Robert Ley

NS-Reichsführer der DAF (1890-1945)

Björn Thomann (Sankt Augustin)

Robert Ley, Porträtfoto. (Deutsches Historisches Museum, Berlin)

Ro­bert Ley ge­hör­te zwi­schen 1933 und 1939 zu den mäch­tigs­ten na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Po­li­ti­kern. Als Reichs­füh­rer der Deut­schen Ar­beits­front (DAF) stand er an der Spit­ze der grö­ß­ten deut­schen Mas­sen­or­ga­ni­sa­ti­on und nahm ent­schei­den­den Ein­fluss auf die So­zi­al- und Ar­beits­markt­po­li­tik im „Drit­ten Reich". Als Haupt­kriegs­ver­bre­cher an­ge­klagt, ent­zog sich der fa­na­ti­sche An­ti­se­mit Ley sei­ner po­li­ti­schen Ver­ant­wor­tung für die Ver­bre­chen des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus im Ok­to­ber 1945 durch Selbst­mord.

Ro­bert Ley wur­de am 15.2.1890 in Nie­der­brei­den­bach im Ober­ber­gi­schen Land als Sohn des Groß­bau­ern Fried­rich Ley und des­sen Frau Emi­lie Wald ge­bo­ren. Nach­dem der Va­ter ei­nes Ver­si­che­rungs­be­trugs über­führt und zu vier Jah­ren Haft ver­ur­teilt wor­den war, ver­brach­te Ley ei­nen Teil sei­ner Ju­gend zwar „in Ar­mut und Schan­de", konn­te aber den­noch 1910 an der Ober­re­al­schu­le in El­ber­feld (heu­te Stadt Wup­per­tal) sei­ne Ab­itur­prü­fung ab­le­gen. Bis zum Aus­bruch des Ers­ten Welt­kriegs stu­dier­te er Che­mie in Je­na, Bonn und Müns­ter. Als Kriegs­frei­wil­li­ger dien­te Ley 1914 zu­nächst bei der Ar­til­le­rie, wur­de noch im glei­chen Jahr mit dem Ei­ser­nen Kreuz aus­ge­zeich­net und 1916 zum Leut­nant be­för­dert. Im Au­gust 1916 wech­sel­te er zur Flie­ger­ab­tei­lung 202, wur­de am 29.7.1917 in Flan­dern ab­ge­schos­sen und ge­riet schwer ver­wun­det in fran­zö­si­sche Ge­fan­gen­schaft.

1920 wur­de Ley aus der Ge­fan­gen­schaft ent­las­sen. Er schloss sein Stu­di­um in Müns­ter mit ei­ner Dok­tor­ar­beit im Fach Che­mie er­folg­reich ab und trat 1921 in den Dienst der Farb­wer­ke Bay­er in Le­ver­ku­sen. 1924 wur­de Ley Mit­glied in der NS­DAP, in der er sich in kur­zer Zeit als her­aus­ra­gen­der Or­ga­ni­sa­tor und po­li­ti­scher Red­ner ei­nen Na­men zu ma­chen ver­stand. Schon 1925 wur­de ihm die Lei­tung des Gau­es Rhein­land-Süd über­tra­gen.

Leys Cha­rak­ter wur­de durch Macht­stre­ben, rück­sichts­lo­sen Ehr­geiz und Fa­na­tis­mus be­stimmt. Zu­dem neig­te er zu ex­tre­men Ge­fühls­schwan­kun­gen, zu Hy­per­ak­ti­vi­tät und un­kon­trol­lier­ten Wut­aus­brü­chen, so­wie zur An­wen­dung kör­per­li­cher Ge­walt. Für Auf­se­hen sorg­te im Som­mer 1932 sein tät­li­cher An­griff un­ter Al­ko­hol­ein­fluss auf den so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­ten Ot­to Wels (1873-1939) und den Köl­ner Po­li­zei­prä­si­den­ten Ot­to Bauknecht (1876-1961). Das „Jü­di­sche Wo­chen­blatt" cha­rak­te­ri­sier­te ihn im glei­chen Jahr als ei­nen „min­der­wer­ti­gen, hass­er­füll­ten Psy­cho­pa­then".

