Werner Höfer

Journalist und Fernsehdirektor des (Nord)Westdeutschen Rundfunks (1913–1997)

Petra Witting-Nöthen (Köln)

Der Fernsehmoderator Werner Höfer während einer Studio-Aufzeichnung im Gespräch mit Helmut Schmidt, undatiert. (www.grevenarchivdigital.de | Kölnische Rundschau)

Wer­ner Hö­fer war ein Jour­na­list, der vor al­lem durch den in Ra­dio und Fern­se­hen aus­ge­strahl­ten „In­ter­na­tio­na­len Früh­schop­pen“ bun­des­weit als po­li­ti­scher Mo­dera­tor be­kannt war. Er führ­te neue Ma­ga­zi­ne im Ra­dio und im Fern­se­hen ein und war ein er­folg­rei­cher Fern­seh­di­rek­tor des West­deut­schen Rund­funks (WDR). Schlie­ß­lich hol­te ihn sei­ne pu­bli­zis­ti­sche Tä­tig­keit in der NS-Zeit ein, wes­halb sich der WDR 1987 von ihm trenn­te.

Wer­ner Hö­fer wur­de am 21.3.1913 in Kai­ser­sesch als Sohn ei­nes ka­tho­li­schen Stra­ßen­bau­meis­ters ge­bo­ren. Die Kind­heit ver­brach­te er in Köln, die Ju­gend in May­en. Sein Be­rufs­wunsch, Jour­na­list zu wer­den, stand schon früh fest, wie er den Ruhr-Nach­rich­ten 1957 ver­riet. So stu­dier­te er nach dem Ab­itur am hu­ma­nis­ti­schen Me­gi­na-Gym­na­si­um in May­en 1932 in Köln Ger­ma­nis­tik, Ge­schich­te, Phi­lo­so­phie, Thea­ter- und Zei­tungs­wis­sen­schaft und ab­sol­vier­te da­ne­ben ein Vo­lon­ta­ri­at bei der „Köl­ni­schen Volks­zei­tun­g“. Wäh­rend des Stu­di­ums trat er der Ka­tho­li­schen Stu­den­ten­ver­bin­dung As­gard (Düs­sel­dorf) zu Köln bei. In Köln lern­te er auch sei­ne spä­te­re Frau El­frie­de Scheu­er (ge­stor­ben 1982) ken­nen, So­lo­tän­ze­rin an der dor­ti­gen Oper. Aus der 1937 ge­schlos­se­nen Ehe gin­gen die Töch­ter An­ge­li­ka und Can­di­da her­vor; die 1944 ge­bo­re­ne Can­di­da wur­de ei­ne in­ter­na­tio­nal be­kann­te Fo­to­gra­fin. 1993 hei­ra­te­te Wer­ner Hö­fer in zwei­ter Ehe Pe­tra Mo­schi­ri. 

Hö­fer trat mit 19 Jah­ren am 14.3.1933 in die NS­DAP ein (Mit­glieds­num­mer 2.129.383).1935 wur­de er als Feuille­ton­re­dak­teur bei der Zei­tung „Neu­er Ta­g“ an­ge­stellt, ging 1939 für das Ma­ga­zin „Ko­ral­le“ nach Ber­lin und wur­de schlie­ß­lich für die „B.Z. am Mit­ta­g“ tä­tig. Der Aus­bruch des Zwei­ten Welt­kriegs un­ter­brach sei­ne zi­vi­le Lauf­bahn bei der Pres­se. Hö­fer wur­de zu­nächst vom Wehr­dienst frei­ge­stellt. 1941 wur­de er als Kriegs­be­richt­er­stat­ter ein­ge­zo­gen und war bis Kriegs­en­de zu­nächst Pres­se­re­fe­rent der Or­ga­ni­sa­ti­on Todt und des Rüs­tungs­mi­nis­te­ri­ums von Al­bert Speer (1905-1981). Da­ne­ben war er als frei­er Au­tor tä­tig, un­ter an­de­rem für Go­eb­bels’ Pro­pa­gan­da­blatt „Das Reich“. Der da­ma­li­ge WDR-In­ten­dant konn­te und woll­te sich nicht, wie sei­ne Vor­gän­ger hin­ter Hö­fer stel­len und ent­schied sich 1987 für den Raus­wurf Hö­fers. Ge­gen En­de des Kriegs wur­de Hö­fer noch als Sol­dat ein­ge­zo­gen und ge­riet in Frank­reich in ame­ri­ka­ni­sche Kriegs­ge­fan­gen­schaft. Nach sei­ner Ent­las­sung 1945 schrieb er wie­der wie vor dem Krieg Thea­ter­kri­ti­ken.

