Grete Busch

Sportlerin und frühe Sportfunktionärin (1911-1997)

Ansgar Molzberger (Köln)

Grete Busch, Porträtbild, aus dem Geschäftsbericht des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen, 1952. (Landessportbund NRW)

In­ter­na­tio­nal er­folg­rei­che Leicht­ath­le­tin, Sport­leh­re­rin und stets en­ga­gier­te Strei­te­rin für die För­de­rung von Frau­en im Sport – Gre­te Busch ge­hört zu den we­ni­gen Pio­nie­rin­nen, die den von Män­nern do­mi­nier­ten Auf­bau des Sport­sys­tems in Nord­rhein-West­fa­len und in der jun­gen Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ma­ß­geb­lich mit­ge­stal­te­ten. Als ge­sell­schafts­po­li­ti­sche „Mis­si­on“ für Gleich­stel­lung ver­stand sie ihr Wir­ken je­doch nicht, viel­mehr fand Busch es auf­grund ih­rer aus­ge­wie­se­nen Ex­per­ti­se ein­fach selbst­ver­ständ­lich, Ver­ant­wor­tung und Äm­ter im Sport zu über­neh­men.

Mar­ga­re­te „Gre­te“ Busch wur­de am 19.11.1911 in El­ber­feld (heu­te: Wup­per­tal) als zwei­tes Kind der Ehe­leu­te Chris­ti­an (1880-1977) und Emi­lie Busch, geb. Schrep­per, ge­bo­ren. Die Sport­be­geis­te­rung wur­de ihr ge­ra­de­zu in die Wie­ge ge­legt: Va­ter Chris­ti­an Busch hat­te in sei­ner Ju­gend zum Tur­nen ge­fun­den und Ta­lent ge­zeigt; vor al­lem im tur­ne­ri­schen Mehr­kampf, zu dem auch schwer- und leicht­ath­le­ti­sche Dis­zi­pli­nen ge­hör­ten, war er er­folg­reich ge­we­sen. Als Hö­he­punkt sei­ner ak­ti­ven Lauf­bahn hat­te er als Tur­ner an den Olym­pi­schen Spie­len 1904 in St. Louis teil­ge­nom­men. Dar­über hin­aus hat­te er sich früh ei­nen Na­men als viel­fäl­tig ak­ti­ver Turn- und Sport­funk­tio­när ge­macht. Ei­ne viel­sei­ti­ge sport­li­che Aus­bil­dung er­fuh­ren dann auch Gre­te und ihr äl­te­rer Bru­der Hans (1907-1967). Ins­be­son­de­re in der Leicht­ath­le­tik fei­er­ten sie schon in jun­gen Jah­ren Er­fol­ge.

1923 zog die Fa­mi­lie nach Köln um. Dort hat­te Ober­bür­ger­meis­ter Kon­rad Ade­nau­er am 16.9. des Jah­res den Sta­di­on­park Mün­gers­dorf im Zen­trum des neu ge­schaf­fe­nen Äu­ße­ren Grün­gür­tels er­öff­net. Die Um­wand­lung der frü­he­ren preu­ßi­schen Fes­tungs­gür­tel, die in Fol­ge des Ver­sailler Ver­trags von 1919 nicht län­ger mi­li­tä­risch ge­nutzt wer­den durf­ten, in Nah­er­ho­lungs­ge­bie­te für die Köl­ner Stadt­be­völ­ke­rung hat­te ein be­son­ders wich­ti­ges po­li­ti­sches Pro­jekt in der Amts­zeit Ade­nau­ers dar­ge­stellt. Für die Ver­wal­tung und den Be­trieb der sich über 80 Hekt­ar er­stre­cken­den Groß­sport­an­la­ge hat­te man Chris­ti­an Busch als Sta­di­on­di­rek­tor nach Köln be­ru­fen. Fa­mi­lie Busch er­hielt ei­ne Dienst­woh­nung auf dem Ge­län­de des Sta­di­on­parks – ei­nes der bei­den 1923 am Ran­de der Sta­di­on-Vor­wie­sen er­rich­te­ten Ver­wal­tungs­ge­bäu­de steht heu­te noch. Die Fa­mi­li­en­mit­glie­der, dar­un­ter die Kin­der, hat­ten al­so fort­an na­he­zu un­end­li­che Mög­lich­kei­ten zum Sport­trei­ben – buch­stäb­lich „vor der Hau­stür“.

