Johannes (Hans) Fuchs

Regierungspräsident von Trier, Oberpräsident der Rheinprovinz (1874–1956)

Joachim Lilla (Krefeld)

Johannes Fuchs (erster v. l.) neben Paul von Hindenburg. (Stadtarchiv Trier, Bildsammlung 1 Nr. 8/37)

Hans Fuchs war ein ho­her preu­ßi­scher Ver­wal­tungs­be­am­ter, der, ab­ge­se­hen von den Jah­ren 1914 bis 1919, in der Rhein­pro­vinz wirk­te und 1922-1933 ihr Ober­prä­si­dent war. Selbst wenn sei­ne Lauf­bahn im Gro­ßen und Gan­zen ge­rad­li­nig und un­spek­ta­ku­lär war, rück­ten ihn die Zeit­läu­fe doch in be­stimm­ten Jah­ren, vor al­lem 1923, in die Nä­he auch der gro­ßen Po­li­tik.

Jo­han­nes (Hans) Fuchs wur­de am 30.9.1874 in Bi­cken­dorf (heu­te Ei­fel­kreis Bit­burg-Prüm) ge­bo­ren. Sei­ne El­tern wa­ren der Land­wirt Ni­ko­laus Fuchs und Mar­ga­re­tha ge­bo­re­ne Lam­ber­ty. Die Fa­mi­lie war ka­tho­lisch. 1899 leg­te Hans Fuchs am Gym­na­si­um in Prüm die Rei­fe­prü­fung ab, stu­dier­te dann, ent­ge­gen dem el­ter­li­chen Wunsch, die geist­li­che Lauf­bahn ein­zu­schla­gen, Rechts­wis­sen­schaft in Inns­bruck, Ber­lin un­d Bonn. Er war Mit­glied der Ka­tho­li­schen Stu­den­ten­ver­ei­ni­gung As­ka­nia im KV. Nach der ers­ten ju­ris­ti­schen Staats­prü­fung wur­de er am 20.7.1899 zum Ge­richts­re­fe­ren­dar er­nannt und leis­te­te sei­nen Vor­be­rei­tungs­dienst im Be­zirk des Ober­lan­des­ge­richts Köln bei Ge­rich­ten und Be­hör­den in Bit­burg, TrierDüs­sel­dorf und Köln. In der Zwi­schen­zeit ab­sol­vier­te er sei­nen Mi­li­tär­dienst als Ein­jäh­rig-Frei­wil­li­ger bei der In­fan­te­rie in Gie­ßen. Am 9.2.1904 wur­de er zum Ge­richt­s­as­ses­sor er­nannt; in die­ser Stel­lung war er bei Ge­rich­ten in Düs­sel­dorf, Neuss und Ha­gen tä­tig.

Ob­wohl ihm ei­ne Stel­le als Staats­an­walt an­ge­bo­ten wur­de, be­warb Fuchs sich um ei­ne Ver­wen­dung in der land­wirt­schaft­li­chen Ver­wal­tung – mög­li­cher­wei­se sah er dort bes­se­re Auf­stiegs­chan­cen. Am 23.2.1906 trat er in die Lan­des­kul­tur­ver­wal­tung ein, zu­nächst zur Ein­ar­bei­tung bei der Ge­ne­ral­kom­mis­si­on in Düs­sel­dorf. Zum 1.10.1906 über­nahm er die Stel­le ei­nes Spe­zi­al­kom­mis­sars und Lei­ters der Spe­zi­al­kom­mis­si­on der Lan­des­kul­tur­ver­wal­tung in Adenau; in die­ser Stel­lung wur­de er am 30.7.1912 zum Re­gie­rungs­rat er­nannt. Als Spe­zi­al­kom­mis­sar ob­la­gen ihm un­ter an­de­rem Auf­ga­ben der Flur­be­rei­ni­gung und der Zu­sam­men­le­gun­gen. Dank sei­nes dort rasch er­wor­be­nen An­se­hens wur­de er in den Kreis­aus­schuss des Krei­ses Adenau ge­wählt und zum Kreis­de­pu­tier­ten be­stellt. 1913 er­folg­te sei­ne Ver­set­zung als Spe­zi­al­kom­mis­sar nach Düs­sel­dorf und als Lei­ter der dor­ti­gen Spe­zi­al­kom­mis­si­on. 

