Familie Bruyn

Malerfamilie

Annekatrein Löw (Münster)

Medaille mit dem Profilbildnis Bartholomäus Bruyns des Älteren von Friedrich Hagenauer. (Kunsthistorischen Museum Wien, Münzkabinett)

Einleitung

Das be­deu­tends­te Mit­glied der be­rühm­ten Kölner Ma­l­er­fa­mi­lie war Bar­tho­lo­mä­us Bruyn der Äl­te­re, der wohl um 1512 vom Nie­der­rhein, ver­mut­lich aus We­sel, nach Köln ein­wan­der­te. Er gilt als ei­ner der letz­ten Ver­tre­ter der so ge­nann­ten Alt­köl­ner Ma­le­rei. In Kennt­nis und un­ter Ver­ar­bei­tung der köl­ni­schen und nie­der­län­di­schen Bild­tra­di­ti­on führ­te er die Köl­ner Ma­le­rei in die Re­nais­sance, wo­bei er sich – ver­mit­telt durch druck­gra­phi­sche Vor­la­gen – der neu­es­ten Ent­wick­lun­gen aus Ita­li­en be­dien­te. Sei­ne zahl­rei­chen um­fang­rei­chen christ­li­chen Al­tar­wer­ke und Bild­zy­klen, die er mit Hil­fe ei­ner per­so­nal­star­ken Werk­statt schuf und in der auch sei­ne bei­den ma­len­den Söh­ne, Arnt und Bar­tho­lo­mä­us der Jün­ge­re tä­tig wa­ren, wei­sen ihn als den meist­be­schäf­tig­ten Ma­ler sei­ner Zeit in Köln aus.

Bar­tho­lo­mä­us Bruyn der Äl­te­re führ­te au­ßer­dem das bis da­hin erst ver­ein­zelt in Köln an­zu­tref­fen­de bür­ger­li­che Por­trät zu gro­ßer Blü­te; zahl­rei­che Bild­nis­auf­trä­ge be­deu­ten­der Per­sön­lich­kei­ten des rhei­ni­schen Pa­tri­zi­ats, dar­un­ter Rats­her­ren und Bür­ger­meis­ter mit ih­ren Fa­mi­li­en, ver­hal­fen ihm zu ho­hem ge­sell­schaft­li­chen An­se­hen und bür­ger­li­chen Eh­ren­äm­tern.

Bar­tho­lo­mä­us der Jün­ge­re, der zweit­äl­tes­te Sohn, führ­te die Werk­statt nach dem Tod des Va­ters wei­ter, konn­te je­doch kaum an des­sen Er­folg an­knüp­fen. Sein Werk blieb, bis auf we­ni­ge in­no­va­ti­ve Leis­tun­gen im Be­reich des Por­träts, von zu­meist hand­werk­li­cher Qua­li­tät epi­go­na­len Cha­rak­ters.

Bartholomäus (Barthel) Bruyn der Ältere (1493–1555)

Das Ge­burts­jahr 1493 und die äu­ße­re Er­schei­nung Bar­tho­lo­mä­us (auch Bart­hel, Bar­tel de, Bar­told) Bruyns (auch Bru­en, Bru­in, Brun, Bru­ne, Bruns, Fus­cus) des Äl­te­ren sind durch die 1539 von Fried­rich Ha­genau­er (um 1499–nach 1546), der nach 1546 in Köln als Me­dail­leur und Bild­schnit­zer tä­tig war, ge­präg­te Ge­denk­me­dail­le be­kannt. Sie ist be­zeich­net: BAR­THO­LO­MEVS BRVYN PIC­TOR CO­LO­NI­EN­SIS AN­NO ÆTA­TIS XLVI, zeigt al­so den Ma­ler in sei­nem 46. Le­bens­jahr. Bruyns Her­kunft und Ju­gend vor dem ur­kund­lich ge­si­cher­ten Er­schei­nen in Köln 1515 (Auf­trag Cla­pis) lie­gen im Dun­keln, sind je­doch in en­ger Ab­hän­gig­keit von sei­nem Leh­rer und spä­te­ren Schwie­ger­va­ter Jan Joest von Kal­kar zu se­hen.

Ge­bür­ti­ger Köl­ner war Bruyn nicht; viel­mehr wur­den für ihn – wie auch für Jan Joest – We­sel oder Haar­lem als Her­kunfts­ort an­ge­nom­men. Als ge­si­chert gilt, dass Bruyn um 1505 im Al­ter von et­wa zwölf Jah­ren als Ge­sel­le in die Werk­statt des – wie Mar­tin Ro­elen nach­ge­wie­sen hat – aus We­sel stam­men­den und erst spä­ter nach Haar­lem über­ge­sie­del­ten Jan Joest ein­trat, der in den Jah­ren 1505–1508/1509 am Hoch­al­tar für die Stadt­pfarr­kir­che St. Ni­ko­lai in Kal­kar (in si­tu) ar­bei­te­te.

 

Hier war auch der et­wa acht Jah­re äl­te­re Joos van Cle­ve (um 1480/1485–1540) tä­tig, der sich we­nig spä­ter, 1511, in Ant­wer­pen nie­der­ließ, wo er ei­ne Fa­mi­lie grün­de­te und ei­ne grö­ße­re Werk­statt be­trieb. In spä­te­ren Jah­ren war Joos van Cle­ve in­ter­na­tio­nal, so 1530–1535 in Frank­reich am Ho­fe Franz I. (Re­gie­rungs­zeit 1515–1547) und ab 1536 in Eng­land, vor al­lem als Por­trä­tist ge­fragt. Mit Bar­tho­lo­mä­us Bruyn, der von ihm zeit­le­bens künst­le­risch an­ge­regt wur­de, ver­band ihn ei­ne le­bens­lan­ge Freund­schaft. Das zeigt ein­drucks­voll das so ge­nann­te Freund­schafts­bild­nis der bei­den Ma­ler auf ei­ner Sze­ne mit der Le­gen­de des hei­li­gen Vik­tor von Bar­tho­lo­mä­us Bruyn dem Äl­te­ren aus dem Jahr 1529 (Wall­raf-Ri­ch­artz-Mu­se­um, Köln).

