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Hugo Grömmer entstammte einem sozialdemokratischen Elternhaus und war bereits mit jungen Jahren eng im proletarischen Sozialmilieu vernetzt. Als langjähriges SPD-Mitglied, engagierter Arbeitersportler und Redakteur verschiedener Arbeiter(sport)zeitungen geriet Grömmer bereits im Frühjahr 1933 in den Fokus des NS-Verfolgungsapparates. In der Nachkriegszeit avancierte Grömmer zu einer zentralen Persönlichkeit für den Aufbau eines demokratischen Sportwesens auf Landes- und Bundesebene. Verschiedene Funktionen und unterschiedlichste Ämtern im nordrhein-westfälischen und westdeutschen Vereins- und Verbandswesen kamen ihm hierbei zugute.
Hugo Grömmer wurde am 11.12.1903 als Sohn des Malermeisters Hugo Grömmer in Hagen geboren. Nach erfolgreichem Besuch der Volksschule und Fortbildungsschule (heute: Berufskolleg) absolvierte er eine Lehre als Fräser bei einem Hagener metallverarbeitenden Betrieb. Grömmer war verheiratet mit der Gevelsberger Arbeitersportlerin Margarete „Grete“ Ellinghaus (1908-1980), die er bereits als aktive Handballerin und Leichtathletin kennen und lieben lernte. Ihr Sohn Hans (1933-2010) wurde später ebenso SPD-Funktionär, unter anderem SPD-Unterbezirkssekretär im östlichen Westfalen. Er bezeichnete sich hinsichtlich seiner Religion als Freidenker.
In der Zeit von 1928 bis April 1933 bekleidete Grömmer verschiedene ehrenamtliche Funktionen im Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB). Auf Kreisebene (6. Kreis - Rheinland-Westfalen) war er als Berichterstatter-Obmann bzw. Schriftführer der Kreisfußballsparte tätig. Grömmer übernahm hier eine Verbandsaufgabe, für die noch keine innerverbandlichen Routinen bestanden. Darüber hinaus wurde er 1929 zum unbesoldeten Bezirksspartenleiter der Fußballsparte im 4. Bezirk (Hagen) gewählt.
Ab Sommer 1928 sah sich Grömmer mit der Spaltung des Arbeitersports vor Ort konfrontiert. Mit Beendigung des 16. ATSB-Bundestages in Leipzig Ende Juni 1928 war der Ausschluss mehrerer 10.000 kommunistisch orientierter Arbeitersportlerinnen und -sportler innerverbandlich vollzogen. Der junge Verbandsfunktionär Grömmer arbeitete in den Folgejahren mit Beharrlichkeit und Konsequenz an einer Lösung: Seinem Heimatverein, dem Freien Turn- und Spielverein (FTSV) Hagen 1896, dem er seit seiner Jugend angehörte, blieb er auch in der Folgezeit als Vereinsfunktionär, unter anderem als 1. Vorsitzender, eng verbunden. Einzig die 33 Mitglieder der Fußballabteilung, der Grömmer angehörte, zeigten sich „bundestreu“ und verhinderten so die drohende Selbstauflösung des Vereins. 1927 war der FTSV noch der mitgliederstärkste Verein in Hagen gewesen, mit 463 Sportlerinnen und Sportlern, darunter 260 Fußballern. Ein Großteil der Vereinsmitglieder war in das sich neu bildende kommunistische Sportvereinsmilieu (spätere Rotsportbewegung) übergewechselt. Insgesamt nahm die Mitgliederzahl im Hagener 4. Bezirk um ein Drittel ab. Kreisweit hatte der ATSB bis zum 1.3.1929 einen Mitgliederverlust von etwa 8.500 Personen und 157 Vereinen zu verzeichnen. Unter Grömmers Regie gelang es, wenn auch stark eingeschränkt, den Spielbetrieb in der Fußballsparte des 4. Bezirks aufrechtzuerhalten und eine Spielserie in der Saison 1928/29 sowie 1929/30 zu organisieren.