Mit Aus­bruch des Ers­ten Welt­krie­ges leis­te­te er als Ober­leut­nant und Kom­pa­nie­füh­rer Kriegs­dienst an der West­front. Nach ei­ner Ver­schüt­tung an Weih­nach­ten 1914 und an­schlie­ßen­der Re­kon­va­les­zenz wur­de er, mitt­ler­wei­le zum Haupt­mann be­för­dert, im Sep­tem­ber 1915 als Hilfs­re­fe­rent in das preu­ßi­sche Kriegs­mi­nis­te­ri­um ein­be­ru­fen. Am 22.6.1916 hei­ra­te­te er in Ber­lin-Wil­mers­dorf Hed­wig Liertz (1879–1954).

Im Kriegs­mi­nis­te­ri­um war er un­ter an­de­rem mit Fra­gen der Kriegs­er­näh­rung be­schäf­tigt, wur­de dann in das in die­sem Mi­nis­te­ri­um am 1. No­vem­ber er­rich­te­te Krieg­s­amt, das vor al­lem zur Zen­tra­li­sie­rung der Kriegs­wirt­schaft dien­te und für al­le Be­rei­che der wirt­schaft­li­chen Mo­bi­li­sie­rung, aber auch für die Or­ga­ni­sa­ti­on der Ar­beits- und Dienst­pflicht zu­stän­dig war, kom­man­diert. Am 16.3.1918 wech­sel­te er als stän­di­ger Hilfs­ar­bei­ter in das preu­ßi­sche Mi­nis­te­ri­um für Land­wirt­schaft, Do­mä­nen und Fors­ten. Dort er­folg­te be­reits am 9.8.1918 die Er­nen­nung zum Ge­hei­men Re­gie­rungs­rat und Vor­tra­gen­den Rat, al­so zum Mi­nis­te­ri­al­rat nach spä­te­rem und noch heu­ti­gem Ver­ständ­nis. Ei­ne Kar­rie­re in der preu­ßi­schen Land­wirt­schafts­ver­wal­tung zeich­ne­te sich ab; die­se wur­de aber durch die am 20.12.1919 aus­ge­spro­che­ne Er­nen­nung zum Re­gie­rungs­prä­si­den­ten in Trier auf ei­ne an­de­re Bahn um­ge­lei­tet. Das preu­ßi­sche Staats­mi­nis­te­ri­um war be­strebt, die lei­ten­den Ver­wal­tungs­stel­len, dar­un­ter die der Re­gie­rungs­prä­si­den­ten, fort­an durch de­mo­kra­tisch ein­ge­stell­te Be­am­te zu be­set­zen und auch re­gio­na­le und kon­fes­sio­nel­le Be­son­der­hei­ten zu be­ach­ten. So wur­de Fuchs be­reits im Ju­ni 1919 für ei­ne mög­li­che Ver­wen­dung als Re­gie­rungs­prä­si­dent in Trier ins Au­ge ge­fasst und nach Frei­wer­den der Stel­le auch er­nannt.

