Arthur Knautz

Olympiasieger (1911–1943)

Thomas Ohl (Wesel)

Siegerehrung bei den Olympischen Spielen im Feldhandball in Berlin, rechts Ernst Hufschmid für die Schweiz, links Österreich (unbekannter Spieler), mittig Arthur Knautz für das Deutsche Reich, 14.8.1936, Foto: Hoffmann. (Bundesarchiv/ Bild 183-G01298)

Ar­thur Knautz war lang­jäh­ri­ger Hand­ball-Na­tio­nal­spie­ler und wur­de 1936 Olym­pia­sie­ger.

Am 20.3.1911 wur­de Ar­thur Knautz als Sohn des Berg­manns Al­bert Knautz und sei­ner Ehe­frau Pau­li­ne in der Wes­ter­wald­ge­mein­de Daa­den ge­bo­ren. Nach dem Be­such der Volks­schu­le be­gann er im Jah­re 1925 ei­ne Zim­mer­manns­leh­re in Betz­dorf an der Sieg. Un­mit­tel­bar nach Ab­schluss der Lehr­zeit er­füll­te sich Knautz ei­nen lang ge­heg­ten Wunsch und wur­de im Au­gust 1928 frei­wil­lig Sol­dat in dem nach den Be­stim­mun­gen des Ver­sailler Ver­tra­ges auf 100.000 Mann be­schränk­ten Heer. Nach ei­ner Aus­bil­dungs­zeit in Os­na­brück wur­de er 1929 zum Pio­nier-Ba­tail­lon 6 nach Min­den ver­setzt. Hier kam der sport­lich ta­len­tier­te Knautz zum ers­ten Mal mit der noch recht jun­gen Sport­art Hand­ball in Be­rüh­rung. Sein bis­he­ri­ger sport­li­cher Wer­de­gang hat­te ihn zu­nächst ins Fuß­ball­tor bei den Da­a­de­ta­ler Sport­freun­den und zu den Leicht­ath­le­ten des Daa­de­ner Turn­ver­eins ge­führt. Nach sei­nem Ein­tritt ins Heer konn­te er durch ei­ni­ge er­folg­rei­che Wett­kämp­fe bei Mi­li­tär- und Re­gio­nal­meis­ter­schaf­ten sei­ne Fä­hig­kei­ten als Leicht­ath­let un­ter Be­weis stel­len. Ein fünf­ter Platz im Fünf­kampf bei den Hee­res­meis­ter­schaf­ten 1933 zeig­te ein­drucks­voll sei­ne sport­li­che Viel­sei­tig­keit.

Zu die­sem Zeit­punkt hat­te Ar­thur Knautz aber schon sei­ne Lie­be zum Hand­ball ent­deckt und war in die­ser Mann­schafts­sport­art nicht min­der er­folg­reich. Ob­wohl er 1929 über­haupt erst das Hand­ball­spiel ken­nen­ge­lernt hat­te, das sich bei der Po­li­zei und beim Mi­li­tär be­son­de­rer Be­liebt­heit er­freu­te, konn­te Knautz mit sei­nen Ka­me­ra­den schnell sport­li­che Er­fol­ge fei­ern. Im Rah­men von Ba­tail­lons­meis­ter­schaf­ten stell­te man im Gar­ni­sons­stand­ort an der We­ser schnell fest, dass sich dort ei­ne An­samm­lung von gu­ten und ta­len­tier­ten Spie­lern zu­sam­men­ge­fun­den hat­te. Dar­auf­hin wur­de am 1.4.1932 in Min­den der Mi­li­tär­sport­ver­ein „Hin­den­bur­g“ Min­den ge­grün­det, der ab so­fort in West­fa­len zu den ers­ten Adres­sen in die­ser Sport­art ge­hö­ren soll­te. Gleich in der ers­ten Spiel­zeit konn­te man 1933 den Ti­tel ei­nes West­fa­len­meis­ters er­rin­gen und die­sen Ti­tel in den Jah­ren bis zum Aus­bruch des Zwei­ten Welt­kriegs im­mer wie­der ver­tei­di­gen. Dar­aus ent­stand ei­ne er­bit­ter­te Ri­va­li­tät zum ewi­gen Zwei­ten Ein­tracht Dort­mund, des­sen Tor von dem spä­ter welt­be­kann­ten Sport­funk­tio­när Wil­li Dau­me ge­hü­tet wur­de.

