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5. 1 Einwohner- und Häuserzahlen
1359 Mai 1 43 Hofstätten in Uedem (III 3; II 2)
(1500) bis 1753: zu den Kommunikantenzahlen der Pfarre Uedem vgl. IV 10
1638 221 Feuerstätten in Uedem nach dem Steueranschlag geschätzt (Flink, Herzöge, S. 83); die Zahl ist wohl zu hoch gegriffen
1714 87 angesessene Bürger und Einwohner, 85 unangesessene; 117 bewohnte Häuser in der Stadt, alle mit Ziegeln gedeckt, 34 Scheunen, 15 Brunnen (HSTAD Kleve Kammer Be 698)
1720 78 Scheunen genannt, davon sind 54 mit Stroh, 24 mit Pfannen gedeckt (Protokollbuch 1700-86 fol. 171r)
1765 Von den 168 bürgerlichen Häusern werden 22 als mittelgroß, 85 als klein und 61 als ganz klein klassifiziert; 1 kleines und 2 ganz kleine Häuser stehen leer bzw. sind verfallen (HSTAD Kleve Kammer 1976)
1835 im Flecken Uedem: 237 Häuser mit voller, 18 mit halber Nummer, 75 Scheunen; die Häuser sind durchgängig massiv, alle haben Ziegel-, nur einige Scheunen Strohdächer (ebd. Dep. Uedem VII 9)
Tabelle 3 Einwohner- und Häuserzahlen 1722-1812. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Tabelle 4 Einwohner- und Häuserzahlen 1815-2002. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
5. 2 Agrarwirtschaft
Seit dem Mittelalter galt das Kirchspiel Uedem als Kornkammer des Landes Kleve (horreum Cliviae, vgl. F. Gorissen, Altklevisches ABC, 1974, S. 204-206), wobei die Beschaffenheit der Böden vor allem den Anbau von Roggen und Hafer zuließ, weniger von Weizen. Roggenabbau im Kirchspiel Uedem bezeugt das Urbar der Grafschaft Kleve von 1319 (Klever Urbar I, S. 118-147). (1325) werden unter den Zehntabgaben an das Stift Xanten v.a. Weizen, Hafer und Malzgetreide genannt (IV 3). Nach dem Bericht des preußischen Kriegs- und Steuerrats Smettach von 1722 wurde in der Stadtfeldmark fast ausschließlich Getreide angebaut, während wenig Wiesen und Heugewächs vorhanden waren (Imig, S. 142). Nach einer gleichzeitigen anderen Quelle heißt es, die Einwohner lebten ganz überwiegend vom Ackerbau und brächten ihr Getreide meistens nach Xanten an den Rhein, von wo es weiter transportiert würde (BAM StiXA Hs 52 S. 122-126).
1770 Flachs und Kartoffelanbau werden stark betrieben (HSTAD Xanten Kreisregistratur 148)
1773 heißt es, durch den Krieg (d.i. der Siebenjährige, 1756-63) und das große Viehsterben vor 4 Jahren hätte der innerliche Vermögenszustand der Einwohner sehr gelitten (ebd. 898 u. 1087)
1858 betreiben in der Bürgermeister Uedem Landwirtschaft im Haupterwerb: 55 Einwohner als Eigentümer, 7 als Pächter, mit 366 Angehörigen, 123 Knechten und 90 Mägden sowie 44 Tagelöhnern; im Nebenerwerb: 117 Einwohner mit 479 Angehörigen, 3 Knechten und 21 Mägden (HSTAD Reg. Düsseldorf 2170)
Tabelle 5 Bodennutzung der Bürgermeisterei Uedem 1815, in preußischen Morgen. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Tabelle 6 Größe und Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der Bürgermeisterei Uedem 1827, in preußischen Morgen. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Tabelle 7 Bodennutzung in der Landgemeinde/Bürgermeisterei Uedem 1849 und 1858, in preußischen Morgen. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Tabelle 8 Größe und Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der Landgemeinde/Bürgermeisterei Uedem 1849 und 1858, in preußischen Morgen. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Tabelle 9 Bodennutzung in der Landgemeinde/Bürgermeisterei Uedem 1885 und 1900, in Hektar. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
5. 4 Gewerbe und Industrie
Mühlen
1319 wintmolene zu Uedem (Klever Urbar I, S. 145), die dem Grafen von Kleve gehört, der sie zu Lehen ausgibt (vgl. 1330, Kleve-Mark Urk II 197). Möglicherweise ist diese Mühle identisch mit der sog. Hohen Mühle, die nordöstlich des Ortskerns Uedem an der Straße nach Marienbaum liegt (vgl. Tafel 2.1)