1945 nahm Hö­fer in Ham­burg un­ter der Lei­tung der eng­li­schen Be­sat­zung mit Hugh Car­le­ton Gree­ne (1910-1987) als Chief-Con­trol­ler und dann auch in Köln sei­ne jour­na­lis­ti­sche Tä­tig­keit wie­der auf. Am 26.9.1945 star­te­te das Funk­haus Köln wie­der sein Sen­de­pro­gramm, zu­nächst täg­lich mit nur ei­ner Stun­de am Abend. Be­reits 1947 ge­hör­te Wer­ner Hö­fer zum fes­ten Stamm der frei­en Mit­ar­bei­ter. Da­bei war er auf kein Gen­re fest­ge­legt, schrieb und mo­de­rier­te für die Sen­de­rei­he „Aus dem West­deut­schen Ta­ge­buch“ ge­nau­so wie er mit der Kol­le­gin Frie­del Höm­ke (1906-1996) un­d Ru­di Rau­her (1901-1958) mit dem „Fro­hen Sams­tag­nach­mit­ta­g“ ei­ne Un­ter­hal­tungs­sen­dung neu be­leb­te, die an die er­folg­rei­che Sen­de­rei­he glei­chen Na­mens aus dem Reichs­sen­der Köln mit den so­ge­nann­ten drei fröh­li­chen Ge­sel­len an­knüpf­te. Zu­sam­men mit der Düs­sel­dor­fer Ka­ba­ret­tis­tin Lo­re Lor­entz (1920-1974) mo­de­rier­te er die Sen­de­rei­he „Frau­en fra­gen – Män­ner­sor­gen“. Be­rüh­rungs­ängs­te kann­te er nicht. Bald ge­hör­te er zu den be­kann­tes­ten und be­lieb­tes­ten Stim­men des Köl­ner Sen­ders.

Ne­ben sei­ner Tä­tig­keit als Mo­dera­tor war er der Va­ter neu­er Sen­de­rei­hen, die ei­nen neu­en Sprach- und Mo­dera­ti­ons­stil eta­blier­ten. Zu den lang­le­bigs­ten ge­hör­te das Ra­dio­ma­ga­zin „Zwi­schen Rhein und We­ser“. Im Stu­dio wur­den die­se Re­gio­nal­be­rich­te in lo­cke­rem Stil, meist in All­tags­spra­che, un­ter­halt­sam und in häu­fig spon­tan for­mu­lier­tem Stil, ge­le­gent­lich auch flap­sig an­mo­de­riert. Das ge­fiel nicht je­dem, ins­be­son­de­re wa­ren die Hö­rer und Hö­re­rin­nen in der Ver­gan­gen­heit durch ei­nen Stil ge­prägt, der aka­de­misch, hoch­deutsch, gram­ma­ti­ka­lisch per­fekt und be­leh­rend war. Das neue Ra­dio­for­mat pass­te zum neu­en Sen­de­platz auf der Ul­tra­kurz­wel­le UKW-West, die die Zeit­schrift „Hör­Zu“ als „Wel­le der Freu­de“ be­zeich­ne­te und auf der nun Re­gio­na­les und Un­ter­hal­tung plat­ziert wur­den. 

