Zu den Kapiteln
Schlagworte
5. 1 Einwohner- und Häuserzahlen
Zu den Kommunikantenzahlen des Kirchspiels Bergheimerdorf 1560–1755 vgl. IV 10
1660 59 Hausstellenbesitzer (darunter wüste Hausplätze) in der Stadt Bergheim (HSTAD JB III R Amt Bergheim 209 fol. 1r–3r)
1666 legen den Huldigungseid ab: 34 (wehrfähige) Einwohner (drei sind abwesend), darunter drei Schöffen, der Stadt Bergheim; 47 Einwohner, darunter zwei Geschworene, ein Gerichtsdiener, des Dingstuhls Bergheimerdorf (HSTAD JB II 2383 fol. 203 f., 238b–238)
1669 51 Häuser (einschließlich der landesherrlichen Wassermühle) in der Stadt Bergheim, davon sechs unbewohnt, sieben ledig, 33 Hausplätze in Bergheimerdorf, davon zehn unbebaut (ebd. Bergheim 211 I fol. 2v, 21r/v; Andermahr, Deskription, S. 87)
1730/31 459 Einwohner in Bergheim (HSTAD JB II 2418; IV 8)
1798 469 Einwohner in der commune Bergheim (Daniels VI, S. 479)
(1809) hat die Mairie Bergheim 2152 Einwohner (393 Männer, 365 Frauen, 690 Jungen und 704 Mädchen), 374 Häuser (Andermahr, Statistik, S. 37 f., 41)
1814/16 hat die Bürgermeisterei Bergheim 2537 Einwohner, davon 526 Einwohner/79 Häuser in Bergheim, 388 Einwohner/66 Häuser in Bergheimerdorf, 196 Einwohner/31 Häuser in Zieverich, 170 Einwohner/33 Häuser in Wiedenfeld, 364 Einwohner/65 Häuser in Kenten, 512 Einwohner/81 Häuser in Quadrath, 328 Einwohner/54 Häuser in Ichendorf (A. Richter/G. Bers, "Schwach an Wissen, Gesundheit u. Vermögen". Elementarschullehrer u. Elementarschulen d. Jülicher Landes im Roer-Departement um 1814, 1995, S. 55)
1819 hat die Bürgermeisterei 2553 Einwohner und 440 Häuser (569 Einwohner/73 Häuser in Bergheim, 379 Einwohner/68 Häuser in Bergheimerdorf) (PfaB 103)
Tabelle 2 Einwohner- und Häuserzahlen Bergheim, 1767-2000. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
5. 2 Agrarwirtschaft
In Bergheim und Umgebung ist seit dem Mittelalter Ackerbau bezeugt. Rousseau berichtet 1809, an Getreide werde Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Hafer und Buchweizen angebaut; der Ertrag übersteige den Verbrauch (Andermahr, Statistik, S. 43 f.)
1861 betreiben in der Bürgermeisterei Bergheim Landwirtschaft im Haupt- und Nebenerwerb (= Zahlen in Klammer): 214 Einwohner (zwölf) als Eigentümer, 13 als Pächter, 480 (43) als mithelfende Familienangehörige. Hinzu kommen fünf Wirtschafterinnen, 99 Knechte, 74 Mägde und 216 männliche sowie 31 weibliche Tagelöhner (Statistik Kr. Bergheim 1863, S. 9)
5. 2 Weinbau
1542 Weinanbau in Bergheim bezeugt (J. Alckett, Bethlehemer Stern, 1774, S. 13)
1585 2 Mg wyngartz zu Bergheim (A. Fahne, UB d. Geschlechts Stael v. Holstein, 1869, Nr. 239)
1638 Weingartz acker in Bergheimerdorf (PfaB 259)
5. 2 Fischerei
1434/35 Herzoglicher Fischweiher in Bergheim, der der Versorgung des Hofes in Hambach dient (H. Dinstühler, Die Jülicher Landrentmeister-Rechnung v. 1434/35, 1989, S. 109)
16. Jahrhundert vischmeister und weyer knecht in Bergheim in Jülicher Diensten genannt (III 1 Amtsträger und Bedienstete)
