Johann Moritz von Nassau-Siegen

Fürst von Nassau-Siegen und Statthalter von Kleve-Mark (1604-1679)

Bert Thissen (Kleve)

Johann Moritz von Nassau-Siegen, Gemälde von Jan de Baen (1633-1702), um 1670. (Museum Kurhaus Kleve)

Jo­hann Mo­ritz von Nas­sau-Sie­gen hat­te, als Sohn aus der zwei­ten Ehe ei­nes nicht sehr be­deu­ten­den Gra­fen, be­schei­de­ne Er­baus­sich­ten und ent­schied sich des­halb für ei­ne mi­li­tä­ri­sche Kar­rie­re in den Nie­der­lan­den, die sehr er­folg­reich ver­lief. Ei­ne sie­ben­jäh­ri­ge Amts­zeit als Gou­ver­neur in Bra­si­li­en brach­te ihm Ruhm. Ab 1647 bis zu sei­nem To­de war er da­ne­ben Statt­hal­ter des Gro­ßen Kur­fürs­ten in Kle­ve, ab 1652 au­ßer­dem Her­ren­meis­ter des Jo­han­ni­ter­or­dens in Bran­den­burg. Er gilt heu­te als För­de­rer von Kunst und Wis­sen­schaft so­wie als Pio­nier der Land­schafts­ge­stal­tung, der ei­ne Mitt­ler­rol­le zwi­schen der nie­der­län­di­schen Re­pu­blik und Kur­bran­den­burg spiel­te.

Jo­hann Mo­ritz von Nas­sau-Sie­gen, der 1652 in den Fürs­ten­stand er­ho­ben wur­de, ent­stamm­te der ot­to­ni­schen Li­nie des Hau­ses Nas­sau, de­ren Stamm­län­der nörd­lich der Lahn la­gen. Um nie­der­län­di­sche Be­sit­zun­gen, die ab dem 14. Jahr­hun­dert nach­weis­bar sind, bil­de­te sich ei­ne ei­ge­ne Li­nie. Bei der Tau­fe von Jo­hann Mo­ritz wur­de die­se vom nie­der­län­di­schen Statt­hal­ter Prinz Mo­ritz von Nas­sau (1567-1625), der als Tauf­pa­te auf­trat, ver­tre­ten.

Jo­hann Mo­ritz wur­de am 17. oder 18.6.1604 zu Dil­len­burg ge­bo­ren. Sein Va­ter, Graf Jo­hann VII. (Re­gie­rungs­zeit 1609-1623), hat­te 1603 Mar­ga­re­tha, Her­zo­gin zu Hol­stein-Son­der­burg (1583-1638), ge­hei­ra­tet. Aus ei­ner ers­ten Ehe wa­ren zwölf Kin­der her­vor­ge­gan­gen, Jo­hann Mo­ritz war das ers­te Kind aus der zwei­ten Ehe. Da sein Va­ter 1607 bei ei­ner Erb­tei­lung die Graf­schaft Nas­sau-Sie­gen er­hielt, ver­brach­te Jo­hann Mo­ritz dort ei­nen Teil sei­ner Kind­heit. Mit zehn Jah­ren wur­de er an die Uni­ver­si­tät in Ba­sel ge­schickt, und von 1615 bis 1617 stu­dier­te er an der Rit­ter­schu­le Col­le­gi­um Mau­ri­tia­num in Kas­sel. Sei­ne Aus­bil­dung lässt sich als cal­vi­nis­tisch-hu­ma­nis­tisch mit mi­li­tä­ri­schem Ak­zent kenn­zeich­nen.

 

Jo­hann Mo­ritz ori­en­tier­te sich we­gen ei­ner Lauf­bahn in den Nie­der­lan­den, wo Ver­wand­ten ho­he Po­si­tio­nen ein­nah­men. Die po­li­tisch-mi­li­tä­ri­sche La­ge so­wie die pros­pe­rie­ren­de Wirt­schaft der jun­gen Re­pu­blik bo­ten gu­te Aus­sich­ten. Als Sechs­zehn­jäh­ri­ger trat er in ein Ka­vall­arie­re­gi­ment ein und mach­te an­schlie­ßend Kar­rie­re als Of­fi­zier. Im 1621 wie­der auf­ge­leb­ten Krieg zwi­schen Spa­ni­en und der Re­pu­blik be­tei­lig­te er sich un­ter an­de­rem an der Be­la­ge­rung von Schen­ken­schanz (1635/1636). Zu der Zeit star­te­te er auch den Bau sei­nes Stadt­pa­las­tes 'Mau­rits­huis' in der Re­si­denz Den Haag.