 

In Ko­blenz hat­te Hö­fer nach dem Krieg ers­ten Kon­takt zum Ra­dio. Die dort pro­du­zier­ten „Ge­sprä­che über den Schlag­baum“ wa­ren die Blau­pau­se für sei­ne am 6.1.1952 im da­ma­li­gen Nord­west­deut­schen Rund­funk (NW­DR) ge­star­te­te po­li­ti­sche Dis­kus­si­ons­run­de „In­ter­na­tio­na­ler Früh­schop­pen“ mit (meist) sechs Jour­na­lis­ten aus fünf Län­dern, die von ihm zu ta­ges­ak­tu­el­len po­li­ti­schen Fra­gen ein­ge­la­den wur­den und die bei Wein und reich­lich Rauch­wa­ren aus der in­ner­deut­schen wie aus der aus­län­di­schen Sicht po­li­ti­sche Pro­ble­me ana­ly­sier­ten und be­wer­te­ten.

Seit 1950 gab es im NW­DR Ham­burg Fern­seh­ver­suchs­sen­dun­gen, die Weih­nach­ten 1952 zur of­fi­zi­el­len Er­öff­nung des Fern­seh­pro­gramms führ­ten. Hö­fer er­kann­te so­fort das Po­ten­ti­al des neu­en Me­di­ums und konn­te schnell bei Fern­seh­di­rek­tor Wer­ner Pleis­ter (1904-1982) er­wir­ken, dass sei­ne Hör­funk­sen­dung „In­ter­na­tio­na­ler Früh­schop­pen“ zu­gleich auch im Fern­se­hen über­tra­gen wur­de. Da­mit war Hö­fers Früh­schop­pen die ers­te cross­me­dia­le Sen­dung. Die Sen­dung war nicht ei­gent­lich fern­seh­taug­lich und ge­hör­te doch Jahr­zehn­te für vie­le Haus­hal­te zum sonn­täg­li­chen Ri­tu­al vor dem Mit­tag­es­sen.

Internationaler Frühschoppen, v.l.n.r.: Dr. W. Wagner, Stephane Roussel, Werner Höfer, Jan Wintraecken, Terence Prittie und R.P. Dreyer, 1956. (WDR | Unternehmensfoto)

 

Hö­fer be­griff schnell, dass auch die re­gio­na­len Re­por­ta­gen ei­nen Platz im Fern­se­hen ha­ben muss­ten und er­stell­te ein ent­spre­chen­des Kon­zept. Die Sen­dung „Hier und heu­te“ (Erst­sen­dung 1.12.1957) in­for­miert die Zu­schaue­rin­nen und Zu­schau­er bis heu­te täg­lich am frü­hen Abend un­ter­halt­sam über gro­ße und klei­ne, aber im­mer be­rich­tens­wer­te Er­eig­nis­se aus Nord­rhein-West­fa­len und trägt da­mit zur Iden­ti­tät des 1946 ge­grün­de­ten Bin­de­strich-Bun­des­lan­des Nord­rhein-West­fa­len bei.

Wer­ner Hö­fer, den die Zu­schau­er und Zu­schaue­rin­nen nur mit ei­ner di­cken Horn­bril­le kann­ten, ge­hör­te von An­fang nicht nur zu den be­kann­tes­ten Stim­men des NW­DR, als so­ge­nann­ter „Fes­ter Frei­er“ ge­hör­te er in den 1950er Jah­ren mit mehr als 3.000 DM mo­nat­lich zu den Spit­zen­ver­die­nern im Köl­ner Funk­haus.[1] 

