Rudi Rauher

Rundfunkansager, Rundfunkreporter und Moderator (1901-1958)

Birgit Bernard (Heidelberg)

Rudi Rauher, Ansager und Reporter im Studio, 1933. (© WDR, 1481178)

Ru­di Rau­her war von den 1920er bis zu den 1950er Jah­ren ein be­lieb­ter Re­por­ter, An­sa­ger, Mo­dera­tor und En­ter­tai­ner beim West­deut­schen Rund­funk. Be­kannt­heit er­lang­te er vor al­lem durch die Sen­de­rei­he „Der fro­he Sams­tag­nach­mit­ta­g“ in den 1930er Jah­ren.

Ru­di Rau­her wur­de am 20.3.1901 in Ge­vels­berg im süd­li­chen Ruhr­ge­biet als Sohn des evan­ge­li­schen Kauf­man­nes Ru­dolf Rau­her und sei­ner Frau El­se, ge­bo­re­ne Schmitz, ge­bo­ren. Über das Mi­lieu, in dem Rau­her auf­wuchs, äu­ßer­te sich sein ehe­ma­li­ger Re­li­gi­ons­leh­rer nach dem Zwei­ten Welt­krieg im Rah­men von Rau­hers Clea­ring-Ver­fah­ren bei der bri­ti­schen Mi­li­tär­be­hör­de: „Rau­her stammt aus ei­nem El­tern­haus, in dem der Geist der Be­kennt­nis­kir­che le­ben­dig war.“

Von 1907-1911 be­such­te Ru­di Rau­her die Volks­schu­le in Ge­vels­berg und im An­schluss dar­an für ein Jahr, 1911 bis 1912, die dor­ti­ge Re­al­schu­le. 1912 wech­sel­te er auf das Re­al­gym­na­si­um in Voh­win­kel (heu­te Stadt Wup­per­tal) und 1917 auf die Ober­re­al­schu­le in El­ber­feld (heu­te Stadt Wup­per­tal), wo er 1920 das Ab­itur ab­leg­te. Am Re­al­gym­na­si­um grün­de­te Rau­her im Jah­re 1915 ei­nen „Bi­bel­kreis hö­he­rer Schü­ler“ und en­ga­gier­te sich hier auch über das Ab­itur hin­aus. Ob­wohl sich Rau­her ur­sprüng­lich ge­wünscht hat­te, Pfar­rer oder Leh­rer zu wer­den, ab­sol­vier­te er nach dem Ab­itur ei­ne Leh­re bei der Deut­schen Bank im spä­te­ren Wup­per­tal. Die Bank über­nahm ihn nach sei­ner Leh­re, doch Rau­her blieb nur ein Jahr lang - 1924 - Bank­an­ge­stell­ter. 1925 be­stritt er sei­nen Le­bens­un­ter­halt als Ver­käu­fer in ei­nem Wup­per­ta­ler Elek­tro­gro­ßhand­lung.

 

