Franz Kaspar von Francken-Sierstorpff

Kölner Weihbischof (1683-1770)

Barbara Hillen (Bonn)

Bildnis des Franz Kaspar von Francken-Sierstorpff, Kölnisch, 1768, Original im Kölnischen Stadtmuseum. (Scan aus: Brökel, Gerhard, Vergangene Zeiten. Geschichte aus Brilon, Bd. 5, Brilon 2011)

Franz Kas­par von Francken-Sier­stor­pff (Fran­ken-Siers­dorf) stamm­te aus ei­ner Fa­mi­lie, die seit dem 17. Jahr­hun­dert zahl­rei­che Geist­li­che her­vor­brach­te, die als Stifts­her­ren, Priest­er­her­ren im Köl­ner Dom­ka­pi­tel, Uni­ver­si­täts­pro­fes­so­ren und Re­gen­ten des Gym­na­si­um Lau­ren­tia­num wirk­ten. Ein Bru­der wur­de Bi­schof, zwei Nef­fen wur­den Ge­ne­ral­vi­kar. Franz Kas­par von Francken-Sier­stor­pff selbst wirk­te seit 1711 als Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät Köln und am­tier­te 1724-1728 als de­ren Rek­tor. 46 Jah­re dien­te er der Köl­ner Kir­che als Weih­bi­schof und nahm zahl­rei­che Wei­he­hand­lun­gen vor. Wich­ti­ge Im­pul­se für das kirch­li­che Le­ben gin­gen von ihm als Kom­mis­sar des 1736 er­rich­te­ten Pries­ter­se­mi­nars, des Se­mi­na­ri­um Cle­men­ti­num, aus.

Franz Kas­par von Francken-Sier­stor­pff wur­de am 22.11.1683 als zwölf­tes Kind des kur­fürst­li­chen Hof­ra­tes An­dre­as von Francken-Sier­stor­pff (1636-1707) und sei­ner Ehe­frau Ka­tha­ri­na Mag­da­le­na The­re­sia Busch­mann (1640-1719), Toch­ter des kur­k­öl­ni­schen Kanz­lers Pe­ter Busch­mann (um 1604-1673), in Köln ge­bo­ren. Die Fa­mi­lie stammt aus dem Ort Siers­dorf bei Jü­lich. Wäh­rend der Stamm­va­ter Franz Francken Ha­ma­cher (Satt­ler, Kum­met­ma­cher) war, stie­gen sei­ne Nach­kom­men in rang­hö­he­re Stel­lun­gen auf. Sein Sohn Theo­dor (1594-1646) wur­de 1632 Stadt­syn­di­kus von Köln und er­reich­te, dass die Fa­mi­lie un­ter dem Na­men von Francken-Sier­stor­pff ge­adelt wur­de. Des­sen Sohn, Franz Kas­pars Va­ter, war ab 1663 kur­k­öl­ni­scher Hof­rat und über­nahm 1681 das Amt des Gre­ven des Köl­ner Hoch­ge­richts. Ein Gro­ßon­kel Franz Kas­pars - Hein­rich Francken (1580-1654) - war Dom­herr und Ge­ne­ral­vi­kar und lei­te­te ab 1611 das Lau­ren­tia­ner­gym­na­si­um, wo er ei­ne Rei­he von Rek­to­ren aus der Fa­mi­lie Francken-Sier­stor­pff be­grün­de­te.

Als sechs­ter Rek­tor folg­te Franz Kas­par sei­nem Bru­der Pe­ter Jo­seph von Francken-Sier­stor­pff (Re­gens 1693/1694-1711), nach­dem die­ser Bi­schof von Ant­wer­pen (Epis­ko­pat 1707-1727) ge­wor­den war. Schon als Kind für den geist­li­chen Be­ruf be­stimmt, hat­te Franz Kas­pars Schul­aus­bil­dung 1691 be­gon­nen. Mit acht Jah­ren war er Por­tio­nist, das hei­ßt Sti­pen­di­at der Stif­tung Francken-Sier­stor­pff (heu­te Teil des Köl­ner Gym­na­si­al- und Stif­tungs­fonds) ge­wor­den, die sein Gro­ßon­kel Hein­rich 1661 ins Le­ben ge­ru­fen hat­te. Be­reits am 29.9.1697 hat­te er ein Eig­nungs­zeug­nis für sein ers­tes Ka­no­ni­kat am Köl­ner Se­ve­rin­stift er­wor­ben, des­sen Prä­ben­de er 1699 er­hielt. Wohl im Jah­re 1704 brach Franz Kas­par zu Stu­di­en nach Rom auf, von wo er wäh­rend sei­nes Auf­ent­halts als Scho­las­ter an das Stift zu­rück­be­ru­fen und dort am 3.10.1706 zum Dia­kon ge­weiht wur­de. 1709, mit 25 Jah­ren, ließ er sich die not­wen­di­gen Di­mis­s­o­ria­li­en für die Pries­ter­wei­he aus­stel­len. Vor der Wei­he be­gab er sich aber­mals nach Rom, wo er am 13.10.1710 an der Sa­pi­en­za-Uni­ver­si­tät zum Dok­tor bei­der Rech­te pro­mo­viert wur­de. Der Zeit­punkt der Pries­ter­wei­he ist in der For­schung um­strit­ten, die „Hier­ar­chia ca­tho­li­ca“ gibt den 2.7.1712 an.