1503 vergibt der Herzog von Jülich die Fischerei in der Erft umblangs die Stadt Bergheim als Mannlehen an seinen Amtmann Rabot von Plettenberg. Der herzogliche Fischmeister darf jedoch weiterhin mit Körben und Garn in der Erft fischen (II 3 Tore, Aachener Pforte; HSTAD Jülich Lehen Gen. 15 fol. 15r = 1513)
1669 wird die Fischerei in der Erft immer noch als Lehen mit dem Vorbehalt vergeben, dass der herzogliche Fischmeister mit Körben und Garn fischen darf. Außerdem sind die Bürger der Stadt Bergheim im Stadtbezirk zur Fischerei berechtigt (ebd. JB III R Amt Bergheim 211 I fol. 7r; Andermahr, Deskription, S. 90)
1809 Als Fischarten werden erwähnt: Hechte, Aale, Karpfen, Flusskrebse (Andermahr, Statistik, S. 36)
1859 Gründung der „Genossenschaft zur Melioration der Erftniederung“ (M. Möltgen, Die Melioration der Erftniederung. Unter bes. Berücksichtigung d. Bergheimer Raumes u. d. Enteignung d. Bergheimer Mühle. In: JBGV 7, 1998, S. 128–160)
1860–66 Melioration der Erft: Bau des Erftkanals und Entwässerung der Böden. Begradigung der Kleinen Erft und Verringerung der Wasserzufuhr der Mühlenerft. Aufgabe des Mühlenbetriebs in Bergheim 1863 (Statistik Kr. Bergheim 1899, S. 176–183; Möltgen, S. 136–154)
1861 gibt es keine gewerbsmäßige Fischerei in der Erft, da der Fluss nicht fischreich ist (ebd. 1863, S. 50)
1920 Gründung der Erftfischereigenossenschaft mit dem Ziel der Wiederherstellung und Erhaltung des Fischbestandes in der Erft (75 Jahre Erftfischereigenossenschaft Bergheim, FS 1995)
5. 3 Bergbau
1515/16 kolberch in der Nähe von Bergheim und Frens (HSTAD JB III R Amt Bergheim 1 fol. 169v)
1771 Pfarrangehörige aus Paffendorf fahren mit ihrem Fuhrwerk zum Kohlberg, wahrscheinlich Bestandteil der Villeanhöhe bei Bergheim-Schlenderhan (Erftland 9, 1933, S. 70)
1774 Erwähnung der Grube Schlenderhan der Familie Raitz von Frentz (Erftland 12, 1933, S. 94; F. Wündisch, Von Klütten u. Briketts. Bilder aus d. Geschichte d. rhein. Braunkohlenbergbaus, 1964, S. 30)
1776 Abbau am Turf-Berg im Oberaußemer Busch zwischen Oberaußem und Schlenderhan durch drei Klüttenbäcker aus Oberaußem (ebd., S. 31)
1802 wird berichtet, in der Umgebung von Bergheim werde Torf gegraben (H. Simon v. Alpen, Geschichte d. fränkischen Rheinufers I, 1802, S. 56 f.)
1809 drei Abbaugruben bei Bergheim für Torf: eine bei Ichendorf (Beissel von Gymnich), die anderen bei Schlenderhan (Raitz von Frentz) (Andermahr, Statistik, S. 42)
1810 Konzessionsgesuch des Kentener Mühlenbesitzers Ludwig Kolping für das Grubenfeld Urwelt bei Oberaußem (Erftland 12, 1933, S. 95)
1810 Erwähnung des Braunkohlenbergwerkes Geretzhoven bzw. Geretzhover Torfkaule im Bereich des Abbaufeldes Urwelt (ebd., S. 94)
1812 Braunkohlegrube des Grafen Beissel von Gymnich mit Lageplan (M. Pottmann-Lessenich, Die Beisselsgrube, 1993, S. 2)
1813 Erwähnung von vier Holzkohlenbergwerken, darunter Quadratherbusch, Clarenbusch bei Oberaußem und Schlenderhan (HSTAD Roer-Dep. 1197)
1822/23 Konzessionen verschiedener Bergwerke in Bergheim, Ichendorf, Oberaußem (Amtsbl. Reg. Köln 1822/23, S. 83), darunter Schlenderhan, Beisselsgrube und Urwelt I. 1832 folgt Geretzhoven I (C. Heusler, Beschreibung d. Bergreviers Brühl-Unkel u. d. niederrhein. Braunkohlenbeckens, 1897, S. 206 f.)
