Margarete von Hochstaden

Gräfin von Berg (um 1230-1314)

Andrea Stieldorf (Bonn)

Bergischer Löwe, seit 1225 Wappen der Grafen, ab 1380 Herzöge von Berg (zurückgehend auf den Löwen der Herzöge von Limburg).

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Mar­ga­re­te von Hoch­sta­den war die Ge­mah­lin Graf Adolfs IV. von Berg (Re­gie­rungs­zeit 1247-1259). In der zwei­ten Hälf­te des 13. Jahr­hun­derts spiel­te sie für ei­ni­ge Jah­re ei­ne wich­ti­ge Rol­le in der Ge­schich­te des Rhein­lan­des, weil sie nach dem To­de ih­res Man­nes die Re­gie­rungs­ge­schäf­te für ih­ren min­der­jäh­ri­gen Sohn Adolf V. (Re­gie­rungs­zeit 1259-1296) über­nahm.

Wann Mar­ga­re­te als Toch­ter des Gra­fen Lo­thar I. von Hoch­sta­den (ge­stor­ben 1222) und des­sen Frau Mecht­hild (auch Mat­hil­de) von Vi­an­den ge­bo­ren wur­de, ist nicht be­kannt; ver­mut­lich liegt ihr Ge­burts­da­tum um 1230. Ihr To­des­da­tum 1314 ist hin­ge­gen durch das Me­mo­ri­en­buch der Zis­ter­zi­en­ser­ab­tei Al­ten­berg (heu­te Ge­mein­de Oden­thal) si­cher be­zeugt.

In der Zeit der Mar­ga­re­te von Berg um­fass­te die Graf­schaft Berg den Raum zwi­schen dem Un­ter­lauf der Ruhr als Nord­gren­ze, der Sieg als Süd­gren­ze und dem Rhein als West­gren­ze. Im­mer­hin war die Ent­wick­lung hin zu ei­nem Ter­ri­to­ri­um schon so weit ge­die­hen, dass man die Graf­schaft als Gan­zes be­griff: Vom ge­sam­ten Land der Graf­schaft Berg (to­ti­us terre et co­me­tie de Mon­te) ist in ei­ner Ur­kun­de von 1247 die Re­de, von der noch zu spre­chen sein wird. Ei­ne „Haupt­stadt“ be­zie­hungs­wei­se ei­nen zen­tra­len Re­si­denz­ort hat­te die Graf­schaft frei­lich nicht.

Wie vie­le hoch­ade­li­ge Fa­mi­li­en des spä­ten Mit­tel­al­ters ver­füg­ten die Gra­fen von Berg über meh­re­re Bur­gen und Häu­ser, in de­nen sie leb­ten und von de­nen aus sie ih­ren Herr­schafts­kom­plex re­gier­ten. Der Wech­sel zwi­schen die­sen Re­si­den­zen dien­te nicht zu­letzt der bes­se­ren herr­schaft­li­chen Er­fas­sung der Graf­schaft. Das zeigt auch die Ver­tei­lung der Or­te, an de­nen die Gra­fen von Berg in der zwei­ten Hälf­te des 13. Jahr­hun­derts über­wie­gend Auf­ent­halt nah­men: Schloss Burg an der Wup­per (heu­te Stadt So­lin­gen) so­wie rechts­rhei­nisch im Os­ten von Köln Burg Bens­berg (heu­te Stadt Ber­gisch Glad­bach) gel­ten als die wich­ti­ge­ren Re­si­den­zen. Da­ne­ben spiel­ten auch die nörd­lich von Düs­sel­dorf ge­le­ge­ne Burg An­ger­mund (heu­te Stadt Düs­sel­dorf) so­wie im Sü­den Burg Wind­eck an der Sieg (heu­te Ge­mein­de Wind­eck) ei­ne Rol­le.