Leys po­li­ti­sche Re­den hin­ge­gen, die von ei­nem ag­gres­si­ven An­ti­se­mi­tis­mus ei­ner­seits und ei­ner pseu­do­re­li­giö­sen Mys­ti­fi­zie­rung Hit­lers an­de­rer­seits ge­prägt wa­ren, er­wie­sen sich be­reits in den Wahl­kämp­fen der spä­ten 1920er Jah­re als äu­ßerst ef­fi­zi­ent. Das von ihm her­aus­ge­ge­be­ne Par­tei­or­gan „West­deut­scher Be­ob­ach­ter" nutz­te er ge­schickt zur Ver­brei­tung der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ideo­lo­gie und zur öf­fent­li­chen Dif­fa­mie­rung po­li­ti­scher Geg­ner. Auf die­se Wei­se war ihm be­reits 1928 mit sei­ner Wahl in den preu­ßi­schen Land­tag ein ers­ter be­deu­ten­der po­li­ti­scher Er­folg ge­lun­gen, ehe er 1930 als ei­ner von 107 na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ab­ge­ord­ne­ten auch in den Reichs­tag ge­wählt wur­de.

Auf den Auf­stieg der zwan­zi­ger Jah­re folg­te ab 1930 ei­ne Pha­se po­li­ti­scher Rück­schlä­ge. Ge­gen Leys Wil­len wur­de der Gau Rhein­land-Süd 1931 in die Gaue Köln-Aa­chen und Ko­blenz-Trier auf­ge­teilt. Ley sah sich ei­ner star­ken in­ner­par­tei­li­chen Op­po­si­ti­on und dem Vor­wurf der Ver­un­treu­ung von Par­tei­gel­dern aus­ge­setzt. Auch die Stim­men­ver­lus­te bei der Reichs­tags­wahl des Jah­res 1932 wur­den ihm an­ge­las­tet.

Hit­ler, der in Ley ei­nen sei­ner ver­läss­lichs­ten und fä­higs­ten Mit­ar­bei­ter sah, be­rief ihn 1931 den­noch zum Reichs­in­spek­teur und Stell­ver­tre­ter des Reichs­or­ga­ni­sa­ti­ons­lei­ters Ge­org Stras­ser (1892-1934), des­sen Nach­fol­ger er 1934 wur­de. In die­sem Amt ge­wann Ley er­heb­li­chen Ein­fluss auf die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Schul- und Bil­dungs­po­li­tik und zeich­ne­te so­wohl für die Kon­zep­tio­nie­rung als auch für die Er­rich­tung der Or­dens­bur­gen Vo­gel­sang in der Ei­fel, Sont­ho­fen im All­gäu und Cröss­in­see in Pom­mern ver­ant­wort­lich. An die­sen Er­zie­hungs­an­stal­ten soll­te, nach stren­ger Aus­le­se, der po­li­ti­sche Füh­rungs­nach­wuchs der NS­DAP ge­schult wer­den.

Nach der Er­nen­nung Hit­lers zum Reichs­kanz­ler trug Ley ma­ß­geb­lich zur Zer­schla­gung der frei­en Ge­werk­schaf­ten am 3.5.1933 bei. Im glei­chen Jahr er­nann­te ihn Hit­ler zum Lei­ter der neu ge­grün­de­ten Deut­schen Ar­beits­front (DAF), die er als ge­mein­sa­men Ver­band der Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber zur grö­ß­ten Mas­sen­or­ga­ni­sa­ti­on im „Drit­ten Reich" aus­bau­te. Bis 1939 er­reich­te die DAF ei­ne Stär­ke von 22 Mil­lio­nen Mit­glie­dern. An ih­rer Spit­ze kon­trol­lier­te Ley auch ei­ne Rei­he ver­band­sei­ge­ner Un­ter­neh­men, Ban­ken und Ver­lags­an­stal­ten und wur­de so zu ei­ner der ein­fluss­reichs­ten Per­so­nen im na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deutsch­land.

