Johann Friedrich Benzenberg

Naturwissenschaftler, Unternehmer und Politiker (1777-1846)

Michael Wiescher (Notre Dame, Indiana)

Johann Friedrich Benzenberg, um 1834, Schwarz-Weiß-Abbildung des Gemäldes von Bodo von Hopfgarten im Stadtmuseum Düsseldorf. (Gemeinfrei)

Jo­hann Fried­rich Ben­zen­berg spiel­te in den ers­ten Jahr­zehn­ten des 19. Jahr­hun­derts ei­ne wich­ti­ge Rol­le in Po­li­tik und Wis­sen­schaft des Rhein­lands. Er be­wun­der­te Na­po­le­on und ko­ope­rier­te eng mit der fran­zö­si­schen Ver­wal­tung de­s Gro­ßher­zog­tums Berg beim Er­stel­len des Ka­tas­ters im Rhein­land. Nach dem Zu­sam­men­bruch der fran­zö­si­schen Herr­schaft galt der Frei­geist als der ers­te rhei­ni­sche Li­be­ra­le, der die In­ter­es­sen sei­ner Hei­mat in zahl­rei­chen Denk­schrif­ten und Ein­ga­ben nach Ber­lin zu schüt­zen such­te. Er woll­te dem Rhein­land ei­ne ei­gen­stän­di­ge Rol­le als neu er­wor­be­ner Be­stand­teil Preu­ßens si­chern und reg­te Ver­bes­se­run­gen der Ver­fas­sungs-, Steu­er- und Fi­nanz­po­li­tik Preu­ßens an. Dar­in be­zog er sich, oft weit­schwei­fend, auf ger­ma­ni­sche und mit­tel­al­ter­li­che Ur­sprün­ge und Tra­di­tio­nen wie auch auf neu­es­te sta­tis­ti­sche Er­he­bun­gen und Ana­ly­sen zu Grund­be­sitz und Steu­er­we­sen. In der Wis­sen­schaft be­schäf­tig­te er sich in vie­len Bei­trä­gen mit phy­si­ka­li­schen Fra­gen zu Me­cha­nik, Akus­tik, Op­tik und Wär­me­leh­re, be­kannt und auch be­rüch­tigt für manch un­kon­ven­tio­nel­le Ide­en. Ben­zen­berg ver­öf­fent­lich­te zahl­lo­se wis­sen­schaft­li­che Ar­bei­ten und Ar­ti­kel zu ihm in­ter­es­sant er­schei­nen­den as­tro­no­mi­schen und phy­si­ka­li­schen Phä­no­me­nen. Von sei­nen po­li­ti­schen, öko­no­mi­schen und ge­sell­schaft­li­chen Ar­bei­ten zog er sich oft zu­rück und such­te Zu­flucht im Ex­pe­ri­men­tie­ren und Be­ob­ach­ten. Da­bei ging es ihm we­ni­ger um die wis­sen­schaft­li­chen Er­geb­nis­se, son­dern mehr um die Ent­wick­lung des In­stru­men­ta­ri­ums. Heu­te sind sei­ne Bei­trä­ge so­wohl in Po­li­tik als auch Wis­sen­schaft weit­ge­hend ver­ges­sen, al­len­falls als Ku­rio­sum am Ran­de zeit­ge­schicht­li­cher Aus­füh­run­gen ver­merkt.

Jo­hann Fried­rich Ben­zen­berg wur­de am 5.5.1777 in Schöl­ler bei El­ber­feld (heu­te Stadt Wup­per­tal) im Her­zog­tum Berg ge­bo­ren. Er war der ein­zi­ge Sohn des re­for­mier­ten Pfar­rers Hein­rich Ben­zen­berg (1744-1809) und des­sen Frau Jo­han­na Eli­sa­beth ge­bo­re­ne Fu­es (1759-1841). Das un­kon­ven­tio­nel­le Den­ken sei­nes Va­ters präg­te den Sohn. Hein­rich Ben­zen­berg ver­trat die An­sicht, dass sich die lu­the­ri­schen und re­for­mier­ten Glau­bens­ge­mein­schaf­ten ver­ei­ni­gen soll­ten. In ei­ner 1803 er­schie­ne­nen Schrift such­te er die Bi­bel mit den neu­en wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­sen zu ver­ei­ni­gen.