Für sei­ne Tä­tig­keit im agra­risch struk­tu­rie­ren Trie­rer Be­zirk qua­li­fi­zier­te ihn ne­ben Her­kunft, Kon­fes­si­on und Zen­trums­nä­he auch sei­ne Er­fah­rung in der Land­wirt­schafts­ver­wal­tung. In das neue Amt wur­de er - als ers­ter Ka­tho­lik an der Spit­ze der Trie­rer Re­gie­rung - am 16.1.1920 ein­ge­führt. Ne­ben dem lau­fen­den Ver­wal­tungs­ge­schäft sah er sich mit den von der fran­zö­si­schen Be­sat­zung eif­rig ge­för­der­ten se­pa­ra­tis­ti­schen Be­stre­bun­gen kon­fron­tiert. Es wur­de von ihm auch er­war­tet, „das Staats- und Na­tio­nal­be­wu­ßt­sein der der Be­völ­ke­rung zu stär­ken und zu stüt­zen“.[1] 

Wie sehr er die in ihn ge­setz­ten Er­war­tun­gen im schwie­ri­gen Trie­rer Be­zirk er­füll­te, be­weist, dass ihn nach we­ni­ger als drei Jah­ren in die­ser Stel­lung, am 16.9.1922, das preu­ßi­sche Staats­mi­nis­te­ri­um zum neu­en Ober­prä­si­den­ten der Rhein­pro­vinz er­nann­te. Der plötz­li­che Tod des Ober­prä­si­den­ten Ru­dolf von Groo­te am 10.5.1922 hat­te hef­ti­ge Dis­kus­sio­nen um die Neu­be­set­zung der Stel­le ent­facht, da ne­ben dem Zen­trum auch die SPD An­sprü­che auf die Stel­le er­hob. Trotz al­lem schlug der so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche preu­ßi­sche Mi­nis­ter des In­nern, Carl Se­ve­ring (1875–1952), be­reits am 17.7.1922 dem Staats­mi­nis­te­ri­um Hans Fuchs als Ober­prä­si­dent vor. Das Staats­mi­nis­te­ri­um er­mäch­tig­te ihn be­reits am fol­gen­den Ta­ge, sich we­gen der Er­nen­nung des Trie­rer Re­gie­rungs­prä­si­den­ten Fuchs zum Ober­prä­si­den­ten der Rhein­pro­vinz mit dem Pro­vin­zi­al­aus­schuss in Ver­bin­dung zu set­zen.[2] Des­sen Ein­ver­neh­men war seit 1920 bei der Er­nen­nung der Ober­prä­si­den­ten ein­zu­ho­len. Fuchs wur­de am 16. Sep­tem­ber er­nannt und am 14. Ok­to­ber durch Mi­nis­ter Se­ve­ring in sein Amt ein­ge­führt. Al­ler­dings war sein Wir­ken im neu­en Amt zu­nächst von kur­zer Dau­er. Am 2.2.1923, kurz nach der Be­set­zung des Ruhr­ge­biets, er­öff­ne­te Paul Ti­rard, Prä­si­dent der In­te­r­al­li­ier­ten Rhein­land­kom­mis­si­on, dem rhei­ni­schen Ober­prä­si­den­ten ei­nen Aus­wei­sungs­be­schluss we­gen ver­meint­li­cher Ver­stö­ße ge­gen Be­stim­mun­gen der Be­sat­zungs­be­hör­den. Fuchs be­gab sich zu­nächst nach Frank­furt am Main, dann nach Wetz­lar, wo er im Land­rats­amt ei­ne Ne­ben­stel­le des Ober­prä­si­di­ums ein­rich­te­te und mit sei­ner Pro­vinz so gut es ging in Kon­takt zu blei­ben ver­such­te. Bei der Bil­dung der Re­gie­rung Stre­se­mann im Au­gust 1923 wur­de Fuchs zu­nächst als Reichs­mi­nis­ter des In­nern vor­ge­se­hen, über­nahm dann aber aus Pro­porz­grün­den das neu er­rich­te­te Reichs­mi­nis­te­ri­um für die be­setz­ten Ge­bie­te, für das er dank sei­ner Ver­traut­heit mit den Rhein­lan­den ei­ne her­aus­ra­gen­de Be­set­zung war.