Nicht zu ver­ges­sen ist schlie­ß­lich das am frü­he­ren Stamm­sitz der ber­gi­schen Gra­fen er­rich­te­te Zis­ter­zi­en­ser­klos­ter Al­ten­berg, das ih­nen auch als Fa­mi­li­en­grable­ge dien­te und in dem sie im­mer wie­der Auf­ent­halt nah­men. Au­ßer­halb der Graf­schaft sind die Gra­fen von Berg in Köln be­zeugt, wo sie ver­mut­lich im Al­ten­ber­ger Stadt­hof wohn­ten. Tat­säch­lich reis­te auch Mar­ga­re­te in der Graf­schaft um­her; nach 1266 scheint sie aber vor al­lem in Hü­ckes­wa­gen ge­lebt zu ha­ben.

Als Mar­ga­re­te von Hoch­sta­den Adolf En­de 1243/An­fang 1244 hei­ra­te­te, war die­ser noch nicht Graf von Berg. Re­gie­ren­der Graf war sein Va­ter, Her­zog Hein­rich IV. von Lim­burg (Re­gie­rungs­zeit 1225-1246), der durch sei­ne Hei­rat mit Grä­fin Irm­gard von Berg (vor 1204-1248 oder 1249), der Mut­ter Adolfs, in den Be­sitz der Graf­schaft Berg ge­kom­men war. Deut­lich wird dies am ers­ten Sie­gel Mar­ga­re­tes, das ganz of­fen­sicht­lich be­reits vor dem Tod des Schwie­ger­va­ters ge­sto­chen wor­den ist, denn die Um­schrift lau­tet: + S(IGILLVM) MAR­GA­RE­TE VX­O­RIS ADOL­FI FI­LI(I) DV(CIS) DE LY(M)BORG (Sie­gel der Mar­ga­re­te, Frau des Adolf, des Soh­nes des Her­zogs von Lim­burg).

Nach Her­zog Hein­richs IV. Tod 1246 ging das Her­zog­tum Lim­burg an sei­nen jün­ge­ren Sohn Wal­ram (Re­gie­rungs­zeit bis 1279), die Graf­schaft Berg an den äl­te­ren Sohn Adolf. Dies aber scheint ei­nen Aus­gleich zwi­schen Adolf und sei­ner Mut­ter, die als ein­zi­ges über­le­ben­des Kind des 1218 auf dem Kreuz­zug ver­stor­be­nen Gra­fen Adolf III. die Graf­schaft ge­erbt hat­te, not­wen­dig ge­macht zu ha­ben. Denn in der er­wähn­ten Ur­kun­de von 1247 muss­te ein Aus­gleich ge­trof­fen wer­den, durch den der Mut­ter Schloss Burg an der Wup­per so­wie das ca­s­trum An­ger­mund zu­ge­spro­chen wur­den, dem Sohn die Bur­gen Wind­eck und Bens­berg. Die Ein­künf­te der ge­sam­ten Graf­schaft soll­ten zwi­schen Mut­ter und Sohn hälf­tig auf­ge­teilt wer­den. Auch für Mar­ga­re­te wur­de ge­sorgt, in­dem sie ein Leib­ge­din­ge auch für den „Fall, was aber nicht zu wün­schen ist, dass sie oh­ne Nach­kom­men­schaft ster­ben soll­te“, er­hielt. Da­mit ist zu­gleich zu er­fah­ren, dass sie zum Zeit­punkt die­ser am 16.6.1247 aus­ge­stell­ten Ur­kun­de noch kei­ne Kin­der hat­te.