Bruyn wird sei­nem Leh­rer Jan Joest 1512 nach Wer­den (heu­te Stadt Es­sen) ge­folgt sein, wo die­ser den heu­te ver­lo­re­nen Hoch­al­tar für die dor­ti­ge Ab­tei­kir­che schuf. Von dort aus wird er we­nig spä­ter in die Me­tro­po­le Köln über­ge­sie­delt sein. Hier wur­de er, den Zunft­re­geln ent­spre­chend, zu­nächst in der Werk­statt ei­nes dort an­säs­si­gen Ma­lers, wahr­schein­lich des Meis­ters von St. Se­ve­rin (ge­bo­ren um 1460), tä­tig in Köln um 1480–1515/1520, ge­ar­bei­tet ha­ben. Der Kon­takt zu Wer­den riss je­doch zeit­le­bens nicht ab: So ge­hört zu Bruyns frü­hes­ten Ar­bei­ten in Köln (1512–1515) der ei­ni­ge Dut­zend Ta­feln um­fas­sen­de Bild­zy­klus für den Kreuz­gang des Köl­ner Be­ne­dik­ti­ne­rin­nen­klos­ters „Zu den hei­li­gen Mach­a­bä­ern“, von de­nen zehn Ta­feln er­hal­ten sind. Ne­ben an­de­ren hoch­ran­gi­gen Stif­tern, wie et­wa den Gra­fen Man­der­scheid-Blan­ken­heim oder der Köl­ner Fa­mi­lie Rinck, war dar­an auch die Ab­tei Wer­den be­tei­ligt.

Zu den frü­hes­ten För­de­rern Bruyns in Köln ge­hör­te der Ju­rist Dr. Pe­ter von Cla­pis (um 1480–1551), für den er be­reits 1515 den Al­tar mit der „Ma­ri­en­krö­nun­g“ schuf und auf dem sich das Stif­ter­paar nicht nur kni­end auf der Mit­tel­ta­fel, son­dern ein zwei­tes Mal, und zwar in Ge­stalt zwei­er Hei­li­ger, selbst­be­wusst por­trä­tie­ren ließ: Cla­pis tritt auf dem lin­ken Flü­gel als hei­li­ger Ivo, Pa­tron der Ju­ris­ten, auf, sei­ne Ehe­frau Be­la Bo­nen­berg ihm ge­gen­über als hei­li­ge An­na (Smith Col­le­ge Mu­se­um of Art, Nort­hamp­ton/Mass.). Für Cla­pis schuf Bruyn, ne­ben ei­ni­gen Por­träts, auch ei­nes der ers­ten Nacht­bil­der der deut­schen Kunst, die „Hei­li­ge Nach­t“, 1516 (Stä­del, Frank­furt am Main).

1518 wur­de der jun­ge Meis­ter erst­mals in ein bür­ger­li­ches Eh­ren­amt, und zwar in das Gre­mi­um der Vier­und­vier­zi­ger, ge­wählt, 1521 er­folg­te die Wie­der­wahl – ein In­diz für sei­nen frü­hen be­ruf­li­chen Er­folg und das fort­schrei­ten­de bür­ger­li­che An­se­hen. Zwi­schen 1515 und 1518 hei­ra­te­te er Agnes Joest (ge­stor­ben 1550), ei­ne Toch­ter sei­nes Leh­rers Jan Joest. Aus der Ehe gin­gen fünf Kin­der her­vor: ne­ben den Mäd­chen Ka­tha­ri­na und Clair­gin die ma­len­den Brü­der Arnt und Bar­tho­lo­mä­us der Jün­ge­re so­wie das jüngs­te Kind Ma­thi­as.

Letz­te­rer, um 1524/1525 ge­bo­ren und 1538 in den Ma­tri­keln der Köl­ner Uni­ver­si­tät ver­zeich­net, wur­de mit dem Klos­ter­na­men Pau­lus Kon­ven­tua­le in Wer­den. Als Kell­ner der Ab­tei – 1551 und 1561 ist er auch als Pfar­rer von St. Lu­ci­us ver­zeich­net – kam er zu zwei­fel­haf­tem Ruhm: We­gen sei­ner man­gel­haf­ten Ver­wal­tungs- und Auf­sicht­s­tä­tig­keit – er hat­te in sei­ner Amts­zeit ho­he Schul­den­ber­ge an­ge­häuft – und nicht zu­letzt we­gen sei­ner in den 1560er Jah­ren öf­fent­lich vor­ge­tra­ge­nen re­for­ma­to­ri­schen Nei­gun­gen wur­de ihm das Amt des Ko­ad­ju­tors des Klos­ters in Kon­kur­renz zu Hein­rich Du­den (ge­stor­ben 1601) aus We­sel nach hef­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen ver­wehrt, er wur­de schlie­ß­lich sei­nes Am­tes ent­ho­ben und für zwei Jah­re in Haft ge­setzt. Erst nach­dem er ge­lobt hat­te, in Zu­kunft die ka­tho­li­sche Leh­re zu pre­di­gen und die Wahl Du­dens zum Abt im Jahr 1573 an­zu­er­ken­nen, er­hielt er in sein Amt zu­rück.

Triptychon von Bartholomäus Bruyn dem Älteren, auf der Mit-teltafel: Marienkrönung mit dem Stifterpaar Dr. Peter von Cla-pis und seiner Ehefrau Bela Bonenberg, auf den Flügeln das Stifterpaar, links Peter von Clapis als heiliger Ivo, rechts Bela von Bonenberg als heilige Anna, auf den Flügelaußenseiten Verkündigung in Grisaille, 1515. (Smith College Museum of Art, Northampton/Mass.)