Schon früh er­kann­te Hanns Hart­mann, der In­ten­dant des Köl­ner Funk­hau­ses un­ter dem Dach des NW­DR in Ham­burg und seit 1956 In­ten­dant des neu ge­grün­de­ten WDR, die gro­ße Be­ga­bung und Viel­sei­tig­keit Hö­fers. 1957 be­för­der­te er ihn zum Lei­ter der Ak­tu­el­len Ab­tei­lung, al­ler­dings un­ter der Be­din­gung, dass die­ser den Sta­tus als frei­er Mit­ar­bei­ter auf­ge­ben müs­se. Nur wi­der­wil­lig wil­lig­te Hö­fer schlie­ß­lich ein. Sei­ne Kar­rie­re im WDR wur­de jäh un­ter­bro­chen, als Hart­mann 1960 über­ra­schen­der­wei­se nicht zum In­ter­d­an­ten wie­der­ge­wählt wur­de. Hö­fer war Hart­mann in be­son­de­rer Wei­se er­ge­ben und ver­bun­den und konn­te sich nicht vor­stel­len, un­ter ei­nem neu­en In­ten­dan­ten zu ar­bei­ten. Hier stel­len sich kri­ti­sche Fra­gen - ob bei­spiels­wei­se das Wis­sen um Hö­fers NS-Ver­gan­gen­heit die be­son­de­re Be­zie­hung der bei­den aus­mach­te, oder ob und war­um sonst Hö­fer un­ter dem be­son­de­ren Schutz Hart­manns stand?

Werner Höfer mit Studiogast in der Sendung „Hier und Heute“, 1957, Foto: Heinz Karnine. (WDR | Heinz Karnine)

 

Hö­fer schrieb nun für die „Zeit“ und den „Stern“. Ob­wohl der neue In­ten­dan­t Klaus von Bis­marck um die pro­ble­ma­ti­sche Ver­gan­gen­heit Hö­fers wuss­te, hol­te er ihn En­de 1964 an den WDR zu­rück, um das neue Drit­te Fern­seh­pro­gramm WDF auf­zu­bau­en, das 1967 re­gu­lär an den Start ging. Die Drit­ten Fern­seh­pro­gram­me soll­ten re­gio­na­len Sen­dun­gen, au­ßer­ge­wöhn­li­chen Pro­duk­tio­nen und Kul­tur­sen­dun­gen, die nicht für ein Mas­sen­pu­bli­kum be­stimmt wa­ren, ei­nen Sen­de­platz bie­ten. Dar­über hin­aus wur­de hier das neue Schul­fern­se­hen eta­bliert. Kurz: das WDF war der Ort, wo Sen­dun­gen aus­ge­strahlt wur­den, die nicht ins Ers­te Pro­gramm der ARD pass­ten.

Auch in die­ser Ma­nage­ment-Rol­le war Hö­fer au­ßer­or­dent­lich er­folg­reich. Mit gro­ßer Dis­zi­plin wid­me­te er sei­ne Zeit den ent­spre­chen­den Auf­ga­ben. In sei­nem Bü­ro in­for­mier­ten meh­re­re Bild­schir­me im­mer über das ak­tu­el­le Pro­gramm. Es ist über­lie­fert, dass er sich im­mer ei­nen kur­zen Mit­tags­schlaf gönn­te, der dann durch sei­ne Se­kre­tä­rin mit Kaf­fee be­en­det wur­de. Die all­sonn­täg­li­che Mo­dera­ti­on des In­ter­na­tio­na­len Früh­schop­pens be­hielt er bei – oh­ne je ei­ne Sen­dung aus­zu­las­sen. 

Nicht un­er­wähnt blei­ben soll ein „Skan­dal“ um die Tä­tig­keit der Mo­dera­to­rin­nen bei „Hier und heu­te“. 1963 soll­ten die Da­men auf Be­trei­ben des Chefs der Sen­de­rei­he, Wal­ter Eras­my (1924-1993), nicht mehr vor die Ka­me­ra, weil sie an­geb­lich dem Stress nicht ge­wach­sen sei­en und kei­ne Nach­rich­ten ver­le­sen könn­ten – ein Vor­ur­teil, dass sei­ner­zeit vie­le männ­li­chen Kol­le­gen pfleg­ten. Die Frau­en konn­ten sich je­doch er­folg­reich durch­set­zen.