Per Zu­fall wur­de Rau­her im sel­ben Jahr auf das neue Me­di­um Rund­funk auf­merk­sam. Die im Ok­to­ber 1924 in Müns­ter ge­grün­de­te "West­deut­sche Funk­stun­de AG“ (WE­FAG) un­ter­hielt ei­nen Ne­bens­en­der in El­ber­feld, das Stu­dio be­fand sich im Ge­bäu­de des Tha­lia-Thea­ters. Durch ei­nen Be­kann­ten, den WE­FAG-Mit­ar­bei­ter Hanns Ull­mann (1900-1940), er­fuhr Rau­her, dass ei­ne Ver­tre­tung für ei­nen An­sa­ger ge­sucht wur­de. Rau­her leg­te ei­ne Mi­kro­phon­pro­be ab und wur­de zum 1.5.1925 en­ga­giert; zum 1.1.1926 er­hielt er die Fest­an­stel­lung bei der WE­FAG als An­sa­ger. Im Grun­de ge­nom­men fun­gier­te Rau­her je­doch bei der WE­FAG-Ne­ben­stel­le in El­ber­feld als „Mäd­chen für al­les“ in dem ver­gleichs­wei­se klei­nen Be­trieb von cir­ca. 20 Mit­ar­bei­tern, von de­nen die meis­ten Mu­si­ker wa­ren. Rau­her sag­te nicht nur das Pro­gramm an, son­dern er ver­las auch die Nach­rich­ten, die da­mals in der Re­gel noch aus der Zei­tung vor­ge­le­sen wur­den, wirk­te in Hör­spie­len und der Kin­der­stun­de mit, mo­de­rier­te Schall­plat­ten­sen­dun­gen als frü­her „Disc­jo­ckey“, re­zi­tier­te li­te­ra­ri­sche Tex­te und wur­de bei den Evan­ge­li­schen Mor­gen­fei­ern ein­ge­setzt. Ab­ge­se­hen da­von ar­bei­te­te Rau­her als Re­por­ter. In die­ser Ei­gen­schaft ge­lan­gen ihm zahl­rei­che viel be­ach­te­te Re­por­ta­gen. Im Jah­re 1929 war Rau­her nach der im Jah­re 1926 er­folg­ten Über­sied­lung der WE­FAG von Müns­ter nach Köln und der Schlie­ßung der Ne­bens­en­de­stel­le in El­ber­feld an die Köl­ner Zen­tra­le über­nom­men wor­den.

Am 30.11.1929 fand die Hoch­zeit mit El­se Böh­me statt. Die Ehe blieb kin­der­los.

Rudi Rauher im Jahr 1926, Sprecher bei der WEFAG, Sendestelle Elberfeld. (© WDR, 32282938)

 

Für die „West­deut­sche Rund­funk AG“ (WER­AG) be­rich­te­te er zum ers­ten Mal aus ei­nem Zep­pe­lin, der in Dort­mund zu ei­nem Rund­flug star­te­te. Au­ßer­dem ge­lan­gen ihm die Er­st­über­tra­gun­gen von Re­por­ta­gen aus ei­nem Se­gel­flug­zeug so­wie aus ei­nem Hei­ß­luft­bal­lon mit­tels ei­nes trag­ba­ren Kurz­wel­len­sen­ders. Wie be­reits in El­ber­feld wur­de Rau­her in Köln im Funk­haus in der Da­go­bert­stra­ße in viel­fäl­ti­gen Be­rei­chen tä­tig, et­wa in Hör­spie­len, im An­sa­gen­dienst bei der Über­tra­gung von Früh­kon­zer­ten, der Mor­gen­mu­sik, Bun­ten Aben­den oder Tanz­aben­den aus dem Rhein­ho­tel Dree­sen in Bad Go­des­berg (heu­te Stadt Bonn). Ab­ge­se­hen da­von sag­te er die re­li­giö­sen Sen­dun­gen der WER­AG an und wirk­te als „Kin­der­stun­den-On­kel“ auch in dem von Els Vor­dem­ber­ge (1902-1999) ver­ant­wor­te­ten Res­sort Kin­der­funk mit. Er­hal­te­ne Fo­tos zei­gen ihn bei sei­ner Ar­beit als Re­por­ter, zum Bei­spiel an­läss­lich der Lan­dung ei­nes Zep­pe­lins auf dem Flug­ha­fen Han­gelar (heu­te Stadt Bonn) im Jah­re 1930, auf dem Flug­ha­fen Butz­wei­ler Hof (1931 und 1932), auf dem Se­gel­flug­platz Bruch in der Ei­fel (1937) und bei ei­nem In­ter­view mit der Flie­ge­rin Liesl Bach (1905-1992) im Jah­re 1934. Ein wei­te­res Fo­to wur­de an­läss­lich des Be­suchs des von Rau­her ver­ehr­ten Kom­po­nis­ten Paul Lincke (1866-1946) im Funk­haus im Jah­re 1935 auf­ge­nom­men.