Grömmer verkörperte mit seinen persönlichen Eigenschaften den neuen Typus des ATSB-Verbandsfunktionärs, der nicht mehr turnerisch sozialisiert, sondern seit Jugendzeiten sportlich breit aufgestellt war. Insbesondere der Fußballsport übte eine enorme Faszination auf Jugendliche und (männliche) Erwachsene wie ihn aus. Ende der 1920er Jahre wurde vielen journalistisch tätigen ATSB-Presseleuten klar, dass der Fußball in der medialen Selbstdarstellung des ATSB einen weitaus höheren Stellenwert einnehmen müsste, als ihm in der Vergangenheit zugewiesen worden war, wenn man die Massen der Arbeiterschaft mit der eigenen Sportberichterstattung noch erreichen wollte. Schriftleiter der ATSB-Bundesfußballzeitung „Fußballstürmer“ war der besoldete ATSB-Bundesfunktionär und Trainer der Bundesauswahl Robert Riedel (1889-1964), der damit auch Gesamtverantwortlicher für den ATSB-Fußball war. Auf Kreisebene des 6. Kreises leitete der Düsseldorfer ATSB-Funktionär Robert Müller (geboren 1893) als Schriftleiter von 1926-1933 alle redaktionellen Arbeiten des „Volkssports“, des zentralen Presseorgans für den Arbeitersport im 6. Kreis. Ab 1930 war Müller auch als ATSB-Kreis-Berichterstatter-Obmann unmittelbarer Ansprechpartner für Grömmer und Empfänger seiner Fußballberichte aus dem 4. Bezirk. Da Müller seit 1921 auch das Amt des Fußballspielwarts im 7. Bezirk (Düsseldorf) bekleidete, stand er sicher auch auf dieser Verbandsebene in engeren Kontakten zu Grömmer. Zu den Aufgaben Grömmers als Presseobmann zählte auch die Koordinierung der sogenannten ATSB-Spielbörse, bei der Einzelvereine Freundschaftsspiele mit anderen Bundesvereinen zu vereinbaren suchten. Ins journalistische Aufgabenfeld von Grömmer fielen ferner seine nebenberuflichen Zuarbeiten zu den regionalen Tageszeitungen, wie z.B. der „Hagener Volksstimme“, die etwa dreimal pro Woche mit Vor- und Nachberichten über die verschiedenen Aktivitäten des Arbeitersports zu beliefern war. Seit Anfang der 1930er Jahre nahmen diese Berichterstattungen regelmäßig mindestens eine gesamte Seite in der „Volksstimme“ ein und stellten eine eigene Rubrik - „Der Sport“, „Das Sportblatt“ (regionale Berichte) oder „Arbeiter-Sport“ (überregionale Berichte) dar.
Die Berichterstattung auf Bundes- wie Kreisebene bestand für Grömmer überwiegend in einem Ergebnisdienst, der die wöchentlichen Spielergebnisse aus seinem Bezirk weitermeldete und mit sehr knappen redaktionellen Texten kommentierte, wenn es etwa darum ging, von sportlichen Überraschungen oder sonstigen Besonderheiten des Spieltages zu berichten. Die Berichterstattung beschränkte sich in der Regel auf die Spielberichte der höchsten ATSB-Spielklasse auf Gruppen- und Bezirksebene (Sonderklasse) und größere Sportveranstaltungen, wie etwa den Reichsarbeitersporttagen oder Bezirkssportfesten. Seit 1926 finden sich in verschiedenen ATSB-Zeitungen (etwa Arbeiter-Turnzeitung (ATZ), Freie Sportwoche, Volkssport) auch redaktionelle Beiträge von Grömmer, zu sportpolitischen Themen, wobei in der ATSB-Presse nicht alle Beiträge mit einem Autorenhinweis versehen wurden.
Die Sportberichterstattung veränderte sich seit Mitte der 1920er Jahre durch die Ausdifferenzierung der Spielberichte und seit Anfang der 1930er Jahre zusätzlich durch gezielte Namensnennungen bei den Aufstellungen und der ausdrücklichen Benennung von Torschützen oder Spielern mit überragenden Leistungen. Der hannoversche Arbeitersportler und spätere SPD-Spitzenpolitiker Fritz Heine (1904-2002), ab 1928 Propagandachef des SPD-Parteivorstands, listete 1926 als junger Sportjournalist in einer heftigen medial geführten Diskussion in der ATSB-Bundeszeitung „Freie Sportwoche“ die regelmäßige Präsenz des Arbeitersports in 152 Zeitungen aus der Arbeiterbewegung auf. Hintergrund waren die grundlegenden organisatorischen wie inhaltlichen Veränderungen im SPD-Pressewesen, da 1926 unter anderem der Zeitungsdienst der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege im Sozialdemokratischen Pressedienst aufgegangen war. Seitdem wuchs in der organisierten Arbeitersportbewegung der Bedarf an jungen Arbeitersportlern, die die redaktionellen Beiträge für die Tages- und Verbandspresse bereitstellen sollten.