Auch bei der Grün­dung der Ge­mein­schaft „Kraft durch Freu­de" (KdF) im Jahr 1933, ei­ner Un­ter­or­ga­ni­sa­ti­on der DAF, war er fe­der­füh­rend. Leys Kon­zept sah vor, den Rah­men der Frei­zeit­ge­stal­tung un­ter ideo­lo­gi­schen Ge­sichts­punk­ten zu er­wei­tern, auf viel­fäl­ti­ge Wei­se zu ge­stal­ten und zu über­wa­chen. Um das na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ide­al ei­ner „Volks­ge­mein­schaft" zu ver­wirk­li­chen, be­müh­te sich Ley vor al­lem um ei­ne qua­li­ta­ti­ve Stei­ge­rung des Le­bens­stan­dards der Ar­beit­neh­mer. Die Um­set­zung ei­ner von ihm an­ge­streb­ten Re­form der Al­ters­ver­sor­gung und der So­zi­al­ver­si­che­rung wur­de durch den Aus­bruch des Zwei­ten Welt­kriegs ver­hin­dert.

Die Ent­fes­se­lung des Zwei­ten Welt­kriegs lei­te­te den po­li­ti­schen Nie­der­gang Leys ein. Oh­ne mi­li­tä­ri­sche Be­fug­nis­se blieb er von sämt­li­chen kriegs­wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen aus­ge­schlos­sen und ver­lor so­wohl ge­gen­über dem Ge­ne­ral­be­voll­mäch­tig­ten für den Ar­beits­ein­satz Fritz Sau­ckel (1894-1945), als auch dem Reichs­mi­nis­ter für Be­waff­nung und Mu­ni­ti­on Fritz Todt (1891-1942) so­wie des­sen Nach­fol­ger Al­bert Speer (1905-1981) er­heb­lich an Macht und Ein­fluss. In sei­nem neu­en Amt als Reichs­kom­mis­sar für den so­zia­len Woh­nungs­bau konn­te er die ho­hen Er­war­tun­gen Hit­lers nicht er­fül­len und schei­ter­te auch bei dem Ver­such, den am­tie­ren­den Ar­beits­mi­nis­ter Franz Seld­te (1882-1947) ab­zu­lö­sen. Ob­wohl sein An­se­hen bei Hit­ler be­trächt­li­chen Scha­den ge­nom­men hat­te, er­nann­te ihn die­ser 1945 tes­ta­men­ta­risch zum Reichs­mi­nis­ter oh­ne Ge­schäfts­be­reich.

Am 15.5.1945 wur­de Ley in Schleching bei Kuf­stein von ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten ver­haf­tet. Als Haupt­kriegs­ver­bre­cher an­ge­klagt, ge­lang es ihm, sich noch vor Pro­zess­be­ginn am 25.10.1945 in sei­ner Ge­fäng­nis­zel­le in Nürn­berg zu er­hän­gen.

Quellen

Wald, Re­na­te, Mein Va­ter Ro­bert Ley. Mei­ne Er­in­ne­run­gen und Va­ters Ge­schich­te, Nüm­brecht 2004.

Literatur

Bo­b­e­rach, Heinz, Ro­bert Ley (1890-1945), in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der 14 (1994), S. 273-292.

Bran­den­bur­ger, Heinz-Wil­helm, Ley-Land. Dr. Ro­bert Ley und der Na­tio­nal­so­zia­lis­mus im Ober­ber­gi­schen, Köln 1988.

Ma­son, Ti­mo­thy W., So­zi­al­po­li­tik im Drit­ten Reich, Op­la­den 1977.

Smelser, Ro­nald, Ro­bert Ley. Hit­lers Mann an der Ar­beits­front, Pa­der­born 1989.

Online

Ro­bert Ley in der Da­ten­bank der deut­schen Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten (In­for­ma­ti­ons­por­tal der Baye­ri­schen Staats­bi­blio­thek) [On­line]
Schulz, Ul­rich, Ar­ti­kel "Ley, Ro­bert", in: Neue Deut­sche Bio­grpa­hie 14 (1985), S. 424-425. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Thomann, Björn, Robert Ley, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/robert-ley-/DE-2086/lido/57c94150e86103.27150860 (17.08.2018)