1546 Verpachtung der Wind- und der Roßmühle (HSTAD KM Akt 3986 fol. 108f.)
1626 Neubau einer Windmühle zu Uedem (ebd. 384 fol. 15f.)
1714 2 Mühlen (ebd. Kleve Kammer Be 698)
1733/34 ist auf dem Klevischen Kataster nördlich der Stadt die Niedermühle eingetragen (Tafel 4), 1831/32 auf dem Urkataster Kennzeichnung als Windmühle (Tafel 1, Grundriß)
1771 bestehen in Uedem 2 königliche Kornwind- und 3 private Ölmühlen (HSTAD Kleve Kammer 1628). Die Windmühlen, die vor der Stadt liegen, sind 1767 konzessioniert worden (ebd. Roer-Dep. 2642 = 1806); beide sind auf der Kartenaufnahme von Tranchot-Müffling eingetragen (Tafel 2)
1822 1 Bockwind- und 1 holländische Mühle (beide auch 1834 genannt), 3 Ölmühlen (3 Pressen) (ebd. Reg. Düsseldorf 2159; Dep. Uedem XIII 5)
1827 Brand der Lohmühle (ebd. Dep. Uedem XII 14)
1849 3 Windmühlen (2 Meister/4 Gehilfen), 1 Ölmühle (1 Arbeiter) (ebd. Reg. Düsseldorf 2160)
1854 Errichtung einer neuen Kornwindmühle in Steinbergen (ebd. Dep. Uedem XII 14)
(1910) ist die Hohe Mühle und kurze Zeit später die 1854 in Steinbergen am Gochfortzberg errichtete Mühle still gelegt worden (Tillmann, S. 18, dort 1856 als Errichtungsdatum der letzteren angegeben)
1933 Einrichtung einer Kriegergedächtnisstätte im unteren Teil der Hohen Mühle (W. Happe, Die Hohe Mühle zu Uedem, 1983, S. 11)
(1991) Restaurierung der Hohen Mühle und Einrichtung als Begegnungsstätte
Tabelle 10 Größe und Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der Bürgermeisterei Uedem 1960 und 1970, in preußischen Morgen. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Tabelle 11 Bodennutzung der Gemeinde Uedem 1970, in Hektar. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Tabelle 12 Nutzung der landwirtschaftlichen Betriebsflächen in der Gemeinde Uedem 1991, in Hektar. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Tabelle 13 Bodennutzung der Gemeinde Uedem 2001, in Hektar. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Tabelle 15 Viehbestand von 1765/66-1994. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Tabelle 14 Größe und Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde Uedem 2001, in Hektar. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
5. 4 Gewerbe
1359 Gerlacus dictus Gruter genannt (Mai 1, I 3)
1366 zahlt ein Henricus Mercator de Uedem Kurmede an das Stift Xanten (Wilkes, Quellen, S. 149)
1367/68 institor (C. Wilkes/G. Rotthoff, Die Stiftskirche d. Hl. Viktor zu Xanten. Die Baurechnungen d. Jahre 1556 bis 1437, 1957, Sp. 47)
1686/88 Nach dem Stadtbrand von 1685 erhalten die Zünfte der Schmiede, Schneider (mit Lakenverkäufern und Wollwebern), der Schuster und verwandter Berufe sowie der Leineweber neue Amtsbriefe; wann die Zünfte entstanden sind, muß mangels Quellen offen bleiben (III 7 Zünfte)
1713 6 Wirte in Uedem (Protokollbuch 1700-86 fol. 112v)
Die Tabellen verzeichnen nicht alle in Uedem jeweils vorkommenden Berufe und Gewerbe dieser Jahre. So fehlen beispielsweise 1720 Angaben zu Ackerleuten und Händlern, später auch zu in anderen Quellen nachweislich in Uedem tätigen Medizinalpersonen bzw. zu weiteren Berufen (vgl. IV 6; insgesamt V 4).
