Deutsche Grundkarte der Stadt im Verhältnis 1 : 2500, 2007, Ausschnitt aus dem Blatt Wesseling im Verhältnis 1 : 5000. (Landesvermessungsamt NRW)

1. 1 Geographische Lage und Verkehrsanbindung

Wes­se­ling liegt zwi­schen den Groß­städ­ten Köln und Bonn im Sü­den der Köl­ner Bucht, im Wes­ten be­grenzt durch den Steil­rand der Vil­le und im Os­ten durch die Ber­gi­schen Hoch­flä­chen mit den vor­ge­la­ger­ten Hei­de­ter­ras­sen; die his­to­ri­schen Orts­ker­ne Nie­der-Wes­se­ling und Ober-Wes­se­ling lie­gen in der Rhein­aue 45-54 mm ü. NN.

1. 1 Straßen

Wes­se­ling war auf­grund sei­ner La­ge am Rhein stets an wich­ti­ge Nord-Süd­ver­bin­dun­gen West­eu­ro­pas an­ge­bun­den. So führ­te die Rö­mer­stra­ße von Bonn nach Köln ent­lang des Rheins durch Wes­se­ling. Die mit­tel­al­ter­li­che Han­dels­stra­ße von Köln nach Bonn ist ver­mut­lich iden­tisch mit der Rö­mer­stra­ße (Ta­fel 2, Bruns/Wec­zer­ka, Kar­te 24f.). Au­ßer­dem ver­lie­fen ei­ne Ab­zwei­gung von der Han­dels­stra­ße nach Berz­dorf und zwei We­ge nach Kel­de­nich. Der nörd­li­che Weg führ­te über Berz­dorf und Brühl hin­aus in die Nord­ei­fel. Über den auf der Hö­he von Nie­der-Wes­se­ling be­gin­nen­den Haupt­weg nach Kel­de­nich be­stand ei­ne Ver­bin­dung nach Trier. Auch vom Sio­ni­ter­hof in Ober-Wes­se­ling führ­te ein Weg nach Kel­de­nich und von dort aus nach Born­heim und Eus­kir­chen. Nörd­lich von Nie­der-Wes­se­ling, am Kreutz­hof, streif­te ein Weg in Rich­tung Me­sche­nich und Hürth die Ge­mar­kung (Ta­fel 2, 2.1)

1395 Die Ver­bin­dungs­stra­ße (Land­stra­ße; hier: Vro­en­gas­sen) nach Köln und Bonn wird er­wähnt, an der der Frohn­hof in Nie­der-Wes­se­ling lag (StaK 264 Se­ve­rin 1/296)  = 1570 via pu­bli­ca an­te pa­ro­chia­lem eccle­si­am (LAV NRW R Kk II 1563)  
1498 bru­ler wegh (StaK 271 Wei­ße Frau­en Akt 9 fol. 35) = 1639 und 1750 Bru­eler wegh = 1660 Brüh­li­cher Weg (StaK 238 Kreuz­brü­der Akt 32 fol. 91)  = 1711 Wegh fon Bru­ell nach Gu­dorff langs die Li­mit (LAV NRW R JB II 949 fol. 9; StaK 202 An­to­ni­ter Akt 92 fol. 5) 
1658 Bert­z­dor­fer Wegh (StaK 238 Kreuz­brü­der Akt 32 fol. 85) 
1658 Kel­de­ni­scher Weg (ebd. fol. 89) 
1658 Me­sh­ni­scher Weg (ebd. fol. 86) = 1711 Me­sche­ni­cher Wegh = Langs den Wegh von Gu­dorff nach Me­sche­nich (ebd. 202 An­to­ni­ter Akt 92 fol. 5) 
1660 Weg (patt) von Wes­se­ling nach Go­dorf (StaK 238 Kreuz­brü­der Akt 32 fol. 91) 
1722-30 Aus­bau der Land­stra­ße Köln-Bonn bei Ober-Wes­se­ling durch den Köl­ner Kur­fürs­ten Cle­mens Au­gust. 1783 baut Kur­fürst Karl Theo­dor von der Pfalz das Rest­stück in Nie­der-Wes­se­ling aus (Dietz, Hei­mat­buch, S. 159) 
1736-43 Ar­beit an der durch den Köl­ner Kur­fürs­ten ge­wünsch­ten Lin­den­al­lee von Bonn nach Köln. Der Aus­bau schei­tert an Nie­der-Wes­se­ling (LAV NRW R Kk II 1668) 
1847 wird der Weg von Bonn nach Köln an Wes­se­ling vor­bei Chaus­see ge­nannt (StaW A 19 S. 4) 
1908 er­folgt der Aus­bau der Kel­de­ni­cher Stra­ße (ebd.) 
1981 Fer­tig­stel­lung der L 300 (vor­mals B 9) als Hoch­stra­ße mit Ab­fahrt ins De­gus­sa-Werk Wes­se­ling (De­gus­sa, S. 51)