1854 Konzessionsgesuch für Giersbergs-Fortuna durch Gutsbesitzer Johann Peter Meul. 1856 Konzession (D. Witt, Die Kraftwerke Fortuna, 1990, S. 11)
1861 Gründung der Bergwerkssiedlung Fortuna (ebd., S. 12)
1897 Aufnahme der Produktion der Brikettfabrik für die Beisselsgrube (ebd., S. 30)
1898 und 1900 Errichtung von zwei Brikettfabriken für die Grube Fortuna (ebd.)
1898 Verkauf der Konzessionen an den Gruben Giersberg-Fortuna, Schlenderhan und Urwelt durch den Freiherrn von Oppenheim an die Gewerkschaft Fortuna, 1899 Mehrheitsbeteiligung an der Beisselsgrube (ebd., S. 20)
1908 Die Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau, die aus der Gewerkschaft Fortuna hervorgeht, ist das größte Braunkohlenunternehmen der Welt (ebd., S. 9)
1910 Errichtung des Kraftwerkes Fortuna II für die Erzeugung von Elektrizität, 1921/22 des Kraftwerkes Fortuna II (ebd., S. 30, 51–65)
5. 4 Gewerbe und Industrie
5. 4 Mühlen
Getreide-/Ölmühlen
1243 sind drei Mühlen in/bei Bergheim im Besitz Walrams I. von Bergheim (I 3; III 1 Grundherrschaft). Von diesen drei Mühlen sind nach den Amtsrechnungen des 16. Jahrhunderts noch zwei in Jülichschem Besitz: die Mühle in der Stadt und die alte Mühle in Zieverich am Übergang der Straße über die Erft (H. Andermahr, Die drei Mühlen d. Jülicher Landesherrn in d. Stadt Bergheim. In: JBGV 7, 1998, S. 107 f.)
1286 trägt Walram II. von Bergheim die Mühle mit Burg und Burgflecken dem Kölner Erzbischof zu Lehen auf (I 4)
Ab 16. Jahrhundert sind die Mühlen in Bergheim und Zieverich Korn- bzw. Ölmühlen und werden verpachtet (durchgängig belegt in den Kellnereirechungen, HSTAD JB III R Amt Bergheim 1 ff.)
1660 Die Zievericher Mühle wird als Korn- und Ölmühle bezeichnet. Zwangsmühle für die Dörfer bzw. Höfe Zieverich, Thorr, Heppendorf, Stammeln, Desdorf, Angelsdorf, Widdendorf, Wüllenrath, Elsdorf, Kütz, Brockendorf und Ohndorf (ebd. Bergheim 209 fol. 9v; 211 I fol. 16r)
1669 Die Mühle in Bergheim ist eine Kornmühle, wohin die Einwohner der Stadt, von Nieder-, Oberaußem, des kleinen Mönchhofs und des Fronhofes in Büsdorf mahlpflichtig sind. Die Pacht beträgt je 36 Malter Roggen und Gerste (Andermahr, Deskription, S. 93)
1771/72 Landesherrliche Korn-/Ölmühlen in Bergheim und Zieverich (R. Kreiner, Städte u. Mühlen im Rheinland, 1996, S. 328–336)
1809 fünf Mühlen in der Mairie Bergheim, davon vier Ölmühlen (Andermahr, Statistik, S. 47)
1832 fünf Mühlen in der Bürgermeisterei Bergheim, davon in Bergheim, Zieverich, Ichendorf und Kenten je eine Frucht- und Ölmühle, in Quadrath eine Fruchtmahlmühle (HSTAD Reg. Köln 2162 I)
1837 Die Bergheimer Mühle besitzt drei Mahlgänge, eine Ölpresse, drei unterschlägige Wasserräder, die Ölmühle ist in einem besonderen Gebäude untergebracht (S. Sommer, Mühlen am Niederrhein, 1991, S. 292)
1860 Mühle innerhalb des Mauerrings: links der Erft Ölmühle, rechts Kornmühle. Das gesamte Anwesen heißt Schrocksche Mühle. Die Wassergerechtsame werden 1863 durch die Erftmeliorationsgenossenschaft aufgekauft, die Kornmühle aufgegeben und die Ölmühle als Dampfmahlmühle betrieben (H. Köllen, Die Dernbacher Schwestern in Bergheim <1871–1979>, 1981, S. 12 f.)
