Arnold von Isenburg

Erzbischof von Trier (1242-1259)

Rudolf Holbach (Oldenburg)

Ar­nold von Isen­burg hat vor al­lem durch sei­ne Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik zur Stär­kung der erz­bi­schöf­li­chen Herr­schaft und wei­te­ren Ent­wick­lung Kur­triers bei­ge­tra­gen.

Als Sohn von Graf Bru­no von Isen­burg-Brauns­berg (ge­stor­ben vor 1210) und der Theo­do­ra Grä­fin von Wied (ge­stor­ben wohl um 1218) stamm­te Ar­nold von be­deu­ten­den rechts­rhei­ni­schen Adels­ge­schlech­tern ab. Er er­hielt of­fen­bar ei­ne gründ­li­che Aus­bil­dung und wird spä­ter als be­le­sen und rechts­kun­dig be­zeich­net. Dem Trie­rer Dom­ka­pi­tel ge­hör­te er min­des­tens seit 1210 an, war dort 1212 Zel­lerar, 1217 Ar­ch­idia­kon von Diet­kir­chen und 1228 Dom­propst. Fer­ner hat­te er 1220 ein Ka­no­ni­kat am Main­zer Dom und 1236 die Propstei­en von St. Ma­ri­en in Er­furt und St. Kas­tor in Ko­blenz in­ne. Ge­för­dert hat sei­ne geist­li­che Kar­rie­re in ers­ter Li­nie wohl sein On­kel, Erz­bi­schof Diet­rich von Wied.

Nach des­sen Tod wur­de Ar­nold von der Ka­pi­tels­mehr­heit zum Nach­fol­ger ge­wählt. Zu­nächst hat­te er sich al­ler­dings mit dem von ei­ner ober­stif­ti­schen Dom­her­ren­par­tei fa­vo­ri­sier­ten Ru­dolf von der Brü­cke aus­ein­an­der­zu­set­zen, der auch vom stau­fi­schen Kö­nig, vom Her­zog von Loth­rin­gen und von den Gra­fen von Lu­xem­burg und Sayn un­ter­stützt wur­de. Nach hef­ti­gen mi­li­tä­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen konn­te sich Ar­nold be­haup­ten und be­weg­te ge­gen ei­ne Ab­fin­dung im Herbst 1242 sei­nen Geg­ner zum Ver­zicht. Des­sen An­hän­ger führ­ten die Aus­ein­an­der­set­zung zwar noch 1244 fort. Papst In­no­zenz IV. (Pon­ti­fi­kat 1243-1254) be­stä­tig­te aber 1245 Ar­nold end­gül­tig und ge­währ­te ihm so­gar spe­zi­el­le Ver­güns­ti­gun­gen.

Im Reich wirk­te der Isen­bur­ger zu­nächst mit den an­tis­t­au­fi­schen Erz­bi­schö­fen von Köln und Mainz zu­sam­men und un­ter­stütz­te 1246 den Ge­gen­kö­nig Hein­rich Ras­pe. Nach des­sen Tod wähl­te er im Ok­to­ber 1247 wie die bei­den an­de­ren Kir­chen­fürs­ten Wil­helm von Hol­land (Re­gie­rungs­zeit ab 1248 als Ge­gen­kö­nig, an­er­kannt 1254-1256). En­ge­re Be­zie­hun­gen zu die­sem Herr­scher sind aber erst seit 1249 be­legt, als Wil­helm sei­nen Ein­fluss nach Sü­den hin aus­zu­deh­nen such­te. Nach der Aus­sa­ge der Ges­ta Tre­ver­o­rum be­her­berg­te der Trie­rer Erz­bi­schof den Kö­nig mit gro­ßem Ge­fol­ge acht Wo­chen hin­durch auf dem Eh­ren­breit­stein (heu­te Stadt Ko­blenz) und in an­de­ren Or­ten. Im Jah­re 1251 be­glei­te­te er Wil­helms Zug zum Papst nach Ly­on, wo ihn In­no­zenz IV. an­geb­lich höchst eh­ren­voll emp­fing. Durch an­der­wei­ti­ge Ori­en­tie­run­gen Wil­helms und ei­nen Zwi­schen­fall auf dem Rhein 1252 scheint es in­des­sen zu ei­ner Ent­frem­dung ge­kom­men zu sein.