Im Jah­re 1935 mach­te der MSV Hin­den­burg auch über­re­gio­nal ein­drucks­voll auf sich auf­merk­sam, in­dem er bis ins End­spiel um die Deut­sche Meis­ter­schaft vor­drin­gen konn­te. So­gar die schwe­re Aus­wärts­hür­de in Leip­zig konn­te mit ei­nem 8:7 Sieg er­folg­reich ge­nom­men wer­den. Erst im Fi­na­le vor über 20.000 Zu­schau­ern in Stutt­gart muss­ten sich die Hin­den­bur­ger dem PSV Mag­de­burg mit 8:10 ge­schla­gen ge­ben. Nicht nur we­gen die­ser End­spiel­teil­nah­me ver­lief das Jahr 1935 für Ar­thur Knautz sehr er­folg­reich, denn er wur­de auch bei den Län­der­spie­len ge­gen Schwe­den und ge­gen die Schweiz im Mai und Ok­to­ber 1935 ein­ge­setzt. Knautz spiel­te da­bei auf sei­ner Lieb­lings­po­si­ti­on als rech­ter Ver­tei­di­ger und konn­te sich be­rech­tig­te Hoff­nun­gen auf ei­ne Teil­nah­me an den Olym­pi­schen Spie­len in Ber­lin 1936 ma­chen. Erst­mals soll­te näm­lich ein Hand­ball­tur­nier im Rah­men der Olym­pia­de aus­ge­tra­gen wer­den.

Vor die­se Teil­nah­me hat­te der Reichs­trai­ner Ot­to Gün­ther Kaun­di­nya (Amts­zeit 1934-1939) aber ei­nen ge­wis­sen­haf­ten Aus­wahl­pro­zess und ei­ne um­fang­rei­che Vor­be­rei­tung ge­setzt. Da traf es sich gut, dass der MSV Hin­den­burg im Jah­re 1936 ei­ne be­son­ders er­folg­rei­che Sai­son spiel­te. Nicht nur ge­lang die ein­drucks­vol­le Ver­tei­di­gung des West­fa­len­meis­ter­ti­tels, im Halb­fi­na­le der End­run­de wur­de die als Ge­heim­fa­vo­rit ge­han­del­te Mann­schaft von Ra­sen­sport Mül­heim mit 9:3 förm­lich vom Platz ge­fegt. Da­mit hat­te man zum zwei­ten Mal in Fol­ge das End­spiel um die Deut­sche Meis­ter­schaft er­reicht. Im Sta­di­on „Ro­te Er­de“ des Erz­ri­va­len Ein­tracht Dort­mund traf man am 28.6.1936 auf die Mann­schaft des MT­SA Leip­zig. In ei­nem hart um­kämpf­ten Match setz­ten sich die Pio­nie­re von der We­ser ge­gen die In­fan­te­ris­ten aus der Mes­se­stadt mit 7:5 durch und ge­wan­nen ih­ren ers­ten Meis­ter­ti­tel. Da­mit krön­ten sie ih­re bis­lang er­folg­reichs­te Sai­son, in der ih­nen auch noch das Kunst­stück ge­lun­gen war, die gan­ze Se­rie über un­ge­schla­gen zu blei­ben! Für Knautz und sei­nen Min­de­ner Mann­schafts­kol­le­gen Kör­vers aber gab es nicht viel Zeit zum Ju­beln und zum Fei­ern, denn im Ju­li stan­den letz­te Lehr­gän­ge und Vor­be­rei­tungs­spie­le der Na­tio­nal­mann­schaft am Nie­der­rhein und in Schwa­ben an. Nach ei­nem mehr­jäh­ri­gen Aus­wahl­pro­zess mit über 200 be­tei­lig­ten Spie­lern stand dann En­de Ju­li end­gül­tig fest, dass bei­de zum Auf­ge­bot für Ber­lin ge­hör­ten und kurz da­nach ins Olym­pi­sche Dorf ein­zie­hen konn­ten. Das Olym­pi­sche Tur­nier mit nur sechs teil­neh­men­den Mann­schaf­ten sah ei­ne über­le­ge­ne deut­sche Mann­schaft, die nach ho­hen Sie­gen in der Vor­run­de und deut­li­chen Er­fol­gen in der Zwi­schen­run­de im Fi­na­le auf Ös­ter­reich stieß. Ös­ter­reich war eben­falls un­ge­schla­gen ins End­spiel ge­kom­men und stell­te sich als ernst­zu­neh­men­der Geg­ner dar. Bei denk­bar schlech­ten Wet­ter­ver­hält­nis­sen ge­wann die deut­sche Mann­schaft am 14.8.1936 im Dau­er­re­gen un­ter der Füh­rung von Knautz zum ers­ten Mal die Gold­me­dail­le. Ar­thur Knautz hat­te da­mit 1936 al­les ge­won­nen, was es in die­sem Jahr in sei­nem Sport zu ge­win­nen gab.

