Johannes Eugen Hau OSB

Benediktinerpater, Kirchenhistoriker, Archivar (1899-1951)

Birgit Bernard (Heidelberg)

Johannes Hau, undatiert. (Benediktinerabtei St. Matthias)

Das wis­sen­schaft­li­che Le­bens­werk des Be­ne­dik­ti­ners und Kir­chen­his­to­ri­kers Jo­han­nes Hau war die Er­for­schung der Ge­schich­te der Ab­tei St. Eu­cha­ri­us / St. Mat­thi­as in Trier und der Mat­thi­as­wall­fahrt. Als Geg­ner des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus en­ga­gier­te er sich im Wi­der­stand ge­gen das NS-Re­gime.

Jo­han­nes Hau wur­de am 18.3.1899 in Frank­furt am Main in ei­ne ver­mö­gen­de ka­tho­li­sche Fa­mi­lie ge­bo­ren, die aus dem Ort Bür­gel (heu­te ein Orts­teil von Of­fen­bach am Main) stamm­te. Über sei­ne frü­hen Jah­re ist nur we­nig be­kannt. Nach dem Ab­itur nahm er zu­nächst ein Stu­di­um an der Land­wirt­schaft­li­chen Hoch­schu­le in Stutt­gart-Ho­hen­heim auf, das ihm je­doch nicht zu­sag­te. Statt­des­sen im­ma­tri­ku­lier­te er sich an der Uni­ver­si­tät Frank­furt am Main für die Fä­cher Na­tio­nal­öko­no­mie und Ge­schichts­wis­sen­schaft. Schon wäh­rend sei­ner Stu­di­en­zeit fand er Ge­fal­len an ar­chiv­fach­li­chen und kir­chen­his­to­ri­schen Fra­gen. Ins­be­son­de­re wid­me­te er sich der Ge­schich­te des im Land­kreis Of­fen­bach ge­le­ge­nen Zis­ter­zi­en­se­rin­nen­klos­ters Pa­ter­shau­sen so­wie der Be­ne­dik­ti­ner­ab­tei St. Eu­cha­ri­us / St. Mat­thi­as in Trier. Die Be­schäf­ti­gung mit der Ge­schich­te der Ab­tei St. Mat­thi­as soll­te zu sei­nem Le­bens­werk wer­den. 

Wäh­rend des Stu­di­ums mach­te Hau die Be­kannt­schaft mit dem Main­zer Stu­den­ten Ernst Mar­tin Schrei­ber (1892-1967). Die­ser stu­dier­te eben­falls Ge­schich­te und war wie Hau Mit­glied der ka­tho­li­schen Ver­bin­dung KDStV Ba­de­nia (Straß­burg). Es ent­wi­ckel­te sich ei­ne le­bens­lan­ge Freund­schaft; wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges ar­bei­ten die bei­den Män­ner Hand in Hand im Wi­der­stand ge­gen das NS-Re­gime. Wann Hau sei­ne geist­li­che Be­ru­fung er­fuhr, ist nicht ganz klar. Er trat ins Bi­schöf­li­che Pries­ter­se­mi­nar in Mainz ein und wur­de am 20.3.1926 in der Se­mi­nar­kir­che von Bi­schof Lud­wig Ma­ria Hu­go (1871-1935) zum Pries­ter ge­weiht. Ei­nen Tag dar­auf, am 21.3.1926 las er sei­ne ers­te Hei­li­ge Mes­se in der Ab­tei­kir­che von St. Mat­thi­as. 1927 wur­de er in den Kon­vent auf­ge­nom­men und am 24.2.1928 leg­te er die Pro­fess ab.  

In den nun fol­gen­den Jah­ren wirk­te Jo­han­nes Hau als Ar­chi­var und Bi­blio­the­kar der Ab­tei und pro­fi­lier­te sich in zahl­rei­chen Pu­bli­ka­tio­nen als Kir­chen­his­to­ri­ker. Sein be­son­de­res Au­gen­merk galt der Ge­schich­te der Ab­tei St. Mat­thi­as so­wie der Ge­schich­te der Matt­hei­ser Wall­fahrt und der St. Mat­thi­as­bru­der­schaf­ten von den An­fän­gen im 12. bis zum 18. Jahr­hun­dert. Ein sie­ben­bän­di­ges Ur­kun­den­buch der Ab­tei St. Mat­thi­as blieb un­ver­öf­fent­licht.