Gre­te Busch setz­te in Köln ih­re in El­ber­feld ge­star­te­te Kar­rie­re als Leicht­ath­le­tin fort. Sie­ge fei­er­te sie vor al­lem im Mehr­kampf. Als wei­te­re Sport­ar­ten be­trieb sie Ho­ckey, (Feld-)Hand­ball, Vol­ley­ball, Ten­nis, Tisch­ten­nis, Schwim­men und Ski­lau­fen. 1928 über­nahm sie zu­dem die Lei­tung des Schü­le­rin­nen-Turn­ver­eins an der Kö­ni­gin-Lui­se-Schu­le in der Köl­ner In­nen­stadt und an­schlie­ßend auch die Lei­tung der Frau­en­ab­tei­lung des Köl­ner Spiel­ver­eins „Vic­to­ri­a“. Par­al­lel zur ers­ten Tä­tig­keit als Sport­funk­tio­nä­rin ab­sol­vier­te sie nach dem En­de ih­rer Schul­zeit ei­ne Aus­bil­dung am Tech­ni­schen Se­mi­nar Köln zur Tech­ni­schen Leh­re­rin für Lei­bes­übun­gen. 

 

1932 fand Busch ers­te An­stel­lun­gen: als Sport­leh­re­rin für den Hoch­schul­sport der Stu­die­ren­den an der Uni­ver­si­tät zu Köln so­wie als Kurs­lei­te­rin für Lei­bes­übun­gen bei der Stadt Köln be­zie­hungs­wei­se im Sport­park Mün­gers­dorf. Ihr Va­ter hat­te nach sei­nem Amts­an­tritt „Sta­di­on­kur­se“ als brei­ten­sport­li­ches An­ge­bot für die Köl­ner Be­völ­ke­rung ein­ge­rich­tet. Die­ses Kurs­an­ge­bot er­freu­te sich gro­ßer Be­liebt­heit, fünf Jah­re nach der Ein­füh­rung wur­de es be­reits von na­he­zu 40.000 Men­schen pro Jahr wahr­ge­nom­men.

Zur auch für die Fa­mi­lie Busch ent­schei­den­den Zä­sur wur­de das Jahr 1933. So wur­de im Zu­ge der Macht­über­nah­me der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten Buschs Va­ter Chris­ti­an sei­nes Pos­tens als Köl­ner Sta­di­on­di­rek­tor ent­ho­ben – dann aber von „Reichs­sport­füh­rer“ Hans von Tscham­mer und Os­ten (1887-1943) zum sport­ar­ten­über­grei­fen­den „Olym­pia-In­spek­teur“ für die Olym­pi­schen Spie­le 1936 in Ber­lin be­ru­fen und mit der Auf­ga­be be­traut, das Trai­ning und die Vor­be­rei­tung der deut­schen Ath­le­tin­nen und Ath­le­ten zu or­ga­ni­sie­ren. Nach­dem „sei­ne“ Olym­pia­mann­schaft bei den Olym­pi­schen Spie­len in der deut­schen Haupt­stadt über­aus er­folg­reich ab­ge­schnit­ten und mit al­lein 33 Gold­me­dail­len mit gro­ßem Ab­stand vor dem US-Team als Zweit­plat­zier­tem den ers­ten Platz in der in­of­fi­zi­el­len Na­tio­nen­wer­tung („Me­dail­len­spie­gel“) er­run­gen hat­te, wur­de er zum „Reichs­sport­war­t“ im Deut­schen Reichs­bund für Lei­bes­übun­gen (DRL) be­zie­hungs­wei­se – nach der 1938 er­folg­ten voll­stän­di­gen Ein­glie­de­rung der Sport-Dach­or­ga­ni­sa­ti­on in NS-Struk­tu­ren – im NS-Reichs­bund für Lei­bes­übun­gen (NSRL) er­nannt.

