Ludolf Camphausen

Unternehmer und preußischer Ministerpräsident (1803-1890)

Björn Thomann (Sank Augustin)

Ludolf Camphausen, Skulptur am Kölner Rathausturm, 1991, Bildhauer: Michael Eichhorn. (Stadtkonservator Köln)

Lu­dolf Cam­phau­sen zählt zu den zen­tra­len Fi­gu­ren des rhei­ni­schen Li­be­ra­lis­mus im Vor­märz. Ei­ner Kauf­manns­fa­mi­lie ent­stam­mend, er­warb er sich in den 1830er Jah­ren durch sei­ne Kom­pe­ten­zen auf den Ge­bie­ten der Wirt­schafts- und Ver­kehrs­po­li­tik, aber auch als er­folg­rei­cher Un­ter­neh­mer ein ho­hes An­se­hen. Im März 1848 in das Amt des preu­ßi­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten be­ru­fen, war er vor al­lem um ei­nen Aus­gleich zwi­schen den ri­va­li­sie­ren­den po­li­ti­schen Grup­pie­run­gen in Deutsch­land be­müht, wor­in ihm je­doch kein Er­folg be­schie­den war.

Gott­fried Lu­dolf Cam­phau­sen wur­de am 10.1.1803 als zwei­ter Sohn des Kauf­manns Ger­hard Gott­fried Cam­phau­sen (1771-1813) und des­sen Ehe­frau Wil­hel­mi­ne Peu­chen (1770-1826) in Hüns­ho­ven bei Aa­chen ge­bo­ren. Ei­ner sei­ner Brü­der war der spä­te­re preu­ßi­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Ot­to von ­Cam­phau­sen (1812-1896). Der Va­ter, In­ha­ber ei­ner Öl­müh­le in Hüns­ho­ven, hat­te sich auf den Han­del mit Ta­bak und Öl spe­zia­li­siert. Nach sei­nem frü­hen Tod wur­de das Ge­schäft von der Mut­ter, die selbst ei­ner Kauf­manns­fa­mi­lie in Rhe­ydt (heu­te Stadt Mön­chen­glad­bach) ent­stamm­te, er­folg­reich ­fort­ge­führt.

Lu­dolf Cam­phau­sen be­such­te die Ele­men­tar­schu­le in Rhe­ydt, die Han­dels­schu­le in Burg (heu­te Stadt So­lin­gen) und zu­letzt das Gym­na­si­um in Weil­burg. Im An­schluss ab­sol­vier­te er ei­ne vier­jäh­ri­ge Aus­bil­dung zum Kauf­mann in Düs­sel­dorf, ehe er 1821 an der Sei­te sei­nes Bru­ders Au­gust (1801-1883) in das el­ter­li­che Ge­schäft ein­stieg. 1828 hei­ra­te­te er Eli­se Lens­sen (1804-1890), Toch­ter des ent­fernt mit ihm ver­wand­ten Spin­ne­rei­be­sit­zers Diet­rich Lens­sen (1777-1823). Aus der Ehe gin­gen acht Kin­der – zwei Töch­ter und sechs Söh­ne – her­vor.

1830 über­sie­del­te Cam­phau­sen mit sei­ner Fa­mi­lie nach Köln, wo er mit sei­nem Bru­der be­reits seit 1826 ei­ne zwei­te Öl­müh­le un­ter­hielt. Die Ge­schäf­te ­ent­wi­ckel­ten sich güns­tig, die Brü­der Cam­phau­sen konn­ten in den lu­kra­ti­ven Han­del mit Ge­trei­de ein­stei­gen und 1840 ein ei­ge­nes Bank­haus un­ter dem Na­men „A. & L. Cam­phau­sen“ er­öff­nen. Schon nach kur­zer Zeit brauch­te das flo­rie­ren­de Un­ter­neh­men den Ver­gleich mit den eta­blier­ten Köl­ner Pri­vat­ban­ken nicht mehr zu scheu­en. Lu­dolf Cam­phau­sen hat­te sich im eli­tä­ren Kreis der ver­mö­gen­den Köl­ner Ober­schicht eta­bliert.

