Schmidt, Klaus, Aufstieg einer Minderheit - 500 Jahre Protestanten in Köln (Kirchengeschichte regional Band 6), Berlin 2016

186 S., ISBN 978-3-643-13361-8, 19,90 Euro

Jochen Hermel (Bonn)

Klaus Schmidts „Auf­stieg ei­ner Min­der­heit - 500 Jah­re Pro­tes­tan­ten in Köln“ ist ei­ne chro­no­lo­gi­sche Dar­stel­lung der Ge­schich­te des Köl­ner Pro­tes­tan­tis­mus, die sich in die wach­sen­de Li­te­ra­tur zum 500-jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um der Re­for­ma­ti­on ein­reiht. Die Ab­sicht des Au­tors ist es, durch „ex­em­pla­ri­sche Dar­stel­lung, Bio­gram­me“ und „nar­ra­ti­ve For­m“ (S. 3) ei­nen ver­ständ­li­chen Über­blick über den Köl­ner Pro­tes­tan­tis­mus zu ge­ben, der den zeit­li­chen Bo­gen von Lu­thers The­sen zu ak­tu­el­len Pro­jek­ten der evan­ge­li­schen Kir­che schlägt.

Die Ar­beit geht chro­no­lo­gisch vor und be­ginnt mit den Ka­pi­teln „Ver­fol­gungs­zei­ten“ und „Auf­brü­che“, die Schlag­lich­ter auf Ket­zer­ver­fol­gun­gen und die An­fän­ge des Pro­tes­tan­tis­mus in Köln im 16. Jahr­hun­dert wer­fen. Im Vor­der­grund ste­hen da­bei vor al­lem ein­zel­ne Ak­teu­re, de­ren Wir­ken und Wer­de­gang vor­ge­stellt wer­den. Da­bei wird auch kurz auf die Täu­fer­be­we­gung ein­ge­gan­gen. Das „Mül­hei­mer In­ter­mez­zo“ be­han­delt den Aus- be­zie­hungs­wei­se den Rück­bau der heu­te ein­ge­mein­de­ten Nach­bar­stadt un­ter den „pos­se­die­ren­den Fürs­ten“ und der Rol­le evan­ge­li­scher Kauf­leu­te bei der Eta­blie­rung Mül­heims als Wirt­schafts­stand­ort im 17. Jahr­hun­dert. „Der un­auf­halt­sa­me Auf­stie­g“ be­schreibt die Gleich­be­rech­ti­gung durch die fran­zö­si­sche An­ne­xi­on En­de des 18. Jahr­hun­derts und den evan­ge­li­schen Be­trag zum wirt­schaft­li­chen Wachs­tum Kölns im 19. Jahr­hun­dert. Die Ka­pi­tel „Macht­er­halt und Wi­der­stan­d“ und „So­zi­al-kon­ser­va­ti­ve Kräf­te“ stel­len be­mer­kens­wer­te Per­sön­lich­kei­ten, Er­eig­nis­se und In­sti­tu­tio­nen der evan­ge­li­schen Kir­che bis zum ers­ten Welt­krieg vor. Da­bei wer­den die Rol­le der Köl­ner Pro­tes­tan­ten in den Köl­ner Wir­ren und der evan­ge­li­schen Kir­che in der deut­schen Ko­lo­ni­al­zeit ge­streift. Un­ter dem Ka­pi­tel „Vom 1. Welt­krieg zum „Drit­ten Reich“ fin­det man haupt­säch­lich Ein­bli­cke in das evan­ge­li­sche so­zi­al- und frie­dens­po­li­ti­sche En­ga­ge­ment in der Wei­ma­rer Zeit. In „Die NS-Ideo­lo­gie – Ver­herr­li­chung und De­mas­kie­run­g“ nimmt der Au­tor Stel­lung zur am­bi­va­len­ten Rol­le der evan­ge­li­schen Kir­che un­ter der NS-Dik­ta­tur. Die viel­fäl­ti­gen evan­ge­li­schen Ein­flüs­se des 20. Jahr­hun­derts wer­den in den Ka­pi­teln „Neu­be­ginn und Re­stau­ra­ti­on“, „Be­frei­en­de Be­we­gun­gen“, und „So­li­da­ri­sche Lern­pro­zes­se“ vor­ge­stellt, der Schwer­punkt liegt da­bei auf den in­ter­na­tio­na­len Frie­dens­be­we­gun­gen. Mit „Ak­zen­te im neu­en Jahr­hun­der­t“ wer­den Ein­bli­cke in die jüngs­ten In­itia­ti­ven der evan­ge­li­schen Kir­che im so­zia­len Be­reich und der Öku­me­ne ge­ge­ben. Der Au­tor geht an­schlie­ßend kurz auf das Ge­den­ken und die Wür­di­gun­gen der ge­nann­ten Ak­teu­re ein und auf die quan­ti­ta­ti­ve Ent­wick­lung des Evan­ge­li­schen Kir­chen­ver­ban­des und der Ar­beits­ge­mein­schaft christ­li­cher Kir­chen in Köln. Ei­ne Li­te­ra­tur­lis­te, ein aus­führ­li­ches Per­so­nen­ver­zeich­nis und ein Nach­wort des be­kann­ten Köl­ner Pries­ters Franz Meu­rer run­den das 175 Sei­ten um­fas­sen­de Buch ab.