Gre­tes Bru­der Hans, der an der Uni­ver­si­tät zu Köln von 1926 bis 1932 ein Ju­ra­stu­di­um ab­sol­viert hat­te, trat zum 1.5.1933 in die NS­DAP und den NS-Rechts­wah­rer­bund ein; nach Aus­sa­ge in sei­nem Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren (1947), in dem er als „Mit­läu­fer“ (Ka­te­go­rie IV) ein­ge­stuft wur­de, auf­grund der Be­fürch­tung, an­dern­falls nicht zum As­ses­sor­ex­amen zu­ge­las­sen zu wer­den.

Gre­te Busch trat im Ju­ni 1933 dem Bund Deut­scher Mä­del (BDM) bei. Als Re­fe­ren­tin und we­ni­ge Mo­na­te spä­ter als Füh­re­rin ei­nes „Mä­del­rings“ war sie nach ei­ge­ner Dar­stel­lung zu die­ser Zeit aus­schlie­ß­lich mit Ver­wal­tungs­an­ge­le­gen­hei­ten be­schäf­tigt. Als Grund für ih­ren Ein­tritt in die NS­DAP-Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on nann­te sie nach En­de des Zwei­ten Welt­kriegs: Die Äm­ter im BDM über­nahm ich in Er­man­ge­lung an­de­rer Mög­lich­kei­ten, au­ßer­halb der Schu­le mit Ju­gend­li­chen zu ar­bei­ten.

Im April 1934 zog sie in die 1929 durch Ein­ge­mein­dun­gen ent­stan­de­ne Stadt Wup­per­tal, wo sie an ei­ner Ober­schu­le ei­ne An­stel­lung als Tech­ni­sche Leh­re­rin für Lei­bes­übun­gen fand.

Eben­falls 1934 konn­te sie ih­ren grö­ß­ten sport­li­chen Er­folg als Ath­le­tin ver­bu­chen. Seit ih­rem Pre­mie­ren­auf­tritt bei den Deut­schen Leicht­ath­le­tik-Meis­ter­schaf­ten im Jahr 1930 hat­te Busch auf na­tio­na­ler und in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne be­reits meh­re­re vor­de­re Plät­ze bei Wett­kämp­fen be­legt. Bei den 4. Frau­en-Welt­spie­len im Au­gust 1934 in Lon­don ge­wann sie die Sil­ber­me­dail­le im leicht­ath­le­ti­schen Fünf­kampf (Ku­gel­sto­ßen, Weit­sprung, 100-Me­ter-Lauf, Hoch­sprung, Speer­wurf). Gold ging an ih­re deut­sche Mit­strei­te­rin Gi­se­la Mau­er­may­er (1913-1995), die 1936 in Ber­lin Olym­pia­sie­ge­rin im Dis­kus­wurf wur­de. Das Lon­do­ner Wett­kampf­fest war das letz­te sei­ner Art: Nach mehr­jäh­ri­gen Ver­hand­lun­gen hat­te das In­ter­na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee (IOC) zu­ge­stimmt, den Frau­en fort­an mehr Start­plät­ze bei Olym­pi­schen Spie­len zu ga­ran­tie­ren; als Ge­gen­leis­tung wur­den die Frau­en-Welt­spie­le als „Kon­kur­renz­pro­duk­t“ der auf Ali­ce Mil­li­at (1884-1957) zu­rück­ge­hen­den Fédé­ra­ti­on Spor­ti­ve Fé­mi­ni­ne In­ter­na­tio­na­le (FSFI) ein­ge­stellt und die FSFI lös­te sich 1936 auf.

