Josef Haubrich

Rechtsanwalt, Sammler und Mäzen (1889-1961)

Birgit Kilp (Köln)

Josef Haubrich nach Kriegsende, 1940er Jahre. (Privatbesitz Carlos Cramer)

Lud­wig Jo­sef Hau­brich war ein äu­ßerst wir­kungs­vol­ler Kul­tur­po­li­ti­ker der Nach­kriegs­zeit. 1946 stif­te­te er sei­ne Kunst­samm­lung der Stadt Köln, wor­aus sich das heu­ti­ge Mu­se­um Lud­wig ent­wi­ckel­te. Auch für die Ent­ste­hung des heu­ti­gen LVR-Frei­licht­mu­se­ums in Kom­mern und die Er­hal­tung des Ro­ten Hau­ses in Mons­chau setz­te er sich tat­kräf­tig ein.

Lud­wig Jo­sef Hau­brich wur­de am 15.6.1889 als Sohn des Ni­co­laus Wil­helm Hau­brich (1858-1942) und sei­ner Ehe­frau Ma­ria Chris­ti­na Hu­ber­ta Wil­hel­mi­ne Rit­ze­feld (1866-1930) in Köln am Müh­len­bach 37 ge­bo­ren. Der Va­ter war Di­rek­tor der „Orts­kran­ken­kas­se für Fa­bri­ken“ und Ren­dant des Köl­ner Zen­tral–Dom­bau-Ver­eins, die Mut­ter ent­stamm­te ei­ner mit­tel­stän­di­schen Köl­ner Fa­mi­lie. Hau­brichs Vor­fah­ren ka­men aus dem bäu­er­li­chen Mi­lieu des Wes­ter­walds. Er selbst wuchs in gut­bür­ger­lich-ka­tho­li­schem Um­feld auf. Am 4.3.1908 leg­te er am Gym­na­si­um in der Kreuz­gas­se das Ab­itur ab und stu­dier­te an­schlie­ßend in Mün­chen, Bonn und Ber­lin Rechts­wis­sen­schaf­ten. 1912 stu­dier­te er eben­falls noch an der neu­en Köl­ner Han­dels­hoch­schu­le. Am 15.8.1913 wur­de er in Ros­tock mit der Dis­ser­ta­ti­on über „Die Dis­kon­tie­rung von Buch­for­de­run­gen“ von Hans Wüs­ten­dör­fer (1875-1951) pro­mo­viert. Im Herbst 1915 leg­te er in Ber­lin die Gro­ße Staats­prü­fung ab. Auf­grund ei­nes Herz­feh­lers war er vom Wehr­dienst frei ge­stellt. Nach dem Ex­amen grün­de­ten er  und Dr. Hein­rich Bo­den­heim (1884-1949) im Jah­re 1915 ge­mein­sam ei­ne Wirt­schafts­kanz­lei in Köln, die si­ch  äu­ßerst er­folg­reich ent­wi­ckel­te. Bo­den­heim al­ler­dings wur­de zum Wehr­dienst ein­ge­zo­gen, so dass Hau­brich sie zu­nächst al­lein füh­ren muss­te. Am 25.5.1916 hei­ra­te­te er Jo­han­na Kux (1891-1922), Toch­ter des Ge­schäfts­füh­rers der Che­mi­schen Fa­brik Kalk. En­de 1916 kam Sohn Karl-Klaus zur Welt, 1919 die Toch­ter Ruth-Lui­se (Wie­sel).

