Valéry Giscard d‘Estaing

Französischer Staatspräsident (1926-2020)

Wilfried Loth (Münster)

Valéry Giscard d’Estaing mit seiner Frau vor seinem Geburtshaus in den Rheinanlagen Nr. 2 in Koblenz, Juni 1980, Foto: Heinrich Wolf. (Heinrich Wolf, Koblenz/ HW 80_79)

Valé­ry Gis­card d’Es­ta­ing, der fran­zö­si­sche Staats­prä­si­dent der Jah­re 1974 bis 1981, wur­de am 2.2.1926 in Ko­blenz ge­bo­ren. Mei­ne kur­ze Kind­heit in Deutsch­land soll­te mich fürs Le­ben prä­gen, sag­te er bei der Ver­lei­hung der Eh­ren­bür­ger­wür­de durch die Stadt Ko­blenz am 22.10.2006.[1] 

 

Valé­ry Gis­card d’Es­ta­ing war das zwei­te Kind von Ed­mond Gis­card d’Es­ta­ing (1894-1982), ei­nes ho­hen Ver­wal­tungs­be­am­ten, und sei­ner Frau May ge­bo­re­ne Bar­doux (1901-2003), ei­ner Toch­ter des li­be­ral­kon­ser­va­ti­ven Ab­ge­ord­ne­ten Jac­ques Bar­doux. Zwei Jah­re zu­vor hat­ten die El­tern be­reits ei­ne Toch­ter be­kom­men (Syl­vie); es folg­ten ein wei­te­rer Sohn (Oli­vier) und zwei wei­te­re Töch­ter (Isa­bel­le und Ma­rie-Lau­re). Syl­vie und Valé­ry wur­den in Ko­blenz ge­bo­ren, weil der Va­ter als Jahr­gangs­bes­ter der In­spec­tion des Fi­nan­ces 1922 so­gleich zum Fi­nanz­di­rek­tor des in­te­r­al­li­ier­ten Hoch­kom­mis­sa­ri­ats für die rhei­ni­schen Ge­bie­te er­nannt wor­den war. Sechs Mo­na­te nach Valé­rys Ge­burt kehr­te die Fa­mi­lie aber nach Pa­ris zu­rück. Der Va­ter wur­de Ge­ne­ralde­le­gier­ter der As­so­zia­ti­on der Wert­pa­pier­be­sit­zer und 1929 stell­ver­tre­ten­der Di­rek­tor der Fi­nanz­ge­sell­schaft für die Ko­lo­ni­en. Als Di­rek­tor die­ser Ge­sell­schaft seit 1933 stieg er zu ei­ner der Schlüs­sel­fi­gu­ren der fran­zö­si­schen Fi­nanz­welt auf.

Valé­ry Gis­card d’Es­ta­ing ver­leb­te in Pa­ris nach ei­ge­nen Aus­sa­gen ei­ne glück­li­che Ju­gend.[2] Die El­tern nah­men das deut­sche Kin­der­mäd­chen, Mat­hil­de Zer­was aus Ko­blenz-Kart­hau­se, die „Bi­ta“ ge­nannt wur­de, nach Pa­ris mit; der klei­ne Valé­ry lern­te da­her ne­ben der fran­zö­si­schen auch die deut­sche Spra­che. Die Som­mer­mo­na­te ver­brach­te er mit sei­nen Ge­schwis­tern und zahl­rei­chen Nich­ten und Nef­fen auf den Be­sitz­tü­mern der Fa­mi­lie in der Au­ver­gne. Von 1934 an re­si­dier­te die Fa­mi­lie im Som­mer im Schloss Var­vas­se in Cha­no­nat bei Cler­mont-Fer­rand, das der Va­ter er­wor­ben hat­te. Als im Sep­tem­ber 1939 der Krieg be­gann, blieb die Mut­ter mit den Kin­dern zu­nächst in Cler­mont-Fer­rand; Valé­ry be­such­te dort das Gym­na­si­um Blai­se-Pas­cal. Zum Be­ginn des Schul­jah­res 1940/41 wie­der zu­rück in Pa­ris, leg­te er 1942 mit 16 Jah­ren die Rei­fe­prü­fung am Gym­na­si­um Jan­son-de-Sailly ab. Das Vor­be­rei­tungs­jahr für das Stu­di­um an ei­ner Eli­te­hoch­schu­le ab­sol­vier­te er am Gym­na­si­um Louis-le-Grand. Im Au­gust 1944 un­ter­brach er es aber, um an der Be­frei­ung von Pa­ris teil­zu­neh­men. Da­nach ent­schied er sich – ge­gen den Wil­len sei­nes Va­ters –, als Frei­wil­li­ger in Charles de Gaulles (1890-1970) Streit­kräf­te des Frei­en Frank­reich ein­zu­tre­ten. Er war an den Kämp­fen im süd­li­chen Schwarz­wald be­tei­ligt. Das Kriegs­en­de er­leb­te er auf dem Vor­marsch in Ös­ter­reich.