 

Mit ei­nem ers­ten grö­ße­ren Al­tar­auf­trag, der Aus­füh­rung der wohl ehe­mals acht groß­for­ma­ti­gen Flü­gel­ge­mäl­de für den Hoch­al­tar­schrein des Frau­en­stifts Es­sen, dem so ge­nann­ten Es­se­ner Al­tar, 1522–1525, be­grün­de­te Bruyn sei­nen künst­le­ri­schen Er­folg und si­cher­te sich wei­te­re Auf­trä­ge. The­ma­tisch wei­sen die bis heu­te in si­tu im Es­se­ner Müns­ter er­hal­te­nen vier Ta­feln mit je­weils zwei Sze­nen aus Kind­heits- und Pas­si­ons­ge­schich­te Chris­ti zwar ein kon­ven­tio­nel­les iko­no­gra­phi­sches Pro­gramm auf, in sti­lis­ti­scher Hin­sicht mar­kiert der Es­se­ner Al­tar je­doch den Hö­he­punkt und Ab­schluss des bruyn­schen Früh­wer­kes an der Wen­de vom Spät­mit­tel­al­ter zur Re­nais­sance.

Nur we­ni­ge Jah­re spä­ter, 1529, er­hielt Bruyn den Auf­trag für ein wei­te­res im­po­san­tes Al­tar­pro­gramm, die Aus­füh­rung der acht Flü­gel­ge­mäl­de für den Hoch­al­tar der Stifts­kir­che St. Vik­tor in Xan­ten, voll­endet 1534 (in si­tu). Ne­ben Sze­nen aus der Pas­si­on Chris­ti ist das iko­no­gra­phi­sche Pro­gramm den Le­gen­den der hei­li­gen Vik­tor und He­le­na ge­wid­met, die Bruyn in ei­ner sze­nen­rei­chen und viel­fi­gu­ri­gen Bil­der­zäh­lung vor büh­nen­haf­ter Re­nais­sance­ar­chi­tek­tur in kräf­tig-leuch­ten­der Farb­ge­bung ent­wi­ckelt

Mit dem Xan­te­ner Al­tar hat­te Bruyn die „Zei­ten­wen­de“ zur Re­nais­sance in Köln voll­zo­gen. Durch die ver­stärk­te Nut­zung druck­gra­phi­scher Vor­la­gen und die kennt­nis­rei­che Ver­ar­bei­tung der ita­lie­ni­schen Hoch­re­nais­sance­ma­le­rei ge­lang es ihm, oh­ne je­mals selbst Ita­li­en be­reist zu ha­ben, ei­nen „se­cond-hand Man­ne­ris­m“ (Cas­well 1996, S. 60) von durch­aus ei­gen­stän­di­ger Prä­gung zu er­schaf­fen und sei­ne Ma­le­rei den ak­tu­el­len Strö­mun­gen auf dem Kunst­markt an­zu­pas­sen. Er griff da­bei vor al­lem auf die Sti­che Mar­can­to­nio Rai­mon­dis (um 1475–um 1534) nach Raf­fa­el (1483–1520) und die durch ita­li­en­rei­sen­de Nie­der­län­der wie Jan van Scorel (1495–1562) und spä­ter Ma­er­ten van Heems­kerck (1498–1574) ver­mit­tel­ten Vor­la­gen zu­rück. Bruyn ging mit der Zeit – dies si­cher­te ihm bei sei­ner an­spruchs­vol­len Köl­ner Kund­schaft – oft­mals weit ge­reis­te Kauf­leu­te – nach­hal­ti­gen Er­folg und wei­te­re Auf­trä­ge.

In die Rei­he der be­rühm­ten Por­träts der Xan­te­ner Stifts­ka­no­ni­ker und wohl­ha­ben­den Gön­ner des Stif­tes, die Bruyn auf zwei der Ta­feln wohl zum Ab­schluss der Ar­bei­ten 1534 ei­gen­hän­dig in die Kom­po­si­ti­on ein­füg­te, hat der Ma­ler auch sein ei­ge­nes Bild­nis, das ihn mit sei­ner Frau Agnes und wohl sei­nem äl­tes­ten Sohn Arnt hin­ter ei­ner Brüs­tung ste­hend zeigt, ein­ge­bracht. Das Selbst­bild­nis des Ma­lers dient nicht nur als Zeug­nis der Au­tor­schaft des Al­tars, ge­wis­ser­ma­ßen als „ge­mal­te Si­gna­tur“; es ist, ganz im Sin­ne der Neu­en Zeit, Aus­weis ei­nes sich neu ent­wi­ckeln­den künst­le­ri­schen Selbst­ver­ständ­nis­ses des Ma­lers. Es be­zeugt zu­gleich das ge­wach­se­ne bür­ger­li­che Selbst­be­wusst­sein wie die wirt­schaft­li­che Pros­pe­ri­tät des Ma­lers.

1533 war Bruyn in der La­ge, in Köln in der Pfar­re St. Al­ban, na­he beim Gür­ze­nich am heu­ti­gen Qua­ter­markt, ein Dop­pel­haus zu er­wer­ben, das einst Ei­gen­tum von Ste­fan Loch­ner ge­we­sen war. Spä­tes­tens seit Be­ginn der 1530er Jah­re dürf­te Bruyn ei­ne gro­ße Werk­statt mit wach­sen­dem Schü­ler­kreis be­schäf­tigt ha­ben, die vor­nehm­lich da­mit be­traut war, sei­ne vie­len Auf­trä­ge zu be­wäl­ti­gen. Zu­gleich wird der gro­ße Er­folg der Werk­statt ei­ne Rei­he zeit­ge­nös­si­scher un­be­kann­ter Ma­ler im Um­kreis Bruyns da­zu in­spi­riert ha­ben, den neu­en „Bruyn-Stil“ – zu­meist in hand­werk­li­cher Ma­nier – zu ko­pie­ren.