Reportage vom Segelflugplatz Bruch bei Daun in der Eifel, 1937, Reporter: Rudi Rauher. (© WDR/Hahn, 32232620)

 

Für Fu­ro­re sorg­te Rau­her 1929 als „Mo­dera­tor“ der Sen­de­rei­he „Volk mu­si­zier­t“, in der er Mu­sik­grup­pen in­ter­view­te, die ih­re Lie­der li­ve im Stu­dio prä­sen­tier­ten, zum Bei­spiel ei­ne Grup­pe von Wasch­frau­en – aber auch Ar­tis­ten des Zir­kus Sar­ra­sa­ni, die Rau­her ins Funk­haus ein­ge­la­den hat­te. Sein Kol­le­ge, der Kom­po­nist und Ton­tech­ni­ker Gus­tav Kneip (ge­bo­ren 1905) er­in­ner­te sich: „Ganz Köln war auf den Bei­nen, als Ele­fan­ten, Ka­me­le und das gan­ze Zir­kus-Per­so­nal in ei­nem un­end­li­chen Zug über den Ring zum Funk­haus zo­gen. Rau­her hat­te für Pro­pa­gan­da ge­sorgt, in­dem er in sei­ner Mor­gen­sen­dung auf die­sen Zir­kus­be­such hin­wies“ (Kneip, Zeit­Zei­chen). Mit sei­nem volks­tüm­li­chen Ha­bi­tus und ei­ner dunk­len, an­ge­neh­men Stim­me sprach sich Ru­di Rau­her schnell in die Her­zen der Hö­re­rin­nen und Hö­rer. „Er kann­te ih­re Spra­che und traf ih­ren Ton wie nur we­ni­ge“, schrieb die West­deut­sche All­ge­mei­ne in Rau­hers Nach­ruf.

Da Ru­di Rau­her we­der Mit­glied von SPD oder KPD war und dar­über hin­aus nicht als „po­li­tisch un­zu­ver­läs­si­g“ galt, über­stand er die per­so­nal­po­li­ti­sche „Gleich­schal­tun­g“ des West­deut­schen Rund­funks im Früh­jahr 1933 und ar­bei­te­te fort­an für den „Reichs­sen­der Köln“ un­ter der In­ten­danz von Hein­rich Glas­mei­er (1933-1937) und To­ni Win­kelnk­em­per (1937-1940). Rau­her gab nach dem Krieg an, 1933 Mit­glied des SA-Funk­sturms in der Da­go­bert­stra­ße ge­we­sen und 1934 wie­der aus­ge­tre­ten zu sein, oh­ne je­mals der SA an­ge­hört zu ha­ben. War Rau­her Mit­glied der NS­DAP? Rau­her selbst be­stritt dies ve­he­ment, wäh­rend Kol­le­gen aus­sag­ten, er sei Par­tei­mit­glied ge­we­sen. Ar­chi­va­lisch lässt sich der Sach­ver­halt nicht zwei­fels­frei klä­ren, da ei­ne Mit­glieds­kar­te (bei cir­ca 80 Pro­zent Über­lie­fe­rung des Be­stan­des) nicht vor­liegt. In ei­nem Schrei­ben an den Be­am­ten im Mi­nis­te­ri­um für Volks­auf­klä­rung und Pro­pa­gan­da, Hans Hin­kel (1901-1960), das An­ga­ben zu sei­nem Le­bens­lauf ent­hält, fehlt al­ler­dings die Er­wäh­nung der Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit in der NS­DAP. Ver­mut­lich trifft es den Sach­ver­halt am ehes­ten, dass Rau­her als Jour­na­list zwangs­läu­fig Mit­glied der Reichs­rund­funk­kam­mer war - sonst hät­te Be­rufs­ver­bot ge­droht -, je­doch nicht der NS­DAP und dass er als ei­ner der Haupt­prot­ago­nis­ten der NS-Un­ter­hal­tungs­kul­tur im Rund­funk gel­ten konn­te.