In dieser sich nun neu etablierenden Gruppe junger Arbeitersport-Redakteure, zu denen auch Grömmer gehörte, kann eine zunehmende Bereitschaft festgestellt werden, ein gewisses Maß an „Starkult“ um die herausragenden Arbeiter-Fußballmannschaften und Fußballer zu akzeptieren. Damit vollzog sich auch in der Sportberichterstattung sukzessiv eine Abkehr von eher emotionsarmen und rein sachorientierten Berichten. Die ebenfalls in der Arbeiterschaft zunehmend populärer werdenden Live-Übertragungen von Fußballspielen im Rundfunk beschleunigten diese Veränderungen zusätzlich. Sportreporter am Äther bedienten sich in der unmittelbaren Kommentierung der Spiele weitestgehend nur noch der Namen der Spieler und nicht deren Positionen, die sie laut Aufstellung auf dem Feld einnehmen sollten. Die offizielle Verbandslinie im Arbeitersport, die 1932 in den „Richtlinien über Aufbau und Aufgaben der Berichterstattung im Arbeiter-Turn- und Sportbund“ zum Ausdruck gebracht wurde, blieb hingegen noch weit hinter diesen Entwicklungen vor Ort zurück. Ende April 1933 wurde auch in der preußischen Provinz Westfalen der Arbeitersport verboten und eine Vielzahl seiner Repräsentanten vom NS-Staat verfolgt, darunter auch Grömmer. Im Zuge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde er mehrfach von der Gestapo verhaftet und vorübergehend in Schutzhaft genommen. Nach zeitweiliger, sich der Verfolgungszeit anschließender Arbeitslosigkeit (1933-1935) gelang es Grömmer, in seinem erlernten Beruf in Hagen wieder Fuß zu fassen. Dem Fußballsport blieb Grömmer bis 1939 aktiv treu, dazu hatte er sich nach dem Verbot des FTSV dem SV Hagen 96 angeschlossen. Zu einer Einberufung zum Wehrdienst scheint es erst zum Ende des Krieges gekommen zu sein, als er zum Volkssturm eingezogen wurde.
Im September 1948 wurde Grömmer vom Arnsberger Entnazifizierungsausschuss in die Kategorie V „Entlasteter“ klassifiziert und zudem als politisch Verfolgter ausgewiesen.
Erster Bundestag Landessportbund Nordrhein-Westfalen, Duisburg, Hugo Grömmer am Rednerpult, 7.10.1950. (Landessportbund NRW/ RS84737)
Nach dem Krieg hatte Grömmer maßgeblichen Anteil am Aufbau der Sportstrukturen in Nordrhein-Westfalen. Wie keinem zweiten Sportfunktionär aus der Arbeiterbewegung gelang es ihm auf Landesebene, die verschiedenen gesellschaftspolitischen Entwicklungsprozesse in der neu entstehenden demokratischen Gesellschaft, entscheidend mitzuprägen. Seine Gestaltungsarbeit begann im Mai 1945 im Amt für Arbeiterfragen in Hagen, wo er sich auch als städtischer Sportreferent bewährte. Rückblickend hielt Grömmer dazu fest: Im Juni 1945 ging ich früh morgens durch die Ruinenstadt Hagen, um den Oberstadtdirektor Ewald Sasse aufzusuchen. Ich hatte die Absicht, den Sportbetrieb möglichst schnell in Hagen wieder in Gang zu bringen. Der Oberstadtdirektor unterstützte meine Absichten und besprach mit dem damaligen Stadtkommandanten, Major Alexander, diese Angelegenheit. Wenige Wochen später fand im Ratskeller in Hagen die erste Besprechung der Hagener Turn- und Sportvereine statt. Es war nur erlaubt im Rahmen eines Stadt- oder Landkreises Sport zu betreiben. So haben wir den Betrieb wieder aufgenommen.
Im August 1945 wechselte er auf Betreiben des von den britischen Besatzungsbehörden neu ernannten Regierungspräsidenten Fritz Fries (SPD, 1887-1967) als Sportreferent hauptberuflich zur Bezirksregierung Arnsberg, um dort im November 1945 zum Geschäftsführer für den Volkssport ernannt zu werden. In Arnsberg wohnte Grömmer, in direkter Nachbarschaft von Fries. In dieser Zeit trat Grömmer auch dem Westfälischen Gewerkschaftsbund bei, um 1946 zur Gewerkschaft der öffentliche Betriebe und Verkehr mit der Berufsangabe „Reg. Sportreferent“ zu wechseln.