Ne­ben der Pro­duk­ti­on viel­tei­li­ger Al­tar­wer­ke und christ­li­cher Bild­zy­klen liegt Bruyns ei­gent­li­cher Ver­dienst in der Eta­blie­rung der bür­ger­li­chen Por­trät­ma­le­rei in Köln. Da­bei führ­te er das hier zu­vor erst ver­ein­zelt vor­kom­men­de au­to­no­me Bild­nis zu ho­her Blü­te und be­grün­de­te ei­ne bis weit in das 17. Jahr­hun­dert rei­chen­de Por­trättra­di­ti­on, die Köln zu ei­nem wich­ti­gen Zen­trum bür­ger­li­cher Bild­nis­ma­le­rei mach­te. Bruyn setz­te da­bei so­wohl die Tra­di­ti­on des an den sa­kra­len Bild­zu­sam­men­hang ge­bun­de­nen Stif­ter­bil­des in ver­schie­de­nen Va­ri­an­ten fort (wie bei­spiels­wei­se die Cla­pis-Auf­trä­ge) und ent­wi­ckel­te dar­aus ers­te Vor­läu­fer des au­to­no­men Grup­pen­bild­nis­ses (Xan­te­ner Al­tar), wie auch des bür­ger­li­chen Fa­mi­li­en­bild­nis­ses (bei­spiels­wei­se in Köln zwei Al­tar­flü­gel mit den Stif­tern Her­mann Su­der­mann und Ur­su­la Hupp mit ih­rer Fa­mi­lie, um 1540, Pri­vat­be­sitz). Vor al­lem mach­te er das Por­trät­di­pty­chon in Köln be­liebt, ei­ne Son­der­gat­tung des zwei­ta­fe­li­gen Ver­löb­nis- be­zie­hungs­wei­se Ehe­paar­bild­nis­ses, bei der sich die bei­den Part­ner, ein­an­der zu­ge­wandt, je­doch über zwei Ta­feln ver­teilt, buch­stäb­lich zu ei­ner ver­schließ­ba­ren Bild­nis­kap­sel zu­sam­men­klap­pen lie­ßen. Die oft klein­for­ma­ti­gen, oben mit run­dem oder ge­schweif­tem Ab­schluss ver­se­he­nen Ta­feln, de­ren Au­ßen­sei­te häu­fig mit ei­nem Wap­pen, ei­ner In­schrift, ei­nem Va­ni­tass­til­le­ben oder Ähn­li­chem be­malt war, lie­ßen sich in ge­schlos­se­nem Zu­stand an der Wand ver­ber­gen oder auf Rei­sen mit­füh­ren und wur­den bei Be­darf – ähn­lich den Fa­mi­li­en­fo­tos heu­te – im Fa­mi­li­en- und Freun­des­kreis vor­ge­zeigt.

Bildnis des Kölner Bürgermeisters Arnold von Brauweiler von Bartholomäus Bruyn dem Älteren, 1535. (Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud Köln)

 

Auch die durch be­rühm­te Zeit­ge­nos­sen Bruyns, et­wa Lu­cas Cra­nach den Äl­te­ren (1472-1553) oder Hans Hol­bein den Jün­ge­ren (1497/1498–1543) be­kann­ten rund­for­ma­ti­gen, mit­tels ei­nes Ge­win­des ver­schließ­ba­ren kost­ba­ren Mi­nia­tur- oder Kap­sel­bild­nis­se er­freu­ten sich in Bruyns Auf­trag­ge­ber­krei­sen gro­ßer Be­liebt­heit, wie zum Bei­spiel die Rund­bild­nis­se des Her­mann Rinck III und der Si­byl­la Kan­nen­gies­ser mit Wap­pen, 1530 (Wall­raf-Ri­ch­artz-Mu­se­um, Köln).

Amts­bild­nis­se Köl­ner Bür­ger­meis­ter führ­te Bruyn in pri­va­tem wie öf­fent­li­chem Auf­trag in grö­ße­rer Zahl aus. Das pro­mi­nen­tes­te Bei­spiel ist wohl das Amts­bild­nis des Bür­ger­meis­ters Ar­nold von Brau­wei­ler (um 1473–1552) aus dem Jahr 1535 (Wall­raf-Ri­ch­artz-Mu­se­um, Köln). Es zeigt den Amts­trä­ger auf sei­nen wei­ßen Amts­stab ge­stützt und ge­klei­det in die vorn ver­ti­kal ge­teil­te, schwarz-ro­te Mi-Par­ti-Amts­tracht. Bruyn hebt mit sei­ner Fä­hig­keit zur In­di­vi­dua­li­sie­rung und Nu­an­cie­rung das Re­prä­sen­ta­ti­ve des Por­trä­tier­ten hier be­son­ders her­vor.

1541 re­stau­rier­te Bruyn den Hoch­al­tar der Wer­de­ner Ab­tei­kir­che; ei­ni­ge Jah­re spä­ter, 1570, wur­de der Al­tar er­neut, und zwar von sei­nem äl­tes­tem Sohn Arnt, ge­rei­nigt. Ab 1547 führ­te Bruyn ei­nen Zy­klus mit 57 Sze­nen aus dem Neu­en Tes­ta­ment für den Kreuz­gang des Kar­me­li­ter­klos­ters in Köln aus, An dem Zy­klus sol­len, wie Her­mann Weins­berg be­rich­tet, nach Bruyn des­sen Söh­ne ge­ar­bei­tet be­zie­hungs­wei­se ihn fort­ge­führt ha­ben. Ab den spä­ten 1540er Jah­ren ist da­mit erst­mals ei­ne Mit­ar­beit der bei­den ma­len­den Söh­ne, wohl Arnt und Bar­tho­lo­mä­us Bruyn der Jün­ge­re, in der Werk­statt des Va­ters über­lie­fert.

