Rheinischer Städteatlas Bergheim. Teil 4: Kirche, Schule, Kultur und Gesundheitswesen

Heinz Andermahr (Bergheim)

Deutsche Grundkarte Bergheim 1997, im Verhältnis 1 : 2500, Ausschnittvergrößerung aus dem Blatt Bergheim, im Verhältnis 1 : 5000. (Katasterbehörde Bergheim des Erftkreises/ Nr. 855)

4. 1 Erste Erwähnung der Kirche bzw. des Geistlichen

Berg­heim ge­hör­te ur­sprüng­lich zur Pfar­re Berg­hei­mer­dorf, auf die sich die fol­gen­den Be­le­ge be­zie­hen

(1145/46) pres­bi­ter eccle­sie (I 3)
Vor 1149 pas­tor eccle­sie (I 3)
(1158–76) pa­ro­chia, pas­tor eccle­sie (I 3)
[1180] eccle­sia (I 3)
1257 eccle­sia pa­ro­chia­lis (NrhUB II 439)
1265 Ja­nu­ar 17 ple­ba­nus, pas­tor eccl[esia]e (HSTAD Kamp 147)
(1285) pas­to­rie quam vi­ca­rie eccle­sie de Berg­heim in de­ca­na­tu ip­si­us (ebd. Kor­ne­li­müns­ter 32)
(1308) p[as­tor], vic[ari­us] (Li­ber Va­lo­ris)

Ge­schich­te des Kir­chen­baus

Die Kir­che stammt dem Bau­be­fund nach aus der zwei­ten Hälf­te des 12. Jahr­hun­derts, hat­te aber wohl ei­nen Vor­gän­ger­bau. Die Wei­he er­folg­te 1175 durch den Köl­ner Erz­bi­schof Phil­ipp von Heins­berg (REK II 1040). Das Lang­haus wur­de im 15. Jahr­hun­dert an­stel­le ei­nes klei­ne­ren neu er­rich­tet, der West­turm nach Ein­sturz des äl­te­ren Vor­gän­ger­baus 1758. 1760–70 Re­stau­rie­rungs­ar­bei­ten. 1863–67 gründ­li­che In­stand­set­zung. 1873 Ver­län­ge­rung der Sei­ten­schif­fe und An­fü­gung ei­ner Gna­den­ka­pel­le am Nord­schiff. 1928 An­bau ei­ner neu­en Sa­kris­tei an der Nord­sei­te des Cho­res. Nach leich­ten Kriegs­schä­den in­ne­re In­stand­set­zung 1948–53. 1966–71 we­gen Sen­kun­gen des Bau­grun­des in­fol­ge des Braun­koh­len­ta­ge­bau­es Schlie­ßung der Kir­che. Nach Sa­nie­rungs­maß­nah­men 1971 Wie­der­er­öff­nung (A. Ohm/A. Ver­beek, Kreis Berg­heim I, 1970, S. 52; Ku­bach/Ver­beek, S. 87 f.; M. We­ber, Kath. Pfarr­kir­che St. Re­mi­gius u. St.-Ge­orgs-Ka­pel­le in Berg­heim an d. Erft, 1983, S. 4). 1989 Be­ginn ei­ner Grund­sa­nie­rung und neu­en Fun­da­men­tie­rung, 1994 Wie­der­er­öff­nung (Fest­schrift zum Wie­der­ein­zug in d. Berg­hei­mer Pfarr­kir­che St. Re­mi­gius, 1994)

4. 2 Patrozinium/Hochaltar

1582 Re­mi­gius (Red­lich II 1, S. 26)
1624 Re­mi­gius und Cor­ne­li­us (Füs­se­nich, Blät­ter, S. 53), auch 1656 und 1676 (HAEK Dec. Berch. Gen. 6; Bin­te­rim/Moo­ren 2II, S. 157)

4. 2 Nebenaltäre, Vikarien

1550 und 1560 drei Vi­ka­ri­en (Al­tä­re): Se­bas­tia­nus, Ka­tha­ri­na und Ja­kob, Ma­ria (die bei­den letz­te­ren 1550 nicht na­ment­lich be­zeich­net) (Red­lich II 1, S. 24 f.)
1579 drei Vi­ka­ri­en (Al­tä­re), die mit Ein­nah­men ver­se­hen sind: Se­bas­tia­nus, Ka­tha­ri­na, Ma­ria (HSTAD JB II 4802 fol. 19r/v)
1582 da­ne­ben ein Tri­ni­ta­tis­al­tar ge­nannt (Red­lich II 1, S. 26 Anm. a)
1656 vier Al­tä­re: Ja­kob, Ma­ria, Hl. Kreuz, fer­ner ein Se­bas­tia­nus, An­to­ni­us, Ka­tha­ri­na und Chris­to­pho­rus ge­weih­ter Al­tar (HAEK Dec. Berch. Gen. 6); 1676 Se­bas­tia­nus-Al­tar ge­nannt, der Ka­tha­ri­nen­al­tar ist der Ka­pel­le in­kor­po­riert (Bin­te­rim/Moo­ren 2II, S. 157; IV 4)

4. 2 Kirmes- bzw. Kirchweihtermine

16. Jahr­hun­dert Kir­mes zu Beth­le­hem auf Jo­han­nes (Zan­der, S. 44)

4. 3 Patronats- und Zehntherr

Vor 1089 über­trägt Erz­bi­schof Si­ge­win von Köln der Ab­tei Kor­ne­li­müns­ter den Zehn­ten (de­ci­mas) in Berg­heim (I 3)
 1251 Abt Wil­helm von Kor­ne­li­müns­ter über­trägt sei­nem Kon­vent das Pa­tro­nat der Kir­che in Berg­heim (NrhUB II 368; REK III 1630)
1257 be­stä­tigt der Köl­ner Erz­bi­schof Kon­rad von Hoch­sta­den die Über­tra­gung und be­stimmt, dass die Kir­che von ei­nem Welt­geist­li­chen be­setzt wird, der dort re­si­denz­pflich­tig sein und von den Ein­künf­ten so viel er­hal­ten soll, wie zu sei­nem Un­ter­halt nö­tig ist (NrhUB II 439; REK III 1954)
1266 er­teilt der Ver­tre­ter des Köl­ner Dom­props­tes und Ar­ch­idia­kons die Zu­stim­mung be­züg­lich der Über­tra­gung der Berg­hei­mer Kir­che (H. Car­dauns, Rhein. Ur­kun­den d. 13. Jahr­hun­dert In: AHVN 38, 1882, S. 26, Nr. 35). 1269 Zu­stim­mung des Props­tes des Köl­ner Ge­re­on­stif­tes so­wie von Dom­de­kan und Dom­ka­pi­tel (HAEK Urk 13, 14)
1284 er­teilt der Propst von St. Ge­re­on den Auf­trag, die Ein­künf­te der Pfar­re zu schät­zen und fest­zu­set­zen, wie­viel da­von dem re­si­die­ren­den Welt­geist­li­chen und wie­viel dem Klos­ter zu­kom­men soll (A. Til­le, Über­sicht über d. In­halt d. klei­ne­ren Ar­chi­ve d. Rhein­pro­vinz I, 1899, S. 82, Ko­pi­ale Über­lie­fe­rung im PfaB ver­misst)
1285 Der gro­ße Zehnt von 30 Mal­ter Rog­gen und 30 Mal­ter Ha­fer so­wie der klei­ne Zehnt zu Nie­der­au­ßem wer­den von dem Be­auf­trag­ten des Props­tes von St. Ge­re­on dem Kon­vent von Kor­ne­li­müns­ter zu­ge­spro­chen, sons­ti­ge Ein­künf­te von 24 Mark der Pfarr­stel­le, wo­von Pfar­rer und Vi­kar zu un­ter­hal­ten sind und die Rech­te des Erz­bi­schofs, des Ar­ch­idia­kons, des Land­de­kans so­wie die Aus­ga­ben für die all­ge­mei­ne Für­sor­ge (hos­pi­ta­li­tas) be­strit­ten wer­den müs­sen (IV 1). Die 1285 ge­trof­fe­ne Auf­tei­lung wird 1303 vom Pas­tor in Berg­heim be­stä­tigt (ebd., S. 83, Ko­pi­ale Über­lie­fe­rung im Pfarr­bü­ro ver­misst), 1304 von Wal­ram II. von Berg­heim (REK IV 26)
[1297–1304] be­stä­tigt Erz­bi­schof Wik­bold die un­ter Erz­bi­schof Kon­rad er­folg­te Schen­kung des Pa­tro­nats (REK III 3966)
1306 ge­lobt der Rek­tor der Pfarr­kir­che in Berg­heim der Ab­tei Kor­ne­li­müns­ter, die mit sei­nem Vor­gän­ger ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung zu hal­ten und ver­zich­tet auf den Zehn­ten so­wie auf das Pa­tro­nat der Kir­chen zu Ober­au­ßem, Nie­der­au­ßem und Qua­drath (HSTAD Kor­ne­li­müns­ter 40; IV 4 Fi­lia­len)
1501 über­trägt Papst Alex­an­der VI. die Ein­künf­te der Pfar­re Berg­heim der men­sa des Ab­tes von Kor­ne­li­müns­ter (HAEK Dec. Berch. Berg­hei­mer­dorf 12)