In den Jah­ren sei­ner Aus­bil­dung hat­te Franz Kas­par von Francken-Sier­stor­pff stän­di­gen Kon­takt zu den Aus­bil­dungs­stät­ten in Köln, zur Uni­ver­si­tät und zur Bur­sa Lau­ren­tia­na ge­hal­ten. In Rom hat­te er für sei­ne Stu­di­en die von ver­schie­de­nen Or­dens­leu­ten ge­führ­te Sa­pi­en­za be­vor­zugt statt des von Je­sui­ten ge­lei­te­ten Col­le­gi­um Ro­ma­num, das auch in der ers­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts noch aus­schlie­ß­lich an der scho­las­ti­schen Leh­re ori­en­tiert war.

Nach dem Stu­di­um in Ita­li­en be­gann Francken-Sier­stor­pff sei­ne aka­de­mi­sche Lauf­bahn 1711 in Köln. Hier wur­de er Pro­fes­sor der ar­tis­ti­schen und ju­ris­ti­schen Fa­kul­tät, wo er bis 1770 tä­tig war und Re­gens der Bur­sa Lau­ren­tia­na. Als er die­ses Amt so­wie die Pro­fes­sur an der Ar­tis­ten­fa­kul­tät 1730 nie­der­leg­te, folg­te ihm sein Nef­fe Ger­win (1751-1763) - der spä­te­re Ge­ne­ral­vi­kar (1751-1763) - als Re­gens. Nach dem Rück­tritt des äl­te­ren Bru­ders Pe­ter Jo­seph trat Franz Kas­par zu­nächst am 23.4.1713 als Pries­ter­ka­no­ni­ker in das Köl­ner Dom­ka­pi­tel ein und wur­de Stifts­de­kan von St. Se­ve­rin. Am 20.9.1716 er­hielt er die Er­laub­nis, ne­ben zwei oder drei Ka­no­ni­ka­ten noch ver­schie­de­ne Vi­ka­ri­en zu be­sit­zen. Et­wa zur glei­chen Zeit wur­de er Stifts­herr von St. Ma­ria im Ka­pi­tol und St. Ur­su­la in Köln. Ab Ok­to­ber 1724 am­tier­te er vier Jah­re als Rek­tor der Köl­ner Uni­ver­si­tät. Am 28.10.1723 wur­de er zu­dem zum Klos­ter­kom­mis­sar des Klos­ters Beth­le­hem in der Rö­mer­gas­se er­nannt.

An­fang No­vem­ber des Jah­res 1723 de­si­gnier­te Erz­bi­schof Jo­seph Cle­mens von Bay­ern Franz Kas­par zum Weih­bi­schof. Sein Vor­gän­ger Jo­hann Wer­ner von Vey­der (1657-1723), Weih­bi­schof seit 1704, war am 30. Ok­to­ber ver­stor­ben. Die Bi­schofs­wei­he emp­fing Frank Kas­par am 30.7.1724 durch sei­nen Bru­der Pe­ter Jo­seph in Ant­wer­pen. Der Zeit­raum von et­wa acht Mo­na­ten zwi­schen De­si­gna­ti­on und Wei­he er­klärt sich dar­aus, dass sich die Be­stä­ti­gung aus Rom durch den Tod Papst In­no­zenz‘ XIII. (Pon­ti­fi­kat 1721-1724) ver­zö­gert hat­te. Sein Nach­fol­ger Be­ne­dikt XIII. (Pon­ti­fi­kat 1724-1730) hat­te Franz Kas­par am 12. Ju­ni zum Ti­tu­lar­bi­schof von Rho­dio­po­lis er­nannt und am 27. Ju­ni die Wei­he­er­laub­nis er­teilt. Der neue Weih­bi­schof stell­te so­gleich sei­nen Ar­beits­ei­fer, der ihn in den nächs­ten 45 Jah­ren aus­zeich­nen soll­te, un­ter Be­weis: Nur zwei Ta­ge nach sei­ner Wei­he in der bi­schöf­li­chen Haus­ka­pel­le zu Ant­wer­pen er­wäh­nen die Pro­to­col­la suf­fra­ga­ne­a­tus für den 1. Au­gust sei­ne ers­te Amts­hand­lung als Weih­bi­schof von Köln.

Be­mer­kens­wert ist das Pen­sum, wel­ches Francken-Sier­stor­pff in sei­ner Amts­zeit ab­sol­vier­te. Er weih­te ins­ge­samt über 7.300 Pries­ter. Wie selbst­stän­dig er ar­bei­te­te, zeigt sich bei­spiels­wei­se dar­an, dass der Erz­bi­schof, wenn er ein­mal die hö­he­ren Wei­hen selbst er­teil­te, den Weih­bi­schof da­von in Kennt­nis setz­te. Ein Er­lass aus dem Jahr 1725 über die Zu­las­sungs­be­din­gun­gen zu den hei­li­gen Wei­hen trägt ne­ben der Un­ter­schrift des Erz­bi­schofs auch die des Weih­bi­schofs Francken-Sier­stor­pff. 