Die Di­rek­ti­on des Drit­ten Fern­seh­pro­gramms war Hö­fer je­doch schon bald nicht mehr ge­nug. Er leg­te sich im­mer mehr mit dem seit April1960 im WDR am­tie­ren­den Di­rek­tor des Ers­ten Fern­seh­pro­gramms, Hans Joa­chim Lan­ge (1918-1980), an, der für die Zu­lie­fe­run­gen an die ARD ver­ant­wort­lich war. Er dräng­te auf ei­ne Zu­sam­men­le­gung bei­der Di­rek­tio­nen, un­ter sei­ner Lei­tung ver­steht sich. Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen en­de­ten schlie­ß­lich da­mit, dass Lan­ge ge­nervt auf­gab und 1969 Fern­seh­di­rek­tor des SWF wur­de. Nun hat­te Hö­fer freie Bahn. Er be­auf­trag­te sei­nen Re­fe­ren­ten Gün­ter Rohr­bach (ge­bo­ren 1928) 1965 mit der Lei­tung des Fern­seh­spiels. In sei­ne Ära fie­len der Start des sonn­täg­li­chen Kri­mis „Tat­or­t“ im Jahr 1971, eben­so die Fern­seh­pro­duk­tio­nen von Rai­ner Wer­ner Fass­bin­der (1945-1982). Die le­gen­dä­re Talk­sen­dung „Je spä­ter der Aben­d“ so­wie der Auf­bau des Schul­funks seit 1964 wa­ren eben­falls Hö­fers Ver­dienst. Als Kul­tur­chef hol­te er Hans-Ge­ert Fal­ken­berg (1919-2005) in das Drit­te Fern­seh­pro­gramm, des­sen Sen­dun­gen links, pro­vo­ka­tiv, und kon­tro­vers wa­ren. Ei­ni­ges dürf­te Hö­fer per­sön­lich si­cher­lich nicht ge­fal­len ha­ben, aber im Sin­ne ei­nes li­be­ra­len und mei­nungs­of­fe­nen Pro­gramms ließ er es zu. In die­ser Hin­sicht wur­de das WDF zum „Ex­pe­ri­men­tier­fel­d“.[2] Dass der wer­te­kon­ser­va­ti­ve Hö­fer dies zu­las­sen konn­te, zeich­ne­te ihn aus, im­mer auf der Su­che nach In­no­va­ti­on, ge­paart mit Qua­li­tät. Vol­ker Li­li­en­thal por­trä­tier­te ihn zehn Jah­re nach sei­nem Tod so: „Wer­ner Hö­fer war ein li­be­ra­ler Di­rek­tor, der bei al­lem Be­mü­hen um po­li­ti­sche Aus­ge­wo­gen­heit auch Kri­tisch-Pro­vo­ka­ti­ves zu­ließ.“[3] 

Als die In­ten­dan­ten­ära Klaus von Bis­marcks 1976 en­de­te, warf Hö­fer sei­nen Hut in den Ring und be­warb sich um die Nach­fol­ge. Als die Be­wer­bung schei­ter­te und die Gre­mi­en sich für Fried­rich-Wil­helm von Sell ent­schie­den, lös­te Hö­fer 1977 sei­nen Ver­trag als Fern­seh­di­rek­tor vor­zei­tig auf, nicht je­doch sei­nen Ver­trag für die Mo­dera­ti­on des In­ter­na­tio­na­len Früh­schop­pens.