Wes­se­ling hat An­schluss an die BAB 555 und über Wes­se­ling-Berz­dorf und Schwa­dorf an die BAB 553

Grundriss der Stadt nach der Katasterkarte von 1847 im Verhältnis 1 : 2500, Entwurf: Esther Weiss, Zeichnung: Martina Schaper. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

1. 1 Rheinschifffahrt

Der Rhein ist für Wes­se­ling als Ver­kehrs- und Trans­port­weg von Be­deu­tung. Auf­grund der zen­tra­len La­ge zwi­schen Bonn und Köln und na­he bei Brühl ver­lief nicht nur der Lein­pfad ent­lang des Wes­se­lin­ger Ufers, son­dern der Ort war auch Um­spann­sta­ti­on für die Trei­del­schif­fer (Drös­ser, Rhein, S. 20f.). Hier hielt auch das Bon­ner Markt­schiff, um Wa­ren um­zu­schla­gen und die Trei­del-Pfer­de zu wech­seln. Wes­se­ling war nicht erst seit Er­rich­tung des Rhein­ha­fens 1901 Um­schlag­platz für die Gü­ter der um­lie­gen­den Re­gi­on, doch mit der In­dus­tria­li­sie­rung und dem im­mer hö­he­ren Be­darf an Roh­stof­fen und In­dus­trie­pro­duk­ten ent­wi­ckel­te sich der Ort zu ei­nem be­deu­ten­den Ha­fen­platz für Koh­le­bri­ketts und Che­mie. Für den Fähr- und Pas­sa­gier­be­trieb in Rich­tung Köln/Düs­sel­dorf wie auch rhein­auf­wärts spiel­te Wes­se­ling spä­tes­tens seit dem 18. Jahr­hun­dert ei­ne Rol­le (B. Kuske, Die Bon­ner Schif­fahrt im 18. Jh. In: AHVN 81, 1906, S. 1-45, hier: S. 19)

1. 1 Hafenbetrieb

Passagierhafen

1556 wird der in Brühl ver­stor­be­ne Köl­ner Erz­bi­schof Adolf von Schaum­burg von Wes­se­ling aus per Schiff nach Köln über­führt. Wes­se­ling dient als An­le­ge­stel­le des erz­bi­schöf­li­chen Ho­fes bzw. Schif­fes in Brühl (Buch Weins­berg II, S. 86; III, S. 203 = 1583)  
1722 Die Köln-Bon­ner Schiffs­rou­te geht un­ter an­de­rem über Wes­se­ling (Kuske, Bon­ner Schif­fahrt, S. 19)

Ausschnitt aus dem Panorama des Rheins von Köln bis Mainz, gezeichntet von Heinrich Rosenkranz, gestochen von C. A. Helmsauer, 1830. (Stadtarchiv Wesseling)

 

Industrie- und Handelshafen

1561 exis­tiert ei­ne Ha­fen­an­la­ge in Wes­se­ling, wo Agrar­gü­ter aus dem Um­land für den Han­del mit der Stadt Köln um­ge­schla­gen wer­den (UB Sieg­burg II 867)
1920 wird ver­fügt, dass nicht mehr als 4 zu be­la­den­de Käh­ne im Ha­fen von Wes­se­ling ne­ben­ein­an­der­lie­gen dür­fen. Bis­her la­gen bis zu 8 Käh­ne des Braun­koh­len-Syn­di­kats ne­ben­ein­an­der und be­hin­der­ten die Rhein­schif­fahrt (Drös­ser, Rhein, S. 40)
1922-28 Bau des Lie­ge­ha­fens Wes­se­ling durch die Köln-Bon­ner Ei­sen­bah­nen (Zenz, S. 153)
1960 Er­öff­nung des Ha­fen­be­ckens II (Öl­ha­fen) (Drös­ser, Rhein­braun, S. 71)
1967 Er­öff­nung des als Um­schlag­ha­fen ge­nutz­ten Ha­fen­be­ckens II (Gas­ha­fen). 1982 wird ein Dreh­kran mit 16-20t Trag­fä­hig­keit in Ge­brauch ge­nom­men (ebd.)