Par­al­lel zum ra­san­ten wirt­schaft­li­chen und ge­sell­schaft­li­chen Auf­stieg nahm in den 1830er Jah­ren auch Cam­phau­sens po­li­ti­sche Kar­rie­re ih­ren An­fang. Sein Wort ge­wann vor al­lem in wirt­schafts­po­li­ti­schen Fra­gen an Ge­wicht, zu­mal er seit 1833 auch der Köl­ner Han­dels­kam­mer an­ge­hör­te und zwi­schen 1839 und 1847 als ihr Prä­si­dent fun­gier­te. Be­reits seit 1831 ge­hör­te Cam­phau­sen dem Köl­ner Stadt­rat an, 1843 und 1845 ver­trat er die Stadt auf den Pro­vin­zi­al­land­ta­gen und wur­de 1847 in den Ver­ei­nig­ten Land­tag ge­wählt.

Ob­wohl er die Le­gi­ti­ma­ti­on der preu­ßi­schen Mon­ar­chie und ih­ren An­spruch auf die Rhein­lan­de nie­mals grund­sätz­lich in Fra­ge stell­te, spar­te er be­reits in jun­gen Jah­ren nicht mit Kri­tik an der preu­ßi­schen Ver­kehrs- und Han­dels­po­li­tik. Er war sich be­wusst, dass nur tief grei­fen­de, struk­tu­rel­le Re­for­men so­wie ei­ne kon­se­quen­te Nut­zung tech­no­lo­gi­scher Neue­run­gen ei­nen nach­hal­ti­gen wirt­schaft­li­chen Auf­schwung der Rhein­pro­vinz zur Fol­ge ha­ben wür­den. Stets spiel­te in sei­nen kon­zep­tio­nel­len Über­le­gun­gen der Stand­ort Köln ei­ne we­sent­li­che Rol­le. Die rhei­ni­sche Me­tro­po­le, un­ter preu­ßi­scher Herr­schaft nur ein wirt­schaft­li­ches Schat­ten­da­sein fris­tend, sah er als künf­ti­ges Dreh­kreuz des in­ter­na­tio­na­len Han­dels und Ver­kehrs im preu­ßi­schen Wes­ten.

Cam­phau­sen er­kann­te fer­ner, dass die Ei­sen­bahn den eu­ro­päi­schen Gü­ter­ver­kehr hin­sicht­lich Fracht­ka­pa­zi­tät und Ge­schwin­dig­keit re­vo­lu­tio­nie­ren wür­de. Ab 1833 mach­te er sich da­her öf­fent­lich für den Bau zwei­er di­rek­ter Schie­nen­ver­bin­dun­gen zwi­schen Köln und Min­den so­wie zwi­schen Köln und Ant­wer­pen stark, um Han­del und In­dus­trie ei­ne al­ter­na­ti­ve Ver­kehrs­ader zu der ver­al­te­ten und zu­dem durch hol­län­di­sche Schutz­zöl­le stark be­ein­träch­tig­ten Rhein­schiff­fahrt zu bie­ten. Am 25.7.1835 wur­de er zum Prä­si­den­ten der zur Um­set­zung des ehr­gei­zi­gen Köln-Ant­wer­pe­ner Un­ter­fan­gens ge­grün­de­ten „Rhei­ni­schen Ei­sen­bahn-Ge­sell­schaf­t“ ge­wählt, sah sich aber be­reits 1837 we­gen Dif­fe­ren­zen über die ge­plan­te Tras­sen­füh­rung zum Rück­tritt ge­zwun­gen.

Stets nüch­tern und ra­tio­nal in sei­nen un­ter­neh­me­ri­sche Ak­ti­vi­tä­ten vor­ge­hend, hat­te er sich we­gen der nur schwer kal­ku­lier­ba­ren Mehr­kos­ten ge­gen ei­nen An­schluss Aa­chens an die Di­rekt­ver­bin­dung aus­ge­spro­chen, sich da­bei aber ei­ner ein­fluss­rei­chen op­po­si­tio­nel­len Mehr­heit un­ter der Füh­rung des Aa­che­ner Un­ter­neh­mers Da­vid Han­se­mann und des Köl­ner Ban­kiers Abra­ham Op­pen­heim ge­gen­über ge­se­hen und aus die­ser für ih­n un­be­frie­di­gen­den Macht­kon­stel­la­ti­on die ein­zig mög­li­che Kon­se­quenz ge­zo­gen. Der Rück­zug aus dem Di­rek­to­ri­um soll­te 1837 nicht der ein­zi­ge Rück­schlag in Cam­phau­sens po­li­ti­scher Kar­rie­re blei­ben. Als en­er­gi­scher Be­für­wor­ter des Ei­sen­bahn­baus hat­te er sich fast zwangs­läu­fig die Geg­ner­schaft der ein­fluss­rei­chen Köl­ner Schiff­fahrts­kom­mis­si­on zu­ge­zo­gen und sah sich dar­über hin­aus durch sein Ein­tre­ten für die Ab­schaf­fung des al­ten Köl­ner Zwangs­sta­pels in wirt­schafts­po­li­ti­scher Hin­sicht weit­ge­hend iso­liert. 1837 wur­de er we­der in den Stadt­rat noch in die Köl­ner Han­dels­kam­mer ge­wählt und ge­hör­te die­sen In­sti­tu­tio­nen erst ab 1839 wie­der an.

