Franz Georg von Schönborn

Erzbischof und Kurfürst von Trier (1729-1756)

Wolfgang Schmid (Winningen)

Erz­bi­schof Franz Ge­org war Mit­glied der die Reichs- und Kir­chen­po­li­tik der Frü­hen Neu­zeit prä­gen­den Schön­born­dy­nas­tie; er zeich­ne­te sich durch be­son­de­re Reich­streue und ei­ne von reichs­kirch­li­cher Po­li­tik ge­präg­te Amts­füh­rung aus, ver­half als auf­ge­klär­ter Ab­so­lu­tist sei­nem Kur­staat zu wirt­schaft­li­chem Auf­schwung und trat als Bau­herr, Mä­zen und Kunst­samm­ler her­vor.

Schön­born wur­de am 15.6.1682 in Mainz ge­bo­ren. Sei­ne El­tern wa­ren der kur­main­zi­sche Staats­mi­nis­ter Mel­chi­or Fried­rich von Schön­born (1644–1717) und Ma­ria So­phia von Bo­nen­berg (ge­stor­ben 1726) , sein On­kel der Kur­fürst und Main­zer Erz­bi­schof Lo­thar Franz von Schön­born (1655–1729, Epis­ko­pat 1695-1729). Franz Ge­org war das neun­te von 14 Kin­dern; er hat­te sie­ben Schwes­tern und sechs Brü­der, dar­un­ter Jo­hann Phil­ipp Franz von Schön­born (1673-1724), Fürst­bi­schof von Würz­burg (Epis­ko­pat 1719-1724), Fried­rich Karl von Schön­born (1674-1746), Fürst­bi­schof von Würz­burg und Bam­berg (Epis­ko­pa­te 1729-1746), so­wie Da­mi­an Hu­go Phil­ipp (1676-1743), Kar­di­nal, Fürst­bi­schof von Spey­er und Kon­stanz (Epis­ko­pa­te 1729-1743, 1740-1743).

Auf­ge­wach­sen in Aschaf­fen­burg, be­such­te Franz Ge­org wie auch sein Bru­der Mar­quard Wil­helm (1683-1770) das dor­ti­ge Je­sui­ten­kol­leg. Am 19.12.1695 emp­fing er die Ton­sur und fand da­mit Auf­nah­me in den geist­li­chen Stand. 1700 wur­den die bei­den Brü­der Do­mi­zel­la­re im Trie­rer Dom­ka­pi­tel, ein Jahr spä­ter wur­de Franz Ge­org auch Dom­herr. Im glei­chen Jahr be­rief ihn Papst Cle­mens XI. (Pon­ti­fi­kat 1700-1721) zum Propst an St. Mo­ritz in Augs­burg. Wie Mar­quard Wil­helm stu­dier­te Franz Ge­org von 1702 an Theo­lo­gie und Kir­chen­recht in Salz­burg. We­gen des Spa­ni­schen Erb­fol­ge­krie­ges setz­ten sie ihr Stu­di­um zu­nächst in Sie­na fort. Nach ei­nem kur­zen Auf­ent­halt in Mainz schick­te sie der Va­ter bis 1706 an die Uni­ver­si­tät Lei­den. Zu­dem un­ter­nah­men die bei­den Brü­der meh­re­re Ka­va­liers­rei­sen, be­such­ten den Papst und ver­schie­de­ne Fürs­ten­hö­fe.