Auch Gre­te Busch war nach ih­ren Er­fol­gen für das deut­sche Olym­pia­team no­mi­niert wor­den, nahm 1936 aber „nur“ als Trai­ne­rin und Be­treue­rin der deut­schen Leicht­ath­le­tin­nen an den Olym­pi­schen Spie­len in Ber­lin teil.

In Wup­per­tal war Busch 1935 zur Ober­schul­leh­re­rin be­för­dert wor­den und hat­te ei­nen Frau­en­sport­club ge­grün­det, der drei Jah­re spä­ter in der El­ber­fel­der Turn­ge­mein­de 1847 e.V. auf­ging. Eben­falls 1935 trat sie in die Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Volks­wohl­fahrt (NSV) ein, ein Jahr spä­ter wur­de sie zu­dem Mit­glied im Ver­ein für Deutsch­tum im Aus­land (VDA) und im Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Leh­rer­bund (NSLB). Auf­grund ih­rer sport­li­chen Er­fol­ge wur­de sie dar­über hin­aus Leicht­ath­le­tik-Lehr­war­tin im DRL/NSRL. Im BDM ar­bei­te­te sie vor Ort in Wup­per­tal sehr er­folg­reich als Sport­leh­re­rin und wur­de 1937 zur Fach­war­tin für Leicht­ath­le­tik be­ru­fen.

Sie ha­be sich je­doch stets auf die rein sport­li­che Tä­tig­keit kon­zen­triert und ih­re Nach­wuchs-Ath­le­tin­nen im BDM im­mer er­mu­tigt, in bür­ger­li­che Sport­ver­ei­ne ein­zu­tre­ten, so Busch in ih­rem Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren. Da man ihr die gro­ßen Er­fol­ge mit den von ihr trai­nier­ten Mäd­chen ge­n­ei­det ha­be – 1939 hat­te sie von BDM und NSRL Aus­zeich­nun­gen für ih­ren Ein­satz im Sport er­hal­ten –, vor al­lem aber auch we­gen ih­rer Wei­ge­rung zum NS­DAP-Ein­tritt sei sie im BDM zu­neh­mend an­ge­fein­det wor­den. Laut Busch sei es dar­auf­hin zum of­fe­nen Bruch ge­kom­men, und sie ha­be ih­re BDM-Tä­tig­keit 1942 ein­ge­stellt. Trotz­dem wur­de sie 1943 mit der „Me­dail­le für deut­sche Volks­pfle­ge“ für ih­re 15-jäh­ri­ge Tä­tig­keit in Turn- und Sport­ver­ei­nen ge­ehrt – der von Busch dar­ge­stell­te Bruch mit dem BDM hat­te dem­nach in Wup­per­tal wohl kei­ne grö­ße­ren ge­sell­schaft­li­chen Krei­se ge­zo­gen.

Den Zwei­ten Welt­krieg über­leb­ten die El­tern und Kin­der Busch, für Gre­te Busch wur­de das Jahr 1945 je­doch zum exis­ten­zi­el­len Ein­schnitt. So ord­ne­ten die Bri­ten als zu­stän­di­ge Be­sat­zungs­macht am 11.10. ih­re zwangs­wei­se Ent­fer­nung aus dem Schul­dienst an, denn Busch wur­de in ih­rem Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren als „Mit­läu­fe­rin“ (Ka­te­go­rie IV) ein­ge­stuft.