4. 4 Pfarrbezirk

Pfarr­be­zirk: Berg­heim, Berg­hei­mer­dorf, Nie­der-, Ober­au­ßem, Wie­den­feld, Hol­trop, Boh­len­dorf, Gins­ter­hof, Giers­berg, Cur­men, Pan­hau­sen, Qua­drath, Ken­ten, Beth­le­hem (Fa­bri­ci­us V 1, S. 23)

4. 4 Filialen

Kapelle St. Georg in der Stadt Bergheim

1420 Die ca­pel­le in Berg­heim hat Rent­ein­künf­te in Hö­he von 7 Mal­ter Ha­fer (HSTAD Kor­ne­li­müns­ter 86)
1501 sa­gen Bür­ger­meis­ter, Schöf­fen und Rat aus, Stadt und Ka­pel­le sei­en von ih­ren Vor­vä­tern und dem Lan­des­herrn ge­baut und fun­diert wor­den. Die Mes­sen sei­en an al­len Hoch- und Hei­li­gen­fes­ten so­wie an Sonn- wie über­haupt an al­len Ta­gen ge­hal­ten wor­den_._ Jetzt gin­gen der Köl­ner Of­fi­zi­al und der Berg­hei­mer Pfar­rer je­doch mit In­ter­dikt ge­gen die Stadt vor, um den Got­tes­dienst in der Ka­pel­le zu­guns­ten der Mut­ter­kir­che ein­zu­schrän­ken (Red­lich I 172)
1532/33 Der Pries­ter (pres­ter), der die Ka­pel­le in Berg­heim be­dient, er­hält jähr­lich 8 Mal­ter Rog­gen vom Lan­des­herrn (HSTAD JB III R Amt Berg­heim 47 fol. 71r). Nach der De­skrip­ti­on von 1669 muss er da­bei für die Zeit der hl. Mes­se Rück­sicht auf den Dienst der lan­des­herr­li­chen Be­diens­te­ten neh­men (ebd. Berg­heim 211 I fol. 1c)
1544 Ge­orgs­al­tar er­wähnt (Red­lich II 1, S. 23 Anm. 1)
1550 Das Kol­la­ti­ons­recht hat der Her­zog von Jü­lich (ebd., S. 23). Die Rek­to­ren der Ka­pel­le wer­den seit der zwei­ten Hälf­te des 16. Jahr­hun­derts durch den Bür­ger­meis­ter, die Schöf­fen und den Rat prä­sen­tiert und vom Pfar­rer von Berg­heim in­ves­tiert (Erft­land 5, 1927, S. 35; Fa­bri­ci­us V 1, S. 23). 1669 ge­hört zu den Kol­la­to­ren auch der Vogt (HSTAD JB III R Amt Berg­heim 211 I fol. 1c; An­der­mahr, De­skrip­ti­on, S. 86), da­her wohl 1676 der Her­zog von Jü­lich als Kol­la­tor ge­nannt (Bin­te­rim/Moo­ren 2II, S. 158)
1582 ist die Ka­pel­le der Schu­le zu Jü­lich zu­ge­wie­sen. Die Ein­künf­te mit Aus­nah­me des­sen, was der Vi­kar in Berg­hei­mer­dorf er­hält, neh­men Scho­las­ter und De­chant zu Jü­lich für den dor­ti­gen Schul­meis­ter ein. Die Bür­ger von Berg­heim be­kla­gen sich, das sie für ih­re Kin­der wie die von Jü­lich ei­nen gu­ten Schul­meis­ter nö­tig hät­ten, ir­re stat und der­sel­ber ge­rech­tig­kei­ten ko­men in un­wid­der­breng­li­gen ver­der­ben und un­der­gang. Bit­ten da­her zur un­d­er­hal­tung ir­rer selbst scho­len, in er­we­gung, aan­ge­rech­te tri­vi­al­school zu Jü­lich ver­gen­g­lig, re­pa­rie­rung ir­rer ver­woes­ter und ver­bran­ter stat ... in­nen ir­re ca­pel­len rent wie­der zu ke­ren und ge­mel­te schol­meis­ters zu Jü­lich mit ir­ren ge­set­ti­gen gne­digs in­se­hens ge­sche­hen [zu] las­sen (Red­lich II 2, S. 23; IV 11)
1605 ist das Be­ne­fi­zi­um des Ka­tha­ri­nen­al­tars der Pfarr­kir­che der Ka­pel­le in­kor­po­riert; Ka­tha­ri­na als Pa­tro­nin ge­nannt (Erft­land 2, 1927, S. 9; IV 2 Al­tä­re)
1610 wird die Ka­pel­le nach dem Ein­zug nie­der­län­di­scher Trup­pen als Waf­fen- und Mu­ni­ti­ons­de­pot in Be­schlag ge­nom­men und ge­langt 1611 wie­der an die Ka­tho­li­ken (IV 9)
1624 An­na, Ka­tha­ri­na und Ge­org als Pa­tro­ne ge­nannt (Füs­se­nich, Blät­ter, S. 53), auch 1684 (PfaB 254 fol. 47r) so­wie im 18. Jahr­hun­dert (HAEK Dec. Berch. E u. G = 1725 bzw. 1754)
1630 vi­ca­ri­us Sti. Ge­or­gii, ca­pell (Erft­land 2, 1927, S. 11), 1636 und 1660 Ge­orgs­ka­pel­le (PfaB 302; HSTAD JB III R Amt Berg­heim 209 S. 2v)
1669 ge­mei­ne bur­ger cap­pell (ebd. Berg­heim 211 S. 1b)
1725 rec­tor der Ka­pel­le ge­nannt __(Erft­land 5/6, 1930, S. 36)

      
Bau­ge­schich­te

Nach dem ar­chäo­lo­gi­schen Be­fund stamm­te ein ers­ter Ka­pel­len­bau aus dem 14. Jahr­hun­dert. Die­ser Bau ist 1542 zer­stört wor­den. 1550 Wie­der­auf­bau auf den al­ten Fun­da­men­ten durch die Bür­ger von Berg­heim. 1760–72, 1866–68, 1959–61 und 1978–79 In­stand­set­zungs­ar­bei­ten (H. K. Schül­ler, Bau­be­ob­ach­tun­gen im Be­reich d. St. Ge­orgs­ka­pel­le. In: JBGV 8, 1999, S. 18–21; II 2 Stadt­brän­de; Erft­land 5, 1927, S. 35, mit fal­schem Jah­res­an­ga­be 1543 für die Zer­stö­rung; M. We­ber, Kath. Pfarr­kir­che St. Re­mi­gius u. St.-Ge­orgs-Ka­pel­le in Berg­heim, 1983, S. 20; Hand­buch d. Erz­bis­tums Köln, 26. Ausg., Bd. 1, 1966, S. 98 f.)