Die West­in­di­sche Han­del­s­com­pa­nie (WIC), die von der Re­pu­blik ein Han­dels­mo­no­pol für den ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nent er­hal­ten hat­te, er­nann­te ihn 1636 zu ih­rem Gou­ver­neur in Bra­si­li­en. Er soll­te die von den Por­tu­gie­sen be­droh­ten Zu­cker­plan­ta­gen der WIC si­chern und er­trag­reich ma­chen. Jo­hann Mo­ritz, der 1637 nach Bra­si­li­en kam, konn­te das mi­li­tä­ri­sche Ziel teil­wei­se er­rei­chen. Sei­ne wirt­schaft­li­che Auf­ga­be ver­such­te er durch ei­ne gro­ßzü­gi­ge Kre­dit­po­li­tik zu lö­sen. Au­ßer­dem ließ er Skla­ven aus Afri­ka als Ar­beits­kräf­te im­por­tie­ren. In Re­ci­fe führ­te er ei­nen Hof­staat, der un­ter an­de­rem Künst­ler und Wis­sen­schaft­ler um­fass­te und in Re­ci­fes un­mit­tel­ba­ren Nach­bar­schaft bau­te er ei­ne Re­si­denz­stadt, Mau­ri­tio­po­lis. Als sei­ne Auf­trag­ge­ber we­gen der Kos­ten bei den Trup­pen spar­ten, leg­te Jo­hann Mo­ritz sein Amt nie­der und kehr­te nach Eu­ro­pa zu­rück (1644). Die bra­si­lia­ni­schen Jah­re wa­ren vor al­lem wis­sen­schaft­lich und künst­le­risch er­trag­reich ge­we­sen. Auch hat­ten sie Jo­hann Mo­ritz be­rühmt ge­macht.

Historia Naturalis Brasiliae, unter der Schirmherrschaft von Johann Moritz von Nassau-Siegen herausgegeben von Willem Piso (1611-1678) und Georg Markgraf (1610-1644), 1648.

 

Er wur­de ab Ok­to­ber 1644 Ge­ne­ral­leut­nant über die Ka­val­le­rie der Nie­der­lan­de. Da­ne­ben über­nahm er das Kom­man­do über die nie­der­län­di­schen Gar­ni­so­nen zu We­sel und Bü­de­rich (heu­te Stadt We­sel). Da er mit sei­ner Fa­mi­lie im Erb­streit lag, zog er 1645 mit nie­der­län­di­schen Sol­da­ten nach Sie­gen und er­zwang dort ei­ne An­er­ken­nung sei­ner Herr­schaft.

Kur­fürst Fried­rich Wil­helm von Bran­den­burg (Re­gie­rungs­zeit 1640-1688) er­nann­te Jo­hann Mo­ritz 1647 zu sei­nem Statt­hal­ter für Kle­ve und Mark. Da­mit fing ei­ne 32-jäh­ri­ge Amts­zeit an, in de­ren Ver­lauf Jo­hann Mo­ritz zeit­wei­se auch Statt­hal­ter für Ra­vens­berg und Min­den sein soll­te. In sei­ne Amts­zeit fällt die Grün­dung der Uni­ver­si­tät Duis­burg. Au­ßer­dem ver­trat er den Kur­fürs­ten un­ter an­de­rem 1658 bei der Kai­ser­wahl in Frank­furt.

Die 1653 von Johann Moritz von Nassau-Siegen angelegte Nassauerallee zu Kleve, 1654, verschollene Zeichnung von Hendrick Feltman (um 1610-nach 1669).

 

Sei­ne Haupt­auf­ga­be als Statt­hal­ter war es, die Ver­hand­lun­gen mit den Stän­den zu füh­ren. Auch soll­te er die Fi­nan­zen re­for­mie­ren. Ge­ne­rell hat­te er die Ober­auf­sicht über die kle­visch-mär­ki­schen Be­hör­den und war für die Si­cher­heit des Lan­des so­wie für die Pfle­ge der Be­zie­hun­gen zu den Nach­bar­staa­ten zu­stän­dig. Die­se Auf­ga­ben hat er un­ter­schied­lich er­folg­reich er­le­digt. Im Um­gang mit den Stän­den er­wies er sich als Tak­ti­ker, aber sei­ne häu­fi­ge Ab­we­sen­heit wirk­te sich nach­tei­lig aus.