Bartholomäus Bruyn der Jüngere, Kreuzigung mit dem Stifter Hermann Weinsberg und seiner Ehefrau, Weisgin Ripgin, Mit-teltafel des Weinsberg-Triptychons für die Turmhalle von St. Jakob, Köln, Flügel verschollen, 1556. (Kölnisches Stadtmuseum)

 

Von dem viel­tei­li­gen Zy­klus, für den der Kar­me­li­ter-Pro­vin­zi­al Ever­ard Billick (1499–1557) zahl­rei­che geist­li­che und welt­li­che Stif­ter ge­win­nen konn­te, ist heu­te nur ei­ne Ta­fel er­hal­ten, die „Ver­su­chun­gen Chris­ti“ (LVR-Lan­des­Mu­se­um Bonn). Der Teu­fel tritt mit der Auf­for­de­rung der ers­ten Ver­su­chung, ei­nen Stein in Brot zu ver­wan­deln, an Chris­tus her­an. Das Ge­sicht des mit ei­nem Ba­rett und Mönchs­ge­wand be­klei­de­ten Ver­su­chers, aus dem Kral­len­fü­ße und ge­rin­gel­ter Schwanz her­vor­schau­en, trägt die Zü­ge Mar­tin Lu­thers (1483–1546). Das Lein­wand­bild gilt als ein­drucks­vol­ler Be­leg für die ka­tho­li­sche Ge­gen­wehr ge­gen die auf­kom­men­de re­for­ma­to­ri­sche Be­we­gung in Köln. An­re­gung für die dras­tisch-po­le­mi­sche „Ver­teu­fe­lun­g“ Lu­thers gab si­cher wie­der­um Billick, der als streit­ba­rer Kämp­fer ge­gen die re­for­ma­to­ri­schen Kräf­te galt. Ob Bruyn im­mer auf der Sei­te des „rech­ten Glau­ben­s“ stand, ist nicht ge­si­chert, ob­wohl er als Mit­glied des Ra­tes der Stadt Köln, in den er erst­mals 1549 ge­wählt wur­de, ka­tho­lisch sein muss­te.

1550 über­trug er, nach dem Tod sei­ner Frau Agnes, den Haus­be­sitz an sei­ne Kin­der – ein Hin­weis dar­auf, dass Bruyn sich zu­neh­mend von sei­ner künst­le­ri­schen Tä­tig­keit zu­rück­zog. Den­noch sind für die Spät­zeit, ne­ben ei­ni­gen, auch be­deu­ten­den Por­trät­auf­trä­gen, un­ter an­de­rem für die Fa­mi­lie Weins­berg, re­prä­sen­ta­ti­ve Al­tar­auf­trä­ge zu ver­zeich­nen, so zum Bei­spiel der Kreu­zal­tar im Köl­ner Dom von 1548, der Abend­mahl­sal­tar in St. Se­ve­rin und der Kreu­zal­tar in St. An­dre­as, bei­de um 1550–1555. Mit Hil­fe sei­ner Werk­statt und un­ter nicht klar ab­zu­gren­zen­der Be­tei­li­gung sei­ner Söh­ne ver­ar­bei­te­te Bruyn hier den neu auf­kom­men­den „Ma­nie­ris­mus“ der ita­li­en­rei­sen­den Nie­der­län­der, vor al­lem Ma­er­ten van Heems­kercks. Tüm­mers ur­teilt 1990 (S. 8) über das Spät­werk Bruyns: „Der her­auf­zie­hen­de Ma­nie­ris­mus woll­te ge­schraub­tes Po­sie­ren und ge­zier­te Ges­tik; auch da­zu fand Bruyn sich be­reit. Es war ein Wan­del der For­men und des Stils, nicht der In­hal­te. Schaf­fens­kraft und An­pas­sungs­fä­hig­keit blie­ben Bruyn bis ins ho­he Al­ter er­hal­ten.“ 1553 wur­de Bruyn zum letz­ten Mal in den Rat der Stadt ge­wählt; am 22.4.1555 wird er in den Rech­nungs­bü­chern von St. Al­ban als ver­stor­ben ge­mel­det.

Bartholomäus Bruyn derJüngere, zweiflügeliges, klappbares Andachtsdiptychon, auf der linken Flügelinnenseite das Bild-nis des reformierten Magdeburger Abtes Peter Ulner, auf der rechten Flügelinnenseite ein kreuztragender Christus, auf der rechten Außenseite ein Vanitas-Stillleben mit Totenkopf, 1560. (LVR-LandesMuseum Bonn)

 

Arnt Bruyn (um 1515/1520-1577)

Nach dem Tod Bar­tho­lo­mä­us Bruyns des Äl­te­ren füh­ren die bei­den ma­len­den Söh­ne die er­folg­rei­che Werk­statt des Va­ters wei­ter, wo­bei sie, we­nig in­no­va­tiv, auf den Stil- und Ty­pen­ap­pa­rat des äl­te­ren Bruyn zu­rück­grif­fen und auch ih­re Auf­trag­ge­ber vor­nehm­lich aus dem Er­be des Va­ters re­kru­tier­ten. Bar­tho­lo­mä­us Bruyn der Jün­ge­re scheint da­bei die do­mi­nan­te­re Per­sön­lich­keit ge­we­sen zu sein: Arnt, der äl­tes­te, um 1515/1520 Ge­bo­re­ne, trat we­ni­ger durch sei­ne künst­le­ri­schen Er­fol­ge als viel­mehr als Nach­fol­ge sei­nes Va­ters im Rat der Stadt her­vor, dem er durch­gän­gig von 1564–1576 an­ge­hör­te. Vor 1550 ver­mähl­te er sich mit Ger­trud Pütz (ge­stor­ben 1579/1580), mit der er vier Kin­der hat­te. Von sei­ner Hand sind, bis auf we­ni­ge Re­stau­rie­rungs­ar­bei­ten, so im Auf­trag des Rats der Stadt Köln die Rei­ni­gung des so ge­nann­ten Al­tars der Stadt­pa­tro­ne von Ste­fan Loch­ner in der Rats­ka­pel­le 1568 (heu­te im Köl­ner Dom), kei­ne ei­ge­nen Wer­ke ur­kund­lich über­lie­fert. Die­ser Auf­trag wirft je­doch kein gu­tes Licht auf die bei­den Brü­der, stand er doch im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Ver­fah­ren we­gen Heh­le­rei, in das die Bruyns kurz zu­vor ver­wi­ckelt ge­we­sen wa­ren und wel­ches sie zwang, das Arnt auf­er­leg­te Bu­ß­geld mit Hil­fe die­ses Auf­trags ab­zu­zah­len. Arnts fi­nan­zi­el­le La­ge war au­gen­schein­lich un­güns­tig; wie sei­ne bei­den Schwes­tern war er 1557 ge­zwun­gen, sei­nen An­teil am vä­ter­li­chen Er­be an sei­nen Bru­der Bar­tho­lo­mä­us den Jün­ge­ren zu über­tra­gen. 1563 er­warb er ein Haus. Als er am 17.9.1577 an der Pest starb, hin­ter­ließ er sei­ner Fa­mi­lie be­trächt­li­che Schul­den.

