Johann Abraham Küpper

Generalsuperintendent der Rheinprovinz (1779-1850)

Ruth Rockel (Düsseldorf)

Jo­hann Abra­ham Küp­per war in der Zeit der ent­ste­hen­den rhei­ni­schen Pro­vin­zi­al­kir­che evan­ge­li­scher Pfar­rer, Vi­ze-Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent und spä­ter Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent der Rhein­pro­vinz. Durch sei­ne ver­mit­teln­de Po­li­tik in Fra­gen der Uni­on und der Kir­chen­ord­nung trug er ent­schei­dend zur Sta­bi­li­sie­rung der Kir­chen­ord­nung bei.

Jo­hann Abra­ham Küp­per wur­de am 3.10.1779 im re­for­mier­ten Um­feld von El­ber­feld-Uel­len­dahl (heu­te Stadt Wup­per­tal) ge­bo­ren. Sein Va­ter Jo­hann Da­ni­el war Band­wir­ker, sei­ne Mut­ter An­na Ma­ria ent­stamm­te der El­ber­fel­der Fa­mi­lie Jong­haus. Nach dem Be­such der hö­he­ren Schu­le in Ge­mar­ke (Bar­men, heu­te Stadt Wup­per­tal) be­gann er, dem Wunsch des Va­ters fol­gend, ab dem Früh­jahr 1796 Theo­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Duis­burg zu stu­die­ren. Da war er ge­ra­de mal 16 Jah­re alt. Nur zwei­ein­halb Jah­re spä­ter – im Herbst 1798 - hielt er das Ab­gangs­zeug­nis in den Hän­den. An sei­nem 19. Ge­burts­tag, dem 3.10.1798, wur­de er vor der El­ber­fel­der Klas­se – das Prü­fungs­we­sen ob­lag da­mals den Syn­oden – ge­prüft und un­ter die Pfarr­amtskan­di­da­ten auf­ge­nom­men.

Sein ju­gend­li­ches Al­ter ver­hin­der­te in­des, dass dem jun­gen Theo­lo­gen so bald ei­ne Pfarr­stel­le über­tra­gen wur­de. Statt­des­sen be­tä­tig­te er sich als Pri­vat­leh­rer und über­nahm ge­le­gent­li­che Ver­tre­tungs- und Pre­digt­diens­te in den um­lie­gen­den Ge­mein­den. Bei ei­ner sol­chen Ge­le­gen­heit lern­te er auch sei­ne Frau, die Kauf­mann­s­toch­ter Wil­hel­mi­ne Mar­kus, ken­nen, die er im Sep­tem­ber 1802 hei­ra­te­te. Bei­na­he 50 Jah­re soll­te sie an sei­ner Sei­te ver­brin­gen. Ins­ge­samt sechs Kin­der ent­spran­gen die­ser Ehe.

Im Jahr 1801 konn­te Küp­per sei­ne ers­te Pfarr­stel­le in Mett­mann an­tre­ten. Be­reits bei die­ser ers­ten Amts­sta­ti­on kam er in Kon­takt mit prak­tisch ge­leb­ter Uni­on: schon ab 1805 wur­den ge­le­gent­lich ge­mein­sam Fei­ern mit der lu­the­ri­schen Ge­mein­de Mett­manns ab­ge­hal­ten, wenn­gleich die for­mel­le Uni­on der bei­den Ge­mein­den erst Jah­re nach sei­nem Fort­gang voll­zo­gen wur­de. Sei­ne „tüch­ti­gen Ver­wal­tungs­ga­ben“ wur­den in der ver­arm­ten Ge­mein­de schnell of­fen­bar, er­mög­lich­ten sie doch die Til­gung der Ge­mein­de­schul­den so­wie ei­ni­ge In­ves­ti­tio­nen.