Be­züg­lich der Ent­las­sung aus dem Schul­dienst bat Busch die Bri­ti­sche Mi­li­tär­re­gie­rung am 31.1.1946 um ei­ne Prü­fung der Ent­schei­dung, ver­bun­den mit der Bit­te um Wie­der­ein­stel­lung. In ih­rem vier­sei­ti­gen Schrei­ben mach­te sie gel­tend, so­wohl ihr Va­ter als auch ihr Bru­der sei­en 1933 von NS-Ver­tre­tern fort­wäh­rend schi­ka­niert wor­den. Ihr selbst sei deut­lich ge­macht wor­den, dass ei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung bei der Stadt Köln nur mög­lich sei, wenn sie der NS­DAP oder ei­ner ih­rer an­ge­schlos­se­nen Or­ga­ni­sa­tio­nen bei­tre­ten wür­de. Zu­dem re­kla­mier­te Busch für sich, dass sie so­wohl ih­ren Schul­dienst als auch ih­re au­ßer­schu­li­schen Sport­ak­ti­vi­tä­ten stets rein sach­ori­en­tiert be­trie­ben, nicht aber für die NS-Ideo­lo­gie ge­wor­ben ha­be. Un­ter­stützt wur­den die­se Aus­sa­gen durch Schrei­ben von neun Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern aus Schu­le, Sport und Kir­che, die Buschs Dar­stel­lung be­stä­tig­ten.

Grete Busch als aktive Sportlerin im Jahr 1930, aus: Sportbund, 1963. (Landessportbund NRW)

 

Nach Prü­fung durch die ver­schie­de­nen bri­ti­schen In­stan­zen wur­de Buschs Wie­der­ein­stel­lung als Ober­schul­leh­re­rin am 15.8.1946 von der bri­ti­schen Mi­li­tär­re­gie­rung be­für­wor­tet. Wie aus­schlag­ge­bend die In­hal­te des Schrei­bens und die bei­ge­füg­ten Zeu­gen­aus­sa­gen für die­se Ent­schei­dung der Bri­ten wa­ren, bleibt of­fen. Im Do­ku­ment der Bri­ten vom 16.3.1946, das Buschs Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren bei­liegt, ist als Be­grün­dung für die Prü­fung des vor­ge­brach­ten Ein­spruchs ge­gen ih­re Ent­las­sung aus dem Schul­dienst le­dig­lich Shor­ta­ge of teachers ver­merkt.

Mit ih­rer Rück­kehr in den Schul­dienst, in dem sie in der Fol­ge­zeit – oh­ne ein uni­ver­si­tä­res Stu­di­um ab­sol­viert zu ha­ben – zur Fach­lei­te­rin für Sport und Stu­di­en­di­rek­to­rin auf­stieg, en­ga­gier­te sich Gre­te Busch er­neut für den Schul- und au­ßer­schu­li­schen Sport. So lei­te­te sie von 1950 bis 1968 den Zen­tral­aus­schuss für Lei­bes­er­zie­hung der Mäd­chen an hö­he­ren Schu­len in Nord­rhein-West­fa­len. Be­reits 1946 hat­te sie sich in Wup­per­tal am Wie­der­auf­bau des Sports be­tei­ligt und im West­deut­schen Leicht­ath­le­tik­ver­band die Ver­ant­wor­tung für die Be­lan­ge der Frau­en über­nom­men. Mit der Zä­sur des Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­rens wa­ren für Busch so­mit kei­ne lang­fris­ti­gen Fol­gen für ihr Wir­ken im Schul­dienst und im Sport ver­bun­den, in spä­te­ren Wür­di­gun­gen des Lan­des­sport­bun­des Nord­rhein-West­fa­len (LSB NRW) und des Deut­schen Sport­bun­des (DSB) kam beim Rück­blick auf ih­re Le­bens­leis­tung ih­re Tä­tig­keit im BDM nicht mehr zur Spra­che, ih­re NSRL-Ar­beit als Lehr­war­tin wur­de al­len­falls er­wähnt und als rein leicht­ath­le­ti­sches Amt be­zeich­net.