1879 Verkauf der Bergheimer Mühle an die Dernbacher Schwestern, die das Gebäude als Bestandteil des Krankenhauses nutzen (ebd.)
Waidmühlen
1485 Waidmühle in Thorr erwähnt (Mitt.StaK 39, 1927, S. 34)
1637 Waidmühle (weidt mullen) an der Erft zwischen Bergheim und Bergheimerdorf erwähnt (HSTAD Jülich Gerichte I 13 fol. 52v)
Lohmühlen
1459 Lohmühle in Bergheim-Thorr erwähnt (UB Altenberg II 175)
1579 Landesherrliche Erlaubnis, in Bergheimerdorf eine Lohmühle zu errichten (Andermahr, Bergheim, S. 96)
1652 wird eine Lohmühle (lohe mull) im Bergheimer Stadtgericht zwischen Bergheim und Bergheimerdorf erwähnt (HSTAD Jülich Gerichte I 13 fol. 97r)
Vollmühle
(1500) Der Landesherr erteilt die Erlaubnis zum Bau einer Vollmühle in Zusammenhang mit der Ansiedlung von Wollwebern in Bergheim (ebd. JB I 1012 fol. 15r)
Pulvermühle
1766 Pulvermühle in Bergheim (H. G. Friedt, Ein jüdischer Arzt d. 18. Jahrhunderts in Bergheim/Erft. In: JBGV 4, 1995, S. 53)
5. 4 Brauereien, Brennereien
1389 bruhus in Bergheim erwähnt (StaK Weiher 1/131)
1402 überlässt der Herzog von Jülich der Stadt Bergheim auf vier Jahre die Grut (gruyss) in Bergheim (III 2 Akzise; III 3)
15. Jahrhundert sind Hopfenlieferanten aus Bergheim und Paffendorf Zulieferer Kölner Brauereien (F. Irsigler, Die wirtschaftl. Stellung d. Stadt Köln im 14. u. 15. Jh., 1979, S. 280)
1643 brewes in Bergheim (HSTAD Jülich Gerichte I 13 fol. 61v, möglicherweise Eigenname)
1819 drei Bierbrauereien mit je einer Braupfanne und fünf Branntweinbrennereien mit je einer Branntweinblase in Bergheim, 1840 drei Brennereien (HSTAD Reg. Köln 2170)
5. 4 Waid
Im 14. Jahrhundert Tuchfärberei in Bergheim nachgewiesen (H. K. Schüller, Eine Tuchfärberei d. 14. Jahrhundert in Bergheim. In: JBGV 8, 1999, S. 30 f.). Im 15. Jahrhundert waren Bergheimer Kaufleute als Zulieferer für Waid Geschäftspartner Kölner Kaufleute auf der Frankfurter Messe (F. Irsigler, Köln, d. Frankfurter Messen u. d. Handelsbeziehungen mit Oberdeutschland im 15. Jahrhundert. In: Mitt.StaK 60, 1971, S. 370). 1412–80 wurde Waid aus Bergheim nach Antwerpen transportiert (E. Dösseler, Der Niederrhein u. d. Brabanter Messen zu Antwerpen u. Bergen op Zoom v. Ende d. 14. b. z. Ende d. 16. Jahrhundert In: DJb 57/58, 1980, S. 77; G. Asaert, Handel in kleurstoffen op de Antwerpse markt tijdens de XVe eeuw. In: Bijdragen en Mededelingen betr. de geschiedenis d. Nederlanden 88, 1973, S. 383, 395, 399)
Zu den Waidmühlen vgl. V 4 Mühlen
5. 4 Weberei
(1500) Bewilligung der Ansiedlung von Wollwebern in Bergheim und des Baus einer dafür erforderlichen Vollmühle (HSTAD JB I fol. 15r; V 4 Mühlen)