Der Va­ter hat­te für die Dom­bau­lot­te­rie in Köl­ner Ga­le­ri­en und in Mu­se­en des Aus­lands Ge­win­ne in Form von Bil­dern aus­ge­sucht, wo­durch der Sohn früh an die Kunst her­an­ge­führt wur­de. Doch erst wäh­rend des Stu­di­ums in Mün­chen und Ber­lin kam er in Kon­takt mit der zeit­ge­nös­si­schen Kunst und lern­te die­se schät­zen. Prä­gen­des Er­leb­nis in Köln war für ihn die gro­ßes Auf­se­hen er­re­gen­de Aus­stel­lung zur in­ter­na­tio­na­len Mo­der­ne im Jah­re 1912: Die Son­der­bund­aus­stel­lung. Schon in den 1920er Jah­ren bil­de­ten sich all­mäh­lich die Schwer­punk­te sei­ner Samm­lung her­aus: so sam­mel­te er ex­pres­sio­nis­ti­sche Ge­mäl­de und Pa­pier­ar­bei­ten der Dresd­ner Künst­ler­grup­pe „Die Brü­cke“, dar­un­ter Ernst Lud­wig Kirch­ner (1880-1938), Erich He­ckel (1883-1970), Karl Schmidt-Rott­luff (1884-1976), Emil Nol­de (1867-1956), Max Pech­stein (1881-1955), Ot­to Mu­el­ler (1874-1930), oder Ar­bei­ten der neu­en Sach­lich­keit: Ot­to Dix (1891-1969), Ge­or­ge Grosz (1893-1959), Ge­org Schrimpf (1889-1938) und der Künst­ler des Rhein­lands: Au­gust Ma­cke, Hein­rich Cam­pen­donk, Hein­rich Ho­er­le (1895-1936), Car­lo Men­se (1886-1965), Jan­kel Ad­ler (1895-1949) und an­de­re mehr. Von gro­ßer Qua­li­tät wa­ren die Ar­bei­ten des Bel­gi­ers Ja­mes En­sor (1860-1949), die Hau­brich in die­sen Jah­ren er­warb. Auch von Os­kar Ko­kosch­ka (1886-1980), Marc Cha­gall (1887-1985) un­d  Pau­la Mo­der­sohn-Be­cker (1876-1907) kauf­te er be­deu­ten­de Ar­bei­ten und füg­te Wer­ke von Bild­hau­ern wie Wil­helm Lehm­bruck (1881-1919) und Re­née Sin­te­nis (1888-1965) sei­ner schon da­mals be­deu­ten­den und an­er­kann­ten Samm­lung hin­zu.

 

1922 traf ihn ein schwe­rer Schick­sals­schlag. Sei­ne Frau ver­starb wäh­rend der Schwan­ger­schaft. Ei­ne 1923 mit Do­ra An­na Ama­lie An­to­nie Tim­mer­manns ge­bo­re­ne Skirl (ge­bo­ren 1898) ein­ge­gan­ge­ne Ehe wur­de ge­schie­den und schlie­ß­lich hei­ra­te­te Hau­brich 1929 die Toch­ter des Rab­bi­ners Vik­tor Gra­bow­ski (1863-1931) aus Bar­men (heu­te Stadt Wup­per­tal), die Frau­en- und Kin­der­ärz­tin Ali­ce Gott­schalk (1892-1944). Aus ih­rer ers­ten Ehe brach­te die­se die Toch­ter An­ne­li mit in die Ehe.

Hau­brich war mit wich­ti­gen SPD-Po­li­ti­kern wie Wil­helm Soll­mann (1881-1951, In­nen­mi­nis­ter un­ter Reichs­kanz­ler Gus­tav Stre­se­mann), Jo­han­nes Meer­feld (1871-1956, 1920–1933 Mit­glied des Preu­ßi­schen Staats­ra­tes und Kul­tur­de­zer­nent der Stadt Köln) und Ro­bert Gör­lin­ger (1919–1933 Mit­glied des Köl­ner Stadt­ra­tes, seit 1923 auch Mit­glied des Rhei­ni­schen Pro­vin­zi­al­land­ta­ges) be­freun­det und so ver­fass­te er für das SPD-Or­gan „Rhei­ni­sche Zei­tun­g“ (Meer­feld und Soll­mann wa­ren dort zeit­wei­lig Chef­re­dak­teu­re) un­ter dem Pseud­onym „Dr.  Lud­wig Jo­se­f“ höchst poin­tier­te Kunst­kri­ti­ken. Trotz der Kon­tak­te zu pro­mi­nen­ten Ver­tre­tern der SPD trat er  der 1930 ge­grün­de­ten li­be­ra­len Deut­schen Staats­par­tei bei.