Die „500 Jah­re Pro­tes­tan­ten in Köln“ sind mit zahl­rei­chen Ab­bil­dun­gen ver­se­hen, de­ren Po­si­tio­nie­rung und For­ma­tie­rung be­dau­er­li­cher­wei­se nicht im­mer ge­lun­gen sind; ei­ni­ge Kar­ten und An­sich­ten sind so klein, dass sie ih­re Les­bar­keit ein­bü­ßen.

Das Buch ist die vom Au­tor be­ab­sich­tig­te, le­ben­dig ge­schrie­be­ne Über­sicht ge­wor­den und bie­tet der Le­ser­schaft an­schau­li­che Schlag­lich­ter der evan­ge­li­schen Ge­schich­te in Köln. Sein knap­per Stil und die Be­bil­de­rung ma­chen es für Ein­stei­ger in das The­ma at­trak­tiv. Es ist kein wis­sen­schaft­li­ches Buch und soll­te als ein un­ter­halt­sa­mer Ga­lopp durch fünf Jahr­hun­der­te evan­ge­li­schen Le­bens in Köln ge­le­sen wer­den. Gro­ßes Ver­dienst ist die aus­ge­wo­ge­ne Dar­stel­lung des Um­gangs mit der Ko­lo­ni­al-, NS- und der Nach­kriegs­zeit, eben­so wie die Be­zug­nah­men auf die Hal­tun­gen der evan­ge­li­schen Kir­che zu Ho­mo­se­xua­li­tät, Ar­men­ver­sor­gung, Apart­heid und Öku­me­ne. Da­bei weist der Au­tor zu Recht auf vie­le stil­le, wenn auch nicht gänz­lich un­be­kann­te Hel­den hin. Be­son­de­re Stär­ke liegt in der Dar­stel­lung des 20. Jahr­hun­derts, die per­sön­li­che Zü­ge des Au­tors trägt.

Zitationshinweis

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Hermel, Jochen, Schmidt, Klaus, Aufstieg einer Minderheit - 500 Jahre Protestanten in Köln (Kirchengeschichte regional Band 6), Berlin 2016, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Literaturschau/schmidt-klaus-aufstieg-einer-minderheit---500-jahre-protestanten-in-koeln-kirchengeschichte-regional-band-6-berlin-2016/DE-2086/lido/5d1b566773e657.47889923 (abgerufen am 13.12.2019)