Wäh­rend sei­ner Zeit als Mett­man­ner Ge­mein­de­pfar­rer über­nahm Küp­per auch ers­te Auf­ga­ben über die Ge­mein­de­gren­zen hin­weg: In der Düs­sel­dor­fer Klas­sen­ver­samm­lung war er 1804 als Scri­ba, 1808 und 1810 als In­spek­tor und 1812 als As­ses­sor Mit­glied des Lei­tungs­tri­os. Von 1809 bis 1813 lei­te­te er zu­sätz­lich zu sei­ner Ge­mein­de­ar­beit das zen­tra­le Wohl­tä­tig­keits­bü­ro des Kan­tons Mett­mann. Sol­che Bü­ros wa­ren nach fran­zö­si­schem Vor­bild im Gro­ßher­zog­tum Berg ein­ge­rich­tet wor­den mit dem Ziel, die Ar­men­für­sor­ge über­kon­fes­sio­nell in kom­mu­na­ler Hand zu bün­deln und ef­fek­ti­ver zu ge­stal­ten. Hier kam al­so die ers­te Ver­bin­dung zu staat­li­chen Be­hör­den zu Stan­de. Auch in preu­ßi­scher Zeit - ab 1815 - über­nahm Küp­per schnell wie­der Lei­tungs­äm­ter: vom in­te­ri­mis­tisch ein­ge­rich­te­ten Ge­ne­ral­gou­ver­ne­ment Berg in Düs­sel­dorf wur­de er zum Kreis­in­spek­tor (Su­per­in­ten­den­ten), Schul­in­spek­tor und Mit­glied der Prü­fungs­kom­mis­si­on für die Kan­di­da­ten er­nannt.

Nach 14-jäh­ri­ger Amts­zeit in Mett­mann wur­de Küp­per 1815 ins west­fä­li­sche Iser­lohn be­ru­fen. Dies soll­te aber nur ei­ne kur­ze Sta­ti­on in sei­nem be­ruf­li­chem Wer­de­gang wer­den, denn bald er­war­te­ten ihn wei­te­re Lei­tungs­po­si­tio­nen in der rhei­ni­schen Hei­mat. Im Jahr 1817 wur­de Küp­per zum ers­ten Pfar­rer der per kö­nig­li­cher Ord­re neu ge­grün­de­ten evan­ge­li­schen Ge­mein­de in Trier er­nannt. Zwar be­saß die jun­ge Ge­mein­de in ih­rer Grün­dungs­zeit nicht mehr als 161 Mit­glie­der, den­noch war hier viel Auf­bau­ar­beit zu leis­ten. In­ne­re und äu­ße­re Struk­tu­ren muss­ten her­ge­stellt, Raum be­schafft und das Schul­we­sen ein­ge­rich­tet wer­den. Da­zu wa­ren all die­se Auf­ga­ben in dem streng ka­tho­li­schen Um­feld Triers mit viel di­plo­ma­ti­schem Ge­spür an­zu­ge­hen. Zu­gleich wur­de Küp­per zum Kon­sis­to­ri­al- und Schul­rat bei der Trie­rer Re­gie­rung be­ru­fen. Die­se dop­pel­te Ar­beits­be­las­tung mag be­trächt­lich ge­we­sen sein, aber sie emp­fahl ihn auch für wei­te­re Äm­ter im kirch­li­chen wie im staat­li­chen Be­reich.

1830 wähl­te die Pro­vin­zi­al­syn­ode der obe­ren Rhein­pro­vinz ihn als Prä­ses an ih­re Spit­ze und als fünf Jah­re spä­ter die ers­te ge­samt­rhei­ni­sche Syn­ode an­läss­lich der Ein­füh­rung der neu­en Kir­chen­ord­nung zu­sam­men­trat, ent­schied sich aber­mals die Mehr­heit der Syn­oda­len für Küp­per als neu­en rhei­ni­sche Prä­ses, nun mit ei­ner Amts­zeit von sechs Jah­re. Doch kaum hat­te er die Amts­ge­schäf­te auf­ge­nom­men, er­reich­te ihn auch schon der Ruf an das Kö­nig­li­che Kon­sis­to­ri­um in Ko­blenz. Seit 1836 war Bi­schof Wil­helm Roß Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent der nun neu ver­fass­ten rhei­ni­schen Kir­che und da­mit der höchs­te geist­li­che Lei­ter der rhei­ni­schen Kir­che. Sein Amts­sitz in Ber­lin mach­te es ihm aber un­mög­lich, die rhei­ni­schen Ver­wal­tungs­auf­ga­ben selbst wahr­zu­neh­men und so wur­de Küp­per zu sei­nem Stell­ver­tre­ter im Rhein­land er­nannt und er­hielt den Ti­tel ei­nes Vi­ze-Ge­ne­ral­su­per­in­ten­den­ten.