Nach der Macht­über­nah­me der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten 1933 wur­de Hau­brich nach und nach aus sei­nen Eh­ren­äm­tern – bei­spiels­wei­se beim Köl­ni­schen Kunst­ver­ein oder den Freun­den der Uni­ver­si­tät zu Köln – her­aus ge­drängt. 1939 wur­de er schlie­ß­lich ge­zwun­gen, die Ge­mein­schafts­kanz­lei mit Bo­den­heim auf­zu­ge­ben. 1938 ver­lor sei­ne Frau ih­re Ap­pro­ba­ti­on und muss­te die Pra­xis schlie­ßen. Als An­ge­hö­ri­ger des ge­ho­be­nen Köl­ner Bür­ger­tums konn­te er je­doch sei­ne Kanz­lei als Ein­zel­an­walt in sei­ner Ma­ri­en­bur­ger Vil­la wei­ter be­trei­ben. Au­ßer­dem ge­lang es ihm, sei­ne Samm­lung in en­gem Kon­takt mit dem 1933 neu ein­ge­setz­ten Mu­se­ums­di­rek­tor des Wall­raf-Ri­ch­artz-Mu­se­ums, Ot­to H. Förs­ter (1894-1975, Di­rek­tor des Wall­raf-Ri­ch­artz-Mu­se­ums bis 1945, Ge­ne­ral­di­rek­tor der Köl­ner Mu­se­en 1957-1960), des­sen Frau und des­sen Schwie­ger­sohn To­ni Fel­den­kir­chen (1907-1982), der seit 1936 (bis 1967) Wer­be- und Schrift­lei­ter im Ver­kehrs­amt der Stadt Köln und seit 1942 zu­gleich Ge­schäfts­füh­rer des Köl­ni­schen Kunst­ver­eins war, über Krieg und Ver­fol­gung hin­weg zu ret­ten.

Pri­va­te Schick­sals­schlä­ge tra­fen ihn hart: Die Stief­toch­ter muss­te sich in Wien vor der Ver­fol­gung durch die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ver­ber­gen, sei­ne Frau nahm sich am 10.2.1944 das Le­ben und im fol­gen­den Jahr – im Fe­bru­ar 1945 – fiel in der Nä­he von Kö­nigs­berg als Sol­dat sein ein­zi­ger Sohn.

Josef Haubrich, 1920er Jahre. (Privatbesitz Carlos Cramer)

 

Im Sep­tem­ber 1944 je­doch ge­lang ihm trotz al­lem ein Neu­an­fang: Er hei­ra­te­te in vier­ter Ehe Pau­la We­ge­lin (1886-1959) ge­bo­re­ne Sieb, ei­ne ver­mö­gen­de In­dus­tri­el­len­wit­we, die sei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wie­der­auf­stieg nach dem Krieg nach Kräf­ten un­ter­stütz­te. Von den Ame­ri­ka­nern und Bri­ten als ei­ner der Deut­schen ge­schätzt, de­nen man beim Auf­bau ei­nes neu­en Deutsch­land ver­trau­en konn­te, wur­de er am 17.1.1946 Mit­glied der zwei­ten Köl­ner Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung, die noch von der Mi­li­tär­re­gie­rung be­ru­fen wur­de. Seit den ers­ten frei­en Kom­mu­nal­wah­len am 13.10.1946 bis zu sei­nem To­de ge­hör­te er fast un­un­ter­bro­chen für die SPD – er war der Par­tei am 21.1.1946 bei­ge­tre­ten – dem Köl­ner Stadt­rat an. Seit 1953 war er au­ßer­dem Mit­glied der Land­schafts­ver­samm­lung Rhein­land. Er war stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Kul­tur­aus­schüs­se bei­der Ver­tre­tun­gen und wur­de so zu ei­nem der kom­pe­ten­tes­ten und pro­fi­lier­tes­ten Kul­tur­po­li­ti­ker je­ner Jah­re im Rhein­land.

Zu Be­ginn der Fünf­zi­ger Jah­re war das Ro­te Haus in Mons­chau (in der zwei­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts er­bau­tes Wohn- und Kon­tor­haus und zu­gleich Pro­duk­ti­ons­stät­te der Tuch­händ­ler­fa­mi­lie Schei­bler) akut vom Ein­sturz be­droht. Jo­sef Hau­brich ver­mit­tel­te zwi­schen dem Land­schafts­ver­band Rhein­land als künf­ti­gem Eig­ner und der Stadt Mons­chau so­wie Hans Carl Schei­bler, die je­weils ei­ne Haus­hälf­te be­sa­ßen. Die „Stif­tung Schei­bler-Mu­se­um Ro­tes Haus“ konn­te das Haus schlie­ß­lich über­neh­men, re­stau­rie­ren und der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich ma­chen.

Aus der Er­kennt­nis her­aus, dass die bäu­er­li­che Kul­tur des Rhein­lands vom Ver­schwin­den be­droht war, er­wuch­sen Plä­ne, ein Frei­licht­mu­se­um zu er­rich­ten. An der Aus­wahl des Mu­se­ums­stand­or­tes und der Aus­wahl der Häu­ser nahm Hau­brich als Mit­glied des Aus­schus­ses für land­schaft­li­che Kul­tur­pfle­ge leb­haf­ten An­teil. An der Er­öff­nung des LVR-Freich­licht­mu­se­ums in Kom­mern am 20.7.1961 konn­te er noch teil­neh­men.