Der jun­ge Ben­zen­berg stu­dier­te auf Wunsch des Va­ters 1794 Theo­lo­gie in Her­born und wech­sel­te 1795 nach Mar­burg. Dort rea­li­sier­te er sein Des­in­ter­es­se an Theo­lo­gie und sei­nen Hang zu wis­sen­schaft­li­chen Fra­gen. Am 27.10.1797 schrieb er sich ge­gen den Wil­len des Va­ters an der Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen ein, um un­ter dem be­kann­ten Pro­fes­sor Ge­org Chris­toph Lich­ten­berg (1742-1799) Na­tur­kun­de zu stu­die­ren.

Der Be­such des Wit­ten­ber­ger Phy­si­kers Ernst Flo­rens Fried­rich Chlad­ni (1756-1827) bei Lich­ten­berg reg­te Ben­zen­berg zur Fra­ge des Ur­sprungs von Me­teo­ri­ten und Me­teo­ri­ten­schau­ern an – ein The­ma, das ihn zeit­le­bens um­trieb. Er be­ob­ach­te­te sie sys­te­ma­tisch zu­sam­men mit sei­nem Kom­mi­li­to­nen Hein­rich Wil­helm Bran­des (1777-1834) und be­stimm­te ih­re Hö­he mit­tels tri­go­no­me­tri­scher Mes­sun­gen. Da­mit wur­de zum ers­ten Mal die bis da­hin vor­herr­schen­de Mei­nung wi­der­legt, dass Stern­schnup­pen ähn­lich wie Blit­ze at­mo­sphä­ri­sche Er­schei­nun­gen sei­en, und ver­deut­licht, dass es sich um ein ex­tra­ter­res­tri­sches Phä­no­men han­de­le. Ben­zen­berg glaub­te wie Lich­ten­berg, dass Stern­schnup­pen durch Vul­ka­ne her­aus­ge­schleu­der­tes Mond­ge­stein sei­en, das die Er­de bom­bar­die­re.

Das Ver­mes­sen von Stern­schnup­pen lie­fer­te ihm auch die Idee, Stern­schnup­pen, die mit ei­ner ge­wis­sen Re­gel­mä­ßig­keit ka­men, als al­ter­na­ti­ve Mög­lich­keit für die Na­vi­ga­ti­on zu un­ter­su­chen. Dies er­for­der­te die Ver­län­ge­rung der Stand­li­nie, um die Ob­jek­te aus ver­schie­de­nen Win­keln zu ver­mes­sen. Ben­zen­berg und Bran­des schu­fen ein ers­tes Netz­werk aus Na­tur­for­schern in ver­schie­de­nen Ge­gen­den Deutsch­lands, die ih­re Be­ob­ach­tun­gen zeit­gleich zu ko­or­di­nie­ren such­ten. 