Bei der Dop­pel­wahl von 1257 tritt Ar­nold ge­gen die Ri­chard von Corn­wall (Re­gie­rungs­zeit 1257-1272) un­ter­stüt­zen­den an­de­ren rhei­ni­schen Kur­fürs­ten als Schlüs­sel­fi­gur bei der Er­he­bung von Al­fons von Kas­ti­li­en in Er­schei­nung. Die Grün­de für die Ent­schei­dung des Erz­bi­schofs sind un­klar. Ne­ben ter­ri­to­ri­al­po­li­ti­scher Kon­kur­renz dürf­ten aber ei­ge­ne Pro­fi­lie­rungs­hoff­nun­gen, hand­fes­te Zu­sa­gen des Kas­ti­liers so­wie die an­fäng­li­che fran­zö­si­sche Un­ter­stüt­zung und päpst­li­che Sym­pa­thie für Al­fons ei­ne Rol­le ge­spielt ha­ben. Des­sen Fern­blei­ben, die An­nä­he­rung von Eng­land und Frank­reich und die man­geln­de Un­ter­stüt­zung an­de­rer Fürs­ten er­schwer­ten frei­lich bald die Po­si­ti­on des Trie­rer Erz­bi­schofs. Spä­tes­tens im Au­gust 1258 sah er sich zu Ver­hand­lun­gen ge­nö­tigt, oh­ne dass da­nach ei­ne tat­säch­li­che An­er­ken­nung Ri­chards von Corn­wall fass­bar ist. Ar­nolds Leis­tun­gen lie­gen vor al­lem auf der ter­ri­to­ria­len Ebe­ne. Für ei­ne in­ten­si­ve Lehns­po­li­tik fin­den sich kaum Hin­wei­se; je­doch scheint er das neue In­stru­ment des Burg­le­hens­ver­tra­ges ge­nutzt zu ha­ben. In­wie­weit er bei der Or­ga­ni­sa­ti­on von Herr­schaft zu neu­en For­men über­ging, ist nur sche­men­haft zu er­ken­nen. Durch Bur­gen- und Be­fes­ti­gungs­bau so­wie den Er­werb neu­er Be­sit­zun­gen und Rech­te auf fried­li­chem wie mi­li­tä­ri­schem We­ge trug er aber zur Stär­kung der erz­bi­schöf­li­chen Stel­lung bei. Dies gilt we­ni­ger für das Trie­rer Ober­stift, wo sich zu­nächst noch der Kon­flikt mit den Lu­xem­bur­gern fort­setz­te. Be­rich­tet für sei­ne Re­gie­rungs­zeit wer­den im­mer­hin Er­neue­run­gen am erz­bi­schöf­li­chen Sitz in Pfal­zel und die Be­fes­ti­gung Welsch­bil­ligs durch vier Tür­me. Bau­tä­tig­kei­ten an der Trie­rer Stadt­mau­er wur­den 1248 durch die Ein­füh­rung ei­ner Ak­zi­se un­ter­stützt. Die Burg Ar­ras an der Mit­tel­mo­sel konn­te durch ei­nen Ver­trag von 1253 wie­der­um stär­ker an das Erz­stift ge­bun­den wer­den; Feh­den Ar­nolds mit den Dau­nern und Ober­stei­nern ver­lie­fen of­fen­bar er­folg­reich.

Der Schwer­punkt von Ar­nolds Ak­ti­vi­tä­ten lag ein­deu­tig im Os­ten des Erz­stifts. Der Eh­ren­breit­stein wur­de sein be­vor­zug­ter Re­si­denz­ort. An der Un­ter­mo­sel ge­lang es nach lan­ger Be­la­ge­rung 1248, im Ver­ein mit dem Köl­ner Erz­bi­schof die im­mer noch star­ke pfalz­gräf­li­che Stel­lung durch die Ge­win­nung der Burg Thu­randt zu er­schüt­tern.