Wei­te­re Schwer­punk­te sei­ne Ar­beit wa­ren die Ha­gio­gra­phie mit Wer­ken zu den Hei­li­gen Wil­li­bror­dus (um 658-739) und Ma­xi­min (En­de 3. Jh. -346) so­wie den „Hei­li­gen von St. Mat­thi­as in ih­rer Ver­eh­run­g“, ei­ne Pu­bli­ka­ti­on aus dem Jah­re 1933, die sich ne­ben den Haupt­pa­tro­nen der Ab­tei mit zahl­rei­chen wei­te­ren dort ver­ehr­ten Hei­li­gen wie bei­spiels­wei­se dem Hei­li­gen Cel­sus (gest. um 146) be­fass­te. Ab­ge­se­hen da­von galt sein In­ter­es­se der re­li­giö­sen Volks­kun­de des Trie­rer Rau­mes und der Ech­ter­nach­er Spring­pro­zes­si­on, der Bau­ge­schich­te der Ab­tei Tho­ley so­wie der Ge­schich­te des Ro­sen­kranz­ge­be­tes. Er­wähnt sei auch die Mit­her­aus­ge­ber­schaft am St.-Mat­thi­as-Bo­ten so­wie die Be­treu­ung der St. Mat­thi­as­bru­der­schaf­ten als Pil­ger­pa­ter.

Als die Ab­tei St. Mat­thi­as 1941 von der Ge­sta­po ge­schlos­sen wur­de, über­sie­del­te Pa­ter Hau nach Wies­ba­den, wo er sich eben­falls als Ar­chi­var und Bi­blio­the­kar be­tä­tig­te. Aus die­ser Zeit da­tie­ren Stu­di­en zur Hes­sen-Nas­saui­schen Ge­schich­te, die nach Kriegs­en­de pu­bli­ziert wur­den, dar­un­ter et­wa ei­ne Ge­schich­te sei­nes Her­kunfts­or­tes Bür­gel im Früh­mit­tel­al­ter. Wäh­rend des Auf­ent­hal­tes in Wies­ba­den war Jo­han­nes Hau dar­über hin­aus seel­sor­ge­risch tä­tig. 

Zu­sam­men mit Ernst Mar­tin Schrei­ber en­ga­gier­te sich Hau an der Schnitt­stel­le zwi­schen mi­li­tä­ri­schem und kirch­li­chem Wi­der­stand ge­gen das NS-Re­gime in ei­ner „an­ti­na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ar­beits­ge­mein­schaf­t“. Da­bei er­hielt Hau von Schrei­ber, der in­zwi­schen als Of­fi­zier beim Rüs­tungs­kom­man­do in Wies­ba­den tä­tig war und das NS-Re­gime als „Ei­ter­beu­le“ be­zeich­ne­te, streng ge­hei­me In­for­ma­tio­nen über den Stand der Rüs­tungs­in­dus­trie. Die­se In­for­ma­tio­nen spiel­te Hau in sein bis nach Frank­reich rei­chen­des Netz­werk. Hier­zu nahm er im Ju­li 1945 in ei­nem für die Ent­na­zi­fi­zie­rung Schrei­bers be­stimm­ten Schrei­ben Stel­lung: „Ich ver­brei­te­te die Nach­rich­ten an wei­te Krei­se, auch nach Loth­rin­gen und ins El­sass. Du hast eben­falls Nach­rich­ten an Met­zer Freun­de ge­bracht.“ Dem en­gen Kon­takt mit Schrei­ber ver­dank­te die Ab­tei St. Mat­thi­as of­fen­bar auch die Ret­tung von Tei­len der Klos­ter­bi­blio­thek. Hier­zu hei­ßt es: „So hast Du ei­ne gros­se Men­ge Bü­cher, die un­se­rer Ab­tei St. Mat­thi­as ge­hö­ren, lau­fend in Si­cher­heit ge­bracht.“ Nä­he­re In­for­ma­tio­nen über die sub­ver­si­ve Tä­tig­keit Haus feh­len al­ler­dings, da sich we­der im Ar­chiv der Ab­tei St. Mat­thi­as, das sei­nen Nach­lass auf­be­wahrt, ent­spre­chen­de Quel­len zu dem Vor­gang fin­den.