1728 klagen die Schneider über die Konkurrenz der Juden, die in- und außerhalb der Stadt Laken und Stoffe verkaufen; die Juden dürfen laut Patent en gros und en détail verkaufen (Protokollbuch 1700-86 fol. 235r)
1733 klagen die Schmiede, die Juden betrieben Glasmacherei; das Patent beider Juden erlaube ihnen ohne Einschränkung die Gewerbeausübung (ebd. fol. 248v)
1738 wird den Juden das Schlachten verboten (ebd. fol. 296r; IV 8)
1750/52 besteht Tuchfabrik (HSTAD Xanten Kreisregistratur 510)
1768/69 4 Braustellen und 8 Branntweinblasen (Sta Xanten A 28)
1770 1 Schutzjude ist Händler mit Woll- und Leinenwaren (1700 Rtl.), 1 Schutzjude handelt mit groben Tüchern, Damast und Miselan (800 Rtl.), 1 Händler mit Woll- und Leinenwaren (1000 Rtl.) und 6 Händler mit Hökereiwaren; von den Hökern ist einer gleichzeitig im Ackerbau und als Ölmüller tätig, einer hat etwas Ackerbau, einer ist gleichzeitig Sattler, einer Schneider und einer Schuster (HSTAD Xanten Kreisregistratur 643; Rtl.-Angaben = jährlicher Umsatz)
1781 Miselanfabrik (7 Arbeiter; Besitzer ist Jude), produziert jährlich für 1152 Rtl.; 17 Leineweber (26 Stühle, 26 Arbeiten), produzieren nur für den Ort und Umgebung, nicht auf Export (ebd. 762; IV 8)
1786 Miselanfabrik, besteht seit 1774 (2 Stühle, 8 Arbeiter), 2 Leineweber (31 St., 31 A.), arbeiten für Bürger und Bauern (HSTAD Hs N III 4 fol. 8v; G. Vollmer, Eine Fabrikenstatistik d. Hzt. Kleve aus d. Ende d. 18. Jh. In: DJb 46, 1954, S. 192)
1787 besteht 1 öffentliches Brauhaus für Bürger und Bauern, die beiden Klöster haben je 1 Brauhaus für den eigenen Bedarf (HSTAD Xanten Kreisregistratur 897; IV 5); außerdem gibt es 2 Branntweinblasen (HSTAD Kleve Kammer 1617)
1789 Miselanfabrik (2 Stühle, 1 Weber, 1 Spinner), produziert 33 Stück Tuch im Wert von 588 Rtl.; Lohgerberei (5 A.), produziert für 300 Rtl.; 20 Leinwandwebstühle (18 Meister, insgesamt 32 A.) (ebd. 762)
1822 13 Leinenwebstühle im Haupterwerb in der Bürgermeisterei Uedem (ebd. Reg. Düsseldorf 2159)
Auch für diese Tabelle gelten die Bemerkungen zur Gewerbetabelle 1720-1812, d.h. sie erfaßt keinesfalls alle Berufe und Gewerbe. So fehlen auch hier beispielsweise die Ackerleute (V 2) u.a. Berufe
1827 In der Bürgermeisterei Uedem gibt es 13 selbständige Handwerksbetriebe mit und 61 ohne Gehilfen, 8 Gast- und Schankwirte, 10 Krämerläden, 6 sonstige Gewerbetreibende; 139 Tagelöhner, 12 betreiben mehrere Gewerbe, 9 Gewerbe und Landwirtschaft, 5 geistliche und 3 weltliche Beamte, 352 Dienstboten, 4 Rentiers, 18 Einwohner leben von öffentlicher oder privater Unterstützung (ebd. 386; IV 6 Armenwesen).