Das Jahr 1946 war für die weitere sportpolitische Arbeit Grömmers von richtungsweisender Bedeutung. Als Geschäftsführer für Volkssport im Regierungsbezirk Arnsberg, vor allem aber als Vorsitzender des Zonensportrates positionierte sich Grömmer klar gegen die Neugründung der von den Nationalsozialisten aufgelösten und in so genannte Fachämter überführten Sportverbände. Vielmehr plädierte er dafür, die Spitzenpositionen beim Aufbau des demokratischen Sports mit ehemaligen Arbeitersportlern zu besetzen. Im Vorfeld des SPD-Parteitages in Hannover im Mai zählte er zum engeren Kreis von 20 ehemaligen Arbeitersportfunktionären, die ausdrücklich nicht der früheren ATSB-Bundesleitung angehörten. Unter Leitung des Urgesteins der Arbeitersportbewegung Fritz Wildung (1872-1954) diskutierten die Teilnehmenden über sportpolitische Fragen und gaben Wildung so Rückendeckung für sein Auftreten auf dem SPD-Parteitag. Auf dem Parteitag selbst wurde der 74-jährige Wildung zum SPD-Sportreferenten gewählt und mit der Aufgabe betraut, Prozesse einzuleiten, die die Traditionen und Werte des Arbeitersports in einen neuen Einheitssportverband übertragen sollten. Ebenfalls Mai 1946 erfolgte seine Wahl zum Sekretär des Zonensportrates der Britischen Zone.
Das nächste Treffen der Arbeitersportfunktionäre aus den Westzonen fand Ende September 1946 in Frankfurt am Main statt. Bei diesem Treffen legte Wildung die neue politische Linie der SPD dar, bei der auf eine Neugründung der Arbeitersportbewegung in Deutschland verzichtet werden sollte. Diese Argumentation wurde von den beteiligten SPD-Sportfunktionären aus den Westzonen, darunter auch Grömmer, ausdrücklich geteilt. Die auf dieser Tagung gefassten Vereinbarungen gingen als „Frankfurter Beschlüsse“ in die Sportgeschichte ein. Seit Herbst 1946 wurde in Funktionärskreisen vor allem die Frage einer Nachfolge für Wildung diskutiert, bei der neben Heinrich Sorg (1898-1963) auch der Name Hugo Grömmer gehandelt wurde. Nachdem aber Sorg auf der Frankfurter Arbeitersporttagung zum Nachfolger Wildungs gewählt worden war, positionierte sich Grömmer bis zum Jahreswechsel in zentralen sportpolitischen Fragen neu. Letztlich führte dies zu einem Bruch in seinem Verhältnis zu vielen seiner Mitstreiter aus der Arbeitersportbewegung: Diese Zäsur lässt sich vor allem an dem zentralen Streit über die Wahl zwischen dem regionalen und dem fachverbandlichen Sportorganisationsprinzip festmachen. Grömmer hatte sich bisher massiv gegen eine Wiedergründung der Fachverbände ausgesprochen und sich vor allem auch für die Einhaltung strikter Entnazifizierungsregeln bei der Reintegration ehemaliger Sportführer aus den Organisationen des Nationalsozialistischen Reichsbunds für Leibesübungen (NSRL) eingesetzt. Überraschend für viele Mitstreiter schwenkte Grömmer auf die fachverbandliche Linie des einflussreichen DFB-Funktionärs Peco Bauwens ein, der 1947 zum ersten Präsidenten des Landesportsbundes Nordrhein-Westfalen (LSB NRW) gewählt wurde. Gemeinsam mit ihm bereitete Grömmer die Gründung des Dachverbandes in Nordrhein-Westfalen nach dem Fachverbandsprinzip vor. Ein Jahr später wurde Grömmer in Hagen zum stellvertretenden Vorsitzenden des neu gegründeten Landessportbundes Nordrhein-Westfalen (LSB NRW) gewählt.
Von 1948 bis1955 war Grömmer zusätzlich hauptamtlicher Geschäftsführer des LSB NRW in Arnsberg. Seit 1947 zeigte sich Grömmer auch verantwortlich für den Aufbau der Sporthilfe im Sozial-werk des LSB NRW, die er bis 1957 als Vorsitzender leitete. Ferner war Grömmer maßgeblich an den Planungen und dem Aufbau der Landessportschule Hachen (Sundern) sowie der Sportheilstätte in Hellersen (Lüdenscheid) involviert. Seine Frau Grete war zudem von 1953-1963 Heimleiterin der Hachener Jugendbildungsstätte.
Auch beim 1950 neu gegründeten Deutschen Sportbund (DSB) war die fachliche Expertise von Grömmer gefragt, als er von 1951 bis 1956 das Amt eines Beisitzers im DSB-Präsidium innehatte. 1949 übernahm er zudem wieder ein Ehrenamt auf Vereinsebene, als er sich an seinem neuen Lebensmittelpunkt zum 2. Vorsitzenden des SV Arnsberg 09 wählen ließ.