Auch im 1947 ge­grün­de­ten LSB NRW über­nahm Busch früh Ver­ant­wor­tung. Zu­nächst als Bei­sit­ze­rin im Prä­si­di­um (1949-1951), vor al­lem aber als lang­jäh­ri­ge Frau­en­war­tin. Im Amt als Vor­sit­zen­de des Frau­en­bei­rats, das sie in Nach­fol­ge von Clä­re Acker­mann von 1952 bis 1973 in­ne­hat­te, setz­te sie sich mit Nach­druck für ei­ne stär­ke­re Ein­be­zie­hung von Frau­en in die Be­ra­tungs-, Füh­rungs- und Ent­schei­dungs­gre­mi­en des Sports und für ei­nen Zu­wachs weib­li­cher Mit­glie­der in den Sport­ver­ei­nen ein. Ei­ne zen­tra­le Rol­le nahm hier­bei die Or­ga­ni­sa­ti­on der jähr­li­chen zen­tra­len Frau­en-Voll­ver­samm­lung des LSB NRW ein, aus der Im­pul­se für re­gio­na­le oder lo­ka­le Ver­an­stal­tun­gen aus­gin­gen, die von durch den Bei­rat ent­sand­ten Be­zirks­ver­tre­te­rin­nen durch­ge­führt wur­den. Als Mit­glied des Lehr­aus­schus­ses im LSB NRW ge­lang es ihr 1959, die ers­ten ei­gen­stän­di­gen Ver­bands­lehr­gän­ge für Frau­en ein­zu­füh­ren. Ihr man­nig­fal­ti­ges Wir­ken als Sport­funk­tio­nä­rin ver­stand Busch gleich­wohl nicht als kal­ku­liert eman­zi­pa­to­ri­sches Han­deln. Viel­mehr emp­fand sie ih­ren Ein­satz als selbst­ver­ständ­lich, ver­füg­te sie doch über um­fas­sen­de Kennt­nis­se im Sport. So en­ga­gier­te sich Busch auch ak­tiv für das Deut­sche Sport­ab­zei­chen, nicht zu­letzt im da­für ein­ge­setz­ten Aus­schuss des LSB NRW. Zu­dem be­legt ih­re Mit­wir­kung in den Aus­schüs­sen „Lan­des­sport­pla­ket­te“ und „Sat­zun­g“  ih­re brei­te fach­li­che Ex­per­ti­se. Von 1956 bis 1957 fun­gier­te sie zu­dem als ers­te Frau im Amt der Vi­ze­prä­si­den­tin des LSB NRW.

Erster Bundestag des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen in Duisburg, v.r. Grete Busch, 7.10.1950. (Landessportbund NRW)

 

Dar­über hin­aus war Busch auch auf Bun­des­ebe­ne am Wie­der­auf­bau des Sports nach dem Zwei­ten Welt­krieg be­tei­ligt. So war sie – zu­sam­men mit Acker­mann – als ei­ne der we­ni­gen Frau­en bei der DSB-Grün­dung am 10.12.1950 in Han­no­ver zu­ge­gen. Im Frau­en­aus­schuss um DSB-Prä­si­di­ums­mit­glied Gre­te Nord­hoff (1899-1976) war Busch von 1954 bis 1972 als Bei­sit­ze­rin ak­tiv.

Als Busch in Nord­rhein-West­fa­len 1973 nicht län­ger für das Amt der Frau­en­war­tin des LSB NRW kan­di­dier­te, konn­te sie zu­frie­den bi­lan­zie­ren, dass es zum Zeit­punkt ih­res Aus­schei­dens kei­ne Gre­mi­en, Aus­schüs­se und Ar­beits­krei­se mehr gab, in de­nen Frau­en nicht ver­tre­ten wa­ren. 

Für ih­re Ver­diens­te wur­de Busch vom Deut­schen Leicht­ath­le­tik-Ver­band mit der Gol­de­nen Eh­ren­na­del aus­ge­zeich­net, 1967 wur­de ihr die 1959 vom Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Franz Mey­ers ge­stif­te­te Sport­pla­ket­te des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len ver­lie­hen. Die Mit­glie­der­ver­samm­lung des LSB NRW er­nann­te sie dar­über hin­aus 1973 zum Eh­ren­mit­glied.

In den fol­gen­den Jah­ren küm­mer­te sie sich in­ten­siv um ih­ren hoch­be­tag­ten Va­ter Chris­ti­an Busch, der 1977 fast hun­dert­jäh­rig in So­lin­gen starb.