1834 20 Webstühle in Leinen in der Bürgermeisterei Uedem (HSTAD Dep. Uedem XIII 5)
1849 22 Webstühle (18 Meister, 4 Gehilfen) in Leinen und Halbleinen, 1 Zeugdruckerei (1 Drucktisch, 1 Arbeiter), 1 Ziegelei (2 A.), 1 Bierbrauerei (3 A.). 2 Branntweinbrennereien (2 A.) in der Bürgermeisterei Uedem (ebd. Reg. Düsseldorf 2160)
1881 11 Handwebstühle für Leinen- und Halbleinenwaren, 1 Handwebstuhl für Samtwaren; Krefelder Samt- und Leinenfabrikaten besitzen in Uedem unbedeutende Filialen (HSTAD LA Geilenkirchen 37)
Schuhindustrie
Ab (1830) Betrieb der Gebr. Straaten in Uedem ansässig, werden 1885 als einzige als Schuhfabrikanten bezeichnet werden. Insgesamt werden 1885 in Uedem ca. 100 Schuster gezählt (Tillmann, S. 19)
1910 Gründung der Schuhfabrik van Elten, heute einer der führenden europäischen Hersteller für Sicherheitsschuhe
1912 als einziger Betrieb in Uedem mit mehr als 50 Arbeitern eine Schuhfabrik mit 64 Arbeitern genannt (HSTAD Reg. Düsseldorf 34280)
Vor 1914 bestehen in Uedem 10 Schuhfabriken, (1918)-1928 rund 50, z. T. Mittel- und Kleinbetriebe (Tillmann, S. 19)
1952 ca. 10 kleinere und mittlere Betriebe der Schuhindustrie (Konnertz, S. 84)
1962 hat die Schuhindustrie in U insgesamt ca. 500 Beschäftigte (Tillmann, S. 19)
1991 bestehen in Uedem 6 Betriebe der Schuhindustrie mit insgesamt 269 Beschäftigten (Niederrheinkammer Juli 1991; Gemeindeporträt U)
Maschinenfabrik, Elektroanlagenbau
1832 Gründung der Maschinenfabrik P. Mühlhoff, zunächst als Kupferschmiede; 1888 Ausbau zu Eisen- und Haushaltswarengroßhandel, insbesondere mit landwirtschaftlichen Schmiedeartikeln; 1908 Produktion von landwirtschaftlichen Geräten, u. a. mit wachsendem Exportanteil; seit 1955 Zulieferant für die Autoindustrie; 2002 43 % des Umsatzes im Export, 325 Beschäftigte (L. Klövekorn, Die Uedemer Maschinenfabrik u. d. Familie Mühlhoff. In: Kalender f. d. Klever Land 1973, S. 130-133; Niederrheinkammer September 1982, S. 500)
1933 Gründung der Firma Horlemann, deren Produktions- und Geschäftsbereiche heute Elektrobau, Elektroanlagen- und Rohrleitungsbau umfassen
Kreditinstitute
1885 Gründung der Uedemer Spar- und Darlehnskasse, später Uedemer Bank, 1986 vereinigt mit der Volksbank Goch zur Volksbank Goch-Uedem
1952 besteht in Uedem eine Hauptzweigstelle der Kreissparkasse Kleve (HSTAD Reg. Düsseldorf 54905) = Sparkasse Uedem
Druckereien und Zeitungen
1904-45 „Uedemer Volkszeitung“ als Teilausgabe im Verlag Völcker, Goch. Der Verlag hatte ab 1870 ein „Wochenblatt“ als „Organ für Goch, Kalkar, Uedem und Umgebung“ herausgebracht; ab 1879 hieß die Zeitung „Niederrheinisches Volksblatt“. Ausgaben der Uedemer Volkszeitung sind bis 1934 (mit Lücken) überliefert (Mikrofilme im Sta Goch), die Ausgaben 1934-Februar 1945 bei Zerstörung der Druckerei am Ende des Zweiten Weltkriegs vernichtet worden