Hin­ter­grund der Hei­rat war das am 2.11.1243 ge­schlos­se­ne Bünd­nis zwi­schen dem Köl­ner Erz­bi­schof Kon­rad von Hoch­sta­den und der Fa­mi­lie der Her­zö­ge von Lim­burg und Gra­fen von Berg. Mar­ga­re­te war ei­ne Schwes­ter Kon­rads. Nach­dem das Ver­hält­nis sei­nes Vor­gän­gers zu Lim­burg-Berg sehr an­ge­spannt ge­we­sen war, war ihm an gu­ten Be­zie­hun­gen ge­le­gen, auch weil er sich der nie­der­rhei­ni­schen Op­po­si­ti­on ge­gen Kai­ser Fried­rich II. (rö­misch-deut­scher Kö­nig 1212-1250, ab 1220 Kai­ser) an­schlie­ßen woll­te. Die po­li­ti­sche Be­deu­tung von Bünd­nis und Hei­rat wur­de in den An­na­len von St. Pan­ta­le­on, al­ler­dings irr­tüm­lich zum Jah­re 1240, fest­ge­hal­ten: „Zur Be­kräf­ti­gung die­ses Frie­dens wur­de die Schwes­ter des Herrn Erz­bi­schofs zur Hei­rat an Adolf über­ge­ben, den Sohn des Gra­fen von Berg und Her­zogs von Lim­burg, und die Hälf­te des ca­s­trum Deutz wur­de dem­sel­ben Adolf als Le­hen über­ge­ben“.

Die Ehe­schlie­ßung muss bald dar­auf statt­ge­fun­den ha­ben, denn be­reits im März 1244 wird Mar­ga­re­te als Frau Adolfs ge­nannt. Aus die­ser Ehe gin­gen sie­ben Kin­der her­vor: Der ver­mut­lich nach 1247 ge­bo­re­ne äl­tes­te Sohn Adolf V. trat nach dem frü­hen Tod des Va­ters im Jahr 1259 des­sen Nach­fol­ge als Graf von Berg an. Da­ne­ben brach­te Mar­ga­re­te wei­te­re fünf Söh­ne und ei­ne Toch­ter zur Welt: Kon­rad, der Bi­schof von Müns­ter (Epis­ko­pat 1306-1310) wur­de, En­gel­bert, spä­ter Dom­propst in Köln, Wal­ram, der eben­falls Propst in Köln wur­de, Hein­rich, Wil­helm so­wie die Toch­ter Irm­gard, die den Gra­fen Eber­hard I. von der Mark (Re­gie­rungs­zeit 1277-1308) hei­ra­te­te. Die Söh­ne schlu­gen zu­nächst al­le die geist­li­che Lauf­bahn ein, Hein­rich aber kehr­te 1279 in den welt­li­chen Stand zu­rück und über­nahm die Herr­schaft Wind­eck. Wil­helm, be­reits Dom­ka­no­ni­ker in Köln, trat nach dem kin­der­lo­sen Tod sei­nes äl­tes­ten Bru­ders Adolf V. des­sen Nach­fol­ge als Graf von Berg an (Re­gie­rungs­zeit 1296-1308).

Adolfs IV. Hei­rat mit Mar­ga­re­te führ­te zu ei­ner en­gen Zu­sam­men­ar­beit der bei­den Schwä­ger. Erz­bi­schof Kon­rad selbst be­kann­te sich in ei­ner Ur­kun­de vom 20.7.1246 aus­drück­lich zu sei­nem Bünd­nis mit Adolf, den er als sei­nen lie­ben Schwa­ger und Ge­treu­en be­zeich­net. So agier­ten sie ge­mein­sam 1246 und 1247 bei den Kö­nigs­er­he­bun­gen des thü­rin­gi­schen Land­gra­fen Hein­rich Ras­pe (Ge­gen­kö­nig 1246/1247) be­zie­hungs­wei­se des Gra­fen Wil­helm von Hol­land (Ge­gen­kö­nig 1248-1254, rö­misch-deut­scher Kö­nig 1254-1256) und ver­such­ten die Spiel­räu­me und Op­tio­nen der Stadt Köln zu be­gren­zen. Über ei­ne Be­tei­li­gung Mar­ga­re­tes an die­sen Vor­gän­gen lässt sich frei­lich kei­ne Aus­sa­ge tref­fen.

