Januarius Zick

Tafel- und Freskomaler (1730-1797)

Denise Steger (Linz am Rhein)

Januarius Zick, Selbstbildnis mit Palette, um 1757, Original im Mainfränkischen Museum Würzburg.

Ja­nu­a­ri­us Zick, in der Kunst des Ro­ko­ko ver­wur­zelt, je­doch an der Zei­ten­wen­de zum Klas­si­zis­mus le­bend, gilt als „letz­ter deut­scher Gro­ß­ma­ler“. Al­s kur­trie­ri­scher Hof­ma­ler leb­te er von 1761 bis zu sei­nem Tod in Eh­ren­breit­stein (heu­te Stadt Ko­blenz).

Jo­hann Ras­so Ja­nu­a­ri­us Zick wur­de am 6.2.1730 als drit­tes Kind von Jo­han­nes Zick (1702-1767) und An­na Ma­ria Sai­ler (1698-1775) in Mün­chen ge­bo­ren und noch am glei­chen Tag in der Pfarr­kir­che St. Carl Bor­ro­mä­us in Neu­degg ge­tauft. Der Na­me Ja­nu­a­ri­us ging von sei­nem drei Jah­re zu­vor ver­stor­be­nem Bru­der auf ihn über. Ja­nu­a­ri­us Zick er­lern­te die Grund­la­gen der Ma­le­rei bei sei­nem Va­ter, der als Hof­ma­ler bei Her­zog Theo­dor (1659-1733) und dem Fürst­bi­schof zu Frei­sing in Diens­ten stand und as­sis­tier­te schon als Kind so­wohl in der vä­ter­li­chen Werk­statt als auch bei Wand­ma­le­rei­en auf dem Ge­rüst.

 

In die Leh­re ging er, laut Ver­trag vom 11.10.1745, bei dem Schus­sen­rie­der Mau­rer­meis­ter Ja­kob Eme­le um die „Mau­er­pro­fes­si­on und Bau­kunst oder was der­sel­ben an­hän­gig sein ma­g“ (Stra­ßer, 1994, S. 11) zu er­ler­nen. Die Aus­bil­dung be­rech­tig­te ihn da­zu, sich nach Be­en­di­gung der zwei­ein­halb­jäh­ri­gen Lehr­zeit am 19.3.1748 nicht nur „pic­tor“, son­dern auch „ar­chi­tec­tus“ zu nen­nen.

In der Fol­ge­zeit as­sis­tier­te Ja­nu­a­ri­us sei­nem Va­ter. 1749 sie­del­te die Fa­mi­lie nach Würz­burg über, wo Jo­han­nes Zick den Auf­trag zur Aus­ma­lung des Gar­ten­saals der Würz­bur­ger Re­si­denz über­nom­men hat­te. 1751-1754 war er zu­sam­men mit sei­nem Sohn für den Speye­rer Fürst­bi­schof in Schloss Bruch­sal tä­tig, ab 1752 er­hielt Ja­nu­a­ri­us ei­ge­nen Lohn. 1755/1756 ver­ließ er die Werk­statt­ge­mein­schaft sei­nes Va­ters, um sich in Pa­ris wei­ter zu bil­den. Auf dem Weg dort­hin traf er in Trier mit Kur­fürst Jo­hann Phil­ipp von Wal­der­dorff zu­sam­men, von dem er den Auf­trag er­hielt, ei­ni­ge Su­pra­por­ten zu ma­len. In Pa­ris nahm Ja­nu­a­ri­us Zick Kon­takt zu Jo­hann Ge­org Wil­le (1715-1808), Hof­kup­fer­ste­cher, Mit­glied der Aca­dé­mie Roya­le de Pein­ture, so­wie Kunst­händ­ler und Ver­le­ger, auf. Bei Wil­le, der seit 1736 in Pa­ris leb­te, tra­fen sich Künst­ler und Kunst­lieb­ha­ber aus al­ler Welt; sei­ne Be­zie­hun­gen nach Rom, Ba­sel und Augs­burg konn­te sich Zick zu­nut­ze ma­chen. Im Herbst oder Win­ter 1757 be­gab sich Zick auf Emp­feh­lung des Bas­ler Kup­fer­ste­chers Chris­ti­an von Me­chel (1737-1818) in die Schweiz. 1758 wur­de er dort zu­sam­men mit zwei wei­te­ren Ma­lern zur Be­gut­ach­tung des Er­hal­tungs­zu­stan­des der Pas­si­ons­ta­feln von Hans Hol­bein dem Jün­ge­ren (1497/1498-1543) im Bas­ler Rat­haus her­an­ge­zo­gen. Au­ßer­dem fer­tig­te er im Auf­trag von Pri­vat­per­so­nen Ge­mäl­de an. Noch im glei­chen Jahr reis­te Zick nach Rom, bil­de­te sich bei Ra­pha­el Mengs (1728-1779) über die rö­mi­sche An­ti­ke wei­ter und be­such­te dort auch ei­ne der Kunst­aka­de­mi­en. Im Herbst mach­te er in Augs­burg Sta­ti­on, wo ihm der ers­te, im Nach­hin­ein aber nur der zwei­te Preis der „Kai­ser­lich-Fran­zi­sci­schen Aca­de­mie“ für sein Ge­mäl­de „Mer­kur in der Werk­statt des Bild­hau­er­s“ ver­lie­hen wur­de.