1. 1 Treidelverkehr

1473 leiht der Köl­ner Jo­hann von Lair ei­nem Schif­fer zwei Pfer­de bis Wes­se­ling as dat un­der schif­f­luy­den ge­wo­en­lich is (StaK Brb 30 fol. 22f.)
1542 weist das Köl­ner Klos­ter Si­on die Päch­ter sei­ner Wei­den am Rhein an, daß Pflan­zun­gen nicht den Ryn wy­lich den Lyn­padt be­hyn­der­te (StaK 265 Si­on 293)
1605 und 1608 be­stä­tigt Ko­ad­ju­tor Fer­di­nand von Köln, daß der Lein­pfad als Re­gal von Plat­zen­born bei An­der­nach bis Hon­ne­pel (Hön­ne­pel) zu bei­den Sei­ten des Rheins dem Erz­stift ge­hört, was wie­der­holt zu Streit mit dem Her­zog­tum Berg führt (StaK 214 Ge­org 2/346; StaK 264 Se­ve­rin 3/521)
1700 er­klärt der Köl­ner Kur­fürst Wes­se­ling zur Pfer­de­wech­sel­sta­ti­on für das Bon­ner Markt­schiff (LAV NRW R Kk II 664)
1764 kla­gen Bon­ner Schif­fer über den Zu­stand des Lein­pfa­des zwi­schen Köln und Bonn, der vol­ler Lö­cher und Mo­rast sei, bis zum En­de der Trei­del­wirt­schaft ein stän­di­ges Är­ger­nis (ebd., S. 23)
Seit 1858 er­setzt die Dampf­schif­fahrt die Trei­del­schif­fahrt (StaW A 39)

Wesselinger Hafen, um 1960. (Sammlung Stadtarchiv Wesseling)

 

1. 1 Dampfschifffahrt

1861 Bau ei­ner An­le­ge­sta­ti­on für Dampf­schif­fe in Wes­se­ling, 1884 Bau ei­ner zwei­ten Lan­de­brü­cke in Hö­he der Rhein­gas­se (Drös­ser, Rhein, S. 39); 1862 be­nut­zen bis zu 30 Fahr­gäs­te täg­lich die Hal­te­stel­le(StaW A 44)
Seit 1863 hält die „Main-Dampf­schif­fahrt" re­gel­mä­ßig in Wes­se­ling (LAV NRW R Reg. Köln 2421). Seit 1884 legt die „Köln-Düs­sel­dor­fer“ Rhein­flot­te re­gel­mä­ßig in Wes­se­ling an. 1907 er­rich­tet sie ei­ne War­te­hal­le mit Re­stau­rant in Wes­se­ling (LAV NRW R LA Bonn 230)

1. 1 Fährbetrieb

1685 setzt ei­ne Fäh­re bei Wes­se­ling über den Rhein. Das Fähr­geld be­trägt 4 Al­bus (StaK 265 Si­on Akt 27 fol. 65). Das Fähr­haus (Ferg­haus) liegt 1711 nörd­lich von Nie­der-Wes­se­ling (StaK 202 An­to­ni­ter Akt 92 fol. 8v)
1816 bie­ten 3 Schif­fer die Über­fahrt zur Aus­hil­fe an. 1840 wird ei­ne Kon­zes­si­on für Fähr­fahr­ten an 3 Fähr­leu­te in Wes­se­ling ver­ge­ben (LAV NRW R LA Bonn 246) 
1840 Ei­ne Na­ch­en­sta­ti­on zwecks An­schluß an den Rhein­schif­fahrts­ver­kehr wird ein­ge­rich­tet (StaW A 285)
1861 Zu­sam­men­le­gung der bis­her kon­kur­rie­ren­den Fäh­ren Wes­se­lings und Lüls­dorfs und Ein­rich­tung ei­ner Schal­den­fäh­re (StaW A 316; LAV NRW R BR 1045). Die Fäh­re von Wes­se­ling nach Nie­der­kas­sel ist bis heu­te in Be­trieb
Zur Ree­de­rei- und Ha­fen­wirt­schaft vgl. V 4

Ausschnitt Nr. 1 der Stromkarte des Rheins im Verhältnis von ca. 1 : 9700, um 1730. (Sammlung Drösser, Wesseling)

 