Für ei­ne po­li­ti­sche Rol­le Mar­ga­re­tes be­reits wäh­rend ih­rer Ehe spricht, dass sie bald nach ih­rer Hei­rat in ei­ner im März 1244 aus­ge­stell­ten Ur­kun­de ih­res Schwie­ger­va­ters Her­zog Hein­rich zu­guns­ten der Stadt Re­ma­gen ne­ben ih­rer Schwie­ger­mut­ter und ih­rem Mann als Mit­aus­stel­le­rin ge­nannt wird. An et­wa zehn wei­te­ren Ur­kun­den ih­res Man­nes war sie be­tei­ligt, in­dem sie sie be­sie­gel­te. Da­bei han­del­te es sich vor al­lem um Ver­fü­gun­gen über Be­sitz und Ren­ten, aber auch herr­schaft­li­che Hand­lun­gen, die den ber­gi­schen Lehns­ver­band be­tra­fen. So be­ur­kun­de­te sie 1249 ge­mein­sam mit ih­rem Mann den Über­gang ei­ner Be­sit­zung zu Win­nin­gen an das Köl­ner Dom­ka­pi­tel.

Wur­de sie zu­nächst nur als Ge­mah­lin Adolfs be­zeich­net, so er­hielt sie nach dem To­de der Schwie­ger­mut­ter Irm­gard den Ti­tel ei­ner Grä­fin von Berg. 1253 be­geg­net sie als co­mi­tis­sa de Mon­te, als sie ge­mein­sam mit Adolf ei­ne Schen­kung an das Klos­ter Al­ten­berg vor­nahm. An die­ser Ur­kun­de ist erst­mals ihr zwei­tes Sie­gel be­zeugt, wel­ches die Um­schrift +S(IGILLVM) MAR­GA­RE­TE CO­MI­TIS­SE DE MON­TE (Sie­gel der Mar­ga­re­te, Grä­fin von Berg) trägt.

Wäh­rend ih­rer Ehe ur­kun­de­te Mar­ga­re­te im­mer ge­mein­sam mit ih­rem Mann. Hier deu­tet sich an, dass hoch­ade­li­ge Ehe­paa­re durch­aus ge­mein­sam agier­ten und auch ge­mein­sam re­prä­sen­tier­ten. Dies lässt sich am Bei­spiel der Sie­gel be­le­gen: Wäh­rend Adolfs im Durch­mes­ser 80 Mil­li­me­ter gro­ßes Sie­gel ihn den Kon­ven­tio­nen der Zeit ent­spre­chend auf ei­nem nach (he­ral­disch) links spren­gen­den Pferd in Rüs­tung und mit Schwert zeigt, ist Mar­ga­re­te auf ih­rem mit 68 Mil­li­me­ter deut­lich klei­ne­ren Sie­gel auf ei­nem nach (he­ral­disch) links ge­hen­den Pferd im Da­men­sitz sit­zend dar­ge­stellt. Sie hält mit der ei­nen Hand die Zü­gel und mit der an­de­ren Hand ei­nen Fal­ken. Wäh­rend Adolfs Rei­ter­sie­gel ihn als hoch­ade­li­gen In­ha­ber ei­ner Graf­schaft zeigt, ak­zen­tu­iert Mar­ga­re­tes Fal­ken­jagd­sie­gel stär­ker die Funk­ti­on der ge­sell­schaft­li­chen Re­prä­sen­ta­ti­on. Bei­de Sie­gel er­gän­zen sich in­so­fern.