Nach dem Ab­schluss des Vor­be­rei­tungs­jahrs nahm der mit dem „Croix de gu­er­re, 1939-1945“ aus­ge­zeich­ne­te Bri­ga­dier Gis­card 1946 ein In­ge­nieurs­stu­di­um an der „Éco­le Po­ly­tech­ni­que“ auf. Nach dem Ab­schluss die­ses Stu­di­ums im Ju­ni 1948 reis­te er für ei­ni­ge Wo­chen in die USA und nach Ka­na­da; dann ab­sol­vier­te er zur Vor­be­rei­tung ei­nes Stu­di­ums an der neu­en Ver­wal­tungs­hoch­schu­le (Éco­le Na­tio­na­le d’Ad­mi­nis­tra­ti­on) ein acht­mo­na­ti­ges Prak­ti­kum beim fran­zö­si­schen Hoch­kom­mis­sa­ri­at an der Saar. Das Stu­di­um an der ENA schloss er 1951 als sechs­ter von 385 Stu­den­ten sei­nes Jahr­gangs ab. Da­nach ent­schied er sich – wie sein Va­ter – für den Ein­tritt in die Ge­ne­ral­in­spek­ti­on der Fi­nan­zen. Im De­zem­ber 1952 hei­ra­te­te er An­ne-Ay­mo­ne de Bran­tes, ei­ne En­ke­lin des Stahl­ma­gna­ten Eu­gè­ne Schnei­der (Creu­sot). Aus der Ehe gin­gen vier Kin­der her­vor.

Als Fi­nanz­be­am­ter über­nahm Valé­ry Gis­card d’Es­ta­ing 1954 Funk­tio­nen im Ka­bi­nett von Fi­nanz­mi­nis­ter Ed­gar Fau­re (1908-1988). 1955 folg­te er ihm, als die­ser das Amt des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten über­nahm. Im Ja­nu­ar 1956 wur­de er als Ab­ge­ord­ne­ter in die Na­tio­nal­ver­samm­lung ge­wählt – in dem glei­chen Wahl­kreis (Puy-de-Dô­me), den bis da­hin sein Gro­ßva­ter ver­tre­ten hat­te. Als Mit­glied der li­be­ral­kon­ser­va­ti­ven Frak­ti­on der „Un­ab­hän­gi­gen“ wur­de er im Ja­nu­ar 1959 Staats­se­kre­tär im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um. Nach dem Rück­tritt sei­nes Men­tors An­toi­ne Pi­nay (1891-1994) als Fi­nanz­mi­nis­ter im Ja­nu­ar 1960 (aus Pro­test ge­gen die Al­ge­ri­en- und Eu­ro­pa­po­li­tik de Gaulles) blieb er wei­ter im Amt und sam­mel­te die­je­ni­gen „un­ab­hän­gi­gen“ Ab­ge­ord­ne­ten in ei­nem „Ko­mi­tee der un­ab­hän­gi­gen Re­pu­bli­ka­ner“, die den Staats­prä­si­den­ten der V. Re­pu­blik wei­ter­hin un­ter­stüt­zen woll­ten. Im Ja­nu­ar 1962 wur­de er zum Fi­nanz­mi­nis­ter er­nannt. Vier Jah­re spä­ter muss­te er das Mi­nis­ter­amt an den Gaul­lis­ten Mi­chel De­bré (1912-1996) ab­ge­ben. Die­ser hat­te das Amt nach den Prä­si­dent­schafts­wah­len vom De­zem­ber 1965 für sich re­kla­miert.