Ben­zen­bergs wis­sen­schaft­lich ak­tivs­te Zeit lag zwi­schen 1801 und 1805. Nach der Pro­mo­ti­on un­ter­rich­te­te er am Er­zie­hungs­in­sti­tut für hö­he­re Töch­ter der Schrift­stel­le­rin und Er­zie­he­rin Ca­ro­li­ne Ru­dol­phi (1753-1811). Die­se Ham­bur­ger Jah­re wid­me­te er ei­nem wei­te­ren Ex­pe­ri­ment, das die von Isaac New­ton (1642-1726) theo­re­tisch vor­her­ge­sag­te Erd­ro­ta­ti­on ex­pe­ri­men­tell be­stä­ti­gen soll­te. Zu die­sem Zweck wähl­te er den Kirch­turm von St. Mi­chae­lis, den höchs­ten Punkt der Um­ge­bung, um von des­sen Hö­he in­nen ei­ne spe­zi­al­ge­fer­tig­te Blei­ku­gel fal­len zu las­sen. Aus der Ab­wei­chung von der senk­rech­ten Fall­li­nie woll­te er die Ge­schwin­dig­keit der Erd­ro­ta­ti­on er­rech­nen. Das Ex­pe­ri­ment war er­folg­reich, doch der Chro­no­me­ter maß nicht ex­akt ge­nug für ein ein­deu­ti­ges Er­geb­nis in­ner­halb des in­stru­men­tel­len Un­si­cher­heits­be­reichs. 

Sei­ne Ar­beit trüb­te je­doch ein Skan­dal: Ben­zen­berg un­ter­hielt in Ham­burg ein pla­to­ni­sches Ver­hält­nis zu der 24 Jah­re äl­te­ren Di­rek­to­rin und gleich­zei­tig ein we­ni­ger pla­to­ni­sches mit der Schü­le­rin Do­ris Ol­bers, der Toch­ter des be­kann­ten As­tro­no­men Hein­rich Wil­helm Ol­bers (1758-1840). Dies führ­te zur frist­lo­sen Ent­las­sung.

Ben­zen­berg kehr­te 1803 nach Düs­sel­dor­f zu­rück, um sei­ne wis­sen­schaft­li­chen Er­geb­nis­se zum Fall­ver­such auf­zu­zeich­nen und in ei­nem tie­fen Berg­werks­schacht bei Wet­ter an der Ruhr wei­ter er­folg­reich zu ex­pe­ri­men­tie­ren. An­schlie­ßend reis­te er nach Pa­ris, um sich dort über den tech­ni­schen Fort­schritt und die ak­tu­ells­ten Ent­wick­lun­gen im neu­en Kai­ser­reich zu in­for­mie­ren. In die­ser Zeit sah sich Ben­zen­berg aber auch mehr in die ört­li­che Po­li­tik ver­strickt – nicht oh­ne ei­ge­ne Schuld, denn er kri­ti­sier­te öf­fent­lich die ers­ten und sei­ner An­sicht nach un­pro­fes­sio­nel­len Ver­su­che der kur­fürst­li­chen Re­gie­rung, ein Ka­tas­ter für die ge­rech­te­re Be­steue­rung von Land­be­sit­zern zu er­stel­len. Er leg­te der baye­ri­schen Re­gie­rung in Mün­chen ei­nen ei­ge­nen Plan vor und wur­de ge­gen den Wi­der­stand der ört­li­chen Bü­ro­kra­tie als Lei­ter des Ka­tas­ter­amts in Düs­sel­dorf be­stellt. In nur drei Jah­ren soll­te er das Ka­tas­ter er­stel­len – zu­erst un­ter der baye­ri­schen, ab 1807 un­ter der fran­zö­si­schen Re­gie­rungs­be­hör­de des Gro­ßher­zog­tums Berg. Ben­zen­berg be­gann sein am­bi­tio­nier­tes Pro­gramm, ver­fass­te aber auch meh­re­re Lehr­bü­cher zur ma­the­ma­tisch-geo­me­tri­schen Me­tho­dik des Ka­tas­ters, um die Mit­ar­bei­ter und Land­ver­mes­ser aus­rei­chend zu schu­len. Nach­dem Na­po­le­ons Schwa­ger Joa­chim Mu­rat (1767-1815) von Düs­sel­dorf als Kö­nig nach Nea­pel ging, ver­lor Ben­zen­berg sei­ne Für­spre­cher: Das Pro­gramm wur­de ein­ge­stellt.