Januarius Zick, Triumph der Diana, Deckengemälde im Kurfürstlichen Schloss Engers, 1760, Mittelteil. (Foto Marburg / Kunsthistorisches Institut der Universität Mainz)

 

Im Früh­jahr 1759 ar­bei­te­te er zu­sam­men mit sei­nem Va­ter an der Aus­ma­lung des Wat­teau-Ka­bi­netts in Schloss Bruch­sal, im Herbst war er er­neut für den Trie­rer Kur­fürs­ten Jo­hann Phil­ipp von Wal­der­dorff tä­tig und 1760 er­hielt er den Auf­trag zur Fres­kie­rung des Fest­saa­les in Schloss En­gers (bei Neu­wied) so­wie 1760/1761 ei­nen wei­te­ren für den Er­wei­te­rungs­bau der Trie­rer Re­si­denz; auch in Würz­burg war er im glei­chen Jahr tä­tig. Zum kur­trie­ri­schen Hof­ma­ler er­nannt, ließ sich Ja­nu­a­ri­us Zick in Eh­ren­breit­stein nie­der. Am 25.11.1762 hei­ra­te­te er die in der Hof­stra­ße 277 woh­nen­de Wirts­toch­ter An­na Ma­ria Gru­ber (1745-1811). Aus der Ehe gin­gen 14 Kin­der her­vor, un­ter de­nen Sohn Kon­rad (1773-1836 in Ko­blenz) eben­falls Ma­ler wur­de.

Ne­ben sei­nen Tä­tig­kei­ten als Ma­ler und Fres­kant für den Trie­rer Hof war Ja­nu­a­ri­us Zick auch als Re­stau­ra­tor tä­tig und über­nahm kirch­li­che Auf­trä­ge für die Be­ne­dik­ti­ner­klos­ter­kir­che Ot­to­beu­ren (1766) und für die Fran­zis­ka-Chris­ti­na-Stif­tung in Es­sen-Stee­le (1770/1771). Mit dem Ebe­nis­ten Da­vid Ro­ent­gen in Neu­wied ver­band ihn von 1771-1885 ein en­ges Ar­beits­ver­hält­nis, schuf er doch ei­ne gro­ße An­zahl von Mar­ke­te­rie-Ent­wür­fen für Ro­ent­gens welt­be­rühm­te Mö­bel­ma­nu­fak­tur.

Nach dem Tod des Trie­rer Kur­fürs­ten Jo­hann Phil­ipp 1768 und auf­grund der an­ge­spann­ten fi­nan­zi­el­len La­ge blie­ben grö­ße­re Auf­trä­ge von Sei­ten des Trie­rer Kur­fürs­ten­tums lan­ge Zeit aus. Zick wand­te sich in den fol­gen­den Jah­ren kirch­li­chen Auf­trä­gen zu: Aus­ma­lung und Bau­auf­sicht der Be­ne­dik­ti­ner­ab­tei­kir­che in Wi­b­lin­gen (1778-1781), Aus­ma­lung der Pfarr­kir­che St. Gal­lus in Zell (1780/1781), der Pfarr­kir­che St. Ja­ko­bus d. Ä. in Dür­ren­wald­stet­ten (1782), der Be­ne­dik­ti­ner­ab­tei­kir­che (heu­te Pfarr­kir­che St. Pe­ter und Paul) in Oberel­chin­gen (1782/1783), der Prä­mons­tra­ten­ser­ab­tei­kir­che (heu­te Pfarr­kir­che St. Ma­ria und St. Ve­re­na) in Rot an der Rot (1784). Wei­te­re Fres­ken folg­ten in der Bi­blio­thek der Zis­ter­zi­en­ser­ab­tei in Rai­ten­has­lach (1785) und in der Au­gus­ti­ner-Chor­her­ren­stifts­kir­che St. Pe­ter und Paul im frän­ki­schen Trie­fen­stein (1786).