Be­reits in der Ära Klaus von Bis­marck hat­te es im­mer wie­der An­grif­fe auf Hö­fer we­gen des­sen pu­bli­zis­ti­scher Tä­tig­keit in der NS-Zeit ge­ge­ben. Sie kon­zen­trier­ten sich im We­sent­li­chen auf ei­nen so­ge­nann­ten „Ju­bel­ar­ti­kel“ über die Hin­rich­tung des Pia­nis­ten und Kom­po­nis­ten Karl­ro­bert Krei­ten (1916-1943), der we­gen NS-kri­ti­scher Äu­ße­run­gen 1943 zum To­de ver­ur­teilt wor­den war. So­wohl der ers­te WDR-In­ten­dant Hanns Hart­mann als auch von Bis­marck hiel­ten je­doch an Hö­fer fest. Von Bis­marck wies die An­schul­di­gun­gen, die 1971 durch die Na­tio­nal-Zei­tung ge­gen Hö­fer er­ho­ben wur­den, zu­rück […] hal­te ich es zwar für mög­lich, daß Sie sei­ner­zeit die ei­ne oder an­de­re Äu­ße­rung ge­tan oder auch Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen ha­ben, die Sie heu­te ganz an­ders fäl­len wür­den. Ihr En­ga­ge­ment für den de­mo­kra­ti­schen Auf­bau [...] nach 1945 und die Kennt­nis Ih­rer Per­son seit vie­len Jah­ren ist für mich Grund ge­nug, mich durch sol­che An­wür­fe nicht be­rüh­ren zu las­sen.[4] Hö­fer dis­tan­zier­te sich von dem Ar­ti­kel und gab bis zu­letzt an, dass es gän­gi­ge Pra­xis ge­we­sen sei, dass Ar­ti­kel vor dem Er­schei­nen noch re­di­giert und im NS-Sin­ne ver­än­dert wor­den sei­en.

Durch ei­nen Ar­ti­kel im „Spie­gel“ vom 14.12.1987 ge­wan­nen die Vor­wür­fe ge­gen  Hö­fer je­doch an Bri­sanz, wor­auf­hin der Rund­funk­rat auf ei­ne ra­sche Lö­sung dräng­te, am 22.12.1987 gab Hö­fer auf. Der In­ter­na­tio­na­le Früh­schop­pen wur­de ein­ge­stellt und durch den „Pres­se­club“ er­setzt.

Höfer bei der 1.500. Ausgabe des Internationalen Frühschoppens, 19.10.1980. (www.grevenarchivdigital.de | Kölnische Rundschau)

 

Hö­fer hat­te es nicht ver­mocht, sei­ne Ver­gan­gen­heit und sei­ne NS-Ver­stri­ckung durch sei­ne Tä­tig­keit als NS-Be­richt­er­stat­ter selbst­kri­tisch zu be­wer­ten und an der Ver­tei­di­gungs­stra­te­gie zu dem be­sag­ten Ar­ti­kel fest­ge­hal­ten. Al­ler­dings war die ri­go­ro­se Ent­las­sung durch In­ten­dant Fried­rich No­wott­ny (ge­bo­ren 1929), an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass die Bio­gra­phie Hö­fers von An­fang an den In­ten­dan­ten be­kannt war und Hö­fer zu den äl­tes­ten, treu­es­ten und er­folg­reichs­ten Mit­ar­bei­tern des WDR ge­hör­te, dem der WDR ei­nen gro­ßen Teil sei­nes Er­fol­ges ver­dank­te, kein Ruh­mes­blatt in der Ge­schich­te des Sen­ders.

Hö­fer wa­ren zahl­rei­che Eh­run­gen zu­teil ge­wor­den, so bei­spiels­wei­se 1967 die Aus­zeich­nung mit der „Gol­de­nen Ka­me­ra“, im sel­ben Jahr mit dem Adolf-Grim­me-Preis in Sil­ber für den „In­ter­na­tio­na­le Früh­schop­pen“ vom 30.10.1966. 1973 war ihm das Gro­ße Bun­des­ver­dienst­kreuz ver­lie­hen wor­den. 1982 war er noch­mals beim Adolf-Grim­me-Preis ge­ehrt wor­den.

Hö­fer starb am 26.11.1997 ge­kränkt und ver­bit­tert in sei­nem Haus in Köln. Er hat den WDR nie wie­der be­tre­ten. Sein Grab be­fin­det sich auf dem Fried­hof in Köln-Ro­den­kir­chen.

Karlrobert Kreiten, 1941. (Privatbesitz Gilbert von Studnitz)

 

Schriften & Herausgeberschaften (Auswahl)

Hier und Heu­te. Über Mög­lich­kei­ten und Schwie­rig­kei­ten ak­tu­el­ler Be­richt­er­stat­tung in be­weg­ten Bil­dern, in: Jahr­buch des West­deut­schen Rund­funks 1958-1959, 1959, S. 115-139.