Wich­ti­ge Im­pul­se für das kirch­li­che Le­ben gin­gen von ihm ins­be­son­de­re wäh­rend sei­ner Zeit als Se­mi­nar­kom­mis­sar des 1736 er­rich­te­ten Se­mi­na­ri­um Cle­men­ti­num aus. Die fak­ti­sche Lei­tung des be­reits wäh­rend des Kon­zils von Tri­ent ge­for­der­ten Pries­ter­se­mi­nars hat­te zwar der Bar­tho­lo­mit Dr. Franz Phil­ipp Wolff (1690-1767) in­ne, doch be­stimm­ten die ins­ge­samt vier Se­mi­nar­kom­mis­sa­re die Do­zen­ten und Re­gen­ten und nah­men re­gel­mä­ßig Vi­si­ta­tio­nen des Se­min­ar­ge­bäu­des vor.

Ei­ne gro­ße Rol­le im kirch­li­chen Le­ben des 18. Jahr­hun­derts spiel­te die Ka­te­che­se. Die Ein­füh­rung der re­gel­mä­ßi­gen Chris­ten­leh­re war nach der Re­for­ma­ti­on vor al­lem den Je­sui­ten zu ver­dan­ken. Sie hiel­ten re­gel­mä­ßi­ge Ka­te­che­sen in den Pfarr­kir­chen ab und wur­den da­bei von den Pfar­rern un­ter­stützt. Doch zahl­rei­che Kla­gen über die man­geln­de Ef­fi­zi­enz der Leh­re spre­chen da­für, dass es an re­li­gi­ons­päd­ago­gisch ge­schul­tem Per­so­nal zur Un­ter­stüt­zung der un­ter­rich­ten­den Pfar­rer fehl­te. Ei­ne erz­bi­schöf­li­che Ver­ord­nung aus dem Jahr 1728 for­der­te ein zu­sätz­li­ches Lehr­an­ge­bot für die­je­ni­gen Schü­ler, die aus den länd­li­chen Ge­bie­ten ka­men. Um die ent­spre­chen­den Rah­men­be­din­gun­gen zu ge­währ­leis­ten, ver­sprach Erz­bi­schof Cle­mens Au­gust von Bay­ern 1743, für die An­stel­lung ge­eig­ne­ter Hilfs­kräf­te zu sor­gen. Der Weih­bi­schof wur­de an­ge­wie­sen, auf päd­ago­gisch oder di­dak­tisch ta­len­tier­te Wei­he­kan­di­da­ten für Pfarr­kir­chen auf­merk­sam zu ma­chen. Francken-Sier­stor­pff soll­te die­se Auf­ga­be über­neh­men, weil er als Se­mi­nar­kom­mis­sar die Fä­hig­keit der ein­zel­nen Pries­ter­amtskan­di­da­ten am bes­ten kann­te. Der Erz­bi­schof be­trau­te ihn auch wohl mit die­ser Auf­ga­be, weil er auf­grund sei­ner zahl­rei­chen Rei­sen durch die gro­ße Erz­diö­ze­se die Be­dürf­nis­se der ein­zel­nen Pfar­rei­en bes­ser ein­zu­schät­zen wuss­te als die üb­ri­gen Kol­le­gen im Se­mi­nar­kom­mis­sa­ri­at. Wenn Ste­phan Kre­mer schreibt, die Weih­bi­schö­fe sei­en oft die ei­gent­li­chen Hir­ten der Gläu­bi­gen und Haupt­trä­ger der tri­den­ti­ni­schen Re­for­men ge­we­sen, dürf­te das auf Francken-Sier­stor­pff zu­tref­fen.

Franz Kas­par von Francken-Sier­stor­pff starb am 6.2.1770 in Köln, wo er im Dom sei­ne letz­te Ru­he­stät­te fand.

Quellen

Tor­sy, Ja­kob, Die Wei­he­hand­lun­gen der Köl­ner Weih­bi­schö­fe 1661-1840, Düs­sel­dorf 1966.

Literatur

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Kre­mer, Ste­phan, Her­kunft und Wer­de­gang geist­li­cher Füh­rungs­schich­ten in den Reichs­bis­tü­mern zwi­schen West­fä­li­schem Frie­den und Sä­ku­la­ri­sa­ti­on. Fürst­bi­schö­fe, Weih­bi­schö­fe, Ge­ne­ral­vi­ka­re, Frei­burg 1992. 

 
Zitationshinweis

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Hillen, Barbara, Franz Kaspar von Francken-Sierstorpff, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/franz-kaspar-von-francken-sierstorpff-/DE-2086/lido/5e397d58f27d90.03365400 (abgerufen am 21.10.2020)