Bartholomäus Bruyn der Jüngere (um 1523/1525–1607/1610)

Der um 1523–1525 ge­bo­re­ne Bar­tho­lo­mä­us Bruyn der Jün­ge­re scheint der er­folg­rei­che­re der bei­den Brü­der ge­we­sen zu sein. Weins­berg ur­teil­te 1591 über ihn: Es ist dis­ser Bart­hel Brun, ein kunst­i­ger con­tra­fei­er mit olichs­far­ben, wie auch sin fat­ter war. (Buch Weins­berg, Band 4, S. 109). Nach 1555 hei­ra­te­te Bar­tho­lo­mä­us Bruyn der Jün­ge­re die wohl­ha­ben­de Agnes Pat­berg aus Wer­den (ge­stor­ben vor 1623); aus der Ehe gin­gen vier Kin­der her­vor. Agnes be­voll­mäch­tig­te ih­ren Mann am 25.6.1555, Erb­schaf­ten in Wer­den zu ver­kau­fen. Hier­aus und aus dem Um­stand, dass Bar­tho­lo­mä­us schon 1557 in der La­ge war, sei­ne Ge­schwis­ter aus­zu­zah­len, lässt sich sein fort­dau­ern­der Er­folg be­mes­sen, den er als nun al­lei­ni­ger Be­sit­zer der Häu­ser und Werk­statt sei­nes Va­ters er­rang. Spä­ter, 1571, kam noch der An­teil sei­nes Bru­der Ma­thi­as, des Kon­ven­tua­len und Pfar­rers in Wer­den hin­zu.

Be­reits 1556 er­hielt Bar­tho­lo­mä­us Bruyn der Jün­ge­re den ers­ten ei­gen­stän­di­gen Auf­trag, und zwar für den Flü­gel­al­tar in der Turm­hal­le von St. Ja­kob in Köln, ei­ne Stif­tung des Her­mann Weins­berg und sei­ner zwei­ten Ehe­frau Weis­gin Rip­gin (Mit­tel­ta­fel im Köl­ni­schen Stadt­mu­se­um, Flü­gel ver­schol­len). Weins­berg be­rich­tet in sei­nem Ge­denk­buch aus­führ­lich über die Ent­ste­hung des Al­tar­werks. Als Auf­trag­ge­ber hat­te er das iko­no­gra­phi­sche Pro­gramm de­tail­liert vor­ge­ge­ben: Ne­ben Ma­ria und Jo­han­nes un­ter dem Kreuz ließ Weins­berg am vor­de­ren Bild­rand links sein ei­ge­nes Stif­ter­bild, ge­gen­über das sei­ner Frau, bei­de mit Wap­pen, ein­fü­gen. Sämt­li­che Hei­li­gen, aus­ge­nom­men Chris­tus, hat Weins­berg be­mer­kens­wer­ter­wei­se mit Por­träts von Ver­wand­ten und Freun­den aus­stat­ten las­sen.

560 folg­te ein wei­te­res, für Bar­tho­lo­mä­us Bruyn den Jün­ge­ren ge­si­cher­tes Werk, das so ge­nann­te Ul­ner-Di­pty­chon (LVR-Lan­des­Mu­se­um Bonn). Die bei­den Ta­feln, die mit­tels Schar­nie­ren zu ei­nem An­dachts­di­pty­chon mit­ein­an­der ver­bun­den sind, zei­gen links das Bild­nis des be­ten­den Pe­ter Ul­ner (1523–1595), Wer­de­ner Mönch und spä­te­rer Abt (ab 1565) des re­for­mier­ten Klos­ters Ber­gen bei Mag­de­burg, rechts den kreuz­tra­gen­den Chris­tus in Halb­fi­gur. Auf der rech­ten Au­ßen­sei­te ist in zu­ge­klapp­tem Zu­stand ei­ne Va­ni­tas-Dar­stel­lung mit To­ten­kopf in ei­ner Ni­sche zu se­hen. Das durch die An­ga­ben in der Kar­tu­sche auf 1560 da­tier­ba­re Di­pty­chon ist das ein­zi­ge si­gnier­te Werk Bar­tho­lo­mä­us Bruyns des Jün­ge­ren (von sei­nem Va­ter Bar­tho­lo­mä­us dem Äl­te­ren sind kei­ne Si­gna­tu­ren be­kannt). An der Plin­the des ge­mal­ten Pfei­lers ist zu le­sen: BAR­THO­LO­MEO BRVN FECIT. Das Bild­nis bil­det da­mit die Grund­la­ge für die Be­ur­tei­lung sei­nes Wer­kes wie für al­le wei­te­ren Zu­schrei­bun­gen an Bar­tho­lo­mä­us Bruyn den Jün­ge­ren. Es gilt zu­gleich als be­deu­ten­des In­diz für sei­ne Nä­he zu den re­for­ma­to­ri­schen Krei­sen, zu de­nen auch sein Bru­der Ma­thi­as (Pau­lus) in Wer­den ge­hör­te. Wie Ute Lan­ger 2006 be­le­gen konn­te (Die kon­fes­sio­nel­le Gren­ze im früh­neu­zeit­li­chen Köln, S. 35), war Bar­tho­lo­mä­us Bruyn der Jün­ge­re spä­tes­tens ab 1580 Mit­glied ei­nes ge­hei­men, aber in Köln of­fen­bar ge­dul­de­ten Bun­des, der hoch­deutsch-re­for­mier­ten Ge­mein­de.