Kenten

1720 Er­laub­nis zum Bau ei­ner Ka­pel­le (Hu­ber­tus) durch die In­ha­ber von Schloss Frens. Wei­he an­geb­lich erst 1772. 1921 selb­stän­di­ge Pfar­re. 1955 Neu­bau der Kir­che (J. Thü­ner, Erft­hei­mat Ken­ten, 1949, S. 31; Hand­buch d. Erz­bis­tums Köln, 26. Ausg., Bd. 1, 1966, S. 98)

Quadrath

1306  Ka­pel­le in Qua­drath er­wähnt. Abt und Kon­vent von Kor­ne­li­müns­ter be­sit­zen das Pa­tro­nats- und Prä­sen­ta­ti­ons­recht (HSTAD Kor­ne­li­müns­ter 40)
1353 rec­tor eccle(siae) pa­roch(ialis) (UB Ge­re­on 390). Die Be­zeich­nung als Pfar­re ist falsch
1532 Brand der Kir­che, im sel­ben Jahr (oder 1535?) Wie­der­auf­bau mit nur ei­nem Sei­ten­schiff, Bau des zwei­ten Sei­ten­schif­fes ei­ni­ge Jahr­zehn­te spä­ter (Hand­buch d. Erz­bis­tums Köln, 26. Ausg., Bd. 1, 1966, S. 103). Im 16./17. Jahr­hun­dert Bau des süd­li­chen Sei­ten­schif­fes, 1913 Er­wei­te­rung des Cho­res (A. Ohm/A. Ver­beek, Kr. Berg­heim III, 1971, S. 80)
1549 wird die Kir­che an­geb­lich von Berg­hei­mer­dorf ab­ge­trennt (Hand­buch d. Erz­bis­tums Köln, 26. Ausg., Bd. 1, 1966, S. 103), 1550 als mo­der­kir­che be­zeich­net (Red­lich II 1, S. 47), 1560 als ca­pel­la cu­ra­ta un­der Ber­che­mer­dorff (ebd., S. 58). Noch 1654 ist Qua­drath nach Berg­heim send­pflich­tig (Erft­land 3, 1929, S. 23)
1802/08 Suk­kur­sal­pfar­re (Hand­buch d. Erz­bis­tums Köln, 26. Ausg., Bd. 1, 1966, S. 103)

Niederaußem

An­fang 13. Jahr­hun­dert be­steht nach dem Bau­be­fund in Nie­der­au­ßem ei­ne Ka­pel­le; aus dem 13. Jahr­hun­dert stam­men noch ein­zel­ne Pfei­ler des Schif­fes so­wie Kon­so­len des Cho­res. Der heu­ti­ge Kir­chen­bau (Pa­tro­zi­ni­um: Jo­hann Bap­tist) ge­hört in we­sent­li­chen Tei­len der ers­ten Hälf­te des 16. Jahr­hun­derts an. 1887–94 Um­bau­maß­nah­men, 1908 Er­wei­te­rung durch Neu­bau des Cho­res (Ku­bach/Ver­beek, S. 842 f.; Hand­buch d. Erz­bis­tums Köln, 26. Ausg., Bd. 1, 1966, S. 101 f.; Bin­te­rim/Moo­ren 2II, S. 158)
1304 er­hält die ca­pel­la in Nederous­hem ap­pen­di­ci­um eccle­sie par­ro­chia­lis in Berg­heim das Tauf- und Be­er­di­gungs­recht. Dem Berg­hei­mer Pfar­rer ver­bleibt die Send­ge­richts­bar­keit, die in der Ka­pel­le zu hal­ten ist. Die Nie­der­au­ße­mer Pfar­ran­ge­hö­ri­gen müs­sen sich wei­ter­hin an den drei Bitt­pro­zes­sio­nen in Berg­heim so­wie an den Bau­las­ten der Berg­hei­mer Kir­che be­tei­li­gen (K. A. Füs­se­nich, Der Propst v. St. Ge­re­on u. d. Berg­hei­mer Chris­tia­ni­tät. In: AHVN 82, 1907, S. 146 f.; REK IV 117)
1306 Pa­tro­nats- und Prä­sen­ta­ti­ons­recht der Ka­pel­le bei Abt und Kon­vent von Kor­ne­li­müns­ter (HSTAD Kor­ne­li­müns­ter 40)
1307 wer­den die Nie­der­au­ße­mer Pfar­ran­ge­hö­ri­gen zum Send­ge­richt in der Pfarr­kir­che in Berg­hei­mer­dorf ver­pflich­tet (ebd. 38a)
(1308) ca­pel­la (Li­ber Va­lo­ris, S. 59)
1550 mo­der­kirch (Red­lich II 1, S. 48)
1560 210 Kom­mu­ni­kan­ten (ebd., S. 49)
1582 Ni­ko­laus­al­tar, Hl.-Kreuz-Vi­ka­rie (ebd., S. 50)
1676 Kier­spell, 200 Kom­mu­ni­kan­ten, Al­tä­re: Ka­tha­ri­na und Ni­ko­laus (Bru­der­schaft), Hl. Kreuz (Kol­la­tor: Herr von Golt­stein) (Bin­te­rim/Moo­ren 2II, S. 158)

Oberaußem

1306 er­hält die ca­pel­la in Over­ouss­he­ym ap­pen­di­ci­um eccle­siae pa­ro­chia­lis in Berg­heim das Tauf- und Be­er­di­gungs­recht; der Send bleibt bei der Mut­ter­pfar­re (AHVN 82, 1907, S. 146 f. Anm. 1; Erft­land 6/7, 1932, S. 56). Das Pa­tro­nats- und Prä­sen­ta­ti­ons­recht ha­ben Abt und Kon­vent von Kor­ne­li­müns­ter (IV 3)
1550 wird die Ka­pel­le zu Ober­au­ßem als Fi­lia­le von Nie­der­au­ßem be­zeich­net (Red­lich II 1, S. 53), da­ge­gen:
1560 ca­pel­la un­der Ber­che­mer­dorff, Pa­tron: Vin­cen­ti­us; hat om­nia sa­cra­men­ta prae­ter bap­tis­mum; 175 Kom­mu­ni­kan­ten (ebd., S. 54)
1582 ge­hört die Ka­pel­le zur Pfar­re Nie­der­au­ßem (ebd.)
1654 sind die Ein­woh­ner von Ober­au­ßem nicht mehr nach Berg­hei­mer­dorf send­pflich­tig (Erft­land 3, 1929, S. 24)
1676 Kier­spell, 250 Kom­mu­ni­kan­ten (Bin­te­rim/Moo­ren 2II, S. 158)
1878/81 Neu­bau der Kir­che; Ab­bruch der al­ten Kir­che mit Aus­nah­me der Kryp­ta. 1958 wur­den die Fun­da­men­te der al­ten Kir­che teil­wei­se be­sei­tigt, dar­un­ter ver­mut­lich auch die Res­te des eins­ti­gen ro­ma­ni­schen Tur­mes (A. Ohm/A. Ver­beek, Kr. Berg­heim III, 1971, S. 35)
1921 Ab­tren­nung der Pfar­re For­tu­na als Rek­to­rat (Hand­buch d. Erz­bis­tums Köln, 26. Ausg., Bd. 1, 1966, S. 102; I 9)

Ichendorf

1550 ca­pell, ge­hört zur mo­der­kir­chen Qwaid­traidt. Das Kol­la­ti­ons­recht be­sit­zen die Raitz von Fr­entz, wel­che die Kir­che (Pa­tro­zi­ni­um: hl. Kreuz und Cor­ne­li­us) 1457 ge­stif­tet ha­ben sol­len (Red­lich II 1, S. 47 f.; L. Jan­sen, Schlen­der­han, 1996, S. 161). Zehntherr ist Kor­ne­li­müns­ter. Wie Qua­drath ist auch Ichen­dorf nach Berg­heim send­pflich­tig (vgl. oben zu Qua­drath)
1913/15 Neu­bau der Kir­che (A. Ohm/A. Ver­beek, Kr. Berg­heim III, 1971, S. 85)
1914 Rek­to­rat, 1921 Pfar­re (Hand­buch d. Erz­bis­tums Köln, 26. Ausg., Bd. 1, 1966, S. 101)

Holtrop

1738 wird ei­ne bei der Burg Hol­trop und zur Pfar­re Berg­hei­mer­dorf ge­hö­ren­de Ka­pel­le er­wähnt, wo­bei es sich wohl um die Burg­ka­pel­le han­delt (W. Pie­pers, Burg Hol­trop, 1960, S. 58)