In die­ser Stel­lung er­gab sich die au­ßer­ge­wöhn­li­che staats­recht­li­che Si­tua­ti­on, dass ein ak­ti­ver preu­ßi­scher Staats­be­am­ter zu­gleich das Amt ei­nes Reichs­mi­nis­ters in­ne­hat­te. Reichs­mi­nis­ter durf­ten, so hieß es im Reichs­mi­nis­ter­ge­setz vom 27.3.1930 (§ 7 Abs. 1), „ne­ben dem Mi­nis­ter­amt kei­ne Be­schäf­ti­gung be­rufs­mä­ßig aus­üben“. Am 13. Au­gust wur­de er mit der Wahr­neh­mung der Ge­schäf­te des 14 Ta­ge spä­ter förm­lich er­rich­te­ten Mi­nis­te­ri­ums be­auf­tragt und am 27. Au­gust zum Reichs­mi­nis­ter er­nannt. Fuchs war bis 1929 der ein­zi­ge re­gu­lä­re Mi­nis­ter die­ses Res­sort, in der Fol­ge­zeit wur­de die Lei­tung des Mi­nis­te­ri­ums stets ei­nem an­de­ren Reichs­mi­nis­ter über­tra­gen. Nach sei­nem Aus­schei­den aus dem Amt als Reichs­mi­nis­ter (23.11.1923) kehr­te er nach Wetz­lar zu­rück und über­nahm, nach Auf­he­bung der Aus­wei­sung, am 8.9.1924 wie­der die Amts­ge­schäf­te in Ko­blenz. In den fol­gen­den Jah­ren ging es in der Rhein­pro­vinz un­ter an­de­rem um den schritt­wei­sen Ab­zug der al­li­ier­ten Be­sat­zun­gen aus den drei Zo­nen (1926, 1929 und 1930). Bei den Be­su­chen des Reichs­prä­si­den­ten Paul von Hin­den­burg (1847–1934, Reichs­prä­si­dent 1925-1934) in den nun­mehr un­be­setz­ten Ge­bie­ten ge­hör­te der Ober­prä­si­dent der Rhein­pro­vinz stets zu des­sen Be­glei­tung.

Aus der wei­te­ren Ver­wal­tungs­tä­tig­keit von Ober­prä­si­dent Fuchs sei­en drei Be­rei­che ge­nannt, die ihm be­son­ders am Her­zen la­gen: die Für­sor­ge für Land­wirt­schaft und Wein­bau mit zahl­rei­chen Öd­land­kul­ti­vie­run­gen und Me­lio­ra­tio­nen, der Ein­satz des 1931 ge­grün­de­ten Frei­wil­li­gen Ar­beits­diens­tes so­wie Pla­nung und Be­ginn von Schutz­bau­ten vor al­lem am Rhein nach den Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phen 1924 und 1926.

Sei­ne Ver­diens­te in und um die Pro­vinz wür­dig­ten die Städ­te Ko­blenz (1929) und Trier (1930) durch die Ver­lei­hung der Eh­ren­bür­ger­wür­de. Gu­te, wenn nicht freund­schaft­li­che Be­zie­hun­gen be­stan­den zwi­schen Fuchs und dem Köl­ner Ober­bür­ger­meis­ter Kon­rad Ade­nau­er, der un­ter an­de­rem als Vor­sit­zen­der des Pro­vin­zi­al­aus­schus­ses ei­ne be­deu­ten­de po­li­ti­sche Rol­le in der Rhein­pro­vinz spiel­te.