Spä­tes­tens seit dem Ver­lust des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums war für Gis­card klar, dass er selbst das Amt des Nach­fol­gers de Gaulles als Staats­prä­si­dent an­streb­te. Ei­nen Wech­sel ins En­er­gie­mi­nis­te­ri­um, den de Gaul­le ihm an­ge­bo­ten hat­te, lehn­te er ab. Statt­des­sen bau­te er das „Ko­mi­tee der Un­ab­hän­gi­gen Re­pu­bli­ka­ner“ zu ei­ner Par­tei aus und pro­fi­lier­te sich in der Öf­fent­lich­keit als dy­na­mi­scher Ver­tre­ter ei­ner mo­der­nen li­be­ra­len Po­li­tik mit so­zia­len und eu­ro­päi­schen Ak­zen­ten. Tau­sen­de von jün­ge­ren, gut aus­ge­bil­de­ten Füh­rungs­kräf­ten tra­fen sich auf sei­ne Ver­an­las­sung hin in Clubs „Per­spek­ti­ven und Rea­li­tä­ten“, die die Mo­bi­li­sie­rung für ei­ne Mo­der­ni­sie­rung Frank­reichs in die We­ge lei­ten soll­ten. In­des­sen ge­lang es de Gaulles Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ge­or­ges Pom­pi­dou (1911-1974), sich in der Kri­se des Mai 1968 als der ge­bo­re­ne Nach­fol­ger zu eta­blie­ren. Gis­card ver­zich­te­te da­her nach dem vor­zei­ti­gen Rück­tritt de Gaulles im April 1969 auf ei­ne ei­ge­ne Kan­di­da­tur und un­ter­stütz­te Pom­pi­dou. Das er­laub­te es ihm, in das Amt des Fi­nanz­mi­nis­ters zu­rück­zu­keh­ren.

Edmond Giscard d'Estaing, Porträtfoto, um 1950, Original in der Médiathèque de l'Architecture et du Patrimoine, Foto: Studio Harcourt. (gemeinfrei)

 

Als Pom­pi­dou am 2.4.1974 starb, hielt Gis­card sei­ne Chan­ce aber für ge­kom­men. Die Pom­pi­dou-Ge­treu­en um Jac­ques Chi­rac (1932-2019) woll­ten nicht, dass der Gaul­list Jac­ques Cha­ban-Del­mas (1915-2000) Prä­si­dent wur­de. Das gab Gis­card die Mög­lich­keit, sich als über­par­tei­li­cher Kan­di­dat der Mit­te zu prä­sen­tie­ren. Im ers­ten Wahl­gang konn­te er Cha­ban-Del­mas deut­lich über­flü­geln, und im zwei­ten Wahl­gang am 19.5. sieg­te er knapp über den Kan­di­da­ten der ver­ei­nig­ten Lin­ken, François Mit­ter­rand (1916-1996).