Egilhardkapelle bei Bohlendorf

An­geb­lich soll hier Egil­hard, ach­ter Abt von Kor­ne­li­müns­ter von den Nor­man­nen er­schla­gen wor­den sein. 1663 war die Ka­pel­le schon ver­fal­len (Gal­lia Chris­tia­na III, Pa­ris 1725, S. 733; A. Ge­le­ni­us, De ad­mi­ran­da, sa­cra et ci­vi­li ma­gni­tu­di­ne Co­lo­niae Clau­diae Agrip­pi­nen­sis Ubio­rum ur­bis I, Köln 1645, S. 692; Th. Rhay, Ani­mae il­lus­tres Ju­liae, Cli­viae, Mon­ti­um, Neu­burg 1663, S. 98). 1864/65 wa­ren die Fun­da­men­te noch zu se­hen. 1891 Flur am Zint Ueh­les (L. Korth, Volks­tüm­li­ches aus d. Kr. Berg­heim, 1891, S. 12)

4. 4 Bistums- und Dekanatszugehörigkeit

Ur­sprüng­lich bis 1802 Erz­bis­tum Köln, 1802–21 Bis­tum Aa­chen, 1821/27 Erz­bis­tum Köln, De­ka­nat Berg­heim

4. 5 Kloster Bethlehem

(1509)–20 Bau ei­ner Holz­ka­pel­le im spä­te­ren Beth­le­he­mer Wald bei Berg­heim auf­grund ei­ner Vi­si­on des Berg­hei­mer Förs­ters, ab 1608 Er­rich­tung ei­nes Zie­gel­stein­baus. 1637 ge­stat­te­te Erz­bi­schof Fer­di­nand von Köln auf Bit­ten des Mi­nis­ters der Köl­ni­schen Pro­vinz der Min­der­brü­der von der stren­gen Ob­ser­vanz die Er­rich­tung ei­nes Klos­ters in der Stadt Berg­heim (H. J. Doms­ta, In­ven­tar d. Ar­chivs d. Köl­ni­schen Pro­vinz d. Fran­zis­ka­ner im Stadt­ar­chiv Dü­ren. In: Dü­re­ner Ge­schichts­blät­ter 69, 1980, S. 115–157, Nr. 179; 75, 1986, S. 37–46, Nr. 257). Die Fran­zis­ka­ner be­wohn­ten zu­nächst ein Haus in der Stadt na­he der Ge­orgs­ka­pel­le. Dar­über hin­aus be­sa­ßen sie bei der Ka­pel­le im Wald ei­ne Un­ter­kunft. 1639 er­hiel­ten sie vom Her­zog von Jü­lich die Er­laub­nis, ei­ne Nie­der­las­sung im Wald zu grün­den (Sta Dü­ren A 25 Nr. 4, S. 4; so­weit nicht an­ders an­ge­ge­ben vgl. ins­ge­samt J. Al­cket, Beth­le­he­mer Stern, Köln 1747, S. 8–47; K. Un­kel­bach, Ge­schich­te d. Klos­ters Beth­le­hem, 1885; Zan­der, S. 43–63; zur La­ge vgl. Ta­fel 2, Tran­chot/v. Müff­ling). 1648–63 Bau und Fer­tig­stel­lung des Klos­ters, das 1637 zwei, 1643 zwölf und 1664 16 Mön­che hat­te. 1665 Kon­se­kra­ti­on der Klos­ter­kir­che (Pa­tro­zi­ni­um: Ma­ria, Franz, An­to­ni­us, Se­bas­ti­an und Ro­chus). 1720 Bau ei­nes neu­en Klos­tertrak­tes. 1791 Re­no­vie­rungs­maß­nah­men

Im 18. Jahr­hun­dert ka­men jähr­lich zwi­schen 10.000 und 40.000 Pil­ger. 1802 Auf­he­bung des Klos­ters. Das Gna­den­bild wur­de in die Pfarr­kir­che nach Berg­hei­mer­dorf über­führt, das seit­dem Wall­fahrts­ort ist (vgl. IV 7). Der Be­sitz des Klos­ters soll­te 1803 durch die fran­zö­si­schen Be­hör­den ver­stei­gert wer­den, er blieb al­ler­dings zu­nächst un­ver­kauft (Schie­der, Sä­ku­la­ri­sa­ti­on V 1, S. 140). 1806 Ver­kauf des Klos­ters auf Ab­bruch, Nie­der­le­gung des Bau­es mit Aus­nah­me des Trak­tes von 1720. Die Res­te des Klos­ters kauf­te 1899 die Ge­nos­sen­schaft der Barm­her­zi­gen Schwes­tern von der hl. Eli­sa­beth zu Es­sen, die dort ein Haus­halts­pen­sio­nat und Er­ho­lungs­heim ein­rich­te­te. 1966 Ver­kauf des Klos­ters an Rhein­braun und Ab­bruch für den Ta­ge­bau (Zan­der, S. 55, 58; IV 5)

4. 5 Sonstige Ordensniederlassungen

Ma­ria­hilf-Klos­ter

1871 Grün­dung des Klos­ters als Fi­lia­le der Kon­gre­ga­ti­on der Ar­men Dienst­mäg­de Je­su Chris­ti aus dem Mut­ter­haus Dern­bach zur am­bu­lan­ten Kran­ken­pfle­ge (ab 1874 Kran­ken­haus). 1979 Ab­zug der Or­dens­schwes­tern (Die Dern­ba­cher Schwes­tern in Berg­heim, 1981; IV 6; IV 11)

4. 6 Ärzte und Apotheke

1743–(1799) jü­di­scher Arzt in Berg­heim nach­weis­bar (H. G. Friedt, Ein jü­di­scher Arzt d. 18. Jahr­hun­dert in Berg­heim/Erft. In: JBGV 4, 1995, S. 42–55), 1806/08 des­sen Sohn (K. H. Schul­te, Do­ku­men­ta­ti­on z. Ge­schich­te d. Ju­den am lin­ken Nie­der­rhein seit d. 17. Jahr­hun­dert, 1972, S. 26; IV 8)
 1794 Apo­the­ke in Berg­heim (R. Schmidt-Wet­ter, Ge­schich­te d. nord­rhein. Apo­the­ken­we­sens, 1970, S. 58)
1799 ein Apo­the­ker, fünf Ärz­te, Wund­ärz­te bzw. Chir­ur­gen in der Mai­rie Berg­heim (C. Wen­dels, Berg­heim a. d. Erft i. Jah­re 1799 Händ­ler, Hand­wer­ker u. Ta­ge­löh­ner, 1999, S. 19)
1806 ein Arzt, ein Chir­urg, zwei Sa­ni­täts­of­fi­zie­re, ein Heb­am­me, ein Apo­the­ker (HSTAD Ro­er-Dep. 2117)
1838 zwei pro­mo­vier­te Ärz­te, ein Krei­s­phy­si­kus, ein Wun­d­arzt (ebd. Reg. Köln 1258)
1842 ein Arzt, ein Chir­urg, zwei Apo­the­ker, ein Phy­si­kus (Sta­tis­tik u. Hand-Adress­buch d. Rhein­pro­vinz f. d. Jahr 1842 <Ave­na­ri­us>, S. 148–150)
1843 ein Arzt, ein Wun­d­arzt, ein Heb­am­me, ein Apo­the­ke; ein prak­ti­scher Arzt in Berg­hei­mer­dorf (HSTAD Reg. Köln 1253)
1861 ein Krei­s­phy­si­kus, ein Kreis­wun­d­arzt, zwei Ärz­te, ein Apo­the­ker, zwei Heb­am­men (Sta­tis­tik Kr. Berg­heim 1863, S. 79)
1898 ein Krei­s­phy­si­kus, ein Krei­s­phy­si­kus a. D., ein Arzt, ein Kreis­tier­arzt, ei­ne Heb­am­me, ein Apo­the­ker (ebd. 1899, S. 91–93)
1981 elf prak­ti­sche Ärz­te, zwei Au­gen­ärz­te, drei Chir­ur­gen, vier Frau­en­ärz­te, ein HNO-Arzt, zwei Haut­ärz­te, sechs In­ter­nis­ten, zwei Kin­der­ärz­te, ein Arzt für Lun­gen­heil­kun­de, ein Kie­fer­or­tho­pä­de, ein Neu­ro­lo­ge, ein Or­tho­pä­de, ein Ra­dio­lo­ge, ein Uro­lo­ge, elf Zahn­ärz­te (StaB 6413)
1992 17 Ärz­te für All­ge­mein­me­di­zin, drei Au­gen­ärz­te, drei Chir­ur­gen, fünf Frau­en­ärz­te, zwei HNO-Ärz­te, zwei Haut­ärz­te, zehn In­ter­nis­ten, vier Kin­der­ärz­te, zwei Neu­ro­lo­gen, drei Or­tho­pä­den, ein Rönt­gen­arzt, ein Sport­arzt, ein Uro­lo­ge, 19 Zahn­ärz­te, zehn Apo­the­ken (Berg­heim, Kreis­stadt d. Erft­krei­ses, 1992, S. 29 f., 48)