1. 1 Eisenbahn und sonstige Verkehrsmittel

1891-98 Be­schluss zum Bau der Ei­sen­bahn Köln–Wes­se­ling–Bonn durch die Städ­te und die IHK. Die Stre­cke soll vor­nehm­lich dem Gü­ter­ver­kehr, un­ter an­de­rem dem Trans­port von Braun­koh­le, Bri­ketts, Ton, Zie­geln und land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ten die­nen (Zenz, S. 12, 27)
1901 Ver­bin­dung mit dem rhei­ni­schen Braun­koh­le­re­vier über die Ei­sen­bahn­stre­cke Vo­chem-Brühl-Berz­dorf-Go­dorf-Wes­se­ling. Bis 1941 zwei­glei­si­ger Aus­bau der Stre­cke nach Vo­chem (Quer-/Bri­kett­bahn), In­be­trieb­nah­me des Bahn­hofs Wes­se­ling-Rhein­werft (Ebd., S. 32, 151)
1905 An­bin­dung an die Rhein­ufer­bahn Köln-Bonn. Wes­se­ling nimmt ei­ne zen­tra­le Funk­ti­on für den Gü­ter­ver­kehr ein (Bahn­vier­tel) und wird Um­schlag­platz für Braun­koh­le und In­dus­trie­er­zeug­nis­se (Be­deu­tung, S. 5). Die Bahn wird wich­tigs­tes Per­so­nen­ver­kehrs­mit­tel zwi­schen Köln und Bonn mit 6000 Be­för­de­run­gen 1908 (Zenz, S. 48)
Bis 1905 ent­ste­hen gro­ße Wa­gen­hal­len und das Kraft­werk in Wes­se­ling, so dass der Ort ei­ne zen­tra­le Funk­ti­on für die KBE wahr­nimmt (ebd., S. 42)
1939 Er­öff­nung der Hal­te­stel­le Wes­se­ling-Süd (Ebd., S. 154)
1952 Er­rich­tung der Om­ni­bus­li­nie Wes­se­ling-Sech­tem-Mer­ten-Wal­dorf-Born­heim-Her­sel als Li­nie C durch die KBE; 1955 Er­wei­te­rung durch ei­ne 2. Li­nie E nach Brühl-Knap­sack-Fre­chen (Ebd., S. 98f.). 2005 führt die Li­nie 990 der Rhein-Erft-Ver­kehrs­ge­sell­schaft von Wes­se­ling über Brühl nach Erft­stadt-Le­che­nich

1. 1 Post, Telegraph, Telefon

Seit 1586 ist Wes­se­ling Durch­gangs­sta­ti­on für die Post aus Süd­deutsch­land. 1691 kommt ne­ben der Post des Fürs­ten von Thurn und Ta­xis die kur­k­öl­ni­sche Land­post hin­zu. Wes­se­ling ist Um­spann­sta­ti­on für die Post­wa­gen aus Bonn und Ko­blenz (LAV NRW R Kk IV 1588, 1590)
Seit 1786 geht ein vier­sit­zi­ger Wa­gen zwei­mal täg­lich von Brühl nach Wes­se­ling als Ver­bin­dung zum Post­wa­gen Köln-Bonn (Dietz, Hei­mat­buch, S. 168)
1803/04 exis­tiert ei­ne Post­stel­le mit ei­nem Ser­gean­ten so­wie ei­nem Brief­trä­ger in Wes­se­ling (StaW A 195)
1842 hat ein Post­ex­pe­di­teur sei­nen Dienst­sitz in Wes­se­ling, vor­ge­setz­tes Post­amt ist Köln. Die Post­ex­pe­di­ti­on ist iden­tisch mit der Gast­wirt­schaft des Hein­rich Lind­lau. Die Post wird von Wes­se­ling aus in der ge­sam­ten Bür­ger­meis­te­rei Her­sel so­wie an­fangs auch in Brühl und Rois­dorf ver­teilt. Ein Post­wa­gen fährt drei­mal am Tag nach Brühl (Dietz, Hei­mat­buch, S. 302). 1845 Ein­stel­lung des Post­wa­gens nach Brühl. Seit­dem war dort die Post­sta­ti­on, die nun­mehr die Post nach Wes­se­ling be­för­dert (W. Drös­ser, Brühl. Ge­schich­te, Bil­der, Fak­ten Zu­sam­men­hän­ge, <2005>, S. 142f.)
1876 Ein­rich­tung ei­ner Te­le­gra­phen­sta­ti­on über Brühl nach Köln
1901 Fahr­post Brühl-Wes­se­ling nach Er­öff­nung der Klein­bahn Brühl-Wes­se­ling ein­ge­stellt
1901 In­be­trieb­nah­me der Fern­sprech­ver­mitt­lung in Wes­se­ling mit zu­nächst 3 An­schlüs­sen (Dietz, Hei­mat­buch, S. 302)
1912 Be­zug des Post­am­tes an der Bahn­hof­stra­ße, 1928 An­kauf des Ge­bäu­des