Nach die­sem Er­folgs­jahr hei­ra­te­te Ar­thur Knautz am 22.1.1937 Er­na Späth (1910–1997); im No­vem­ber des Jah­res wur­de Sohn Die­ter (1937–1991) ge­bo­ren. Sport­lich lief es im Jahr 1937 nicht mehr so güns­tig für die Hin­den­bur­ger, die ei­ni­ge Spie­ler­wech­sel zu ver­zeich­nen hat­ten und nach dem Ge­winn des West­fa­len­ti­tels be­reits in der ers­ten Run­de zur Deut­schen Meis­ter­schaft auf der Stre­cke blie­ben. Knautz selbst hat­te wohl auch ei­ne ge­wis­se Durst­stre­cke zu über­win­den, denn er kam erst im Sep­tem­ber 1937 in Gö­te­borg ge­gen Schwe­den zu sei­nem nächs­ten Ein­satz im Na­tio­nal­tri­kot. Da­nach wur­den sei­ne Ein­sät­ze noch ra­rer, denn sei­ne nächs­te (und letz­te) Be­ru­fung er­hielt er erst im Mai 1941. Da­bei ist al­ler­dings zu be­rück­sich­ti­gen, dass nach dem Re­gle­ment der da­ma­li­gen Zeit kei­ne Aus­wechs­lun­gen wäh­rend ei­nes Spiels vor­ge­nom­men wer­den durf­ten. Ver­zeich­net in den ein­schlä­gi­gen Zeit­schrif­ten und Ver­öf­fent­li­chun­gen sind aber nur die tat­säch­lich ein­ge­setz­ten Spie­ler. Da­her kann es durch­aus vor­ge­kom­men sein, dass Knautz ver­schie­dent­lich zum Auf­ge­bot ge­hör­te, oh­ne dass er dann wirk­lich spiel­te.

Ar­thur Knautz war 1928 auf ei­ge­nen Wunsch Sol­dat ge­wor­den. We­gen sei­nes sport­li­chen Kön­nens war er ei­ne der tra­gen­den Säu­len des Mi­li­tär­sport­ver­eins Hin­den­burg Min­den ge­wor­den und da­her auch wäh­rend sei­ner mi­li­tä­ri­schen Ver­wen­dung beim Pio­nier-Ba­tail­lon 6 in Min­den ver­blie­ben. 1932 war er zum Un­ter­of­fi­zier und 1934 zum Feld­we­bel be­för­dert wor­den. Mit dem Ge­winn der Gold­me­dail­le wur­de er zum Ober­feld­we­bel er­nannt. Wie vie­le an­de­re Mi­li­tär- und Po­li­zei­sport­ler auch, muss­te Ar­thur Knautz nach dem Be­ginn des Krie­ges im Sep­tem­ber 1939 er­fah­ren, dass dem Hit­ler-Re­gime trotz sei­ner Af­fi­ni­tät zum Sport und zu sport­li­chen Ti­teln, der mi­li­tä­ri­sche Ein­satz we­sent­lich wich­ti­ger war. Die Min­de­ner Pio­nie­re wur­den da­her von Be­ginn an auf den ver­schie­de­nen Kriegs­schau­plät­zen ein­ge­setzt und konn­ten nur sehr ein­ge­schränkt ih­re sport­li­chen Am­bi­tio­nen pfle­gen. Nach fast vier Jah­ren im Krieg, in de­nen er ei­ne Be­för­de­rung bis zum Haupt­mann er­hielt, ist Ar­thur Knautz wahr­schein­lich im Au­gust 1943 in Russ­land ge­fal­len. Die ge­naue­ren To­des­um­stän­de sind eben­so un­be­kannt wie das ge­naue Da­tum. Da­mit ge­hört er zu der gro­ßen Zahl jun­ger Män­ner, die erst ih­re Ju­gend und an­schlie­ßend ihr Le­ben im Krieg ver­lo­ren.

Literatur

Eg­gers, Erik (Hg.), Hand­ball. Ei­ne deut­sche Do­mä­ne, Göt­tin­gen 2007.
Meynert, Joa­chim (Hg.), Und auch der Hand­ball ist rund…, Bie­le­feld 1995.

 
Zitationshinweis

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Ohl, Thomas, Arthur Knautz, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/arthur-knautz-/DE-2086/lido/57c9361b0ccfe6.68503541 (abgerufen am 18.02.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 02.09.2016, zuletzt geändert am 19.08.2025