4. 6 Hospital und Krankenhaus

1500/01 gast­huys (HSTAD JB III R Amt Berg­heim 47 fol. 15v), 1550 hos­pi­tail (Red­lich II 1, S. 23). 1660 liegt das Gast­haus na­he der Zie­ve­ri­cher Pfor­te (HSTAD JB III R Amt Berg­heim 209 fol. 8v; II 3)
1669 Die Stadt Berg­heim hat ein Gast­haus oder Hos­pi­tal, das Ren­ten­be­sitz hat. Pro­vi­so­ren sind Bür­ger­meis­ter, Rat und lan­des­herr­li­cher Vogt (ebd. 211 I fol. 11v–12r). 1766 Be­schluss des Berg­hei­mer Send­ge­richts, das Hos­pi­tal­ge­bäu­de auf­zu­ge­ben (Erft­land 8, 1930, S. 60)
1871 Grün­dung ei­ner Fi­lia­le der Kon­gre­ga­ti­on der Ar­men Dienst­mäg­de Je­su Chris­ti aus dem Mut­ter­haus Dern­bach, die sich der am­bu­lan­ten Kran­ken­pfle­ge und dem Schul­un­ter­richt wid­men soll­te. 1874 Um­wand­lung in ei­ne Pri­vat­kran­ken­an­stalt, die we­nig spä­ter den Na­men Kran­ken­haus Ma­ria Hilf an­nimmt, seit 1879 in der Trä­ger­schaft der Pfarr­ge­mein­de St. Re­mi­gius. Bis 1914 mehr­fa­che An- und Um­bau­ten. 1927/29 grö­ße­rer Er­wei­te­rungs­bau; zahl­rei­che wei­te­re Bau­maß­nah­men ab 1949/52. 1979 Ab­zug der Or­dens­schwes­tern (Die Dern­ba­cher Schwes­tern in Berg­heim, 1981; IV 5)
1996 um­fasst das Kran­ken­haus die Ab­tei­lun­gen All­ge­mein-/Un­fall­chir­ur­gie, In­ne­re Me­di­zin, An­äs­the­sie und In­ten­siv­me­di­zin, Gy­nä­ko­lo­gie und Ge­burts­hil­fe, HNO, Au­gen­heil­kun­de (FS 125 Jah­re Ma­ria-Hilf-Kran­ken­haus in Berg­heim)

4. 7 Wallfahrten

Vom 16.–18. Jahr­hun­dert war das Klos­ter Beth­le­hem Ziel von Wall­fahr­ten (IV 5). Mit der Über­tra­gung des Gna­den­bil­des aus dem auf­ge­ho­be­nen Klos­ter in die Pfarr­kir­che St. Re­mi­gius 1803 führ­ten die Wall­fahr­ten nach Berg­hei­mer­dorf (FS 175jäh­ri­ges Ju­bi­lä­um d. Über­füh­rung d. Gna­den­bil­des d. Schmerz­haf­ten Mut­ter Got­tes v. Klos­ter Beth­le­hem nach St. Re­mi­gius, Berg­heim, 1978)
Seit An­fang 19. Jahr­hun­dert Wall­fahr­ten von Berg­heim, St. Re­mi­gius nach Keve­la­er be­zeugt (P. Dohms <u. a.>, Die Wall­fahrt nach Keve­la­er z. Gna­den­bild d. "Trös­te­rin d. Be­trüb­ten", 1992, S. 28)

4. 8 Juden, Synagoge, Friedhof, Privilegierung

(1239)–1325 fünf Ju­den aus Berg­heim als Haus­be­sit­zer im Köl­ner Ju­den­vier­tel er­wähnt (Ger­ma­nia Ju­dai­ca I, S. 25 f.; II 1, S. 67 f.; Pracht, Jü­di­sches Kul­tur­er­be I, S. 168–174)
1330 Ju­den in Berg­heim als Geld­ver­lei­her nach­weis­bar (ju­da­ei in Berg­heim, Friedt, S. 16 f.; K. H. Schul­te, Do­ku­men­ta­ti­on z. Ge­schich­te d. Ju­den am lin­ken Nie­der­rhein seit d. 17. Jahr­hun­dert, 1972, S. 25–28)
1637 Ju­den nach­weis­bar, 1693 drei Ju­den in Berg­heim (HSTAD JB III Amt Berg­heim 72 fol. 8v; 108 fol. 25v)
1669  zwei Ju­den in der Stadt Berg­heim: ei­ner auf 14 Jah­re für Tri­but von 10 ½ Gold­gul­den, lebt im sechs­ten Jahr dort, der an­de­re für 9 Gold­gul­den. Bei Be­schnei­dung, Hei­rat und Tod sind je­weils 1 Gold­gul­den zu ge­ben (ebd. Berg­heim 211 II fol. 9v–10r; An­der­mahr, De­scrip­ti­on, S. 92)
(1677) An­la­ge des Me­mor­bu­ches der Berg­hei­mer Ju­den (K. H. Schul­te, Do­ku­men­ta­ti­on z. Ge­schich­te d. Ju­den am lin­ken Nie­der­rhein seit d. 17. Jahr­hun­dert, 1972, S. 26 f., ver­schol­len)
1698 Syn­ago­ge er­wähnt (G. Bers, Ein Eng­län­der im Jü­li­cher Land. In: Neue Beitr. z. Jü­li­cher Ge­schich­te 10, 1999, S. 230)
1706/13 Ju­den­land­ta­ge in Berg­heim (Friedt, S. 25)
1730/31 le­ben im Amt Berg­heim acht Ju­den, die den Erb­hul­di­gungs­eid, ih­rer Form ent­spre­chend, leis­ten müs­sen (HSTAD JB II 2418)
1743–(99) jü­di­scher Arzt in Berg­heim an­säs­sig (IV 6), auch 1806/08 (IV 6)
1799 30 jü­di­sche Ein­woh­ner, dar­un­ter drei Metz­ger, zwei Händ­ler und ein Arzt (C. Wen­dels, Berg­heim a. d. Erft i. Jah­re 1799 Händ­ler, Hand­wer­ker u. Ta­ge­löh­ner, 1999, S. 219)
1804/10 Er­wäh­nung ei­ner Syn­ago­ge (Ge­bets­raum) in Berg­heim im Hin­ter­hof des Hau­ses Haupt­stra­ße 10 zwi­schen Haupt­stra­ße und Job­berath (J. Schmidt, Geo­gra­phie u. Ge­schich­te d. Her­zog­tums Berg, 1804, S. 286; Friedt, S. 61–72)
1806 und 1808 le­ben 91 Ju­den in der Mai­rie Berg­heim (HSTAD Ro­er-Dep. 1788 f.)
(1807) Zu­sam­men­schluss der Ju­den in Büs­dorf, Flieste­den und Gles­sen zu ei­ner Syn­ago­gen­ge­mein­de. 1828 be­sitzt die Ge­mein­de ei­ne Syn­ago­ge in Büs­dorf. 1867 be­steht an­stel­le die­ser ei­ne Syn­ago­ge in Flieste­den. Seit 1863 ge­hört die Syn­ago­gen­ge­mein­de Büs­dorf-Flieste­den-Gles­sen zur Kreis­syn­ago­gen­ge­mein­de Berg­heim (H. G. Friedt, Er­gän­zen­de Dar­stel­lung z. Ge­schich­te d. Ju­den in d. Or­ten Büs­dorf, Flieste­den u. Gles­sen. In: JBGV 7, 1998, S. 177–197)
1824 36 Ju­den in Berg­heim, dar­un­ter ein Hand­wer­ker, drei Grund­be­sit­zer, vier Han­del­trei­ben­de (LHAK 403/935)
1828 53 Ju­den in Berg­heim, Ken­ten, Zie­ve­rich, Qua­drath und Ichen­dorf (Kast­ner, Pro­vin­zi­al­land­tag I, S. 165)
1836  Ju­den­ge­mein­de Berg­heim (mit Berg­heim, Berg­hei­mer­dorf, Ken­ten, Zie­ve­rich, Qua­drath, Ichen­dorf, Paf­fen­dorf, Ober- und Nie­der­au­ßem) be­steht aus 20 Fa­mi­li­en mit 150–160 Per­so­nen (Friedt, S. 53)
1843 le­ben im Stadt­kern Berg­heim 57 Ju­den (IV 10)
1847 ein or­tho­do­xer Ju­de ist Ge­mein­de­ver­ord­ne­ter in Berg­heim (Kast­ner, Pro­vin­zi­al­land­tag II, S. 969)
1848 Bil­dung der Kreis­syn­ago­gen­ge­mein­de Berg­heim (Friedt, S. 160–205)
1853 le­ben 69 Ju­den in Berg­heim (K. H. Schul­te, Do­ku­men­ta­ti­on z. Ge­schich­te d. Ju­den am lin­ken Nie­der­rhein seit d. 17. Jahr­hun­dert, 1972, S. 27)
1858 Jü­di­sche Ele­men­tar­schu­le im Erd­ge­schoss der Syn­ago­ge in der Haupt­stra­ße in Berg­heim ein­ge­rich­tet, ab 1883 in der neu­en Syn­ago­ge (Friedt, S. 110–113)
1883 Bau ei­ner neu­en Syn­ago­ge an der Klos­ter­stra­ße 10, 1938 Ver­kauf des Ge­bäu­des an ei­ne Pri­vat­per­son. Wie­der­auf­bau des Ge­bäu­des nach Kriegs­be­schä­di­gun­gen, Ab­riss zwi­schen 1983 und 1986 (Pracht, Jü­di­sches Kul­tur­er­be I, S. 170–172)
1938 am 11. No­vem­ber Be­ginn der De­por­ta­tio­nen der Berg­hei­mer Ju­den nach Dach­au, Ju­ni/Ju­li 1942 De­por­ta­ti­on der letz­ten Berg­hei­mer Ju­den in die Ver­nich­tungs­la­ger des Os­tens (Friedt, S. 216 f.)