Ei­ne der wich­tigs­ten un­ter­neh­me­ri­schen Leis­tun­gen im Le­ben Cam­phau­sens stell­te die Grün­dung der „Köl­ner Dampf­schlepp­schif­fahrts-Ge­sell­schaf­t“ im Jahr 1841 dar. Der tra­di­tio­nel­le Gü­ter­trans­port auf dem Was­ser­weg mit­tels ver­al­te­ter Se­gel­schif­fe zeig­te sich im Zeit­al­ter der Früh­in­dus­tria­li­sie­rung als we­nig zu­ver­läs­sig, zu lang­sam und ge­mes­sen an den ho­hen Kos­ten als äu­ßerst in­ef­fi­zi­ent. Cam­phau­sen er­kann­te auch hier so­wohl die Not­wen­dig­keit ei­ner tief grei­fen­den Mo­der­ni­sie­rung als auch die Mög­lich­kei­ten, die ihm hier­zu durch den tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt im Schiffs­bau bo­ten. Zur Um­set­zung sei­ner Plä­ne wuss­te sich Cam­phau­sen die Un­ter­stüt­zung der füh­ren­den Köl­ner Pri­vat­ban­ken zu si­chern. Mit ei­ner Flot­te von un­ab­hän­gig vom Was­ser­stand ein­setz­ba­ren Schlepp­schif­fen und ei­ser­nen Last­käh­nen so­wie der Kom­bi­na­ti­on von Trans­port und Fracht soll­te Cam­phau­sens Ge­sell­schaft die Rhein­schiff­fahrt ab 1842 in tech­ni­scher und or­ga­ni­sa­to­ri­scher Hin­sicht re­vo­lu­tio­nie­ren. Gleich­zei­tig ge­lang es ihm, die star­ke hol­län­di­sche Kon­kur­renz ent­schei­dend in die Schran­ken zu wei­sen. In staats­po­li­ti­scher Hin­sicht ver­trat Cam­phau­sen ge­mä­ßigt li­be­ra­le Po­si­tio­nen. Wohl hat­te er sich seit den 1830er Jah­ren als Kri­ti­ker preu­ßi­scher Han­dels- und Ver­kehrs­po­li­tik ge­zeigt. In sei­ner Funk­ti­on als Ver­tre­ter Kölns auf den rhei­ni­schen Pro­vin­zi­al­land­ta­gen hat­te er sich mit Nach­druck für Pres­se­frei­heit und vor al­lem für die im Wie­ner Kon­gres­ses be­schlos­se­ne Be­ru­fung ei­ner Volks­ver­tre­tung so­wie die Ein­hal­tung des Ver­fas­sungs­ver­spre­chens vom 22.5.1815 ein­ge­setzt, doch stand er den von Frank­reich aus­ge­hen­den re­vo­lu­tio­nä­ren Er­eig­nis­sen des Jah­res 1848 ab­leh­nend ge­gen­über. Nicht ge­walt­sa­mer Um­bruch, son­dern nur ein kon­struk­ti­ves Zu­sam­men­wir­ken zwi­schen den Herr­scher­häu­sern und bür­ger­li­cher Op­po­si­ti­on konn­te die sei­ner An­sicht nach not­wen­di­gen Re­for­men ge­währ­leis­ten.

Es war nicht zu­letzt die­se Hal­tung, die ihn im März 1848 in den Au­gen der po­li­tisch be­dräng­ten Kon­ser­va­ti­ven zu ei­nem durch­aus ak­zep­ta­blen Part­ner bei der Über­füh­rung Preu­ßens von ei­ner ab­so­lu­tis­ti­schen in ei­ne kon­sti­tu­tio­nel­le Mon­ar­chie wer­den ließ. Nach­dem er die Über­nah­me des Fi­nanz­res­sorts un­ter dem kon­ser­va­ti­ven preu­ßi­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Hein­rich von Ar­nim-Boit­zen­burg (1803-1868) ab­ge­lehnt hat­te, über­nahm er nach des­sen Rück­tritt am 29.3.1848 als ers­ter Bür­ger­li­cher in der preu­ßi­schen Ge­schich­te das Amt des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten. Cam­phau­sen fühl­te sich je­doch im Grun­de kei­nes­wegs zu ei­ner Funk­ti­on wie die­ser be­ru­fen. Letzt­lich sah er sich im März 1848 mehr in die po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung ge­drängt, als dass er sie aus ei­ge­nem Ehr­geiz an­ge­strebt hät­te.