Nach der Macht­über­nah­me der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten war der dem Zen­trum zu­zu­rech­nen­de Ober­prä­si­dent Fuchs auf Dau­er nicht halt­bar, be­son­ders da er sich auch ge­wei­gert hat­te, ein von der der NS­DAP we­gen des Ab­drucks ei­nes Auf­rufs ka­tho­li­scher Ver­bän­de (im Vor­feld der Wah­len im März 1933) ge­for­der­tes Ver­bot der ka­tho­li­schen Pres­se vor­zu­neh­men. Durch Be­schluss des preu­ßi­schen Staats­mi­nis­te­ri­ums (Kom­mis­sa­re des Reichs) vom 25.3.1933 wur­de er mit so­for­ti­ger Wir­kung einst­wei­lig in den Ru­he­stand ver­setzt[3], nicht be­ur­laubt, wie ge­le­gent­lich zu le­sen ist. Die Pres­se (z.B. Kre­fel­der Zei­tung Nr. 137, 27.3.1933) be­rich­te­te dar­über völ­lig neu­tral, oh­ne je­den Hin­weis auf po­li­ti­sche Hin­ter­grün­de, in­for­mier­te le­dig­lich über die Tat­sa­che an sich. Die end­gül­ti­ge Ver­set­zung in den Ru­he­stand er­folg­te zum 1.7.1933.[4] 

Fuchs schrieb an­läss­lich sei­nes un­frei­wil­li­gen Aus­schei­dens an Il­de­fons Her­we­gen, Abt von Ma­ria Laach: „Es wird mir au­ßer­or­dent­lich schwer, die­se Maß­nah­me zu ver­ste­hen, weil ich doch mein gan­zes Le­ben lang mei­ne bes­te Kraft in den Dienst von Va­ter­land und Volk ge­stellt ha­be und da­durch al­le Zei­ten hin­durch mit in­ners­ter Über­zeu­gung die Zie­le ver­folgt ha­be, die die der­zei­ti­ge Re­gie­rung sich ge­stellt hat. Ich fü­ge mich in mein Schick­sal, weil ich in­ner­lich über­zeugt bin, dass nichts oh­ne Got­tes Wil­len ge­schieht.“[5] Fuchs über­sie­del­te nach Co­chem, wo er sich im Vor­ort Condt ein Haus bau­te. Dort leb­te er zu­rück­ge­zo­gen mit sei­ner Frau, in ge­le­gent­li­chem schrift­li­chen und per­sön­li­chen Kon­takt mit al­ten Weg­ge­fähr­ten, wie et­wa Ade­nau­er, und über­stand die Jah­re des „Drit­ten Rei­ches“ er­kenn­bar oh­ne Be­läs­ti­gung durch die brau­nen Macht­ha­ber. Die SD-„Über­sicht füh­ren­der Män­ner der Sys­tem­zeit“ (Ju­ni 1939) ver­merk­te über sein Ver­hal­ten nach 1933: „Lebt heu­te in Co­chem-Kond. […] hält en­ge Ver­bin­dun­gen zu füh­ren­den ka­tho­li­schen Krei­sen in Trier.“[6] 