Trotz sei­ner Zu­ge­hö­rig­keit zur re­for­mier­ten Kon­fes­si­on wur­de er be­mer­kens­wer­ter­wei­se 1579 in Nach­fol­ge sei­nes ver­stor­be­nen Bru­ders Arnt von der Ma­ler­gaf­fel in den Köl­ner Rat ge­wählt, dem er fort­lau­fend bis zu sei­nem Tod an­ge­hör­te. 1593 nahm Bruyn an der Got­te­s­tracht teil, der be­deu­tends­ten ka­tho­li­schen Pro­zes­si­on in Köln, und über­wand da­mit ei­ne un­sicht­ba­re kon­fes­sio­nel­le Gren­ze im kirch­lich-re­li­giö­sen All­tag. Bruyn stell­te of­fen­bar Ar­beits­all­tag und Pro­fit vor die Kon­fes­si­on (Lan­ger): Für den ka­tho­li­schen Köl­ner Chro­nis­ten Her­mann Weins­berg schuf er ne­ben dem Al­tar für St. Ja­kob wei­te­re Por­träts; zu­gleich mal­te er das Abts­bild­nis des Pe­ter Ul­ner, der sich nach ers­ten Re­form­an­sät­zen im ka­tho­li­schen Wer­de­ner Klos­ter we­ni­ge Jah­re spä­ter als ver­hei­ra­te­ter kon­ver­tier­ter Abt in Mag­de­burg zu ei­nem der ent­schie­dens­ten Pro­tes­tan­ten ent­wi­ckel­te.

Ab 1583 war Bar­tho­lo­mä­us Bruyn der Jün­ge­re Fähn­rich sei­nes Spren­gels St. Al­ban, 1587 und 1588 de­ren Haupt­mann, und im Jahr 1591 gab er ein Ban­ner­es­sen als Ban­ner­herr, bei dem er sich laut Weins­berg über sein nach­las­sen­des Au­gen­licht be­klag­te. Ab die­sem Zeit­punkt dürf­te Bruyn der Jün­ge­re sei­ne künst­le­ri­sche Tä­tig­keit weit­ge­hend der Werk­statt über­las­sen ha­ben. 1593 tes­tier­te er ge­mein­sam mit sei­ner Frau, 1599 ist er noch als Kirch­meis­ter sei­ner Pfar­re St. Al­ban be­zeugt. Zwi­schen 1607 und 1610 muss er ge­stor­ben sein. Er starb als an­ge­se­he­ner Mann und hin­ter­ließ sei­ner Fa­mi­lie ein statt­li­ches Er­be.

Bar­tho­lo­mä­us Bruyn der Jün­ge­re brach­te es, eben­so wie sein Va­ter, im Ver­lauf sei­nes fast 50-jäh­ri­gen Schaf­fens zu be­trächt­li­cher Re­pu­ta­ti­on: Wäh­rend sein Werk in den ers­ten Jah­ren bis et­wa 1570 noch stark an den Wer­ken des Va­ters ori­en­tiert war, ent­wi­ckel­te er zu­min­dest im Be­reich des Por­träts ei­nen ei­ge­nen, durch­aus qua­li­tät­vol­len Stil. Das tin­ti­ge Ko­lo­rit und der dün­ne Farb­auf­trag brach­ten ihm zeit­wei­se den Not­na­men „Meis­ter mit den blas­sen Ge­sich­tern“ ein. Die we­ni­gen Bar­tho­lo­mä­us Bruyn dem Jün­ge­ren zu­ge­schrie­be­nen Al­tar­wer­ke blei­ben da­ge­gen we­nig in­no­va­ti­ve, hand­werk­li­che Leis­tun­gen epi­go­na­ler Art.

Mit sei­nem Tod ging die fast 100 Jah­re an­dau­ern­de Do­mi­nanz der Ma­l­er­fa­mi­lie Bruyn in Köln zu En­de. Dies lässt, un­ter Be­rück­sich­ti­gung ei­ner Viel­zahl von un­be­kann­ten Künst­lern, die im Stil der Bruyns ar­bei­te­ten, den Na­men Bruyn zu ei­nem „Sam­mel­be­griff der Pro­duk­ti­on ei­ner Epo­che“ wer­den (Wolf­gang Braun­fels 1955).

In der Stel­lung als Ma­ler in Köln lös­te ihn der aus Lö­wen ge­bür­ti­ge Gort­zi­us Gel­dorp (1553–1616) ab. 1610 erst­mals von der Ma­ler­gaf­fel in den Köl­ner Rat ge­wählt, war Gel­dorp schon zu Leb­zei­ten Bruyns des­sen stärks­ter Kon­kur­rent auf dem Por­trät­markt ge­we­sen.