Be­rich­tet wer­den für Ar­nolds Zeit wei­ter­hin Bur­gen­bau­ten in Bi­schof­stein an der un­te­ren Mo­sel und Stol­zen­fels am Mit­tel­rhein, die Wie­der­her­stel­lung des Eh­ren­breit­steins und Be­fes­ti­gun­gen in Müns­ter­mai­feld, Ko­blenz und Har­ten­fels, das er 1249 zu­sam­men mit Burg­tei­len käuf­lich er­wor­ben hat­te. In den fünf­zi­ger Jah­ren ka­men – zum Teil nur pfand­wei­se – durch Zah­lung von Geld­sum­men ver­schie­de­ne Hö­fe und Vog­tei­rech­te hin­zu, 1253 vor al­lem die für die Stadt­herr­schaft wich­ti­ge Vog­tei von Ko­blenz. Die fi­nan­zi­el­len Res­sour­cen ver­schaff­te sich der Erz­bi­schof auf un­ter­schied­li­che Wei­se, wo­bei die Mit­tel von Kre­di­ten bis zu neu­en Zöl­len reich­ten.

Das Ver­hält­nis Ar­nolds zur Ku­rie blieb im We­sent­li­chen freund­lich; mehr­fach sind päpst­li­che Ver­güns­ti­gun­gen für ihn be­legt. Das kirch­li­che Wir­ken im Erz­bis­tum wur­de durch Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit den Trie­rer Kir­chen über­schat­tet. Kla­gen der Stif­te von 1257 las­sen er­ken­nen, dass der Erz­bi­schof zu­vor in mas­si­ver Form sei­ne geist­li­che Po­si­ti­on für fi­nan­zi­el­le und po­li­ti­sche Zwe­cke aus­ge­nutzt hat­te. Gü­ter und di­ver­se Pfründ­ein­künf­te hat­te er so ein­be­hal­ten, die Tes­tier­frei­heit der Kle­ri­ker ein­ge­schränkt, auf de­ren Nach­lass zu­ge­grif­fen und un­zu­läs­si­ge Ab­ga­ben er­ho­ben. Hin­ter­grund der Be­schwer­de über ei­ne Be­ein­träch­ti­gung der geist­li­chen Ge­richts­bar­keit von Ar­ch­idia­ko­nen und Prä­la­ten dürf­te die in­sti­tu­tio­nel­le Ver­fes­ti­gung des erz­bi­schöf­li­chen Of­fi­zialats mit ei­ge­ner Ku­rie und Sie­gel zu Ar­nolds Zeit sein. Der Er­folg der Stif­te beim päpst­li­chen Ge­richt führ­te zu erz­bi­schöf­li­chen Zu­ge­ständ­nis­sen. Das Ver­hält­nis blieb je­doch an­schei­nend wei­ter ge­spannt.

Zwar scheint Ar­nold we­der Syn­ode noch Kon­zil ab­ge­hal­ten zu ha­ben. Er war aber als geist­li­cher Ober­hir­te kei­nes­wegs un­tä­tig. Über­lie­fert sind di­ver­se Al­tar­wei­hen, Ab­lass­pri­vi­le­gi­en, Pa­tro­nats­rechts­ver­lei­hun­gen, In­kor­po­ra­tio­nen, Maß­nah­men bei Strei­tig­kei­ten, Be­stä­ti­gun­gen von Sta­tu­ten und an­de­res mehr. So gab Ar­nold 1255 auch den Schwes­tern von St. Ger­va­si­us in Trier erst­mals ei­ne Re­gel. Sein An­teil an der re­gen Bau­tä­tig­keit bei ver­schie­de­nen Stif­ten und Klös­tern ist schwer zu be­stim­men. Kon­kre­te Ak­ti­vi­tä­ten des Erz­bi­schofs sind für das Non­nen­klos­ter auf dem Nie­der­werth und die Ka­pel­le von Blei­den­berg bei Thu­randt be­zeugt. Über sein Stif­tungs­ver­hal­ten be­sit­zen wir an­sons­ten we­nig In­for­ma­tio­nen. Ab­ge­se­hen von zwei Ur­kun­den mit Do­ta­tio­nen für St. Kas­tor in Ko­blenz und Ma­ria Laach weist aber Ar­nolds Er­schei­nen in Me­mo­ri­en­bü­chern aus Trier und Mainz, Diet­kir­chen, Ko­blenz, Er­furt, Ma­ria Laach und Sprin­giers­bach auf ei­ne in­ten­si­ve För­de­rung geist­li­cher In­sti­tu­tio­nen hin.