Reichs­wei­te Po­pu­la­ri­tät er­lang­te Ru­di Rau­her als En­ter­tai­ner Mit­te der 1930er Jah­re mit der Sen­de­rei­he „Der fro­he Sams­tag­nach­mit­ta­g“, die auf ei­ner Idee des Haus­kom­po­nis­ten und Mu­sik­re­dak­teurs Gus­tav Kneip ba­sier­te. Sie wur­de sams­tags­nach­mit­tags zwi­schen 16.00 Uhr und 18.00 Uhr aus­ge­strahlt und ent­wi­ckel­te sich zum ers­ten „Stra­ßen­fe­ger“ der deut­schen Rund­funk­ge­schich­te (Erst­sen­de­da­tum: 24.11.1934). Die Sen­de­rei­he war so be­liebt, dass sie schlie­ß­lich von al­len Reichs­sen­dern über­nom­men wur­de. Ne­ben dem „Wunsch­kon­zert für die Wehr­mach­t“ kann sie als be­lieb­tes­te Un­ter­hal­tungs­sen­dung des NS-Rund­funks gel­ten. „Der fro­he Sams­tag­nach­mit­ta­g“ wur­de, kriegs­be­dingt, ver­mut­lich En­de Ok­to­ber 1939 letzt­ma­lig aus­ge­strahlt. Der Ver­such ei­nes Re­vi­vals, jetzt mit Wil­ly Mil­lo­witsch (1909-1999) un­d Wil­ly Schnei­der, schei­ter­te im Früh­jahr 1940.

Reportage der WEFAG vom Dortmunder Sechstagerennen 04.- 10.03.1926, Reporter: Rudi Rauher (l.), Hermann Probst (r.). (© WDR, 32228207)

 

Die Prot­agons­ten der Sen­de­rei­he wa­ren die „Drei fro­hen Ge­sel­len“ Ru­di Rau­her, Hans Sal­cher und Carl Wil­hel­mi. Rau­her war da­bei die Rol­le des (Hoch­deutsch spre­chen­den) Son­ny­boys zu­ge­dacht, wäh­rend Hans Sal­cher köl­schen Mut­ter­witz ver­brei­te­te. Der aus Ham­burg stam­men­de Schau­spie­ler Carl Wil­hel­mi ver­kör­per­te den be­däch­ti­gen, Platt spre­chen­den Nord­deut­schen. Zu der Start­for­ma­ti­on stieß spä­ter auch An­to­nie Pütz-Fri­cke in der Rol­le der rei­chen Erb­tan­te Gun­du­la Muf­fen­bach („Ju­de­la“). „Her­männ­che“, der Sohn von Hans, trat nicht selbst in Er­schei­nung, kol­por­tiert wur­den le­dig­lich sei­ne Strei­che und alt­klu­ge Re­dens­ar­ten.

Die Sket­che der „Drei Fro­hen Ge­sel­len“ stamm­ten vom Text­au­tor Theo Rausch und wei­te­ren Co-Au­to­ren. Mit­wir­ken­de im mu­si­ka­li­schen Rah­men­pro­gramm wa­ren un­ter an­de­rem Fried­rich Eu­gen En­gels (1909-1994) und Wil­ly Schnei­der vom Reichs­sen­der Köln, das Klei­ne Or­ches­ter un­ter Leo Ey­soldt (1901-1967) be­zie­hungs­wei­se das Or­ches­ter Her­mann Ha­ge­stedt. Als Gäs­te tra­ten Köl­sche oder reichs­weit be­kann­te Un­ter­hal­tungs­en­sem­bles auf. Ins­ge­samt war die Sen­de­rei­he „Der fro­he Sams­tag­nach­mit­ta­g“ ein Wort-Mu­sik-For­mat aus un­po­li­ti­schen Wort­bei­trä­gen wie Dia­lo­gen und Sket­chen mit ei­nem Pot­pour­ri aus Un­ter­hal­tungs­mu­sik.

Der frohe Samstagnachmittag 1948, Die drei frohen Gesellen, v.l.: Karl Wilhelmi, Rudi Rauher, Hans Salcher (Autor). (© WDR, 32289659)

 

Die Sen­de­rei­he wur­de zu­nächst li­ve aus dem Funk­haus Da­go­bert­stra­ße ge­sen­det, muss­te dann aber we­gen des gro­ßen Pu­bli­kums­zu­spruchs in die Köl­ner Mes­se­hal­len ver­legt wer­den. In Zu­sam­men­ar­beit mit der DAF-Or­ga­ni­sa­ti­on „Kraft durch Freu­de“ (KdF), die für Wer­bung und Lo­gis­tik ver­ant­wort­lich war, gas­tier­te das En­sem­ble auch in ver­schie­de­nen Städ­ten des rhei­nisch-west­fä­li­schen Sen­de­ge­bie­tes. Den Ze­nit der Be­liebt­heit er­reich­te das For­mat 1939 mit 12.000 Be­su­chern beim Auf­tritt der „drei fro­hen Ge­sel­len“ in der Dort­mun­der West­fa­len­hal­le. Kar­ten wur­den nicht nur reichs­weit, son­dern auch im west­eu­ro­päi­schen Aus­land ver­kauft.