1. 2 Bodenfunde in der Gemarkung

Jung­stein­zeit und La­tè­ne­zeit: Jung­stein­zeit­li­che Äx­te und Bei­le vom ehe­ma­li­gen Zie­gel­ei­ge­län­de Harz­heim stam­men aus der Rös­se­ner bzw. Mi­chels­ber­ger Kul­tur (ca. 4600-3500 v. Chr.). Ein in der Müh­len­stra­ße ge­fun­de­ner ver­zier­ter Be­cher wird in die Be­cher­kul­tur da­tiert (2000 v. Chr.). Auf dem Ge­biet der DEA wur­den la­tè­ne­zeit­li­che Grä­ber­fel­der von über­re­gio­na­ler Be­deu­tung des 4.-3. Jahr­tau­send v. Chr. ent­deckt, über­la­gert von Sied­lungs­über­res­ten aus der Spät­la­tè­ne­zeit (2./1. Jh. v. Chr.) (H.-E. Joa­chim, Die Be­sied­lung d. W.er Rau­mes in vor­ge­schicht­li­cher Zeit. In: Zehn­der/Ko­schik, S. 5-7)

Rö­mer­zeit: Ei­ne rö­mer­zeit­li­che Sied­lung und Stra­ßen­sta­ti­on auf Wes­se­lin­ger Ge­mar­kung lag ver­mut­lich im Be­reich der heu­ti­gen Nord-/Ufer-/Rö­mer­stra­ße und zog sich bis an die Li­mes­stra­ße (Köln-Bon­ner Stra­ße). Al­ler­dings lässt der Sied­lungs­schwer­punkt na­he dem Rhein ver­mu­ten, dass die Rö­mer­stra­ße nicht am Ort vor­bei­führ­te (Al­te Miel), son­dern wohl iden­tisch mit der durch Nie­der-Wes­se­ling füh­ren­den Haupt­stra­ße ist. Ei­ne rö­mer­zeit­li­che Stra­ße aus dem Vor­ge­bir­ge und der Ei­fel traf in Wes­se­ling auf die Li­mes­stra­ße, so dass Wes­se­ling als Kno­ten­punkt fun­gier­te. Die rö­mi­sche Be­bau­ung im Be­reich von Nie­der-Wes­se­ling lässt auf ei­nen Vi­cus schlie­ßen, die Exis­tenz ei­nes Au­xi­l­i­ar­kas­tells ist al­ler­dings frag­lich. Am Rhein­ufer, im Be­reich Rhein­berg/Köl­ner Stra­ße/Ufer­stra­ße, wur­den 1909/10 Über­res­te ei­ner zum Fluß ori­en­tier­ten Ufer­vil­la ge­fun­den. Auf dem Ge­län­de der ehe­ma­li­gen Ol­ligs-Müh­le sind 1876 und 1882 zwei Wei­hestei­ne (luno­nes/Ma­tronae Af­liae) so­wie ein Stein mit der Dar­stel­lung des Her­ku­les ge­fun­den wor­den, die auf ein rö­mi­sches Hei­lig­tum (2. und 3. Jh.) deu­ten. Rö­mi­sche Grä­ber­fel­der säu­men die Aus­fall­stra­ßen nach Bonn (Son­nen­berg/Ober­wes­se­lin­ger Dorf­stra­ße, Köln-Bon­ner Stra­ße) so­wie die rö­mi­sche Vor­ge­birgs­stra­ße. Das wohl be­rühm­tes­te Grab ist das des Phi­lo­so­phen und rö­mi­schen Bür­gers Quin­tus Ae­li­us Egri­li­us Euare­tus von Mit­te des zwei­ten Jahr­hun­derts. Ne­ben der Haupt­sied­lung exis­tier­ten auf der Wes­se­lin­ger Ge­mar­kung zahl­rei­che vil­lae rusti­cae, von de­nen nur ei­ne, na­he dem Gut Eich­holz, 1987/88 voll­stän­dig aus­ge­gra­ben wur­de (P. Wag­ner, Die rö­mi­sche Sied­lung in Wes­se­ling, Gut Eich­holz. In: Ar­chäo­lo­gie im Rhein­land 1987, 1988, S. 74f.). Die jüngs­ten Über­res­te aus rö­mi­scher Zeit stam­men aus ei­nem Kör­per- und Brand­grä­ber­be­stat­tungs­feld na­he der Kel­de­ni­cher Stra­ße/Al­te Miel von et­wa 380 n. Chr. (Rö­mer­grab an der Rö­mer­stra­ße/Am neu­en Gar­ten)