Nach Kriegs­en­de kehr­te Jo­han­nes Hau nach St. Mat­thi­as zu­rück, half beim Wie­der­auf­bau der Ab­tei und wirk­te als Seel­sor­ger. Er starb am 6.12.1951 in Trier. Jo­han­nes Hau war Mit­glied der Ge­sell­schaft für Rhei­ni­sche Ge­schichts­kun­de und der His­to­ri­schen Kom­mis­si­on für Nas­sau. 

Werke (Auswahl)

St. Wil­li­brordt, Saar­brü­cken 1932.

St. Mat­thi­as-Ge­bet­buch, Saar­brü­cken 1933.

Die Hei­li­gen von St. Mat­thi­as in ih­rer Ver­eh­rung, Saar­brü­cken 1933.

Neu­müns­ter-ott­wei­ler. Saar­bü­cken 1934.

St. Ma­xi­mi­nus, Saar­brü­cken 1935.

Vill­mar. Grund­herr­schaft, Vog­tei, Pfar­rei, Lim­burg 1936.

El­säs­si­sche Pil­ger am Trie­rer Apos­tel­grab, in: Ge­sell­schaft für El­säs­si­sche Kir­chen­ge­schich­te 11 (1936), S. 119-136.

(Mitarb.), Die Erz­bru­der­schaft des hl. Mat­thi­as in Ge­schich­te und Ge­gen­wart, Trier 1936.
Zur Volks­kul­tur des Trie­rer Rau­mes, in: Jahr­buch für Volks­kun­de 2 (1937), S. 270-290.

Der Ro­sen­kranz in Ver­gan­gen­heit und Jetzt­zeit, Trier 1938. Her­mann Jo­hann Bär (1742-1814), in: Nas­saui­sche Le­bens­bil­der 3 (1948), S. 165-170.

(Mitarb.), 800 Jah­re St. Mat­thi­as­kir­che in Trier, Trier 1948.

Die St. Mat­thi­as­ver­eh­rung im Rhein­gau wäh­rend des 12. Jahr­hun­derts, Mainz 1948.
Bür­gel um das Jahr 800, Mainz 1948.

Aus dem Alt­matt­hei­ser Wun­der­buch, Trier 1949.

(Mitarb.), Das al­te christ­li­che Wies­ba­den, Wies­ba­den 1949.

Die Ech­ter­nach­er Spring­pro­zes­si­on, in: Trie­ri­sches Jahr­buch 1 (1950), S. 101-105.

An­to­ni­us von Trier, Abt von Tho­ley (1582-1617), in: Trie­ri­sches Jahr­buch 4 (1953), S. 106-112. 

Unveröffentlichte Manuskripte

St. Wil­li­brord und die Rhein­lan­de.

Ur­kun­den­buch der Ab­tei St. Mat­thi­as (7 Bde.)

Bibliographie

Baye­ri­sche Be­ne­dik­ti­ner­aka­de­mie (Hg.), Bi­blio­gra­phie der deutsch­spra­chi­gen Be­ne­dik­ti­ner 1880-1980, Bd. II, 1987 S. 840-841.

Literatur

Bram­mertz, Eu­gen, P. Jo­han­nes Hau, O.S.B. (1899-1951), in: Trie­ri­sches Jahr­buch 4 (1953), S.114-115.

Ries, Her­mann, P. Jo­han­nes Hau, OSB, Mönch der Ab­tei St. Mat­thi­as zu Trier (gest. 1951), in: Ar­chiv für Mit­tel­rhei­ni­sche Kir­chen­ge­schich­te 5 (1953), S. 393. 

 
Zitationshinweis

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Bernard, Birgit, Johannes Eugen Hau OSB, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johannes-eugen-hau-osb/DE-2086/lido/6628c9f5809459.10454193 (abgerufen am 26.06.2024)