Fi­nan­zi­ell be­deu­te­te das kei­nen gro­ßen Ver­lust. 1807 hat­te Ben­zen­berg Char­lot­te Platz­hoff (1789-1809) aus rei­cher El­ber­fel­der Kauf­manns­fa­mi­lie ge­hei­ra­tet und war da­durch selbst wohl­ha­bend ge­wor­den. Ben­zen­berg ge­noss das un­ab­hän­gi­ge Le­ben mit sei­ner jun­gen Frau und kon­zen­trier­te sich in den fol­gen­den Jah­ren auf die Fer­tig­stel­lung sei­ner Auf­zeich­nun­gen zum Ka­tas­ter. Je­doch starb Char­lot­te nur zwei Jah­re spä­ter an der Schwind­sucht. Erst nach ei­ni­ger Zeit er­hol­te Ben­zen­berg sich von sei­nem Ver­lust und wand­te sich wie­der den Na­tur­wis­sen­schaf­ten zu, et­wa der Ent­wick­lung neu­er und ver­bes­ser­ter In­stru­men­te zur Zeit­be­stim­mung, der Mes­sung ver­schie­de­ner Hö­hen­la­gen im Sie­ben­ge­bir­ge, des ba­ro­me­tri­schen Drucks und der Schall­ge­schwin­dig­keit. Im Dach­ge­schoß sei­nes Hau­ses in Düs­sel­dorf rich­te­te er ei­ne pri­va­te Stern­war­te ein, aus­ge­stat­tet mit den neu­es­ten und teu­ers­ten In­stru­men­ten. Auf ei­ner Rei­se in die Schweiz un­ter­nahm er wei­te­re Hö­hen­mes­sun­gen und be­such­te die bes­ten In­stru­men­ten­bau­er im süd­li­chen Deutsch­land. 

En­de 1811 kauf­te er mit dem On­kel sei­ner Frau, Jo­hann Ja­kob Platz­hoff (1769–1843), das ehe­ma­li­ge Kreuz­her­ren­klos­ter in Brüg­gen für 6.000 Francs, um die Ge­bäu­de zur Ent­wick­lung ei­ner Zu­cker­fa­brik nut­zen. Die­se Plä­ne schei­ter­ten mit dem Zu­sam­men­bruch der na­po­leo­ni­schen Herr­schaft. Ben­zen­berg schweb­te auch die Er­rich­tung ei­ner grö­ße­ren Stern­war­te vor. Seit 1814 leb­te er für ei­ni­ge Jah­re auf dem Gut, um sich ne­ben wei­te­ren Ex­pe­ri­men­ten zu Schall­ge­schwin­dig­keit und Theo­rie der Ga­se mehr und mehr sei­nem wach­sen­den In­ter­es­se an wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Fra­gen zu wid­men.