Me­ro­win­ger­zeit: Fun­de aus frän­ki­scher Zeit las­sen sich frü­hes­tens in das 5. Jahr­hun­dert da­tie­ren, so dass für den Nach­weis ei­ner rö­misch-frän­ki­schen Sied­lungs­kon­ti­nui­tät für ca. 50-100 Jah­re Be­sied­lungs­fun­de feh­len (H.-G. Horn, Zum rö­mi­schen Wes­se­ling. In: Zehn­der/Ko­schik, S. 8-11; W. Drös­ser, Spu­ren d. Rö­mer in Wes­se­ling, 1986). Ein me­ro­win­ger­zeit­li­ches Grä­ber­feld mit 129 Grä­bern liegt an der Pon­ti­vy-Stra­ße na­he der Köln-Bon­ner Stra­ße, un­weit des rö­mi­schen und mit­tel­al­ter­li­chen Zen­trums Nie­der-Wes­se­lings. Dort stieß man be­reits 1878 auf Res­te un­ver­brann­ter Be­stat­tun­gen, Ton­ge­fä­ße, Ei­sen­waf­fen so­wie ein frän­ki­sches Glas­ge­fäß (Tumm­ler). Das Rei­hen­grä­ber­feld wur­de 1982-84 und 1994/95 sys­te­ma­tisch aus­ge­gra­ben. Be­stat­tun­gen fan­den dort zwi­schen 450 und 700 n. Chr. statt (M. Sie­pen, For­schungs­ge­schich­te. In: Zehn­der/Ko­schik, S. 27-29; J. Ku­now, Das frän­ki­sche Grä­ber­feld an d. Pon­ti­vy­stra­ße in Wes­se­ling, Erft­kreis. In: Aus­gra­bun­gen im Rhein­land ’83/84, 1985, S. 178-182). Ein wei­te­res me­ro­win­ger­zeit­li­ches Grä­ber­feld liegt auf der Berz­dor­fer Ge­mar­kung (U. Müs­se­mei­er, Die Ver­brei­tung me­ro­win­ger­zeit­li­cher Fund­plät­ze im Um­land v. Wes­se­ling. In: Zehn­der/Ko­schik, S. 17-19). Ke­ra­mi­sche Streu­fun­de auf der wes­se­lin­ger Ge­mar­kung wei­sen auf ver­mu­te­te me­ro­win­ger­zeit­li­che Sied­lun­gen im Be­reich Nie­der-Wes­se­ling und Berz­dorf hin, die je­doch nicht mehr ge­nau zu lo­ka­li­sie­ren sind (zu den Fun­den ins­ge­samt vgl. Rhein. Amt f. Bo­den­denk­mal­pfle­ge Bonn, Orts­ar­chiv)

Schrägluftbild der Stadt von Südwesten, 1971, Foto: Latzel. (Sammlung Stadtarchiv Wesseling)

 

1. 3 Erste Erwähnung und folgende Namenbelege bis 1300, danach nur abweichende Formen

948-952 Was­li­ca (MGH SS XIII 441, 32; 445, 3)
1073/75 Wes­se­no (NrhUB I 225)
1180 wess­lin­gen (Li­bel­lus de trans­la­tio­ne Sanc­ti An­no­nis ar­chie­pi­sco­pi et Mi­ra­cu­la Sanc­ti An­no­nis li­ber pri­mus et se­cun­dus <Sieg­bur­ger Mi­ra­kel­buch> Buch II, 1966, S. 284f.)
1200 Wess­li­ke (HAEK St. Ge­org A II 15)
1233 Wes­lec (NrhUB II 193)
(1240) Weislei­ge, Wes­li­ge (A. Hil­ka <Hg.>, Die wun­der­ba­ren Ge­schich­ten d. Cä­sa­ri­us v. Heis­ter­bach, Bd. 3, 1937, S. 273)
1244 Wes­li­che (NrhUB II 288)
1246 Wes­se­lig (LAV NRW R Bür­ve­nich 3)
1280 Wes­se­linck (StaK 265 Si­on 1/5)
1280 Wes­lich (REK III 2854)
1288 Wes­se­lich (StaK 265 Si­on 2/7)
(1308) Wes­cli­che (Li­ber Va­lo­ris, S. 37)
1311 We­se­lich (REK IV 621)
1314 Weysli­cke (StaK 264 Se­ve­rin 1/76)
1314 Wesli­cke (ebd. 2/77)
1345 Veis­linch (ebd. 1/64)
1378 Weis­lich (Li­ber Va­lo­ris, S. 37 Anm. b)
1392 Wess­lich (LAV NRW R Jü­lich 455)
1394 Wes­se­lin­che (NrhUB III 997)
1398 Wees­lich (Ni­jhoff III 216)
17. Jahr­hun­dert Guas­li­ci­um (C. Ai­mond, Le Né­cro­lo­ge de la ca­thédra­le de Ver­dun, 1910, S. 184)