Als Staats­prä­si­dent ver­such­te Valé­ry Gis­card d’Es­ta­ing sein Pro­gramm ei­ner Über­win­dung ver­al­te­ter ideo­lo­gi­scher Hemm­nis­se Schritt für Schritt um­zu­set­zen. Un­ter­stützt von Jac­ques Chi­rac, den er zum Pre­mier­mi­nis­ter be­rief, setz­te er die Her­ab­set­zung des Wahl­al­ters von 21 auf 18 Jah­re durch, die Ent­staat­li­chung der Rund­funk­an­stalt „Of­fice de Ra­di­odif­fu­si­on Té­lé­vi­si­on Françai­se“ (ORTF), die Auf­he­bung des Ver­bots emp­fäng­nis­ver­hü­ten­der Mit­tel und ih­re Fi­nan­zie­rung durch die Kran­ken­kas­sen, die Auf­he­bung des Ab­trei­bungs­ver­bots, ei­ne Re­form des Ehe­schei­dungs­rechts und ei­ne Re­form des So­zi­al­ver­si­che­rungs­sys­tems. Man­che eher sym­bo­li­schen Re­for­men wie die we­ni­ger krie­ge­ri­sche Prä­sen­ta­ti­on der Na­tio­nal­hym­ne oder die Ab­schaf­fung der Fei­ern zum Jah­res­tag der deut­schen Ka­pi­tu­la­ti­on am 8.5.1945 wur­den nach dem En­de sei­ner Amts­zeit wie­der rück­gän­gig ge­macht. In der Au­ßen- und Eu­ro­pa­po­li­tik ar­bei­te­te Gis­card eng mit dem deut­schen Bun­des­kanz­ler Hel­mut Schmidt (1918-2015) zu­sam­men, so bei der Ein­rich­tung des Eu­ro­päi­schen Ra­tes (im De­zem­ber 1974), dem Über­gang zur Di­rekt­wahl des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments (erst­mals 1979) und der Schaf­fung des Eu­ro­päi­schen Wäh­rungs­sys­tems (1979), mit dem der Weg zur Ein­füh­rung ei­ner eu­ro­päi­schen Ge­mein­schafts­wäh­rung ge­eb­net wer­den soll­te. Gis­card und Schmidt in­iti­ier­ten auch die in­for­mel­len Gip­fel­tref­fen der wirt­schaft­lich wich­tigs­ten Staa­ten (erst­mals im De­zem­ber 1975 auf Schloss Ram­bouil­let, ein Jahr spä­ter un­ter Hin­zu­zie­hung Ka­na­das zu den G7 er­wei­tert). Eben­so ar­bei­te­ten sie bei der Ver­tei­di­gung der Ent­span­nung ge­gen­über US-ame­ri­ka­ni­schen Ten­den­zen zu ei­ner Rück­kehr zum Kal­ten Krieg eng zu­sam­men. Ge­gen En­de von Gis­cards Amts­zeit ent­wi­ckel­ten sie so­gar den Plan ei­ner deutsch-fran­zö­si­schen Atom­macht.

Empfang des Französischen Staatspräsidenden durch Bundeskanzler Helmut Schmidt in Bonn, 16.6.1977, Foto: Lothar Schaack. (Bundesarchiv/ CC BY-SA 3.0 de/ B 145 Bild-F051012-0010)

 

Im Au­gust 1976 ver­ließ Chi­rac die Re­gie­rung, um ei­ne ei­ge­ne Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tur vor­zu­be­rei­ten. Ge­gen die Neu­for­mie­rung der gaul­lis­ti­schen Par­tei als „Ras­sem­ble­ment pour la Ré­pu­bli­que“ (RPR), die er da­zu vor­nahm, setz­te Gis­card im Fe­bru­ar 1978 die Ver­ei­ni­gung der Un­ab­hän­gi­gen Re­pu­bli­ka­ner mit den Christ­de­mo­kra­ten und an­de­ren Par­tei­en der Mit­te zur „Uni­on pour la Dé­mo­cra­tie françai­se“ (UDF). Po­li­tisch blieb er da­mit hand­lungs­fä­hig, auch wenn sei­ne Po­pu­la­ri­tät un­ter der In­fla­ti­on und ei­ner neu­en Form von Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit in­fol­ge der bei­den Öl­preis­schocks von 1973/74 und 1979/80 litt. Ver­häng­nis­voll für ei­ne an­ge­streb­te zwei­te Amts­zeit er­wies sich im Ok­to­ber 1979 die Be­haup­tung des we­gen Fol­ter und Mord be­rüch­tig­ten ehe­ma­li­gen „Kai­ser­s“ der zen­tral­afri­ka­ni­schen Re­pu­blik Jean-Bé­del Bo­kas­sa (1921-1996), Gis­card 30 Ka­rat Dia­man­ten ge­schenkt zu ha­ben. Tat­säch­lich hat­te es sich nur um ei­nes der üb­li­chen Gast­ge­schen­ke von we­ni­gen Bril­lan­ten ge­han­delt; Gis­card aber hielt es für un­ter sei­ner Wür­de, auf die Ver­leum­dung im De­tail zu ant­wor­ten. Da­mit bot er den po­li­ti­schen Geg­nern ei­ne An­griffs­flä­che. Im ers­ten Wahl­gang der Prä­si­dent­schafts­wah­len am 26.4.1981 konn­te er zwar sei­nen Kon­kur­ren­ten Chi­rac schla­gen, doch un­ter­lag er im zwei­ten Wahl­gang am 10.5.1981 dem er­neut an­ge­tre­te­nen François Mit­ter­rand.