Er wur­de Kor­re­spon­dent des Rhei­ni­schen Mer­kurs, leb­te für zwei Jah­re in Pa­ris und be­rich­te­te von dort über die po­li­ti­schen Ver­hält­nis­se und Wand­lun­gen im post-na­po­leo­ni­schen Frank­reich. Die Zei­ten hat­ten sich ge­än­dert, das Na­po­leo­ni­sche Reich war ver­schwun­den, teil­wei­se zu Ben­zen­bergs Be­dau­ern. Er be­ob­ach­te­te das Be­stre­ben der sieg­rei­chen Fürs­ten, die li­be­ra­len Ent­wick­lun­gen und Ge­setz­ge­bun­gen der na­po­leo­ni­schen Zeit zu­rück­zu­schrau­ben und hoff­te auf ei­ne bes­se­re, bür­ger­lich-li­be­ra­le Zu­kunft statt der sich ab­zeich­nen­den Re­stau­ra­ti­on. Ben­zen­berg be­grü­ß­te so­gar die Rück­kehr Na­po­le­ons von El­ba, da des­sen auf­ge­klär­ter Ver­wal­tungs­staat ihm bes­ser er­schien als re­stau­ra­ti­ve Fürs­ten­herr­schaft. Nach Na­po­le­ons end­gül­ti­ger Ver­ban­nung ent­fal­te­te er ei­ne in­ten­si­ve Pu­bli­ka­ti­ons­tä­tig­keit, die von po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Sor­gen ge­trie­ben war. Er for­der­te ei­ne Ver­fas­sung, wie sie der preu­ßi­sche Kö­nig Fried­rich Wil­helm III. (Re­gent­schaft 1797-1840) ver­spro­chen hat­te und auf den er gro­ße Re­form­hoff­nun­gen setz­te. Zwi­schen 1816 und 1820 leg­te er zahl­rei­che und um­fang­rei­che Schrif­ten zum Ver­fas­sungs-, Fi­nanz- und Steu­er­we­sen in ver­schie­de­nen deut­schen Staa­ten vor, ins­be­son­de­re im nun preu­ßi­schen Rhein­land. Da­zu ge­hör­te auch sei­ne Kri­tik am preu­ßi­schen Geld­haus­halt und Fi­nanz­sys­tem. Sei­ne Zei­tungs­be­rich­te zu Han­del und Wan­del gab er 1819 als Buch her­aus. Dar­in ver­mi­schen sich nai­ves Zu­rück­bli­cken auf das freie Acker­bau­ern­tum im Ger­ma­ni­en des Ta­ci­tus und den Auf­ga­ben der mit­tel­al­ter­li­chen Reichs­rit­ter­schaft un­ter star­kem Kö­nig­tum mit fast so­zia­lis­ti­schen Vor­stel­lun­gen zur Auf­he­bung der Fa­brik­ar­beit. Ein Jahr­hun­dert spä­ter wur­de er als Vor­kämp­fer ei­nes un­ab­hän­gi­gen rhei­ni­schen Li­be­ra­lis­mus be­grif­fen, aber sei­ne Vor­stel­lun­gen wa­ren wohl mehr ei­ne Mix­tur ro­man­ti­scher Ide­en mit wirt­schafts- und steu­er­po­li­tisch li­be­ra­len Hoff­nun­gen. Ben­zen­berg knüpf­te Kon­tak­te in Ber­lin und zu rhei­ni­schen Po­li­ti­kern. In die­sen Jah­ren muss­te sein In­ter­es­se an der Na­tur­wis­sen­schaft hin­ter den po­li­ti­schen und fi­nan­zi­el­len Nö­ten Preu­ßens und des Rhein­lands zu­rück­ste­hen. Sei­ne Kri­ti­ken und Vor­schlä­ge wur­den in Ber­lin nicht im­mer freund­lich auf­ge­nom­men: Ben­zen­berg ge­riet mehr und mehr in die Rol­le ei­nes nör­geln­den Au­ßen­sei­ters.

 

Trotz sei­ner in­ten­si­ven pu­bli­zis­ti­schen Tä­tig­keit ex­pe­ri­men­tier­te Ben­zen­berg wei­ter. Er un­ter­such­te die Aus­deh­nung ver­schie­de­ner Me­tal­le un­ter dem Ein­fluss von Wär­me, sei­ne Er­geb­nis­se ver­öf­fent­lich­te er aber nicht, ganz im Ge­gen­satz zu frü­he­ren Jah­ren. Im Fe­bru­ar 1824 un­ter­nahm er auf der Hei­de bei Brüg­gen bal­lis­ti­sche Ver­su­che, um die Bahn von Ku­gel­ge­schos­sen ge­nau zu ver­mes­sen und den Luft­wi­der­stand zu er­mit­teln. Da­bei ver­letz­te er sich durch ei­nen un­glück­li­chen Schuss an Bein und Hüf­te: Sein Hüft­kno­chen wur­de ge­schä­digt. Ei­ne lan­ge Ge­ne­sungs­zeit folg­te, aber der stets un­ste­te Ben­zen­berg schon­te sich nicht und er­litt wohl des­halb ei­nen Mo­nat spä­ter ei­nen Schlag­an­fall, der zu le­bens­lan­ger Be­hin­de­rung führ­te.