Januarius Zick, Szenen aus dem Leben Christi und Marias: Der zwölfjährige Jesus im Tempel, Deckengemälde in der Katholischen Pfarrkirche St. Verena und Mariä Himmelfahrt Rot an der Rot, 1784, Foto: Erika Groth-Schmachtenberger. (Foto Marburg)

 

Durch den Neu­bau der Re­si­denz in Ko­blenz un­ter Kur­fürs­t Cle­mens Wen­zes­laus von Sach­sen wur­den Zick 1785 auch im Rhein­land wie­der Auf­ga­ben zu­teil, hier­un­ter fal­len die De­cken­fres­ken im Au­di­enz­saal und im Pa­ra­de­schlaf­zim­mer des Ko­blen­zer Schlos­ses (1947/1948 zer­stört), so­wie Fres­ken für die Schloss­ka­pel­le (1785-1791) und die Stifts­kir­che St. Flo­rin in Ko­blenz (um 1790). Zwi­schen­zeit­lich ar­bei­te­te er auch in der Main­zer Kir­che St. Ignaz (1786) und im Aka­de­mie­saal des Main­zer Schlos­ses (1787).

Zicks Kon­tak­te zu Jo­hann Wolf­gang Goe­the (1749-1832) und sei­nem Kreis, den er 1774 bei ei­nem Be­such in Eh­ren­breit­stein per­sön­lich ken­nen­lern­te, ver­hal­fen ihm bis in die 1790er Jah­ren zu Auf­trä­gen in Frank­furt, wo er un­ter an­de­rem die bei­den an der Zeil ge­le­ge­nen Wohn­häu­ser der Kauf­leu­te Franz Ma­ria Schweit­zer (Pa­lais Schweiz­ter-Ales­si­na) und Jo­hann Fried­rich Schmidt (Pa­lais Mumm), aus­mal­te.

Durch die an­ge­spann­te po­li­ti­sche Si­tua­ti­on - 1794 wur­de Ko­blenz von den fran­zö­si­schen Trup­pen be­setzt - muss­te Kur­fürst Cle­mens Wen­zels­laus nach Augs­burg flie­hen. Ja­nu­a­ri­us Zick bat 1795 um früh­zei­ti­ge Über­sen­dung sei­ner Pen­si­on; am 14.11.1797 starb er in Eh­ren­breit­stein.

Als 18-jäh­ri­ger si­gnier­te Ja­nu­a­ri­us Zick zum ers­ten mal ein klei­nes Ge­mäl­de mit dem Mo­tiv ei­ner bü­ßen­den Ma­ria Mag­da­le­na in der Fel­sen­höh­le mit: „J.R. Ja­nu­a­ri­us/ Zick Inv: Et Pinx:/1748“ (Stra­ßer, 1994, S. 16). In den vie­len Jah­ren sei­nes Schaf­fens rei­chen sei­ne Ge­mäl­de von klei­nen Ka­bi­nett­bil­dern bis zu groß­for­ma­ti­gen Alt­ar­ta­feln. 60 Pro­zent sei­ner The­men neh­men re­li­giö­se Dar­stel­lun­gen ein, da­ne­ben fin­det sich Gen­re­ma­le­rei wie Schä­fer-, Wirts­haus- und Bau­ern-Sze­nen, auch an­ti­ke His­to­rie, My­tho­lo­gi­en, Al­le­go­ri­en und Por­traits sind in Zicks Re­per­toire zahl­reich ver­tre­ten. Be­kann­ter je­doch wur­de Ja­nu­a­ri­us Zick durch sei­ne Fres­ken: Die frü­hes­ten und über­wie­gend dem pro­fa­nen Gen­re zu­zu­rech­nen­den Wand­bil­der sind je­ne im Fest­saal des kur­fürst­li­chen Schlos­ses zu En­gers (1760), das Jo­hann Phil­ipp von Wal­der­dorff an­stel­le ei­ner mit­tel­al­ter­li­chen Burg 1758 er­rich­ten ließ. Das zen­tra­le De­cken­fres­ko, das den Tri­umph der rö­mi­schen Jagd­göt­tin Dia­na dar­stellt, ent­spricht der Be­stim­mung des Ge­bäu­des als Jagd- und Lust­schloss. Jah­res­zei­ten­al­le­go­ri­en, Schä­fer-, Jagd- und Bau­ern­sze­nen er­gän­zen in den Kar­tu­schen und den 57 Wand­fel­dern die Iko­no­gra­phie zu ei­ner leich­ten, hei­te­ren, noch ganz im Stil des Ro­ko­ko ver­haf­te­ten Bil­der­welt, die in un­re­gel­mä­ßig ge­schwun­ge­nen Stuck­rah­men ge­fasst ist. 

Ganz an­ders da­ge­gen sind die gro­ßen, ein­zig re­li­giö­ser The­ma­tik ver­pflich­te­ten Aus­ma­lun­gen der süd­deut­schen Kir­chen zu wer­ten, die Ja­nu­a­ri­us Zick zwi­schen 1778 und 1786 schuf: Der für den Ba­rock­stil ty­pi­sche il­lu­sio­nis­ti­sche Tie­fen­raum ver­flacht sich, Zick be­dient sich