Nach ei­ner Pau­se von we­ni­gen Mo­na­ten ver­such­te Valé­ry Gis­card d’Es­ta­ing ein Come­back. Im März 1982 ließ er sich in den Ge­ne­ral­rat des De­par­te­ments Puy-de-Dô­me wäh­len, im Sep­tem­ber 1984 in die Na­tio­nal­ver­samm­lung (er­neut als Ab­ge­ord­ne­ter des Wahl­krei­ses Puy-de-Dô­me), 1986 zum Prä­si­den­ten des Re­gio­nal­rats der Au­ver­gne. Als Spit­zen­kan­di­dat ei­ner ge­mein­sa­men Lis­te von UDF und RPR wur­de er im Ju­ni 1989 ins Eu­ro­päi­sche Par­la­ment ge­wählt, wo er den Vor­sitz der li­be­ra­len Frak­ti­on über­nahm. Bei den Par­la­ments­wah­len im März 1993 blieb die UDF je­doch hin­ter dem RPR zu­rück. Durch die Po­pu­la­ri­tät von Pre­mier­mi­nis­ter Édouard Ba­la­dur wei­ter ge­schwächt, muss­te Gis­card die Kan­di­da­tur für die Prä­si­dent­schafts­wah­len 1995 Chi­rac über­las­sen. Ei­ne ge­wis­se Ge­nug­tu­ung er­fuhr er al­ler­dings im De­zem­ber 2001, als Chi­rac sei­nen An­spruch auf die Prä­si­dent­schaft des Kon­vents zur Aus­ar­bei­tung ei­ner Ver­fas­sung für Eu­ro­pa un­ter­stütz­te. Als Prä­si­dent des Eu­ro­päi­schen Kon­vents vom Fe­bru­ar 2002 bis zum Ju­ni 2003 konn­te Gis­card gro­ßen Ein­fluss auf die Aus­ar­bei­tung des Ver­fas­sungs­ver­trags neh­men. Mit der Zu­rück­wei­sung des Ver­trags im fran­zö­si­schen Re­fe­ren­dum vom 29.5.2005 zer­schlug sich dann aber sei­ne Hoff­nung, sei­ne po­li­ti­sche Kar­rie­re als Prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Uni­on ab­schlie­ßen zu kön­nen.

Giulio Andreotti (Italien), Takeo Fukuda (Japan), Jimmy Carter (USA), Helmut Schmidt (Bundesrepublik Deutschland) and Valéry Giscard d'Estaing (Frankreich) beim G 7 Treffen in Bonn am 16.7.1978, Foto: Executive Office ot the President of the United States. (gemeinfrei)

 

Am 2.12.2020 starb Gis­card d’Es­ta­ing an den Fol­gen ei­ner Co­ro­na-In­fek­ti­on.

In Deutsch­land wur­de Gis­card d’Es­ta­ing zahl­reich ge­ehrt. So er­hielt er un­ter an­de­rem 2003 den Aa­che­ner Karls­preis, 2005 ge­mein­sam mit Hel­mut Schmidt den Ade­nau­er-de Gaul­le-Preis und 2006 die Eh­ren­dok­tor­wür­de der Jo­han­nes-Gu­ten­berg-Uni­ver­si­tät Mainz.