Journalistisch wurde Grömmer auch in der Nachkriegszeit noch einmal vorübergehend tätig als Mitherausgeber der Zeitung „Sport-Beobachter“, später eine der führenden Sportzeitungen im Ruhrgebiet (1948-1974). Er musste diese Tätigkeit allerdings einige Jahre später auf Geheiß der Bezirksregierung Arnsberg wegen Unvereinbarkeit mit seinem Amt wieder aufgeben.
In seiner hauptamtlichen sportpolitischen Arbeit im LSB NRW setzte er sich nun konsequent für die Umsetzung des Fachverbandsprinzips in Nordrhein-Westfalen ein und wurde dafür von Bauwens zum Vorsitzenden des Vorbereitenden Ausschusses zur Konstituierung des LSB NRW vorgeschlagen. Sein sportpolitisches Engagement nach seiner Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden des LSB NRW 1947 zielte vor allem gegen das Einheitsverbandsprinzip.
Sein besonderes Augenmerk widmete Grömmer in der Nachkriegszeit auch der Verbandsjugendarbeit. So war er als Mitglied des LSB NRW-Präsidiums auch in dessen Jugendausschuss vertreten, wo er vor allem für die Bedeutung des Sports bei der demokratischen Erziehung der Jugend warb. Dieser sport- und gesellschaftspolitischen Zielsetzung Grömmers ist auch sein intensives Engagement beim Aufbau der Jugendferienlagerbewegung der Sportjugend NRW geschuldet.
Grömmer konnte das Verhältnis zu seinen ehemaligen Mitstreitern nicht mehr harmonisieren. Zu dem 1960 von Robert Riedel mitgegründeten Freundeskreis ehemaliger Arbeitersportler, der sich insbesondere um die Bewahrung der Traditionen und der Kulturzeugnisse der Arbeitersportbewegung bemühte, fand Grömmer keinen Zugang. Auch das über die 1960er Jahre hinaus fortbestehende Netzwerk ehemaliger ATSB-Funktionäre, darunter führende sportpolitische Köpfen wie Heinrich Sorg, Oskar Drees (1889-1968), Robert Riedel, Fritz Heine und Herbert Dass (1901-1982), scheint Grömmer ignoriert zu haben.
Grömmer starb -seit mehreren Jahren gesundheitlich geschwächt - 1963 im Alter von nur 60 Jahren während eines Vortrags in Bielefeld an Herzversagen. In seinem Todesjahr wurde er Ehrenmitglied des LSB NRW. 1966 ist ihm posthum das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen worden. Ein Segelkanu (Baujahr 1956) mit der Segelnummer G 26 mit Heimathafen Berlin ist nach ihm benannt worden.
Der Beitrag wurde im Rahmen des Projekts „Der Landessportbund NRW und sein Führungspersonal: Biographien – Geschichte – Erinnerung“ in das Portal Rheinische Geschichte aufgenommen.
Werke
Grömmer, Hugo: Demokratie und Sport! Neubau oder Restauration! Arnsberg o.J. (1947).
Archivquellen
LAV NRW R, NW 1093 Nr. 3687, Entnazifizierung Hugo Groemmer, geb. 11.12.1903 (Sportreferent).
Literatur
Deutscher Sportbund (Hg.): Die Gründerjahre des Deutschen Sportbundes. Wege aus der Not zur Einheit, Bd.2, Schorndorf 1991, S.33-36.
Geschäftsstelle des LSB NW / Grömmer, Hugo (Hg.): 10 Jahre Landessportbund Nordrhein-Westfalen, Jahresbericht 1955, Arnsberg 1956.
Mevert, Friedrich: 50 Jahre Deutscher Sportbund. Geschichte, Entwicklung, Persönlichkeiten, Hoya 2000, (Schriftenreihe des Niedersächsischen Instituts für Sportgeschichte Hoya, Bd. 15), S. 181-182.
Scharenberg, Swantje: Die Konstruktion des öffentlichen Sports und seiner Helden in der Tagespres-se der Weimarer Republik, Paderborn 2012.
Strych, Eduard: Der westdeutsche Sport in der Phase der Neugründung 1945-1950, Schorndorf 1975.
Grete Busch und Hugo Grömmer, undatiert. (Landessportbund NRW)
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Stiller, Eike, Hugo Grömmer, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/hugo-groemmer/DE-2086/lido/684a9dde938308.96553837 (abgerufen am 15.01.2026)
Veröffentlicht am 03.07.2025, zuletzt geändert am 09.12.2025