Was ich noch fra­gen woll­te: The­men und The­sen des in­ter­na­tio­na­len Früh­schop­pens 1969/70, Frank­furt/M. [u.a.] 1970.

So wird man was beim Fern­se­hen, Düs­sel­dorf 1971. Fern­se­hen im Glas­haus.

Zur Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Pro­gramm und Pu­bli­kum, Düs­sel­dorf [u.a.] 1972.

Glück ge­habt mit Prä­si­den­ten, Kanz­lern und den Frau­en, Stutt­gart/Zü­rich 1976.

Spät­le­se. Echo der Jah­re, Düs­sel­dorf/Wien 1983.

Ver­wöhnt in al­le Ewig­keit? Kri­ti­scher Dia­log über Ge­gen­wart und Zu­kunft Ame­ri­kas und Deutsch­lands, Wer­ner Hö­fer prä­sen­tiert zwan­zig Jour­na­lis­ten aus zwei Län­dern Düs­sel­dorf/Wien 1976.

Le­ben müs­sen – ster­ben dür­fen. Die letz­ten Din­ge, die letz­te Stun­de, Ber­gisch Glad­bach 1977.

So kam ich un­ter die Deut­schen. Ein welt­wei­ter Wort­wech­sel mit drei­ßig Jour­na­lis­ten aus fünf Kon­ti­nen­ten, Düs­sel­dorf [u.a.] 1988. 

Quellen

WDR Un­ter­neh­mens­ar­chiv (UA). Kurz­bio­gra­phie Wer­ner Hö­fer. 

Literatur

Des­alm, Bri­git­te, „Der WDR und ich sind quit­t“, in: Köl­ner Stadt­an­zei­ger, 1977, Nr. 174, Bun­te Blät­ter, S. 4-7.

Fei­den, Max Karl, „Ver­traut Eu­ren Träu­men“. Wer­ner Hö­fer: ge­hört, ge­se­hen auf vie­len Wel­len, in: Ruhr Nach­rich­ten, 30.11.1957.

Frei, Nor­bert/Schmitz, Jo­han­nes, Jour­na­lis­mus im Drit­ten Reich, 4. Auf­la­ge, Mün­chen 2011 [un­ver­än­der­ter Nach­druck d. 1. Auf­la­ge 1989], bes. S. 143-149.

Kam­mann, Uwe, „Das muss ich mit mei­nem Ge­wis­sen aus­ma­chen“. Ein In­ter­view mit Wer­ner Hö­fer, in: epd Kir­che und Rund­funk, 1988, Nr. 2, S. 3-6.

Kam­mann, Uwe, Spät­schop­pen. Der Fall Wer­ner Hö­fer, in: Hach­meis­ter, Lutz/Sie­ring, Frie­de­mann (Hg.), Die Her­ren Jour­na­lis­ten. Die Eli­te der deut­schen Pres­se nach 1945, Mün­chen 2002, S. 213-237.

Katz, Klaus [u.a.], Am Puls der Zeit. 50 Jah­re WDR, 3 Bän­de, Köln 2006. Lam­bart, Fried­rich (Hg.), Tod ei­nes Pia­nis­ten. Karl­ro­bert Krei­ten und der Fall Wer­ner Hö­fer, Ber­lin 1988.

Li­li­en­thal, Vol­ker, Di­rek­tor der De­tails. Zum 10. To­des­tag von Wer­ner Hö­fer, in: epd me­di­en Nr. 93 vom 24.11.2007, S. 3-9. 

Johannes Rau (SPD) gratuliert Werner Höfer zum 80. Geburtstag, Foto: Peter Gauger, 21.03.1993. (www.grevenarchivdigital.de | Kölnische Rundschau | Peter Gauger)

 
Anmerkungen
Zitationshinweis

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Witting-Nöthen, Petra, Werner Höfer, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/werner-hoefer/DE-2086/lido/652fc0fa843747.47101094 (abgerufen am 30.05.2024)