Josef Haubrich in den SPD-Fraktionsräumen der Landschaftsversammlung Rheinland, 1950er Jahre. (Archiv des Landschaftsverbands Rheinland, Pulheim-Brauweiler)

 

Als Mit­glied zahl­lo­ser Aus­schüs­se des Köl­ner Ra­tes im Lau­fe sei­nes Po­li­ti­kerle­bens – des Haupt­aus­schus­ses, des Aus­schus­ses Fi­nan­zen und Steu­ern, des Aus­schus­ses Recht und Si­cher­heit, des Aus­schus­ses für Stadt­pla­nung, des Aus­schus­ses Schul­we­sen, des Aus­schus­ses All­ge­mei­ne Ver­wal­tung, des Aus­schus­ses Wirt­schaft und Ver­kehr, des Aus­schus­ses Schu­len und vie­ler wei­te­rer Gre­mi­en – zum Bei­spiel der Wie­der­auf­bau­ge­sell­schaft, des Auf­sichts­ra­tes der Mes­se- und Aus­stel­lungs­ge­sell­schaft oder des Spar­kas­sen­rats – wur­de er zu ei­ner der prä­gen­den Ge­stal­ten des neu­en Köln. Im Ver­fas­sungs­aus­schuss, der ei­gens hier­für be­ru­fen wur­de, er­ar­bei­te­te er un­ter an­de­rem ge­mein­sam mit dem nam­haf­ten Ju­ris­ten und Hoch­schul­leh­rer Hans Carl Nip­per­dey (1895-1968), auf ei­ner Vor­la­ge des Ober­bür­ger­meis­ters Her­mann Pünder auf­bau­end, die ers­te Stadt­ver­fas­sung der Nach­kriegs­zeit. Die Bri­ten setz­ten dann aber ei­ne stark ver­än­der­te Fas­sung durch. Seit 1956 fun­gier­te er auch als drit­ter Bür­ger­meis­ter.

Sei­ne durch glück­li­che Um­stän­de über Dik­ta­tur und Krieg hin­weg ge­ret­te­te kost­ba­re Samm­lung, die er in all den Jah­ren noch er­wei­tert hat­te, stif­te­te er am 17.4.1946 der Stadt und leg­te da­mit im schwer zer­stör­ten Köln den Grund­stein für die Ent­wick­lung ei­nes der in­ter­na­tio­nal be­deu­ten­den Mu­se­en der Mo­der­ne: dem heu­ti­gen Mu­se­um Lud­wig, in dem Hau­brichs Samm­lung heu­te prä­sen­tiert wird. Zu­nächst auf Tour­nee in Eu­ro­pa – Ams­ter­dam, Pa­ris, Brüs­sel, Tu­rin, Ba­sel und Lu­xem­burg – wur­de die le­gen­dä­re Samm­lung auch in den Städ­ten der west­li­chen Zo­nen prä­sen­tiert. Dies trug we­sent­lich da­zu bei, Köln be­reits in den ers­ten Jah­ren nach dem Krie­ge den ex­zel­len­ten Ruf ei­ner „Kul­tur­stadt“ zu ver­schaf­fen. Ge­mein­sam mit den Mu­se­ums­di­rek­to­ren Leo­pold Rei­de­meis­ter (1945–1957) und Ot­to H. Förs­ter ent­wi­ckel­te er mit Hil­fe des für die Stif­tung aus­be­dun­ge­nen Bei­ge­ord­ne­ten­ge­halts, das für Kunst­an­käu­fe ein­ge­setzt wur­de, die Samm­lung im Wall­raf-Ri­ch­artz-Mu­se­um wei­ter. Da vom Ge­bäu­de des Wall­raf-Ri­ch­artz-Mu­se­ums nur­mehr ein Mau­er­rest den Bom­ben­krieg über­stan­den hat­te, stell­te sich früh die Fra­ge nach ei­nem Neu­bau. Auch hier war Jo­sef Hau­brich, der durch­ge­hend stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Kul­tur­aus­schus­ses war, ei­ne trei­ben­de Kraft. So konn­te schlie­ß­lich am 27.5.1957 der be­rühm­te mo­der­ne Bau des Ar­chi­tek­ten Ru­dolf Schwarz als ers­ter Mu­se­ums­neu­bau in Deutsch­land er­öff­net wer­den. Die Ober­bür­ger­meis­ter Her­mann Pünder, Ernst Schwe­ring (1886-1962), Ro­bert Gör­lin­ger (1888-1954) und Theo Burau­en (1906-1987) un­ter­stütz­ten die­se Ent­wick­lung eben­so tat­kräf­tig wie die Ober­stadt­di­rek­to­ren Wil­li Suth (1881-1956) und Max Ade­nau­er (1910-2004) so­wie die Kul­tur­de­zer­nen­ten Wil­helm Stein­forth (1890-1980) und Kurt Ha­cken­berg (1914-1981). In ih­rer von Wil­helm Ri­phahn (1869-1963) ent­wor­fe­nen ex­klu­siv-mo­der­nen Vil­la in Mün­gers­dorf führ­ten die Hau­brichs ein of­fe­nes Haus mit le­gen­dä­ren Fes­ten, zu de­nen auch sein Freund, der da­ma­li­ge Bun­des­prä­si­dent, Theo­dor Heuss (1884-1963, Bun­des­prä­si­dent 1949-1959) öf­ters er­schien.

