Oberrheinischer Reichskreis

Stephan Laux (Trier)

 Der Ober­rhei­ni­sche Reichs­kreis ge­hör­te zu den ers­ten im Jahr 1500 durch Ma­xi­mi­li­an I. (Re­gie­rungs­zeit 1493-1519) ein­ge­rich­te­ten Reichs­krei­sen. Er be­stand bis zur mi­li­tä­ri­schen Be­set­zung und nach­fol­gen­den staats­recht­li­chen An­glie­de­rung des links­rhei­ni­schen Raums durch Frank­reich 1794 be­zie­hungs­wei­se 1801.

Das Ge­biet des Krei­ses er­streck­te sich in ter­ri­to­ri­al zu­sam­men­hang­lo­ser Form von Sa­vo­yen bis Hes­sen-Kas­sel. Ex­kla­ven des ös­ter­rei­chi­schen, bur­gun­di­schen so­wie de­s kur­rhei­ni­schen Reichs­krei­ses ver­hin­der­ten ei­ne ter­ri­to­ria­le Ge­schlos­sen­heit. Die Kreis­ta­ge wur­den in Frank­furt am Main un­ter dem Di­rek­to­rat des Worm­ser Bi­schofs aus­ge­rich­tet. Das Ar­chiv be­fand sich in Worms.

Die Mit­glie­der­struk­tur des Krei­ses zeich­ne­te sich da­durch aus, dass mit Aus­nah­me der mit­tel­gro­ßen und mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren­den Ter­ri­to­ri­en Hes­sen-Kas­sel und Hes­sen-Darm­stadt klei­ne­re Reichs­stän­de do­mi­nier­ten. Die Fi­nanz­kraft und, ver­bun­den da­mit, die po­li­ti­sche und mi­li­tä­ri­sche Hand­lungs­fä­hig­keit, war auf die­se bei­den Ter­ri­to­ri­en so­wie die Reichs­städ­te Frank­furt am Main und Straß­burg be­schränkt, al­so sämt­lich auf pro­tes­tan­ti­sche Mit­glie­der des Reichs­krei­ses.

Ge­mäß den Be­stim­mun­gen des Frie­dens von Lun­é­vil­le fie­len die links­rhei­ni­schen Ge­bie­te des Krei­ses 1801 an Frank­reich. Die Res­te des Ober­rhei­ni­schen und des Kur­rhei­ni­schen Reichs­krei­ses wur­den dar­auf hin in ei­nem neu­en „Rhei­ni­schen Kreis" zu­sam­men­ge­fasst, der bis 1806 be­stand. Die Mit­glie­der, die 1815 dem preu­ßi­schen Staats­ge­biet ein­ge­glie­dert wur­den und seit 1830 zur preu­ßi­schen Rhein­pro­vinz ge­hör­ten, wa­ren haupt­säch­lich im Raum zwi­schen Mo­sel und Na­he ge­le­ge­ne klei­ne­re Herr­schaf­ten. Dies wa­ren (nach Ger­hard Köbler):

Ab­tei Prüm (zu Kur­trier)

Her­zog­tum Pfalz-Sim­mern

Her­zog­tum Pfalz-Vel­denz

Her­zog­tum Pfalz-Zwei­brü­cken

ge­fürs­te­te Graf­schaf­t Spon­heim

ge­fürs­te­te Graf­schaft Salm

ge­fürs­te­te Graf­schaft Nas­sau-Usin­gen

ge­fürs­te­te Graf­schaft Nas­sau-Saar­brü­cken

ge­fürs­te­te Graf­schaft Salm-Kyr­burg

ge­fürs­te­te Graf­schaft Isen­burg-Birstein

Literatur

Amann, Kon­rad, Der Ober­rhei­ni­sche Kreis im Wan­del, in: Wüst, Wolf­gan­g  (Hg.), Reichs­kreis und Ter­ri­to­ri­um. Die Herr­schaft über der Herr­schaft? Su­pra­ter­ri­to­ria­le Ten­den­zen in Po­li­tik, Kul­tur, Wirt­schaft und Ge­sell­schaft, Stutt­gart 2000, S. 335-347.
Dotzau­er, Win­fried, Die deut­schen Reichs­krei­se (1383-1806), Ge­schich­te und Ak­te­ne­di­ti­on, Stutt­gart 1998, S. 236-263.
Fa­bri­ci­us, Wil­helm, Er­läu­te­run­gen zum ge­schicht­li­chen At­las der Rhein­pro­vinz, Band 2: Die Kar­te von 1789, Bonn 1898, Nach­druck Bonn 1965, S. 339-489.
Hart­mann, Pe­ter Claus, Re­gio­nen in der frü­hen Neu­zeit. Der Kur­rhei­ni­sche und Ober­rhei­ni­sche Reichs­kreis, in: Ma­theus, Mi­cha­el (Hg.), Re­gio­nen un­d ­Fö­de­ra­lis­mus. 50 Jah­re Rhein­land-Pfalz, Stutt­gart 1997, S. 31-47.
Köbler, Ger­hard, His­to­ri­sches Le­xi­kon der deut­schen Län­der. Die deut­schen Ter­ri­to­ri­en vom Mit­tel­al­ter bis zur Ge­gen­wart, 7., voll­stän­dig über­ar­bei­te­te Auf­la­ge, Mün­chen 2007, S. XXI-XXII.

Zitationshinweis

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Laux, Stephan, Oberrheinischer Reichskreis, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/oberrheinischer-reichskreis/DE-2086/lido/57d11c899c9b26.22417524 (12.12.2018)