Nach dem Tod ih­res Man­nes am 22.4.1259 über­nahm Mar­ga­re­te die Re­gie­rung für ih­ren Sohn Adolf V. Von ei­ner Re­gent­schaft spre­chen die Quel­len selbst zwar nicht, sie ist aber dar­aus zu er­se­hen, dass Mar­ga­re­te seit 1259 ei­gen­stän­dig Ur­kun­den aus­stell­te, ihr Sohn aber noch nicht in der In­ti­tu­la­tio ge­nannt wird. Be­reits im Au­gust 1259 hat­te ihr Bru­der Erz­bi­schof Kon­rad sie ge­be­ten, sich da­für ein­zu­set­zen, dass der Waf­fen­still­stand zwi­schen der Stadt Köln und der Fa­mi­lie von Dor­ren­busch hielt.

Dies macht deut­lich, dass Mar­ga­re­te als ernst­zu­neh­men­de po­li­ti­sche Grö­ße wahr­ge­nom­men wur­de. Zeug­nis­se für ih­re selb­stän­di­ge Füh­rung der Re­gie­rungs­ge­schäf­te gibt es schon frü­her: Am 20.7.1259 hat­te sie als co­mi­tis­sa de Mon­te dem Klos­ter Al­ten­berg den Wald von Grim­berg ge­schenkt. Ei­ne Ur­kun­de vom Sep­tem­ber 1259 be­zeugt, dass Mar­ga­re­te nicht (im­mer) völ­lig al­lei­ne ent­schied, da die Ur­kun­de die Zu­stim­mung ei­nes Ra­tes (de be­ne­pla­ci­to con­silii nos­tri) nennt; das muss frei­lich nicht nur auf die Re­gent­schaft zu­rück­zu­füh­ren sein, denn 1269 ist in ei­ner Ur­kun­de des er­wach­se­nen Adolf V. eben­falls von ei­nem con­si­li­um die Re­de.

Mar­ga­re­te setz­te das Bünd­nis mit dem Erz­bi­schof von Köln zu­nächst fort. Deut­lich wird dies in dem gro­ßen Land­frie­dens­bünd­nis vom 14.11.1259, das Erz­bi­schof Kon­rad von Köln und Bi­schof Hein­rich von Ut­recht (Epis­ko­pat 1250-1267) so­wie die Gra­fen von Gel­dern, Kle­ve, Jü­lich und an­de­re schlos­sen. Gleich­be­rech­tigt be­tei­ligt wa­ren auch die ver­wit­we­ten Grä­fin­nen Mech­tild von Sayn und Mar­ga­re­te von Berg. Sol­che Land­frie­dens­bünd­nis­se soll­ten die re­gio­na­le Frie­dens­wah­rung ga­ran­tie­ren und ent­hiel­ten Re­gu­la­ri­en auch für den Fall, dass ei­ne der am Bünd­nis be­tei­lig­ten Par­tei­en ge­gen die Ver­ein­ba­run­gen ver­stieß.

Im Sep­tem­ber 1261 ver­starb Erz­bi­schof Kon­rad; mit dem Amts­an­tritt En­gel­berts von Fal­ken­burg am 2. Ok­to­ber (Epis­ko­pat 1261-1274) wan­del­te sich die ber­gi­sche Po­li­tik: Der zu­neh­mend selbst­stän­dig agie­ren­de Adolf V. ar­bei­te­te mit an­de­ren welt­li­chen Ter­ri­to­ri­al­her­ren wie den Gra­fen von Jü­lich ge­gen den neu­en Köl­ner Erz­bi­schof. Be­reits sei­ne ers­te oh­ne Mit­wir­kung sei­ner Mut­ter aus­ge­stell­te Ur­kun­de macht das deut­lich, denn die­se hat­te ein Freund­schafts­bünd­nis mit der Stadt Köln ge­gen den Erz­bi­schof zum In­halt. Mar­ga­re­te wird je­doch un­ter de­nen ge­nannt, die ih­re Zu­stim­mung ga­ben: mit der wil­le in­de ra­de dit ge­scheit ist. Da die Ur­kun­de auch von ihr be­sie­gelt wur­de, hat sie den Kurs­wech­sel mit­ge­tra­gen. Das mit dem Erz­bi­schof Kon­rad ge­schlos­se­ne Bünd­nis wur­de of­fen­bar von Mar­ga­re­te und ih­rer Fa­mi­lie als nur auf des­sen Le­bens­zeit be­grenzt an­ge­se­hen.