Nieder-Wesseling

1266 in­fe­rio­ri wes­lich (M. Dicks, Die Ab­tei Camp am Nie­der­rhein, 1913, S. 177 Anm. 22)
1290 in­fe­rio­ri we­se­lich (StaK 265 Si­on 1/9)
1345 ont Veis­linch (ebd. 264 Se­ve­rin 1/64)
1644 Nie­der wess­ling (ebd. 265 Si­on Akt 32 S. 1)
1666 Nie­der­wes­se­lingh (ebd. 28 S. 16, 30)
1712 Un­der­wess­ling (ebd. 33 fol. 1ar)

Ober-Wesseling

1238 Wes­lic su­pe­rio­re (NrhUB II 236)
1266 in su­pe­rio­ri wes­lic (Dicks, Ab­tei Camp, S. 177 Anm. 22)
1273 Over­wes­lich (REK III 2503)
1274 Over Wes­se­lich (ebd. 2545)
1290 Su­pe­rio­ri We­se­lich (StaK 265 Si­on 1/9)
1300 over­wes­se­lich (ebd. Akt 26, Nr. 32, S. 3)
1361 ower­wes­se­linc (ebd. 2/22)
1375 Ower­weis­lich (ebd. 1/23)
1573 Ower­wes­lünck (ebd. 3/102)
1666 Ober­wes­se­lingh (ebd. Akt 28 fol. 1a)

Adjektivisch

1531 Over­we­ß­lincker (LHAK 48/1751)

1. 4 Bezeichnung der Siedlung

948-52 vil­la (I 3)
1073/75 vil­la (I 3)
(1240) vil­la (I 3)
1345 vil­la (I 3)
1398 dorff (I 3)
1972 Stadt (III 3)

Nieder-Wesseling

1345 vil­la ont Veis­linch (I 3)
1392 dorp (I 3)
1448 Dorf (Quel­len Lands­kron I 977, S. 391f.)
1531 frei­heit (LHAK 48/1751)
1557 Frei­heit (Be­low, Land­tags­ak­ten I, S. 753 Anm. 2; III 3)
1625 Herr­lich­keit (StaK 264 Se­ve­rin 1/525)
1711 Frei­heit (ebd. 202 An­to­ni­ter Akt 92 fol. 3)
1776 Ort­schaft (LAV NRW R JB III R Lüls­dorf 28 fol. 5)

Ober-Wesseling

1273 vil­la (REK III 2503)
1531 herr­lich­eit (StaK Si­on A 26 fol. 33)
1570 vil­la (LAV NRW R Kk II 1563)
1628 dorff (StaK 265 Si­on 3/117a)

1. 5 Bezeichnung der Siedlungsbewohner

1459 in­co­lae (LAV NRW R Cas­si­us 432)
1514 nach­pahrn, nach­bah­ren (ebd. Kk II 1563 fol. 9f.)
1531 Nach­parn von wes­se­linck (LHAK 48/1751)
1570 po­pu­lus, in­co­lae (I 4)
1583 un­dert­ha­nen (LHAK 48/1743 S. 19)

1. 7 Ortsteile, Gebietsveränderungen, Eingemeindungen

1794 Ver­ei­ni­gung von Ober- und Nie­der-Wes­se­ling (Be­deu­tung, S. 4)
1798 Com­mu­ne Wes­se­ling mit Ober- und Nie­der-Wes­se­ling, Kan­ton Brühl (Da­ni­els VI, S. 482)
1932 Er­rich­tung des Am­tes Wes­se­ling mit den Ge­mein­den Wes­se­ling, Kel­de­nich und Berz­dorf (Amts­bl. Reg. Köln 1932 Nr. 50)
1935 Ein­glie­de­rung Kel­de­nichs nach Wes­se­ling (Amts­bl. Reg. Köln 1935 Nr. 32)
1961 Ein­glie­de­rung Berz­dorfs; Auf­lö­sung des Am­tes, Rechts­nach­fol­ge­rin ist die Ge­mein­de Wes­se­ling (GV. NW. 1961, S. 239)
1969 Ein­glie­de­rung Ur­felds (GV. NW. 1969, S. 236)
1975 Ein­glie­de­rung der Stadt Wes­se­ling auf Grund­la­ge des „Köln-Ge­set­zes“ in die Stadt Köln zum 1. Ja­nu­ar (GV. NW. 1974, S. 1072)
1976 Aus­glie­de­rung von Wes­se­ling aus der Stadt Köln zum 1. Ju­li nach er­folg­rei­cher Ver­fas­sungs­kla­ge: Wes­se­ling wird wie­der selb­stän­di­ge Stadt (Ur­teil des Ver­fas­sungs­ge­richts­ho­fes NRW, StaW D 98; Ge­setz zur Wie­der­her­stel­lung der Selb­stän­dig­keit der Stadt W, sog. „Wes­se­ling-Ge­set­z“ vom 1. Ju­ni 1976, GV. NW. 1976, S. 207)
Zu den kom­mu­na­len Zu­ge­hö­rig­kei­ten vgl. auch III 9