1606 Bürger in Bergheim treiben Handel mit wullenwandt (H. Andermahr, Supplik v. Bürgermeister u. Rat d. Stadt Bergheim um ein viertes Jahrmarktprivileg. In: Neue Beitr. z. Jülicher Geschichte 4, 1, 1993, S. 121–124)
Auf das Tuchgewerbe in Bergheim verweisen im 17. Jahrhundert Familiennamen wie Wüllen Weber und Weber (HSTAD Jülich Gerichte I 13 fol. 66v, 68v)
Tabelle 3 Bodennutzung, Größe und Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Bergheim in Hektar, 1885-1980. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
5. 4 Lederproduktion
1392 Pelzer in Bergheim erwähnt (G. Aders, Urkunden u. Akten d. Neuenahrer Herrschaften u. Besitzungen, 1977, Nr. 1238)
1459 Lohmühle bei Thorr (V 4 Mühlen)
1579 Lohmühle in Bergheimerdorf (V 4 Mühlen)
1804 Lohgerberei in Bergheim (A. J. Dorsch, Statistique du département de la Roer, 1804, S. 378)
1813 Lohgerberei mit sieben Arbeitern in Bergheim (HSTAD Roer-Dep. 2593 III)
1867 eine Lohgerberei in Bergheim, die im Wert von 970 Reichstalern jährlich produziert, eine Lohgerberei in Bergheimerdorf, die im Wert von 980 Reichstalern jährlich produziert (ebd. Reg. Köln 2168)
1887 Aufgabe beider Lohgerbereien (Köhler, S. 102)
5. 4 Zeitung, Druckerei
1832 Herausgabe einer Zeitung: zunächst Kreisblatt für den Kreis Bergheim, ab 1846 Intelligenzblatt für den Kreis Bergheim und den Landkreis Köln, ab 1905 Bergheimer Zeitung (F. L. Doepgen, 150 Jahre Verlag u. Buchdruckerei, Festschrift 1982)
1861 Buchdruckerei und Buchbinderei in Bergheim mit drei Arbeitern. Der Unternehmer L. Moeker ist auch im Buchhandel tätig (Statistik Kr. Bergheim 1863, S. 55)
Tabelle 4 Viehbestand in Bergheim, 1809-1989. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
5. 4 Sonstige Gewerbe
1861 eine Wollspinnerei in Zieverich (16 Arbeiter), eine Sägemühle mit Dampfmaschine in Zieverich (2 Arbeiter) (ebd., S. 52)
1894 Gründung einer Dampfmolkerei in Niederaußem (Statistik Kr. Bergheim 1899, S. 156)
1898 Errichtung der Ichendorfer Glashütte, hat 1908 145 Beschäftigte (Andermahr, Bergheim, S. 193)
1899 Gründung einer Nährmittelfabrik in Quadrath, die kurz nach 1900 in eine chemische Fabrik umgewandelt wird und 1909 50 Personen beschäftigt (ebd., S. 193). Aufgabe des Betriebs Anfang der 1920er-Jahre, Übernahme des Geländes durch die Ichendorfer Glashütte
1908 Errichtung einer Ziegelei in Zieverich mit 40–50 Arbeitern (ebd., S. 237)
1913 Errichtung eines Chemiewerkes bei Kenten, des Martinswerkes, für die Produktion von Tonerde zur Aluminiummetallerzeugung, 1918 540 Beschäftigte (Köhler, S. 279)
1926 Gründung der Lurgi-Thermie GmbH auf der Grenze von Horrem und Quadrath-Ichendorf. Produktion von Silumin, einer Leichtmetallgusslegierung aus Aluminium. 1935 281 Beschäftigte (ebd.)