Zu den jü­di­schen Ein­woh­ner­zah­len vgl. IV 10

Zu den jü­di­schen Fried­hö­fen vgl. II 2

4. 9 Einführung der Reformation, Evangelische Gemeinde

1529 Pe­ter von Flieste­den aus Berg­heim-Flieste­den, ein An­hän­ger des Pro­tes­tan­tis­mus, wird in Köln we­gen Got­tes­läs­te­rung ver­brannt (J. F. G. Goe­ters, Die Herr­schaft Bed­burg u. ih­re kirch­li­chen Ver­hält­nis­se. In: 400 Jah­re Bed­bur­ger Syn­ode, 1971, S. 52 f.)
1532–39 Ver­fol­gung von An­hän­gern des Täu­fer­tums in Berg­heim (K. Rem­bert, Die Wie­der­täu­fer im Her­zog­tum Jü­lich, 1899, S. 414, 420 f.; An­der­mahr, Berg­heim, S. 128 f.)
1610 Ein­quar­tie­rung von Trup­pen der nie­der­län­di­schen Ge­ne­ral­staa­ten un­ter Obrist-Leut­nant Schwei­chel. Der ka­tho­li­sche Geist­li­che wird aus der Ge­orgs­ka­pel­le und der Schu­le ver­drängt und die Kir­che für die Re­for­mier­ten in An­spruch ge­nom­men. Pre­di­ger der re­for­mier­ten Ge­mein­de zu Berg­heim 1610–14: Jo­han­nes Cal­man­nus (1610/11–12), Her­mann Tin­ne­ken (1612–14) (Erft­land 5, 1927, S. 33–37)
1611 Nach dem Ab­zug der nie­der­län­di­schen Trup­pen wird die Ka­pel­le vom Berg­hei­mer Pfar­rer in Be­sitz ge­nom­men. Der bran­den­bur­gi­sche Vogt lässt sie 1612 wie­der ge­walt­sam für die Re­for­mier­ten öff­nen
1612 er­las­sen Pfalz­graf Wolf­gang Wil­helm und der Bru­der des Kur­fürs­ten von Bran­den­burg ein Man­dat, wo­nach die Re­for­mier­ten sich mit dem Pre­di­gen in ih­ren Häu­sern be­gnü­gen und die Ka­pel­le samt Ein­künf­ten den Ka­tho­li­schen wie­der her­aus­ge­ben müs­sen (Erft­land 5, 1927, S. 37 f.; Dres­sing)
1614 Mit der Be­set­zung Berg­heims durch spa­ni­sche Trup­pen Spi­no­las Be­ginn des En­des der Berg­hei­mer Ge­mein­de (An­der­mahr, Berg­heim, S. 137–139)
1615–18 Auf der Lin­ni­cher Syn­ode vom 19. Mai 1615 ist Berg­heim nicht mehr ver­tre­ten. 1616 ist die Berg­hei­mer Ge­mein­de oh­ne Pre­di­ger und Schul­meis­ter. Sie wird von der Syn­ode an­ge­wie­sen, die Pre­digt in den nächst­ge­le­ge­nen ad­li­gen Häu­sern zu hö­ren. Die Jü­li­cher Pro­vin­zi­al­syn­ode vom Mai 1618 be­stimmt: Weil die Ge­mei­ne zu Berg­heim aus Man­gel der Mit­tel, auch we­gen son­der­li­cher Be­schaf­fen­heit des Orts kei­nen Pre­di­ger vor sich be­ruf­fen mach, soll sie sich bei den um­lie­gen­den ad­li­gen Häu­sern um die Pre­digt be­mü­hen. Ge­lingt das nicht, soll sie sich der nächst­ge­le­ge­nen Ge­mein­de an­schlie­ßen, da­mit al­so ein for­ma eccle­siae er­hal­ten bleibt. (A. Ro­sen­kranz, Sit­zungs­be­rich­te d. re­for­mier­ten Syn­oden d. Her­zog­tums Jü­lich wäh­rend d. Ge­gen­re­for­ma­ti­on 1611–1675, 1972, S. 23, 30 f., 36, 40)
1649 er­klä­ren die Berg­hei­mer Bür­ger, daß an­jet­zo in der pfarr zu Ber­che­mer­dorff als sonst ein­ge­le­ge­nen ad­li­chen Heu­sern kein aus­bur­gi­sches oder re­for­mir­tes ex­er­ci­ti­um sey noch auch an­no 1624 ir­gendt wo­he in der pfar oder der statt Berg­heim heimblich oder öf­fent­lich ge­we­sen (Füs­se­nich, Blät­ter, S. 53). Das re­for­mier­te Be­kennt­nis be­haup­tet sich in der Fol­ge­zeit nur noch auf dem Adels­sitz von Ober­au­ßem der Fa­mi­lie von Gah­len so­wie auf Burg Ge­retz­ho­ven. Seel­sor­ge­risch be­treut wird Ober­au­ßem zu­nächst von Fre­chen und ab 1714 von Kirch­her­ten (Dres­sing, S. 118)
1853 Grün­dung der Vi­ka­ri­ats­ge­mein­de Ker­pen-Berg­heim (H. Gröd­de, Die evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de Bed­burg-Nie­der­au­ßem. In: 400 Jah­re Bed­bur­ger Syn­ode, 1971, S. 124–134)
1873 Auf­lö­sung der Vi­ka­ri­ats­ge­mein­de und Un­ter­stel­lung un­ter die mit Kirch­her­ten ver­bun­de­ne Vi­ka­ri­ats­ge­mein­de Els­dorf, 1881 Um­be­nen­nung in Vi­ka­ri­ats­ge­mein­de Els­dorf-Berg­heim, 1893 selb­stän­di­ge Kir­chen­ge­mein­de mit al­ter­nie­ren­dem Got­tes­dienst in Zie­ve­rich und Els­dorf. Der Pfar­rer von Kirch­her­ten ist zu­gleich Pfar­rer von Els­dorf-Berg­heim. 1895 Ein­wei­hung der evan­ge­li­schen Kir­che in Zie­ve­rich (ebd., S. 129 f.)
1903 Auf­lö­sung der pfarr­amt­li­chen Ver­bin­dung mit Kirch­her­ten und Än­de­rung der Be­zeich­nung in Kir­chen­ge­mein­de Zie­ve­rich, seit 1971 Berg­heim-Zie­ve­rich (ebd., S. 130)
1938 die Kir­chen­ge­mein­de Zie­ve­rich zählt 1.000 Gläu­bi­ge und um­fasst die Or­te Zie­ve­rich, Berg­heim, Els­dorf, Bed­burg, Nie­der­au­ßem, For­tu­na und Qua­drath-Ichen­dorf (G. Mel­chi­or, 95 Jah­re Evan­ge­li­sche Ge­mein­de Zie­ve­rich. In: Zie­ve­rich. Ge­schich­te ei­nes rhein. Dor­fes, 1998, S. 55–60, hier S. 57)
1944 Zer­stö­rung der Zie­ve­ri­cher Kir­che; 1950/51 Neu­bau (ebd., S. 58)
1956 Ein­wei­hung der Er­lö­ser­kir­che in Nie­der­au­ßem (H. Gröd­de, Die evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de Bed­burg-Nie­der­au­ßem. In: 400 Jah­re Bed­bur­ger Syn­ode, 1971, S. 132)
1957 Aus­glie­de­rung Bed­burgs und Nie­der­au­ßems aus der Ge­mein­de Zie­ve­rich und Grün­dung der Kir­chen­ge­mein­de Bed­burg-Nie­der­au­ßem (ebd.)
1965 Bil­dung der Ge­mein­de Qua­drath-Ichen­dorf mit ei­ge­nem Geist­li­chen (Nie­der­au­ßem. Chro­nik ei­ner Ge­mein­de, 1974, S. 189)
1969 Ein­wei­hung der Pe­tri-Kir­che in Qua­drath-Ichen­dorf (Fest­schrift 30 Jah­re Pe­tri-Kir­che Qua­drath-Ichen­dorf, 1999, S. 12)
Seit 1993 Evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de Berg­heim-Zie­ve­rich-Els­dorf (Mel­chi­or, S. 59 f.)