Nach dem Ein­marsch der Ame­ri­ka­ner er­nann­ten die­se ihn am 1.4.1945 zum Re­gie­rungs­prä­si­den­ten in Ko­blenz und be­reits am 30.4.1945 zum Ober­prä­si­den­ten des kurz­le­bi­gen „Rhi­ne-Pro­vin­ce-Mi­li­ta­ry-Distric­t“ mit Sitz in Bad Tö­nis­stein. Die­se per­so­nel­le Ent­schei­dung der Ame­ri­ka­ner war nicht über­ra­schend, stand Fuchs doch an ers­ter Stel­le der „Wei­ßen Lis­te“, in der aus Sicht der Ame­ri­ka­ner po­li­tisch un­be­las­te­te Deut­sche nach­ge­wie­sen wa­ren, für „Ruhr-Rhein­lan­d“, noch vor dem an zwei­ter Stel­le ste­hen­den Ade­nau­er. Der „Rhi­ne-Pro­vin­ce-Mi­li­ta­ry-Distric­t“ soll­te ne­ben der Rhein­pro­vinz die Rhein­pfalz, Rhein­hes­sen und das Saar­land um­fas­sen. Die­ser Zu­schnitt blieb je­doch Theo­rie, denn be­reits am 9. Mai wur­de (eben­falls von den Ame­ri­ka­nern) Her­mann Hei­me­rich (1885–1963) als Ober­re­gie­rungs­prä­si­dent die Lei­tung des Ver­wal­tungs­be­zirks „West­mark-Süd­hes­sen“ be­zie­hungs­wei­se „Pro­vinz Saar­land-Pfalz-Süd­hes­sen“ über­tra­gen. Zwi­schen bei­den Ver­wal­tungs­be­zir­ken war die Zu­ge­hö­rig­keit der Re­gie­rungs­be­zir­ke Ko­blenz und Trier strit­tig. Die­ses Pro­blem wur­de dann aber auf an­de­re Art ge­löst. Mit der Ein­rich­tung der Be­sat­zungs­zo­nen er­folg­te am 20.6.1945 die Tei­lung der Rhein­pro­vinz. Am sel­ben Ta­ge er­nann­te Oberst John A. Bar­ra­cloigh (1894–1981) von der bri­ti­schen Mi­li­tär­re­gie­rung Fuchs zum Ober­prä­si­den­ten der neu ge­bil­de­ten Nord-Rhein­pro­vinz, die die Re­gie­rungs­be­zir­ke Düs­sel­dorfKöln und Aa­chen um­fass­te. Sitz des neu­en Ober­prä­si­di­ums war zu­nächs­t Bonn, dann Düs­sel­dorf. Der Auf­bau der Be­hör­de in Düs­sel­dorf brauch­te sei­ne Zeit, so­dass sie erst ab Au­gust 1945 stär­ker in Er­schei­nung tre­ten konn­te. Ei­ne ih­rer Grund­la­gen war die vor­ma­li­ge Ver­wal­tung des Pro­vin­zi­al­ver­ban­des der Rhein­pro­vinz in Düs­sel­dorf. Die Pro­vin­zi­al­re­gie­rung be­stand aus den Ab­tei­lun­gen: All­ge­mei­ne In­ne­re Ver­wal­tung, Er­näh­rung und Land­wirt­schaft, Fi­nan­zen, Jus­tiz, Kul­tur, Öf­fent­li­che Ar­bei­ten, Öf­fent­li­che Ge­sund­heit, Volks­wohl­fahrt, Wie­der­auf­bau, Wirt­schaft. Ober­prä­si­dent Fuchs, dem die Er­hal­tuing der ge­sam­ten Rhein­pro­vinz am Her­zen lag, ver­such­te wäh­rend sei­ner Amts­zeit, das Be­wusst­sein für die Un­na­tür­lich­keit der Tren­nung auf­recht­zu­er­hal­ten und Be­zie­hun­gen zum in der fran­zö­si­schen Be­sat­zungs­zo­ne ge­le­ge­nen süd­li­chen Teil der vor­ma­li­gen Rhein­pro­vinz her­zu­stel­len. Er muss­te aber fest­stel­len, dass we­der die bri­ti­schen noch die fran­zö­si­schen Be­sat­zungs­be­hör­den dar­an in­ter­es­siert wa­ren. Am 3.10.1945 wur­de Fuchs auf knapp-mi­li­tä­ri­sche Art von den Bri­ten aus sei­nem Amt ent­las­sen. Ver­mu­tun­gen, die Bri­ten ver­däch­tig­ten ihn se­pa­ra­tis­ti­scher Ab­sich­ten, sind nicht halt­bar. Es ging den Bri­ten nur dar­um, das von den Ame­ri­ka­nern ein­ge­setz­te Per­so­nal durch sol­ches, ei­ge­ner Wahl zu er­set­zen. Fuchs war kein Ein­zel­fall, ein an­de­res pro­mi­nen­tes Bei­spiel war der Köl­ner Ober­bür­ger­meis­ter Kon­rad Ade­nau­er, den die Bri­ten am 6. Ok­to­ber aus dem Ant ent­fern­ten.