Für den Er­folg der Sen­de­rei­he spricht auch ihr Mar­ke­ting im Me­di­en­ver­bund: Es gab Mer­chan­di­sin­g­ar­ti­kel der „Drei Fro­hen Ge­sel­len“, ein Bil­der­buch mit aus­ge­wähl­ten Sket­chen, und am 5.6.1936 kam der Film „Das Her­männ­chen“ (dar­ge­stellt von Wal­ter Blusch) in die Ki­nos. Hans’ Aus­spruch „Nä – wat et nit all gitt!“ wur­de zum ge­flü­gel­ten Wort.

In den 1930er Jah­ren be­fand sich Rau­her auf dem Hö­he­punkt sei­ner Kar­rie­re. Er ha­be, be­rich­tet Gus­tav Kneip, nach je­der Sen­dung „un­zäh­li­ge Brie­fe“ be­kom­men (die Schät­zun­gen schwan­ken zwi­schen 300 und 1.000), und „fast je­der“ ha­be ihn auf der Stra­ße er­kannt. Die gro­ße Po­pu­la­ri­tät sei Rau­her al­ler­dings nicht lieb ge­we­sen – „man ge­hört dann nicht mehr sich selbst“, hat­te er fest­stel­len müs­sen. Ent­span­nung fand der pas­sio­nier­te Gärt­ner bei der Gar­ten­ar­beit. An­läss­lich der Köl­ner Bun­des­gar­ten­schau von 1957 soll­te so­gar ei­ne Dah­li­en­sor­te nach ihm be­nannt wer­den.

Der frohe Samstagnachmittag, 1937, Die drei frohen Gesellen, v.l.: Hans Salcher, Carl Wilhelmi und Rudi Rauher, im Vordergrund: Autor Theo Rausch. (©WDR/Hahn, 32176990)

 

Gro­ßer Be­liebt­heit er­freu­te sich auch die Sen­de­rei­he „Die Werk­pau­se“, die Ru­di Rau­her im Wech­sel mit an­de­ren Spre­chern mo­de­rier­te. Sie wur­de erst­mals am 3.2.1936 auf dem Mit­tags­sen­de­platz von 12.00 Uhr bis 13.00 Uhr aus­ge­strahlt und hielt sich bis An­fang 1940 im Pro­gramm. Es han­del­te sich da­bei um ein Wort-Mu­sik-For­mat, leich­te Un­ter­hal­tung, die in Zu­sam­men­ar­beit mit der Deut­schen Ar­beits­front (DAF) li­ve aus rhei­nisch-west­fä­li­schen (In­dus­trie-)Be­trie­ben über­tra­gen wur­de, et­wa aus dem Werk von Rhein­me­tall-Bor­sig in Düs­sel­dorf o­der der Lei­ne­we­be­rei Kracht in Lem­go. Ein Teil­mit­schnitt der Sen­dung aus der Fir­ma Kracht in Lem­go weist Rau­her als ei­nen ta­len­tier­ten En­ter­tai­ner und volks­tüm­li­chen Gu­te-Lau­ne-Mo­dera­tor aus, der es ver­steht, Re­so­nanz und po­si­ti­ve Stim­mung im Pu­bli­kum zu er­zeu­gen. Wie bei der Sen­de­rei­he „Der fro­he Sams­tag­nach­mit­ta­g“ ging es auch bei der „Werk­pau­se“ dar­um, un­po­li­ti­sche Un­ter­hal­tung, Froh­sinn und Ent­span­nung zu ver­brei­ten.