An­schlie­ßend er­nann­te der On­kel Lo­thar Franz von Schön­born den Nef­fen Franz Ge­org zum kur­main­zi­schen Ge­sand­ten beim Va­ti­kan. Hier konn­te er ers­te di­plo­ma­ti­sche und auch Ver­wal­tungs­er­fah­run­gen sam­meln. Da er Karl VI. (Re­gie­rungs­zeit 1711-1740) in Bar­ce­lo­na die Nach­richt von des­sen Wahl zum rö­mi­schen Kai­ser über­brach­te, ver­lieh die­ser ihm den Rit­ter­or­den des hei­li­gen Ja­ko­bus von Com­pos­te­la. Als der Main­zer Erz­bi­schof Lo­thar Franz von Schön­born Karl 1711 in Frank­furt zum Kai­ser krön­te, nahm Franz Ge­org in Ver­tre­tung des Reich­serb­käm­me­rers an der Ze­re­mo­nie teil und stieg zum kai­ser­li­chen Kam­mer­herrn auf. Des Wei­te­ren be­klei­de­te er seit 1712 be­zie­hungs­wei­se 1717 die Äm­ter ei­nes Reichs­hof­ra­tes und ei­nes kai­ser­li­chen Ge­heim­ra­tes. Au­ßer­dem nahm er 1713 als Ge­sand­ter des Frän­ki­schen Reichs­krei­ses am Frie­dens­kon­gress in Ut­recht teil.

Seit 1705 hat­te Franz Ge­org Ka­no­ni­ka­te in Spey­er, Köln, Müns­ter und Trier in­ne. Als der Trie­rer Erz­bi­schof Franz Lud­wig von Pfalz-Neu­burg Nach­fol­ger von Schön­borns 1729 ver­stor­be­nem On­kel Lo­thar Franz auf dem Main­zer Stuhl wur­de, wähl­te das Trie­rer Dom­ka­pi­tel Franz Ge­org zum Trie­rer Ober­hir­ten. Sein Bru­der Fried­rich Karl weih­te ihn zum Pries­ter und Bi­schof. Dank päpst­li­cher Pro­tek­ti­on wur­de er 1730 auch Propst von St. Pau­lin vor Trier so­wie 1732 Fürst­bi­schof von Worms und Fürst­propst von Ell­wan­gen. Die­se Äm­ter hat­ten zur Fol­ge, dass Schön­born zu­gleich Ko­di­rek­tor des Ober­rhei­ni­schen Reichs­krei­ses war und den ers­ten Platz auf der Prä­la­ten­bank des Schwä­bi­schen Reichs­krei­ses in­ne­hat­te. Da Franz Ge­org ge­mäß der Tra­di­ti­on sei­ner Fa­mi­lie treu zu Rom und zu Habs­burg hielt, wa­ren sei­ne Ter­ri­to­ri­en in der ers­ten Hälf­te sei­ner Re­gie­rungs­zeit von den mi­li­tä­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Frank­reich und Ös­ter­reich be­trof­fen. Spä­ter hielt sich Franz Ge­org auf reichs­po­li­ti­scher Ebe­ne zu­rück und wid­me­te sich vor al­lem der Ver­wal­tung sei­ner Län­der, wo­bei die Wirt­schafts­för­de­rung ei­nen ho­hen Stel­len­wert be­saß. Man kann Franz Ge­org als Zeit­ge­nos­sen Fried­richs II. von Preu­ßen (Re­gie­rungs­zeit 1740-1786) und der ös­ter­rei­chi­schen Kai­se­rin Ma­ria The­re­si­as (Re­gie­rungs­zeit 1740-1780) durch­aus als auf­ge­klär­ten Ab­so­lu­tis­ten be­zeich­nen, der Ver­wal­tung und Wirt­schaft durch zahl­rei­che Edik­te zu mo­der­ni­sie­ren ver­such­te. Zu sei­nen engs­ten Mit­ar­bei­tern zähl­ten die Weih­bi­schö­fe Lo­thar Fried­rich von Nal­bach (Epis­ko­pat 1730-1748) und der hoch ge­bil­de­te His­to­ri­ker Ni­ko­laus von Hont­heim. Als Erz­bi­schof be­müh­te sich Franz Ge­org um die Ab­schaf­fung von Fei­er­ta­gen, das Ver­bot von Wall­fahr­ten und Ex­or­zis­men so­wie die Pries­ter­bil­dung und die För­de­rung der Uni­ver­si­tät.