Die Enkelgeneration

Ein Sohn Arnt Bruyns, Bar­tho­lo­mä­us Braun (Bar­tho­lo­mä­us Bruyn, Bar­t­hé­lé­my le Brun?), wird, um 1550/1560 (in Köln?) ge­bo­ren, als Por­trät­ma­ler des loth­rin­gi­schen Her­zogs in Nan­cy ge­nannt. Ab 1590 ist er laut Rats­pro­to­kol­len in Frei­burg im Breis­gau nach­ge­wie­sen; hier wird er 1593 auch als „Bar­tho­lo­meus Braun von Cöln Con­tra­fe­ter“ so­wie im Zunft­buch der Ma­ler ver­merkt. In Frei­burg be­mal­te er die Fas­sa­de des Bas­ler Ho­fes und lie­fer­te für des­sen Ka­pel­le im Auf­trag des Bas­ler Dom­herrn und apos­to­li­schen Pro­to­no­tars Dr. Jo­han­nes Setrich 1594/1595 ein groß­for­ma­ti­ges Lein­wand­bild (Au­gus­ti­ner­mu­se­um Frei­burg), ei­ne Kreu­zi­gung Chris­ti, in die er sein Selbst­bild­nis in his­to­ri­sie­ren­dem Kos­tüm mit dem bruyn­schen Fa­mi­li­en­wap­pen ein­füg­te – ein ro­tes, stei­gen­des Pferd, den „Brau­nen“, auf sil­ber­nem Grund. Wei­te­re Ar­bei­ten sind nicht be­kannt. Von den Fürs­ten­ber­gern zu Do­nau­eschin­gen er­hielt Bar­tho­lo­mä­us Braun Bild­nis­auf­trä­ge. 1603 stand er als Hof­ma­ler im Dienst des pfäl­zi­schen Kur­fürs­ten zu Hei­del­berg. Ur­kun­den wei­sen Braun als ge­walt­tä­ti­gen Mann aus.

Gott­fried von We­dig (1583-1641), ein En­kel müt­ter­li­cher­seits des Jün­ge­ren Bar­tho­lo­mä­us Bruyn, be­grün­de­te die Stil­le­ben­ma­le­rei in Köln. Er gilt, ob­wohl re­for­mier­ten Glau­bens, ne­ben den zu­ge­wan­der­ten Meis­tern – dem Lö­we­ner Gel­dorp, dem Wetz­la­rer Franz Kess­ler (um 1580– um 1650) und dem Ant­wer­pe­ner Hie­rony­mus van Kes­sel (1578–1636) als wich­tigs­ter ein­hei­mi­scher Por­trä­tist der ka­tho­li­schen Köl­ner Ober­schicht im 17. Jahr­hun­dert.

Quellen

Das Buch Weins­berg. Köl­ner Denk­wür­dig­kei­ten aus dem 16. Jahr­hun­dert, Band 1-2 be­arb. von Kon­stan­tin Höhl­baum, Band 3-4 be­arb. von Fried­rich Lau, Band 5 be­arb. von Jo­sef Stein, Leip­zig 1887-1886, Bonn 1897-1898, 1926, Nach­druck Düs­sel­dorf 2000.

Literatur

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Löw, An­ne­kat­rein (Be­arb.), Bar­tho­lo­mä­us Bruyn. Die Samm­lung im Städ­ti­schen Mu­se­um We­sel, Em­me­rich 2002.
Ro­elen, Mar­tin Wil­helm, We­sel – Haar­lem – Köln. Neu­es zum Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis der Ma­ler Jan Joest und Bar­tho­lo­mä­us Bruyn, in: Neue Schät­ze. Städ­ti­sches Mu­se­um We­sel. Aus­wahl aus den Neu­er­wer­bun­gen 1994–2000, We­sel 2000, S. 12–22.
Schmid, Wolf­gang, Köl­ner Re­nais­sance­kul­tur im Spie­gel der Auf­zeich­nun­gen des Her­mann Weins­berg (1518-1597), Köln 1991.
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Tüm­mers, Horst-Jo­han­nes, Bruyn, Bar­tho­lo­mä­us, in: Saur All­ge­mei­nes Künst­ler-Le­xi­kon 14 (1996), S. 616.
Tüm­mers, Horst-Jo­han­nes, Die Köl­ner Kir­chen und die Ma­l­er­fa­mi­lie Bruyn, in: Co­lo­nia Ro­ma­ni­ca 5 (1990), S. 8–22.
West­hoff-Krum­ma­cher, Hil­de­gard, Bart­hel Bruyn der Äl­te­re als Bild­nis­ma­ler, Mün­chen 1965.
Zehn­der, Frank Gün­ter, Ka­ta­log der Alt­köl­ner Ma­le­rei, Köln 1990.

zu Pau­lus Bruyn
Ste­phan-Maa­ser, Rein­hild, Vom Wer­de­ner Mönch zum evan­ge­li­schen Abt in Mag­de­burg. Pe­ter Ul­ner und die Re­for­ma­ti­on, in: Aus­stel­lungs­ka­ta­log „Das Jahr­tau­send der Mön­che. Klost­erwelt Wer­den 799–1803“, Es­sen 1999, S. 154–163, hier S. 160)

zu Bar­tho­lo­mä­us Bruyn dem Jün­ge­ren
Lan­ger, Ute, Die kon­fes­sio­nel­le Gren­ze im früh­neu­zeit­li­chen Köln. Das Zu­sam­men­le­ben von Re­for­mier­ten und Ka­tho­li­ken zwi­schen An­pas­sung und Ab­gren­zung, in: Ge­schich­te in Köln 53 (2006), S. 35–62,
Tüm­mers, Horst-Jo­han­nes, Bar­tho­lo­mä­us Bruyn der Jün­ge­re, in: Wall­raf-Ri­ch­artz-Jahr­buch 32 (1970), S. 113–134.

zu Bar­tho­lo­mä­us Braun
Schaub, Fried­rich, Der Köl­ner Ma­ler Bar­tho­lo­mä­us Braun in Frei­burg 1590–1603, in: Schau-ins-Land 74 (1956), S. 102–114.

Bartholomäus Braun, Kreuzigung Christi, Altargemälde für die Kapelle des Basler Hofs in Freiburg, 1594/1595. (Augustinermuseum Freiburg)

 
Zitationshinweis

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Löw, Annekatrein, Familie Bruyn, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/familie-bruyn-/DE-2086/lido/57c689c2358108.25294453 (23.04.2018)