1. 8 Gemarkungsgröße

1708 Nach dem Ber­gi­schen Extrac­tus sum­ma­ri­us um­fa­ßt die Frei­heit Nie­der-Wes­se­ling 588,5 Mg 28,75 Ru­ten (Extrac­tus, S. 130f.)
1789 um­fa­ßt die Ge­mar­kung Nie­der-W 360 ha, Ober-Wes­se­ling zählt ca. 398 ha (Fa­bri­ci­us II, S. 58, 316)
1885 = 758 ha; 1895 und 1905 = 776 ha; 1930 = 775 ha; 1970 = 2215; seit 1975 = 2337 ha

1. 9 Flurnamen

1238 wird der Flur­na­me vei­le als Wald­stück ge­nannt (NrhUB II 236)
1468 Son­nen­bergh (LHAK 48/1751)
1498 bol­len acker, do­ern acker, Mes­se­ny­ger wegh, Pro­etes acker, by der voes­vu­len, su­den acker, bru­ler wegh (StaK 271 Wei­ße Frau­en Akt 9 fol. 35)
1660 ahm Sto­ckert­hall, Am Pütz­bahn, an dem Blau­wen­stein, an der Gren­ze zu St. Cas­sii, Auf dem Bol­len­a­cker, Auf dem Son­nen­berg, auf den Heg­gen, Auf den Kle­mens­bit­zen, Auf den neun Mor­gen, auf’m Bergh, Dick­ops Er­ben, gantz Bit­zen, hin­ter dem Lütz­bach, im Grundt, in der Bit­zen, langs dem Me­cher­ni­cher Weg, in der Hüt­ten, Jans­bit­zen, Lütz­ba­se, Mol­den­bit­zen, un­ter dem Berg, un­ter der Müh­len, viert­zig Mor­gen, Wer­lichs Bit­zen (ebd. 238 Kreuz­brü­der Akt 32 fol. 77-95)
1711 die Frei­heit Wes­se­ling soll auf For­de­rung der An­to­ni­ter neu ver­mes­sen wer­den; Flur­na­men (mit An­to­ni­ter­be­sitz): Über den Me­sche­ni­cher Weg, and­rem Bol­len­a­cker, ahm Rott­feld, ahm Prae­lat zu Al­ten­bergs Acker, And­rem Wegh fon Bru­ell nach Gu­dorff langs die Li­mit, im Rott­feld (ebd. 202 An­to­ni­ter Akt 92 fol. 5)
1750 lie­gen in Nie­der-Wes­se­ling die Flu­re Am Butz­bahn, Un­ter dem Sie­chen­haus, Auf die Bann­mei­le, Un­ten am Ge­richt, Auf dem Brühl­schen Weg, Am Me­sche­ni­cher Weg, In der Hut­ten, Auf dem Mit­tel­berg, Auf dem Müh­len­berg, Un­ter dem Müh­len­berg, Auf dem Keh­li­cher­berg, An den Keh­li­cher Heg­gen, Im Sto­cker­thal, Auf dem Ufer, An dem Fuß­fall, Am Kirch­bun­gart, Am Kirch­hof (LAV NRW R JB II 949 fol. 9)

Wesseling und Umgebung von 1807 / 1808 im Verhältnis 1 : 25000, Zusammensetzung der Blätter 82 Brühl - 24 (rrh) Wahn, 92 Sechtem und 93 Bonn - 34 (rrh) Beuel der Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und v. Müffling 1803-28. (Landvermessungsamt NRW)

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Rönz, Helmut, Rheinischer Städteatlas Wesseling. Teil 1: Siedlung, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-wesseling.-teil-1-siedlung/DE-2086/lido/5b698984a435c3.39632628 (abgerufen am 24.02.2024)

Auch über Rheinischer Städteatlas Wesseling, bearbeitet von Helmut Rönz (Lieferung XVI, Nr. 88, 2007)