Tabelle 16 Berufs- und Gewerbetabelle I, 1720-1812. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Tabelle 17 Berufs- und Gewerbetabelle II, 1816-1858. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
5. 5 Wirtschaftliche und soziale Gesamtentwicklung
Grundlage der Wirtschaft des Raumes Uedem war vom Mittelalter bis ins XX. Jh. die Landwirtschaft, insbesondere der Getreideanbau (V 2). Im XVIII. Jh. waren daneben Flachs- und Kartoffelanbau von Bedeutung. Die Berufs- und Gewerbetabellen 1720-1858 zeigen deutlich das Überwiegen der Landwirtschaft (einschließlich Knechte, Mägde und Tagelöhner). 1815 wurden rund 80 % der Fläche der Bürgermeisterei Uedem als Ackerland genutzt, von 1849 bis 1970 waren es 85-88 %, während die Land- und Forstwirtschaft im Jahre 2001 rund 70 % des Gemeindegebietes beanspruchte. Überwog 1961 der Anteil der in der Land- und Fortwirtschaft Beschäftigten auf dem Gebiet des Amtes Uedem leicht die Zahl der im Produzierenden Gewerbe Tätigen, lag deren Anteil 1987 nur noch bei rund 15 %, während 42 % auf das Produzierende Gewerbe entfielen (vgl. Tabellen in V 2 und V 4).
Für die Privilegierung der Stadt Uedem durch den Grafen von Kleve im Jahre 1359, die wohl den Anfang des XIV. Jh. eingeleiteten Stadtwerdungsprozeß abschloß und im Zusammenhang mit der klevischen Binnenkolonisation des XIII. und XIV. Jh. zu sehen ist, waren weniger wirtschafts- als territorial- und siedlungspolitische Gründe ausschlaggebend (II 2; III 3; III 9). In der abseits der Handels- und Verkehrsstraßen des Mittelalters und der Neuzeit gelegenen Stadt entwickelten sich weder ein differenziertes Handwerk und Gewerbe noch ein bemerkenswerter Markt- und Handelsverkehr über Stadt und Kirchspiel hinaus. Lediglich aus dem XIV. und XV. Jh. stammen einige wenige Belege für Handelstätigkeiten Uedemer Einwohner. So passierten 1308/09 die Brüder Johannes und Konrad von Uedem, die wohl Schiffer oder Kaufleute waren, mit Wein den Lobither Zoll, 1347/48 ein Johannes von Uedem mit Getreide (GldA HA 709, 716). 1386/90 finden sich unter Kaufleuten aus verschiedenen klevischen Städten, die Geleitgeldleistungen zur Tilgung der Schulden des Grafen von Kleve an Kölner Bürger aufbringen mußten, auch einige aus Uedem (Sta Wesel A 1/341, 12 fol. 1-16; vgl. Kuske I 215). Um 1390/1400 belieferten regelmäßig Uedemer Händler den Weseler Grutmarkt (Sta Wesel Stadtrechnungen). Die Stadt Wesel kaufte Anfang des XV. Jh. in Uedem Roggen, crut bzw. Gagelkraut (Gorissen, Stadtrechnungen II, S. 240; III, S. 76, 113, 181). 1436 hat der Uedemer Bürger Johann von Geitfort Geldforderungen – wohl aus Handelsbeziehungen - in Köln (Kuske I 793 Anm.).