Das En­de ih­rer Re­gent­schaft setzt man in das Jahr 1262, weil Adolf V. am 9.6.1262 erst­mals den Graf­en­ti­tel führ­te und al­lei­ne, oh­ne Nen­nung sei­ner Mut­ter, ur­kun­de­te. Den­noch gibt es aus den Jah­ren 1262-1266 so­wohl Ur­kun­den, in de­nen Mar­ga­re­te oh­ne ih­ren Sohn oder ge­mein­sam mit ihm ur­kun­de­te, seit 1265 auch mit des­sen Frau Eli­sa­beth von Gel­dern (ge­stor­ben 1315); da­bei tritt sie im­mer un­ter dem Ti­tel ei­ner Grä­fin von Berg auf.

Nach der Hei­rat ih­res Soh­nes zog sich Mar­ga­re­te von des­sen Hof zu­rück: 1268 ur­kun­de­te sie ein letz­tes Mal ge­mein­sam mit ihm; seit No­vem­ber 1266 stell­te sie Ur­kun­den in Hü­ckes­wa­gen aus. Da­nach be­geg­net sie bis zu ih­rem Tod nur noch in fünf Ur­kun­den, trat al­so kaum noch in Er­schei­nung. Ob die­ser Rück­zug frei­wil­lig war, oder der Sohn sie da­zu dräng­te, kann nicht si­cher ent­schie­den wer­den. Ei­ne Ur­kun­de Adolfs V., in der Mar­ga­re­tes Stel­lung als ehe­ma­li­ge Grä­fin von Berg und nun­meh­ri­ge Her­rin von Hü­ckes­wa­gen be­tont wird, scheint al­ler­dings auf ei­ne ge­ziel­te Ab­gren­zung durch den Sohn zu deu­ten. Doch war­um Hü­ckes­wa­gen? Für ei­ne in der Li­te­ra­tur ge­le­gent­lich an­ge­nom­me­ne (ers­te) Ehe der Mar­ga­re­te mit Graf Ar­nold von Hü­ckes­wa­gen gibt es kei­ner­lei be­last­ba­re Quel­len­hin­wei­se. Er­kenn­bar wird der Be­zug zu Hü­ckes­wa­gen erst 1260, als Mar­ga­re­te das pre­di­um de Hu­kens­wa­ge so­wie die zu­ge­hö­ri­ge Burg von den Söh­nen des da­mals längst ver­stor­be­nen Gra­fen Ar­nold kauf­te. Da­bei han­del­te es sich of­fen­bar um ei­ne Über­ein­kunft zwi­schen die­sen Söh­nen und Mar­ga­re­te per­sön­lich, da we­der ihr Sohn Adolf V. noch an­de­re Kin­der oder Ver­wand­te in der Ur­kun­de ei­ne Rol­le spie­len. Da­mit stand ihr nun ein Ge­biet von et­wa 60 Qua­drat­ki­lo­me­tern als ei­gen­stän­di­ger Herr­schafts- und Wirt­schafts­raum zur Ver­fü­gung. Seit­dem führ­te sie den Ti­tel do­mi­na de Hu­e­kin­s­wa­ge (Her­rin von Hü­ckes­wa­gen), der im­mer­hin ih­re Stel­lung als hoch­ade­li­ge Frau zum Aus­druck brach­te, und leb­te hier bis zu ih­rem Tod 1314.

Quellen

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Literatur

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Zitationshinweis

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Stieldorf, Andrea, Margarete von Hochstaden, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/margarete-von-hochstaden/DE-2086/lido/5cff756eb46a97.90296769 (abgerufen am 27.05.2022)