Und schlie­ß­lich ist ei­ne wei­te­re be­lieb­te Sen­de­rei­he des Reichs­sen­ders Köln zu nen­nen, die Rau­her mo­de­rier­te: die „Stim­me des Ha­fen­s“ die erst­mals am 17.4.1938 aus­ge­strahlt wur­de, bes­ser be­kannt un­ter dem spä­te­ren Sen­de­rei­hen­ti­tel „Duis­bur­ger Ha­fen­kon­zer­t“.

Mit der Mo­dera­ti­on von un­po­li­ti­schen Un­ter­hal­tungs­for­ma­ten wirk­te Rau­her mit an der Schaf­fung ei­nes „Pau­sen­rau­mes“, der frei­ge­hal­ten war von ag­gres­si­ver NS-Ideo­lo­gie, das hei­ßt ei­ner „Frei­stat­t“ (wie es ein frü­he­rer Kol­le­ge auf den Punkt brach­te), „zu der man flüch­ten konn­te, wenn es sich nicht mehr er­tra­gen ließ.“

Zu Be­ginn des Zwei­ten Welt­krie­ges wur­de Ru­di Rau­her wie die meis­ten sei­ner Re­port­er­kol­le­gen beim Reichs­sen­der Köln zur Wehr­macht ein­ge­zo­gen. Schon im Ju­li 1939 war er zu ei­ner Übung zur Luft­waf­fe ab­ge­ord­net wor­den. Hier wur­de er bis Ja­nu­ar 1940 als Kriegs­be­richt­er­stat­ter in ei­ner Pro­pa­gan­da­kom­pa­gnie (PK) der Luft­waf­fe ein­ge­setzt, vom Reichs­sen­der Köln je­doch „für die hei­te­ren Sen­dun­gen“ re­kla­miert und nach Köln zu­rück­be­or­dert.

Der frohe Samstagnachmittag (Mitte 30er Jahre), Die drei frohen Gesellen aus der Sendereihe des RS Köln, v.l.: Rudi Rauher, Theo Rausch (Textdichter), Karl Wilhelmi, stehend: Gustav Kneip (Komponist). (© WDR, 32176931)

 

Im Zu­ge der dras­ti­schen Ein­schrän­kun­gen des Köl­ner Pro­gramms im Jah­re 1940 wech­sel­te Rau­her in die Trup­pen­be­treu­ung hin­ter der Front. Als Lei­ter und An­sa­ger ei­nes Wehr­machts­va­rie­tés tin­gel­te er nach dem „Frank­reich­feld­zu­g“ ein knap­pes Jahr bis April 1941 durch Bel­gi­en und Frank­reich, und im An­schluss dar­an in Nor­we­gen auf dem Sol­da­ten­heim­schiff „Po­lar­küs­te“ bis nach Nar­vik am Po­lar­kreis. „Zwi­schen­durch war ich im­mer wie­der beim Rund­funk, in Köln, Ber­lin, Frank­furt und Bres­lau tä­ti­g“, so zum Bei­spiel im Herbst 1941 als Spre­cher der Früh­kon­zer­te, die von den Reichs­sen­dern in Ber­lin und Frank­furt pro­du­ziert wur­den. Ab­ge­se­hen da­von mo­de­rier­te er Wunsch­kon­zer­te oder Ver­an­stal­tun­gen wie die tra­di­tio­nel­len Emp­fän­ge der Köl­ner Gau­lei­tung für Ver­tre­ter aus Kul­tur und Wis­sen­schaft.

Im Herbst 1945 fand sich Rau­her wie­der im - weit­ge­hend zer­stör­ten – Köl­ner Funk­haus in der Da­go­bert­stra­ße ein. Hier hat­ten sich in der Zwi­schen­zeit wie­der „Rund­funk­pio­nie­re“ wie der Sport- und Nach­rich­ten­re­dak­teur Bern­hard Ernst ver­sam­melt oder die frü­he­re Kin­der­funk­lei­te­rin Els Vor­dem­ber­ge, die als Jü­din die NS-Ver­fol­gung im Un­ter­grund über­stan­den hat­te.