Zwar ver­tra­ten Ross und Küp­per im Grund­satz die glei­chen An­sich­ten – bei­de be­für­wor­te­ten die Uni­on und die Ein­glie­de­rung der Kir­che in preu­ßi­sche Staats­struk­tu­ren -, den­noch hat­te die Si­tua­ti­on, in den Amts­ge­schäf­ten an die Vor­ga­ben ei­nes an­de­ren ge­bun­den zu sein, für Küp­per „auch man­ches Be­en­gen­de und Un­an­ge­neh­me“, zu­mal der Vor­ge­setz­te im fer­nen Ber­lin im Rhein­land we­nig Rück­halt ge­noss. Bei der Preu­ßi­schen Ge­ne­ral­syn­ode an Pfings­ten 1846 kam es zu ei­nem letz­ten ge­mein­sa­men Auf­tritt, bei dem Küp­per noch ein­mal en­er­gisch für die Uni­on sprach, die er als na­tür­li­chen Zu­stand der pro­tes­tan­ti­schen Kir­che ver­stand.

Im Herbst 1846 trat Bi­schof Roß in den Ru­he­stand und Küp­per rück­te vom Vi­ze- zum Ge­ne­ral­su­per­in­ten­den­ten der Rhein­pro­vinz auf. Die Freu­de dar­über schien so­wohl auf staat­li­cher als auch auf kirch­li­cher Sei­te ehr­lich zu sein. Bei sei­ner fei­er­li­chen Ein­füh­rung vor dem ver­sam­mel­ten Kon­sis­to­ri­um be­grü­ß­ten sei­ne Ver­tre­ter aus­drück­lich, dass man nun ei­nen Ver­tre­ter der ei­ge­nen Po­si­tio­nen bei der Syn­ode ha­be und die Syn­ode be­grü­ß­te Küp­per „mit vol­lem Ver­trau­en und auf­rich­ti­ger Lie­be zum ers­ten­mal in sei­nem neu­en Ver­hält­nis zur Syn­ode in der Mit­te der­sel­ben“. Küp­per setz­te sich wäh­rend sei­ner Amts­zeit un­ab­läs­sig für Aus­gleich und Kon­sens zwi­schen Staat und Kir­che ein. Aber nicht bei al­len stieß sei­ne staats­freund­li­che Po­li­tik auf Ge­gen­lie­be. Sein Bio­graph fühl­te sich nur kur­ze Zeit nach dem Tod Küp­pers’ ver­an­lasst, die­sen ge­gen den häu­fig ge­gen ihn ge­äu­ßer­ten Vor­wurf zu ver­tei­di­gen, er ge­be „auf Kos­ten der Kir­che dem Kai­ser, was des Kai­sers is­t“.

1848, aus­ge­löst von den Ent­wick­lun­gen und Grund­sät­zen der Re­vo­lu­ti­on, schien plötz­lich nicht nur die Per­son Küp­pers in Fra­ge zu ste­hen, son­dern das gan­ze Amt des Ge­ne­ral­su­per­in­ten­den­ten. Die voll­stän­di­ge Be­frei­ung der Kir­che von staat­li­cher Be­ein­flus­sung schien plötz­lich mög­lich. Ent­spre­chen­de An­trä­ge wur­den auf der 1849 au­ßer­or­dent­lich zu­sam­men­ge­ru­fe­nen Syn­ode ein­ge­reicht, die un­ter an­de­rem die freie Wahl al­ler Lei­tungs­äm­ter for­der­ten – gleich­sam ein Miss­trau­ens­vo­tum ge­gen Küp­per, der ja durch kö­nig­li­che Er­nen­nung in sein Amt ge­kom­men war. Schlie­ß­lich konn­te Küp­per aber ei­ne Mehr­heit der Syn­oda­len hin­ter sich ver­sam­meln, die für die Bei­be­hal­tung des Am­tes des Ge­ne­ral­su­per­in­ten­den­ten stimm­ten, das es bis zum Jahr 1948 ge­ben soll­te.

Jo­hann Abra­ham Küp­per starb am1.4.1850 in Ko­blenz und wur­de dort auch be­gra­ben.

Literatur

Ro­sen­kranz, Al­bert, Jo­hann Abra­ham Küp­per, in: Mo­nats­hef­te für Evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­schich­te des Rhein­lan­des 8 (1959), S. 255-264.

Gras­hof, Ju­li­us Wer­ner, Zum An­denken an Dr. J. A. Küp­per, in: Mo­nats­schrift für die evan­ge­li­sche Kir­che der Rhein­pro­vinz und West­pha­lens 9 (1850), Heft 5, S. 192-251.

 
Zitationshinweis

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Rockel, Ruth, Johann Abraham Küpper, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johann-abraham-kuepper/DE-2086/lido/57c93b399cb0d5.25503182 (12.11.2018)