5. 4 Geldverleih
1330 Bergheimer Juden sind im Geldverleih tätig (Friedt, S. 14 f.)
1394 Lombardenniederlassung in Bergheim erwähnt (H. J. Domsta, Urkundenregesten z. Geschichte d. Aachener Lombarden. In: ZAGV 77, 1966, S. 66; A. Schulte, Geschichte d. mittelalterl. Handels u. Verkehrs zwischen Westdeutschland u. Italien mit Ausschluss v. Venedig II, 1900, Nr. 441, 448)
5. 4 Kreditinstitute
1855 Eröffnung einer Kreissparkasse in Bergheim (Statistik Kr. Bergheim 1899, S. 37)
1904 Gründung der Quadrath-Ichendorfer Spar- und Darlehnskasse (H. G. Kirchhoff u.a., Heimatchronik d. Kreises Bergheim, 1974, S. 285)
1992 21 Filialen von acht Banken und Sparkassen in Bergheim
Tabelle 5 Sonstige Gewerbe in Bergheim, 1799-1849. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
5. 5 Wirtschaftliche und soziale Gesamtentwicklung
Die Gründung der Stadt Bergheim erfolgte im 13. Jahrhundert durch den Edelherrn Walram II. von Bergheim. Vorausgegangen war eine Burgsiedlung, die für die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts archäologisch nachgewiesen und 1286 urkundlich bezeugt ist (I 4; II 1). Anlass für die Gründung waren weniger wirtschaftliche als vielmehr wehr- und administrative Gründe. Die Stadt (mit Burg) war zunächst Residenz der Nebenlinie des Jülichschen Grafenhauses, dann ab 1335 Amtssitz. Die Funktion als Burg- und Amtssitz, Zoll- und Münzstätte sowie Station für das Geleit dürfte neben der Administration Handwerkern, Wirten, Bäckern und Fleischern Beschäftigung geboten haben
Zoll-, Münzstelle und Geleitsort wurde Bergheim aufgrund der Verlegung der Streckenführung der Fernhandelsstraße Köln-Flandern/Aachen über Bergheim, die möglicherweise bereits im 13. Jahrhundert erfolgte. Der Reise- und Handelsverkehr dieser wichtigen Fernstraße führte fortan durch die Stadt und erforderte für Übernachtungen und Rast Herbergen und Zulieferer. Die Straße wurde zur Lebensader der kleinen Stadt. In einer Supplik an den Herzog von Jülich betonten die Vertreter der Stadt 1492, dass sie gheyne forder narounghe haven dan alleyne dye straysse ind dye tzynssche der halven vallende (III 3)
Im 13. und 14. Jahrhundert waren in Bergheim jüdische Kaufleute und Geldverleiher tätig, außerdem im 14. Jahrhundert vorübergehend eine Lombardenfamilie (V 4). Im 14. und 15. Jahrhundert waren Bergheimer Kaufleute auf der Frankfurter Messe anzutreffen; sie übernahmen den Transport von Tuchen aus dem Jülichschen. Fernkaufleute aus Bergheim handelten im 15. Jahrhundert mit Tuchen und Waid auch auf Messen in Antwerpen und Bergen op Zoom (H. Ammann, Der hessische Raum in d. mittelalterl. Wirtschaft. In: Hess. Jb. f. Landesgeschichte 8, 1958, Karte 9 u. 27)
Für eine gewisse zentralörtliche wirtschaftliche Bedeutung sprechen drei eintägige Märkte, die 1500 erwähnt werden und älter sein dürften. Gleichzeitig stellte der Herzog die Gewährung eines Wochenmarktes in Aussicht. Die Existenz eines vierten Jahrmarkt ist seit dem 17. Jahrhundert überliefert (III 2 Markt). Die Märkte besuchten Händler aus Aachen, Düren, Jülich und den Dörfern der Ämter Bergheim und Kaster. 1606 heißt es von den Bergheimer Bürgern, dass sie sich mehrertheyls mitt wein und bierzapffen, auch wullenwandt und sunsten kremereyen ernehren (H. Andermahr, Supplik v. Bürgermeister u. Rat der Stadt Bergheim um ein viertes Jahrmarktprivileg <1606>. In: Neue Beitr. z. Jülicher Geschichte 4, 1, 1993, S. 123). Der Niedergang der Stadt begann mit der Zerstörung von 1542. Noch 1582 sprechen die Bürger von irrer verwoester und verbranter stat. 1642 brachten Kriegshandlungen erneut Schäden (II 2)