Reporter und Sprecher beim Reichssender Köln am 12.2.1934, v.l.n.r.: Rudi Rauher, Wilm Böckenholt, Dr. Bernhard Ernst, Dr. Toni Maus, Hermann Probst. (© WDR, 32299943)

 

Im Sep­tem­ber 1945 ging jetzt der „Nord­west­deut­sche Rund­funk Köln“ (NW­DR) wie­der über den Köl­ner Haus­sen­der Lan­gen­berg auf Sen­dung – jetzt un­ter der Kon­troll­auf­sicht der Bri­ti­schen Mi­li­tär­be­hör­de. Beim NW­DR han­del­te es sich um den Rund­funk in der Bri­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne mit zwei Sen­dern: der Ge­ne­ral­di­rek­ti­on des NW­DR in Ham­burg und ei­ner Ham­burg un­ter­stell­ten Ne­ben­stel­le in Köln.

Doch be­reits En­de Ja­nu­ar 1946 wur­de Rau­her beim NW­DR Köln we­gen sei­ner an­geb­li­chen Mit­glied­schaft in der NS­DAP ent­las­sen. Er ar­bei­te­te künf­tig als frei­er Mit­ar­bei­ter für den Hör­funk. Ei­ne Fest­an­stel­lung beim Rund­funk soll­te er zeit sei­nes Le­bens nicht mehr er­lan­gen, auch nicht nach­dem ihm das „Cle­aran­ce Cer­ti­fi­ca­te“ vom 15.7.1947 aus­ge­stellt wur­de – of­fen­bar wur­de er zu sehr mit der Un­ter­hal­tungs­kul­tur der NS-Zeit iden­ti­fi­ziert.

Im Rah­men sei­nes 1946 ge­führ­ten Clea­ring­ver­fah­rens äu­ßer­te Rau­her sich über Schwie­rig­kei­ten wäh­rend sei­ner Tä­tig­keit im NS-Rund­funk: „Durch mein be­wu­ß­tes Fern­hal­ten von der Po­li­tik des Drit­ten Reichs hat­te ich be­ruf­li­che Nach­tei­le und Schwie­rig­kei­ten mit den Vor­ge­setz­ten, Ich mu­ß­te mich recht­fer­ti­gen, weil ich die NS-Pres­se nicht be­zog. Der In­ten­dant Glas­mei­er ver­bot mir öf­fent­li­ches Auf­tre­ten, um mich wirt­schaft­lich und künst­le­risch zu be­nach­tei­li­gen und schlug je­de Ge­halts­auf­bes­se­rung ab; zeit­wei­se ver­bot er mir das Mi­kro­fon über­haupt und plan­te, mich als ‚po­li­tisch Un­zu­ver­läs­si­gen’ nach Minsk zu ver­set­zen. Lei­der ist der dies­be­zügl. Brief­wech­sel ver­brannt. Drei­mal ver­such­te Glas­mei­er, mich zur Wehr­macht ein­be­ru­fen zu las­sen, um mich los­zu­wer­den.“

Spieler der Prominentenfussballmannschaft des NWDR Köln, ca. 1950, v.l.n.r.: Leo Kowalski, Trainer Rudi Rauher und Peter Kottmann. (© WDR, 32277762)

 

„Per­sil­schei­ne“, das hei­ßt Ent­las­tungs­schrei­ben, er­hielt Rau­her da­bei von Kol­le­gen aus sei­nem al­ten Netz­werk aus WER­AG-Zei­ten. Et­wa von Bern­hard Ernst, aber auch von dem Prä­la­ten Bern­hard Mar­schall, der als lang­jäh­ri­ger Rund­funk­be­auf­trag­ter der Ka­tho­li­schen Kir­che in en­ger Be­zie­hung zum Köl­ner Sen­der stand. In ei­nem Schrei­ben vom 7.9.1946 äu­ßer­te Mar­schall: „Rau­her war ein gänz­lich un­po­li­ti­scher Mann, der aber ein be­son­de­res mensch­li­ches und wit­zi­ges Ur­teil hat­te. Die Hef­tig­keit und Ra­dau­lust der auf­kom­men­den Na­zis hat er oft in die­sem Krei­se be­wit­zelt und en­er­gisch ab­ge­lehnt.“