Gre­te Busch, die Zeit ih­res Le­bens nicht ver­hei­ra­tet war, starb am 20.11.1997 in ei­nem Se­nio­ren­wohn­heim in Hil­den an Herz­ver­sa­gen.

Grete Busch und Hugo Grömmer, undatiert. (Landessportbund NRW)

 

Wie sehr ihr lang­jäh­ri­ges Wir­ken im LSB NRW – und im DSB – als au­ßer­ge­wöhn­li­che Pio­nier­tä­tig­keit ein­ge­ord­net wer­den muss, zeigt ein Blick auf die ak­tu­el­len Zah­len im or­ga­ni­sier­ten Sport: Zwar sind die Mit­glieds­zah­len von Frau­en und Mäd­chen in den Turn- und Sport­ver­ei­nen über die Jahr­zehn­te ge­stie­gen, ins­be­son­de­re im Zu­ge des „Zwei­ten Weg­s“, in Nord­rhein-West­fa­len liegt die Quo­te der Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen der Bün­de und Ver­bän­de aber auch heu­te noch bei un­ter 10 Pro­zent. Oh­ne das Wir­ken von Frau­en wie Gre­te Busch sä­he die Si­tua­ti­on wahr­schein­lich noch ein­sei­ti­ger be­zie­hungs­wei­se män­ner­las­ti­ger aus.

Quellen

Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ak­te „Busch, Han­s“. Lan­des­ar­chiv NRW, Ab­tei­lung Rhein­land, Be­stand: NW 1022-B, Si­gna­tur: 33829.

Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ak­te „Busch, Mar­ga­re­te“. Lan­des­ar­chiv NRW, Ab­tei­lung Rhein­land, Be­stand: NW 1022-B, Si­gna­tur: 5603.

Kor­re­spon­denz Li­se­lott Diem – Gre­te Busch, Carl und Li­se­lott Diem-Ar­chiv der Deut­schen Sport­hoch­schu­le Köln.

Map­pe „Busch, Gre­te“. Pres­se­ar­chiv im Carl und Li­se­lott Diem-Ar­chiv der Deut­schen Sport­hoch­schu­le Köln. 

Onlinequellen

Lan­des­Sport­Bund Nord­rhein-West­fa­len, „Mehr Frau­en in Füh­run­g“, 2025 [On­line].

Literatur

Kel­ler, Pe­ter, Wup­per­tals Olym­pia­ge­schich­te: Al­le 83 Teil­neh­mer der Stadt Wup­per­tal von Her­bert Run­ge bis Hans Gün­ter Wink­ler, Wup­per­tal 1996.

Lan­des­Sport­Bund Nord­rhein-West­fa­len: LSB (1966-1991); Lan­des­Sport­Bund Nord­rhein-West­fa­len: Wir im Sport (ab 1992).

Lan­gen, Ga­bi/De­res, Tho­mas, Mün­gers­dor­fer Sta­di­on Köln, Köln 1998.

Me­vert, Fried­rich, Gre­te Busch – Vor­kämp­fe­rin für die Be­lan­ge der Frau­en, in: Me­vert, Fried­rich (Hg.), 50 Jah­re Deut­scher Sport­bund. Ge­schich­te, Ent­wick­lung, Per­sön­lich­kei­ten (Schrif­ten­rei­he des Nie­der­säch­si­schen In­sti­tuts für Sport­ge­schich­te Ho­ya e.V., Bd. 15), Ho­ya 2000, S. 147-148. 

Gratulation des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen für Grete Busch zum 70. Geburtstag, in der Verbandszeitung LSB, 1981. (Landessportbund NRW)

 
Zitationshinweis

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Molzberger, Ansgar, Grete Busch, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/grete-busch/DE-2086/lido/685163e86ff720.73397511 (abgerufen am 18.01.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 03.07.2025, zuletzt geändert am 30.09.2025