Erst 1830 rück­ten wie­der na­tur­wis­sen­schaft­li­che Fra­gen in den Vor­der­grund. Ben­zen­berg ver­öf­fent­lich­te Ar­bei­ten zur Dal­ton’schen Theo­rie, ei­nem der gro­ßen The­men der Zeit. Sei­ne In­ter­pre­ta­ti­on der Dal­ton’schen Gas­ge­set­ze wur­de je­doch weit­ge­hend zu­rück­ge­wie­sen. Die Na­tur­wis­sen­schaft hat­te sich wei­ter­ent­wi­ckelt, aber Ben­zen­berg kehr­te zum The­ma sei­ner Ju­gend zu­rück, den Stern­schnup­pen. 1834 und noch­mal 1839 ver­öf­fent­lich­te er Schrif­ten, in de­nen er er­neut sei­ne Ide­en zu Her­kunft und Phy­sik der Stern­schnup­pen zu­sam­men­fass­te und wie­der den Ge­dan­ken vom Mond­ge­stein vor­brach­te. Ob­wohl Jo­hann Wolf­gang von Goe­the (1749-1832) selbst im Faust II die­ser Idee ei­ne Zei­le ge­wid­met hat­te (Zei­len 7925 ff., 7938/7939), galt die­se In­ter­pre­ta­ti­on in­zwi­schen als über­holt, Carl Fried­rich Gauß (1777-1855) wie auch Ol­bers wand­ten sich da­ge­gen und ver­tra­ten die The­se vom kos­mi­schen Ur­sprung der Stern­schnup­pen.

Die­se Op­po­si­ti­on frü­he­rer Freun­de ver­bit­ter­te Ben­zen­berg und mo­ti­vier­te ihn, sich end­lich sei­nen Traum ei­ner ei­ge­nen pro­fes­sio­nel­len Stern­war­te zu er­fül­len, die er in Düs­sel­dorf-Bilk bau­en ließ. Er rüs­te­te sie mit den wich­tigs­ten In­stru­men­ten und Ge­rä­ten aus, die er zum Be­ob­ach­ten von Stern­schnup­pen und Auf­su­chen klei­ner Pla­ne­ten für er­for­der­lich hielt. 1845 zog er selbst nach Bilk in sei­ne Stern­war­te. Im April 1846 setz­te Ben­zen­berg ein neu­es Tes­ta­ment auf mit der Stadt Düs­sel­dorf als Al­lein­er­bin sei­ner Stern­war­te und stif­te­te 7.300 Ta­ler zum de­ren Un­ter­halt und für das Ge­halt ei­nes haupt­amt­li­chen As­tro­no­men. Mit­ten im Auf­bau die­ses letz­ten Werks starb Jo­hann Fried­rich Ben­zen­berg am 7.6.1846 in Düs­sel­dorf-Bilk. Die Stern­war­te blieb bis 1937 in Be­trieb, je­doch wur­de das Ge­bäu­de 1943 durch ei­ne Bom­be zer­stört.