Ne­ben sei­ner Statt­hal­ter­schaft hat­te er sich um die Graf­schaft Nas­sau-Sie­gen, die ihm ab 1651 zur Hälf­te ge­hör­te, zu küm­mern. Au­ßer­dem be­schäf­tig­te er sich nach sei­ner Er­nen­nung zum Her­ren­meis­ter des Jo­han­ni­ter­or­dens in Bran­den­burg (1652) mit dem Or­dens­schloss zu Son­nen­burg. Vor al­lem lenk­te ihn sei­ne Lauf­bahn beim Mi­li­tär in der Re­pu­blik ab. Hier wur­de er 1668 Feld­mar­schall und war er mehr­fach Ober­be­fehls­ha­ber, au­ßer­dem ab 1674 Gou­ver­neur von Ut­recht.

Sein wich­tigs­tes Er­be als Statt­hal­ter sind die Kle­ver Gar­ten­an­la­gen. Der al­ten Her­zogs­re­si­denz ver­lieh er durch die Schaf­fung ei­ner neu­ar­ti­gen Re­si­denz­land­schaft neu­en Glanz. Zu die­ser Land­schaft zähl­ten Bau­ten, wie zum Bei­spiel Haus Freu­den­berg und der so ge­nann­te Prin­zen­hof. Heu­te ist da­von le­dig­lich das 1663/1664 un­ter sei­ner Lei­tung ent­stan­de­ne ba­ro­cke Ge­wand der Burg teil­wei­se er­hal­ten. Da­ge­gen sind die Gar­ten­an­la­gen und Al­le­en im Um­feld der Stadt, mit de­nen Jo­hann Mo­ritz die al­ten Stadt­gren­zen spreng­te, noch sehr sicht­bar. Glei­ches gilt für die Grab­an­la­ge zu Ber­gendal, die er 1678 un­ter Ver­wen­dung von rö­mi­schen Al­ter­tü­mern in der frei­en Na­tur schuf. Nach sei­nem Tod am 20.12.1679 wur­de sein Leich­nam hier be­stat­tet. Im Herbst 1680 folg­te die Über­füh­rung nach Sie­gen in die Fürs­ten­gruft.

Literatur (Auswahl)

Boo­gaart, E. van den (Hg.), Jo­han Mau­rits van Nas­sau-Sie­gen 1604-1769. A Hu­ma­nist Prin­ce in Eu­ro­pe and Bra­zil. Es­says on the oc­ca­si­on of the ter­cen­ten­a­ry of his de­ath, The Ha­gue 1979.

Brunn, Ger­hard (Hg.), Auf­bruch in neue Wel­ten. Jo­hann Mo­ritz von Nas­sau-Sie­gen (1604-1679), der Bra­si­lia­ner, Sie­gen 2004.

Brunn, Ger­hard /Neutsch, Cor­ne­li­us (Hg.), Sein Feld war die Welt. Jo­hann Mo­ritz von Nas­sau-Sie­gen (1604-1679). Von Sie­gen über die Nie­der­lan­de und Bra­si­li­en nach Bran­den­burg, Müns­ter u.a. 2008.

Hant­sche, Irm­gard (Hg.), Jo­hann Mo­ritz von Nas­sau-Sie­gen (1604-1679) als Ver­mitt­ler. Po­li­tik und Kul­tur am Nie­der­rhein im 17. Jahr­hun­dert, Müns­ter u.a. 2005.

Kür­bis, Hol­ger, Jo­hann Mo­ritz von Nas­sau-Sie­gen, Er­furt 2005.

Werd, Gui­do de (Re­dak­ti­on), So­weit der Erd­kreis reicht. Jo­hann Mo­ritz von Nas­sau-Sie­gen 1604-1679, Kle­ve 1979.

Online

Schmalz, Al­fre­do, Jo­hann Mo­ritz von Nas­sau, in: NDB 10 (1974), S. 502-503. [On­line]

Grabmal des Johann-Moritz von Nassau-Siegen zu Bergendal bei Kleve, lavierte Federzeichnung von Arnoud van Halen (1673-1732), um 1720. (Prentenkabinet der Rijksuniversiteit Leiden)

 
Zitationshinweis

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Thissen, Bert, Johann Moritz von Nassau-Siegen, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johann-moritz-von-nassau-siegen/DE-2086/lido/57c92e71cd23c4.68320905 (17.10.2018)