Seit dem 16. Jahrhundert kamen aus Bergheim keine Fernhändler mehr, die Bevölkerungszahl stagnierte, 1669 standen Häuser leer. Eine Ausdehnung der Siedlung über die Stadtmauern hinaus fand erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts statt (vgl. Tafel 1, Grundriss u. DGK; Tafel 2 u. 3). Im 18. Jahrhundert war die Mehrzahl der Bevölkerung im Handwerk beschäftigt. Kaufleute und Händler sowie Landwirte machten nur einen geringen Teil aus (J. Sander, Zur Berufs-, Sozial- u. Wirtschaftsstruktur in d. ehem. jülichschen Amtstadt Bergheim ... im Jahre 1799. In: Neue Beitr. z. Jülicher Geschichte 9, 2000, S. 37–40; C. Wendels, Bergheim a. d. Erft i. Jahre 1799: Händler, Handwerker u. Tagelöhner, 1999)
Bergheim wurde in der Franzosenzeit Kantonshauptort und nach dem Übergang an Preußen 1815 Kreissitz. Durch die Ansiedlung von Behörden (Landratsamt, Friedens-/Amtsgericht) erhielt auch das örtliche Wirtschaftsleben neue Impulse. Der Aufstieg des Ortes begann jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Erschließung der Braunkohlegruben, in deren Folge Brikettfabriken und seit Anfang des 20. Jahrhunderts die großen Kraftwerke entstanden, dem Anschluss an das Schienennetz (1897) und durch die in den 1890er-Jahren einsetzende Ansiedlung industrieller Großbetriebe (V 4). Größte Arbeitgeber waren 1922 das Braunkohlenwerk in Fortuna, das Braunkohlewerk Beisselsgrube in Ichendorf, das Martinswerk in Kenten, die Bergheimer Eisenbahnstation mit angegliederter Bahnmeisterei und Eisenbahnbetriebswerkstätte und die Glashütte in Ichendorf (Denkschrift, S. 125 f.)
1937 wurden durch die Bildung des neuen Amtes Bergheim aus dem Zusammenschluss der Ämter Bergheim, Paffendorf und der Gemeinde Hüchelhoven die verwaltungsmäßige Voraussetzung für das in den folgenden Jahrzehnten starke Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum gelegt. 1968 entstand südöstlich von Zieverich das erste Gewerbegebiet in Bergheim, dem bis 1990 Gewerbegebiete in Paffendorf, Thorr, Kenten, Quadrath-Ichendorf, Niederaußem, Auenheim, Rheidt und Glessen folgten. Als förderlich für die Entwicklung der Gewerbegebiete erwies sich der in den 1980er-Jahren erfolgte Anschluss an die Autobahn A 61. In Bergheim sind heute Betriebe unterschiedlicher Branchen ansässig. Das Produzierende Gewerbe, darunter vor allem Energiewirtschaft und Bergbau, aber auch Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung sind für die Wirtschaftsstruktur der Stadt von ausschlaggebender Bedeutung (vgl. V 4 Tabellen zur Branchenaufteilung). Bergheim ist heute neben Kerpen die bevölkerungsreichste Kommune und eines der am schnellsten wachsenden wirtschaftlichen Zentren des Erftkreises
5. 6 Maße und Gewichte
Hohlmaß
1398/99 Malter Bergheimer maissen (W. Herborn/K. Mattheier, Die älteste Rechnung d. Herzogtums Jülich, 1981, S. 52). Das Bergheimer Maß entspricht dem Aldenhovener, Rödinger und Kölner Malter: 1 Kölnischer Malter = 3 Sümber, 2 Viertel Bergheimer Malter
1430 Lieferung von Roggen in malder Berchemer maissen (HSTAD JB I 1290)
1599/1600 Es gilt kölnisches Maß: 1 Malter = 4 Sümber, 1 Sümber = 4 Viertel, 1 Viertel = 4 Mutgen (HSTAD JB III R Amt Bergheim 56 fol. 8r) kölnisch = hoeffmaeß (ebd.)
Flächenmaß
1669 Mg, Viertel, Ruten (Andermahr, Deskription, S. 87)
1829 Morgen und Ruten nach Cölnisch oder örtliche maeß (PfaB 404)
Tabelle 6 Branchenaufteilung der Erwerbstätigen und Stellung im Beruf, 1961-1987. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.
Andermahr, Heinz, Rheinischer Städteatlas Bergheim. Teil 5: Wirtschafts- und Sozialstruktur, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-bergheim.-teil-5-wirtschafts--und-sozialstruktur/DE-2086/lido/6620ebbab822f9.00816683 (abgerufen am 05.03.2026)
Veröffentlicht am 06.08.2025, zuletzt geändert am 07.08.2025