Am 17.4.1960 hei­ra­te­te Jo­sef Hau­brich in Ca­ra­cas (Ve­ne­zue­la) – sei­ne Frau Pau­la war 1959 an den Fol­gen ei­nes Schlag­an­falls ver­stor­ben – ein letz­tes Mal: die Schau­spie­le­rin Lu­cy Mil­lo­witsch (1905-1990), Schwes­ter des Volks­schau­spie­lers Wil­ly Mil­lo­witsch (1909-1999), war die Aus­er­wähl­te. Jo­sef Hau­brich er­lag am 4.9.1961 im Som­mer­ur­laub in Bad Müns­ter­ei­fel ei­nem Hirn­schlag. Sein Grab be­fin­det sich auf dem Fried­hof Me­la­ten in Köln.

Hau­brich hat zahl­rei­che Eh­run­gen er­hal­ten: 1954 das Gro­ße Ver­dienst­kreuz, 1959 den bel­gi­schen Leo­polds-Or­den, eben­falls 1959 die Eh­ren­dok­tor­wür­de der Phi­lo­so­phi­schen Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät zu Köln, 1961 das Kom­tu­r­kreuz des Ver­dienst­or­dens der Ita­lie­ni­schen Re­pu­blik, 1964 wur­de der Jo­sef-Hau­brich-Hof in Köln nach ihm be­nannt, 1979 die Kunst­hal­le am Neu­markt in Jo­sef-Hau­brich-Kunst­hal­le um­be­nannt (Ab­riss 2003). Seit 1995 er­in­nert ei­ne Fi­gur am Ratsturm – 3. Ober­ge­schoss, Ost­sei­te – (Bild­hau­er: Hans Karl Bur­geff nach ei­nem Mo­dell von Jo­chem Pechau) an den Stif­ter. Be­deu­ten­de Künst­ler por­trä­tier­ten Hau­brich (al­le Por­träts im Mu­se­um Lud­wig, Köln): Hein­rich Ho­er­le (1931, Zeich­nung), Pe­ter Her­ken­rath (1949, Ge­mäl­de), Ot­to Dix (1951, Ge­mäl­de), Ger­hard Marcks (1953, Bild­nis­kopf, Bron­ze).

Nachlass

His­to­ri­sches Ar­chiv der Stadt Köln, Best. 1369 (ge­sperrt bis 2050).

Werke (Auswahl)

Der Rhein und Eu­ro­pa, 1946.

Kunst­lie­ben­des Köln, 1957.

Literatur

Braun­fels, Wolf­gang, Ein Samm­ler des deut­schen ­Ex­pres­sio­nis­mus. In me­mo­ri­am Jo­sef Hau­brich, in: Wall­raf-Ri­ch­artz-Jahr­buch 24 (1962), S. 375-380.

Dann, Ot­to, Jo­sef Hau­brich: Ein Kunst­samm­ler im Um­bruch, in: Dülf­fer, Jost (Hg.), "Wir ha­ben schwe­re Zei­ten hin­ter uns". Die Köl­ner Re­gi­on zwi­schen Krieg und Nach­kriegs­zeit, Vie­row bei Greifs­wald 1996, S. 365-377.