Im XV. Jh. scheint die Stadt eine gewisse Aufwärtsentwicklung genommen zu haben; die Gründung von Hospital und Kloster St. Spiritus, des Frauenkonvents und der mutmaßliche Umbau der romanische Pfarrkirche bieten dafür Indizien (II 2; IV 1). Bis zum XVIII. Jh. fehlen aus den schon mehrfach genannten Gründen Quellen, die eine Analyse des Wirtschaftslebens der kleinen Stadt ermöglichen könnten. Bis weit ins XVIII. Jh. hinein zählte sie weniger als 1000 Einwohner; diese Zahl ist erst um die Wende zum XIX. Jh. erreicht worden (V 1). Das kurze Zwischenspiel als Beistadt Wesels im Kölner Hansequartier 1540-72 (III 6) ist als bedeutungslos zu werten. Unter den 24 Städten und Freiheiten des Herzogtums Kleve gehörte Uedem zu den weniger leistungsfähigen, wie die Steuerleistungen ausweisen (III 6; III 9).
Die Uedemer Wochen- und Jahrmärkte, die in der Handfeste von 1359 privilegiert worden waren, waren reine Nahmärkte, die der Deckung des täglichen Bedarfs dienten (III 2 Markt). Das galt auch für Handwerk und Gewerbe. Die Erneuerung der Zunftbriefe der Schmiede, der Schneider (mit Lakenverkäufern und Wollwebern), der Schuster (mit Hammachern und Löhern) sowie der Leineweber nach dem Brand von 1685 gibt einen Hinweis auf die Existenz dieser Gewerbe (III 7 Zünfte). Sie dürften im XV. oder XVI. Jh. entstanden sein. Wenn 1563 Kerzen und Leyen in Kleve gekauft wurden, Leynegell in Goch, ein Buchbinder in Emmerich bemüht und Kalk in Arssen an der Maas geholt wurde und der Maurer für das Kälken des Chors der Pfarrkirche aus Kalkar kommen mußte (BAM StiXA Einzelne Pfarren Nr. 87), mag das als Indiz dafür gelten, daß speziellere Waren und Dienstleistungen importiert werden mußten.
Ab dem XVIII. Jh. erlauben die Quellen bessere Einblicke in die Berufs-, Gewerbe- und Sozialstruktur der kleinen Stadt. So ist 1718 von der armuth der bürgerschafft und einwöhner die Rede (Protokollbuch 1700-86 fol. 156r). Bei mancher Unvollständigkeit zeigen die Gewerbeaufnahmen 1720-99, daß außer den in der Landwirtschaft Beschäftigten Schneider, Schuhmacher und Leineweber die am stärksten vertretenen Berufsgruppen in Uedem waren (V 4 Gewerbetabelle I). 1765 heißt es, der Ort habe wegen Entlegenheit fast keine Passage; das Commercium sei nicht sonderlich erheblich und die Nahrung bestehe vornehmlich im Ackerbau. Fabriken könnten wegen Mangels an fließendem Wasser nicht angelegt werden. Es fehlten Hut- und Knopfmacher, die Nahrung finden könnten. Kaufleute seien nicht vorhanden, wohl aber 12 Höker und Krämer (HSTAD Xanten Kreisregistratur 149). 1770 schreibt der Bürgermeister, die Nahrung der Winckeliers (Krämer) werde täglich schlechter; ein Schutzjude offeriere die Errichtung einer Miselanfabrik, in der der Flachs, so hier in Menge gezogen werde, verarbeitet werden könne; vielen Eingesessenen würde dadurch Arbeit und Verdienst geschaffen. Die in der 2. H XVIII. Jh. in Uedem bestehenden Miselanfabriken waren jedoch klein und produzierten wie die Leineweber nur für den Ort und die Umgebung (V 4 Gewerbe).