In sei­ner letz­ten Le­bens­pha­se tritt der Erz­bi­schof kaum noch in Er­schei­nung. Am 5.11.1259 starb er in Mon­ta­baur. Sein Leich­nam wur­de nach Trier über­führt und fand sei­ne Ru­he­stät­te am Dom­chor beim Agnes­al­tar ge­gen­über dem Grab sei­nes Vor­gän­gers und On­kels. Der Au­tor der Ges­ta Ar­nol­di be­zeich­net bei­de über­schwäng­lich als be­son­de­re Leuch­ten der Trie­rer Kir­che und Diö­ze­se. In sei­ner letz­ten Le­bens­pha­se tritt der Erz­bi­schof kaum noch in Er­schei­nung. Am 5.11.1259 starb er in Mon­ta­baur. Sein Leich­nam wur­de nach Trier über­führt und fand sei­ne Ru­he­stät­te am Dom­chor beim Agnes­al­tar ge­gen­über dem Grab sei­nes Vor­gän­gers und On­kels. Der Au­tor der Ges­ta Ar­nol­di be­zeich­net bei­de über­schwäng­lich als be­son­de­re Leuch­ten der Trie­rer Kir­che und Diö­ze­se.

Quellen

Ges­ta Tre­ver­o­rum con­ti­nua­tio V., in: MGH Scrip­to­res, Band 24, hg. von Ge­org Waitz, Han­no­ver 1879, Nach­druck Stutt­gart/New York 1964, S. 405-414.

Die Ta­ten der Trie­rer. Ges­ta Tre­ver­o­rum, hg. von Emil Zenz, Band 3, Trier 1959.

Literatur

Bautz, Fried­rich Wil­helm, Ar­ti­kel „Ar­nold II., Erz­bi­schof von Trier“, in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon 1 (1990) Sp. 236.

Bo­dsch, In­grid, Burg und Herr­schaft. Zur Ter­ri­to­ri­al- und Bur­gen­po­li­tik der Erz­bi­schö­fe von Trier im Hoch­mit­tel­al­ter bis zum Tod Die­ters von Nas­sau († 1307), Bop­pard 1989.

Heyen, Franz-Jo­sef, Über die Trie­rer Dop­pel­wah­len von 1183 und 1242, in: Ar­chiv für mit­tel­rhei­ni­sche Kir­chen­ge­schich­te 21 (1969), S. 21-33.

Hol­bach, Ru­dolf, Ar­nold von Isen­burg (um 1190-1259), in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der, Band 9, Köln 1982, S. 41-59.

Hol­bach, Ru­dolf, Die Re­gie­rungs­zeit des Trie­rer Erz­bi­schofs Ar­nold (II.) von Isen­burg. Ein Bei­trag zur Ge­schich­te von Reich, Ter­ri­to­ri­um und Kir­che um die Mit­te des 13. Jahr­hun­derts, in: Rhei­ni­sche Vier­tel­jahrs­blät­ter 47 (1983), S. 1-66.

Online

Con­rad, Joa­chim, Isen­burg Ar­nold II. von, in: Saar­län­di­sche Bio­gra­fi­en On­line. [On­line]

Die di­gi­ta­len Mo­nu­men­ta Ger­ma­nie His­to­ri­ca (dmgh) (Für ei­ne Re­cher­che in­ner­halb der dmgh sie­he die je­wei­li­gen An­ga­ben un­ter der Ru­brik Quel­len). [On­line]

 
Zitationshinweis

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Holbach, Rudolf, Arnold von Isenburg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/arnold-von-isenburg-/DE-2086/lido/57adba340af0c2.75410661 (18.09.2018)