An der Spit­ze der preu­ßi­schen Re­gie­rung ste­hend, wid­me­te er sich nun um­ge­hend der Er­le­di­gung dring­li­cher Auf­ga­ben wie der Wie­der­her­stel­lung der öf­fent­li­chen Ord­nung nach den po­li­ti­schen Tur­bu­len­zen der zu­rück­lie­gen­den Wo­chen, der Vor­be­rei­tung der Wah­len zur Na­tio­nal­ver­samm­lung so­wie der Aus­ar­bei­tung ei­nes Ver­fas­sungs­ent­wurfs. Cam­phau­sens Re­gie­rungs­stil war von ei­nem Be­mü­hen um ei­nen Aus­gleich zwi­schen Li­be­ra­len und Kon­ser­va­ti­ven ge­kenn­zeich­net, ori­en­tier­te sich aber ten­den­zi­ell eher an den In­ter­es­sen des preu­ßi­schen Kö­nigs Fried­rich Wil­helm IV. (Re­gent­schaft 1840-1858). Die­se Hal­tung brach­te ihm nicht nur un­aus­weich­lich den Wi­der­stand der De­mo­kra­ten son­dern auch die Geg­ner­schaft li­be­ra­ler Par­tei­gän­ger wie Gus­tav von Me­vis­sen ein. Trotz­dem scheu­te Cam­phau­sen auch die Kon­fron­ta­ti­on mit dem Mon­ar­chen nicht, so als er ei­ne von die­sem an­ge­ord­ne­te Pa­ra­de der Ber­li­ner Bür­ger­wehr kur­zer­hand ver­bot. Auch die In­hal­te des am 22.5.1848 un­ter­zeich­ne­ten preu­ßi­schen Ver­fas­sungs­ent­wurf trug ei­ne ein­deu­tig li­be­ra­le Hand­schrift und fand nicht die un­ein­ge­schränk­te Zu­stim­mung des Kö­nigs. Zu­neh­mend den Rück­halt der Be­völ­ke­rung und sei­ner ei­ge­nen Par­tei­ge­nos­sen ver­lie­rend, aber auch ge­zwun­gen, Ent­schei­dun­gen tref­fen zu müs­sen, die er per­sön­lich für falsch hielt, gab Cam­phau­sen am 20.6.1848 sei­nen Rück­tritt be­kannt.

Als preu­ßi­scher Be­voll­mäch­tig­ter bei der pro­vi­so­ri­schen Zen­tral­ge­walt der Frank­fur­ter Na­tio­nal­ver­samm­lung über­nahm er im Ju­li in ein neu­es po­li­ti­sches Amt. Sei­ne Ar­beit war hier er­neut von der An­stren­gung ge­kenn­zeich­net, ei­ne ein­ver­nehm­li­che Lö­sung zwi­schen der Na­tio­nal­ver­samm­lung, den deut­schen Re­gie­run­gen und dem preu­ßi­schen Kö­nig zum Zwe­cke ei­ner ge­mein­sa­men Ver­fas­sung zu er­wir­ken. Die Sou­ve­rä­ni­tät Preu­ßens soll­te da­bei ge­wahrt blei­ben, wo­bei ihm aber die füh­ren­de Rol­le in ei­nem vor al­lem wirt­schaft­lich ge­ein­ten deut­schen Fö­de­ral­staat nach Vor­bild des Deut­schen Bun­des zu­fal­len soll­te.

Mit der von ihm im Na­men der preu­ßi­schen Re­gie­rung ent­wor­fe­nen und an die deut­schen Re­gie­run­gen ge­rich­te­te Zir­ku­lar­no­te vom 23.1.1849 sah er sich un­mit­tel­bar vor der Ver­wirk­li­chung sei­ner li­be­ral-kon­sti­tu­tio­nel­len Zie­le. Sein Op­ti­mis­mus be­ruh­te je­doch auf der ir­ri­gen An­nah­me, der Un­ter­stüt­zung Fried­rich Wil­helms IV. si­cher zu sein. Des­sen über­ra­schen­de Zu­rück­wei­sung des Ver­fas­sungs­ent­wurfs und die ihm an­ge­tra­ge­ne Kai­ser­kro­ne am 3.4.1849 be­rei­te­te die­sen Hoff­nun­gen al­ler­dings ein jä­hes En­de. Auf die­se wohl emp­find­lichs­te Nie­der­la­ge sei­ner po­li­ti­schen Lauf­bahn re­agier­te Cam­phau­sen mit sei­nem Rück­tritt am 22.4.1849.