Fuchs trat er­neut in den Ru­he­stand und zog wie­der nach Co­chem. Er blieb aber wei­ter im öf­fent­li­chen Le­ben tä­tig: am 29.12.1947 wur­de er Prä­si­dent des Lan­des­ver­ban­des Rhein­land-Pfalz des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes, 1950 zu­gleich Vor­sit­zen­der des Prä­si­di­al­rats des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes. Der Papst er­nann­te ihn zum Rit­ter des Gro­ßkreu­zes des Hl. Paps­tes Gre­gor, Bun­des­prä­si­dent Theo­dor Heuss (1884–1963) ver­lieh ihm ei­ne der höchs­ten Stu­fen des Ver­dienst­or­dens der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, das Gro­ße Ver­dienst­kreuz mit Stern und Schul­ter­band. Hans Fuchs starb am 9.9.1956 in Co­chem.  

Quellen

MBliV.: Mi­nis­te­ri­al­blatt der preu­ßi­schen in­ne­ren Ver­wal­tung 1933, Teil I, Ber­lin 1933.

Prot­PrStM: Die Pro­to­kol­le des Preu­ßi­schen Staats­mi­nis­te­ri­ums 1817–1934/38, Band 11: 14. No­vem­ber 1918 bis 31. März 1925, be­arb. von Ger­hard Schul­ze (Ac­ta Bo­rus­si­ca Neue Fol­ge, 1. Rei­he), Hil­des­heim [u.a.] 2002.

Der Nach­lass be­fin­det sich im Lan­des­haupt­ar­chiv Ko­blenz (LHA­Ko Best. 700, 040).

Literatur

Men­sing, Hans Pe­ter (Be­arb.), Ade­nau­er im Drit­ten Reich (Ade­nau­er. Rhön­dor­fer Aus­ga­be), Ber­lin 1991.

Dor­f­ey, Bea­te, Die Tei­lung der Rhein­pro­vinz und die Ver­su­che zu ih­rer Wie­der­ver­ei­ni­gung (1945–1956). Das Rhein­land zwi­schen Tra­di­ti­on und Neu­ori­en­tie­rung, Köln 1993.

Heyen, Franz Jo­sef, Hans Fuchs, in: Först, Wal­ter (Hg.), Po­li­tik und Land­schaft, Köln 1965, S. 169–175. Ro­meyk, Horst, Klei­ne Ver­wal­tungs­ge­schich­te Nord­rhein-West­fa­lens, Sieg­burg 1987.

Ro­meyk, Horst, Die lei­ten­den staat­li­chen und kom­mu­na­len Ver­wal­tungs­be­am­ten der Rhein­pro­vinz 1816–1945, Düs­sel­dorf 1994, S. 454-455.

Ro­meyk, Horst, Ver­wal­tungs- und Be­hör­den­ge­schich­te der Rhein­pro­vinz, Düs­sel­dorf 1985.

Schulz, Gün­ther (Hg.), Kon­rad Ade­nau­er 1917–1933. Do­ku­men­te aus den Köl­ner Jah­ren, Köln 2007.

Steh­käm­per, Hu­go (Hg.), Kon­rad Ade­nau­er. Ober­bür­ger­meis­ter von Köln. Fest­ga­be der Stadt Köln zum 100. Ge­burts­tag ih­res Eh­ren­bür­gers am 5. Ja­nu­ar 1976, Köln 1976.

Online

Saar­län­di­sche Bio­gra­phi­en (22.09.2019). [On­line]

 
Anmerkungen
  • 1: Heyen, S. 171.
  • 2: ProtPrStM 11/1, S. 307.
  • 3: MBliV. 1933 I, S. 385.
  • 4: MBliV. 1933 I, S. 791.
  • 5: Heyen, S. 174.
  • 6: Mensing, S. 497.
Zitationshinweis

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Lilla, Joachim, Johannes (Hans) Fuchs, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johannes-hans-fuchs/DE-2086/lido/60420d3f58d327.77326085 (abgerufen am 07.02.2023)