4. 10 Konfessionszahlen

1560 500 Kom­mu­ni­kan­ten im Kirch­spiel Berg­hei­mer­dorf (Red­lich II 1, S. 25)
1676 800 Kom­mu­ni­kan­ten im Kirch­spiel Berg­hei­mer­dorf (Bin­te­rim/Moo­ren 2II, S. 157)
1755 900 Kom­mu­ni­kan­ten im Kirch­spiel Berg­hei­mer­dorf (Fa­bri­ci­us V 1, S. 23)

4. 11 Schulen

Bergheimer auf auswärtigen Höheren Schulen und Universitäten (bis 1800)

1389–1794 sind über 100 Berg­hei­mer an der Uni­ver­si­tät Köln im­ma­tri­ku­liert, die aber bei der Häu­fig­keit des Na­mens Berg­heim nicht im­mer ein­deu­tig zu­zu­ord­nen sind (Ma­tri­kel Univ. Köln, Re­gis­ter)
1557 und 1604 so­wie 1614 je ein Stu­dent aus Berg­heim in Hei­del­berg (Die Ma­tri­kel der Univ. Hei­del­berg 2, 1886, S. 11, 221, 268)
1558 ein Stu­dent aus Berg­heim in Lö­wen (ZAGV 7, 1885, S. 144)
1569 ein Stu­dent aus Berg­heim in Wit­ten­berg (W. Rot­scheid, Rhein­län­der in d. Ma­tri­kel d. Uni­ver­si­tät Wit­ten­berg. In: Mo­nats­hef­te f. rhein. Kir­chen­ge­schich­te 24, 1930, S. 91)
1597 ein Stu­dent aus Berg­heim in Genf (Ju­ra) (S. Stel­ling-Mi­ch­aud, Le Li­v­re du rec­teur de l'aca­dé­mie de Genè­ve IV, 1980, Nr. 204)
1599 und 1602 bzw. 1603 je ein Stu­dent aus Berg­heim in Her­born (ZAGV 7, 1885, S. 139)
1604 ein Stu­dent aus Berg­heim in Mar­burg (H. Keus­sen, Ver­zeich­nis­se v. Stu­die­ren­den aus Aa­chen u. d. Her­zog­tum Jü­lich an d. Uni­ver­si­tä­ten Wit­ten­berg u. Mar­burg. In: ZAGV 5, 1883, S. 149)

Elementar- und Volksschulen

1532/33 schol­len in der Stadt Berg­heim (HSTAD JB III R Amt Berg­heim 47 fol. 66r)
1560 schul in Berg­hei­mer­dorf, wird ge­hal­ten durch den Vi­kar des Ka­tha­ri­nen­al­tars, der als lu­di­ma­gis­ter in Berg­heim wirkt (Red­lich II 1, S. 25)
1582 ist die Ge­orgs­ka­pel­le der Schu­le zu Jü­lich zu­ge­ord­net. Die Ein­künf­te mit Aus­nah­me des­sen, was der Vi­kar in Berg­hei­mer­dorf er­hält, neh­men Scho­las­ter und De­chant zu Jü­lich ein zu be­hoef dern schol­meis­tern da­selbst. Dar­über be­kla­gen sich die Bür­ger von Berg­heim, das sie vor ir­re kin­der so­wohl als die von Jü­lich ei­nen gui­ten schol­meis­ters nognot­tig, ir­re stat und der­sel­ber ge­rech­tig­kei­ten ko­men in un­wid­der­breng­li­gen ver­der­ben und un­der­gang. Bit­ten da­her zur un­d­er­hal­tung ir­rer selbst scho­len, in er­we­gung, aan­ge­rech­te tri­vi­al­school zu Jü­lich ver­gen­g­lig, re­pa­rie­rung ir­rer ver­woes­ter und ver­bran­ter stat ... in­nen ir­re ca­pel­len rent wie­der zu ke­ren und ge­mel­te schol­meis­ters zu Jü­lich mit ir­ren ge­set­ti­gen gne­digs in­se­hens ge­sche­hen las­sen (IV 4; Erft­land 5, 1927, S. 35)
Vor 1596 Auf­nah­me des Un­ter­richts in der städ­ti­schen Schu­le durch den Geist­li­chen der Ge­orgs­ka­pel­le, der wäh­rend des 18. Jahr­hun­derts der Leh­rer der Schu­le bleibt (B. Buch­holz, Die Schu­le d. Stadt Berg­heim. In: JBGV 8, 1999, S. 54 f.)
1607/08 scholl­meis­ter er­wähnt (HSTAD JB II 4803 fol. 52r)
1620 wer­den die kin­der in la­tin un­dt teutsch, auch sin­gen und got­tes­forcht un­ter­rich­tet (Erft­land 5, 1927, S. 11)
(1798) Das Schul­ge­bäu­de ist dem Gast­haus an­ge­baut und be­steht aus dem Schul­zim­mer so­wie der Woh­nung des Leh­rers (HSTAD Reg. Köln 2746)
1814/16 be­ste­hen in der Bür­ger­meis­te­rei drei Pri­mar- oder Ele­men­tar­schu­len: je ei­ne in Berg­heim, Wie­den­feld, Qua­drath. In Berg­heim un­ter­rich­tet der Leh­rer, der gleich­zei­tig ka­tho­li­scher Kir­chen­rek­tor ist, Deutsch, La­tein, Fran­zö­sisch, Re­li­gi­on und Rech­nen. Er wird von der Ge­mein­de er­nannt. Das Schul­geld be­trägt jähr­lich 6 Fran­ken und er­bringt ei­nen Ge­samt­be­trag von 200 Fran­ken (A. Rich­ter/G. Bers, "Schwach an Wis­sen, Ge­sund­heit u. Ver­mö­gen". Ele­men­tar­schul­leh­rer u. Ele­men­tar­schu­len d. Jü­li­cher Lan­des im Ro­er-De­par­te­ment um 1814, 1995, S. 55)
1827/28 wird ein neu­es Schul­ge­bäu­de in der Müh­len­gas­se er­rich­tet (HSTAD Nie­der- u. Mit­tel­rhein 1538; Reg. Köln 534)
1857 Jü­di­sche Ele­men­tar­schu­le im Erd­ge­schoss der Syn­ago­ge in der Haupt­stra­ße in Berg­heim ein­ge­rich­tet, ab 1883 in der neu­en Syn­ago­ge (IV 8)
1861 be­ste­hen in der Bür­ger­meis­te­rei sechs Ele­men­tar­schu­len mit sie­ben Leh­rern für 577 Schü­ler und ei­ne jü­di­sche Pri­vat­schu­le mit ei­nem Leh­rer für 30 Schü­ler (Sta­tis­tik Kr. Berg­heim 1863, S. 92)
1908 be­ste­hen in der Bür­ger­meis­te­rei Berg­heim fünf Ele­men­tar­schu­len, in der Bür­ger­meis­te­rei Paf­fen­dorf fünf und in der Bür­ger­meis­te­rei Hü­chel­ho­ven vier (ebd. 1910, S. 138)
1938 be­ste­hen in Berg­heim 15 Volks­schu­len (StaB 0711)
1974 gibt es in der Stadt Berg­heim zehn Grund­schu­len und vier bzw. zwei Haupt­schu­len (Das Schul­we­sen im Amt Berg­heim, 1974, S. 10 f.)
1981 und 1999 in Berg­heim zwölf Grund­schu­len und vier Haupt­schu­len (StaB 6413; 7212)