In der cau­sa Ru­di Rau­her gab es je­doch ei­nen blei­ben­den Dis­sens zwi­schen NW­DR-Ge­ne­ral­di­rek­tor Hugh Car­le­ton Gree­ne (1910-1987), der ei­ne wei­te­re Mit­ar­beit von Rau­her ka­te­go­risch ab­lehn­te (wie auch die von Theo Rausch) und dem Köl­ner In­ten­dan­ten Hanns Hart­mann, der „kei­ne prin­zi­pi­el­len Grün­de für ei­ne Ab­leh­nun­g“ er­ken­nen konn­te. Mit dem Köl­ner Kon­troll­of­fi­zier Ed­ward Ro­the (1909-1978) ei­nig­te sich Hart­mann schlie­ß­lich auf ei­ne punk­tu­el­le Be­schäf­ti­gung Rau­hers als Spre­cher in­ner­halb der Send­rei­he „Der blaue Mon­ta­g“, die im Vor­abend­pro­gramm ge­sen­det wur­de.

Im Jah­re 1949 wag­te Hart­mann dann ei­nen neu­en Vor­stoß in Sa­chen Rau­her, als es um das ge­plan­te Nach­kriegs-Re­vi­val der Sen­de­rei­he „Der fro­he Sams­tag­nach­mit­ta­g“ ging. Er be­nö­ti­ge Rau­her „drin­gend al­le drei Wo­chen“, schrieb Hart­mann an den zu­stän­di­gen Kon­troll­of­fi­zier. Die Sen­de­rei­he soll­te als Pro­gramm­teil in­ner­halb der Woh­nungs­bau­lot­te­rie „1000 Grü­ße von Haus zu Haus“ aus­ge­strahlt wer­den. Rau­hers Be­tei­li­gung wur­de ge­neh­migt; die Erst­sen­dung ging am 16.7.1949 in den Äther (letz­te Sen­dung: 10.4.1954).

Nach­dem der NW­DR Köln im April 1950 ei­ne zwei­te,Ul­tra­kurz­wel­le er­hal­ten hat­te, wirk­te Rau­her nun auch als Spre­cher in der auf UKW aus­ge­strahl­ten Sen­de­rei­he „Glück­wunsch­stun­de“ mit; bei der „Deut­schen Wel­le“ in Köln mo­de­rier­te er die Mit­mach­sen­dun­gen „Was darf es sein?“ und „Wunsch­kon­zer­t“. Im Jah­re 1957 zog sich Rau­her ei­ne Er­kran­kung des Kehl­kop­fes zu, der be­lieb­te Mo­dera­tor ver­lor sei­ne Stim­me. Nach mehr­wö­chi­gem Lei­den starb Ru­di Rau­her am 15.1.1958 in ei­nem Köl­ner Kran­ken­haus.

Literatur

Ber­nard, Bir­git, Die „Werk­pau­se“. Ein Un­ter­hal­tungs­for­mat des NS-Rund­funks, in: West­fä­li­sche For­schun­gen 62 (2012), S. 389-417.
Horn, Wolf­gang, Der Reichs­sen­der Köln und der „Fro­he Sams­tag­nach­mit­ta­g“. Ein Re­gio­nal­pro­gramm im Ein­heits­rund­funk, in: Rund­funk in der Re­gi­on. Pro­ble­me und Mög­lich­kei­ten der Re­gio­na­li­tät, hg. von Wal­ter Först, Köln 1984, S. 187-204.
Kneip, Gus­tav, Zeit­Zei­chen. Stich­tag heu­te: 15. Ja­nu­ar 1958. Ru­di Rau­her 20. To­des­tag, 15.1.1978.
Wür­mann, Cars­ten/War­ner, Ans­gar (Hg.), Im Pau­sen­raum des „Drit­ten Rei­ches“. Zur Po­pu­lär­kul­tur im na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deutsch­land, Bern 2008. 

NWDR-Reportage aus dem Zoo in Wuppertal 1950, Rudi Rauher (l.). (© WDR, 32277764)

 
Zitationshinweis

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Bernard, Birgit, Rudi Rauher, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/rudi-rauher/DE-2086/lido/5e148187bc5c78.59514831 (abgerufen am 23.09.2021)