi Berg­heim (Die Chro­ni­ken d. dt. Städ­te, Bd. 13, 1876, S. 77) = Ge­leit­ho­heit des Her­zog von Jü­lich
1394 die vog­tye von Berg­heim mit der herlickei­de und ge­ley­de zu­schen Col­len und Berg­heim und zu­schen Berch­gem und Ay­chen dar­zu ge­ho­ren­de (NrhUB III 997). Die Be­gleit­mann­schaft, die in Berg­heim zu­sam­men­ge­stellt wird, kann den Amt­mann, Schöf­fen, Amt­leu­te und Schüt­zen um­fas­sen (H. An­der­mahr, Die Ge­leit­ho­heit d. Her­zö­ge v. Jü­lich auf d. Han­dels­stra­ße Köln-Berg­heim-Jü­lich-Aa­chen. In: Neue Beitr. z. Jü­li­cher Ge­schich­te III 2, 1992, S. 104–106)
(1400) ge­ley­de ... zo Berg­heim in un­se stat ind slos (StaK Un­dat. Brief­ein­gän­ge 549)
1441 schut­zen des Am­tes Berg­heim, 1442 schut­zen ge­wapent und ge­wapen­de von Berg­heim (HSTAD JB I 1147a fol. 35r, 10r)
1798 Mai­rie Berg­heim, Kan­ton Berg­heim, Ar­ron­dis­se­ment Köln, Ro­er­de­par­te­ment
1816 Bür­ger­meis­te­rei Berg­heim mit Berg­heim, Berg­hei­mer­dorf, Ichen­dorf, Ken­ten, Wie­den­feld, Zie­ve­rich, Qua­drath, Beth­le­hem, Boh­len­dorf, Gins­ter­hof, Mon­tags­end, Plies­müh­le und Schlen­der­han. Berg­heim und Berg­hei­mer­dorf bil­den die Spe­zi­al­ge­mein­de Berg­heim-Berg­hei­mer­dorf in­ner­halb der Bür­ger­meis­te­rei
1816 Kreis Berg­heim, Re­gie­rungs­be­zirk Köln
1975 Erft­kreis. Zur kom­mu­na­len Neu­glie­de­rung vgl. auch I 7
1997 Gro­ße kreis­an­ge­hö­ri­ge Stadt

Zitationshinweis

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Andermahr, Heinz, Rheinischer Städteatlas Bergheim. Teil 3: Herrschaft und Gemeinde, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-bergheim.-teil-3-herrschaft-und-gemeinde/DE-2086/lido/6620eae32c5391.78823350 (abgerufen am 05.03.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 31.07.2025, zuletzt geändert am 20.08.2025

Auch über Rheinischer Städteatlas Bergheim, bearbeitet von Heinz Andermahr (Lieferung XIV, Nr. 74, 2001)