Höhere Schule

1823 Plä­ne für die Er­rich­tung ei­ner la­tei­ni­schen hö­he­ren Schu­le (HSTAD Reg. Köln 2347)
1860 wird der Schulb­trieb der „Hö­he­ren Kna­ben­schu­le“ auf­ge­nom­men. Der Un­ter­richt um­fasst den Lehr­plan des Gym­na­si­ums, zu­nächst auf vier, dann auf fünf Jah­re. Das Schul­ge­bäu­de be­fin­det sich an­fäng­lich in der Haupt­stra­ße, seit 1864 in der Kirch­stra­ße, ab 1928 in der bis­he­ri­gen Volks­schu­le. 1873–1911 als Pri­vat­schu­le ge­führt, ab 1. April 1911 in der Ver­ant­wor­tung der Ge­mein­de. 1939 Schlie­ßung (H. Bra­schoß, Die hö­he­re Kna­ben­schu­le in Berg­heim <1859/60–1939>. In: JBGV 9, 2000, S. 59–88)
1907/08 Er­rich­tung ei­nes Pen­sio­nats für die Un­ter­brin­gung der Schü­ler durch den Rek­tor in der Haupt­stra­ße (ebd., S. 77)
(1910) Grün­dung ei­ner Hö­he­ren Mäd­chen­schu­le (Ly­ze­um), die 1918 von den Dern­ba­cher Schwes­tern über­nom­men wird (IV 5)
1939 Ver­le­gung der Ober­schu­le für Jun­gen in Bed­burg, Nach­fol­geinsti­tu­ti­on der ehe­ma­li­gen Rit­ter­aka­de­mie, nach Berg­heim. Schul­neu­bau in der Füs­se­nich­stra­ße. Ein­zi­ges Gym­na­si­um des Krei­ses Berg­heim, an dem das Ab­itur ab­ge­legt wer­den kann (H. Bra­schoß, Die hö­he­re Kna­ben­schu­le in Berg­heim <1859/60–      1939>. In: JBGV 9, 2000, S. 87)
1962 Auf­nah­me des Un­ter­richts an der Ge­schwis­ter-Scholl-Re­al­schu­le in Berg­heim-Mit­te (FS 25 Jah­re Ge­schwis­ter-Scholl-Re­al­schu­le, 1987)
1965 Auf­nah­me des Un­ter­richts an der Al­bert-Ein­stein-Re­al­schu­le in Ober­au­ßem (StaB 5361)
1970 Auf­nah­me des Schul­un­ter­richts im zwei­ten Berg­hei­mer Gym­na­si­um, dem Gu­ten­berg-Gym­na­si­um, in Berg­heim-Mit­te (Fest­schrift 25 Jah­re Gu­ten­berg-Gym­na­si­um, 1995, S. 24)
1993 Auf­nah­me des Schul­be­triebs der Ge­samt­schu­le in Qua­drath-Ichen­dorf (Ge­samt­schu­le Berg­heim, FS 1998)

Sonstige Schulen

1872–87 und wie­der ab 1909 un­ter­hal­ten die Dern­ba­cher Schwes­tern in Berg­heim ei­ne Näh­schu­le für Mäd­chen (IV 5)
1882 Grün­dung ei­ner Kin­der­be­wahr­schu­le durch die Dern­ba­cher Schwes­tern in Berg­heim (IV 5; Sta­tis­tik Kr. Berg­heim 1910, S. 154)
1891 Ein­rich­tung ei­ner land­wirt­schaft­li­chen Win­ter­schu­le des Kreis Berg­heim, die seit 1896 ih­ren Sitz in Berg­heim hat (ebd. 1899, S. 102–104), er­hält 1906/07 ei­nen Neu­bau (ebd. 1910, S. 112)
1966 In­be­trieb­nah­me der Son­der­schu­le für Lern­be­hin­der­te in den Räu­men der Re­al­schu­le in Berg­heim; Fer­tig­stel­lung ei­nes neu­en Schul­ge­bäu­des in Nie­der­au­ßem 1968 (StaB 5411)
1973 In­be­trieb­nah­me der Son­der­schu­le für Geis­tig­be­hin­der­te des Krei­ses. Berg­heim in Thorr (Fest­schrift 20 Jah­re Pe­ter-Pe­ter­sen Schu­le, 1993)

4. 11 Bibliothek, Museum, Archiv

1860 be­steht in Berg­hei­mer­dorf ei­ne Volks­bi­blio­thek des Bor­ro­mäus­ver­eins (Berg­hei­mer Zei­tung Nr. 49 v. 8. De­zem­ber 1860)
1925 Grün­dung des Berg­hei­mer Hei­mat­mu­se­ums (Kreis­mu­se­um) im Aa­che­ner Tor mit Kreis­lehr­bü­che­rei. Kurz dar­auf wer­den das Ro­te Haus so­wie das Tor­wärter­haus ne­ben dem Aa­che­ner Tor eben­falls als Mu­se­ums­räu­me ge­nutzt. 1972 Auf­ga­be des Mu­se­ums (A. Kar­ren­brock, Das ehe­ma­li­ge Berg­hei­mer Hei­mat­haus. In: Kul­tur­ge­schichtl. Samm­lung d. Erft­krei­ses, hg. v. H. Klein, o. J., S. 183–188)
1974 Bau ei­ner Kreis- und Stadt­bü­che­rei (StaB 4743). 1976 Neu­er­öff­nung der Bü­che­rei als rein städ­ti­sche Ein­rich­tung (StaB 6653)

Tabelle 1 Konfessionszahlen Bergheim, 1819-1987. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 
Zitationshinweis

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Andermahr, Heinz, Rheinischer Städteatlas Bergheim. Teil 4: Kirche, Schule, Kultur und Gesundheitswesen, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-bergheim.-teil-4-kirche-schule-kultur-und-gesundheitswesen/DE-2086/lido/6620eb50b3f227.76138535 (abgerufen am 05.03.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 31.07.2025, zuletzt geändert am 20.08.2025

Auch über Rheinischer Städteatlas Bergheim, bearbeitet von Heinz Andermahr (Lieferung XIV, Nr. 74, 2001)