Dann, Ot­to, Der Kunst­samm­ler Jo­sef Hau­brich und sein Um­feld, in: Kol­berg, Ger­hard (Hg.): Die Ex­pres­sio­nis­ten. Vom Auf­bruch bis zur Ver­fe­mung, Ost­fil­dern 1996, S. 14-23.

Fi­scher, Al­fred M. (Hg.), Meis­ter­blät­ter aus der Samm­lung Jo­sef Hau­brich - zum 100. Ge­burts­tag des Samm­lers, Köln 1989.

Fried­rich, Ju­lia/Gra­fah­rend-Goh­mert, Do­ro­thee, Jo­sef Hau­brich. Ein Samm­ler und sei­ne Samm­lung, in: Fried­rich, Ju­lia (Hg.), Meis­ter­wer­ke der ­Mo­der­ne. Die Samm­lung Hau­brich im Mu­se­um Lud­wig, Köln 2012, S. 13-43.

Fuchs, Pe­ter, Jo­sef Hau­brich, Samm­ler und Stif­ter mo­der­ner Kunst, Köln 1979.

Fuchs, Pe­ter, Jo­sef Hau­brich. Stif­ter und Rats­herr, in: Brunn, Ger­hard (Hg.), So­zi­al­de­mo­kra­tie in Köln. Ein Bei­trag zur Stadt- und Par­tei­en­geschich­te, Köln 1986, S. 309-313.

Fuchs, Pe­ter, Jo­sef Hau­brich. Samm­ler und Stif­ter mo­der­ner Kunst, in: Fi­scher, Al­fred M. (Hg.), Meis­ter­wer­ke der ­Mo­der­ne, Köln 1989, S. 11-30.

Fuchs, Pe­ter (Hg.), Jo­sef Hau­brich. Samm­ler und Stif­ter, Kunst des XX. Jahr­hun­derts in Köln, Köln 1959 (Fest­schrift zum 70. Ge­burts­tag).

Gohr, Sieg­fried (Hg.), Mu­se­um Lud­wig. Ge­mäl­de, Skulp­tu­ren, En­vi­ron­ments vom ­Ex­pres­sio­nis­mus ­bis zur Ge­gen­wart. Be­stands­ka­ta­log, Mün­chen 1986. 

His­to­ri­sches Ar­chiv der Stadt Köln (Hg.), Kunst und Kul­tur in Köln nach 1945, Köln 1996.

Kilp, Bir­git, Jo­sef Hau­brich - Ein An­walt der Kunst, Köln 2014.

Lan­ge, Er­hard H. M., Jo­sef Hau­brich (1889-1961) - Samm­ler - Mä­zen - Kul­tur­po­li­ti­ker, Ge­schich­te im Wes­ten 17 (2002), S. 102-118.

Se­ve­rin, In­grid, Bau­stei­ne für die Mu­se­en nach 1945. Die Samm­lun­gen Hau­brich - Spren­gel - Reemts­ma, in: Mai, Ecke­hard/Par­et, Pe­ter (Hg.), Samm­ler, Stif­ter und Mu­se­en. Kunst­för­de­rung in Deutsch­land im 19. und 20. Jahr­hun­dert, Köln 1995, S. 265-294.

Will­mes, Da­nie­la, Pri­va­tes Sam­meln mit Kal­kül. As­pek­te der Sam­mel­tä­tig­keit von Jo­sef Hau­brich im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, in: Stein­kamp, Mai­ke/Haug, Ute (Hg.), Wer­ke und Wer­te. Über das Han­deln und Sam­meln von Kunst im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, Ber­lin 2010, S.  147-173.

Wil­mes, Da­nie­la, Wett­be­werb um die ­Mo­der­ne. Zur Ge­schich­te des Kunst­han­dels in Köln nach 1945, Ber­lin 2012.

Online

Kel­ler, Horst, Jo­sef Hau­brich, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 8 (1969), S. 73-74. [On­line­fas­sung]

Bundespräsident Theodor Heuss (links) und Josef Haubrich bei einer Ausstellungseröffnung in den 1950er Jahren; hinter Heuss Kulturdezernent Kurt Hackenberg, im Hintergrund Paula Haubrich. (Privatbesitz Carlos Cramer)

 
Zitationshinweis

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Kilp, Birgit, Josef Haubrich, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/josef-haubrich/DE-2086/lido/57c82815511934.13056763 (20.09.2018)