Mit der Industrialisierung ging während des XIX. Jh. das Textilgewerbe in Uedem zurück. In den 1830er Jahren entstanden in Uedem 2 heute dort noch blühende Wirtschaftszweige: die Schuhfabrikation und der Maschinenbau. Aus dem herkömmlichen, in Uedem stark vertretenen Schuhmacherhandwerk begann 1830 mit der Gründung des Betriebs der Gebr. Straaten die Schuhfabrikation, zunächst als Handarbeit und überwiegend als Heimarbeit. Neben Plüschpantoffeln wurden vor allem Arbeitsschuhe gefertigt. 1885 wurden rund 100 Schuster in Uedem gezählt. (1900) erfolgte die Umstellung auf Maschinenarbeit; es entstanden Fabrikbetriebe, so daß erst seit dieser Zeit von einer Schuhindustrie in Uedem gesprochen werden kann. Überwiegend handelte es sich um kleine bis mittlere Betriebe. 1912 hatte die größte dieser Fabriken 64 Arbeiter. Die ursprüngliche Vertriebsform der Schuhe war der Landhandel auf den Märkten in der Umgebung; mit der Mechanisierung der Betriebe setzte auch die Professionalisierung des Vertriebs ein, der zum größten Teil ins Ruhrgebiet und in andere Gegenden Deutschlands ging. Die U.er Schuhindustrie hat sich mit ihrer Spezialisierung auf Arbeits- und Berufsschuhwerk (Sicherheitsschuhe) als außerordentlich krisenfest erwiesen; ihre Produkte gehören heute zu den führenden auf dem europäischen Markt (V 4 Schuhindustrie).
Der Maschinenbau in Uedem begann 1832 mit der Gründung einer Kupferschmiede, die seit den 1880er Jahren zum Eisen- und Haushaltswarengroßhandel ausgebaut wurde und von 1908 bis nach dem Zweiten Weltkrieg Landmaschinen produzierte. Diese wurden in der Vorkriegszeit weltweit gehandelt. Der Firma gelang in den 1950er Jahren die Umstellung auf neue Produkte; seit 1955 ist sie Zulieferer für die internationale Autoindustrie. Ein weiterer bedeutender Wirtschaftszweig ist in Uedem seit 7 Jahrzehnten der Elektroanlagenbau (V 4 Maschinenbau; Elektroanlagen). Mit der Ausweisung eines zusammenhängenden Gewerbegebietes verfügt die Gemeinde Uedem heute über günstige Standortvoraussetzungen für die vorhandenen Wirtschaftsbetriebe.
5. 6 Maße und Gewichte
(1325) Für die Zehntabgaben aus der Xantener Grundherrschaft in Uedem gilt Xantener Maß (IV 3)
1383 Udemscher maten (HSTAD Hs A III 12 fol. 34r)
Im XVIII. Jh. (zumindest) galt in Stadt und Amt Uedem das Kalkarer Maß, das in der absoluten Größenordnung das kleinste im Herzogtum Kleve war (Rhein. Städteatlas XIV Nr. 76: Kalkar, 2001, V 6).
1798 gelten in Uedem sowohl Kalkarer als auch Emmericher Maß (HSTAD KM Akt 1377 fol. 337r-338r)
Die Visitation von Maß und Gewicht oblag dem Magistrat (III 6).
Tabelle 18 Gewerbetreibende in der Landgemeinde/Bürgermeisterei Uedem 1873 und 1890. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Tabelle 19 Branchenaufteilung der Erwerbstätigen 1961. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Tabelle 20 Branchenaufteilung der Erwerbstätigen 1970 und 1987. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
Tabelle 21 Arbeitsstätten und Beschäftigte nach Wirtschaftsabteilungen 1987. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
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Wensky, Margret, Rheinischer Städteatlas Uedem. Teil 5: Wirtschafts- und Sozialstruktur, Statistik, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-uedem.-teil-5-wirtschafts--und-sozialstruktur-statistik/DE-2086/lido/5fb541e4710319.62228107 (abgerufen am 21.05.2026)
Veröffentlicht am 25.03.2026, zuletzt geändert am 14.04.2026