Schriften

Ue­ber die Be­stim­mung der geo­gra­phi­schen Län­ge durch Stern­schnup­pen, Ham­burg 1802.
Nach­richt von Ver­su­chen, wel­che im Ham­bur­ger St. Mi­chae­lis­thur­me über den Fall der Kör­per zum Be­wei­se der Ach­sen­um­dre­hung der Er­de, im Gros­sen an­ge­stellt wer­den, in: An­na­len der Phy­sik 11 (1802), S. 169-174.
Ver­su­che über die Um­dre­hung der Er­de, Dort­mund 1804. Brie­fe. Ge­schrie­ben auf ei­ner Rei­se nach Pa­ris im Jah­re 1804, 2 Bän­de, Dort­mund 1805, 1806.
Hö­hen­mes­sun­gen im Sie­ben­ge­bir­ge, in: An­na­len der Phy­sik 35 (1810), S. 187-205. An­fangs­grün­de der Re­chen­kunst und Geo­me­trie für Land­schu­len, Düs­sel­dorf 1810.
Ver­su­che über die Ge­schwin­dig­keit des Schalls, in: An­na­len der Phy­sik 35 (1810), S. 383-406.
Be­schrei­bung ei­nes ein­fa­chen Rei­se­ba­ro­me­ters, Düs­sel­dorf 1811.
Brie­fe ge­schrie­ben auf ei­ner Rei­se durch die Schweiz im Jah­re 1810, Düs­sel­dorf, 1811, 1812.
Ue­ber den Ein­fluß der Dal­ton’schen Theo­rie auf die Leh­re von der Ge­schwin­dig­keit des Schalls, vom Hö­hen­mes­sen mit dem Ba­ro­me­ter, von der Eu­dio­me­trie und von der Strah­len­bre­chung, in: An­na­len der Phy­sik 42 (1812), S. 155-196.
Die hö­he­re Re­chen­kunst und ebe­ne und sphä­ri­sche Tri­go­no­me­trie. Düs­sel­dorf, Schrei­ner, 1813.
Über das Ca­tas­ter, 2 Bän­de, Bonn 1818, 1824.
Über Pro­vin­zi­al-Ver­fas­sung mit be­son­de­rer Rück­sicht auf die vier Län­der: Jü­lich, Cle­ve, Berg und Mark, Hamm 1819.
Ue­ber Han­del und Ge­wer­be, Steu­ern und Zöl­le, El­ber­feld 1819.
Über Preu­ßens Geld­haus­halt und Neu­es Steu­er­sys­tem, 1820.
Fried­rich Wil­helm der Drit­te, Leip­zig 1821.
Die Stern­schnup­pen sind Stei­ne aus den Mond­vul­ka­nen, Bonn 1834.
Die Stern­schnup­pen, Ham­burg 1839. 

Literatur

Baum, Da­ja­na, Jo­hann Fried­rich Ben­zen­berg (1777-1846), Düs­sel­dorf 2008. Ben­zen­berg, Hein­rich, Das al­ler­leich­test und ein­zi­ge Mit­tel die Pro­tes­tan­ten zu ver­ei­ni­gen, Ger­ma­ni­en [El­ber­feld] 1802.
Ben­zen­berg, Hein­rich, Bib­li­sche Ent­de­ckun­gen. Be­mer­kun­gen und An­sich­ten, El­ber­feld 1803. 
Heyder­hoff, Ju­li­us, Jo­hann Fried­rich Ben­zen­berg, der ers­te rhei­ni­sche Li­be­ra­le, Düs­sel­dorf 1909.
Lan­ge, Wolf­gang, Ben­zen­berg in Düs­sel­dorf, in: Wolfschmidt, Gu­drun (Hg.), As­tro­no­mi­sches Mä­ze­na­ten­tum, Ham­burg 2008, S. 52-61.
Per­rey, Gu­drun, Das Le­ben der Ca­ro­li­ne Ru­dol­phi, Schrift­stel­le­rin, Zeit­ge­nos­sin. Hei­del­berg 2010.
Wie­scher, Mi­cha­el, Jo­hann Fried­rich Ben­zen­berg als Na­tur­for­scher zwi­schen Re­vo­lu­ti­on und Re­stau­ra­ti­on, in: Düs­sel­dor­fer Jahr­buch 89 (2019), S. 9-65.  

Plan der Sternwarte in Düsseldorf-Bilk. (Teilnachlass Benzenberg, Bestand der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, Signatur. slg/50/dok/15)

 
Zitationshinweis

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Wiescher, Michael, Johann Friedrich Benzenberg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johann-friedrich-benzenberg/DE-2086/lido/63ca74e5533eb9.83637233 (abgerufen am 21.03.2023)