Die Re­vo­lu­ti­ons­jah­re 1848 und 1849 mar­kier­ten trotz sei­nes Schei­terns den Ze­nit der po­li­ti­schen Kar­rie­re Cam­phau­sens und die Zeit sei­nes grö­ß­ten Ein­flus­ses. Sei­ne Treue zur preu­ßi­schen Kro­ne wur­de ihm 1850 mit der Ver­lei­hung des Ro­ter Ad­ler Or­dens ers­ter Klas­se und ei­nem stän­di­gen Sitz im preu­ßi­schen Her­ren­haus ho­no­riert. Als Ab­ge­ord­ne­ter ge­hör­te er 1849 der ers­ten Kam­mer des preu­ßi­schen Land­tags und 1850 dem Er­fur­ter Uni­ons­par­la­ment an. Auch hier ver­folg­te er das Ziel ei­ner Er­neue­rung des Deut­schen Bun­des un­ter preu­ßi­scher Füh­rung. Zwi­schen 1867 und 1871 ge­hör­te er als Mit­glied der Alt­li­be­ra­len dem Nord­deut­schen Reichs­tag an, trat aber da­bei nicht mehr an füh­ren­der Stel­le in Er­schei­nung. Wie zahl­rei­che li­be­ra­le und de­mo­kra­ti­sche Op­po­si­tio­nel­le des Vor­märz un­ter­stütz­te er in die­ser Zeit die deut­sche Ei­ni­gungs­po­li­tik Ot­to von Bis­marcks (1815-1898).

Aus sei­nen Ge­schäf­ten zog sich Cam­phau­sen im Jahr 1868 zu­rück, um sich fort­an in ers­ter Li­nie sei­ner Fa­mi­lie und sei­nen am­bi­tio­nier­ten na­tur­wis­sen­schaft­li­chen For­schun­gen auf den Ge­bie­ten der As­tro­no­mie und Phy­sik zu wid­men. Zu die­sem Zweck hat­te er sich auf sei­nem Land­sitz in Rüngs­dorf (heu­te Stadt Bonn) ei­ne ei­ge­ne Stern­war­te er­rich­ten las­sen. 1860 er­hielt der in Fach­krei­sen hoch­ge­schätz­te Au­to­di­dakt den Ti­tel ei­nes Eh­ren­dok­tors der Uni­ver­si­tät Ber­lin ver­lie­hen.

Lu­dolf Cam­phau­sen starb am 3.12.1890 in Köln. Die Stadt Köln wür­dig­te ihn mit der Auf­nah­me in das Fi­gu­ren­pro­gramm am Köl­ner Rat­haus­turm. Die 1991 über­ge­be­ne Sta­tue wur­de von dem Bild­hau­er Mi­cha­el Eich­horn ge­stal­tet.

Werke

Zur Ei­sen­bahn von Köln nach Ant­wer­pen, Köln 1835.
Ver­such ei­nes Bei­tra­ges zur Ei­sen­bahn-Ge­setz­ge­bung, Köln 1838.

Literatur

An­ger­mann, Erich, Lu­dolf Cam­phau­sen (1803-1890), in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der 2 (1966), S. 195-219.
Hof­mann, Jür­gen, Das Mi­nis­te­ri­um Cam­phau­sen-Han­se­mann. Zur Po­li­tik der preu­ßi­schen Bour­geoi­sie in der Re­vo­lu­ti­on 1848/49, Ber­lin 1981.
Padt­berg, Bea­te-Ca­ro­la, Lu­dolf Cam­phau­sen (1803-1890), in: Da­scher, Ott­fried (Hg.), Pe­ti­tio­nen und Bar­ri­ka­den, Müns­ter 1998, S. 108-110.
Schwann, Mat­t­hieu, Lu­dolf Cam­phau­sen, 3 Bän­de, Es­sen 1915.

 
Zitationshinweis

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Thomann, Björn, Ludolf Camphausen, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/ludolf-camphausen/DE-2086/lido/57c687cbb5eeb8.47976539 (22.04.2018)