Ei­ne gro­ße Rol­le spiel­ten ganz der Fa­mi­li­en­tra­di­ti­on ent­spre­chend Bau­pro­jek­te wie die Ge­samt­an­la­ge der Ba­rock­re­si­denz zu Ell­wan­gen (1737–1753). Seit 1739 bau­te er sei­ne auf dem Eh­ren­breit­stein ge­le­ge­ne Ko­blen­zer  Re­si­denz Schloss Phil­ipps­burg wei­ter aus, in­dem er ei­nen Di­kas­te­ri­al­bau er­rich­ten ließ. Au­ßer­dem plan­te der Schön­born­sche Hof­bau­meis­ter Bal­tha­sar Neu­mann wohl 1741 die fünf Jah­re spä­ter ge­weih­te Zwei­kir­che St. Lau­ren­ti­us im Som­mer­sitz Dirm­stein in der Pfalz. In Kes­sel­heim ließ Franz Ge­org bis 1752 das Jagd­schloss Schön­borns­lust er­rich­ten, das aber be­reits 1794 zer­stört wur­de.

In Trier leg­te er im Rah­men sei­ner Wirt­schafts­för­de­rung ei­nen neu­en Mes­se­platz an, den er nach sei­nem Na­mens­pa­tron „St. Ge­or­gi-Mark­t“ nann­te und der mit ei­ner neu an­ge­leg­ten Stra­ße mit der kur­fürst­li­chen Re­si­denz ver­bun­den wur­de. Be­krönt wur­de der Platz vom Ge­org­brun­nen, der auf ei­nem Obe­lis­ken noch­mals den Na­mens­pa­tron des Lan­des­her­ren um­ge­ben von Per­so­ni­fi­ka­tio­nen der vier Jah­res­zei­ten prä­sen­tiert. Der Ge­org­brun­nen ver­bild­licht den re­li­gi­ös be­grün­de­ten Herr­schafts­an­spruch des ab­so­lu­tis­ti­schen Lan­des­herrn wie auch sein Be­kennt­nis zur ka­tho­li­schen Kir­che. Die grö­ß­te Leis­tung Franz Ge­orgs war je­doch der Wie­der­auf­bau der 1674 zer­stör­ten Kir­che St. Pau­lin in den Jah­ren 1734 bis 1754. An dem be­deu­tends­ten Ro­ko­ko-Bau im west­deut­schen Raum ar­bei­te­ten zahl­rei­che Künst­ler mit, er wur­de mit sei­nen Wap­pen und Hei­li­gen zu ei­ner Apo­theo­se des Hau­ses Schön­born.

Nach 25-jäh­ri­ger Amts­tä­tig­keit ge­stat­te­te der Papst 1754 die Wahl ei­nes Ko­ad­ju­tors. Al­ler­dings konn­te Franz Ge­org sei­nen Nef­fen Jo­hann Fried­rich von Ho­ens­bro­ech nicht durch­set­zen; ge­wählt wur­de der aus der Re­gi­on stam­men­de Jo­hann Phil­ipp von Wal­der­dorff. Franz Ge­org von Schön­born starb nach län­ge­rer Krank­heit am 18.1.1756 in Schloss Phil­ipps­burg bei Ko­blenz. In der Eh­ren­breit­stei­ner Hei­lig-Kreuz-Kir­che be­stat­te­te man sein Herz und sei­ne Ein­ge­wei­de, wäh­rend sein Kör­per vor dem Auf­er­ste­hungs­al­tar im Trie­rer Dom ruht. Be­reits 1746 wur­de mit den Pla­nun­gen für das auf­wän­di­ge Grab­mals be­gon­nen, voll­endet wer­den konn­te es erst 1759. Der Al­tar zeigt den Erz­bi­schof als halb lie­gen­de Fi­gur vor ei­ner Al­le­go­rie des Glau­bens, wie er zu dem auf­er­ste­hen­den Chris­tus em­por­blickt.

Literatur

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Online

Raab, He­ri­bert, Ar­ti­kel „Franz Ge­or­g“, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 5 (1961), S. 370-371. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Schmid, Wolfgang, Franz Georg von Schönborn, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/franz-georg-von-schoenborn/DE-2086/lido/57c948f15286b4.89968150 (19.10.2018)