Nach Ko­blenz kehr­te Valé­ry Gis­card d’Es­ta­ing erst­mals am 10.7.1980 zu­rück. Im Rah­men ei­nes Staats­be­suchs un­ter­nahm er von Bonn aus zu­sam­men mit sei­ner Frau ei­nen Ab­ste­cher mit dem Hub­schrau­ber nach Ko­blenz, um ihr sein Ge­burts­haus in den Rhein­an­la­gen 2 zu zei­gen. Im Mai 1988 folg­te ein wei­te­rer Be­such aus An­lass der Prä­sen­ta­ti­on der deut­schen Aus­ga­be sei­ner Me­moi­ren; da­bei trug er sich in das Gol­de­ne Buch der Stadt ein. Schlie­ß­lich kam er im Ok­to­ber 2006 noch ein­mal nach Ko­blenz, um die Eh­ren­bür­ger­wür­de ent­ge­gen­zu­neh­men, die ihm der Stadt­rat ver­lie­hen hat­te. An der Stel­le des 1981 ab­ge­ris­se­nen Ge­burts­hau­ses steht heu­te ein Ge­denk­stein.

Frankreichs Präsident Emanuel Macron bei der Verabschiedung von Valéry Giscard d‘Estaing im europäischen Parlament, 2.12.2021, Foto: Mathieu Cugnot. (European Union 2021 - Source : EP/ EP-123010Y)

 

Schriften (Auswahl)

Dé­mo­cra­tie françai­se, Pa­ris 1976 (deutsch: Fran­zö­si­sche De­mo­kra­tie, Frank­furt am Main 1977).

Deux Français sur trois, Pa­ris 1984 (deutsch: Zwei von drei Fran­zo­sen, In­gol­stadt 1987).

Le Pou­voir et la Vie. Vol. I: La Ren­cont­re, Pa­ris 1988 (deutsch: Macht und Le­ben. Er­in­ne­run­gen, Frank­furt am Main/Ber­lin 1988).

Le Pou­voir et la Vie. Vol. II: L’Af­fron­te­ment, Pa­ris 1991.

Dans cinq ans, l’an 2000: Les en­jeux de l’élec­tion pré­si­den­ti­el­le, Pa­ris 1995.

Les Français, Réfle­xi­ons sur le de­s­tin d’un peup­le, Pa­ris 2000.

Le Pou­voir et la Vie. Vol. III: Choi­sir, Pa­ris 2006.

Eu­ro­pa, Pa­ris 2014. 

Literatur

Ber­nard, Ma­thi­as, Valé­ry Gis­card d’Es­ta­ing, les am­bi­ti­ons déçus, Pa­ris 2014.

Ber­stein, Ser­ge/Jean-François Si­ri­nel­li (Hg.), Ac­tes du col­lo­que «Les an­nées Gis­card», 4 Bän­de, Pa­ris 2006-2010.

Rous­sel, Éric, Valé­ry Gis­card d’Es­ta­ing, Pa­ris 2018.

Schütz, Wolf­gang, Ko­blen­zer Köp­fe. Per­so­nen der Stadt­ge­schich­te, 2. über­ar­bei­te­te und er­wei­ter­te Auf­la­ge, Mül­heim-Kär­lich 2005.

Va­lan­ce, Ge­or­ges, VGE. Une vie, Pa­ris 2011. 

Gedenkstein in Erinnerung an das Geburtshaus von Valéry Giscard d’Estaing, 2011, Foto: Holger Weinandt. (Holger Weinandt/ CC BY-SA 3.0 de)

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Loth, Wilfried, Valéry Giscard d‘Estaing, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/val%25C3%25A9ry-giscard-d%25E2%2580%2598estaing-/DE-2086/lido/68af0b0dd59855.88168199 (abgerufen am 10.02.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 01.10.2025